Mein goldener Käfig - meine Welt

Manga

Blade of the Immortal (von Hiroaki Samura)

Zufälle können sich manchmal als sehr glücklich erweisen. Und wie der Zufall will, war ich vor einiger Zeit im Hugendubel der Münchner Innenstadt, ein riesiges Geschäft, und mich hat die Buchkauflust so richtig übermannt. Im Rahmen dieses Wahns kaufte ich den 2. Band von BotI, denn den 1. Band gab es nicht. Wie sich später herausstellen sollte, ein Irrtum, denn ich dachte, dies wäre der Comic, auf dem der Vampirfilm Blade basiert. Pustekuchen. Irgendwann habe ich mir den ersten Teil besorgt und das Lesen angefangen. Und das war der Anfang vom Ende, bzw. der Anfang einer Sucht. BotI ist so viel besser als alles, was ich erwartet hatte - mein absoluter Lieblingsmanga, den ich euch natürlich nicht vorenthalten will!

Auf den ersten Blick ist die Geschichte sehr einfach: die 14jährige Rin muß mit eigenen Augen ansehen, wie ihr Vater brutal umgebracht und ihre Mutter geschändet wird, und zwar von den Kämpfern der Itto-Ryu-Schwertschule, die alle anderen Schulen vernichten wollen, darunter auch die ihres Vaters. Rin schwört Rache, wie es für die Tochter eines Samurais angemessen ist, doch so einfach ist das nicht, zumal ihre Feinde alle hervorragende Kämpfer sind. Und so legt sie sich einen Leibwächter und Beschützer zu: Manji, den '100-Männer-Mörder'. Manji besitzt zahlreiche Waffen, mit denen er auch umzugehen weiß, eine zwielichtige Vergangenheit und die 'Kessenchu', Blutwürmer, die jede seiner Verletzungen innerhalb kürzester Zeit heilen und ihn so unsterblich machen. Man könnte nun zu dem Schluß gelangen, daß es nur darum geht, wie ein Held einen Schurken nach dem anderen niedermetzelt, und daß BotI vor Gewalt nur so strotzt. Das tut es definitiv, aber der Reiz der Geschichte liegt vor allem in den Charakteren. Wo die Grenze zwischen Gut und Böse verläft, ist nicht klar, ja, es ist nicht einmal sicher, ob so etwas wie gut und böse überhaupt existiert. Jeder muß mit seiner Vergangenheit fertig werden, und jeder bewältigt das auf seine eigene Art und Weise.

Blade of the Immortal spielt im feudalen Japan, gespickt mit allem was dazu gehört: Samurai, Schwertschulen, Ehrenhaftigkeit und vieles mehr. Gezeichnet wird die Serie von Hiroaki Samura, einem jungen Mangako, der der Meinung ist, die Kunst solle im Vordergrund stehen und deswegen nur sehr wenig von sich preisgibt.
Der Zeichenstil, mit dem er uns in BotI verwöhnt, ist sehr vielfältig. Jedes Kapitel beginnt mit einem bezaubernden Aquarell, die darauffolgenden Seiten sind übersäht mit detailgetreuen, klar gezeichneten Bildern. Kommt es zum Kampf, so wird nicht nur die Situation, sondern auch die Zeichnung unübersichtlich, die schnellen Bewegungen werden durch viele Striche beschrieben. Dem Ende eines Kampfes wird meist eine seitengroße Endszene gewidmet, die mir schon beim ersten Lesen besonders gefallen haben.

Vampire Princess Miyu

Vampire Princess Miyu wurde in einem Rollenspielbuch als Quelle empfohlen, um ein Gefühl für die Athmosphäre zu bekommen. So habe ich mir einige Teile der Animeserie besorgt und war sehr schnell davon begeistert.

Miyu ist ein Vampir und vom Schicksal dazu auserwählt, die Shinma, Dämonen, die manchmal auf die Erde gelangen und dort ihr Unwesen treiben, zu jagen und in ihre Welt zu verbannen. Dabei hilft ihr Larva, selbst ein Shinma, der aber Miyu treu ergeben ist, seit er von ihrem Blut trank. So ziehen die beiden von Ort zu Ort, um ihre Aufgabe zu erfüllen.
Doch der Kampf gegen die Shinma ist nur ein Aspekt. Miyu sehnt sich nach Freundschaft und Liebe, doch das sind Dinge, die ihr wohl auf ewig verwehrt bleiben. Und so sucht sie immer gleichgesinnte Seelen: einsame, verlassene Menschen, denen die Vergänglichkeit des Lebens bewußt ist. Doch oft weiß sie ihnen nicht anders zu helfen, als ihnen das ewige Leben - gefangen in ihren Träumen - zu schenken, daß mit Miyus Kuss einhergeht.

