Wissen sie wirklich, was sie tun?

von Roger Köppel (Die Weltwoche, 18.03.2020)

Bilder und Nachbemerkung: Nikolas Dikigoros

Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, legt der Bundesrat im Sog anderer Regierungen die Schweiz lahm. Die Demokratie wird ausser Kraft gesetzt. Die wirtschaftlichen Verheerungen sind gigantisch, womöglich schlimmer als die Krankheit.

Alle applaudieren, niemand hinterfragt. Der Bundesrat hat die Schweiz zu einer Art Sperrgebiet erklärt. Das gesellschaftliche Leben und die Wirtschaft werden fast auf den Nullpunkt herunter gefahren. Nicht alle werden die Vollnarkose überleben. Die Notmassnahmen sind legal beschlossen worden, auf der Grundlage eines weitreichenden Epidemiengesetzes. Seit dem Zweiten Weltkrieg konzentrierte keine Schweizer Regierung mehr Macht in ihren Händen. Niemand weiß, wann der Ausnahmezustand enden wird. Nicht einmal die SVP, sonst als nicht besonders regierungsfreundlich bekannt, äussert Kritik.

Selbstmord aus Angst vor dem Sterben

Verantwortungsvolle Politiker müssen immer die Frage nach der Verhältnismäßigkeit getroffener Maßnahmen stellen. Was ist das Problem? Wie kann es gelöst werden? Zu welchem Preis? Kosten-Nutzen-Analysen sind, wenn es um Gesundheit und ums Leben geht, naturgemäß unerwünscht, aber sie bleiben notwendig. In der herrschenden Corona-Angst scheint man sich dieses Erfordernis gänzlich ersparen zu wollen. Alle Mittel sind der Regierung und den politischen Parteien recht, um die Ausbreitung des Erregers zu verlangsamen. Gleichzeitig beschleicht viele ein ungutes Gefühl. Ist die Schweiz, ist die Welt im Begriff, aus Angst vor Ansteckungen wirtschaftlichen Selbstmord zu begehen?

Wer ein Risiko bekämpfen will, muss es nüchtern analysieren. Die neuartige Corona-«Grippe» wurde letzten Dezember erstmals in China entdeckt. Möglicherweise sprangen die Viren an einem Fischmarkt von Tieren auf den Menschen über. Am Ursprung der Seuche sollen dichtgeballte Schwärme von Fledermäusen stehen. Man vermutet, dass sich das Coronavirus schneller ausbreitet als herkömmliche Grippe-Erreger. Allerdings sind wir bereits hier in der Kampfzone akademischer Auseinandersetzungen. Die einen sagen, ein Corona-Infizierter stecke bis zu dreimal mehr Menschen an als ein Grippekranker. Andere behaupten, die Coronaviren seien weniger ansteckend als Influenza oder Masern.

Alle rennen in die gleiche Richtung

Genaueres ist über die Gefährlichkeit des neuen Erregers im Umlauf. Man weiß, dass die Corona-Erkrankung für den Großteil der Infizierten nicht besonders gefährlich ist. Wirklich gefährlich ist die Seuche vor allem für alte und gleichzeitig kranke Personen. Unter den Jüngeren können schwerwiegend Vorerkrankte in ernste Not geraten. Neue Hochrechnungen des Imperial College in London befürchten zwar einen größeren Prozentsatz an Intensiv-Patienten in der Gruppe 50 plus, aber das sind Szenarien, keine Messungen. Das durchschnittliche Alter der bisherigen Corona-Toten liegt bei rund 80 Jahren für Männer und bei 84 Jahren für Frauen. Männer erkranken häufiger schwer als Frauen.

Das sind die Fakten. Viele Virologen sind der Ansicht, dass wir die Ausbreitung des Virus gar nicht stoppen können. Die Natur bricht sich Bahn. Am Ende dürften sich rund 70-80% der Menschheit anstecken, die meisten voraussichtlich ohne gesundheitliche Probleme. Die Gefahr von Corona-Mutationen in Richtung Killervirus schließen die von uns befragten Experten aus. Der Erreger werde im Zuge seiner Verbreitung ungefährlicher. Die Menschen bilden Immunkräfte, und neue Viren entstehen. Es ist kein ungewöhnlicher Prozess. Umso dringlicher stellt sich die Frage: Mit welchen Maßnahmen soll die Corona-Pandemie vernünftigerweise bekämpft werden? Stimmen Aufwand und Ertrag?

