SONJA  HENIE

(8.4.1912-12.10.1969)

Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros

1912
08. April: Sonja Henie wird als Tochter eines Pelzhändlers in Kristiania (seit 1924 "Oslo") geboren.
Einige Biografen legen (viel zu großes) Gewicht darauf, daß ihr Vater Eisschnelläufer gewesen sei und sogar an Europameisterschaften teilgenommen habe. Wann das gewesen sein soll, weiß indes niemand zu sagen, geschweige denn, daß irgendwelche Titel oder sonstige Erfolge überliefert wären. Daß auch ihr älterer Bruder Leif Eiskunstläufer war, besagt ebenso wenig. Auf Schlittschuhen laufen konnte damals so gut wie jeder in Norwegen. Dagegen erwähnt kaum jemand, daß Henie ihr Leben lang auffallend luxuriöse Pelzmäntel trug - diese Vorliebe dürfte sie doch viel eher vom Vater "geerbt" haben als eine besondere Begabung fürs Eislaufen.

1923
Henie gewinnt erstmals die norwegische Eiskunstlauf-Meisterschaft.
Ähnlich wie - vielleicht sogar noch in höherem Maße als - die französische Tennisspielerin Suzanne Lenglen profitiert sie davon, daß sie als Kind in kurzen Röckchen auftreten darf, was für erwachsene Frauen - die lange, schwere Kleider tragen müssen, die sie in der Bewegung behindern - als unschicklich gilt.


Henie behält diese "Mode" auch später bei. (Sie trägt dann jedoch unter dem Rock dicke Strumpfhosen - bis zur Erfindung der Nylon-Strümpfe :-)
Ebenfalls zu Gute kommt ihr, daß sie ihr kindliches "Puppengesicht" und ihr Wettkampfgewicht von 100 englischen Pfund (45 kg) bis ins Alter bewahrt.

1924-29
Henie verteidigt ihren Titel als norwegigsche Landesmeisterin sechsmal erfolgreich.

1924
Januar: Henie startet bei der Internationalen Wintersportwoche in Chamonix (die später rückwirkend in "1. Olympische Winterspiele" umbenannt wird). Nach einem Sturz wird sie 8. und letzte.
Februar: Henie belegt bei den Eiskunstlauf-Weltmeisterschaften in Oslo Platz 5.

1926
Henie belegt bei den Eiskunstlauf-Weltmeisterschaften in Stockholm Platz 2 im Einzel - hinter der Austro-Ungarin Herma Szabó* - und Platz 5 im Paarlauf (am der Seite von Arne Lie.

1926-28
Henie gewinnt zusammen mit Arne Lie dreimal die norwegische Meisterschaft im Paarlauf.

1927
Henie gewinnt bei den Eiskunstlauf-Weltmeisterschaften in Oslo erstmals die Goldmedaille.
(3 von 5 Punktrichtern sind Norweger - Henie siegt mit deren Stimmen 3:2 über die Titelverteidigerin Szabó, die sich verschoben fühlt und ihre Karriere daraufhin beendet.)

1928-36
Henie verteidigt den WM-Titel neunmal erfolgreich - bis zu ihrem Rücktritt vom "Amateursport".**


1928
Henie gewinnt bei den Olympischen Winterspielen in St. Moritz die Goldmedaille im Einzel.


1930
Henie tritt beim Gewinn der Eiskunstlauf-Weltmeisterschaft in New York City erstmals in Übersee auf.

1931
Henie wird in Wien erstmals Europameisterin im Einzel.

1932-36
Henie verteidigt auch diesen Titel fünfmal erfolgreich - bis zu ihrem Rücktritt.

1932
Februar: Henie gewinnt bei den Olympischen Winterspielen in Lake Placid erneut die Goldmedaille im Einzel.

[Henie mit Karl Schäfer]

(Das harmlose Pressefoto mit Karl Schäfer, dem Sieger im Herren-Einzel, muß später dazu her halten, ihr ein Verhältnis mit diesem anzudichten, ja ihn zur "großen Liebe ihres Lebens" zu erklären, den sie hätte heiraten wollen.)
Ihr Hauptbetätigungsfeld bleibt jedoch Europa, insbesondere Deutschland, wo sie als Amateur am meisten Geld verdienen die meisten Geschenke einheimsen kann, insbesondere da es dort seit

1933
wirtschaftlich wieder bergauf geht.

