Der Anteil der evangelischen Landeskirche A.B. in Rumaenien an der NS-Raum- und Bevoelkerungspolitik im eroberten Osten (1942-1944)
Der NS-Bischof Wilhelm Staedel
von Ulrich Andreas Wien
Staedel war ideologisch auf der Hoehe der durch NS-Propaganda und "weltanschauliche“
Schulung vorgegebenen Massstaebe, er war im Arbeitsfeld der praktischen
Kirchenpolitik ein ausgesprochen „politischer Soldat“. Hieraus schoepfte
er seinen fanatischen Glauben, dass er das ihm „aufgetragene Werk“
4
vollenden wuerde. Dass mit diesem Sendungsbewusstsein auch
Ueberheblichkeit und Realitaetsverlust einhergehen, belegen Staedels autoritaer- diktatorischen Massnahmen wie die Neuregelung des Rechtsverhaeltnisses zwischen NS-Volksgruppenfuehrung und Landeskirche im sogenannten „Gesamtabkommen“, das die 39. Landeskirchenversammlung am 2. Juni 1942 verabschiedete; die auch damals erfolgte Uebergabe der in Kirchenregie gefuehrten Schulen und Kindergaerten an die „Volksgruppe“; die im Rundschreiben betreffend die „Einheit des kirchlichen Handelns“ vom 17. Juni 1943, das sonst als „Maulkorberlass“ bekannt ist, enthaltenen bevormundenden Bestimmungen,5 und schliesslich seine Transnistrien- und Generalgouvernement-Politik. Mit letzterer griff Staedel hinueber auf den durch das Expansions- und Annexionswerk des „Grossgermanischen Reiches“ einverleibten „Volks-„ und „Kulturboden“ im Osten. Damit erreichte seine Betriebsamkeit und die des ihn umgebenden, aus politischen und kirchlichen Hoheits-, Amts- und Berufstraegern zusammengesetzten Kreises Dimensionen, die als Teil und somit als rumaeniendeutscher Anteil an der und Beitrag zur NS-Raum- und Bevoelkerungspolitik im besetzten „deutschen“ bzw. einzudeutschenden Osten zu betrachten ist. Von der zu Kriegszeiten ueblichen Stellung von sogenannten „Kriegspfarrern“ abgesehen, umfasste der „ostlaendische“ Dienst der Evangelischen Landeskirche A.B. in Grossrumaenien zwei Bereiche: das unter rumaenischer Zivil- und gleichzeitiger SS-Verwaltung stehende „Transnistrien“ und das auf polnischem Territorium errichtete „Generalgouvernement“.
Die Beweggruende und die Ziele des Einsatzes von Pfarrern der evangelischen Landeskirche A.B. in Rumaenien formuliert der Bischof am 21. April 1943 in dem „Rundschreiben an alle deutschen Bezirksdekanate und Pfarraemter der ev. Landeskirche A.B. in Rumaenien betreffend Waffendienst der Pfarrer“, noch bevor das „Abkommen zwischen der Reichsregierung und der Rumaenischen Regierung hinsichtlich der Einreihung rumaenischer Staatsbuerger volksdeutscher Zugehoerigkeit in die Deutsche Wehrmacht – SS“ am 12. Mai 1943 abgeschlossen wurde: 6
1./ Infolge einer Vereinbarung des Reiches mit der Rumaenischen Regierung bzw. des Fuehrers mit Marschall Antonescu ist die naeher bestimmte, wehrhaftige Mannschaft innerhalb der deutschen Volksgruppe in Rumaenien aufgerufen, sich zum Waffendienst in der Waffen-SS bzw. in der Wehrmacht, Luftwaffe oder Marine zu melden. [...] Es erscheint mir als eine Selbstverstaendlichkeit, dass alle deutschen Pfarrer, die den Geburtsjahrgaengen 1908-1925 angehoeren bzw. soweit sie Offiziere sind, auch diejenigen aelterer Jahrgaenge diesem Ruf freiwillig und freudig Folge leisten, wie es der Groesse der Stunde entspricht und wie es von vielen auch ohne irgend eine Aufmunterung bereits geschehen ist. [...]
