Bindegewebe
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Heterogenes Gewebe, zahlreiche Aufgaben: Formgebung und Stabilisierung der Organe, Stoffaustausch, Speicherung von Fett und Wasser sowie Immunabwehr. Besondere Fähigkeit zur Regeneration.
 

1. Mesenchym

Kommt nur embryonal vor, alle Binde- und Stützgewebe sowie der überwiegende Teil an glatter Muskulatur gehen auf das Mesenchym zurück.
Es besteht aus verzweigten, fortsatzreichen Zellen, die ein lockeres 3-D-Netzwerk mit großen Mengen amorpher solartiger Intercellularsubstanz dazwischen bilden .

Mesenchym ist das erste nicht epitheliale Gewebe, das während der Frühentwicklung entsteht. Verdichtungen von Mesenchymzellen bilden oft die erste Anlage von Organen.
 
 

2. Bindegewebszellen

2.1 Ortsständige Bindegewebszellen
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Fibroblasten (aktive Form) bzw. Fibrozyten (sysnthetisch inaktive Form, aber reaktivierbar, z. B. Wundheilung) dienen der Faserbildung und der Synthese amorpher Intercellularsubstanzen (Grundsubstanz). 
  • Fibroblasten: viele irreguläre Zytoplasmafortsätze, ovale große helle Kerne mit deutlichem Nukleolus
  • Fibrozyten: Kleiner als Fibroblasten, weniger Zytoplasmafortsätze, kleine, dunkle, längliche Zellkerne und azidophiles (=eosinophiles) Zytoplasma, sie sind ja inaktiv.
Vorkommen: in jedem Bindegewebe
Fibroblast

2.2 Freie Bindegewebszellen

Haben zumindest zeitweise die Fähigkeit, ihre Lage zu verändern und bilden keine Intercellularsubstanz (insbesondere keine Fasern), sondern stehen mehr oder weniger im Dienste der Immunabwehr.
 
Leukozyten
werden häufig im Bindegewebe gefunden, kommen i. a. aus dem Blut über die Kapillarwand ins Bindegewebe. Dies ist ein kontinuierlicher, bei Entzündungsreaktionen stark zunehmender Vorgang. Am häufigsten sind eosinophile und basophile Granulozyten sowie Lymphozyten. Diese Leukozyten werden auch "Mikrophagen" genannt.
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Plasmazellen
Überall im Bindegewebe in geringer Zahl, zahlreich dort, wo Bakterien oder körperfremde Proteine in den Organismus eindrinen können (z. B. Darmschleimhaut). In der Regel nicht im Blut, da sie die Fähigkeit zu wandern verloren haben. Im LM signifikant
  • basophiles, ausgedehntes Zytoplasma (synthetisch aktiv: Antikörperproduktion; Die Plasmazelle heißt so, weil sie viel Plasma hat)
  • Kern mit Radspeichenstruktur
Sie stehen im Dienste der humeralen Immunität.
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Plasmazelle
Makrophagen
gehen aus Monozyten hervor, nachdem diese die Blutbahn verlassen haben und ins Bindegewebe gelangt sind. Sie haben erhöhte Fähigkeit zur Pinozytose und Phagozytose. Man unterscheidet:
Ortsständige Makrophagen kommen zahlreich in Organen vor und haben dort jeweils einen eigenen Namen (z. B. "Histiozyten" im lockeren Bindegewebe).
  • Kern ist oval und kleiner als der Kern der Fibrozyten (trotzdem leichte Verwechslungsgefahr)
  • Zytoplasma abgerundet
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Freie Makrophagen können stärker phagozytieren als ortsständige, sind amöboid beweglich (–› "Wanderzellen").
  • Kern ist rund
  • zahlreiche Einschlüsse im Zytoplasma (u. a. häufig Fettropfen)
  • Zytoplasma hat irreguläre Fortsätze
Außerdem habe sie die Möglichkeit zur Fusion mit anderen Makrophagen, um nicht sofort abbaubare Fremdkörper einzuschließen (–› "Fremdkörperriesenzellen")
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freie Makrophage
Mastzellen
Weit verbreitet im lockeren Bindegewebe und stammen aus basophile Granulozyten.
  • Kern zentral, jedoch meist von Granula überdeckt
  • länglich ovales Zytoplasma
  • metachromatisch* gut anfärbbare basophile Granula sind charakteristisch
Die Granula selbst werden von einer Membran umgeben und enthalten Hepain und Histamin (–› allergische Reaktionen bei Sekretion der Granula) und gehören damit zu den Hilfszellen des Abwehrsystems.
)* in H.E.-Färbung nicht zu sehen, färben sie sich mit Toluidinblau nicht blau, sondern rötlich bis lila an. Diese Farbänderung nennt man Metachromasie, sie ist stoffabhängig.
Mastzelle
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Pigmentzellen
kommen zwar häufig im Bindegewebe vor, sind jedoch nicht seiner Herkunft! Ihre Bildung unterliegt hormoneller Steuerung.
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3. Interzellularsubstanzen
 

