Die Wahlergebnisse zeigen: Es gibt ein schwarzes Deutschland und ein blaues Deutschland. Es ist auseinander gewachsen, was anscheinend doch nicht zusammengehört. Wären wir glücklicher, wenn wir uns nach 35 Ehejahren wieder trennen würden?
Die Wahlnacht brachte es an den Tag: Es gibt nicht nur ein Deutschland, es gibt zwei. Ein Blick auf die Karte der Wahlkreissieger zeigt zwei nahezu monochrome Bilder. Im Westen eine nur hier und da durch rote Tupfer unterbrochene schwarze Fläche. Im Osten eine noch seltener durch rote Tupfer unterbrochene blaue Fläche. Ein schwarzes Deutschland und ein blaues Deutschland. Es ist auseinander gewachsen, was anscheinend doch nicht zusammengehört. Sorry, Willy Brandt. Was tun, wenn ein Land zweigeteilt ist, in einen CDU/CSU-Teil und in einen AfD-Teil? Die klassische Antwort ist: Sezession.
In Amerika hat das seinerzeit nicht geklappt, als der Süden nicht mehr mitmachen wollte. Aber die Idee lebt. Zum Beispiel in Kalifornien. Dort denken einige - nicht ernsthaft, aber immerhin - darüber nach, sich aus den Vereinigten Staaten Donald Trumps zu verabschieden und es mit der Unabhängigkeit zu versuchen.
(Anm.: Anfang der 1990er Jahre dachte man darüber in Kalifornien schon einmal nach - und zwar ganz ernsthaft -, und Dikigoros hat das just auf einer Webseite über
seine erste Reise
in die damals - jedenfalls auf dem Papier - noch bestehende "DDR" thematisiert. Damals war Kalifornien nach mehreren Jahren unter Gouverneur
Ronald Reagan
der wirtschaftlich stärkste Bundesstaat der USA und hätte durchaus auf eigenen Beinen stehen können - sehr gut sogar. Aber seit einigen Jahren glaubt er nicht mehr daran, denn einige Jahrzehnte unter der Herrschaft der "woken" Democraps haben den "Heißen Ofen" wirtschaftlich dermaßen vor die Wand gefahren - inzwischen sind auch die letzten der wenigen trotz exorbitanten Steuern und Sozialabgaben noch mit Gewinn arbeitenden Unternehmen gen Osten abgewandert, vorzugsweise nach Texas -, daß eine etwaige "Unabhängigkeit" gleich mit einem Staatsbankrott beginnen müßte, d.h. der Erklärung, Schulden der Öffentlichen Hand nicht mehr bedienen zu können bzw. zu wollen; und das gilt nicht nur für den Staat, sondern auch für die meisten Städte - nicht nur die berühmt-berüchtigten "sanctuary cities" - und die meisten Gemeinden, die allesamt am Tropf der Bundesregierung in Washington hängen. Aber während Dikigoros das schreibt - im Juni 2025 - kommen Nachrichten über einen gewaltsamen Aufstand in fast ganz Kalifornien gegen die Bundesregierung. Und was in Europa als bloßer Widerstand gegen die durch Präsident Trump verkündete Abschiebung illegaler Immigranten mißverstanden wird, ist viel ernster: Da werfen nicht bloß ein paar Randalierrer Schaufensterscheiben ein und demolieren Autos, sondern da ziehen wohlorganisierte Kolonnen durch die Straßen und schwenken die mexikanische Flagge! Die haben durchaus verstanden, daß sie nicht auf eigenen Beinen stehen können; aber sie hoffen, mit Hilfe des großen Bruders im Süden - die Bevölkerung Kaliforniens besteht mittlerweile zu über 50% aus mexikanischen Zuwanderern - legal, illegal, sch...egal. Und vielleicht haben einige Leutein Mitteldeutschland auch schon ausgerechnet, daß sie sich besser stehen würden, wenn sie sich vom maroden Wessiland, das die Altparteien in den letzten Jahrzehnten wirtschaftlich und politisch völlig vor die Wand gefahren haben, trennen und statt dessen Frieden mit Rußland machen würden, mit dessen Hilfe sie durchaus auf eigenen Beinen stehen könnten. Und wenn die Polen dazwischen sich quer legen sollte, könnte man mit denen ja machen, was deren Präsident
IM Bolek
schon vor Jahren mit Deutschland machen wollte - es wäre nicht schade drum!)
Der Staat wäre stark genug, um wirtschaftlich zu überleben.
(Anm.: Nein - s.o.! Der gute R.B. hat, wenn man seiner Altersangabe trauen darf, Kalifornien wahrscheinlich zur gleichen Zeit wie Dikigoros kennen gelernt, als dort noch alles eitel Sonnenschein war, aber die Entwicklung der letzten Jahr[zehnt]e nicht mehr so genau verfolgt. Doch die Zeit bleibt nicht stehen, auch nicht in Übersee!)