6./ Hinsichtlich der grundsaetzlichen Frage soll nur noch soviel gesagt sein, dass der Waffendienst der Pfarrer unserer lutherisch-evangelischen Auffassung des Christentums nicht widerspricht. Wenn Tausende und Millionen Maenner, die Christen sind, in den Kampf hinausziehen, dann darf – in Auswirkung des Gedankens vom allgemeinen Priestertum - der Pfarrer nicht fehlen, zumal wenn’s gegen den Bolschewismus geht! Wir gehoeren jetzt mit Leib und Seele zu unserem schwer ringenden Volk und sind gewiss, dadurch auch unserem mit dem Reich verbundenen Vaterland einen guten, ja entscheidend wichtigen Dienst zu tun.7
Im Bericht zum „Waffendienst der Pfarrer“, der nach dem Inkrafttreten des „Abkommen(s) zwischen der Reichsregierung und der Rumaenischen Regierung hinsichtlich der Einreihung rumaenischer Staatsbuerger volksdeutscher Zugehoerigkeit in die Deutsche Wehrmacht – SS“ am 12. Mai 19438 von Staedel in der Sitzung des Landekonsistoriums vom 16. Juni 1943 vorgelegt wurde, heisst es ueber „die Einrueckung“ von Pfarrern, das sei „ein Ereignis von geradezu geschichtlicher Bedeutung“. 9 Es gelte naemlich wie zur Zeit des Mongolensturms 1241 dieselbe „Haltung“ an den Tag zu legen, wie die Bischoefe, die weltlichen Herren, die reisigen und ritterlichen Maenner, die durch ihr kriegerisches Einschreiten „Volk und Reich, aber auch das Abendland mit seiner Gesittung und mit seiner christlichen Grundlage“ schuetzten. Staedel faehrt fort:
„Wer wollte noch daran zweifeln, dass wir heute in einer aehnlichen ungeheueren Bedrohung unserer Daseinsgrundlagen stehen? Es gilt unser Volk, es gilt unser Vaterland, es gilt das Reich als Ordnungsmacht Europas, es gilt die wahrhaft schoepferischen Kraefte des Abendlandes, es gilt den Gottesglauben in seiner christlich-arischen Gestalt zu verteidigen. Angesichts dieses Wissens ist es verstaendlich, dass vom Beginn unseres Ringens gegen den Bolschewismus in unserer Pfarrerschaft der Wunsch aufgestanden ist, in irgend einer Form daran teilzunehmen. [...] Aber es gab nun auch solche Pfarrer und Predigerlehrer, die den ausdruecklichen Wunsch hatten, mit der Waffe in der Hand oder dann wenigstens als Sanitaetssoldat, den Kampf gegen den Bolschewismus mitzumachen“.10 [...]
Und dann kam als freudige Fruehlingsueberraschung die grosse Wende: Die Vereinbarung zwischen dem Fuehrer und dem Marschall Antonescu ueber den grosszuegigen Einsatz deutscher Volksgenossen rumaenischer Staatszugehoerigkeit im Rahmen der reichsdeutschen Wehrverbaende. [...] Zum ganzen kann ich nur mit stolzer Freude sagen, dass der bei weitem groesste Teil der jungen Pfarrer dem Ruf des Fuehrers in selbstverstaendlicher Treue und Hingebbereitschaft gefolgt ist, [...]. Alles in allem doch ein geschichtlicher Beweis dafuer, dass in unserer Kirche und in ihrer Fuehrerschichte – wenn’s darauf ankommt – wie durch die vergangenen Jahrhunderte hindurch auch heute noch echter deutscher Geist und deutsches Mannestum vorhanden ist und dass wie in alten Zeiten der Wille auch heute noch in den Herzen brennt, in entscheidend grosser, schicksalsschwerer Zeit nicht neben dem Volke zu stehen, sondern mit dem Volke den Sturmgang des Daseins zu wagen! – [...] 11
Pfarrer Hermann Binder, der Leiter der zweiten Gruppe von Pfarrern, die nach Transnistrien geschickt wurden und sich dort bis Mitte Dezember 1942 aufhielten, schreibt in seinen „Aufzeichnungen aus Transnistrien (September - Dezember1942)“: &nbssp;
Wir sollen in Transnistrien daran arbeiten, eine einzige evangelische Kirche zu bauen, um die Sekten 12 zu absorbieren: das Ideal meiner Vikariatszeit in Halvelagen. Ich fuehle mich an Jugendtraeume erinnert. Es ist schoen: der Bischof stellt mich in diese grosse Verantwortung. [...] 13
Vor Dr. agr. Klaus Siebert, SS-Obersturmbannfuehrer und Dienstetellenleiter des Sonderkommandos „R[ussland]“ der VoMi in Landau14 spricht Binder die Freude seiner Gruppe aus, „hier an dem grossen Aufbauwerk des Landes“ mitarbeiten zu koennen. 15
Nuechterner spricht das der Leiter der 3. Pfarregruppe in Transnistrien, Pfarrer Hans Ackner, in seinem „ I. Bericht ueber die Taetigkeit der Transnistrienpfarrer 15. Dez. 1942“ aus: „Wir haben dort als ev. Kirche Rumaeniens zwar kein organisatorisches aber ein missionarisches Interesse“. 16
I. Transnistrien
Mit dem Angriff auf die Sowjetunion, an dem sich an der suedoestlichen Frontflanke
rumaenische Armeeeinheiten beteiligten, und der Besetzung Transnistriens,
das rumaenischer Zivilverwaltung unterstellt wurde, gelangte dieses Territorium
ins Blickfeld des von der 39. Landeskirchenversammlung gekuerten Bischofs
Staedel und seiner willfaehrigen NS-Gefolgschaft. Auf deutscher Seite kuemmerten
sich um die in diesem Gebiet ansaessigen „Volksdeutschen“ zunaechst die
Einsatzgruppe D des Sicherheitsdienstes (SD), dann etwa zwei Monate das zur
Wehrmacht, Abteilung Abwehr gehoerende 6. Lehr-Regiment „Brandenburg“ z.b.V.
