Spätbarock ca. 1680 – 1715
Der französische Hof diktierte die Mode.Bewußte Künstlichkeit und Prachtentfaltung durch kostbare Stoffe, Spitzen und Schmuck bestimmten die Erscheinung beider Geschlechter.
Sowohl die Frauen, als auch die Männer parfümierten und schminkten sich reichlich, die Hygiene ließ jedoch zu wünschen übrig.
Fast alle Vertreter der höheren Schichten trugen z.T. mehrere Pfund schwere Perrücken aus rotblond eingefärbten Menschen-, Ziegen-, Pferdehaar oder Wolle.
Schönheitspflästerchen in Form von Fliegen, Käfern und Blumen waren sowohl bei Frauen, als auch bei Männern beliebt.
Bisweilen wurden bis zu zwanzig dieser Pflästerchen auf Gesicht, Hals und Dekollte verteilt.
Jacken und Mäntel
Ein Wollumhang oder ein Tuch diente als Schutz vor Kälte.
Mäntel im eigentlichen Sinne wurden von den vornehmen Damen
nicht getragen.
Daheim trug die elegante Dame eine
"Mantua", einen locker
fallenden Hausmantel, der meist aus kostbaren Stoffen gefertigt
war.
Oberteile
Über dem formgebenden Schnürmieder trugen die Damen ein
Mieder, das nur mit Schleifen, Spangen oder Schnüren
geschlossen wurde. In der vorderen Mitte wurde nun ein kostbar
bestickter oder mit Spitzenborten verzierter Einsatz, der so
genannte
"Stecker" sichtbar. Der Stecker konnte entweder seitlich
in das Mieder eingehakt oder unter die Schnürung gesteckt
werden.
Der Ausschnitt des Mieders wurde größer und ließ mit Wegfallen
des Kragens die Schulter und einen Teil der Brust frei. Der Rand
des Mieders wurde nur noch mit kleinen, schmalen Spitzenborten
besetzt.
Die halblangen Ärmel wurden am Ellenbogen mit Spitzen und
Schleifen verziert. Anfangs waren sie waren sie noch weit und
bauschig geschnitten, im Laufe der Zeit verengte sich jedoch ihre
Form. Am Ärmelsaum blickte der mit Spitzen verzierte
Hemdärmel hervor.
Röcke
Der vorn geöffnete und nach hinten geraffte Oberrock, die
"Robe", lief in einer langen Schleppe aus. Der hinten in der Taille
ansetzende
"Cul", ein Gestell aus Roßhaar und Fischbein, und die
Drapierung des Oberrockes betonten das Gesäß. Gelegentlich
verzierten Schleifen oder Schmuckspangen den an der Seite
hochgenommenen Rock.
Robe und das Mieder hatten die gleiche Farbe und wurden
zusammen als
"Manteau" bezeichnet. Unter dem vorn offenen
Oberrock kam der
"Jupe" zum Vorschein, ein aufwendig
bestickter Seidenrock. Er war aus kostbaren Stoffen gefertigt und
mit Spitzenborten, Fransen, Bordüren und im Winter sogar mit
Hermelinborten besetzt.
Unterkleidung
Das mit Fischbein verstärkte
"Schnürbrust" wurde enger
geschnürt und zur Verstärkung des Vorderteils mit einem
"Blankscheit" versehen. Das Blankscheit oder auch "Planchette"
war aus Holz, Elfenbein, Fischbein, Metall oder Perlmutt gefertigt
und bildete vorn eine heruntergozogene Spitze, die Schneppe.
Lediglich die Damen aus den unteren Schichten trugen die
Schnürbrust über einem Hemd.
Von den reicheren, vornehmen Damen wurde sie unter dem
Mieder getragen.
Stoffe und Farben
Am königlichen Hof Ludwig des XIV. liebte man prunkvolle,
luxuriöse Stoffe. Lyon entwickelte sich mit seinen kunstvoll
gemusterten Stoffen bald zur Metropole für Seidenstoffe. Berlin
und Brandenburg waren für ihre Wolltuche berühmt.
Durch den Handel mit Indien kamen Baumwollstoffe, und feine
Musselins nach Europa.
"Indiennes", indische, bedruckte
Baumwollstoffe verdrängten bald die einheimischen Leinen- und
Wollgewebe.
Neben Seide und Brokaten wurden Damaste und Samt bevorzugt
verwendet, aber auch leichtere Stoffe wurden zusehends beliebter.
Besonders beliebt waren fantasiereiche Muster aus Früchten,
Blättern, Ranken, Blüten, Drachen und chinesischen
Landschaften.
Kräftige Farben wie Blau, Grün, Rot und Gelb lösten die Ton in
Ton gehaltenen Farben ab.
Frisuren und Kopfbedeckungen
Im Laufe der Zeit wuchs die Frisur der Dame immer mehr in die
Höhe. Da das eigene Haar kaum für diese hochstehende Frisur
reichte, arbeitete man eine so genannte
"Fontange" in die Frisur
ein, eine aus Spitze, Leinwand und Draht bestehende hohe Haube.
Die Haube wurde am Hinterkopf getragen und ihre verstärkte, in
Falten gelegte Spitze ragt am Oberkopf in die Höhe. Bisweilen
erreichte sie eine Höhe von bis zu 60cm. Ab den 90er Jahren
nahm die Höhe jedoch wieder ab und sie wurde niedriger.
Metallstäbe gaben diesem Aufbau seinen Halt.
Zahlreiche zeitgenössische Abbildungen zeigen Damen mit
gelocktem Haar, das mit Hilfe von hölzernen Lockenstäben in
Form gebracht wurde. Die Locken umrahmten das Gesicht und
gelegentlich ließ man am Hinterkopf einige Korkenzieherlocken
unten aus der Fontange hervorschauen.
Schleifen, Juwelen und Perlen dienten dieser Frisur als Schmuck.
Diese Haarmode blieb über 30 Jahre modern.
Accessoires/ Schmuck
Am prunkliebenden Hof Ludwig XIV. waren kostbare
geschliffene Schmuckstücke gern getragen und der Diamant
wurde zum beliebtesten Stein.
Die Schmuckstücke wurden mit Schleifen, Blättern, Ranken,
Blüten und Fächern verziert. Medaillons mit Bildnissen,
Broschen, Agraffen, Ohrgehänge, Perlenketten und
Diamantenschnüre waren die bevorzugten Schmuckstücke der
Damen.
Weniger reiche Damen trugen Schmuck aus Strass-Steinen.
Im Winter waren lange Handschuhe und ein Pelz-Muff beliebtes
modisches Beiwerk.
Schuhwerk
Die Schuhe der Damen liefen nun vorn in einer Spitze aus und
wurden entweder als Pantoffel oder als geschlossener Schuh
getragen. Der Absatz der Schuhe wurde leicht geschwungen.
Beliebte Materialien waren Samt, Damast, Brokat und
Glacéleder. Kostbare Stickereien und Borten verzierten den
Schuh.