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Rokoko ca. 1715 - 1790

Auszüge aus dem "Journal des Luxus und der Moden" Band 1(1786-1795) - Müller & Kiepenheuer Haunau/Main


1. Haarputz. Man trägt überhaupt die Haare sehr ins Gesicht hereingezogen. Der Kopf ist á l�Ingenue und en Herisson á crochets frisiert. Zwei große Seitenlocken sind gewöhnlich. Oft schlägt man auch die Haare in keinen Chignon aus, sondern läßt sie ganz fry auf den Rücken á la Conseillère fliegen.

2. Hüthe, trägt man jetzt außerordentlich groß, und zu jedem Anzuge, nur nicht zur grande praure; häuffig Stroh-Hüthe mit hohem Kopfe, mit farbigem Bande eingefaßt; um den Kopf eon oder zwey dergleichen breite Bänder; oder eine dicke Binde von Farben-Flor, die mit einem Perlen-Knopfe gefaßt, und hinten in eine große Schleife gebunden wird, davon die Enden zwey bis drey Finger breit über den Rand des Huthes herabhängen. Auf der linken Seite eine Touffe von vier kurzen weißen Federn, aus welchem eine große farbige Schwung-Feder heraussteigt, die Follette oder La Dominante heißt. Meist ist die Garnitur des Huthes von der Farbe des Kleides; außer wenn zwey Mode-Farben wie violet und dunklegrün zusammentreffen. Auf Hüthen die mit Atlas, Taft oder Flor überzogen sind, trägt man Band, Flor und Blumen, sowohl Guirlanden als einzelne Zweige. Der Huth mit der großen Schleife auf T.II. heißt á la Cherubin. Zum Dèshabillè tragen die Damen gewöhnlcih runde englsiche Castor-Hüthe, oder Jackeys en Ourson, schwarz oder grau, mit hohen und oben platten Köpfe, (à forme carrèe) die Krempe 5 bis 6 Zoll breit; entweder Kopf und Krämpen ganz rauch, oder nur mit einem rauchen Rande. Um jenen wird meistens ein schwarzes Band mit einer brillantierten Stahlschnalle, die an der Seite auf einer großen Band-Rose liegt; am letzteren aber bunte Mode-Bänder mit Schleifen, getragen.

3. Hauben, gehören zur grande parure. Täglich schfatt die plastische Kunst der Pariser Putzmacherinnen nur Formen davon. Jetzt sind Hauben à la Paresseuse, à la Figaro, à la Jeanette, à la Pouf, und à la Laitiere Mode. Band und Blumen sind ihre vorzügliche Dekoration.

4. Blumen, trägt man noch auf Hauben, Hüthen, und in den Haaren; aber alle fein, und nach Natur gearbeitet.

5. Um den Hals, entweder eine bloße seidene Schnur, daran ein Medaillon auf den Busen herabhängt, oder ein bloßes schmales farbiges Bändchen.

6. Halstuch. Man ist jetzt zu Paris im Geschmack der großen Halstücher von feinem Cammertuche, oder Linon, die oft zwey bis drey Kragen oder Ganituren haben, davon die unterste weit über die Achseln herabhängt.

7. Kleid. Robes und fourreau; à la Levite, à la Turque, à la Circassisne, und à la Janseniste, sind noch Mode, und alle Garnierungen darauf äußersteinafch; z.E. à la Jeanette, blos mit einem weißen Rande eingefaßt.
Sowohl unter der Robe longue als dem fourreau wird ein Rock von anderer Farbe, z.E. von Musseline oder Atlas getragen; zum fourreau eine Schürze von Cammertuch, rundherum damit garnirt; oder von Musseline, unten mit 3 Falten; eine über der anderen.
Schärpen trägt man jetzt mehr von Flor, als noch von Bande. Sie werden über der Hüfte in eine große Schleife gebunden, und hängen hinterwärts zur Wade herab.

8.Pelz. Fast alle Damen-Pelze die man jetzt zu Paris sieht sind mit Marder-Schwänzen aufgeschlagen, um Hals und Arme doppelt besetzt, und haben weite Halbärmel und etwas Taille; wie z.E. die Figur T.II. trägt. Die schönen langhaarigen weißen Müffe von Angora-Ziege sind allgemein Mode. Die Damen tragen 2 farbige Band-Schleifen darauf.