[Karikatur: Hitler und Goebbels als Marionetten von Vögler, Krupp, Duisburg und Siemens]

Dikigoros kann sich diese sowjet-russische Karikatur auf die Konferenz der führenden deutschen Industriellen mit den Spitzen der NSDAP im Februar 1933 nicht verkneifen. Die Namen Krupp, Duisburg und Siemens kennt noch heute jeder; fast vergessen ist dagegen Albert Vögler, damals General-Direktor der nach dem Krieg von den alliierten Besatzern zerschlagenen Vereinigten Stahlwerke, der - völlig zu Recht - am Anfang steht.

1934
Februar: Bei einem Auftritt im Berliner Sportpalast gibt Henie dem neuen (seit 1933) deutschen Reichskanzler die Hand - obwohl sie doch wissen müßte, daß der ein ganz schlimmer Nazi ist.


(Das Foto wird meist fälschlich auf Februar 1936 datiert und mit den Olympischen Spielen in Garmisch-Partenkirchen in Verbindung gebracht, auch und gerade von ihren Apologeten, die vergessen machen wollen, daß sie schon längst davor in "Nazi-Deutschland" auftrat und keine Berührungsängste mit dessen Politikern hatte.)
Dieses unverzeihliche Verbrechen wird sie Jahre später einholen und ihr noch lange anhängen.

1936
Februar: Henie nimmt an den Olympischen Winterspielen in Garmisch-Partenkirchen teil. Dabei begeht sie - jedenfalls in den Augen der Nachwelt - erneut ein unverzeihliches Verbrechen; sie entbietet nämlich - wie alle anderen Teilnehmer auch - den olympischen Gruß.***


Um einem etwaigen Verdacht der Manipulation vorzubeugen, nominiert das I.O.C. für ihren Wettbewerb keine Punktrichter aus Norwegen. Sie gewinnt gleichwohl die Goldmedaille, bekommt aber einen Tobsuchtsanfall, weil das Ergebnis ihrer Meinung nach punktemäßig zu knapp ausgefallen ist.


Dennoch läßt es sich der Reichskanzler nicht nehmen, ihr persönlich zu gratulieren.
(Anders als ein paar Monate später bei den Olympischen Sommerspielen in Berlin ist kein IOC-Bonze zugegen, der ihm dies verbietet, weshalb z.B. J. C. Owens kein derartiges Verbrechen begehen kann :-)


Danach beendet Henie ihre Karriere als Sportlerin und geht in die USA, um Schauspielerin zu werden. Sie erhält einen gut dotierten Vertrag bei 20th Century Fox


In ihrem ersten Film, "One in a Million", spielt sie gleich die weibliche Hauptrolle, die Greta Thunberg Muller.
Diese besteht - angeblich**** wegen mangelhafter Beherrschung der englischen Sprache - überwiegend aus Eistanz-Auftritten.


1937
Henie spielt - an der Seite von Tyrone Power - die weibliche Hauptrolle - die Ski-Lehrerin Lili - in "Thin Ice".


(Eine deutsche Fassung erscheint erst 1951 unter dem Titel "Hoheit flirtet".)

1938
Januar: Henie spielt die weiblichen Hauptrollen in "Happy Landing" [dts.: "Die Eiskönigin"] - die Trudy - und My Lucky Star" - die Krista.


Henie veröffentlicht ihre Memoiren (als 26-jährige!) unter dem Titel "Mitt livs eventyr [Das Abenteuer meines Lebens]".


(Die amerikanische Übersetzung - "Wings on my Feet [Flügel an meinen Füßen]" - erscheint erstmals 1940.)

1939
Juli: Henie spielt - wieder an der Seite von Tyrone Power - die weibliche Hauptrolle - die Schauspielerin wider Willen Trudi Hovland - in dem Musical-Film "Second Fiddle [dts.: "Premiere in Hollywood]".
Im selben Monat ziert sie - als erste ausländische Sportlerin - das Cover des Time Magazine.


Dezember: Henie spielt die weibliche Hauptrolle in "Everything Happens at Night".


1940
Henie heiratet den Berufserben Daniel Topping, der vor allem als Boss der "New York Yankees" bekannt wird. (Die Ehe bleibt kinderlos und wird 1946 geschieden.)

1941
Juli: Henie nimmt die US-Staatsbürgerschaft an.*****
August: Henie spielt die weibliche Hauptrolle in "Sun Valley Serenade".


