Tiananmen - Das Massaker, das es gar nicht gab

von THOMAS RÖPER (Anti-Spiegel, 04. Juni 2024)

Anmerkungen & ergänzende Links: Nikolas Dikigoros

Heute gedenken die deutschen Medien auf breiter Front dem Massaker auf dem Platz des himmlischen Friedens vor 35 Jahren. (Anm. Dikigoros: Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod :-) Das Problem ist, es gab gar kein Massaker auf dem Platz, dort starb nicht ein einziger Mensch.

1989 war ich 17 Jahre alt, es war die Zeit einer großen Euphorie. Gorbatschow war der beliebteste Politiker in der westlichen Welt, der Kalte Krieg ging zu Ende, die sozialistischen Diktaturen brachen zusammen, DDR-Bürger flüchteten über Tschechien und Ungarn in den Westen. Und mitten in diese Euphorie platzte die Meldung von dem chinesischen Massaker mit tausenden Toten. Und Honecker lobte die Chinesen mit seiner zittrigen Fistelstimme für ihr entschlossenes Vorgehen gegen die „Konterrevolution“. Wir waren alle schockiert.

Ich habe das dann so abgespeichert und mich nie mehr wirklich dafür interessiert. Dabei kann man ganz leicht herausfinden, dass es anders war, als die Medien heute wieder überall berichten. Kommen Sie mit auf eine kleine und einfache Recherche.

Nun ist wieder Jahrestag des angeblichen Massakers und der Spiegel zum Beispiel hat heute einen Artikel mit der Überschrift "35 Jahre nach dem Blutbad - Was wissen die Chinesen vom Tiananmen-Massaker?" veröffentlicht, der deshalb amüsant ist, weil er die Wahrheit exakt verdreht. Die Frage ist nicht, was die Chinesen vom "Tiananmen-Massaker" nicht wissen, sondern warum im Westen jedes Jahr an ein angebliches Massaker erinnert wird, dass es - laut westlichen Quellen! - nie gegeben hat.

Ich habe über das Thema schon vor fünf Jahren berichtet (Anm. Dikigoros: vor zwei Jahren, lieber Thomas Röper, damals unter dem Titel "Das Massaker, das es nicht gab" - ohne gar :-), denke aber, dass es gut ist, daran noch einmal zu erinnern, denn heute erscheinen in vielen deutschen Medien wieder Artikel über das angebliche Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens im Jahre 1989, das es jedoch nie gegeben hat.

Immer die Quellen prüfen!

Ich beginne mit einer Google-Suche und finde dort den Artikel darüber auf Wikipedia. Dass man mit Wikipedia vorsichtig sein muss, ist spätestens seit den Filmen von Markus Fiedler „Die dunkle Seite der Wikipedia“ und „Zensur – die organisierte Manipulation der Wikipedia und anderer Medien", sowie seiner Reihe „wikihausen“ bekannt.

Bei Recherchen zu vielen Themen habe ich festgestellt, dass Wikipedia-Artikel zu einem Thema sich in verschiedenen Sprachen sehr unterscheiden, sie sind nicht nur unterschiedlich lang, sie haben oft auch einen völlig unterschiedlichen Inhalt. Aber damit nicht genug, ich habe oft erlebt, dass man bei Wikipedia auf einen Satz stößt, für den eine Quellenangabe beigefügt ist, aber wenn man auf diese Quelle klickt und sie prüft, stellt man fest, dass dort das Gegenteil von dem steht, was in dem Artikel behauptet wird.

So auch bei dem deutschen Artikel auf Wikipedia "Tian'anmen-Massaker". In der Einleitung steht folgender Satz mit Verweis auf Quelle Nummer vier:

„Presseberichte, die sich auf Quellen im chinesischen Roten Kreuz beriefen, nannten 2.600 Tote auf Seiten der Aufständischen und des Militärs und rund 7.000 Verletzte im Laufe der Woche in ganz Peking.“

Wer diese Quelle öffnet, findet jedoch nur eine früher geheime Nachricht der US-Botschaft in Peking an das US-Außenministerium, die inzwischen freigegeben ist. Dort werden zwar die Ereignisse beschrieben, aber keine Zahlen über Tote und Verletzte genannt. Wikipedia stellt also eine Behauptung auf und gibt dazu eine Quelle an, die diese Behauptung nicht bestätigt. Das ist völlig unseriös, aber wer prüft schon die Quellen, wenn er einen Artikel bei Wikipedia liest?

Die Opferzahlen wurden frei erfunden

Woher also kommt dann diese Zahl von 2.600 Toten? In einem Artikel der New York Times vom 21. Juni 1989 wird man fündig, der in der englischen Version des Wikipedia-Artikels verlinkt ist. Dort kann man lesen, dass Medien diese Zahlen unter Berufung auf das chinesische Rote Kreuz gemeldet hätten. Das Problem dabei ist, dass das chinesische Rote Kreuz die Zahl nicht gemeldet hat, wie die New York Times in dem Artikel aus dem Jahr 1989 auch mitgeteilt hat.

