Verteidigungsminister will neue Wehrpflicht. (Nur für reguläre Männer, klar. Wenn es ernst wird, hören Feminismus und anderer Quatsch auf.) Deutschland soll »kriegstüchtig« werden, und Krieg bedeutet Sterben. Die Frage bleibt: Sterben wofür und für wen?Freunde der kriegstüchtigen Worte! Der Herr Verteidigungsminister Boris Pistorius (Anm. Dikigoros: lateinisch für "Bäcker" - nicht "Becker" :-) will die Wehrpflicht in Deutschland in einer neuen Form wieder einführen - nach 13 Jahren "ausgesetzter" Wehrpflicht. Gleich berichte ich mehr Details, doch zunächst eine kriegstüchtige Metapher! Im Grunde eher feigeStellt euch vor, ihr lebt in einer kleinen Stadt, und aus heiterem Himmel beschließt der Bürgermeister, die Bürger für die "freiwillige" Feuerwehr zu verpflichten. (Pflicht zur Freiwilligkeit ist für Politiker kein Widerspruch. Denkt nur an den "Solidaritätszuschlag" oder die total "freiwillige" Impfung.) Den Leuten, die jetzt plötzlich zu Feuerwehrleuten erklärt wurden, stellen sich Fragen: "Was weiß der Bürgermeister, was wir nicht wissen? Woher die plötzliche Eile?" Doch die Fragen haben einen Kontext, der die gefühlte Glaubwürdigkeit der neuen Forderung wackelig dastehen lässt. Jahrelange ließ der Bürgermeister den eigenen Leuten einreden, dass ihr Dorf und ihre Häuser eigentlich nichts wert seien. (Der Bürgermeister war reichlich unbeliebt, aber durch Tricks hielt er sich dennoch an der Macht.) Eigentlich waren die Häuser gar nicht wirklich ihre, so sagte der Bürgermeister den Leuten. Sein Haus schützen zu wollen, das sei geradezu "böse" im biblischen Sinne, so versichert der Pfarrer (der zufälligerweise ein enger Freund des Bürgermeisters war). Und "stolz" zu sein auf sein Dorf, das sei geradezu eine Todsünde. Man hatte sich damit abgefunden, dass der Bürgermeister das so sah. Man übte sich darin, sein Haus zu pflegen und doch so zu tun, als sei es einem egal. Manche spekulierten, dass der Bürgermeister darauf spekulierte, die Häuser billig aufzukaufen. Doch so richtig laut sagten es nur wenige. Die Leute waren im Grunde eher feige. Umso verwunderlicher war die Angelegenheit, als plötzlich der Bürgermeister die Leute als "freiwillige" Feuerwehrleute verpflichten wollte. Okay, eher so "weich" verpflichten. Die Leute werden gefragt, und wer nicht das Dorf vor Feuer retten will, muss es explizit sagen. Ein Dorf von Feiglingen, das darauf gedrillt war, feige zu sein und die eigenen Häuser zu verachten, sollte plötzlich lernen, ebendiese Häuser mutig zu verteidigen? Unter Einsatz ihres Lebens in die Flammen rennen? Anm. Dikigoros: Ach, wenn es denn so einfach wäre, lieber Dushan Wegner! In Wahrheit ist es viel komplizierter: Unser Bürgermeister ist zufällig mit einem anderen Bürgermeister befreundet, dessen Dorf ein paar tausend Kilometer entfernt liegt. Dort brennt es, weil jener andere Bürgermeister seinen Untertanen die Dächer über den Häusern angezündet hat. Nun ist aber die Feuerwehr von dessen Nachbardorf angerückt, pardon, eingerückt, um den Brand zu löschen. Das paßt aber dem dortigen Bürgermeister überhaupt nicht. Da er selber kein anderes Mittel mehr weiß, um seine löbliche Tat zu vollenden - denn seine blöden Untertanen haben die Feuerwehr vom Nachbardorf willkommen geheißen und hoffen inständig, bald von ihrem Bürgermeister befreit zu werden -, will