3.1 Fasern
 
Kollagenfasern
Häufigste Faserart des Bindegewebes. Sie färben sich rot in H.E., blau in Azan, grün in Masson-Goldner, ungefärbt in Orcein (Elasticafärbung), gelbgrün in Eisenhämatoxylin und hellbraun in der Versilberungsreaktion. Nomenklatur: Beim Kochen von kollagenen Fasern tritt kolla (gr. Leim) aus.
Sie liegen selten allein, meist Bildung von größeren oder kleineren Bündeln, die im Bindegewebe gewellt vorliegen, jedoch unverzweigt.
Länge wird wesentlich vom Spannungszustand beeinflußt (ist mit der Zeit veränderbar: z. B. Verkürzung bei längerer Ruhigstellung). Die Zugfestigkeit ist größer als die von Stahl, eine 5%ige Dehnungsfähigkeit schafft eine einzigartige Flexibilität und Zugfestigkeit. 
     Kollagen-Typ-I in Sehnen, Knochen, Haut und Cornea
                         Kollagen-Typ-II in Knorpel und Glaskörper
                         Kollagen-Typ-III im lockeren Bindegewebe (= retikuläre Fasern)
                         weitere Kollagentypen, z. B. für Basalmembranen
Anordnung meist in Kombination mit elastischen Fasern in einem Scherengitter, damit das Bindegewebe seine Form verändern kann.

Fibrillogenese

  1. Bildung einer Alpha–Kette (Polypeptid)
  2. Hydroxylierung (= OH-Gruppe anbauen) von Prolin und Lysin (Aminosäuren)
  3. Glycosylierung (= Zucker anbauen)
  4. Diese hydroxylierten und glycosylierten Ketten verdrillen sich zu einer Tripplehelix, dem "Prokollagen" 
  5. Golgi-Apperat + Transportvesikel –› Exozytose => Extrazellulär!!
  6. Abspaltung der Registerpeptide durch Prokollagenpeptidase –› "Tropokollagen" (Registerpeptide verhindern intrazelluläre Zusammenlagerung = Faserbildung, die logischerweise ungewünscht ist)
  7. Mikrofibrillenbildung: typische Seit-zu-Seit und End-zu-Endanlagerungen
Spontane Bildung von Kollagenfasern bei Typ-I und Typ-II 
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kollagene Fasern
Retikuläre Fasern
sind Fasern vom Kollagen-Typ-III, die sich nur mit speziellen Färbungen sichbar machen lassen. Schwarz in der Versilberungsreation, stärker positiv als kollagen in der PAS-Reaktion. Jedoch entspricht die chemische Zusammensetzung und die TEM-Morpologie der Kollagenfaser.
Vorkommen: Vor allem im retikulären Bindegewebe, wo sie eigene feine Netzt bilden, z. B. Lymphknoten, Milz, rotes Knochenmark sowie um die zugehörigen Parenchymzellen von Leber, Niere und endokrinen Drüsen. Außerdem sind sie Bestandteil der Arterien- und Darmwand sowie von Basalmembranen.
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retikuläre Fasern
Elastische Fasern
sind verzweigt und bilden 3-D-Netzwerke. Im LM sehen sie homogen aus (bestehen jedoch [TEM] aus einzelnen Elastinmolekülen, die durch Querbrücken verknüpft sind; im entspannten Zustand ein Knäul). Sie werden jedoch nur durch spezielle Färbemethoden sichtbar: Violett bis schwarz in Resorceinfuchsin ; braunrot in Orcein (= spezielle Elasticafärbung).
Elastische Fasern sind auf das 2,5 fache ihrer Länge dehnbar (–› wesentlicher Beitrag zur kontinuierlichen Strömung in den peripheren Arterien). 
Vorkommen: In der Regel kommen sie zusammen mit Kollagenfasern vor, viele elastische Fasern besitzt die Lunge (sehr selten bilden sie Bänder, die dann eine gelb Eigenfarbe haben, z. B. Lig. flavum über den Wirbelkörpern)
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3.2 Grundsubstanz
Sie ist in der Regel amorph und geht bei üblicher Einbettung und Fixierung größtenteils verloren (Erhaltung z. B. durch Gefriertrocknung), bestimmt jedoch weitgehend die Eigenschaften des jeweiligen Binde- oder Stützgewebes, beeinflußt den intercellulären Stoffaustausch, kann Wasser binden und ist eine Barriere für Fremdkörper.
Proteoglycane
machen den Hauptteil des interstitiellen Bindegewebes aus, können sich nicht oder basophil oder metachromatisch anfärben. Ihr Polymerisationsgrad bestimmt die Festigkeit der Intercellularsubstanz.
Glycoproteine
sind mit der PAS-Reaktion nachweisbar. Ein hochmolekulares von ihnen ist Fibronektin.
Interstitielle Flüssigkeit
Von den insgesamt 11 Litern (!) liegt der Hauptteil gebunden vor, nur wenige Mengen frei. Freie Gewebsflüssigkeit ist dem Blutplasma ähnlich und wird von Lymphkappilaren abgeleitet.
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4. Bindegewebsarten
 

