Renaissance ca.1425 � 1600
Kleidung der Dame in Deutschland
In der Mode herrschte gro�e Willk�r in Schnitten und Farben.
Eine einheitliche Mode gab es nicht. Die Kleidung galt als
Ausdruck der eigenen Pers�nlichkeit und Individualit�t.
Jacken & M�ntel
Der �Mantel�, wurde nur lose �ber die
Schultern gelegt. Um ein Hinabgleiten zu verhindern, wurde �ber
der Brust geknebelt. Der Mantel l�sst sich mit einem �rmellosen Umhang vergleichen. Es wurden �berwiegend Wollstoffe
verwendet. Kurze M�ntel waren stets mit Wollfutter ausgestattet,
w�hrend lange M�ntel mit Seide abgef�ttert waren. Schwarze
M�ntel hatten h�ufig farbige Seidenfutter in Rot-, Gelb- oder
Goldt�nen und waren herausnehmbar.
Der so genannte "Fehenmantel" war die entsprechende
�berkleidung zum Fl�gelrock. Charakteristisch waren seine
breiten Pelzbes�tze entlang der Vorderkanten. Er wurde
ausschlie�lich zum festlichen Kirchgang getragen.
Die pelzgef�tterte "Husecke", die sich von den Schultern aus
nach unten glockig erweiterte, wurde wie ein Mantel umhangartig
getragen und war fast bodenlang. Beide H�nge�rmel hatten
jeweils L�ngs- und Querschlitze. F�r die Husecke wurden
haupts�chliche hochwertige Stoffe verwendet, die mit
Samtbes�tzen und Schmuckkn�pfen verziert wurden. Getragen
wurde sie au�er Haus, beim Spaziergang in der Stadt oder auf
dem Weg zu einer Einladung.
Das "Sch�ublein" war ein h�ftkurzer, pelzgef�tterter Umhang,
der �berwiegend f�r den t�glichen gebrauch bestimmt war.
Wie die M�nnerschaube war die �Schaube� ein bodenlanger,
pelzgef�tterter Mantelrock, dessen neuartige Vorder�ffnung, der
lose mantelartige Fall, das Pelzfutter und der breite
Kragenumschlag charakteristisch waren. Die Frauenschaube
diente nicht nur als w�rmende �berkleidung, sondern auch als
repr�sentatives Obergewand. Aus schriftlich festgehaltenen
Nachlassinventaren l�sst sich erkennen, dass die Schaube nicht
nur der Oberschicht vorbehalten war. So wurde in einer Kleiderverordnung
von 1583 die Zulassung der
Schauben in den einzelnen St�dten gesetzlich festgelegt.
Oberkleidung
Das �Hemd� bezeichnete die sichtbar getragene Bluse, ebenso das
Unterhemd. "Halshemd", �Frauenhemd� und �Unterhemd�
waren ebenfalls zeitgen�ssische Bezeichnungen. Hohe
Stehkragen, R�schenabschl�sse, reiche F�ltelungen und
Zierstickereien sind typische Merkmale des Halshemdes.
Auf oder unter dem Hemd wurde das "Mieder" getragen, was am
Unterrock angenestelt werden kann. Diese Mieder sind jedoch
noch nicht wie in der spanischen Weltmode mit Platten verst�rkt.
"Br�stlein" oder �Br�stla� war die verbreitetste Bezeichnung f�r
die Oberteile zweiteiliger Frauenkleider, aber auch Namen wie
�Joppe�, �Wams�, �Leib�, �Brustleib�, �Br�stle�, �Leibchen�,
�Leibst�ck� und �Mieder� wurden regional verwendet. Im sp�ten
16. Jahrhundert war das Br�stlein ein Oberteil mit langen �rmeln
und steifem Stehkragen. Samtverbr�mungen verzierten h�ufig die
Kanten des Vorderteils. Lediglich an den �rmelw�lsten befanden
sich mehrere Reihen mit Zierkn�pfen. Bevorzugte Materialien
waren Seiden, Halbseiden, Woll- und Mischgewebe, sowie
Leinen und relativ hochwertige Stoffe.
