Die Mitteilung zum "Europäischen Demokratieschild" klingt derart verrückt, dass es tägliche Sondersendungen in ARD und ZDF dazu geben müsste. Hier wird ganz offen eine Kontroll-, Zensur- und Propaganda-Infrastruktur von Orwellschem Ausmaß aufgebaut.Es könnte Realsatire sein. Ist es aber nicht. In ihrer Pressemitteilung zum neuen "europäischen Demokratieschild" zitiert die EU-Kommission am 12. November ihre Präsidentin Ursula von der Leyen wie folgt: In Zeiten des Digital Services Act (DSA) der EU, der direkt Denunziations-Meldestellen (die so genannten " Trusted Flaggers") nach sich zieht, ist es um Redefreiheit und unabhängige Medien in Wahrheit nicht gerade gut bestellt. Und wie "widerstandsfähig" die Institutionen sind und waren, lässt sich überdeutlich etwa am Paul-Ehrlich-Institut (PEI) während der Corona-Jahre ablesen: Statt die Impfstoffsicherheit zu überwachen, wie es seine Aufgabe gewesen wäre, machte es sich zum Handlanger der Pharma-Industrie und der Politik. Was zwar nicht wirklich verwundert – da das PEI eine Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit ist –, aber katastrophale Folgen für zahllose Geimpfte hatte. Auch was von der Leyen als "lebendige Zivilgesellschaft" bezeichnet, ist das genaue Gegenteil davon, nämlich regierungsnahe NGOs ("Nichtregierungsorganisationen") und Stiftungen. Und besonders um sie geht es bei dem neuen "Demokratieschild". Denn ausdrücklich mit dem „Demokratieschild“ verbunden sind der Aufbau und die „nachhaltige“ Finanzierung eines europäischen Netzes von vorgeblichen "Faktenprüfern". NGOs und Stiftungen als Partnerinnen in der "Regierungsführung"Angekündigt hatte die EU-Kommission diesen Schutzschild bereits Ende letzten Jahres. Konkret hat sie nun zwei Dokumente vorgelegt: eine Mitteilung über den europäischen Demokratieschild, die 30 pdf-Seiten umfasst, und eine Mitteilung über die EU-Strategie für die Zivilgesellschaft, die 21 Seiten zählt. Dazu gibt es dann jeweils noch ein "Factsheet". (Anm. Dikigoros: Oder nicht eher Factshit [Sch... auf die Fakten]?!?) Die EU-Strategie für die Zivilgesellschaft umfasst vor allem drei Punkte: die Stärkung einer "wirksamen und sinnvollen Zusammenarbeit" mit der Zivilgesellschaft als Partnerin in der Regierungsführung, die Schaffung eines "offenen, sicheren und förderlichen zivilgesellschaftlichen Raums durch Unterstützung und Schutz zivilgesellschaftlicher Organisationen" (Anm. Dikigoros: Fußballvereine? Karnevalsvereine? Oder was sonst "lebt" in dieser Gesellschaft denn noch?!?) sowie die Unterstützung zivilgesellschaftlicher Organisationen durch "angemessene, nachhaltige und transparente Finanzierung" (Anm. Dikigoros: Natürlich auf Kosten der Steuerzahler). Die EU-Kommission gibt hier also unumwunden zu, dass sie NGOs und Stiftungen als Partnerinnen in der "Regierungsführung" versteht – und zwar in allen Politikbereichen und in allen Phasen der Politikgestaltung. Außerdem soll die Strategie zu einer "größeren Kohärenz" zwischen den internen und externen Aktivitäten der EU sowie deren Erweiterungsländern (Anm. Dikigoros: Was ist denn das schon wieder?!?) führen. Dabei rechtfertigt die Kommission ihre Strategie damit, dass sie sich auf die "Eurobarometer"-Umfrage 2023 bezieht. (Anm. Dikigoros: Barometer messen den Druck - seit wann machen sie Umfragen?!?) Demnach seien die Europäer der Ansicht, dass zivilgesellschaftliche Organisationen eine wichtige Rolle bei der Förderung und dem Schutz der Demokratie und anderer EU-Werte spielen. Allerdings fehle es den zivilgesellschaftlichen Akteuren an Daten, sodass ein Bedarf an weiterer Datenerhebung und -überwachung bestehe. Die Kommission hat sich nun dazu verpflichtet, eine Plattform einzurichten, um ihre Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Organisationen zu intensivieren. Zusätzlich soll es ein „Online-Wissenszentrum für den zivilgesellschaftlichen Raum“ geben. Nicht zuletzt sichert die Kommission den ihr genehmen NGOs jedoch finanzielle Unterstützung zu. Dass es dabei mit der beschworenen Transparenz nicht weit her ist, hat der EU-Rechnungshof schon mehrfach moniert. Warum die EU-Kommission überhaupt die von niemandem gewählten NGOs zu Partnern für ihre Politikgestaltung erklärt, wird nicht weiter thematisiert. Dafür spielt das Thema "Wahlen" eine entscheidende Rolle im "Demokratieschutzschild", denn hier wird von "Bedrohungen für die Integrität von Wahlen" ausgegangen. Damit meint die Kommission insbesondere ausländische Informationsmanipulation und Einmischung (FIMI) sowie "Desinformation". (Anm. Dikigoros: also nicht etwa Wahllügen und gebrochene Wahlversprechen.) Ihre eigene Einmischung etwa in die Präsidentschaftswahlen in Rumänien versteht sie hingegen offenbar nicht