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Ein langes Wochenende in Choroni

Als ich um halb Zwei Hanni abholen wollte, stand mein Auto noch zerlegt in der Werkstatt. Ein Negrito hatte den Kompressor repariert, aber sich in der Zeit verrechnet. Das machte mich sauer und die nette Frau am Telefon verstand mein Anliegen, an den Flughafen zu müssen, -eine Notlüge.
Dabei wollen wir an den Strand. Hanni hatte alles gepackt und ich bereite ihr ein paar Früchte zum Zmittag vor. Auf dem Weg zur Bushaltestelle ruft sie mich an: "Ich habe keinen Wohnungsschlüssel..."
Ich muss lachen. Jaja, wieder einmal ein Murphy - Freitag und jetzt beginnt es auch noch zu regnen. So warte ich halt, gebe ihr meinen Schlüsselbund und steige in den nächsten Bus Stadteinwärts. Viktor ist immer noch am "chnorzen," sehe ich. Nein, jetzt füllt er Gas ein. Ein anderer schraubt das Handschuhfach an, ein dritter bringt einen Akku und zwei dicke Kabel. Kopfschüttelnd wende ich mich der Empfangsdame zu, welche meine Rechnung vorbereitet. Diese besteht aus etwa 10 Positionen und kostet über eine Mio. "Habt ihr das halbe Auto ersetzt?" Ich versuche einen Scheck auszufüllen, lasse es, schiebe ihn unter dem Fensterchen durch -sie kann das besser.
Dann noch ein mühsames Gespräch mit der Bank -wie immer; "Gibt es wenigstens eine Garantie auf eure Arbeit?"
"24Tage!" "Ok, ciao bonita, besito..."
Punkt halb Drei verlassen wir unsere Tiefgarage Richtung Autobahn. Es regnet, aber wir verfahren uns diesmal nicht. Sogar Maracay ist irgendwo signalisiert. Diese Autofahrer und erst recht ihre Fahrzeuge. Der eine Carro durchgerostet, aus dem nächsten baumelt ein Arm aus dem Fenster und winkt etwas, ein Pick up ist voller Kinder -und einem Hund. Ein Überlandbus überholt auf dem Pannenstreifen, ein Schwarzer überquert mit seinem Einkaufswagen die Autobahn, Peaje en 1 Kilometro.
Der ganze Verkehr verlangsamt, staut sich auf ein paar hundert metern 6 spurig. Hanni grabscht 200 Bolos, welche ich der hübsch geschminkten Chica im lädierten Glashäuschen hinüberreiche. Für umgerechnet 15 Rappen pro Karren hält man also hier den gesamten Verkehr auf...
"Coño" ruft ein ambulanter Verkäufer, als wir wieder beschleunigen, ein paar andere schauen uns nur neidisch nach. Nein, unser seltenes Auto werden wir dieses Wochenende kein zweites Mal antreffen.
In Maracay lasse ich tanken; -kostet einen Franken fünfzig mit einem schönen Trinkgeld.
Dann ist Hannis Talent gefragt. "Bei der Constitucion links," es ist heiss, doch die Kühlung funktioniert jetzt. "He, da ist Rot!" "Na und, -war gestern auch schon." Dafür laufen Fussgänger kreuz und quer über die Fahrbahnen. Nochmal über ein paar Kreuzungen durch den Feierabendverkehr, hupen, "Halbrechts, nein hier!" uff, das war knapp, Scheisstaxi...
Es folgt die Bergstrasse mit den zweihundert Kurven. Wenig Verkehr, aber oft zu eng um zu kreuzen. Die Busse hört man wenigstens am Kompressorhorn, für den Rest heisst es halt Vorsicht. Aber schön, mit einem Sportwagen die venezolanische Leventina zu meistern. Trotzdem brauchen wir für die 60 km Bambusstrasse fast 2 Stunden und es dämmert schon, als wir auf der Hafenpromenade einfahren.
Meine Reservation wurde vom Büro wo der Computer stehe nicht an den Receptionist weitergegeben. "Pero aqui tengo su confirmacion!" Zum Glück habe ich den Zettel ausgedruckt, denn das Hostal ist ausgebucht ab Samstag. So muss sich halt morgen jemand eine andere Bleibe suchen, nicht unser Problem.
Hanni schaut sich begeistert um, mustert die Leute und die Shops und ich treffe "meine Serviertochter" wieder, welche uns zwei helle Polar Ice bringt. "Warum trinken die Venezolaner ihre Bierlis nicht leer?" Das war mir zwar auch schon aufgefallen, aber interessiert mich auch erst jetzt. "Wir lassen den letzten Schluck den Toten," erklärt Maykelis, während draussen ein Hombre einen dicken Bargo durch die Gasse trägt. Schliesslich essen wir im Cafe Caribe, wo letztes Mal der Koch gestorben war...

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