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"Ein weiteres Beispiel für das aktuelle politische Kino ist EL TREN BLANCO (der weiße Zug, 2003) von Nahuel García, Sheila Pérez Giménez und Ramiro García. In den frühen Abendstunden erreicht ein sogenannter weißter Zug Buenos Aires. Er hat in den Vororten Männer, Frauen und Kinder eingesammelt, die 'cartoneros' (Kartonmenschen). Sie versuchen, ihren Lebensunterhalt zu verdienen, indem sie zusammensuchen, was andere wegwerfen. Die Filmemacher reflektieren die Situation, in der sich ein Teil der argentinischen Gesellschaft befindet, der in den letzten Jahren infolge einer rücksichtslosen neoliberalen Politik verarmte. Sie zeigen den inneren Konflikt jener Menschen, die trotz der erbärmlichen Umstände, in denen sie leben müssen, ihre Menschenwürde verteidigen. Am 16. & 20.10.2004 wird er im Rahmen von 'Stadt in der Krise - Neues Kinos aus Argentinien' im Arsenal [Filmhaus am Potsdamer Platz] gezeigt für 6 Euro Eintritt.
Flaschensammler
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Flaschensammler ( Die Zeit 52/2002)
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Eröffnung Winterprogramm 28.Oktober 2000 im Gemeinschaftshaus der Richtersmatt
Gast: Armin Biehler
Die Anwesenden erfreuten sich an den anschliessenden Ausführungen Armin Biehler's über die Entstehung des Films und die Geschichte der Hauptdarsteller.
Sammlerglück und Mehrwegflaschen
Buch und Regie: Armin Biehler Schweiz 1998 aus Film.ch:
Beobachtungen über drei Flaschensammler in Basel, die mit dem Pfandgeld von gefundenen Mehrwegflaschen mehr oder weniger ihren Lebensunterhalt bestreiten. Ein warmherziger Dokumentarfilm voller feinsinnigem Humor, der von der Sympathie für seine Protagonisten getragen wird und sie nicht dem Voyeurismus preisgibt. Der mitfühlende Blick auf das Leben am Rand der Gesellschaft formuliert zugleich eine dezidierte Kritik an der Überflussgesellschaft und ihren Kreisläufen.
weitere Infos:film.ch
Schweiz 1999 Produktion: biehler.film Produzent: Armin Biehler Regie & Buch: Armin Biehler Kamera: Thomas Isler Musik: Thomas Fischli Schnitt: Armin Biehler, George Janett Länge: 90 Min. Verleih: Kool Film (O.m.d.U.)---------------------------------------------------------------
Beobachtungen über drei Flaschensammler in Basel, die mit dem Pfandgeld von gefundenen Mehrwegflaschen mehr oder weniger ihren Lebensunterhalt bestreiten. Ein warmherziger Dokumentarfilm voller feinsinnigem Humor, der von der Sympathie für seine Protagonisten getragen wird und sie nicht dem Voyeurismus preis gibt. Der mitfühlende Blick auf das Leben am Rand der Gesellschaft formuliert zugleich eine dezidierte Kritik an der Überflussgesellschaft und ihren Kreisläufen. - Sehenswert ab 14.
FLASCHENFISCHER: Ein Schweizer auf der Gratwanderung
Regisseur Armin Biehler im Krontheater Neustadt
Gabi Thiele, Badische Zeitung, Juni 2001
"Neugierig sein" ist zur Profession des Regisseurs Arnim Biehler geworden. Der Wahlschweizer und Werkzeugmacher hat Filmwissenschaften und Ethnologie studiert. Was ihm fremd und unbekannt ist, wird zum Objekt seiner "Begierde". Über den "Tellerrand hinaus schauen", das sogenannte "Leben am Rande der Gesellschaft" kennen lernen, ohne es leben zu müssen, es untersuchen und davon erzählen will er.
Armin Biehler im Kronetheater ............ foto: gabi thieleDie Flaschenfischer in der Regio Schweiz, Deutschland, Elsaß waren ihm schon vor etlichen Jahren, noch zu Werkzeugmacherzeiten aufgefallen. "Jeden Morgen, wenn ich mit dem Fahrrad über die Brücke zur Arbeit radelte, kam mir Herr von Gunten entgegen. Pünktlich um sechs.", so steigt Biehler gleich nach der Filmvorführung im Kronetheater Neustadts ins Gespräch mit den Zuschauern ein. "Damals habe ich in den bärtigen, älteren Herrn mit seinem Klapper-fahrrad so etwas wie Freiheitsgefühle projiziert." Die Idee, das Thema zum Film wurde schon vor über zehn Jahren geboren. Nur "reifen" musste die ganze Sache noch. Biehler weiß von zwölf hauptberuflichen Flaschenfischern im Dreieckland - nur drei und deren Angehörige wollten sich filmen lassen. Regelmäßig leuchten Herr Haas, Frau Herzog und Herr von Gunten mit ihren Taschenlampen - auf der Suche nach Verwertbarem - in einen oder mehrere der 53 Altglascontainer im Gebiet um Basel, Hugeneau, Lörrach und Freiburg. Mit einem Haken und viel Geschick werden Pfandflaschen aus den Containern geangelt, gesäubert, die Etiketten abgewaschen. Kein Marktleiter kann dann noch sagen: "Die sind nicht von uns. Die nehmen wir nicht an.". Die gläsernen Objekte werden zum Markt getragen und "eingelöst". Familie Haas zahlt alle Lebensmittel mit "Pfandflaschenrückgeld-Bons". Frau Herzog bessert ihre Witwenrente auf. Und Herr von Gunten löst nur so viele Flaschen ein wie er Geld zum Leben benötigt. Die übrigen Flaschen lagert von Gunten als "gläsernes Sparkonto" in den Keller einer guten Freundin. Eine eigene Wohnung hat er nicht. Seit April 2000 flimmert Biehlers "gereifter" Doku-mentarfilm über internationale Leinwände. "Vier Jahre Arbeit stecken da drin.", so Biehler. Vor kurzem wurde der 16 Millimeter-Streifen auch im Schweizer Fernsehen ausgestrahlt. Ob ein (nicht nur) "ethnologiestudium-bedingtes