Vampire Princess Miyu ist ein sehr trauriger, nachdenklicher Manga, der im heutigen Japan spielt. Die Zeichnungen werden von klaren Linien und dem Kontrast zwischen Licht und Dunkelheit dominiert.
Der erste Band ist im Vergleich zu den folgenden eher schwach, er führt den Leser langsam in Miyus Welt und Denken ein. Doch davon sollte man sich nicht abschrecken lassen, die folgenden Bände werden das mehr als wettmachen.

Chobits

Meine beste Freundin hat einmal ein Bild von Chi im Internet gefunden und damit ein Layout für ihre Homepage gebastelt. Viele haben begeistert nachgefragt, woher das denn sei (unter anderem ich), und so hat sie sich auf die Suche gemacht. Heraus kam 'Chobits', was ich gleich zum Anlaß nahm, ihr die ersten Bände zum Geburtstag zu schenken. Als sie sie mir dann ausgeliehen hat, hab ich sie gleich an einem Abend verschlungen und bin seitdem auch erklärter Chobits-Fan.

Hideki findet abends auf dem Nachhauseweg einen Computer. Das ist ihm sehr recht, schließlich ist er viel zu arm, um sich einen zu kaufen. Doch diesem Computer scheinen alle Daten abhanden gekommen zu sein, alles, was er noch sagen kann, ist 'Chi'. Und so nennt Hideki den Computer, der ganz nebenbei die Gestalt eines zauberhaften jungen Mädchens besitzt, Chi. Doch woher genau kommt dieses geheimnisvolle Wesen, und was will es eigentlich? Nur 'den Mensch für mich allein'?

Auf den ersten Blick würde man Chobits wohl in die humorvolle Erotiksparte stecken, doch weit gefehlt. Obwohl die Damen der Schöpfung nicht mit ihren Reizen geizen und damit Hideki ein ums andere Mal in arge Bedrängnis bringen, ist Chobits doch eher melancholisch und manchmal auch philosophisch. Kann ein Computer, der wie ein Mensch aussieht, einen Menschen ersetzen? Und wenn nicht, kann man der liebenswerten Chi tatsächlich die Einsamkeit zumuten? Fragen, die gar nicht so weit weg sind von unserer Wirklichkeit, in der sich die Technik rasant entwickelt.
Ganz nebenbei ist Chobits zauberhaft gezeichnet, allein die Bilder sind es schon wert, sich die Serie zuzulegen.

Spriggan

Spriggan habe ich mitten in der Nacht auf VOX gesehen. Der Anime ist wirklich super, beherrscht von einer düsteren, endzeitlichen Stimmung. Und so beschloß ich, mir auch die Mangas zuzulegen und fing dabei, wie man das so tut, mit dem ersten Band an.

Spriggan spielt in Japan, zur Zeit des 2. Weltkriegs. Alte, längst untergegangene Kulturen haben nicht nur wertvolle Schätze hinterlassen, sondern auch Hinweise auf ihre Technologie, die der unsrigen weit überlegen ist. Kein Wunder, daß sich jedes Regime die Finger danach leckt und ihre Schergen entsendet, um sich so einen Vorteil zu verschaffen, ja, vielleicht sogar die ultimative Waffe. Doch zum Glück gibt es die Arcam-Foundation, eine Gesellschaft, die zum Schutz eben dieser Hinterlassenschaften alter Kulturen dient. In ihrem Auftrag arbeiten die Spriggan, Kämpfer, die mit all ihrer Kraft verhindern wollen, daß solche Macht in die falschen Hände gerät. Einer von ihnen ist Yu Ominae, der ein Doppelleben führt - zum einen als Spriggan, zum anderen als Schüler, der die meiste Zeit seine Lehrer und Mitschüler terrorisiert, wenn er überhaupt in die Schule geht. Seine Geschichte ist die Geschichte von 'Spriggan'.

Ehrlich gesagt bin ich ein bißchen enttäuscht. Die Mangas haben bei weitem nicht den Tiefgang, der mich beim Anime so begeistert hat. Damit meine ich gar nicht den erotisierten Humor, der in vielen Mangas vorkommt, sondern die Geschichte an sich, und auch die Hauptperson: irgendwie reißt mich das nicht mit. Ich als Leser entwickle keine Sympathie, und so ist es mir egal, wie es am Ende ausgeht. Ob ich mir den zweiten Band kaufe, ist äußerst zweifelhaft.


last updated am 05.11.2003 von Steffi
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