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Fanfiction  

Flugrouten ~ Gästebuch ~ Elsterhöhle  

 



Schulgeschichten vom Schu



~1~
Begegnung vorm Pantherkäfig
~2~
Unsägliche Leiden


~ 3 bis 6 ~
Erster Schultag (1)


~ 6 bis 8 ~
Erster Schultag (2)


~ 9 bis 12 ~
Der Konzertabend


~ 13 bis ... ~
wird fortgesetzt...



Begegnung vorm Pantherkäfig

Einfach toll! Da kam man schon mal aus diesem winzigen Kaff nach Tokyo und wurde dann von seinen "Freunden" in den Zoo geschleift...
Missmutig trottete Schuldig in Richtung Ausgang. Als ob Tokyo nicht mehr zu bieten hätte!

Aber nein - Ken, Omi und Asuka mussten ja unbedingt hierher und Yohji, der Verräter, schlug sich natürlich auf Asukas Seite.
Pantoffelheld! Wenigstens von ihm hätte er mehr erwartet.
Was bitte schön war so toll daran, stinkende Viecher in ihren Käfigen anzuglotzen?
Und jetzt hatte er die Vier auch noch verloren.

Na ja, eigentlich konnte das seine Laune nur bessern. So musste er wenigstens nicht miterleben, wie Omi und Asuka bei jedem ach so süßen Tier in wahre Begeisterungsstürme ausbrachen.
Hm, eigentlich untypisch für Asuka, sie war doch sonst immer so cool.

/Wahrscheinlich macht sie das nur, um Yohji und mich zu nerven./ dachte Schuldig grimmig.
Nun gut, jetzt war er sie ja los und konnte hier in der Nähe des Ausgangs in Ruhe warten, bis die Anderen kamen und sie sich endlich ins tokyoer Nachtleben stürzen konnten.

Er setzte sich auf eine der Bänke und warf einen besorgten Blick auf die Uhr. Schon halb sieben... Die ersten Clubs machten wahrscheinlich schon auf.
Zwei Stunden Zoo mussten doch wohl reichen!

Träge strich er sich ein paar orange Haarsträhnen aus dem Gesicht und sah sich gelangweilt um.
Im Käfig vor ihm schlich ein Panther unruhig vor den Gitterstäben hin und her. Von links nach rechts. Und wieder zurück. Spannend! Dafür hatte sich das Herkommen doch gelohnt!

Entnervt seufzte er auf und ließ seinen Kopf in den Nacken fallen.
Seine Laune war jetzt definitiv auf den Nullpunkt angekommen.
Als er wieder aufsah bemerkte er eine schmale Gestalt, die direkt vor dem Käfig stand.
Der Junge musste ungefähr in seinem Alter sein. Vollkommen reglos stand er da und betrachtete den Panther, der jetzt ebenso reglos vor ihm stand und den Blick scheinbar erwiderte.

/Wow!/
Ja! Endlich! Der erste klare Gedanke seit... zehn Minuten?Zwanzig? Wie lange starrte Schuldig den Jungen jetzt schon an?
Und viel wichtiger: War es die untergehende Sonne, die alles um ihn herum in flirrendes Weinrot tauchte oder ging jenes wunderbar warme Strahlen von diesen schönen, nein anbetungswürdigen, weichen Haaren aus?

Moooment! Was dachte er hier? Und warum hatte er Halluzinationen von rosa Blütenblättern und einem schnulzigen OrangeBlue-Song?
Nur weil dieses wunderschöne, göttliche Lichtwesen in sein Leben getreten war, war das noch lange kein Grund, gleich so kitschig zu werden.
Uah, den ersten Teil dieses Satzes sollte er im Zuge dieser Erkenntnis wohl besser auch gleich wieder streichen...

Also zurück ins Real Life!
Mithilfe seiner enormen Willenskraft, gelang es ihm, die wirbelnden Blütenblätter zu verjagen und diese weinerliche Musik abzuwürgen. Enthusiastisch stand er auf und stellte sich direkt neben die überirdische Erscheinung.