jener nun, daß wir unsere Feuerwehrleute in sein Dorf schicken - nicht etwa, um den Brand zu löschen, sondern um die benachbarten Feuerwehrleute hinauszuwerfen, die verhindern wollen, daß es ganz niederbrennt. Und da fragt man sich allerdings, ob das die Aufgabe unserer Feuerwehrleute sein kann... (Hier schreibt ein Feigling, der zwar selber auch mal freiwillig bei der damals nicht ganz so freiwilligen Feuerwehr war - aber nur, weil er glaubte, daß nie ein Brand ausbrechen würde und daß er nie zum Löscheinsatz ausrücken müßte. Und zum Glück lag er damals mit diesem seinem Glauben richtig.) Daseiende mit EiernIm angeblich realen und angeblich besten Deutschland aller Zeiten überlegt der Verteidigungsminister Boris Pistorius, die vor 13 Jahren ausgesetzte Wehrpflicht in einer neuen Form wieder aufleben zu lassen, so wird aktuell wieder gemeldet (siehe dazu focus.de, 12.6.2024). Geplant ist, junge Männer zu verpflichten, in einem Fragebogen ihre Bereitschaft und Fähigkeit zum Dienst anzugeben und sich bei Auswahl einer Musterung zu stellen. Man geht davon aus, dass 400.000 Männer pro Jahr den Fragebogen ausfüllen werden. Dass etwa ein Viertel ein Interesse bekunden wird. Und dann wird man etwa 40.000 zur Musterung bestellen. (Anm. Dikigoros: Die Bw ist - zur Zeit noch - eine "Freiwilligenarmee". Von diesen Freiwilligen haben sich für das Ansinnen, eine Brigade für den Kampfeinsatz von Estland aus gegen Rußland ganze 40 - vierzig - gemeldet. Die Zahl der Bewerber reicht z.Z. nicht mal aus, um die bisherige Friedensstärke jener Gurkentruppe aufrecht zu erhalten :-) Es ist eine "freiwillige Wehrpflicht" - und wer nicht kämpfen will, muss es explizit sagen. Der Dienst könnte sechs oder zwölf Monate dauern. (Und natürlich nur Männer. Wie still plötzlich all die Feministinnen sind! Allerdings können sich Männer aktuell zu Frauen erklären lassen, sie müssen es nur rechtzeitig vor Kriegsbeginn tun.) Pistorius will heute den Verteidigungsausschuss des Bundestags informieren und die Pläne am Nachmittag der Öffentlichkeit vorstellen. Trotz Widerstands innerhalb der SPD und anderen Parteien wie den Grünen und der FDP verfolgt Pistorius entschlossen seine Idee. Man will Deutschland kriegstüchtig machen, um gemeinsam mit den NATO-Verbündeten glaubhaft "abzuschrecken". Wer ist es, den man "abschrecken" will? Ich selbst denke beim "Abschrecken" ja an gekochte Eier, die man nach dem Kochen mit kaltem Wasser abspült, damit die Schale sich besser löst. Herr Pistorius will aber wohl [...] eher "den Russen" abschrecken. (Anm. Dikigoros: Da kann "der Russe" bloß lachen und sagen: "Bäcker, bleib bei denen Brötchen und verpiss dich aus unserem Grenzland!" :-) Und dafür braucht er einige 'zigtausende deutsche Männer, oder, wie man in grün befallenen Redaktionen sagt: Schon-länger-Daseiende mit Eiern. Irgendwelche positiven GefühleDie Einführung einer neuen Wehrpflicht bringt mehrere ethische Dilemmata mit sich. Ist es gerecht, junge Männer zu einem solchen Dienst zu motivieren? Selbst wenn der Einsatz tatsächlich freiwillig ist, auch nicht bloß "freiwillig" aus sozialer Not, stellt sich die Frage: Darf man junge Männer motivieren wollen, im Auftrag der Politik ihr Leben zu riskieren, wenn wir ahnen, dass sie bei entsprechender Reife einige Jahre oder Jahrzehnte später ganz anders entscheiden