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Die Flunkerts in England, Teil 1 - Die Einladung

The Flunkert Kids in England, Episode 1 - The Invitation

Eigentlich hatten sich Simon und Claudia schon damit abgefunden, in diesen Sommerferien daheim in Sehnde bleiben zu müssen. Da kommt Onkel Oles Einladung, ihn auf seiner Reise in die Grafschaft Kent zu begleiten, natürlich sehr gelegen. Allerdings sollte sich Onkel Ole vielleicht doch ein anderes Navigationssystem für diese Reise besorgen.

Actually Simon and Claudia had already resigned to the prospect of having to stay at home in their Northern German town for the summer holiday. You know, Daddy's old car had been crushed by one of the "players" after a memorable elephant polo match between Algermissen and Sehnde, and now he had to buy a new car and is - consequently - short of money for a trip to Italy. On the other hand, who would go a Italy as a German tourist this summer anyway?
But as a matter of fact, Uncle Ole, who is an international golf pro, invites the two children to accompany him to the county of Kent in England. While Uncle Ole will be playing at Sandwich, the Flunkert kids are to explore the very hidden treasures of South East England.


Daniel Roy, Bruehl, Deutschland / Germany
Malcolm McGookin, Asterisk, Brisbane (Queensland), Australia / Australien
Ki.Ka, Erfurt, Deutschland / Germany

Hi, Mitkids!

Hier ist wieder Simon Flunkert, und in den nächsten Wochen werden meine kleine Schwester Claudia und ich euch von unserer Sommerferienreise erzählen.

Und das, obwohl unsere Ferienreise in diesem Sommer eigentlich ausgefallen wäre. Ursprünglich war nämlich geplant, dass wir mit unseren Eltern nach Paese della Caca an der italienischen Adriaküste fahren würden. Das haben meine Eltern aber abgesagt (oder "gecancelt", wie man das heute nennt). Unseren Bekannten hat Papa erzählt, wir würden solange aus Protest nicht nach Italien fahren, wie Italien von tollwütigen Halbaffen regiert werde. Der eigentliche Grund war aber, dass wir ein paar Wochen vor dem Urlaub beim Elefantenpolo gewesen waren. Dabei hatte ausgerechnet der Elefant, den meine Schwester geritten hatte, den Parkplatz gestürmt und sich auf unseren Passat gesetzt, den Papa mal einem palästinensischen Pizzabäcker aus Peine abgekauft hatte. Tja, folglich hatten sich unsere Eltern ein neues Auto zulegen müssen, und in der Urlaubskasse war Ebbe. Na ja, so war's halt.

Jedenfalls, am Sonntag vor den Ferien wollten Claudia und ich zur Tür rausstürmen - ich wollte ein bisschen Rad fahren und Claudia, glaube ich, wollte zu Susi Megamauschel, um mit ihr die neuesten Sehnder Gerüchte auszutauschen -, als uns unser Vater zurückpfiff. Er benutzte dazu seine Schiedsrichterpfeife. "He, ihr zwei! Lauft mal noch nicht weg! Onkel Ole kommt gleich vorbei."

Langsam trotteten wir zwei zurück. "Ja und?" fragte ich verwundert. "Der kommt doch immer mal wieder vorbei", meinte Claudi. "Stimmt", lachte Papa. "Aber er will euch beiden einen ziemlich interessanten Vorschlag machen."

Wahrscheinlich kennt ihr unseren Onkel Ole inzwischen. Er ist Profi-Golfspieler. Das ist ein Beruf, den viele Menschen für gar keinen Beruf halten, aber Onkel Ole kann davon ziemlich gut leben. Und da er vor seiner Karriere ziemlich viel Pech im Leben hatte, gönnen wir ihm seinen Erfolg und das viele Geld auch.