Verblüffend ist, dass genau diese Fragen gegenwärtig keine, aber auch gar keine Rolle zu spielen scheinen. Weil alle in die gleiche Richtung marschieren, marschiert auch die Schweiz, marschieren Bundesrat, Medien, Parteien, ja weite Teile der Öffentlichkeit in gespenstischer Nicht-Distanz einher. Die Amerikaner machen es wie die Chinesen, die Österreicher wie die Amerikaner, die Deutschen und Franzosen wie die Italiener, und alle Staaten scheinen sich eine Art Überbietungswettlauf zu liefern. Wer kann noch einen draufsetzen? Eine unheimliche Entgrenzung ist im Gang. Selbst US-Präsident Trump hat seine abschreckende Wirkung verloren und fällt kaum mehr auf im neuen Mainstream der allgemeinen Selbsterdrosselung.

Anders als die Medien und die Parteien durch ihre einhellige Zustimmung suggerieren, hätte der Bundesrat durchaus Handlungsalternativen. Anstatt die ganze Schweiz lahmzulegen, Schulen und Betriebe zu schließen, Unternehmer in den Ruin und die Volkswirtschaft in den Kollaps zu treiben, wäre es denkbar, vor allem die Minderheit der speziell Gefährdeten unter strengste Schutzquarantäne zu stellen. Man könnte die akut bedrohten alten Menschen und die Risiko-Patienten abschirmen, notfalls isolieren, ohne die ganze Wirtschaft in Flammen zu setzen. Natürlich kann man alle einsperren, um wenige zu schützen. Aber ist es nicht unverhältnismäßig, die Nicht-Risikogruppen gleich zu behandeln wie die Risikogruppen, denen eine tödliche Gefahr droht?

Differenzieren verboten

Die Schweiz scheint die Fähigkeit zu verlieren, Gleiches gleich und Ungleiches ungleich zu behandeln. In vielen Sphären der Gesellschaft verwischen relevante Unterschiede. Im Klassenzimmer dürfen schwache und stärkere Schüler nicht mehr getrennt werden. Im Flüchtlingswesen hat man aufgehört, zwischen echten und falschen Flüchtlingen, zwischen Migranten, Wirtschaftsflüchtlingen und wirklich an Leib und Leben Verfolgten zu differenzieren. Wer unterscheidet, macht sich angreifbar. Wer alles in einen Topf wirft, geht den bequemen Weg. Deshalb ist die Beschwörung differenzblinder Gleichheit so attraktiv für Politiker. Sie blockt negative Schlagzeilen und sichert Applaus.

«Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet.» Nach der berüchtigten Autokratenformel des deutschen Juristen Carl Schmitt verfährt in Zeiten von Corona der Bundesrat. Er schränkt die Freiheitsrechte der Bürger und Betriebe massiv ein. Derweil haben die Konjunkturforscher in der Verwaltung schlaflose Nächte, weil sie erkennen, dass die Regierung mit ihrer Totalquarantäne ein Rezessionsmonster entfesselt ohne die Instrumente, um es wieder einzufangen. Niemand weiss, wann und nach welchen Kriterien der Bundesrat sein Vollmachtenregime wieder aufhebt. Nach dem Zweiten Weltkrieg brauchte es fünf Jahre und eine Volksabstimmung, bis die Volksrechte zurückkehrten. Ab welcher Zahl von Infektionen oder Toten wird der Ausnahmezustand heute aufgehoben? Proportionen geraten aus dem Blick. Im Jahr 2015 starben alleine in der Schweiz 2.500 Menschen an Grippe. Die Hongkong-Grippe 1968 forderte global eine Million Tote. Mindestens. Bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe waren schweizweit rund 20 Corona-Tote aus der bekannten Risikogruppe zu beklagen, Tendenz allerdings steigend.

Selbstsucht im Zeichen der Solidarität

Der Bundesrat beruft sich auf «Zusammenhalt» und «Solidarität». Da fühlen sich alle angesprochen. In der Praxis ereignet sich das Gegenteil. Die Notmaßnahmen beflügeln rationale Selbstsucht und Hamsterkäufe. Alle schauen für sich, und jeder ist sich selber der Nächste. Wenn Regierungen den internationalen Notstand erklären und die Wirtschaft abwürgen, muss man sich nicht wundern, wenn die Leute ihre Vorratskammern füllen. Möglicherweise ist die Angst vor dem immer realer werdenden Wirtschaftsinfarkt inzwischen grösser als die Angst vor dem Erreger.