Interesse" ein ausreichendes Argument ist, Menschen zu Prota-gonisten ihrer selbst werden zu lassen, ist fraglich. Die Frage nach dem "Warum", der Intention, dem Zweck des Filmes wurde zu klären versucht. Im Gespräch zwischen Publikum und Filmemacher Biehler. Vorgefasste Meinungen will Biehler auf den Kopf stellen. Und die Hochachtung vor den Menschen die "am Rande unserer Gesellschaft" lebten, die wolle er trans-portieren. Und unterhalten wolle er auch. Vereinzelt reagierte das Neustädter Publikum auf solcherlei Erklärungen sehr empfindlich, verließ sogar den Saal. Fern läge es ihm, so Biehler im weiteren Gespräch mit dem Publikum, sich in "klassischer Sozialkritik" zu üben, gar den "sozialen Zeigefinger" oder gar "Anklage gegen die Gesellschaft" zu erheben. Die drei Akteure seines Dokumentarfilmes und deren Angehörige waren bei der Premiere des mehrfach mit Preisen honorierten Filmes dabei. Biehlers Intention, eine Doku über Familien und Alleinstehende zu drehen, sichtbar zu machen, was jeder sieht, aber keiner realisiert, war und blieb schillernd. Die Frage nach der Gradwanderung zwischen unterhaltsamen Voyeurismus und gradliniger Dokumentation drängte sich auf. So erzählt Biehler denn auch, dass das Schweizer Fernsehen die Szenen mit der etwas ruhigeren und zurück-haltenderen Flaschenfischerin aus dem Elsaß herausgeschnitten habe. Die Spannung die verwöhnte Talkshowschauer gewohnt sind, fehlte wohl. Menschen zum Zweck? Entlohnt wurden sie nicht. Die mit den Akteuren gemeinsame Arbeit an der Doku, die entstandenen Freundschaften, das "nun-wieder-Distanz-üben", die Erfahrung, das Vorführen eines Ergebnisses und die Reaktion und Filmkritik - auch die des Neustädter Publikums. All dies macht Biehler Freude, ist ihm wichtig. Er, der "diese Menschen" ernst nimmt und deren Authentizität bewundert, begeistert ist darüber, dass die Flaschen-sammler selbstbewusst von ihrer "Arbeit" sprechen, gerät im Laufe des Gesprächs unter Beschuss. In freundlich, wälderstädtischer Manier - versteht sich. Biehlers "Spagat" zwischen guter Dokumentation und Unterhaltung regte noch bis spät in die Nacht die Gemüter. Vielleicht muss der Streifen doch noch etwas reifen...
Badische Zeitung Titisee-Neustadt vom 29. Juni 2001
Spagat eines Filmemachers
Der mit Preisen ausgezeichnete Regisseur Arnim Biehler stellt sich im Neustädter Kronetheater
TITISEE-NEUSTADT. „Neugierig sein“ ist zur Profession des Regisseurs Arnim Biehler geworden. Der Wahlschweizer hat Filmwissenschaften und Ethnologie studiert. Was ihm fremd und unbekannt ist, wird zum Objekt seiner „Begierde“. Das so genannte „Leben am Rande der Gesellschaft“ kennen lernen, ohne es leben zu müssen, es untersuchen und davon will er erzählen. Die Flaschenfischer in der Regio waren ihm schon vor etlichen Jahren aufgefallen. „Jeden Morgen, wenn ich mit dem Fahrrad über die Brücke zur Arbeit radelte, kam mir Herr von Gunten entgegen. Pünktlich um sechs“, so steigt er gleich nach der Filmvorführung im Kronetheater ins Gespräch mit den Zuschauern ein.
„Damals habe ich in den bärtigen, älteren Herrn mit seinem Klapperfahrrad so etwas wie Freiheitsgefühle projiziert.“ Die Idee, das Thema zum Film wurde schon vor mehr als zehn Jahren geboren. Nur „reifen“ musste die ganze Sache noch. Biehler weiß von zwölf hauptberuflichen Flaschenfischern im Dreieckland – nur drei und deren Angehörige wollten sich filmen lassen.
Regelmäßig leuchten Herr Haas, Frau Herzog und Herr von Gunten mit ihren Taschenlampen – auf der Suche nach Verwertbarem – in die Altglascontainer. Mit einem Haken und viel Geschick werden Pfandflaschen aus den Containern geangelt, gesäubert, die Etiketten abgewaschen. Kein Marktleiter kann dann noch sagen „die sind nicht von uns. Die nehmen wir nicht an“. Familie Haas zahlt alle Lebensmittel mit „Pfandflaschenrückgeld-Bons“. Frau Herzog bessert ihre Witwenrente auf. Und Herr von Gunten löst nur so viele Flaschen ein wie er Geld zum Leben benötigt. Die übrigen lagert von Gunten als „gläsernes Sparkonto“ im Keller einer guten Freundin. Eine eigene Wohnung hat er nicht.
Seit April 2000 flimmert Biehlers „gereifter“ Dokumentarfilm über internationale Leinwände. „Vier Jahre Arbeit stecken da drin“, erzählt Biehler. Vor kurzem wurde der 16 Millimeter-Streifen auch im Schweizer Fernsehen ausgestrahlt. Ob ein (nicht nur) „ethnologiestudiumbedingtes Interesse“ ein ausreichendes Argument ist, Menschen zu Protagonisten ihrer selbst werden zu lassen, ist fraglich. Die Frage nach dem „Warum“, der Absicht und dem Zweck des Films wurde zu klären versucht im Gespräch zwischen Publikum und Filmemacher Biehler. Vorgefasste Meinungen wolle er auf den Kopf stellen, die Hochachtung vor den Menschen, die „am Rande unserer Gesellschaft“ lebten, transportieren – unterhalten wolle er auch. Vereinzelt reagierte das Neustädter Publikum auf solcherlei Erklärungen empfindlich und verließ gar den Saal.
Fern liege es ihm, versicherte Biehler dem Publikum, sich in „klassischer Sozialkritik“ zu üben, den „sozialen Zeigefinger“ oder gar „Anklage gegen die Gesellschaft“ zu erheben. Die Akteure seines Films und deren Angehörige waren bei der Premiere des mehrfach mit Preisen honorierten Filmes dabei.