Zum Glück dauerte es nicht lange, da hörten wir Onkel Ole auch schon in seinem Kleinbus vorfahren. Wir öffneten ihm, er spazierte herein - aber wie sah er denn heute aus? Er trug einen grauen Anzug, eine Fliege, hatte eine Melone auf dem Kopf und einen Regenschirm in der Hand. "Was ist denn das für ein Aufzug?" lachte sich Claudia kaputt. "Eine gute Frage", entgegnete Onkel Ole, und meinte: "Gegenfrage - woran erinnert euch mein Aufzug?" - "An das Sanatorium in Ilten", alberte Claudia. "Du siehst aus wie John Steed in Mit Schirm, Charme und Melone", meinte ich. "Schon besser", lobte Onkel Ole. "Und aus welchem Land kommt John Steed?" - "Aus Engelland", wusste sogar Claudia. "Exactly. That's my girl", juxte Onkel Ole.

Und er meinte: "Ich habe gestern Abend mit euren Eltern gesprochen. Eure Ferienreise nach Italien muss bekanntlich ausfallen. Und ich fahre in einer Woche zu einem Turnier nach England. Wenn ihr zwei möchtet, könnt ihr mit." Während wir kurz nachdachten, sagte Mama: "Ihr dürft ruhig. Wir haben bereits alles geregelt." He - das klang ja wieder mal, als wollten uns unsere Eltern für 'ne Weile los werden. "Nun jaaa", sagte Claudia. "Schon. England ist cool", erklärte ich. "Aber Golf nicht so", warf Claudia ein. Das kränkte Onkel Ole zum Glück nicht: "Das macht nichts. Golf spielen kann ich auch alleine. Aber ich reserviere euch ein Zimmer in meinem Hotel, und während ich Golf spiele, könnt ihr die Gegend unsicher machen. Nach dem Turnier habe ich sowieso noch ein paar Tage Urlaub, und dann zeige ich euch ein paar Sehenswürdigkeiten, von denen ihr noch gar nicht wisst, dass es sie gibt."

Ja, gut, wir waren überzeugt und willigten ein. Onkel Ole sagte noch: "Ich muss jetzt zu einem Termin. Mein alter Schulfreund Wolfgang Wendig hat heute seine Hochzeitsfeier, und ich soll als Ehrengast das kalte Büfett eröffnen. Aber wenn ihr ein Stück mitfahrt, kann ich euch noch ein bisschen über unsere Reise erzählen. Ich habe mir übrigens ein neues Zusatzteil in meinen Kleinbus einbauen lassen. Das können wir gleich mal ausprobieren." Meine Schwester, die sonst überhaupt nicht ängstlich ist, wurde plötzlich ganz blass. Sie winkte ab: "Oh nein. Als ich das letzte Mal mit dir gefahren bin, hast du dein Zweitlenkrad und den Linksverkehr ausprobiert. Ich weiß noch, wie das ausgegangen ist. Diesmal ist Simon an der Reihe mit Sich-schockieren-lassen. Tschhühüs!"

Bangebüchse! Also, ich beschloss, eben mit Onkel Ole mitzufahren. Auf dem Weg zum Parkplatz erzählte er mir schon mal: "Unser Reiseziel in England ist die Grafschaft Kent. Wir werden mit der Fähre von Calais nach Dover fahren, und das liegt bereits in Kent. Mein Golfturnier findet in Sandwich an der Küste statt. Aber unser Hotel ist in Gillingham am Fluss Medway, und das ist gar nicht weit von London. Um so spannender für euch." Ja, das fand ich auch. London - die Stadt von Big Ben, der Tower Bridge, Saint Paul's Cathedral, Jack the Ripper, Dr Jekyll und Mister Hyde ... das klang spannend.

Wir bestiegen Onkel Oles Kleinbus. "Was für ein verrücktes Teil hat dir der Briegel denn diesmal eingebaut?" fragte ich neugierig. (Herr Briegel ist der Chefmechaniker in der Werkstatt Busch.) "Eigentlich etwas ganz Normales. Aber dafür sehr nützlich", meinte Onkel Ole. "Ein Navigationssystem." Ach so, ein Navigationssystem. Ja, das ist sicherlich ganz nützlich. "Schau, Simon. Hier gebe ich unseren Zielort ein - Professor-Steins-Straße 7a - und wenn ich gleich losfahre, wird mir eine aufrei ... äh, eine reizende Frauenstimme sagen, wo's langgeht."