800, 17
wobei die SD-Einsatzgruppe bis zu ihrem Abzug mit
dem Sonderkommando R[ussland] der Volksdeutschen Mittelstelle (VoMi) bei der
Indienstnahme des „volksdeutschen“ Potentials zusammenarbeitete. In dieser
Zeit wurde der sogenannte „Selbstschutz“ organisiert, der aber erst unter
VoMi-Regie ausgebaut und im Winter 1941/42 sowie im Fruehjahr/Sommer 1942
bei Massentoetungen von Juden eingesetzt wurde.18
Das war der militaerische, politische und soziale
Hintergrund auf dem die „missionierenden“ Pfarrer der ev. Landeskirche A.B.
in Rumaenien ihren „Waffendienst“ in Transnistrien antraten. Das Engagement
der ev. Landeskirche A.B. in Rumaenien in den „volksdeutschen“ Enklaven Transnistriens
wurde zudem durch die Kirchenpolitik der SS-Kommandos dahingehend beguenstigt,
dass mit der durch SS-Obersturmbannfuehrer Otto Ohlendorf,
19
dem Fuehrer der Einsatzgruppe D des SD, erwirkten
Abschiebung des aus Rumaenien eingereisten Priesters Nikolaus Pieger im September/Oktober
1941 ein entscheidendes Zeichen gesetzt wurde im Sinne des Einsatzbefehls
Heydrichs vom 18. August 1941, alle Versuche der katholischen Kirche, Einfluss
„auf die Bevoelkerung der besetzten Gebiete Sowjetrusslands unter allen Umstaenden
zu verhindern“. Zwar kehrte Pieger mit der Unterstuetzung der rumaenischen
Behoerden zurueck, konnte sich aber fortan nur
Die erste Pfarrergruppe, zu der u.a. Hellmut v. Hochmeister,
21
Waldemar Keintzel und Erwin Barth zaehlten,
22
hielt sich bis September 1942 in Transnistrien
auf. Barth gehoerte zu jener Gruppe von Pfarrern, die besonders sorgfaeltig
„nach voelkischer Bewaehrung ausgesucht“23
worden waren, u.zw. war er einer der 38 Pfarrer
und Nichtpfarrer, die als Mitglieder der im Oktober 1941 auf Staedels Initiative
gegruendeten „Arbeitsgemeinschaft“ des „Instituts zur Erforschung des juedischen
Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben“24
am 4. Maerz 1942 „Ein Bekenntnis deutscher Pfarrer“
an den Volkgruppenfuehrer Andreas Schmidt richteten, worin es ausdruecklich
heisst:
In einer Zeit, da im Zeichen des Nationalsozialismus die Grundlagen einer neuen grossen Zukunft fuer das deutsche Volk gelegt werden, gehen wir daran, auch das Verhaeltnis der Kirche zum Volk neu zu gestalten. Das Ziel der Entjudung in Lehre und Leben soll unsere ernste und gewissenhafte Aufgabe sein.
So wollen wir mit allen unseren Kraeften mitbauen an dem Dom der deutschen Gemeinschaft, indem wir uns in unwandelbarer Treue und Liebe zu unserem Fuehrer Adolf Hitler, Ihnen und damit der Volksgruppenfuehrung zur Verfuegung stellen.25
Zu der von Hermann Binder geleiteten zweiten Pfarrergruppe, die ihren Kriegseinsatz
zwischen September und Dezember 1942 leistete, gehoerten ausser Johann Kaunert
noch Ludwig Binder, Hans Klein, Andreas Lingner und Karl Schlosser.
26
"Am 25. November 1942 meldete sich „ein Vorbote
der Amtsbrueder, die uns abloesen sollen: Pfarrer Helmut Hoffmann“.
27
Ab dem 15. Dezember 1942 trat die dritte Gruppe
der „Transnistrien-Pfarrer“ unter Leitung des NS-Parteigenossen und Pfarrer-Kandidaten
Hans Ackner ihren Dienst an.28
Ihr gehoerten Dr. Adolf Bruckner, Ludwig Giess und
Kuno Galter an. Auf den Wunsch Ackners, zwei weitere Geistliche zu entsenden,
antwortete Staedel am 9. Januar 1943, dass Walter Schullerus aus Kronstadt
und Wilhelm Roth aus Meeburg eintreffen wuerden. 29
Dieselbe Mitteilung macht Staedel dem SS-Oberfuehrer
Horst Hoffmeyer30
am 15. „Hartung“ [Januar] 1943.