Der "Goller", eine Art �rmelloses J�ckchen, wurde �ber dem
Hemd, dem Kleid oder auch als Einsatz an Stelle eines Hemdes
getragen und bedeckte Brust und Schulter. Es endete unmittelbar
unter der Brust und diente, mit Pelz gef�ttert, als w�rmendes
Kleidungsst�ck. Aus Samt, Damast, mit reichen Verbr�mungen
und Verzierungen komplettierte es die festliche Kleidung der
Frau.
R�cke
Der in der Taille angesetzte Halbrock, der �Unterrock� wurde
stets so getragen, dass er teilweise sichtbar war. Alle Schichten
z�hlten ihn zu ihrer allt�glichen Kleidung. Charakteristisch f�r
den Unterrock waren seine dekorativen Saumbes�tze, die aus
vielf�ltig gestalteten Zierstreifen zusammengesetzt wurden.
Als "Pelz" wurde der fellgef�tterte Frauenrock bezeichnet.
Zusammen mit den ebenfalls pelzgef�tterten Oberteilen wie
Br�stlein und Koller machte der �Pelz� die gesamte w�rmende
Kleidung der unteren sozialen Schichten aus. Einheimische, eniger luxuri�se
Felle wurden bevorzugt verwendet.
Der so genannte "Schurz" umschloss den darunter getragenen
Rock rundum, w�hrend der "Schurzfleck" nur den vorderen Teil
des Rockes bedeckte und als Arbeits- oder Ziersch�rze diente. Im
Gegensatz zum darunter getragenem Kleid war der Schurz
waschbar. Beliebte Farben waren wei�, rot und schwarz. Neben
den verwendeten Leinen- und Wollstoffen nahmen ab Mitte des
16. Jahrhunderts hochwertige Seidenstoffe zu.
Kleider/ Kost�me
Der "Rock" bezeichnete ein einteiliges Frauenkleid mit einem
tiefen, breit zu den Schultern verlaufenden Halsausschnitt. 1490
verbot jedoch ein Gesetz diese tiefen Ausschnitte, so dass ein
geschlossenes Hemd oder Brusttuch darunter getragen werden
musste. Im 16.Jahrhundert bestand der Materialverbrauch f�r
einen Frauenrock zwischen 5 bis 6 Ellen. Hochwertige
Materialien wie Samt, Seide und Atlas dienten der dekorativen
Verbr�mung von Frauenr�cken. Kleiderordnungen schrieben
jedoch Material des Rockes, sowie Farbe und Breite der
Verbr�mung vor, wobei es jedoch eine Vielzahl von Verst��en
gegen diese Richtlinien gab.
Als "Fl�gelrock" wurde das weltliche Festkleid der N�rnberger
Patrizierinnen bezeichnet. Die "Fl�gel" waren die mit Pelz
gef�tterten H�nge�rmel. Auf zeitgen�ssischen Bildern sind
taillierte, mit dekorativem �Gesperr� versehene Oberteile zu
erkennen. Die dazu getragenen Hemden waren meist goldverziert.
Der "Schwanzrock" war ebenfalls festlichen Anl�ssen
vorbehalten und war in seiner form dem mittelalterlichen
Schleppkleid �hnlich. Rot, Schwarz, daneben auch Braun und
leibfarben waren �berwiegende Farben f�r einen Schwanzrock.
"Faltenr�cke" mit volumin�sen Rollfalten bestimmten die
Hofkleidung. Ganzfigurige Adelsportraits von Lucas Cranach lassen
geben Faltenr�cke wieder. Aufgrund seiner �berl�nge stauchte
das materialreiche Kleid auf dem Boden.
Frisuren und Kopfbedeckungen
"Hauben" aus Leinen- und Baumwollgeweben machen den
gr��ten Teil der Kopfbedeckungen der Frau aus. Aber auch Samt-
, Seide- und Wollstoffe finden Verwendung f�r Hauben und
nehmen im Lauf des 16. Jahrhunderts zu. Neben diesen einfachen
gibt es auch gewirkte und gestrickte Hauben aus Seidengarnen
oder Goldf�den, sowie Pelzhauben aus den unterschiedlichsten
Fellen.