Er startete den Motor, und als er losfuhr, sagte tatsächlich eine Frauenstimme: "An der nächsten Straße links, dann rechts und dann wieder links." - "Mach ich doch glatt, Süße", sagte Onkel Ole fröhlich. "An der Kreuzung links abbiegen", sagte wieder die Frauenstimme. "Dein Wunsch ist mir Befehl", flirtete Onkel Ole.

Dann sagte die Stimme erst mal nichts, was wohl so viel bedeutete wie: Jetzt geht's erstmal ein ganzes Stück geradeaus. Unterdessen erzählte mir Onkel Ole, was Claudia und ich in Kent so unternehmen könnten: "Simon, du liebst doch Geschichten. Ganz in der Nähe von Gillingham liegt Rochester. Da gibt es ein Museum über das Leben und Werk des englischen Schriftstellers Charles Dickens, der unter Anderem Oliver Twist und David Copperfield geschrieben hat. Greenwich ist auch nicht weit. Da könnt ihr die Sternwarte besuchen, von wo der Null-Meridian ausgeht. Alles rechts davon ist die östliche Hälfte der Erdkugel, und links davon liegt die westliche Seite. Und die Stadt Canterbury, die ist auch interessant. Da gibt's die Canterbury Tales, eine Ausstellung über englische Kinderbuchautoren und ..."

Er hätte wahrscheinlich noch lange weitererzählen können, aber die Frauenstimme vom Navigationssystem unterbrach ihn: "An der nächsten Kreuzung rechts abbiegen." Onkel Ole verzog kurz die Miene und meinte zu mir: "Ach nee, das tue ich jetzt mal nicht. In der Straße ist eine blöde Baustelle. Ich fahre liebe eine Straße weiter ab. Das ist ein Umweg, geht aber letztlich schneller." Er fuhr also erst einmal geradeaus weiter, und prompt meldete sich die Stimme: "Habe ich dir nicht gesagt, du sollst rechts abbiegen? Typisch Mann am Steuer!"

Onkel Ole wunderte sich genauso wie ich - aber er gab nach. Er hielt an, drehte auf der Hauptstraße und bog in die Straße ein, die ihm das Navigationssystem "vorgeschlagen" hatte. "Na also", sagte die Stimme. Die Straße war wirklich schwer zu fahren. Ständig musste Onkel Ole rechts ran, um den Gegenverkehr durchzulassen, aber die Stimme vom Navigationssystem war zufrieden: "Na, siehste? Geht doch." Dann sagte sie: "An der nächsten Kreuzung rechts." Erneut war Onkel Ole nicht einverstanden. Er meinte zu mir: "Nein, ich fahre nach links. Dann fahre ich zwar mit der Kirche ums Dorf, kann aber bei den Wendigs besser parken."

Er fuhr also nach links statt nach rechts. Das hätte er nicht tun dürfen. Die Stimme weinte und beschwerte sich bitterlich: "Das darf doch nicht wahr sein! Rechts hatte ich gesagt! Nie tust du, was ich dir sage! Hätte ich bloß auf meine Mutter gehört!" Onkel Ole hielt rechts an und schimpfte mit seinem Navigationssystem: "Was fällt dir eigentlich ein, du Zimtzicke?" - "Nicht in diesem Ton!" verbat sich die Stimme. Kurz entschlossen stellte Onkel Ole das System ab. Ehe er den Schalter betätigte, sagte die Stimme noch: "Ich geh' zu meiner Mutter zurück ...", aber dann hatte Onkel Ole sie auch schon abgestellt. "Ich werde mich beim Hersteller beschweren", sagte er sauer. "Wenn ich von einer Frauenstimme herumkommandiert werden wollte, hätte ich schon längst geheiratet."

Ich stieg dann aus, und Onkel Ole fuhr weiter zur Hochzeitsfeier von Wolfgang Wendig. Und ich freute mich schon mal auf die Reise nach England.

Bis zum zweiten Teil

Euer Simon Flunkert

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Bildquelle:Darlington Networld


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