9. Schuhe, werden jetzt im Winter von rosa oder weißem Atlas, mit rosa Band-Rosen von Mode-Farbe des Rocks oder des Kleides getragen. Kein Damen-Schuh wird mehr geschnallt, sondern entweder mit Band-Rosen oder blos queer über dem breiten Bande garnirt, à la Jeanette, getragen; oder es werden lange schmale Stein-Schnallen, ohne Herz und Dorn, die Charnieren haben, und sich sehr bequem an den Fuß legen, darauf genäht.
Wir müssen hirbey der sogenannten chinesischen Schuhe gedenken, die jetzt auch Mode sind. Sie sind ausserordentlich weit ausgeschnitten, queer über mit einem Bande garnirt, ahben sehr hohe Spitzen und breite niedere Absätze. Sie heißen eigentlich Sabots Chinois.

10. Bouffantes und Culs des Paris (oder eigentlich Culs de crin) werden nicht mehr getragen.

11. Bänder richten sich immer nach den Mode-Farben. Die neuesten Mode-Farben sind jetzt
   Queue de Serin. (Canarien-Vogel-Schwanz.)
   Souffre tendre. (Blaß Schwefelgelb.)
   Gros verd. (Dunkelgrün.)
   Violet d�Eveque. (Röthlich Violet.)
Eben solche Bänder werden auch getragen ; entweder Couleur uni, oder mit obigen 3 Haupt-Farben, nemlich queue de serin, gros verd und violet d�Eveque, gestreift.

12. Mode-Stoffe. Die neuesten Winter-Zeuge zu Damens-Kleider sind entweder
   a)zu reichen Roben, Velours satinè, mit gleich breiten wechselnden Sammt-und Atlas-Streifen und Farben; nemlich violet und souci; verd und souci;
   oder
   b) Atlasse, theils uni von obigen Mode-Farben; oder meliert und glaciert.

a) Robe à la Turque. Wir verpsrachen im vorigem Monats-Stücke unsern Leserinnen die Zeichnung und Beschreibung der neuen Robe à la Turque, so wie man sie jetzt zu Paris trägt, und entledigen uns hiermit durch Taf.VIII. unserer Schuld. Wenn wir dem Hrn. Redacteur des Cabinet des Modes - der, in Parenthesi gesagt, auf Unfehlbarkeit seines Tribunals eben nicht stolz zu seyn Ursach hat - glauben wollen, so geht nichst über eine Robe à la Turque; ja sie muß ein eigner Talisman seyn, der eine schöne frau zur Selbstherrscherin aller Herzen macht. Dans une robe à la Turque - bricht er in einer ARt von Extase aus - une jolie femme, soit ou Spectacle, ou dans un Cercle, Remporte des triomphes plus surs et plus agreables, que ceux d�une Géorginne ou Circassine dans les Harems de Constantinople. Il n�est pas même de Sultane, qui ne fut jalouse de sons élégance, de sa grace, & des hommages qu�on lui rend. Dies ist mit sener Erlaubnis, ein sehr plattes und linkes Compliment, das er unsern westlichen Europäischen Damen macht; und und ohne uns in die Analyse davon weiter einzulassen, wollen wir letzteren lieber, als treue Referenten, das Rezept zu einer Robe à la Turque ächt und unverfälscht liefern.
Corset und Rock (Taf. VIII.) sind von weißem Atlas oder Taft. Die Falbala des Rocks macht ein vierfaches Nacarat-Band, so wie die Garnierung des Rocks auch aus Nacarat-Band-Schleifen besteht, in welchem drey Blumen-Festons von grünem Feuillage und blassen Lilas-Blumen hängen.
Die Robe ist aus Navarat-Atlas oder Taft mit weißem Futter, mit einer Bordüre au Cardinal blanchi, und einer vorspringenden Garnierung von ebenfalls grünem feuillage und blassen Lilas-Blumen, die sich bis hinauf zur Brust-Schleife immer verschmälert, auf der Kante besetzt. Die Ärmelder Robe gehen nur bis auf den halben Ober-Arm; die Paremens der weißen Corset-Aermel hingegen sind Nacarat, wie dir Robe. Das Halstuch ist von Flor und garnirt und mit einer blas Lilas-Schleife gefaßt. Man trug auch Roben à la Turque zur grande parure, von Sammt von verschiedenen Farben, mit Atlas gefüttert, und mit Atlas-Rocke von einer abstechenden Farbe.

b) Robe en Chemise.
Das neueste Negligé der Damen in Paris sit dermalen die Robe en Chemise. Man trägt sie meistens von blaß Lilas taffêtas des Indes. Sie ist ein völliges Chemise mit Taille, und doppelten Kragen und breiter Falbala von gleichem Zeuche. Das chemise macht unter der brust, welche weit ausgeschnitten sit, einen ziemlich starken Bausch, welcher kurz über der Taille mit einem gelb und schwarzgestreiften Bande gebunden ist. Man trägt Manschetten von Linon dazu.