Obschon alle Schulen geschlossen wurden, strömten die Kinder am ersten frühlingshaften Notstands-Wochenende in Scharen auf die Fussballfelder; ohne «Social Distancing». Paare und Passanten flanierten in Küsschendistanz über die städtischen Plätze. Als besonders immun gegen die bundesrätliche Pandemiewarnung erwiesen sich allerdings die gefährdeten Senioren. Man hat dafür sogar Verständnis. Kaum ein über 80-jähriger, der die Sonne noch genießen kann, dürfte sich von der Politik seine kostbare Lebenszeit durch eine Art Isolationsarrest in den eigenen vier Wänden nehmen lassen. Viele der Älteren, zu deren Schutz sich die Schweiz isoliert, möchten sich im Spätherbst ihres Lebens vielleicht gar nicht isolieren lassen. Die bundesrätliche Solidarität empfinden manche, die damit beglückt werden sollen, als Zumutung des Freiheitsentzugs.

Wenn Dämme brechen

Schießt der Bundesrat mit seinem Notstandspaket massiv übers Ziel hinaus? Gut möglich. Es fängt schon bei den Begriffen an. Bundespräsidentin Sommaruga spricht davon, dass alle gleichermaßen von Corona «betroffen» seien. Das stimmt – und ist doch irreführend. Entscheidend ist nicht der Betroffenheits-, sondern der Bedrohungsgrad. Und der liegt nach heutigen Erkenntnissen bei den Risikogruppen deutlich höher.

Die verfälschende Problem-Verallgemeinerung kann zu falschen Lösungen führen. Anstatt gezielt zu schützen und abzuschirmen, auferlegt der Bundesrat der ganzen Schweiz gigantische Opfer mit unabsehbaren Langzeitfolgen. Die Börsen stürzen ab. Konkurswellen rollen an. Existenzen werden vernichtet. Kein Risiko trägt eigentlich nur die Regierung: Gibt es weniger Tote als erwartet, ist es wegen ihrer Politik. Gibt es mehr Tote als befürchtet, liegt es am Virus. Geht die Wirtschaft unter, bekommen die Bundesräte trotzdem ihren Lohn. Ausbaden müssen es andere.

Judaslohn für die Bundesräte

Die Dämme werden brechen. Schon heute ruft die Wirtschaft nach dem Staat. Die Regierung wird nicht nein sagen können, weil sie mit ihren Maßnahmen die Misere selbst hervorrief. Der Bundesrat gerät in Geiselhaft von Unternehmen, Medien und Parteien. Wer bekommt Geld? Wer geht bankrott? Die Allmacht der Politik wird den Staat aufblähen wie im Krieg. Ein neuer Kollektivismus bricht aus. Er könnte die Schweiz auf Dauer verändern. Nicht zum Guten. Alle sind auf einem Blindflug, Bundesrat, Medien, Politik, der Schreibende inbegriffen. Gerade auf einem Blindflug aber ist es nötig, laufend den Kurs zu hinterfragen. Nur die Abgründe, die wir nicht sehen, bringen uns um.


Nachbemerkung Dikigoros:
Die vorletzten Worte Jesu am Kreuz - laut Lukas-Evangelium -, in Frageform gekleidet... Aber der meinte ja wohl die Römer, oder? Mag sein, daß die nicht so genau wußten, was sie taten, als sie den Wanderprediger aus Nazareth ans Kreuz schlugen - weshalb man ihnen auch vergeben darf. Aber diejenigen, die ihn denunziert und ans Messer geliefert hatten, wußten ganz genau, was sie taten. Und Dikigoros ist überzeugt: Sie wissen es auch diesmal wieder; deshalb darf Gott - und dürfen wir - ihnen nicht vergeben.

Wer sind "sie"? Er hat darüber bereits an anderer Stelle geschrieben, aber er faßt es gerne noch einmal zusammen und stellt Euch die zwölf jüdischen Clans - nicht Stämme - vor, die hinter der künstlich entfachten Corona-Pan-Hysterie stehen, unter deren Vorwand sie die grausamste Diktatur aller Zeiten errichten wollen - und werden, wenn man ihnen nicht noch in letzter Minute das Handwerk legt:

Sie alle haben gemeinsame Weltherrschafts- und Ausrottungs-Fantasien, wie sie sich der Verfasser der Protokolle der Weisen von Zion - wer immer das war - nicht hätte träumen lassen - die technischen Voraussetzungen waren halt zu seiner Zeit noch nicht vorhanden. Heute sind sie es. Und Dikigoros wiederholt auch diesen Satz noch einmal in aller Deutlichkeit: Das ist keine Verschwörungs-Theorie, sondern die Verschwörungs-Realität, d.h. eine tatsächlicher und gegenwärtiger Angriff jener Clans auf den Rest der Weltbevölkerung. Deshalb ist alles, was dagegen unternommen wird, ein Akt legitimer Notwehr.


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