Würde Trump, wie vor rund eineinhalb Jahrhunderten Abraham Lincoln, seine Truppen an die Westküste schicken? (Anm. Dikigoros: Er hat's getan - und gleich die mutmaßlich besten, die Elite-Marines, nachdem die Nationalgarde der Situation nicht allen Herr wurde.) Vermutlich, auch wenn er die komischen Kalifornier nicht ausstehen kann. Aber Präsident von nur 49 Staaten? Das würde ihm nicht passen, selbst wenn er sich, was unwahrscheinlich ist, Kanada dann eben als 50. und nicht als 51. Bundesstaat einverleiben könnte.
(Anm. Dikigoros: Warum sollte er das tun? Sich das woke Kanada - fast ebenso an den Rand der Pleite herunter gewirtschaftet wie Kalifornien - ans Bein binden? Dann doch lieber Grönland, das hat Bodenschätze, von deren Ausbeutung man die Alimentierung der paar Eskimos leicht und locker finanzieren könnte, und außerdem eine glänzende Zukunft, wenn die Erderwärmung anhält.)
Dieser kleine Ausflug soll nur illustrieren, dass so eine Sezession kein Selbstläufer ist, auch wenn der Augenschein sie nahelegt. In Europa hat es hier und da geklappt. Die Tschechen haben sich von den Slowaken getrennt und sind als zwei unabhängige Größen ziemlich beste Freunde. In Jugoslawien ging es nur mit Blutvergießen. Aber man ist glücklicher in den Einzelteilen, ob Slowenien, Kroatien oder Serbien.
Ein real existierendes blaues Deutschland?
Wären wir Deutschen auch glücklicher, wenn wir uns nach 35 Ehejahren wieder trennen würden? Es müsste natürlich so friedlich geschehen wie damals die Vereinigung. Heute würde man vielleicht Inklusion sagen. Nun, Friedrich Merz müsste sich damit zufrieden geben, ein Stück Deutschland zu regieren, wie es vor der damaligen Wende aussah. Aber das mussten auch Konrad Adenauer, Willy Brandt, Helmut Schmidt und lange Zeit sogar Helmut Kohl ertragen. Was diesen Größen recht war, sollte dem Neuen, der erst noch eine Größe werden will, billig sein.
Allerdings müsste Friedrich Merz sich dann daran gewöhnen, dass es da im Osten ein real existierendes blaues Deutschland gibt. Unter der Führung von Alice Weidel. Aber das könnte nach einer Eingewöhnungsphase durchaus klappen. Die beiden haben ja ein paar Schnittmengen, auch wenn Alice Weidel zu sehr mit Putin flirtet und Merz weiter hofft, eine wunderbare Freundschaft mit Donald Trump aus dem Hut zu zaubern.
Über heikle Fragen könnte man sich von Zeit zu Zeit diskret abstimmen, zum Beispiel in der neutralen Schweiz, im Wohnzimmer von Alice Weidel und Sarah Bossard. Auch die Namensfrage der beiden unabhängigen Staaten sollte sich mit ein bisschen Wortakrobatik gütlich klären lassen. Die Bundesrepublik Deutschland müsste sich, um nicht nach Osten übergriffig zu wirken, künftig Deutsche Bundesrepublik nennen. Alice Weidel könnte ihr Land als Ostmark eintragen lassen, da dieser Begriff ja schon lange vakant ist.
Wo bliebe die Brandmauer?
Gäbe es Eifersüchteleien? Die gibt es überall. Da ist zum Beispiel Alice Weidels guter Draht zu Elon Musk und auch Donald Trump. Da hinkt Friedrich Merz doch deutlich hinterher, obwohl er als Konservativer beim US-Präsidenten durchaus Chancen hat. Jedenfalls bessere als der immer noch übergangsweise amtierende Olaf Scholz.
Und wo bliebe in diesem Fall die Brandmauer? Muss man sie ausbauen oder einreißen? Das lässt sich heute noch nicht sagen. Es kommt darauf an, ob Alice Weidel mit ihrer Ostmark in der EU bleiben möchte. Eigentlich will sie ja nicht, aber wenn sie die Sache genauer durchrechnet, ließe sie sich vielleicht von Georgia Meloni zum Bleiben überreden. Die hat ja auch alles durchgerechnet und dann gesagt: Ich bin doch nicht blöd. Zur Sicherheit könnte Frau Weidel ja noch bei Keir Starmer nachfragen, ob sich der Brexit für England gelohnt hat.
Auch den Euro, den sie eigentlich nicht mag, würde Alice Weidel am Ende wohl doch behalten. Eine neue "Ost-Mark" hätte es schwer in der Finanzwelt. Und wenn sie sich einfach die alte westdeutsche D-Mark stibitzen würde? Dagegen würde Friedrich Merz schleunigst eine Brandmauer errichten. Im Übrigen hätte die Brandmauer ausgedient. In der EU herrscht freier Personen- und Warenverkehr. Wir hätten eine unsichtbare Grenze wie nach Österreich. Merz bräuchte auch keine Grenzkontrollen wegen illegaler Einwanderer mehr. Die würde ihm Alice Weidel vom Halse halten. Eine Win-Win-Situation.
Und Bayern?
