Ivan Rebroff

Schenk mir einen Wodka ein (Audio)

Schenk mir einen Wodka ein, aber kein' zu kleinen!
Gieß mir einen großen ein, und dann gleich noch einen!
Denn der Wodka macht mich froh, daß ich sing' und tanz'
Drum schenkt mir das Gläschen voll, aber voll und ganz
|: dai, dai, dai... daß ich sing' und tanz' :|

|: Prösterchen :| mit dem kleinen Trösterchen
Ach, wie ist das Leben schön, 
wenn die Stunden so vergeh'n,
wenn man Sorgen und Kummer vergißt,
wenn man |: Prösterchen, Trösterchen :| 
ganz besuoffen* ist!

Schenk mir einen Wodka ein, aber kein' zu kleinen!
Gieß mir einen Wodka ein, und dann gleich noch einen!
Denn der Wodka macht mich so warm und kalt und heiß,
bis ich dann das Gläschen grad' in den Spiegel schmeiß' 
|: dai, dai, dai... in den Spiegel schmeiß' :| 

Na Sdorowje**... ha ha ha***...!


*Dies ist nun das denkbar schlechteste Wort im Text, um zu demonstrieren, wie das betonte harte "O" im Russischen ausgesprochen wird - warum macht er das nicht am Beispiel "Wodka" vor?!?****
**Warum schreibe ich hier das "j" mit, da ich das vor "jä" doch sonst nicht tue? Ich könnte mir die Antwort leicht machen und sagen: weil im Original ein Extra-Weichheitszeichen davor steht. Aber eigentlich müßte die Frage lauten: Was soll dieses - eigentlich überflüssige - Weichheitszeichen dort? Ich weiß es nicht - ich bin kein studierter Slawist, sondern Dolmetscher, und da steht die Praxis im Vordergrund; Sprachgeschichte ist zwar ein Hobby von mir, aber mehr auch nicht. Also kann ich nur vermuten, daß da früher mal ein "i" stand - daß man also viersilbig "sda-ro-wi-je" sagte -, das zu einem Weichheitszeichen verkümmert ist. Da ich an anderer Stelle die Russischkenntnisse von I.R. angezweifelt habe - und dies auch weiterhin tue - will ich doch der guten Ordnung halber darauf hinweisen, daß er dieses Wort - das die meisten Deutschen "schtarowje" oder bestenfalls "ßtarowje" aussprechen - sauber und korrekt singt, nämlich mit weichem ("stimmhaften") "s" im Anlaut, gefolgt von einem ebensolchen "d" (im Deutschen gibt es die Kombination "sd" am Wortanfang bekanntlich nicht, weshalb meine Landsleute das fast immer falsch machen) und einem "a" (so wird das unbetonte harte "o" im Russischen gesprochen).
***Dieser Fehler am Ende macht den guten Gesamteindruck wieder zunichte: Russen können kein deutsches "h" aussprechen; sie verballhornen es entweder zu "g" oder zu "ch" [das übrigens immer hart gesprochen wird, d.h. wie im Deutschen nach a, o und u; etwas Ähnliches wie das weiche deutsche "ch" nach i, e und ä gibt es nur am Wortende (z.B. beim Infinitiv des Verbs), beim "weichen t", das ich zur Unterscheidung "tch" transkribiere]. In welchen Fällen sie es wozu verballhornen? Dafür gibt es keine festen Regeln - jedenfalls sind mir keine bekannt. Ich werde hier in nächster Zeit ein paar Beispiele für beide Möglichkeiten zusammenstellen, in Widerspruch zu meinen obigen Ausführungen auch aus der Sprachgeschichte - natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
(Vorbemerkung: Um deutschen Muttersprachlern die Orientierung zu erleichtern, habe ich die russischen Wörter ausnahmsweise nach dem deutschen Alphabet sortiert; das russische Alphabet ist direkt vom griechischen abgeleitet, d.h. die Buchstaben haben eine ganz andere Reihenfolge.)

Zwischenbemerkung: Die letzten Wörter wurden aus dem Deutschen bzw. dem deutschen Küchenlatein- und -griechisch übernommen, deshalb mußte das Anfangs-"H" irgendwie "verarbeitet" werden; bei Wörtern, die auf dem Umweg über das Französische importiert wurden - wo das Anfangs-"H" bereits verstummt war, entfiel dieses Problem; deshalb heißt es z.B. "ijerarchija", "ipochondrija", "ipoteka", "isterija", "omar" [Hummer, von "homard"], "omonim", "otel" und "uragan" [von ouragan" - ein Wort, das in Frankreich durch den Riesenhit der Stéphanie von Monaco felsenfest verankert ist, während unser "Orkan" allmählich durch "Hurrikan" - aus engl. "hurricane" - verdrängt wird]

P.S.: Wer nun also den großen Aga-Effekt hatte und glaubt, aus dieser Liste irgendeine "Regel" ableiten zu können, wann bzw. warum in russischen Fremd- und Lehnwörtern ein "H" zu "Ch" wird und wann zu "G", möge mir bitte mailen! (Nein, es wäre zu einfach, wenn man sich mit dem Hinweis begnügen wollte, daß das alte russische "G" wahrscheinlich durchweg wie "H" ausgesprochen wurde - wie ja heute noch das genauso geschriebene ukrainische "G" -; denn 1. gab es damals noch keine Hydranten, Helikopter etc., und 2. würde das nicht erklären, warum aus so manchem importierten "H" ein russisches "Ch" wurde! Es gibt übrigens ein ähnliches Problem im Neugriechischen mit dem Buchstaben "B" in Fremdwörtern. Auch da gibt es keine verläßliche Regel, wie das übernommen wird. In den meisten Fällen als "β" - dann wird es also "W" gesprochen, und zwar schon seit dem frühen Mittelalter, sonst wäre aus dem griechischen "basilaios" kein russischer "Wasilij" geworden -; aber es gibt eben auch Fälle, in denen es als gesprochenes "B" übernommen - und dann "mp" geschrieben - wird.)
Noch ein P.S.: Das sind natürlich längst nicht alle Fremdwörter, die das Russische mal übernommen hat, auch nicht alle mit "G" und/oder "Ch". Doch Ende des 18. Jahrhunderts kam ein gewisser Herr Lomonosow auf die Idee, die Überwucherung der russischen Sprache mit westlichem Sprachgut zu beschneiden; also verfaßte er ein Lexikon, für das er viele slawische Wörter neu schuf - von denen sich freilich auch nicht alle durchsetzten, z.B. hielt "gonorar" seinem "wosnagrazhdenije" stand. Aber das erwähne ich hier nur, weil ich das Wort oben dabei hatte; über L. und seine Bedeutung für die moderne russische Sprache schreibe ich ein andermal mehr.


****Der einzige inhaltliche Fehler dieses Textes liegt darin, daß durstige Russen ihren Wodka für gewöhnlich nicht aus Gläsern trinken - geschweige denn aus Gläschen -, sondern direkt aus der Flasche. Das ist kein Vorurteil; ich habe es oft genug mit eigenen Augen gesehen; die russischen Wodkaflaschen sehen aus wie bei uns die gläsernen Bierflaschen à 0,5 l)

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