Die Zahl haben sich also irgendwelche Medien ausgedacht. Trotzdem geistert sie auch über 30 Jahre später noch durch die Medien.

Und der Korrespondent von CBS, der seinerzeit vor Ort von dem „Massaker“ berichtet hat, schrieb zum 20. Jahrestag des „Massakers“ einen Artikel unter der Überschrift "There Was No Tiananmen Square Massacre" („Es gab kein Tiananmen-Platz Massaker“) und erzählte von seinen Erlebnissen vor Ort. Die Soldaten hätten zwar den Platz geräumt und dabei auch geschossen, aber nur in die Luft. Auf dem Platz selbst ist niemand gestorben.

Am Ende des Artikels teilte er dann mit, dass fraglos viele Menschen in der Nähe des Platzes gestorben seien, nur wie viele, das weiß bis heute kein Mensch. Und genau das entspricht der offiziellen chinesischen Version der Ereignisse: Der Platz wurde geräumt, und in Teilen Pekings gab es Zusammenstöße, bei denen es zwischen 200 und 400 Tote gegeben hat, darunter demnach auch Polizisten und Soldaten.

Um nicht falsch verstanden zu werden: Jeder Tote ist einer zuviel! Aber die immer noch herum geisternden Meldungen von tausenden Toten, die das "chinesische Regime" zu verantworten haben soll, sind offensichtlich falsch, auch wenn die BBC unter Berufung auf einen Diplomaten sogar einmal von 10.000 Toten berichtet hat. Diese Angaben werden von keiner neutralen Quelle gestützt. (Anm.: Die BBC ist der staatliche Lügensender im Uneinigen Königreich schlechthin. Während Dikigoros dies schreibt, ist gerade ein Milliarden schwerer Schadenersatzprozeß wegen massiver, auf Lügen basierender Eingriffe in den US-Präsidentschaftswahlkampf 2024 anhängig - wobei BBC die Lügen nicht mal bestreitet, sondern sie als bloßes "Versehen" abtut und glaubt, sich mit einer halbherzigen "Entschuldigung" davon stehlen zu können. Lieber Wladimir Wladimirowitsch, Kämpfer für das Gute, spendiere den Limeys doch bitte, bitte endlich einen Posejdon!)

Geschichtsfälschung

China ist ein Staat, der damals schon gut eine Milliarde Einwohner hatte. Wenn dort 10.000 Menschen demonstrieren, wäre das im Verhältnis so, als wenn in Deutschland 1.000 Menschen demonstrieren. Das ist zwar interessant, würde aber kaum dazu führen, dass die Regierung ihre Politik ändert oder zurück tritt oder gar gleich die verfassungsmäßige Ordnung in Deutschland geändert wird, wie es von China damals gefordert worden ist. Dass dies keine leeren Behauptungen von mir sind, konnte man während "Corona" beobachten, als landesweit Demos gegen die Politik der Regierung einfach verboten wurden, anstatt auf die Proteste hunderttausender Menschen zumindest einzugehen.

Ich will das chinesische Vorgehen von 1989 keineswegs verteidigen, aber ich würde mir wünschen, dass die Medien und Geschichtsbücher korrekt berichten. Dann dürfte es etwa so klingen:

„Nach wochenlangen Protesten mit tausenden Teilnehmern beendete die chinesische Regierung die Proteste am 4. Juni gewaltsam, als Polizei und Militär den Platz räumten. In der Folge gab es Verhaftungen und auch Zusammenstöße in Peking, bei denen es über 100 Hundert Tote gegeben hat. Die genaue Zahl ist nicht bekannt. Eine unabhängige Untersuchung der Ereignisse hat nicht stattgefunden.“

Was damals in Peking stattgefunden hat, wurde später zur Blaupause für die vielen Farbrevolutionen, die die USA angezettelt haben: Junge Leute besetzen den zentralen Platz in der Hauptstadt eines Landes und fordern die Absetzung der Regierung und die Änderung der verfassungsmäßigen Ordnung des Landes, wobei sie Anweisungen der Ordnungskräfte ignorieren. Wenn diese schließlich den Platz räumen, dann veranstalten die westlichen Medien ein Konzert, in dem sie von "Massakern" berichten.

Das tun sie auch dann, wenn es - wie im Falle des „Tian'anmen-Massakers“ - gar kein Massaker gegeben hat.