1941-45
Zweiter Weltkrieg.******

1942
Henie spielt die weibliche Hauptrolle - die Katina - in "Iceland".


1943
Henie spielt die weibliche Hauptrolle - die Nora - in "Wintertime".


Der Film floppt; 20th Century Fox erneuert ihren auslaufenden Vertrag nicht.
Henie wechselt zu RKO.

1945
März: Henie spielt - an der Seite von Michael O'Shea - die weibliche Hauptrolle - die Chris - in der Komödie "It's a Pleasure".


Auch dieser Film floppt. Henie wechselt zu Universal Pictures

1948
Henie spielt die weibliche Hauptrolle - die Karen - in "The Countess of Monte Cristo".


1949
Henie heiratet in 2. Ehe den Berufserben Winthrop Gardiner.
(Auch diese Ehe bleibt kinderlos und wird im verflixten 7. Jahr 1956 geschieden.)

1954
Henie läßt ihre Memoiren politisch-korrekt umschreiben. Plötzlich war wie schon immer gegen Hitler und die "Nazi-Deutschen".


1956
Juni: Henie heiratet in 3. Ehe den Reeder Niels Onstad. (Die Ehe bleibt ebenfalls kinderlos, hält aber, bis der Tod sie scheidet.)


Auf dem Bild wirken die beiden wie Vater und Tochter; tatsächlich war er erst 47, also nur 3 Jahre älter als sie, und sollte sie um 9 Jahre überleben.

1958
Henie spielt sich selber in dem Pseudo-Dokumentarfilm "Hello London", der überwiegend aus Zusammenschnitten ihrer alten Filme besteht.

1969
12. Oktober: Sonja Henie-Onstad stirbt an Leukämie. Sie wird in Oslo beigesetzt.


* * * * *

1976
Henie wird in die "Hall of Fame" des Eiskunstlaufs aufgenommen.

1982
Henie wird in die - männerdiskriminierende - "Hall of Fame" der Sportlerinnen aufgenommen. (Eine "Ehre", gegen die sie sich posthum nicht wehren kann :-)
Eine vergleichbare "Hall of Fame" nur für männliche Sportler gibt es nicht - sie würde wohl auch sofort als "frauendiskriminierend" verboten werden. Aktuell wird jedoch nur diskutiert, ob erstere nicht künftig auch für die Gemeinschaft der TTT (Tunten, Transen und Tiverse)LGBT (Lesben, Schwule, Bi- und Transsexuelle) geöffnet werden muß, da diese inzwischen - jedenfalls in USA - regulär bei den Frauen-Wettbewerben starten dürfen.

1985
In dem Eisrevue-Film "Norge i våre hjerter" wird Henie von der Studentin aus UppsalaSängerin Kirsti Sparboe******* gespielt.

1990
Auf dem Büchermarkt erscheint eine Henie-Biografie mit dem Titel "Queen of Ice - Queen of Shadows" (norwegische Ausgabe: "Min søster Sonja Henie [Meine Schwester S.H.]") unter dem Autorennamen "Leif Henie" - der freilich schon 1984 das Zeitliche gesegnet hat. (Tatsächlicher Verfasser ist der jüdische Schmierenjournaillist Raymond Strait, der sich auf Machwerke dieser Art und Güte spezialisiert hat.) Darin wird alles bestätigt, was Wirtz nach 1950 über seinen Ex-Star behauptet hat.


2012
Zu Henies 100. Geburtstag widmet ihr die norwegische Post zwei Briefmarken à 100 Øre.


*Das spricht sich nicht "Tsabó", sondern "ßóbo" (das 1. "o" offen, das 2. geschlossen). Szabó war - anders als Henie - tatsächlich "erblich vorbelastet": Schon ihre Mutter und ihr Onkel waren Welt- bzw. Europameister im Eiskunstlauf gewesen. Letzterer betrieb überdies ein eigenes Eis-Stadion, wo sie von Kindesbeinen an üben konnte. Auch sie trug im Wettkampf "kurze" (knielange) Röcke.

**Dikigoros setzt das in Anführungsstriche, da das Amateur-Statut schon damals ungeniert umgangen wurde. Henie selber erhielt zwar bis 1936 kein Geld; aber ihr Vater - der sie als Manager stets begleitete - ließ sich ihre Auftritte in klingender Münze bezahlen. Henie bekam lediglich "Geschenke" in Form von teuren Autos, Pelzen und Schmuck.