"Goldhaube", "Haarhaube", "Stirnhaube", "Faltenhaube",
"Bogenhaube" und "Flinderhaube" sind zeittypische
Bezeichnungen, die auf die verwendeten Materialien schlie�en
lassen. Noch bis ins sp�te 17. Jahrhundert bleibt die Haube eine
unverzichtbare Kopfbedeckung in der allt�glichen Kleidung der
�lteren Frauen und Witwen.
Die so genannte "Wulsthaube" oder "Steuchlein"
bestehen komplett aus einer zur�ckgesetzten, wulstartigen
Unterhaube und einem Schleiertuch. Die
Haube ist mit Borten in vielf�ltiger Breite und Gestaltung verziert. H�ufig
sind diese Zierborten gold, schwarz oder rot und aufwendig
bestickt.
"Schleier" bezeichnet die traditionelle Haube mit einer Kinnbinde
und einer in mehreren Lagen drapierte Stofff�lle. F�r den
Kirchgang tragen die Frauen ihren Schleier mit umgebundenen
Kinnstreifen. Eine wulstartige Unterhaube gibt dem Schleier, der
meist aus dichten Leinen- oder Baumwollgeweben besteht, seine
typische Form. Beliebt sind wei�e, aber auch rote Schleier. Im 16.
Jahrhundert kommt der Schleier allerdings rasch wieder aus der
Mode.
Wie alle anderen Frauenhauben hat auch das "K�pflein" eine
formgebende Unterhaube, die zun�chst einen hohen radartigen,
sp�ter den Hinterkopf nur noch leicht betonenden Wulst hat. Die
Materialien reichen je nach Stand und Anlass von einfachem
Leinen bis zu zarten durchsichtigen, auch seidenen Geweben.
Breite und Ausschm�ckung der Zierborten sind ebenfalls vom
Stand der Tr�gerin abh�ngig.
Ein Haarnetz, auch als "Haarhaube" bezeichnet, gestattet den
Frauen ihr Haar sichtbar zu tragen. Allein oder mit einem
Schleier, mit Kr�nzen und Reifen geschm�ckt wird die
Haarhaube von verheirateten Frauen und jungen M�dchen
getragen. Diese Haarhauben werden im 16. Jahrhundert
zunehmend auch unter H�ten getragen.
Die "Pelzhaube" ist �berwiegend in der b�rgerlichen
Frauenkleidung eine w�rmende Kopfbedeckung.
Das "Barett" mit seinen vielf�ltigen Formen, Ausf�hrungen,
Materialien und Zierraten ist wie keine andere Kopfbedeckung
typisch f�r die Renaissance.
Die "Schlappe" ist eine Unterart des
Baretts. Ihre beutel- oder klappenartige Form ist typisch.
Die "Schlappe" ist wie ein tellerf�rmiges Barett mit einem
anliegenden Rand am Hinterkopf. Die Vielfalt der Barette reichte
�ber ausladende Tellerbaretts bis zu kleinen Kopfbedeckungen
mit weichem Kopfteil und schmaler Krempe. Neben der gro�en
Formenvielfalt zierten die unter-schiedlichsten Schmuckelemente,
wie Medaillen, Zierkordeln, Durchz�ge, Stickereien und nat�rlich
Schlitze und Federn die Baretts, wobei Goldschmuck nur f�r die
Oberschichten zugelassen war. �berwiegend wurden Wolltuche,
aber auch Samt verwendet.
Ein "Haarband" oder "Kranz" finden wir auf zahlreichen
zeitgen�ssischen Darstellungen von jungen M�dchen und
Kindern. Das Haarband kennzeichnet wie das mittelalterliche
"Schapel" die noch unverheiratete junge Frau, sowie das
M�dchen im Kindesalter.