Er bittet u.a. „diesen Pfarrern durch Ihre Bereichskommandanten und Maenner weitgehendste Unterstuetzung angedeihen zu lassen, damit sie der religioesen Betreuung im Aufbau der deutschen Gemeinden in Transnistrien mit Erfolg nachkommen koennen“. 31
In seinem Antwortschreiben vom 19. Januar 1943 aus Bukarest von der Volksdeutschen Mittelstelle bei der Deutschen Gesandtschaft versichert Hoffmeyer, seine „Dienststelle in Landau“ angewiesen zu haben, „die Pfarrer [Staedels] Vorschlaegen entsprechend bei ihrem Eintreffen einzuweisen.“ Gleichzeitig habe er die BK 32 -Fuehrer angewiesen, den Pfarrern „wie bisher, jede Unterstuetzung angedeihen zu lassen.“33
In seinem Antwortschreiben auf den 3. Taetigkeitsbericht Ackners vom 19. Januar 1943 bringt Staedel bezogen auf Bruckner und Giess seine Freude zum Ausdruck, „dass es in diesen Dingen nicht so sehr an einem bestimmten Alter liegt, sondern an der inneren Hingabefreudigkeit an ein grosses, neu geschautes Ziel!“ Seine Gruesse gelten „unserer Front“.34
In der 2. Pastoralkonferenz am 1. Maerz 1943 wies Ackner, - wohl mit dem Stalingrad-Debakel im Hinterkopf -, „auf die besondere Wichtigkeit unserer Arbeit hin, und zwar gerade jetzt, wo es galt und gilt, die Leute zu beruhigen, mit neuer Zuversicht zu erfuellen und auch aufzufordern, im Sinne der Goebbelsrede zu handeln. Die Wichtigkeit unseres Erscheinens auf den Doerfern jetzt , wurde mir gegenueber von mehreren SS-Offizieren betont.“ 35
Im Juni 1943 waren aus Gruppe 3 noch die Pfarrer Giess und Galter in Transnistrien beschaeftigt. Der in Kronstadt (Brasov) taetige Waldemar Keintzel, der bereits in der ersten Transnistrien-Gruppe dabei war, kehrte im Juni 1943 nach Transnistrien zurueck und wurde in Odessa anstelle Ackners taetig.36 Am 14. Juli stellte Staedel den Antrag beim Kultusminister, die Entsendung von Helmut v. Hochmeister, Karl Pavek und Helmut Chrestel nach Transnistrien zu genehmigen.37 Im Laufe des Monats August 1943 wurden die Dienstauftraege der Pfarrer ausgestellt,38 auch fuer Hans Ungar, Pfarrer in Reussdoerfchen, 39 der zu der Gesamtzahl von 24 Pfarrern zu zaehlen ist, deren Einreise und Taetigkeit durch den Gouverneur von Trasnistrien unter Nr. 18426/1942 bewilligt worden war.40
Die Abloesung der 5. Gruppe am 8. Dezember 194341
gestaltete sich schwierig, da laut Vermerk
des „Kirchenrats“ Edmund Graeser42
vom 10. Maerz 1944 zu ZK 3222/1943/25. Oktober
1943 es am 20. November zur Entsendung des Kronstaedter Pfarrers Walter Schullerus
nach Odessa und erst am 31. Januar 1944 zur Abfahrt von Helmut Karoli aus
Burgberg und Rudolf Schneider aus Langenthal kam. Der ordinierte Dr. Dr. Erich
Roth habe sich nicht eingestellt und werde spaetestens am 31. Maerz 1944
erwartet.
Der sich schon 11 Monate in Transnistrien aufhaltende Ludwig Giess wiederholt am 27. Oktober 1943 gegenueber Staedel seinen ausdruecklichen Wunsch an der Front zu dienen. Er schreibt, er stehe als „disziplinierter politischer Soldat“ seinem Bischof „in jeder Hinsicht unbedingt zur Verfuegung.“ So gern er „hier in Transnistrien verbleiben moechte, ist doch der Wunsch meines Bischofs mir ein unbedingt durchzufuehrender Befehl!“ In Transnistrien habe er erfahren, dass es die „Tat“ ist, „die nur einen Wert hat“. 43
Ebenfalls im Jahr 1943 erhielten auf Vorsprache von Edmund Graeser und Dr. Julius Stenzel beim Kultusministerium am 17. Juli die in Transnistrien einzusetzenden Pfarrer Urlaub und die notwendigen Ausreisepapiere.44
II. Generalgouvernement
Im Generalgouvernement wurden die Pfarrer der ev. Landeskirche A.B. in Rumaenien
im Unterschied zu Transnistrien in Gebieten eingesetzt, die bis Ende 1942
„judenfrei“ waren und deren polnische Bevoelkerung zum groessten Teil deportiert
wurde, um den „volksdeutschen Umsiedlern“ Platz zu schaffen. Himmler hatte
angeordnet, dass „Mit dem 31. Dezember 1942“ „sich keinerlei Personen juedischer
Herkunft mehr im Generalgouvernement aufhalten“ duerfen.
