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Ready-made (Ahrimans Volksetymologie)(frz. »gefundener Gegenstand«), das: befremdlicher, evtl. aus mehreren heterogenen Bestandteilen industrieller wie natürlicher Herkunft zusammengesetzter und wie ein Kunstwerk (durch Rahmen, Sockel o.ä.) montierter Gegenstand, dessen Funktion unklar bleibt und zu mannigfachen, stets ungewohnten Einfällen Anlaß bietet. – Die von André Breton geprägte Bezeichnung verweist auf die ursprüngliche Herkunft dieser meist rätselhaften Gegenstände von Pariser Flohmärkten; stets verweisen sie vage auf eine unbekannte, verdeckte und verschollene, möglicherweise »wundersame« (»merveilleuse«) Biographie (daher »gefunden«) und dadurch auf die Möglichkeit einer unter der gesellschaftlichen Gleichschaltung und Dressur verborgenen, wahrhaft eigenen und von keiner Anpassung beschädigten Persönlichkeit, wie sie mutmaßlich in Kindern noch am ehesten erhalten ist und sich in deren im Vergleich zu Erwachsenen wesentlich intensiveren Wahrnehmung »rätselhafter« und mit besonders persönlichem Interesse »besetzter« Gegenstände äußert; diese Wahrnehmungsweise und daher verschüttete Eigenpersönlichkeit will der Surrealismus durch die Präsentation der ~s möglichst wiedererwecken. Das ~ ist daher im Gegensatz zum Ready-made niemals banal, sondern zumindest auf den ersten Blick geheimnisvoll.
Empfohlene Literatur: Maurice Nadeau, Geschichte des Surrealismus, Rowohlt Taschenbuch.
(engl. »gebrauchsfertig« [sc. zu kaufen]), das: industriell und serienmäßig gefertigter Gegenstand, den ein Künstler durch Signatur zum Kunstwerk erklärt. – Das ~ kann unverändert bleiben oder durch geringfügige Manipulation (Umdrehen, Montieren auf einen Sockel) so präsentiert werden, daß es erst auf den zweiten Blick zu erkennen ist; es darf aber nicht durch irgendwelche gezielten Eingriffe, etwa Bemalen, Verbiegen, Löten usw. bearbeitet werden, da es ja dann sein Wesen als »~« verlöre. – Mit dem ~ wird der Fetisch-Charakter der Kunst als gesellschaftliche Konvention bloßgestellt und angegriffen; zugleich aber nimmt sie damit den Fehdehandschuh der Religion auf, da sie eine bewußte und vollkommene Analogie zu den Reliquien bzw. »geweihten« Gegenständen des Katholizismus und Buddhismus herstellt (»segnen« und »signieren« sind etymologisch identisch [»ein Zeichen darübermachen«, von lat. signum »Zeichen«]; wesentlich ist in beiden Fällen, wodurch der Fetischcharakter des in Wahrheit unveränderten »Produkts« zustande kommt, nur die Person des Ausführenden, also des »Künstlers« resp. des »Heiligen« oder dessen ebenfalls fetischisierter Stellvertreter). Deshalb ist maximale Banalität und Unpersönlichkeit der zu ~s ernannten Gegenstände wichtig.
Verwandt mit ~s sind gar nicht oder wenig veränderte Gegenstände, die durch ihre eigenen Qualitäten oder deren Verbindung mit ihrer aufwandsarmen und leicht durchführbaren Bearbeitung in Verbindung mit einem Titel einen spezifischen Inhalt, meist in der Art der Pointe eines Witzes, transportieren können. Sowohl Marcel Duchamp, der Erfinder des ~s in Sache und Begriff, wie insbesondere Man Ray, haben solche Gegenstände hergestellt oder verwendet; viele analoge Schöpfungen weniger bekannter Urheber finden sich im »Karl-Valentin-Musäum« im Münchner Isartor, dessen »Brett« übrigens ein echtes ~ darstellt. Bei weiterer Bearbeitung wird der Übergang zum Objet trouvé fließend.
Literatur: Calvin Tomkins, Marcel Duchamp, Zweitausendeins, 2002; F.E. Hoevels, Marcel Duchamp, Ketzerbriefe 107, Freiburg 2002
Objektkunst , Kunstrichtung der * Moderne. Bei der Objektkunst werden keine neuen Objekte hergestellt, sondern vorhandene Gegenstände unbearbeitet oder nur unwesentlich verändert unter Loslösung von ihrem eigentlichen Verwendungszweck zum Kunstwerk umfunktioniert.
Mit der Objektkunst in Verbindung gebracht werden u. a. * Akkumulation, * Assemblage, * Collage, * Objet trouvé, * Junk-Culture und * Ready-mades. Die Objektkunst entstand am Beginn des 20. Jh. im Zuge der allgemeinen Neuorientierung der Kunst, u. a. durch die von den * Kubisten begonnenen Materialmontagen in Form von Collagen sowie durch die 1913 von Marcel Duchamp zu Kunstobjekten erklärten Ready-mades.
W. ROTZLER, O. Von Duchamp bis Kienholz, Köln 1972; W. ROTZLER, O. Von Duchamp bis zur Gegenwart, Köln 1975.
Objet Trouvé
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