[Henie mit Vater] [Henie mit geschenktem Auto] [Henie mit geschenktem Pelz und Schmuck]

Daß man ihr das durchgehen ließ, ist umso bemerkenswerter, als ihre Nachfolgerin als Olympia-Siegerin und Eisrevue-Prinzessin, die Kanadierin Barbara Ann Scott, ganz andere Erfahrungen machen mußte: Nachdem sie 1947 Weltmeisterin geworden war, schenkte ihr die Stadt Ottawa - wo sie geboren war - ein Auto. (Wohlgemerkt nicht als Gegenleistung für irgendeinen Auftritt dortselbst, sondern als echtes Geschenk zu ihrem 19. Geburtstag.) Daraufhin drohte ihr das I.O.C., wenn sie es annähme, würde sie "wegen Verstoßes gegen das Amateur-Statut" von den Olympischen Spielen 1948 ausgeschlossen. Sie verzichtete (auf das Auto :-), gewann die Goldmedaille und warf den "Amateur"-Bonzen (die selber Millionen an den Spielen verdienten) sofort anschließend den Krempel hin, um das Auto doch noch anzunehmen und Profi zu werden.

***Bis zu den Olympischen Sommerspielen 1936 einschließlich war das eine Selbstverständlichkeit, der sich lediglich die Angelsachsen entzogen. Die Franzosen entboten ihn auch noch bei den ersten Olympischen Spielen nach dem Zweiten Weltkrieg, Sportler einiger lateinamerikanischer Staaten sogar noch 1972 in München. Danach machten linke Geschichtsklitterer den völlig verblödeten Medienkonsumenten weis, daß der olympische Gruß ein "Nazi"-Gruß sei und daher verboten werden müsse.

****Diese Behauptung ist kaum aufrecht zu erhalten. Henie sprach gutes Schul-Englisch - was umso erstaunlicher war, als ihre Eltern sie vorzeitig von der Schule genommen hatten, damit sie sich ganz auf ihre Eiskunstlauf-Karriere konzentrieren konnte, und ihr statt dessen Ballett-Unterricht bei einer russischen Immigrantin angedeihen ließen. Henie hatte zwar einen leichten skandinavischen Akzent; aber der fiel kaum auf: In den 1930er Jahren war das US-amerikanische Englisch noch nicht wirklich gleichgeschaltet; es gab große Sprachinseln, in denen es überhaupt nicht gesprochen wurde, sondern Jiddisch, Polnisch, Russisch, Schwedisch o.a. (Nein, Deutsch und Französisch nicht mehr; Spanisch und Arabisch noch nicht.) Ein "ausländischer" Akzent wurde als beinahe selbstverständlich hingenommen und hätte die Kinogänger - die ja selber oft Immigranten waren - kaum gestört. Es war ganz einfach so, daß Henie - die keine schauspielerische Ausbildung genossen hatte - besser Eis laufen als daher quatschen tiefschürfende Sprechrollen ausfüllen konnte, weshalb sich dieser Schwerpunkt aufdrängte.

*****Entgegen einem weit verbreiteten Irrglauben wurde sie das nicht bereits 1940 durch die Heirat mit dem US-Amerikaner Topping. Die Eheschließung führte nicht automatisch zur Staatsbürgerschaft, sondern gab nur Frauen ("nur" in beiderlei Sinne des Wortes - für [Ehe-]Männer galt das nicht!) einen Anspruch darauf, US-Bürgerin zu werden. Es war zwar allgemein üblich, diesen geltend zu machen (böse Zungen behaupten sogar, daß viele Ehen überhaupt nur aus diesem Grunde geschlossen wurden :-), aber gerade unter "Celebrities" gab es Ausnahmen. Henie stellte zunächst keinen Einbürgerungsantrag, nahm auch nicht den Namen ihres Ehemannes an und vereinbarte insbesondere Gütertrennung - was damals ganz unüblich war.

******Die Datierung des "Zweiten Weltkriegs" auf "1939-45" ist kaum haltbar. Ab 1939 gab es einen auf Europa beschränkten Krieg (so wie es ab 1937 einen auf China und Japan beschränkten Krieg in Fernost gab). Erst der Kriegseintritt der USA durch Roosevelts (Shoot-on-Sight-Order vom 11. September 1941) machte daraus einen Weltkrieg.

*******Was der Ungarin recht ist, soll der Norwegerin billig sein: Das spricht sich nicht "Kırsti Schbarbö", sondern "Kjirßti [oder Kchirßti] ßpárbu-e", mit zwei geschlossenen "i" im Vornamen und einem deutlich vom "u" getrennten "e" im Nachnamen.


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