45
Auf diesem Hintergrund wurde die Entsendung
von Pfarrern vorgenommen. Im Schreiben Staedels vom 11. Januar 1943 an SS-Oberfuehrer
Hoffmeyer, der damals bei der VoMi-Verbindungsstelle der deutschen Gesandtschaft
in Bukarest erreicht werden konnte, erwaehnt der Bischof, mit Hoffmeyer vor
Weihnachten 1942 in Bukarest zusammengetroffen zu sein, wo vereinbart wurde,
„vorerst einen Mann zur Besichtigung und Erkundung der Sachlage im Gouvernement
nach Krakau zu entsenden“. Nun teilt Staedel mit, den Dechanten Edmund Graeser
aus Agnetheln dazu bestimmt zu haben und bittet Hoffmeyer zu veranlassen,
dass seine Dienststelle in Bukarest bei der Erledigung der Reiseformalitaeten
behilflich sei.46
Der spaetere „Kirchenrat“ Graeser fuehrte schliesslich
laut der Aktenvermerke von SS-Obersturmbannfuehrer Weibgen
47
und von Senior Ladenberger (beide Krakau) am
5. und 7. April 1943 Gespraeche in Krakau. Im Gespraech mit dem Leiter der
VoMi-Dienststelle Krakau, Dr. Weibgen, wurde betont, dass die Pfarrer „nach
voelkischer Bewaehrung ausgesucht sein“ sollen, wobei besonderen Wert auf
verheiratete Pfarrer gelegt wird, deren Frauen Lehrerin oder Pflegefrau sind
und „fuer einen schulischen oder volkspflegerischen Einsatz in Betracht“ kommen.
Die Pfarrer werden als Mitarbeiter der VoMi eingesetzt.
48
Im Gespraech Graesers mit Senior Ladenberger
wurde die disziplinarische und administrative Unterordnung der Pfarrer angesprochen,
die Aufgaben des „Beauftragten des Landesbischofs von Rumaenien fuer den Einsatz
der Siebenbuerger Pfarrer“, der auch zur Mitberatung zwischen dem Bischof
der evang. Landeskirche in Rumaenien und dem Beauftragten des Kirchlichen
Aussenamtes fuer das Generalgouvernement herangezogen wird, und die Belieferung
mit Schrifttum mit voelkischem Einschlag und kirchlichem Schrifttum eroertert.
49
Graeser verfasste seinen Bericht an Staedel
am 27. April 1943. Er berichtet, von der VoMi und ihrem Leiter Dr. Weibgen
grosses Entgegenkommen erfahren zu haben. Sowohl VoMi als auch der Beauftragte
des Kirchlichen Aussenamtes fuer die evangelisch-deutschen Gemeinden des Generalgouvernements,
Senior Ladenberger,
wuenschen die moeglichst rasche Entsendung der siebenbuergischen Pfarrer. Zu diesem Zweck sollten durch einen geeigneten Mittelsmann Verhandlungen mit der Regierung in Bukarest aufgenommen werden, „unter Hinweis darauf, dass das Reich im Kampfe gegen den Bolschewismus dringendst evangelische Pfarrer im Gg. benoetigt und von uns verlangt hat, zu erwirken, dass 10 Pfarrer auf die Dauer eines Jahres beurlaubt werden“. Bezeichnend fuer den Nationalsozialisten Graeser ist es, dass ihm die Angelegenheit der Entsendung von Pfarrern ins Generalgouvernement „sehr ans Herz gewachsen ist“, weil „von deren [der Entsendung] richtiger Loesung sehr viel abhaengt“. 50 Die geplante Entsendung kam nur schleppend ins Rollen, wie Staedel am 13. Juli 1943 in einem Schreiben an die VoMi in Bukarest festhaelt: „Leider war es mir nicht moeglich, sofort nach der Rueckkehr meines Vertrauensmannes die gewuenschten Pfarrer stellig zu machen, da bei dem beginnenden Pfarrermangel in unserer Landeskirche vorerst abgewartet werden musste, in welchem Ausmasse unsere Geistlichen fuer den Waffendienst in der Wehrmacht-SS herangezogen wuerden.“51 Der am 14. Juli 1943 von Staedel und Hauptanwalt Andreas Scheiner unterzeichnete Antrag an den Generalstab des rumaenischen Heeres, die Entsendung der Pfarrer Hans Ackner, Johann Gross, Georg Markel, Heinrich Schneider, Helmut Hoffmann, Johann Meedt, Johann Schapper und Michael Albrich ins Generalgouvernement zu bewilligen,52 wurde unter Nr. 111141 vom 16. Juli bewilligt. Es wurde ein Aufenthalt der Pfarrer im Generalgouvernement bis zum 31. Maerz 1944 eingeraeumt.53
Am 14. August 1943 sandte „Kirchenrat“ Edmund Graeser die Dokumente fuer
sich und andere 8 Pfarrer an die Verbindungsstelle der Deutschen Volksgruppe