würden? Darf man überhaupt irgendwen auffordern, potenziell zu sterben im Auftrag von Politikern, von denen wir zumindest rational annehmen dürfen, dass sie das Volk belügen und zum Schaden des Volkes und Landes handeln? Und dann die generelle Motivation: Über Jahre wurde den Deutschen eingetrichtert, dass es unmoralisch sei, seinem Land und seinem Volk gegenüber irgendwelche positiven Gefühle zu hegen. Es trägt also schlicht keine Bedeutung, wenn man verlangen will, "für dieses Land" oder gar "für sein Volk" zu sterben - für wen und was aber dann? (Anm. Dikigoros: Für andere Länder und andere Völker - vor allem das "auserwählte", dessen Angehörige heuer in allen Ländern des "Wertewestens" - und der Ukraïne - herrschen, mal direkt, mal indirekt hinter den Kulissen durch ihre Marionetten.) Interessen und VermögenStellen wir uns vor, dass ein Dorf-Bürgermeister sagt: "Eure Häuser sind nichts wert, und es sind eigentlich gar nicht wirklich eure Häuser, verteidigt sie mit eurem Leben gegen Flammen!" Die Bürger würden sehr heftig hinterfragen, wessen Interessen und Vermögen sie als Feuerwehrleute wirklich verteidigen würden. Es schmerzt mich, das zu sagen: Ähnlich verhält es sich heute mit einer Aussetzung der Aussetzung der Wehrpflicht. Über Jahre wurde den Deutschen gesagt, dass es falsch sei, patriotisch zu sein und sich verteidigen zu wollen. Nun, angesichts angeblicher neuer Bedrohungen soll man das Land dann aber doch verteidigen? Der Bürger fragt sich, wessen Interessen und Vermögen sie wirklich als Soldaten verteidigen sollen. Etwas Gutes daranDeutschland soll also wieder "kriegstüchtig" werden. Was halten wir davon? [...] In den letzten Jahren führt Deutschland vor allem Krieg gegen die Vernunft, gegen das eigene Volk und natürlich gegen die deutsche Wirtschaft. Jetzt soll man also wieder in der Lage sein, einen "richtigen" Krieg zu führen, mit Bomben und Blut, mit Stiefeln und Strammstehen und Sterben. Es mag überraschend klingen, doch ich finde etwas Gutes daran: Wer ein Volk auf einmal "kriegstüchtig" machen will, wer die Männer zum Sterben für eine bestimmte Struktur motivieren will, der sagt damit, dass diese Struktur "relevanter" ist als das Leben dieses Einzelnen. Damit aber zwingt die Politik uns ungewollt eine denkbar notwendige Debatte auf: Was sind in Deutschland wirklich relevante Strukturen? Wohnung und HeimatWas ist, ja, der Sinn und Zweck Deutschlands, der so wichtig ist, dass Menschen dafür sterben sollen? Der Feuerwehrmann rettet Häuser, weil sie es wert sind, gerettet zu werden, als Wohnung und Heimat der Menschen darin. Ich finde ja, deutsche Soldaten sollten keine geringere Motivation als Feuerwehrleute haben dürfen. Die Beantwortung der Frage nach dem "Sinn von Deutschland" wäre ja nicht nur für Soldaten nützlich! Wenn wir endlich wieder diesen größeren "deutschen Sinn" haben, dann finden wir vielleicht auch eine moralische Begründung für absurde Steuern und Abgaben. Der Soldat auf dem Schlachtfeld ist nicht der einzige Deutsche, der sich fragt: Ist es das alles wert? weiter zu Wer will dieses Land überhaupt noch verteidigen? zurück zu Wir müssen kriegstüchtig werden! zurück zu Wie man eine potëmkinsche Landesverteidigung aufbaut zurück zu Deutsche Schüler werden auf Krieg gedrillt zurück zu Soll das Friedensprojekt Europa kriegstauglich werden? |