Biehlers Absicht, eine Dokumentation über Familien und Alleinstehende zu drehen, sichtbar zu machen, was jeder sieht, aber keiner wahrnimmt, blieb schillernd. Die Frage nach der Gratwanderung zwischen unterhaltsamen Voyeurismus und gradliniger Dokumentation drängte sich auf. So erzählt Biehler, dass das Schweizer Fernsehen die Szenen mit der zurückhaltenderen Flaschenfischerin aus dem Elsass herausgeschnitten habe. Die Spannung fehlte wohl. Menschen zum Zweck? Entlohnt wurden sie nicht.
Die Arbeit an der Dokumentation, die entstandenen Freundschaften, das „nun-wieder-Distanz-üben“, die Erfahrung, das Vorführen eines Ergebnisses und die Reaktion und Filmkritik – auch die des Neustädter Publikums. All dies ist Biehler wichtig. Er, der „diese Menschen“ ernst nimmt, ihre Echtheit bewundert und sich begeistert darüber, dass die Flaschensammler selbstbewusst von ihrer „Arbeit“ sprechen, gerät im Lauf des Gesprächs unter Beschuss – in freundlich wälderstädtischer Manier, versteht sich. Biehlers „Spagat“ zwischen Dokumentation und Unterhaltung regt bis spät in die Nacht die Gemüter. Vielleicht muss der Streifen doch noch reifen?!
Gabi Thiele
Schulflaschensammeln
Webloggender Bankkaufmann erinnert sichDie Jagt nach einem Stück Glas
Im Sommer hat das Sammeln von Bierflaschen Hochkonjunktur MDZ 22-08-2002
http://www.google.de/search?q=cache:34xcoFb6kP8J:mdz-moskau.de/Feuilleton/2002/08/22/13.20.21.htm+flaschensammler&hl=deIvo Pertijs
Mit den Temperaturen steigt auch der Bierkonsum auf den Straßen kontinuierlich. Doch kurz nachdem die Buddel geleert ist, scheint sie wie von Zauberhand verschwunden zu sein. Im Handumdrehen haben die unzähligen Flaschensammler, die durch die Parks streifen, um sich ein paar Rubel hinzu zu verdienen, das Trinkgefäß in ihren Tüten verstaut.
“Ich habe bereits 1986 begonnen, Flaschen zu sammeln. Damals gab es jedoch nur Mineralwasserbehälter, und für eine Flasche `Borschomi` bekam man etwa 20 Kopeken”, erzählt die 52-jährige Larissa. Für zwei bis drei Flaschen konnte man Brot, Milch und Kefir kaufen, erinnert sich die passionierte Sammlerin, die nebenbei Klavierstunden gibt. Später gab es auch für Pepsi-Flaschen Geld, und oft sammelten sogar Kinder das Leergut ein. Die 23-jährige Julia erinnert sich: “Ich lauerte immer mit meinen Freundinnen in der Nähe von Metrostationen, um einige Fläschchen zu finden. Ende der 80er Jahre bekam man für Pepsi-Behälter zehn Kopeken Pfand, und wir haben uns von dem Geld leckere Bonbons gekauft”, erinnert sich die Studentin. Lukrativ war auch das Warten vor Straßencafès, wo man die Gäste bitten konnte, die Flaschen aufzubewahren, erzählt Julia. “Doch später haben viele Kneipen das System verboten und statt dessen die Pfandflaschen selbst retour gegeben.”
Als 1992 das staatliche Monopol für Alkoholproduktion aufgehoben wurde, ersetzten kurz darauf die ersten Bierflaschen die Mineralwasser- und Pepsi-Trinkbehälter. Viele, die während der Sowjetzeit Flaschen sammelten, tun es auch heute noch – so wie Larissa: “Doch heute hat sich vieles verändert, die Preise an den einzelnen Sammelstellen differieren stark, und man muss wissen, wo man sein Leergut abgibt”, erklärt sie. Je weiter vom Zentrum entfernt, desto besser – in der Nähe der Metrostation ???Tuschino“ im Nordwesten gibt es einen Rubel dreißig für die braune Halbliterflasche, während man im Zentrum zwischen 80 Kopeken und einem Rubel dafür bekommt.
Weil Larissa Arbeit hat, ist sie nicht um jeden Preis auf das Flaschensammeln angewiesen – im Gegensatz zu Rentnern und Obdachlosen. Einige sammeln sogar Bierdosen, die jedoch nur fünf Kopeken pro Stück einbringen. Oft sieht man auch Kinder, die das Weißblech sammeln, um sich ein paar Süßigkeiten dafür zu kaufen – doch erst für 200 Dosen gibt es ein Päckchen Kaugummi. Auch Bierliebhaber, die ihren Durst zu Hause löschen, warten oftmals wochenlang, bevor sie die leeren Buddeln gleich tütenweise zur Pfandstelle schleppen – damit sich der Gang an die Straßenecke auch wirklich lohnt.
Vor allem für ältere Leute ist das Sammeln ein Vollzeitjob, für Larissa ist es vor allem ein Lebensgefühl. Sie kennt viele Anekdoten und erzählt oft von “verpassten” Buddeln: “Wenn ich in der Metro eine Flasche sehe und sie einstecken möchte, haben meist vier andere Flaschenjäger dieselbe Idee und stürzen sich darauf”, lacht sie. Jeder Sammler hat gewöhnlich seine Straßenzüge und Parks. Nur auf Großveranstaltungen wie Fußballspielen treffen sich ???Kollektionierer“ aus allen Stadtteilen. Und nach Arbeitsschluss, wenn viele ihr Feierabendbier an der Metro trinken, herrscht auch Hochkonjunktur für Sammler.
Doch die Jagd auf die Trinkbehälter ruft auch Missmut hervor. Der 22-jährige Mischa, der mit seinen Freunden auf einer Parkbank Bier trinkt, ist völlig entnervt. Wenige Meter entfernt steht ein alter Mann, der ihn pausenlos fragt, ob die Flasche endlich leer sei. “Einmal nachhaken ist in Ordnung, doch die meisten bleiben in der Nähe und starren auf jeden Schluck. Das irritiert mich während der Unterhaltung”, beklagt sich der junge Mann. In solchen Augenblicken würde er die Flasche manchmal gerne am Boden zerschmettern, um so ein Stückchen Privatsphäre wieder zurückzugewinnen, gesteht er.