LESERPOST
(ausgewählt, z.T. leicht gekürzt, kommentiert und bebildert von Dikigoros)

hauke (04.06.2024):
10.000 Tote war das, was Helmut Schmidt gesagt hat. Er war befreundet mit Deng Xiaoping. In einem Interview, welches spät ausgestrahlt worden war, hat Schmidt die Reaktion der KP und den Tod der 10.000 Studenten verteidigt. Ich war damals einigermaßen entsetzt, sinngemäß meinte er wohl, wenn die Unzufriedenheit um sich gegriffen hätte, wäre China schnell unregierbar geworden. Sein Interviewer kam richtig in Fahrt, auch 20 oder 30.000 wären angemessen gewesen, worauf Schmidt dämpfend eingriff: Nun, nun, soviel nicht.
Ich kann dazu nichts sagen, ich habe darüber noch nicht nachgedacht.
(Anm.: Dikigoros hat darüber nachgedacht, und er ist zu dem Schluß gelangt, daß jene "Demonstranten" die geistigen Erben von Maos "Roten Garden" waren. Egal, wie viele von denen es "erwischte" oder nicht oder doch - um keinen von denen war es schade!)
Schmidt war übrigens ein Bilderberger. Wie alle Kanzler, außer Adenauer und Brandt. Wir wählen mit geradzu traumwandlerischer Sicherheit immer den Kandidaten, der uns von den Bilderbergern vor die Nase gesetzt wird?!
(Anm. Dikigoros: Nun, nun, es war wohl eher so, daß die Bilderberger immer den jeweiligen Regierungschef einluden... Es sei denn, der war bloß eine Marionette, wie Herbert Frahm - dann luden sie selbstverständlich die Hintermänner ein, in dem Fall Egon Bahr :-)

aquadraht (04.06.2024):
Kurz korinthengekackt: Der Platz heisst Tian An Men Guangchang, grosser Platz am Tor des himmlischen Friedens, nicht Platz des himmlischen Friedens [...]
Die exzessive Gewalt ausserhalb des Platzes gegen Soldaten und Polizisten sollte man nicht vergessen [...] zusätzlich hier.
Übrigens hat die chinesische Regierung von über 300 Toten berichtet, davon fast 100 Soldaten und Polizisten, die oft bestialisch ermordet wurden.
Man sollte durchaus sehen, dass die chinesische Politik damals in einer schweren krisenhaften Situation war. Die hohe Inflation, Entlassungen, Korruption und rasant steigende Kriminalität, zusammen mit dem Legitimitätsverlust nach der Kulturrevolution, waren Quelle verbreiteten Unmuts, wobei VoA und Radio Free Asia, und Kräfte in Hongkong und Taiwan diesen nach Kräften schürten. Die Studentenproteste wurden mit Millionenbeträgen finanziert, u.a. unterhielten die Studenten einen Motorrad-Kurierdienst und andere teilweise kostspielige Infrastruktur.

Heiko (04.06.2024):
Der Westen liebt seine Massaker. Dabei ist es egal, ob es sie gar nicht gegeben hat wie in Peking oder Srebrenica oder ob man sie jemandem anderen in Schuhe schiebt wie bei Katyn. (Anm. Dikigoros: oder bei Tulle, bei Oradour, bei Marzabotto, bei Kalavrita, bei Lidice, bei Babij Jar und und und...)
Es müssen nur ausreichend viele Tote sein, damit die Moralkeule entsprechend groß ausfallen kann.

MacBodo (05.06.2024):
Zu diesem Thema solltet Ihr Alle mal den folgenden Artikel lesen! Der ist hoch interessant!
Die Ereignisse auf dem Tiananmen-Platz in Peking 20 Jahre danach - von Domenico Losurdo
VOLTAIRE NETZWERK | URBINO (ITALIEN) | 9. JUNI 2009, hier.

proforma (10.06.2024):
"Am 3. und 4. Juni 1989 schlug das chinesische Militär im Zentrum Pekings gewaltsam die Proteste der Bevölkerung nieder. Auf dem Platz selbst starben dabei keine Menschen, vielmehr wurde er nach Verhandlungen zwischen Militär und den Studenten vor der Drohkulisse aufgefahrener Panzer friedlich geräumt [...] In anderen Teilen der Stadt verloren nach Angaben von Amnesty International zwischen mehreren hundert und mehreren tausend Menschen ihr Leben."
Zum Glück lässt Herr Röper diesen Abschnitt weg (steht DIREKT vor dem zitierten Satz). Hätte ja auch sonst die ganze Argumenation zerstört. (Anm. Dikigoros: Wo liegt denn da der Widerspruch zu Röpers Argumentation?) Zum Glück überprüfen Leser ja nie die Quelle... (Anm. Dikigoros: Einige doch schon mal :-)

Avallion (10.06.2024):
Die Geschichtslügen hören aber auf dem Platz des himmlischen Friedens nicht auf.
Wir werden über so gut wie jedes historisches Ereignis belogen, dass sich die Balken biegen!


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