4.1 Lockeres Bindegewebe

Überwiegend Grundsubstanz, einige Kollagenfaserbündel (–› Scherengitter!), wenig retikuläre und elastische Fasern. Überwigend sind Fibrozyten und Makrophagen (hier = "Histiozyten") vorhanden, alle Bindegewebszellen jedoch enthalten. Es ist leicht verformbar, nicht in der Lage, seine Form zu halten.
Funktion: Verschiebeschicht, Wasserspeicher, Abwehr- und Regenerationsvorgänge.
eit verbreitet, füllt Lücken, verbindet organspezifische Anteile eines Organs (= Stroma), stützt Epithelgewebe, Subkutis der Haut sowie wichtigster Anteil der serösen Häute.
 

4.2 Straffes Bindegewebe

Mechanisch widerstandsfähiges Gewebe, wenig Grundsubstanz, wenig freie Bindegewebszellen, dafür viele Kollagenfasern.
Vorkommen: Organkapseln, Sehnen, Bänder

4.2.1 Geflechtartig straffes Bindegewebe
mit richtunsgslosem 3-D-Kollagenfasernetzwerk für Organkapseln etc.
4.2.2 Parallelfaseriges (straffes) Bindegewebe
für Sehnen und Bänder: In Sehnen kommen Fibrozyten (= "Sehnenzellen", "Flügelzellen") vor, die in H.E.-Färbung aufgrund geringer Farbunterschiede schwer zu erkennen sind. Kollagene Fasern sind im entspannten Zustand leicht gewellt.
 

4.3 Retikuläres Bindegewebe

Vorhanden sind Retikulumzellen (= Fibroblasten) und histiozytäre Retikulumzellen (=Makrophagen) sowie retikuläre Fasern, die sich den Retikulumzellen anlagern. Zur Immunüberwachung gibt es schließlich dendritische Zellen (Name aufgrund langer Zellausläufe).
Vorkommen: für Lymphatische Organe und Knochenmark charakteristisch
 

4.4 Gallertartiges Bindegewebe

Vorkommen ausschließlich in Nabelschnur [und Pulpa junger Zähne]. Es enthält langgestreckte, verzeigte Fibrozyten (d. h. keine weitere Differenzierung möglich) sowie einige locker gebündelte Kollagenfasern und retikuläre Fasern (beide in H.E.-Färbung nur als Grundsubstanz erkennbar).
 

4.5 Fettgewebe

Sonderform des Bindegewebe. Fett liegt im Zytoplasma der Fettzelle. Aufgaben: Energiereservoir, thermische Isolierung, wasserbindend, mechanische Aufgaben und Östrogensynthese.
Obacht: Bei üblicher histologischer Einbettung (Parafin, Alkohol) wird der Fettropfen durch Alkohol herausgelößt und die Siegelringform des Zytoplasmasaumes zerreißt häufig, der Kern erscheint als Lochkern. Verwechslungsgefahr mit mukösen Drüsen, jedoch sind letztere etwas regelmäßiger angeordnet.
 

4.6 Knorpel

siehe Knorpel

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