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Eigentlich hätten wir heute den Hahnenkampf sehen wollen, ändern aber jetzt nicht unseren Reiseplan wegen diesem streitsüchtigen Federvieh -ein wahrhaft schöner Güggel. Clever, bevor der grosse Haufen aufbricht und sich auf den Heimweg macht, fahren wir zurück Richtung Maracay.
Unterwegs besuchen wir den Nationalpark Henri Pittier. Doch welche Enttäuschung. Der Naturpark scheint zu einem Picknikground umgenutzt zu werden. Bereits am Eingang verkaufen ambulante Händler Pommes Chips, Schleckereien und Fastfood. Überall liegt Abfall herum. In hübschen kleinen Lagunen, wo sich Leute tummeln, schwimmen auch leere Flaschen, neben Felsformationen liegen Schuhe, alte Kleider und Scheissdreck.
Trotzdem machen wir dazwischen ein paar seltene Pflanzen aus und bewundern die watteartigen Früchte eines besonderen Baumes. Fast ohrenbetäubendes Gezirpe dominiert einen anderen Teil des Jungels. Ein idyllisches Flüsschen zwängt sich zwischen den Steinen hinunter. 
Da hatte der Schweizer schon ein gutes Auge für die ursprüngliche Schönheit dieser Ecke, doch beim Verlassen an der Pforte kann ich mir ein: "Schade um diese Sauerei!" nicht verkneifen. Die Parkwächter schauen uns nur verständnislos nach...

 

 

 

Zwei Stunden später liegen wir am Strand von Cata. Ja, eine an sich schöne Bucht und auch eine gute Zufahrtstrasse. Das haben noch tausend andere festgestellt, welche scheinbar in den zwei riesigen Apartmentbunkern wohnen, wo hier unschön aus der Gegend ragen. Es fehlt nur noch der Provinzflughafen. Wie sagte doch einmal ein Botschafter treffend: Das Land wäre schön, wenn die Leute nicht wären.
Naja, schliesslich sind wir ja auch hier, aber wir hätten morgen noch frei, könnten dem Rückreiseverkehr elegant ausweichen. Doch in Cata hat es nichts, zumindest keine Übernachtungsmöglichkeiten, kein anständiges Beizli und die durch Inzucht degenerierten Eingeborenen schauen uns nach, als hätten wir uns aus dem Weltraum hierher verirrt.
"Wenn wir jetzt Gas geben, schaffen wir es gerade noch vor dem grossen Haufen nach Maracay, dann kommt die Autobahn..."
Gesagt getan, obschon wir das ja genau verhindern wollten, heute im Stau zu stehen. Doch manchmal muss man halt eine Empfehlung selber erleben, um zu wissen, wie es dort wirklich ist. Jeder hat andere Vorlieben und sieht die Welt aus seinem eigenen, manchmal engen Blickwinkel. In Maracay erwartet uns ein Regenguss. Doch Hanni navigiert uns gekonnt durch das Städtchen auf die Autobahn. Hier fädeln wir uns zwischen den Rückreiseverkehr aus dem Westen Venezuelas. Doch die Autofahrer sind vorsichtig im Regen -und tolerant. 
Ausser natürlich diejenigen in 4WD's. Die bilden auf der ganzen Welt eine Klasse für sich, reagieren ihre Minderwertigkeitskomplexe mit Arroganz ab. Darum sind sie ja auch so verhasst. Wie definierte sie ein australischer Diplomat: "No Brain, small Penis, but big Car." 
Früh wird es heute dunkel unter dieser Wolkendecke. Caracas zu herrscht zähflüssiger Verkehr und auch die Gruas haben ein paar demolierte Carros wegzuräumen. Doch mit etwas Glück, Vorsicht und manchmal einem kurzen Spurt erreichen wir die Stadt unversehrt und geniessen den romantischen Regenguss zu Hause auf unserer Veranda...

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