Kleiderordnungen schreiben jedem Stand bestimmte zugelassene
Haarb�nder vor, schwarze Samtb�nder f�r Dienstm�dchen,
Perlenhaarb�nder und perlenbestickte Goldborten f�r die
Oberschichten.
Zopffrisuren sind bei Kinder, jungen M�dchen und Frauen jeden
Alters weit verbreitet. Eingeflochtene bunte B�nder machen die
Z�pfe dicker und l�nger. H�ufig finden auch k�nstliche Z�pfe
Verwendung, um die eigene Haarpracht volumin�ser erscheinen
zu lassen. Diese k�nstlich angefertigten Z�pfe sind aus leichter
Seide und mit Abfallwolle ausgestopft.
Accessoires/ Schmuck
"G�rtel" sind schm�ckendes und zugleich funktionales Beiwerk.
Die Machart der G�rtel reicht von einfachen, zweckm��igen
Lederriemen, textilen G�rteln unterschiedlichster Qualit�t bis hin
zu hochwertigen Goldschmiedearbeiten, wobei die textilen G�rtel
den Hauptanteil darstellen. Breite, eng geschn�rte
Tailleng�rtel aus gemusterten, zum Teil beschlagenen
Goldborten, sowie Samtb�nder mit medaillonartigen
Applikationen ,wie Pflanzenmuster und Figuren, aber auch antike
m�nnliche B�sten sind in der ersten H�lfte des 16. Jahrhunderts
�berwiegend. In den 60er Jahren des 16. Jahrhunderts werden die
G�rtel schmaler und umspielen locker die Taille, aber auch
Ketteng�rtel aus Kettengliedern, sowie lange, seitlich
geschlossene H�nge-G�rtel werden zunehmend beliebter.
Der G�rtel ist nicht nur schm�ckendes Beiwerk, sondern diente
auch der Befestigung aller Utensilien die man t�glich ben�tigt. Zu
diesen G�rtel-Utensilien z�hlen Taschen, Beutel, Schl�ssel,
Messer, Rosenkr�nze, Amulette und diverse religi�se
Gegenst�nde, die mit Haken am G�rtel befestigt werden. Die
Materialien die f�r die Beutel verwendet werden, sind auf den
G�rtel abgestimmt und sind aus Samt, Atlas, Damast, aber auch
aus Leder gearbeitet.
F�r "Beutel" treten auch mundartliche Begriffe wie "Wetschger",
"Wetschka", "Watscho" oder auch "Wetschkerlein" auf.
Das "Brusttuch" , auch "Brustfleck" genannt, dient der
Verkleinerung
des Halsausschnittes, um unzul�ssige Bl��en zu verdecken oder
die Brust vor K�lte zu sch�tzen. Mit breiten Borten versehene
oder mit Gold bestickte Brustt�cher geh�ren bis ins sp�te 16.
Jahrhundert zu den schm�ckenden Accessoires der Frauenkleidung.
Wohlhabende Damen trugen kostbare Ketten, die mit Rubinen,
Smaragden und Perlen verziert waren. Als Anh�nger f�r Ketten
und Broschen dienten luxuri�se, aufwendig gearbeitete
Medaillons.
Daneben waren Ringe sehr beliebt, oftmals trugen die Frauen
mehrere Ringe an einer Hand.
Schuhwerk
Kost�mkundlich bekannte Namen f�r Schuhe der Renaissance
wie "Entenschnabel", "B�rentatze" und "Kuhmaulschuh" sind
keine zeitgen�ssischen Bezeichnungen, vielmehr sind
Benennungen wie "Schuh" bzw. "Schuch", "Pantoffel",
"Holzschuh" und "Stiefel" �blich. Um eine schnelle Abnutzung
der Schuhe zu verhindern tragen die Frauen �ber ihren
enganliegenden Halbschuhen spitze Holzpantoffeln, die als so
genannte "Trippen" bekannt sind. Da die Schuhe der Renaissance
relativ d�nnsohlig sind hat das nat�rlich einen hohen Verschlei�
zufolge.
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