Der Kontrast ist groß: Während die leere Flasche für den einen Müll ist, ist es für den echten Sammler schlicht weggeworfenes Geld.
Aus dem Cache von Google am 9.Juli 04
Die "Botelleros" von Santo Domingo
Für viele Dominikaner wird der Müll zunehmend zu einer großen Belastung, da die öffentliche Müllabfuhr nicht in der Lage ist, eine ordnungsgemäße Abfuhr durchzuführen. Auf der anderen Seite bietet der Müll für Tausende der unteren sozialen Schichten eine Überlebenschance. Die "Müllsammler" von Santo Domingo entnehmen den Abfällen, bevor sie endgültig auf der Müllhalde eingeebnet werden, alle noch brauchbaren Bestandteile: Metalle, Holz, Plastik, Kartons etc.
Die "Botelleros" sind Flaschensammler die auf ihren dreirädrigen Fahrrädern die Wohnviertel durchkämmen, aus den Abfalltonnen alle Flaschen aufsammeln bzw. gesammelte Flaschen gegen Centbeträge von den Haushalten erwerben. In zentralen Sammelstellen werden die Behältnisse dann sortiert und einer Wiederverwertung zugeführt.
botellero, -ra 1 m., f. Persona que tiene por oficio hacer o vender botellas. - 2 adj. Cuba. [político] Que prodiga las botellas o sinecuras.
Lateinamerika-Links
Technik und Ethik am Beispiel der Metropole New York Wolfgang Schirmacher.Würzburg 1989/1997Das Klima ständiger Veränderung und unverdrossener Dynamik ist das Lebensklima New Yorks. Dies zeigt sich so äußerlich wie an den Geschäften, die einem "Grand Opening" nicht selten schon nach wenigen Monaten den Ausverkauf folgen lassen. Oder im Unternehmungsgeist der Dosen- und Flaschensammler, die diese Stadt pausenlos durchstreifen und reiche Beute — zu 5 Cents das Stück — finden. New York stirbt nicht (obwohl schon oft totgesagt), sondern beginnt neu. Jeder Abschied ist ein Neuanfang, jede neue Liebe eine neue Chance, jeder Augenblick eine Gelegenheit. Man muß die zahllosen New Yorker Bettler erlebt haben, die aus dem existentiellen Nichts ein enterprise entwickeln, um Hannah Arendts Bestimmung des menschlichen Wesens als Natalität augenfällig vorzufinden. Investition und Innovation, das Neue um jeden Preis, die unausschöpfliche Hoffnung sind in der Metropole von der Bowery bis zu Wall Street Lebenselixier.NATALITÄT (natality)
(1.Geburtenrate 2. 'Gebürtlichkeit'
Die Tatsache, daß immer wieder neue Menschen durch Geburt in die Welt kommen, nennt Arendt im Englischen natality, im Deutschen kann man das als Natalität oder Gebürtigkeit wiedergeben. Die Übersetzung Gebürtlichkeit, die Arendt in Vita activa zum Beispiel auf Seite 167 benutzt, halte ich für mißlungen; ich ziehe die Substantivierung des gebräuchlichen Adjektivs gebürtig dem hölzernen Kunstwort vor. Sollten sich hinter den verschiedenen Worten Begriffsnuancen verbergen, so sind sie mir entgangen.
Die Bedeutung der Natalität für die Politik liegt darin, daß mit den neuen Menschen auch immer neuer Eigensinn, neuer Wille und neue Ansichten in den Raum des Politischen gelangen. Arendt zitiert Jefferson, bei dem sich dieser Gedanke auch findet:1
Jede neue Generation, meint er [Jefferson] nun, habe "das Recht, selbst die Staatsform zu wählen, von der sie sich die beste Beförderung ihres Glücks verspreche"1.1 Über die Revolution, S. 301. Jefferson wird zitiert nach einem Brief, den er am 12.7.1816 an Samuel Kercheval schrieb.
Hannah Arendts politische Philosophie
FlaschenSuchFeinde
(Symbionten)
- Ameisen, Wespen (im August), Mäuse, Ratten (Hab auch schon eine im Kübel gesehen.), Krähen (setzen sich auf den Rand)
- Flaschensucher mit Fahrrädern bewaffnet. Flaschensucherei als Symptom eines depravierten SS.
Di,11.Mai
14.30: Flaschen in den Mülltonnen des Tiergartens suchen, nach 2 Stunden fand ich in einer 5 Stück, brachte sie zu Ullrich am Zoo.
Fr, 14.Mai
8.00: LIDL am Ostbahnhof. Ich gebe drei, kleine 0,5 ltr Plastik-Flaschen mit papiergelbem LIDL-Signet (LIDL, ALDI und REWE "branden" ihr Zeichen außerdem in den Flaschenhals.), die ich aus diversen Mülltonnen fischte, dort ab, und bekomme 75 ¢: "Die Zentrale von LIDL ist in Neckarsulm." gibt mir die Kassiererin bereitwillig Auskunft...
PET & Recycle
- RECYLE SIGNS
11.00: Kaiser's in den Arkaden:- ökonomische und ökologische Optimierung der PET-Getränkeflasche (Fraunhofer-Institut)
- Polyethylenterephthalat-Fabrik in Russland, "PET-Flaschengranulat, das aus den Rohstoffen Terephthalsäure und Ethylenglykol"
- PET-Flaschen: Waschen allein hilft nicht "60 % des vorher in die Verpackung migrierten Benzols und 30 % der Buttersäure bzw. des Lindans wanderten in die Testlösung." (Wissenschaftlicher Informationsdienst des Europäischen Instituts für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften (EU.L.E.) e.V.)
- Wasser Symposion (PET-Flaschen-Kritik) PET-Flasche ca. drei-vier Stunden an die sengende Sommersonne stellen und dann trinken. Prost!
- PET-Flaschen der zweiten Generation&nsp;Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft zur Förderung der INNOVATIONsdynamik (1600 Content-Provider. Linked zu allen großen deutschen Firmen und Multis.)
Für 15 ¢ kleine Mehrwegflasche von Coca Cola abgegeben. Bekam dafür einen pinkfarbene Beleg, den ich an der Kasse abgeben konnte. Für Bierglasflaschen beider Größenformate bekomme ich 8 ¢, für 1,5 ltr Plastik-PET berechnet der Automat 25 ¢.