darunter. Stattdessen geht es ihr eindeutig um weitere Zentralisierung. Denn sie will ein neues "Europäisches Zentrum für demokratische Resilienz" installieren. Vorgeblich, um "Fachwissen und Kapazitäten aus den Mitgliedstaaten, den EU-Beitrittsländern und potenziellen Beitrittsländern sowie den Organen, Einrichtungen, Ämtern und Agenturen der EU, einschließlich des Europäischen Auswärtigen Dienstes (EAD), zusammenführen". Damit soll der Informationsaustausch erleichtert und die operative Zusammenarbeit unterstützt werden. "Unabhängiges europäisches Netzwerk von Faktenprüfern"Außerdem will die Kommission gemeinsam mit dem Europäischen Ausschuss für digitale Dienste ein "Protokoll für Vorfälle und Krisen im Rahmen des DSA" ausarbeiten, um die Koordinierung zwischen den zuständigen Behörden zu vereinfachen und eine rasche Reaktion auf "groß angelegte und potenziell grenzüberschreitende Informationsoperationen" zu gewährleisten. Darüber hinaus schweben der Kommission Maßnahmen zur Verbesserung der Erkennung von KI-generierten Inhalten vor, die in sozialen Medien verbreitet werden, sowie freiwillige Tools zur Nutzerüberprüfung. Dabei sollen die digitalen EU-Identitätsbörsen, die EU-Bürgern und -Einwohnern bis Ende 2026 zur Verfügung stehen sollen, derartige Maßnahmen erleichtern und das Vertrauen und die Sicherheit bei Online-Interaktionen fördern, indem sie eine vermeintlich sichere Identifizierung und Authentifizierung ermöglichen. Nicht zuletzt soll mit Unterstützung der Kommission ein "unabhängiges europäisches Netzwerk von Faktenprüfern" (Anm. Dikigoros: Unabhängig wovon? Von Fakten? "To check" heißt ja eigentlich "in Schach halten" - sollen also die Fakten in Schach gehalten werden?!?) eingesetzt werden, dessen Arbeit in die Stakeholder-Plattform des Europäischen Zentrums für demokratische Resilienz einfließen wird. Wörtlich heißt es dazu:
Und es geht noch weiter: Die Europäische Beobachtungsstelle für digitale Medien (EDMO) soll ein pan-europäisches, unabhängiges und interdisziplinäres Netzwerk für Forschung und Analyse zur Bekämpfung von Desinformationskampagnen bieten. Im Rahmen eines erweiterten Mandats wird die EDMO laut EU-Kommission in der Lage sein, neue Überwachungs- und Analyse-Kapazitäten zu entwickeln, um die "Lageerkennung" insbesondere im Zusammenhang mit Wahlen oder in Krisensituationen zu unterstützen. Auch "proaktive strategische Kommunikationskampagnen in vorrangigen Regionen" sollen durchgeführt werden. (Anm. Dikigiros: Was ist der Unterschied zwischen "aktiv" und "proaktiv"? Und gibt es auch ein Wort "antiaktiv"?) Und sogar auf "Influencer" will die EU ihre Kontrolle ausweiten. (Anm. Dikigoros: Was ist denn das schon wieder? Leute, die an Influenza leiden? Und müßte es nicht Schutz vor demokratischer MeinungsvielfaltDie Kommission bekennt sich explizit zur Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, die es diesem ermöglichen soll, den "demokratischen, sozialen und kulturellen Bedürfnissen der Gesellschaft gerecht zu werden und Pluralismus, einschließlich kultureller und sprachlicher Vielfalt, zu gewährleisten". Von Pluralismus der öffentlich-rechtlichen Medien ist in der Realität allerdings wenig zu spüren. Schließlich ist noch der schöne Satz zu lesen: "Engagierte und mündige Bürger sowie eine aktive Zivilgesellschaft (Anm. Dikigoros: Vielleicht sogar eine proaktive Zivilgesellschaft?!?) sind das Rückgrat der Demokratie." Doch die EU-Kommission will in Wahrheit gerade nicht den mündigen, gut informierten und kritischen Bürger. Denn dieser würde sie allzu leicht durchschauen. Im Gegenteil: Die EU-Kommission entmündigt die Bürger. So will sie allen Ernstes einen "EU-Demokratie-Leitfaden für Bürger" vorlegen und einen jährlichen Preis für "demokratische Innovation" vergeben. Noch dazu will sie spezielle "Sensibilisierungskampagnen" durchführen, um zu verdeutlichen, warum Demokratie wichtig ist und wie alle Bürger, einschließlich junger Menschen, ihre demokratischen Rechte ausüben und sich Gehör verschaffen können. Sogar Verteidigungsausgaben definiert sie dabei als Mittel zur Stärkung der demokratischen Widerstandsfähigkeit, z.B. durch Investitionen in "Cybersicherheit". Insgesamt klingt die Mitteilung zum Europäischen Demokratieschild derart verrückt, dass tägliche Sondersendungen in ARD und ZDF dazu geben müsste. Doch darauf hofft man natürlich vergeblich. Regt sich wenigstens politischer Widerstand im EU-Parlament? Vereinzelt schon. In einer Pressemitteilung der ESN-Fraktion vom 12. November gibt Christine Anderson folgendes Statement ab: Kurz: Mit ihrem "Europäischen Demokratieschild" schützt die EU-Kommission nicht die Demokratie, sondern sich selber! LESERPOST
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