in Rumaenien in Bukarest zwecks Beschaffung der Paesse. In seinem Begleitschreiben
erwaehnt Graeser, dass Dr. Weibgen am 13. August aus Krakau mitteilte, die
Pfarrer werden dort dringend erwartet, „da in 40 ehemals deutschen Gemeinden
Galiziens wieder Fluechtlinge aus Russland angesiedelt worden sind.“
54
Die Paesse wurden mit Schreiben vom 30. August
1943 von der Verbindungsstelle Bukarest der „Volksgruppe“ an das Landeskonsistorium
in Hermannstadt uebersandt.55
Wegen der ungeloesten Devisenfrage wandte sich
Staedel am 4. September 1943 an das Deutsche Generalkonsulat in Kronstadt
mit der Bitte, das Einreisevisum fuer Pfarrer Hans Ackner samt Familie fuer
die Dauer eines Jahres zu geben, „damit er in Krakau die notwendigen Vorbereitungen
fuer den Einsatz der uebrigen Pfarrer treffen kann“.56
Auf einem Sonderblatt liegt ein von Staedel am 12. November 1943 unterzeichneter Aktenvermerk vor, in dem es heisst, der Bericht Ackners sei mit Befriedigung zur Kenntnis genommen worden. In einem weiteren Aktenvermerk, diesmal vom 28. April 1944 und von Staedel und Graeser gegengezeichnet, heisst es: „Die derzeitige Anschrift des Pfarrers Hans Ackner im Generalgouvernement ist uns leider noch unbekannt.“59Wir verweilten zunaechst einige Tage in Krakau, stellten uns bei Obersturmbannfuehrer Dr. Waibgen vor und erhielten als Einsatzort Lemberg. Nach den noetigen Besprechungen mit den Regierungsstellen und mit Senior Ladenberger fuhren wir am ersten X. nach Lemberg. Dort erfolgten neue Besprechungen. Ueberall fand ich bei den Dienststellen der SS das groesste Entgegenkommen und Hilfsbereitschaft. Bei der augenblicklichen Lage und der Ueberfuellung der Stadt erwies es sich als unmoeglich z. Zt. dort zu wohnen. [...] So entschloss ich mich vorerst meinen Wohnsitz in Stryj aufzuschlagen, aber mit der Betrauung auch fuer die Gemeinde in Lemberg. Von Stryj aus werde ich allmonatlich die dort umliegenden Gemeinden, dann die Doerfer bei Dornfeld und Grodek besuchen und je 10 Tage im Monat in Lemberg sein. [...] Es handelt sich ausnahmslos um Doerfer die jetzt von neuangekommenen russlanddeutschen Umsiedlern bewohnt sind. Es ist dieselbe Menschenart wie in Transnistrien, der gleiche Hunger nach dem Wort. So wird meine Aufgabe in erster Reihe die relig. Betreuung sein, spaeter, wenn das Nachbarschaftsleben anlaeuft, werde ich auch da mithelfen. Meine Frau hat vom Obersturmbannfuehrer die Aufgabe erhalten eine Beilage zum Kolonistenblatt zu redigieren. [...]
Ich selbst habe meine Rundfahrt auf die Doerfer begonnen, in fuenf Siedlungen bereits Gottesdienst gehalten. Ueberall riesiger Zulauf und ausserordentlich freundliche Aufnahme durch die SS. Und groesste Foerderung. [...] Die Arbeit hier ist anstrengend, aber schoen, in vieler Beziehung, ich betone es nochmals, ganz aehnlich wie in Transnistrien. [...]58
Wie lange sich die Entsendung der anderen 7 Pfarrer ins Generalgouvernement verzoegerte, belegt das im Namen des Landeskonsistoriums der Landeskirche von Staedel und Graeser gezeichnete Schreiben vom 10. Dezember 1943 an die betreffenden Pfarrer und an die Bezirkskonsistorien von Hermannstadt, Muehlbach, Schaessburg und Schelk, das sich interessanterweise auf einen Sitzungsbeschluss des Landeskonsistoriums vom 17. Juni 1943 bezieht60 und Mitte Januar 1944 als Abfahrtstermin angibt. Staedel gibt den Pfarrern den aus heutiger Sicht grotesk und zynisch anmutenden Wunsch mit: „Der Allmaechtige aber wolle Sie mit Gesundheit segnen und mit Kraft guerten, dass Sie den ebenso schoenen wie verantwortungsschweren Dienst freudig und erfolgreich versehen koennen!“61 Man bedenke, dass die Pfarrer ihren Dienst in Ortschaften verrichten sollten, die durch ruecksichtlose Entjudungsmassnahmen und durch die Vertreibung der polnischen Bevoelkerung fuer „volksdeutsche“ Siedler frei gemacht worden waren.