Prima! Gut gemacht! So weit, so gut. Jetzt musste er nur noch ein Gespräch anfangen...
Blöd nur, dass sein Verstand grad Urlaub machte und ihm trotz allen Bittens und Flehens nur hämisch zugrinste. Er warf einen flüchtigen Blick auf den Panther, der ihn aus seinen bersteinfarbenen Augen gefährlich anblitzte.

"Wow, der erinnert mich an meinen Mathelehrer."
>Japp. Suuuper Einstieg! 1A-Themenwahl!<
Oh Wunder, da war der Verstand ja wieder! Meckern ging also auch im Urlaubsmodus - Na danke!

Der Rotschopf fühlte sich aber tatsächlich angesprochen und schaute sich etwas verwirrt nach den vorbeigehenden Besuchern um.
"Ähm, der Panther." präzisierte Schuldig.
Jetzt sah ihn der Andere an und lächelte.

/Waaaaahnsinn!!!/ Wusch! Blütenblätter und Musik waren wieder da.
>Fang nicht an, zu sabbern!< Sein Verstand prostete ihm mit einem bösartigen Grinsen aus dessen Hängematte zu.
/...okay, eigentlich ein guter Rat./
Nebenbei bemerkte Schuldig, dass sein Puls sich verdoppelt hatte. Gut! Konnte sein Gehirn also endlich wieder auf Sauerstoff hoffen.

"...vor sieben Jahren von einem amerikanischen Zoo geschenkt." endete der Rothaarige.
"Öhm... Was?"
"Den Panther, natürlich." Wieder dieses Lächeln.
/Irre! Hätt' nie gedacht, dass lila Augen so toll ausseh'n.../

"Aha." /Und was jetzt?/
Mit einem dumpfen Laut fiel Schuldigs Verstand aus seiner Hängematte und kugelte sich prustend am Boden.
/Geschieht ihm recht! Hoffentlich erstickt er!/

"Kannst du mir bitte sagen, wie spät es ist?"
"Klar" /Oder auch nicht.../
Die Sache mit dem großen und dem kleinen Zeiger traute er sich momentan ehrlich gesagt nicht zu.
Also hielt er dem Anderen nur seinen linken Arm vor die Nase.

"Äh... Danke." Er griff nach dem Arm und drehte ihn vorsichtig, damit er das Ziffernblatt erkannte.
"Mist, ich komme zu spät zur Arbeit. Meine Schicht hat schon angefangen."
Mit diesen Worten drehte er sich um und rannte in Richtung Ausgang.

"Jaaa..." erwiderte Schuldig lahm und sah ihm völlig perplex nach.
Uah, er musste hinterher!
Nur, wie sollte er das seinen Beine begreiflich machen? Er musste ihnen wohl schon dankbar sein, dass er nach der Berührung dieses Engels überhaupt noch stand. Also brachte er die nächsten Minuten damit zu, blöd grinsend auf seinen neuen Lieblingsarm zu starren.

So fanden ihn auch seine Freunde, die jetzt auch endlich jedes einzelne, flauschige Tier eingehend bewundert hatten. Zwischen Asuka und Yohji schien mal wieder dicke Luft zu sein.

"...du ständig mit irgendwelchen Mädchen flirten musst!"
"Ach Quatsch, wir haben uns doch nur ein bisschen über Musik unterhalten und dann haben sie mich in den Club eingeladen, wo ihre Lieblingsband heute spielt."
"Ähm, Asuka... ich will mich ja nicht einmischen, aber ich finde, das mit den Wurfsternen war ein bisschen viel..."
"Misch dich nicht ein!"

"Hey, guckt mal! Ich hab Schu-kun wiedergefunden."
"Geht's ihm nicht gut?"
"Er guckt irgendwie komisch..."
"Ich glaub, der ist high."