Welche PET-Flaschen werden eigentlich genommen, welche nicht? Es gibt welche mit dem gelben LIDL-Zeichen, andere haben ein PLUS, d.h. RealKauf-Zeichen.
Bärenmarke Schlagsahne ½ ltr für 1,69 € hab ich bezahlt. Wollte aber eigentlich 1 ltr Bärenmarke Vollmilch. Diese beiden in irreführender Weise farblich gleichgestalteten, im gleichen Regal übereinander gestapelten Behälter, verwechselte ich im Oberlicht der Supermarktneonröhren.
"Erst muß man so lange warten, und dann wird man auch noch beschissen. Diese ganze kapitalistische Camouflage, diese Mimikry. Man will Britney Spears (Pic of Tittney), und was bekommt man ???? - Ständig verwechselt man alle(s), und wird mit allem andern verwechselt. Mit den beiden Flaschenformen des Selterswasser ist es genau so; die eine Flaschenform nimmt der Automat bei REWE am Ostkreuz, die andere spuckt er unten wieder aus." (Bei Kaiser's unterm Chrysler-Center in den Arkaden ist dieses Problem bekannt, sie nehmen jetzt (Mai 04) diese, neuen Flaschen 'manuell' wieder an, während der Automat erst umgestellt werden muß.)
"Erstens bin ich Analphabet und zweitens hab' ich grauen Star. Als Stammkunde kann ich mir hier einiges erlauben."
14.00: Demo-Aftermath. Zwei Hungeretten von & mit 66-jährigem Kumpel von SoVD-Demo ("die quatschen doch nur, beim Händeheben für ihre Diäten sind die sich alle einig."), - aus Gelsenkirchen gebürtig, seit 1968 in Berlin ansässig, vorher 16 Jahre im Kohlenpott (Zeche Bismarck), mit 14 Jahren zum ersten Mal von der Berufsschule her dort unter Tage gewesen, - auf Parkbank im Tiergarten geraucht. Die haben sich doch in jeder Stadt ihr Begrüßungsgeld abgehoben. Auf Kohl seinen Einigungssprechen war er auch nicht gut zu sprechen. (Ich hab' nie Begrüßungsgeld bekommen, dafür aber ein Begrüßungskommando.)
Nach der mich etwas beruhigenden Unterhaltung hat er mir 6 Bierflaschen im Unterholz, - wo er vorher gepinkelt hätte -, gezeigt (machte für mich 48 ¢). Geld stinkt eben nicht oder wie der Lateiner sagt: 'Pecunia non olet.'
Territorialkämpfe (wie in der Dreigroschenoper unter Bettlergilden) zwischen Flaschensammlern.Lifestyling contra Not, Aneignung als coole Protestform. yomango, Mundraub, NOT KENNT KEIN GEBOT (6.Jht. im Kirchenrecht), Existenznot & Besitzsorgen machen nicht kreativ. Geldnot (gr.= APORIA)
Fr,28.Mai
9.11: REWE-Markt Lutz Hovest OHG, 10245 Berlin Revaler Strasse.
Leergut 0,30 Enthaltene Mehrwertsteuer MWST 16.00% EUR 0,04-11.00: Unterwegs nur eine Cola-Glasflasche gefunden.
11:35:50: Potsdamer Platz. 10785 Berlin. Tel: 030-25297034. KAISER'S
15-18: Flaschen gesucht in Tiergarten etc. Eine plattgefahrene PlastikColaFlasche gefunden am Landwehrkanal (PotsdamerStr.), die ich aber so wieder ausbeulte, daß sie wieder stehen konnte und der Flaschenautomat sie nahm. Gehe an keinem Mistkübel (Abfalltonne, Drecksemmer) vorbei ohne hineinzuspähen. Beim Hineingreifen sollte ich aber immer lieber genau schauen, wohin ich greife, denn es könnte ja auch z.B. eine AIDS-Spritze drin versteckt liegen. Das meiste Leergut, was ich ergattere, sind sind Glasflaschen (für kleine sowie große gibt es nur 8 ¢). Ich-AG bin hier jetzt in Zeiten der Terrorhysterie zum Mistkübelkontrolleur ('Mistkübelstierer') geworden...
EUR Erdnuesse 2 0,49 Leergut * 1 0,15- --------- Summe EUR 0,34 1 MwSt 16% von 0,15- 0,02- 2 MwSt 7% von 0,49 0,03 NETTO-UMSATZ 0,33 --------------------------- Steuer-Nr.: 5120/5820/0012 DAS GUTE LEBEN GÜNSTIG Danke für Ihren Einkauf!EUR DKL.VOLL NUS 2 0,65 --------- Summe EUR 0,34 Leergut * 1 0,30- Leergut * 1 0,38- --------- Summe EUR 0,03- --------- Rueckgeld EUR 0,03 1 MwSt 16% von 0,68- 0,09- 2 MwSt 7% von 0,65 0,04 NETTO-UMSATZ 0,0218.00: Stabi
Sa,29.Mai
9.00: Milka Voll Nuß für 65 ¢ gekauft.
EUR GANZE NUSS SCHO. 0,65 Leergut 0,08- Leergut 0,72- --------- Summe EUR 0,15-* --------- ZURUECK EUR 0,15 1 MwSt 16% von 0,68- 0,11- 2 MwSt 7% von 0,65 0,04 NETTO-UMSATZ 0,07-15-17: Flaschen suchen im Tiergarten. Drei ALDI-Flaschen gefunden a 25 ¢, macht ∑=75 ¢. Die Kassiererin wollte den von ihr aufgenblicklich, unauffällig und stillschweigend in den Papierkorb entsorgten Kassenbon (Quittungszettel) nicht wieder herausholen/herausgeben.