Aus dem Schreiben Staedels im Namen des Landeskonsistoriums an die Bezirkskonsistorien
Hermannstadt, Muehlbach, Schaessburg und Schelk vom 3. Januar 1944 ist ersichtlich,
dass die Abfahrt der Generalgouvernement-Pfarrer erst am 16. Februar 1944
erfolgen wuerde.62
In einer Postkarte vom 9. Maerz 1944 aus Stanislaus63 berichtet Pfarrer Johann G. Gross „seine Taetigkeit als Pfarrer im Kreise Stansilau aufgenommen“ zu haben. 64
Am 17. Juni 1944, kurz vor dem Ausscheren Rumaeniens aus dem Achsenbuendnis (am 23. August 1944), verfasste „Kirchenrat“ Graeser einen Bericht ueber den Einsatz der Pfarrer im Generalgouvernement, der „Fuer die naechste Sitzung zurueckgestellt“ wurde. Graeser haelt fest, dass die Verabschiedung der in das Generalgouvernement, nach Transnistrien sowie „zum Dienst mit der Waffe“ abgeordneten Geistlichen durch Staedel in „feierlichem Abendgottesdienst“ bereits am 28. Juli 1943 vorgenommen wurde und dass zunaechst nur Pfarrer Ackner samt seiner Frau im September 1943 zum Einsatz kam. Die uebrigen 7 Pfarrer folgten am 16. Februar 1944 nach. Letztere verspaetete Abreise haengt damit zusammen, dass das Kultusministerium den Generalgouvernement-Pfarrern fuer die Zeit ihres Dienstes die Kongrua mit Verspaetung bewilligte. Graeser wies am 23. Februar 1944 im Anschluss an eine Bibelstunde die Pfarrer in Krakau „in die neue kirchliche Arbeit ein“. Am 25. Februar begaben sich die Pfarrer in die ihnen zugewiesenen Distrikte: Johann Meedt, Heinrich Schneider, Michael Albrich und Georg Markel kamen im Distrikt Lublin, „wo sich die meisten Volksdeutschen etwa 25-30000, darunter auch viele Bessarabier befinden“, zum Einsatz; Johann Schapper im Distrikt Warschau mit dem Standort Zyradov, 65 Helmut Hoffmann im Distrikt Radom mit dem Standort Tomasov66 und Hans Gross im Distrikt Ostgalizien mit dem Sitz in Stanislau. Graeser berichtet von Stoerungen, die durch Krankheitsfaelle (Albrich) und durch Befehle zur sofortigen Raeumung (Gross, Schneider, Meedt, Markel) eintraten. Die letzten Schreiben aus Krakau von Senior Ladenberger und Dr. Weibgen, dass die in Litzmannstadt befindlichen Pfarrer (Schneider, Meedt, Markel) bald in den Distrikt Lublin zurueckkehren koennen und der Wunsch, dass Pfarrer Gross ins Generalgouvernement zurueckkehrt, veranlassen Graeser „Bezueglich der Arbeit unserer Pfarrer im Gg. hoffnungsfreudig in die Zukunft“ zu blicken.67
Die Aufloesungserscheinungen des unter dem Zeichen des „Kampfes gegen den
Bolschewismus“ stehenden Einsatzes der evangelischen Landeskirche im Generalgouvernement
waren die Vorboten des nahen Zusammenbruchs der Ostfront. Dass der von NS-Fanatismus
und Antisemitismus gesteigerte Eifer von „Bischof“ Staedel und seiner Buerokraten
Scheiner68
und Graeser, und die Begeisterung der
meisten eingesetzten Pfarrer fuer das „Aufbauwerk“ in den besetzten Ostprovinzen
frueher oder spaeter in der Sackgasse enden wuerde, war diesen Maennern nicht
bewusst, weil sie in der einen oder anderen Form an die Unumkehrbarkeit des
deutschen Eroberungs- und Expansionswerkes, an den siegreichen Abschluss des
„Freiheitskampfes“ des deutschen Volkes und Kontinentaleuropas gegen die
„Plutokratie“ der westlichen Demokratien und den internationalistischen „Judaeo-Bolschewismus“
felsenfest glaubten. Dabei waren die antisemitischen Ueberzeugungen von entscheidender
Bedeutung. Das Verhaltensmuster Hermann Binders, der das Vernichtungswerk
der SD- und SS-Kommandos und des „volksdeutschen“ Selbstschutzes nur episodenhaft
registriert,
dafuer fortwaehrend bedacht war, die ihm anvertraute „Aufgabe“ des Aufbaus und der Festigung deutschen Volkstums zur vollen Zufriedenheit des SS-Kommandos bzw. der SS-Bereichskommandos zu erledigen und das von Bischof Staedel in ihn gesetzte Vertrauen nicht zu enttaeuschen, trifft auf die anderen „Einsatz“-Pfarrer zu.
Staedel und seine aus ueberzeugten Antisemiten zusammengesetzte Hardlinergruppe war darauf bedacht, die menschlichen Ressourcen der Landeskirche bedingungslos in den Dienst des Hitlerreiches zu stellen, u.zw. dort, wo nach der Vernichtung und Vertreibung ganzer Bevoelkerungsgruppen der „Siedlungsplan-Ost“ Konturen zu gewinnen begann bzw. die „Festigung deutschen Volkstums“ erzielt werden sollte. Ob Staedel die von Einsatzgruppenchef Ohlendorf vorgegebene Ausschaltung des katholischen Missionierungswerks in Transnistrien 69 bekannt war, ist nicht ueberliefert. Er war jedenfalls ein puenktlicher Erfuellungsgehilfe aller Wuensche, mit denen die Volksdeutsche Mittelstelle in der Person der SS-Fuehrer Hoffmeyer und Weibgen an ihn herantrat. Die hier veroeffentlichten Dokumente belegen, dass die Fuehrungsriege der Evangelischen Landeskirche A.B. in Rumaenien und die Gruppe der in Transnistrien und im Generalgouvernement eingesetzten Pfarrer sich mit Leib und Seele fuer die Festigung eines militaerischen, politischen und deutsch-voelkischen status quo einsetzten, der auf Vernichtung und Vertreibung begruendet war. Dadurch trugen sie institutionell, gruppenmaessig und persoenlich zur Etablierung der deutschen „Neuordnug“ Mittelost- und Suedosteuropas bei.