......

b) Strumpf-Bander à Resort
Daß ein Strumpfband keins der unwichtigsten weiblichen Kleidungs-Stücke sey, könnte ein sehr ansehnlicher englischer Ritter-Orden, der ihm seinen Ursprung verdankt, und vielleicht manche interessante Anekdote aus der geheimen Geschichte der Staaten, beweisen, wenn es darauf ankäme. In der neuesten Waren-Liste von petit Dunkerque zu Paris, stehn die Strumpfbänder unter Bijoux und Nippes, und England hat uns auch mit einer neuen Mode darinn beschenkt, den man trägt schon seit etlichen Monaten Strumpfbänder à Ressort. Die Erfindung ist, wie gedacht, Englisch. Zwey platte ohngefähr spannenlange Spiral-Linien von elastischem Drahte, an den Enden mit einer Schnalle, und einem Riemen versehen, und mit Tafft überzogen machen ein solches Strumpfband aus, dessen Gebrauch darum sehr bequem ist, weil es immer so viel, als bey der Bewegung des Fußes nöthig ist, nachgibt. In so fern wäre diese Erfindung und Mode, obgleich nicht ökonomisch � denn ein Paar solcher Strumpfbänder kosteten noch vor ein Paar Monaten ½ Louisd�or � doch nützlich. Frankreich, dem die Englische Simplicität zu simpel war, hat noch Decorationen hinzugethan, und Herr Granchér zu Paris verkauft sie sehr reich und schön gestickt.

Englischer Damen-Schuh
Dieser geht von den gewöhnlichen Damen-Schuhen blos darin ab, dass seine Spitze fast wie an den Sabots Chinois, vorn in die Höhe geht, höher als einen guten Zoll über der Sohle, und von der Linie c an, eine Kappe von steifem Leder ist. Die englischen Damen bedienen sich dergleichen Schuhe vornemlich zum Spazierengehn, und der Vortheil den sie gewähren, ist, dass die Zeen vollkommen Platz haben, sich gut zu legen; und durch die steife Kappe für einen schmerzlichen Stoße an Steine oder dergleichen gesichert sind.


Männliche Kleidung
und zwar der volle Anzug Die männliche Kleidung theilt sich so gut als die weibliche, in den vollen Anzug (grande parure) und das Negligé. Da jener, als die Tracht des Hofes und jeder anderen Feyerlichkeit, immer eine gewisse Einförmigkeit und Ansehen von Würde erfordert, mehr conventionell, und bey weitem nicht so willkürlich als das letztere ist, so sind auch die Moden darinn, bey aller Verschiedenheit des individuellen Geschmacks, den so mancher Erbensohn seinem Festkleide zu geben oder nicht zu geben weiß, bey weitem nicht so schnell wechselnd und auffallend als beym Negligé; ... Wir liefern auf Tab. VI. dieses Monats einen Herrn im vollen Anzuge, von neuester Pariser Mode. Seine Coeffure ist grecque carré mit vier Locken. Er trägt einen kleinen Haarbeutel, etwas starke Halsbinde von Musseline, doch nicht so dick al man sie jetzt zu Fracks trägt; Spitzenmanschetten nach der saison; einen ziemlich großen weißen Federhut mit tiefn Kopfe, ein violett Atlas-Kleid, mit Golde gestickt; der Rock mit weißen Atlas gefüttert und mit hohen stehendem Kragen; die Veste von weißen Atlas mit gleicher Stickerey; die Beinkleider mit dem Rocke gleich, mit gestickten Jarretieren, und ovalen Stein- oder diamantierten Stahlschnallen; weiße seidenen Strümpfe; Schuhe mit rothen Absätzen, und großen achteckigen englischen silbernen Schnallen; Stahldegen mit weißer Scheide und grün und weißer großer Band-Schleife, und zwey Uhren mit goldener Kette, von neuester Facon.

1.Huth
Man trägt zum Negligé, sowohl dreyeckige als auch runde Hüthe. Der neueste dreyeckige Huth ist der schon oben angezeigte Huth á l�Androsmane, wie ihn die Figur auf Taf. IX. zeigt. Er hat keinen sehr hohen Kopf; die Hinter-Krämpe ist 6 Zoll 9 Linien (Pariser Maas) und die beyden Seiten-Krämpen 6 Zoll 3 Lin. hoch; die beyden Ecken 5 Zoll und die vordere Spitze 4 Zoll 6 Linien tief; an der Seite einen großen platten seidnen Knopf, um welches ein Fingerbreites schwarzseidnes Band in Form eines V, als Agraffe, doppelt gesetzt wird.
Der runde oder sogenannte Jockey-Huth, ist Englisch, und wird eigentlich nur zu Stiefeln getragen. Er hat einen hohen und platten Kopf ohngefähr 5 Pariser Zoll hoch, und eine nur 3 Zoll 6 bis 9 Lin. breite Krämpe, die an beyden Seiten ganz leicht mit ein Paar seidnen Schnüren geheftet ist, so dass sie ein wenig steigt, und vorn und hinten ein wenig herunter fällt. Um den Kopf trägt man gewöhnlich ein schwarzes Band mit einer schönen Stahl-Schnalle. Dieser Huth ist bequem zum Reiten und Reisen, sitzt fest auf dem Kopf, und ist � da doch einmal die europäische Sitte will, dass der Mann durch das beschwerliche Abnehmen des Huthes grüßen muß � geschickter zum Abnehmen als die großen Quacker-Hüthe, die man mit einer Hand nie abnehmen kann, der Wind, der sich in die Seegel der lappen herunterhängenden Krämpe legt, leicht abwirft, und die unsern jungen Leuten, die sich sonderlich darein verliebt zu haben scheinen, ein nachtheiliges lüderliches Ansehn geben.