EUR DKL.VOLL NUS 2 0,65 DKL.VOLL NUS 2 0,65 --------- Summe EUR 1,30 Leergut * 1 0,72- (LagerAnnahme) Leergut * 1 0,16- (morgens) Leergut * 1 0,63- (Automat) --------- Summe EUR 0,21- --------- Rueckgeld EUR 0,21 1 MwSt 16% von 1,51- 0,21- 2 MwSt 7% von 1,30 0,09 NETTO-UMSATZ 0,09-Mi,2.Juni
14: Lunte, Weisestraße 53, Neukölln. Ingenieur: Menschenrechte wurden von UNO 1949 verkündet, aber die § 18-20, die das Recht auf Arbeit und Wohnung enthalten, wurden von der BRD im Gegensatz zur ehemaligen DDR nicht anerkannt. In BRD gibt es nur physische Freiheit ('Freizügigkeit'), keine soziale Freiheit wie in der DDR. Henkel verdient 11 Millionen € pro Jahr, könnte sich davon ein stehendes Heer von 40.000 Mann leisten. 7200 € sollte maximaler Monatsverdienst sein. Alles darüber ist Verbrechen.
15.00: Kathrin Ebert aus Prenzlauer Berg, üppige Sozialhilfeempfängerin (paupera) mit roten Haaren und Schulkind, Honararjobberin wird anschubfinanziert für ein neues 'Mikroprojekt' a la Tauschbörse: 10.000 €. Sie legt eine Broschüre aus, versucht zu schaffen zwei Stellen (30 Stunden pro Woche, Arbeitslohn: 11 € pro Stunde) unterhalb der
345€-Dazuverdienstgrenze (Bewerberprofil: Internetseiten herstellen, Graphiken machen, Zuverlässigkeit).
Ziel der neuen Bundesregierungspolitik: Sozial- und Arbeitsämter sollen mehr zusammenarbeiten. ABM-Stellen-Bezahlung ist mittlerweile auf Sozialhilfeniveau gekürzt, wirft Robert ein.Bei Frank Saalfeld, Redaktion "Forum der Nichtarbeit", Fidicinstrasse 22. Jeden Dienstag 20°°. Sendung jeden Sa. im OKB Offener Kanal Berlin FERNSEHEN - SK 8 im Berliner Kabelnetz: "Forum" samstags von 21:00 bis 21:30 Uhr.
21:00 Uhr / 30 Min. Forum der Nichtarbeit: monatl. am 2ten Samstag: Schwerpunkt Fahrrad verantwortlich: Ilka Dikomey.
Offener Kanal Berlin Voltastr. 5 13355 Berlin Tel.: 030 / 46 40 05 0 Fax: 030 / 46 40 05 98 email: [email protected] Leiter: Jürgen Linke Der Offene Kanal Berlin ist eine Einrichtung der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB).4.Juni
13.15: Minimal am Ostbhf. 8 Lidl Flaschen liegen unter Bauzan. 3 Becks Einwegflaschen sind auch dabei. Ich stelle sie ein. 2-m-Mann kommt wie ein Kuckuck heraus: "Das ist ein Flaschenautomat. Kein Müllautomat." - "Warum nimmt der die denn?" Er gibt mir den
24-¢-Coupon (Coupon='Bon') zurück, den er mir kurz vorher aus der Hand genommen hat, um mir die noch restvolle kleine Flasche zurückzugeben. "Und das ist eine Mehrwegflasche?" (Ich halte ihm eine andere gefundene hin.) "Ja, steht ja auch dran." - "Ja, ich seh's jetzt (ich nehm die Brille ab). Ich kann das nur ohne Brille lesen, bin alterssichtig (Jean-Paul Marat entdeckte und erforschte als erster die Presbyopie). Dann verschwindet er wieder hinter den Kulissen den Lagers, in das auch das Förderband des Automaten führt. Ich gebe die MW-Flasche ein. (Wenn ich eine finde, wo PFANDFREI dran steht, werfe ich sie sofort weg.) Aus den Kulissen dringt ein explosionsartiges Geräusch. "Hilfe, was is jetz wieder passiert? Isser explodiert? der Automat? So ein Terrorist!" Ein im Einkaufswagen sitzendes, blondes Teenigirl, freut sich über meine gespielte Entrüstung, und flötet mir fröhlich ein freundliches 'Tschüs' hinterher...13.Juni am Ostbhf: "Verfluchter Flaschenautomat, der is' schlimmer als das Sozialamt."
14.Juni Revaler: "Beim zweiten Mal hater se genommen." - "Komischer Automat." - antwortet einer, dem nur 2 von seinen 3 Cola-Flaschen erstattet wurden.16.00: Arkaden. 50 Flaschen in transparentem Müllsack.
"Die ha ick alle alleene gesoffen, kiekste wa?"LautsprecherDurchsage: "Real Life, die Welt erleben"
- "In der Warteschlange." ergänze ich. Denn Warten bestätigt die Ordnung.Glas-Cola-Flasche 0,33 ltr aus Müllkübel an Spittelkolonaden. "Die nehmen wir leider nicht! Nur 0,5 ltr."
Aldi-Arkaden: "Tschuldigung, wissen Sie vielleicht, wo man Cola-Flaschen abgeben kann?" (Ich zeige die 0,33 ltr Flasche) - "Bei Kaisers müßten sie kucken, die haben Markenprodukte, wir nicht."
15: Berlin Power Walker unterwandert Berlin.'Das (Straßen-?)Theater im Zeitalter seiner Beschleunigung', Ostermeyer.
Geräusche & Gestänker an wertbeschleunigten Immobilien vorbeidonnerdopplernder Mobile inhalluzinierend
Gehetzt von vzgsweise bei grüner Fußgängerampel querenden Potsdamer LKW-Fahrern, von Sozialamtsortgruppenleitern, Flaschenautomatenwarten, Bullen & Bullitikern, angefahren von Motorräder auf Bürgersteige, Mistkübelschiebern, Einkaufswagenhausfrauen, nur an den Fußgängerpromenaden (Lalülala = Blaulichternder DRK Kleinlaster nähe Jannowitzbrücke) des träge schwarzgrün vor sich hin schwappenden Spreewassers, welches das Sonnenlicht des sich mehr und mehr eintrübenden Himmels (14.30) diffundiert und reflecktiert, finde ich etwas Ruhe, wenn die Spreekähne (z.B. jetzt 'Bleckede', HAR-CON) vorbeituckern, die putzigen Spatzen mich Park-Banker um etwas Eßbares beschwärmen und bezirp(c)en, die Regionalexpresse & ICE's über Hochbrücken zwitschern 23-24: Viele Flaschen gefunden. Sachen zum Trocknen auf Wäscheständer gehängt.