Kurz und gut. Eine friedliche Sezession Ostdeutschlands würde viele Probleme lösen. Wie eine vernünftige Scheidung, wenn beide Partner feststellen, dass sie nicht mehr zusammenpassen. Gäbe es denn überhaupt keine Probleme, wenn beide Seiten, die schwarze und die blaue, die Konsequenzen zögen? Eines schon: Friedrich Merz müsste aufpassen, dass die vielen westlichen Weidel-Anhänger nicht allesamt nach Osten zu Alice rüber machen.
Habe ich etwas übersehen? Ach ja, was ist mit Berlin? Mit der deutschen Hauptstadt? Nun, die gehört geografisch ins blaue Deutschland. Soll sich doch Alice Weidel mit den Berlinern herumschlagen. Und Friedrich Merz? Vorwärts in die Vergangenheit? Also nach Bonn? Das wäre dem Sauerländer dann doch zu rheinisch. Im Sauerland selber gibt es keine überzeugende Hauptstadt-Kandidatin. Iserlohn? Lüdenscheid? Ist nicht das Wahre.
Frankfurt, die Finanzmetropole am Main, mit der Paulskirche und dem Entstehungsort der ersten demokratischen Verfassung, wäre eine starke Kandidatin. Aber Frankfurt hat keinen Markus Söder. Der würde schon dafür sorgen, dass Deutschlands heimliche Hauptstadt endlich aus der Heimlichkeit heraustritt und die offizielle Hauptstadt wird. Es sei denn, er nutzt die Gelegenheit, zu einer weiteren, der lang ersehnten bayerischen Sezession.
Rainer Bonhorst, geboren 1942 in Nürnberg, arbeitete als Korrespondent der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) in London und Washington. Von 1994 bis 2009 war er Chefredakteur der Augsburger Allgemeinen-Zeitung.
LESERPOST
(ausgewählt und z.T. leicht gekürzt von Dikigoros)
Chris Kuhn (26.02.2025)
[...] Ob man vielleicht besser auf die ehemaligen DDR-Bürger hätte hören sollen? Von denen wissen die Älteren genau, was es heißt, von einem Blockflötenkartell genasführt zu werden, wie es sich seit den Merkeljahren an den Machtschalthebeln aller Bundesländer etabliert hat [... Es] besteht vielmehr ein Reformbedarf quer durch die ganze Republik. Zuerst müßte die Zahl der Bundesländer halbiert werden. Den verbleibenden sollten dann subsidiär Rechte gegeben werden, wie sie etwa die US-Bundesstaaten haben. Dazu gehören eine eigene Polizei und ggf. Nationalgarde, vor allem aber eine eigene Steuerhoheit und Industriepolitik. Abgeschafft gehört der Länderfinanzausgleich mit dem jeglicher sozial- und wirtschaftspolitische Wettbewerb seit Jahren erdrosselt wird [...]
Robert Weihmann (26.02.2025)
Ja, unbedingt. Aber was machen wir mit Berlin? Wird es eine geteilte Stadt sein wie Belfast oder Jerusalem? Oder bauen wir um Westberlin eine Mauer und bekommen dann eine Art Gaza-Streifen, aus dem heraus durchgedrehte Linksextremisten Ostberlin und Brandenburg terrorisieren?
Sabine Ehrke (26.02.2025)
[...] Ich würde zurück fliehen nach Sachsen.
Wolfgang Weber (26.02.2025)
[...] Es gibt keine Mehrheiten in der ehemaligen DDR, die Ihre Vorstellungen teilen. In Thüringen haben 38,6% am Sonntag die AfD gewählt, d.h. dass über 61% der Thüringer die AfD nicht wollten. In Meck-Pomm waren es 35%, die die AfD wählten, also 65% wollten die nicht. In allen östlichen Bundesländern kamen BSW und Linke zusammen je Bundesland auf über 20% der Stimmen, teilweise sehr deutlich. Beide Parteien sind für "Asyl". Irgendein Einstein der Linken hat vor einigen Tagen sogar gefordert, dass wir zwei Millionen Flüchtlinge aufnehmen sollten, und zwar jährlich. Die PDS/Linke ist ideologisch gesehen praktisch reines Erbe der DDR. Was dem Wessi seine Grünen, sind dem Ossi seine PDS/Linke/BSW. Egal ob Grüne oder Linke: Sie wollen unser Land mit "Facharbeitern" überschwemmen. Viele Ossis sind sehr wehleidig und jammern immer über die blöden Wessis mit ihren Grünen, aber übersehen dabei, dass der Stimmenanteil für Linke/BSW größer ist als der für die Grünen. Und in den östlichen Bundesländern sind beide zusammen sogar eine über 20%-Kraft [...] Hat irgendwer den Ossis die Dee Maak aufoktroyiert oder die Ansicht, dass Bananen viel besser schmecken als langweilige deutsche Äppel? Oder Blabla-Sekt besser ist als Rotkäppchen-Sekt, weil er westlich ist oder Coca-Cola überhaupt total geil? Nein, das haben sich die Ossis alles selbst suggeriert. Das waren alles immer langgehegte Sehnsüchte. Und jetzt müsst ihr halt den Preis dafür bezahlen. Umsonst ist nur der Tod. Euch steht genau wie uns der Untergang bevor.
Titanic ahoi!

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