2.Wäsche
Glatte feine Battist-Manschetten und eine sogenannte Englisch dicke Halsbinde von Mousseline, oder ein weißes dreyeckiges Halstuch von Battist, von dessen zwey zipfeln man eine kleine Schleife unter dem Kinn bindet, trägt man in England und Frankreich zum Negligé. Spitzen gehören nur zum vollen Anzuge, oder höchstens zum frac habillé, oder geputzten Frack.

3.Frack
Den Frack haben wir, wie gedacht, den Engländern zu verdanken. Er ist vermöge seiner Simplicität, knappen Aermel, Kragen, vielen Taschen, bequemen Zuknöpfens und Anschliepens an den Leib, der schickliche und bequemste Rock zum männlichen Alltags-Leben, Geschäften und Reisen. Indessen haben die Franzosen, denen immer die Englische sehr vernünftige und zweckmäßige Simplicität zu simpel ist, auf mancherley Art daran gekünstelt, und ihn meistens verdorben. Bald machten sie ihn zu kurz, bald zu lang, bald gaben sie ihm einen so übertriebenen Ausschnitte, daß er kaum auf der Brust durch einen ängstlichen Heft zusammenhieng, den Unterleib, den eigentlich der Frack bedecken und warm halten soll, ganz unbedeckt ließ, und dem, der ihn trug, das lächerliche Ansehen eines Luftspringers gab; und die Teutschen Schneider trugen, durch ihren Schneider-Witz, noch überdieß alles Mögliche bey, ihn zu verhunzen.

...

5.Hosen
Man hat anjetzt schwefelgelbe etwas knapp anliegende Hosen zur Mode für das Negligé gewählt. Diese haben an der Seite nur drey kleine silberplattierte Knöpfe, und sind entweder auch mit gelben Bändern gebunden, oder man trägt dazu sogenannte King�s patents, oder Englische plattierte Knieschnallen ohne Dornen, mit bloßen Wiederhaken, die ganz bequem sind.

6.Strümpfe
Es ist kein Vorurtheil, dass sich weiße Strümpfe, die so vielen Unfällen unterworfen sind, zum Frack als Alltags- und Geschäftskleidung weniger schicken, als graue oder mit Farben melierte, die weniger schmutzen. Man trägt daher auch die sogenannten pas de fantaisie, order buntgestreifte und melierte zum Negligé. Folgende sind von neuester Mode:
gestreifte, weiß und boue de Paris meliert.
Violet und dunkelgrün meliert.
Violet und boue de Paris meliert.
Grün und boue de Paris meliert.
Weiß mit blau gestreift.
Zum frac habillé gehören immer weiße Strümpfe.

...

9.Stock
Zum vollen Anzuge des Mannes gehört der Degen, und zum Negligé der Stock. Ein großes und starkes Rohr trägt man nur auf dem Lande, und wenn man weite Promenaden zu Fuße macht, in der Stadt aber erlaubt die Mode nur die dünnere Badine Die neuesten Mode-Badinen die man jetzt trägt sind von Bambus oder Wangée-Rohre, mit Elfenbein oder goldnem Knopfe. Ostindien ist das Vaterland von beyden Rohren, die aber sehr wesentlich verschieden sind. Das Bambus-Roht hat nemlich runde Knoten und Schosse, und ist sehr zähe und biegsam; das Wangée hingegen hat am dicken Theile erst etliche runde Knoten und kurze Glieder, dann aber Schosse, die sich immer mehr verlängern, und abwechseln, auf einer Seite haöbrund und auf der anderen platt und canneliert sind; welches einer solchen Badine ein sehr artiges Ansehn biebt. Ueberdieß ist das Wangée-Rohr steif und leicht zerbrechlich, deshalb man auch, der Dauer wegebm meistens dünne Degenklingen darin trägt.

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