7.Juni (Montag)
7.00: REWE-Geschäft in der Revaler Straße. Ich mit meinen schmutzigen, gefundenen Flaschen, denke plötzlich, daß ich diese sauber-adrette, neonbeschienenen, alles-frisch-dufte, globalkapitalistische SupermarktIdylle wohl allein schon durch meine Anwesenheit störe.
Der FlaschenPfandAutomat nimmt keine von den großen Flaschen. Ich versuche es immer wieder. Schließlich zerschellt eine BierGlasFlasche auf der Boden. Der Filialleiter kommt sofort von hinten: "Machen Sie das wieder weg. Stellen Sie die da nicht. Nehmen Sie die wieder mit!"
"Ich war das nicht, das war der Automat."
"Ja, diese Zerschellte ist abgeprallt von der nicht sogleich herausgenommenen, großen Kauland-PET-Phiole." Er nimmt sie aus dem Auswurfschacht, mir in die Hand: "Die nehmen sie bitte wieder mit. Da steht Kaufland drauf."
9.00: Maisbüchse, die nicht aufging wieder umgetauscht. Preis war nur von 45 ¢ auf 39 ¢ reduziert worden. Zigarette im SpielautomatenCenter geschnorrt. Dann aus 'Daffke' zwei Mercedesse auf engem Parkplatzzufahrstweg gestoppt vor Stabi: "Wat war denn dat für ne Aktion?" Kleine Siege im Meer der Niederlagen gegen's KAPITAL. -"Haben Sie vielleicht eine Zigarette für mich." Dann ins Gras gelegt, und zu Ende geraucht. Spatz wollte den Stummel. Bekam Mais-Dose nicht auf. "Bräuchte jetzt eine 'Eisenschnäbelige Krähe' (Flanzendörfer), und keinen Spatzen." sage ich zu den andern.
10.Juni (do)
12.00: Frage Kassiererin bei PLUS: "Seit wann gibt es diese Arbeit mit den Flaschen?" - "Seit 2 Jahren. Seit dieser Minister das mit dem Dosenpfand eingeführt hat." - "Wie hieß der?" -Weiß nich'". - "Trittin?" - "Ja, den müssen sie wählen." - "Wenn sie das sagen, aber man kann doch den bei der Europa-Wahl gar nicht wählen! Da kann man doch nur diesen habermas-schen Kommissar mit der Hasenscharte, diesen Verheugen, wählen oder?"
11.Juni (fr)
7.00: Kaiser's in Revaler Str. Revaler, (Warschauer), Gubener, Torrell (Comeniusplatz), Marchlewski, Wedekind, Rüdersdorfer, Mehringplatz, Singer (Koppen, Andreasplatz, Lichtenberger). Schilling, Voltaire, Alexander, Voltaire, Litten, Stralauer, Rolandufer, Mühlendamm, Gertrauden, Leipziger (Spittel-Kolonaden mit Meilen-Obelisk und Sportgeräten), Potdamer Platz, Potsdamer Straße.
12.Juni (sa)
Gestern abend in der Seydelstraße fand ich am Gehwegrand unterm Zaun 1/2 ltr-Flasche mit mehreren Schnecken drin. Nachts machen die Nacktschnecken Gruppensex im Saturday Night Fever.
7.00: KAISER's in Revaler. Nach einer 1 sec verschwindet seit heute die 'Durchgefallene' im ORKUS. Mehrere davon rettete ich, auch 1/2 ltr Cola-Flasche war dabei.
8.00: Zwei LIDL-Flaschen wollt' ick abgeben: "Sa/So nur hinten im Lager. Ich würd' die gern annehmen." - 50 ¢.
8.30: Ich spaziere herein ins Lager des Flaschenautomaten am Ostbhf. bei Minimal. Mir wird Frechheit und Anmaßung unterstellt: "Und wer sind Sie?" - "Ich bin der Fürst von Bismarck (Warum gibt es eigentlich kein Mineralwasser / Bier namens 'Der Hauptmann von Köpenick'?). Die möcht' ich wieder haben, die Flasche." -"Können Sie nicht klingeln?"
10.00: KAISER's in den Arkaden am LeerGutAutomaten ein wohl 1,90 m Blonder Berliner im Arbeiter-Overall, bekommt einen Bon (Grünen Button pressen nicht vergessen!) über fast 8 € - für die je zu zweit (oben und unten) eingestellten - ausgestellt. Ich sag': "Ich leb' von den Flaschen." Da fragt er: "Bist Du obdachlos?" - "Nein, bin ich nich'. Das würde ich nicht lange überleben. Obdachlos ist nur ein amtlicher Ausdruck für einen unmöglichen Zustand."
"Bist Du arbeitslos?" -"Nein, bin ich nicht, wenn ich arbeitslos wäre, würde ich wenigstens Geld kriegen vom SA oder AA, aber ich krieg aber nix, der SS sieht mich seit 4 Monaten nur als ein hergelaufenes Tier an."
ICH: Arbeits --> Sozial --> Obdach(s)los.
Hausbesetzer & Flaschensammler. (Hungerleider)
16-17.30: Flaschensammeln im Tiergarten. ~ 1 €.
16.30: "Ick hab schon gekiekt, da is keene mehr drinne. Ick nehm auch ab & zu eene mit, wenn ick die Möglichkeit hab'. "Bah!" - sag' ich, und lasse die herausgefischte wieder fallen. Er trinkt aus einer Pfandfreien: "Prost!"
Einer fährt mit Fahrrad alle Mistkübel im Tiergarten ab. Der hat mir gegenüber, der ich zu Fuß gehen muß, einen Evolutionsvorsprung!13.Juni (so)
5-10.30: Schlecht ausgeschlafen wegen gestern nacht. Ostkreuz - Ostbahnhof - Ullrich am Zoo und zurück.
Objets trouvés. Eßbare. 2 matschige Bananen aus Mistkübel im Tiergarten gerettet. Außerdem ein Nußriegel mit Ameisen, die Ameisensäure im Mund hat zwar etwas gebrannt, aber ich liebe schließlich auch Brennesseln und Frauen... Man soll sich ein großes Vergnügen durch kleine Unannehmlichkeiten eben nicht vermiesen lassen, wie schon Wladimir Iljitsch Lenin irgendwo sagt.