Die eigentliche Aufgabe dieser Maenner, eine Landeskirche im Sinne von Christus zu leiten und die christliche Botschaft zu verkuenden erfuhr auf dem Hintergrund von Gewalt und fanatischem Antisemitismus, Rassismus und deutschzentrierter Kulturarroganz eine bis dahin unbekannte Entwertung. Denn die Verkuendung verkam zur Formalie, zur Pflichtuebung. Ausschlaggebend fuer das Lob des „Bischofs“ und der SS-Kommandostellen war die Quantitaet, nicht die Qualitaet: die Anzahl der besuchten „volksdeutschen“ Gemeinden, der abgehaltenen Gottesdienste, die Anzahl der Gottesdienstbesucher, der vorgenommenen Taufen und Konfirmationen, der verteilten Bibeln, Kalender und sonstiger geistlicher Literatur.
Ausschlaggebend fuer die Pfarrer, die der „Arbeitsgemeinschaft zur Erforschung
des juedischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben“ angehoerten,
waren, wie Hermann Binder zutreffend feststellt, nur „kirchenpolitische
Erfolge“. 70
Hinzu kam, dass Vorortbedingungen die Fixierung auf Quantitaet und
auf politische Erfolgshascherei dadurch foerderten, dass die Zahl der Gemeinden,
die ein einzelner Pfarrer betreuen musste, in manchen Faellen ueberdurchschnittlich
hoch lag. So musste Walter Schullerus auf einen von Hoffmeyer voll akzeptierten
Vorschlag Staedels insgesamt 13 Gemeinden betreuen.71
Dieser aus unproduktivem NS-Fanatismus
geborene, keine Ruecksichten nehmende „Ost-Einsatz“ der Evangelischen Landeskirche
A.B. in Rumaenien traegt den Geist in sich, der die Mordtaten der deutschen
Besatzer ermoeglichte: es war unwesentlich, ob oder dass man Menschen opferte
oder toetete; entscheidend war, dass die Zahlen stimmten, dass die Anzahl
der erlegten Juden, Kommunisten und sonstiger „Volksfeinde“ so hoch wie moeglich
lagen.72
Wesentlich war, dass man die jeweiligen
vorgesetzten Instanzen mit politischen Erfolgsmeldungen ueberzeugend fuettern
konnte.
Anhang
Georg Markel, der Pfarrer von Gergeschdorf (Ungurei, Gergelyfája) bittet Bischof Staedel im Generalgouvernement eingesetzt zu werden
An Seine Hochwuerden
Herrn
Bischof der Evang. Landeskirche A.B.
In Rumaenien!
Hochwuerden !73 Wie Ew. Hochwuerden bekannt ist, bemuehe ich mich schon seit mehr als einem Jahr in diesem schwersten und heldenhaftesten Kampfe des deutschen Volkes, unter deutscher Fahne und deutschem Kommando, aktiv eingesetzt zu werden. Bis noch ist es mir, aus verschiedenen Gruenden, nicht gelungen. Auch jetzt, bei dieser Musterungs-Aktion, 74 habe ich mich mustern lassen und bin bereit mich aktiv einreihen zu lassen. Ich habe diesbezueglich persoenlich beim Stabsamt der deutschen Volksgruppe in Rumaenien vorgesprochen und die Antwort erhalten, ueber mich solle noch entschieden werden. Also wieder scheint es, dass ich nicht eingesetzt werde. Ich habe diesbezueglich Ew. Hochwuerden, gelegendlich (sic!) unserer Begegnung in Kronstadt in der Krone, Mitteilung gemacht und habe gleichzeitig um Auskunft gebeten, wie es um die Entsendung von volksdeutschen evang. Geistlichen ins General Guvernemant (sic!) steht, und dass ich bereit bin, ja flehentlich darum bitte75 nun endlich bei dieser Aktion in Betracht gezogen zu werden und eingesetzt werde.
Ich erlaube mir die geziemende Bitte, Ew. Hochwuerden wollten mir gefaelligst
Auskunft geben, wie es um die Aktion betreff der Entsendung von evang. Geistlichen
ins Guvernemant steht? Ob ich in Betracht komme auch entsendet zu werden?
Und wann das ungefaehr sein wird? Sollte ich aus irgend welchem Grunde auch
jetzt nicht eingesetzt werden, so muesste ich dieses zeitgerecht wissen, dass
ich mit dem letzten Transport der Gemusterten fuer die Waffen-SS doch noch
hinaus komme. Warum es mir so eilig und wichtig ist unbedingt eingesetzt zu
werden, ist Ew. Hochwuerden bekannt.
Ich bitte geziemend und flehendlich
(sic!) um Erfuellung meiner Bitte, ich bitte eingesetzt zu werden, damit
ich dem Drange meiner Seele in ungestoerter, freier Arbeit, frei von Hemmungen,
in williger und freudiger Selbstaufopferung Erfuellung werden lasse.
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Gergeschdorf den 30. Mai 1943.Heil Hitler !
Ew. Hochwuerden Ergebener
e.h.
/Georg Markel/
Pfarrer77