"Ähäm! ...Hallooo! Erde an Schuldig!" Yohji schüttelte ihn nicht gerade sanft an der Schulter, bis er endlich aufsah.
"Was ist mit dir?"
Tja, wenn er so gefragt wurde... Die Puzzleteile fügten sich nahtlos zusammen.

"Ich bin verliebt." folgerte Schuldig messerscharf.
"Aha." meinte Yohji nur desinteressiert.
Aber Omi war neugierig. "Und in wen?"

"Äääähm..." Name? Herkunft? Sonstige Informationen?
Prima! Das wär'n doch alles suuuper Themen gewesen. Zum Heulen!
"... keine Ahnung. T__T "
"Na toll, dann könne wir ja jetzt gehen."
Yohji wirkte irgendwie genervt. Der Zoobesuch hatte ihm wohl großen Spaß gemacht.

Schweigend, verzweifelt und am Boden zerstört trottete ein armer, einsamer Schu hinter seinen Freunden her.
Wie sollte er seinen Engel nur jemals wiederfinden?
"Sagt mal, kann man hier irgendwo Fingerabdrücke von seinem Arm nehmen lassen?"
"Schuldig - du redest wirr!"



Unsägliche Leiden

/Das Leben ist so UNGERECHT!!!/
Kaum hatte man das Licht geblickt, wurde man von einem grausamen Gott wieder in die düstere Kargheit der kalten Realität gestoßen!

Schuldig seufzte laut auf. Seit ihrem Ausflug nach Tokyo war eine Woche vergangen.
Die grausamste, schmerzvollste, einsamste, längste, schlafloseste und düsterste Woche seines achtzehnjährigen Lebens.

Eigentlich hatte er sich ja vorgenommen, sich - oder zumindest den heiligen Arm - nicht mehr zu waschen. Aber solche guten Vorsätze ließen sich bei 30°C, strahlendem Sonnenschein und Freunden, die einen in den nächsten See warfen, wenn man anfing zu stinken, nicht durchführen.

So war die letzte und einzige Spur seiner schicksalhaften Begegnung abgewaschen worden.
Aber als ob ihn das Leben damit nicht schon genug gestraft hätte, war heute auch noch der letzte Ferientag und die Einöde schulischer Bildung zeigte schon wieder ihre hässliche Fratze.

In seinem Kopf lief gerade "My Lover's Gone" von Dido in Schleife, ein weiteres Zeichen, wie deprimiert er war.
>Lover? Du bist ganz schön melodramatisch! Mann, der hat dich grad mal nach der Uhrzeit gefragt, nicht ob du ihn heiraten willst.< ätzte die böse Stimme in seinen Gedanken.

"Aaaach! Das Leben ist soooo UNGERECHT!!!"
fasste Schuldig seine munteren Gedanken noch mal zusammen, als er plötzlich bemerkte, dass ihm jemand in der Sonne stand.
"Ähm... Kann schon sein."

Schu öffnete die Augen und blinzelte in die Sonne, bis er die Gestalt erkannt hatte, die sich über ihn beugte.
"Oh... Hallo Ken!" brummte er mit einem völligen Defizit an Begeisterung.
"Du Schuldig, sag mal, warum liegst du hier auf dem Rasen rum und jammerst?"
"Weil ich leide! Ich sieche dahin und darbe nach meiner verlorenen Liebe!"

"O.ô Aha... Sag mal willst du mitkommen? Ich bin grad auf dem Weg zu Omi. Die Band probt heute."
"Du bist doch gar nicht in der Band."
"Ach nee! Ich wollt's mir ja auch nur anhör'n."
"Ich glaub' nicht, dass ich da hin will. Wenn du nichts dagegen hast, werd' ich lieber noch ein bisschen mein Selbstmitleid wälzen."

"Meinetwegen, aber du solltest aus der Sonne gehen. Dein Gesicht ist schon ganz rot." meinte Ken noch im Gehen.
Ächzend erhob sich Schuldig. "Na gut... Warte, ich komm' mit."