Euka No1 (Hustenbonbon in grünem Papier) bei Europacenter gefunden.
Bei Minimal am Zoo war um 21 Uhr ein Hausdetektiv hinter mir her: "Öffnen Sie den Rucksack!"15.Juni (di)
Regnerisches Wetter.
17.30: 8 Glas-Flaschen gefunden. 2 Maisbüchsen á 39 ¢.
16.Juni (mi)
8: "Die führen wir gar nicht." Ein zweiter räumt mir 5 Zelal Flaschen weg, er enteignet mich als Besitzer (Sammler) von ihnen. Er gibt mir den Bon zurück.
15 min stand Betrieb still, weil die Bonrolle verklemmt war, es bildet sich einen Warteschlange. "Klassenkampf zwischen Besitzer und Eigentümer."
Indoktriniere ich die Warteschlange und mache zweiFotos.
Gerolsteiner kippt um, und wird deshalb nicht gerechnet, muß froh sein, daß der überhaupt noch funktioniert.17.Juni (do)
8.30: Ostbhf. bei LIDL. "Solche kann man hier nicht abgeben." (Red Bull, Energy Drink, Pfanddose, /Rückgabe nur mit dunkelblauer Lasche). Mit Taurin / Belebt Geist & Körper. "Sowat jibt et bei uns nich'" Bei KAISER's bekam ich dafür 25 ¢ Dosenpfand.
14-16: Flaschensuchen im Tiergarten. Lauffest wurde vorbereitet. Vorm Beisheim Center ist mir durch Zaun der Weg versperrt, ich nehme eine Flasche aus dem Mistkübel, sie ist kaputt, ich lasse sie fallen, sie zersplittert. Drei Bauarbeiter (2 Schwarze + 1 Ossi), die das gesehen haben, beschweren sich lautstark und bedrohlich: "Räum die kaputte Flasche wieder in den Mistkübel!" - "Sektflasche, der ganze Tiergarten is voll davon, ich hasse Sektsäufer, halten sich für was besonderes, Biersäufer sind o.k.!" - "Seid Ihr Kiezpolizei?" - Mit einem 'Handy', das er plötzlic herauszückt, droht einer von den beiden Schwarzen, mich zu fotographieren bzw. die Bullen zu holen... So erklär' ich mich bereit die Scherben aufzupicken, und erzähle, daß ich vom Flaschensammeln lebe, - und die Lage entspannt sich. Jetzt nennt der eben noch abfotographierenwollende mich "Fuchs", und gibt mir den Tip nach den Fußballspielen, lägen viele Flaschen hier aus dem Rasen. Der andere, schwarze Kollege reicht mir, nachdem sich die Situation so deeskaliert hatte, durch den silbergrauen Draht-Absperrzaun hindurch seine schwarze Hand und zeigt mir seine weißen Zähne - lächelnd zur 'Verh(s)öh(n)ung'. "Tschau!" sag ich den Dreien hinterher, was auch einer erwidert ...
18.Juni (do)
12: Bei PLUS in Potsdamer Strasse. "Die nehmen wir nicht mehr an. Nur bis Dezember! Hier oben muß'n Logo Plus stehen.
19.Juni (sa)
8: Revaler Straße: "Wartest Du auch?" frage ich einen jungen Mann. "So sieht Armut aus. Am besten ich mach gleich'n Foto davon. Vielleicht interessiert's wen? In der DDR waren die Unterschiede zwischen arm und reich nicht so groß und wurden auch nicht so zur Schau gestellt." - "Ich hab die DDR nicht bewußt erlebt. Sie hatte ein gutes Pfandsystem. Es gab keine Pfandflaschen." - "Wie hieß das nochmal?" frage ich ihn. "ZERO." - "Zero heißt Null." sage ich.
22.Juni (di)
9.10: Der Kassenbon zeigt 9.40 an, es ist aber erst 9.10. "Da haben wir keinen Einfluß drauf, das macht die Zentrale. Aber EC stimmt! Als ich angefangen habe, waren es 10 Minuten." - "Wann haben Sie angefangen?" - "Vor 2 Jahren."
24.Juni (do)
Tagsüber recht müde.
2-7: Nachts gewandert und Flaschen gesammelt (ein Nest am Potsdamer Platz im Gebüsch und dann mehrere in Revaler im Garten)
7-8: Geschlafen am Ufer der Spree bis zwei weiße Schwäne mir zum Troste kamen - mußte ein gutes Zeichen sein.
28.Juni (mo)
Leichtes Sodbrennen beim Aufwachen. Dann 3/4 ltr in Selters-Flasche gepißt...
8.00: Russische Wasserflasche gab mir Filialleiter von REWE (Revaler) wieder mit. Ich sammle sie als Rarität.
28.Juni (di)
20: Fidicinstrasse. Forum der Nicht-Arbeit.
"Arbeit, Arbeit über alles."
Jeden Verstoß wider den hl. Geist dieses Prinzips ahndet der jetzt herrschende UBU ROI unerbittlich.29.Juni (mi)
12-19: Aus Haus. Flaschen allzu wenige gefunden. Flanierende Ich-AGs auf der Potse.
Solidarität ein Fremdwort auf dem Lateinischen bzw. aus dem Vokabular des Reich des Bösen.30.Juni (do)
12: Aus Haus. Flaschen suchen Solidarität ein Fremdwort aus dem Lateinischen bzw. aus dem Vokabular des Reich des Bösen.
Flanierende Ich-AGs auf der Potse.2.Juli (do)
"Eisen, Lumpen, Scheiße und Papier, alles, alles, alles sammeln wir." (Songtext und Melodie, die ich noch von meinen Kinderjahren (Ende 50 er, Anfang 60er) her im Ohr hab.)
OstBhf. + FlaschenPfandautomat
Das Domizil derer vom 'Ohne Wohnsitz', der 'Obdachlosen'. In den unterirdischen Bahnsteighallen leuchtet einer mit Taschenlampe in einen Müllkübel, in den ORKUS der WOHLSTANDS-WEGWERF-GESELLSCHAFT nach Bierflaschen, und dann fischt er auch prompt eine heraus.
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