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Stellenwert 
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(1) Erziehung


Im Mittelalter spielte in Europa die Kindererziehung keine eigenständige Rolle. Erst während der Renaissance und der Aufklärung, verstärkt auch im Biedermeier des 19. Jahrhunderts, erlangten Kindheit und Erziehung wieder einen neuen Stellenwert, der schließlich in der Formulierung von Ansprüchen wie der „Allgemeinbildung" mündete.
Diese Ansätze des frühen 19. Jahrhunderts stellen - neben Arbeiten einiger weniger Vordenker, wie Johan Amos Comenuis (1592-1670) - die Grundlagen zur Formulierung von gesellschaftlich bedeutsamen Erziehungszielen dar. Seit dieser Zeit spielen auch Schulen als weithin verfügbare und unter staatlicher Aufsicht stehende Bildungsinstitutionen die wichtigste Rolle.

Quellentext



 
 

Moralische Erbauung und vor allem moralische Ermahnungen sowie Unterweisung waren ein wichtiger Bestand der Kinder- und Jugendliteratur des 18. Jahrhunderts. Eine solche moralische Beispielerzählung ist 
Christian Gotthilf Salzmanns Traktat 
Die Reichen sind sehr nützlich, 
besonders wenn sie ihr Geld gut anwenden, der zuerst 1783 in einem seiner Elementarbücher erschien, zu dem auch andere Autoren, z. B. Joachim Heinrich Campe und Christian Felix Weisse, Beiträge lieferten.
 

Vom Nutzen des Reichtums 

In einem Städtchen legten ein Paar kluge Bürger Fabriken von wollenen Zeugen an, und viele hundert Menschen fanden darin durch ihre Arbeit Nahrung. Einige kämmten die Wolle, andere spannen sie, noch andere webten, und etliche färbten die Zeuge. Alle diese Arbeiten wurden ihnen bezahlt, und sie konnten sich von dem Gelde, das sie verdient hatten, Speise, Kleidung und Feuerung kaufen.

Aber freylich hatten die beyden Bürger, die die Fabriken angelegt hatten, den mehresten Gewinn davon: denn sie verkauften die Zeuge, die sie hatten verfertigen lassen, und bekamen dafür immer etwas mehr, als sie ihnen kosteten, und wurden auf diese Art immer reicher.

Dieß gönnten ihnen nun die Armen nicht, murrten wider sie, und sagten, sie könnten sich unmöglich durch erlaubte Mittel ihren Reichthum erworben haben.

Nach einiger Zeit entstand ein Krieg, in welchem diese Bürger viel einbüßten. Die Kaufleute, die ihnen hätten zahlen sollen, verarmten und bezahlten nicht; sie selbst mußten einigemahl starke Contribution an die Feinde zahlen, und ein Wagen voll Waare, den sie zur Messe schickten, wurde ihnen weggenommen. Dadurch verloren sie so viel, daß sie nicht im Stande waren, die Fabriken fortzusetzen, sondern sie eingehen lassen mußten.

Dadurch entstand denn unter Allen, die für sie gearbeitet hatten, große Noth. Es war nun niemand mehr da, der ihnen Arbeit gegeben, und sie bezahlt hätte: folglich litten sie an den allernothwendigsten Dingen Mangel. Sie mußten Kleidung, Betten und Hausgeräthe verkaufen, um nur Brod zu bekommen. Und da sie nichts mehr zu verkaufen hatten, zerstreueten sie sich; einige ließen sich als Soldaten, andere als Colonisten nach Rußland anwerben, und manche mußten sogar den Bettelstab ergreifen.

Diese sagten oft: „ach! damals war noch gute Zeit, da die zwey reichen Bürger bey uns wohnten! da hatten wir beständig unser Brod; aber nun, da diese verarmt sind, ist es mit uns gänzlich aus."

Christian Gotthilf Salzmann: Moralisches Elementarbuch. Zweyter Theil. 
Neue verbesserte Auflage. Leipzig 1795, S. 345-347.

"Christian Gotthilf Salzmann: Vom Nutzen des Reichtums," Microsoft® Encarta® Enzyklopädie 2000. © 1993-1999 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten.

Was gab es noch


1795
  • Konstruktion der hydraulischen Presse (Joseph Bramah, GB)
  • Friedrich Schiller: Über die ästhetische Erziehung des Menschen

 
 
Von Sängern und Sängerinnen läßt sich manches lernen, doch glaube ihnen auch nicht alles. A lot can be learned from singers, but do not believe everything they tell you. On peut beaucoup apprendre des chanteurs et des cantatrices, mais il ne faut pas accepter tous leurs conseils.

 

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