Bei Omi angekommen, gingen sie gleich in die Garage, aus der gedämpft die Musik drang.
Schuldig setzte sich auf einen Stuhl neben Aya, die gerade irgendwas schrieb, und lauschte dem Rest des Liedes.

"Super! Ihr werdet immer besser." meinte Ken begeistert, als der Song vorbei war.
Omi wurde rot, schaltete dem Synthesizer aus und ging zu dem Fußballer, um diesen zu begrüßen.
Asuka hatte ihre Gitarre schon weggelegt und saß jetzt auf Yohjis Schoß, zwischen seinen Drums.

Die zwei hatten sich in den letzten Tagen kaum gestritten - ein Herz und eine Seele.
Schuldig seufzte laut auf. "Könnt ihr euch nicht n Zimmer nehmen? Ich ertrag das jetzt nicht!"
Yohji und Asuka antworteten nicht, ihre Zungen hatten grad was wichtigeres zu tun.

Aber Omi sah Schuldig verwundert an. "Was hast du denn, Schu-kun?"
Ken verdrehte die Augen. "Er darbt nach seiner verlorenen Liebe."
"Immer noch?"
"Hör' ich da Sarkasmus? Könntet ihr nicht ein bisschen mehr Mitgefühl zeigen?"
Omi und Ken sahen sich nur grinsend an. "Nee!" antworteten sie unisono.

Missmutig wandte sich Schuldig von seinen sogenannten "Freunden" ab und linste neugierig auf Ayas Block.
"Was schreibst du da? Songtext? Yaoi-FF?"
Aya grinste ihn an. "So ähnlich. Ein Theaterstück."
"So ähnlich?"

"Du kannst ja mitspielen, dann erfährst du's als Erster."
"Nö, kannst du vergessen. Ich kauf' doch die Katze nicht im Sack."
Aya zuckte nur mit den Schultern und sah auf ihre Uhr.
"So, ich muss jetzt los." sagte sie freudestrahlend. "Ran kommt in einer halben Stunde mit der Bahn an.
Also dann, Tschüß!"
Und weg war sie.

"Ihr Bruder kommt auch her?" fragte Ken überrascht.
Omi nickte. "Hm, meine Eltern sind zwar eigentlich nur Ayas Paten, aber Ran darf natürlich auch hier wohnen."
"Und warum ist er nicht mit ihr zusammen hergekommen?"

"Na ja, er war nach dem Autounfall ziemlich schwer verletzt und so ungefähr ein halbes Jahr im Krankenhaus. Und danach hat er sich noch um Formalitäten gekümmert. Wohnung auflösen und so..."
Omi war schon wieder den Tränen nah. Die Sache mit Ayas Eltern nahm ihn immer sehr mit.
Ken, der immer noch neben ihm stand, legte ihm die Hand auf die Schulter.

Yohji hatte sich ob der trüben Stimmung von Asuka gelöst und wechselte schnell das Thema.
"Schuldig, was ist eigentlich mit dem WeißKreuz-Report für die Schülerzeitung? Wolltest du uns da nicht mal zu interviewen?"

"Ach lasst mich doch mit eurer Band in Ruhe." meinte Schuldig bissig.
"Birman hat mich auch schon deswegen angehauen, als ich sie vorgestern beim Einkaufen getroffen hab'. Hört auf mich zu nerven. Schon mal was von freier Presse gehört? Außerdem hab' ich grad ein Schaffenstief und überhaupt keine Lust, mich mit dieser popligen Schülerzeitung zu befassen."

Damit ging er zur Tür und war schon halb draußen.
"Übt lieber n bisschen mehr. Wenn du der Sängerin nicht ständig die Zunge in den Hals stecken müsstest, käme sie vielleicht tatsächlich auch mal zu Singen."

Und BANG! flog die Tür zu. Die Vier schauten ihn verblüfft nach. "Geht's dem noch gut?"
Ken verdrehte wieder die Augen. "Wir bemitleiden in wohl nicht genug."
Yohji zuckte nur ungerührt mit den Schultern. "Das macht er doch selbst schon genug."



Erster Schultag (1)



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