Klima-Schützer entschuldigt sich für
Panikmache und Desinformation

(Deutsche Wirtschaftsnachrichten, 17. Juli 2020)

Kürzungen und ergänzende Links: Nikolas Dikigoros

Ein weltweit renommierter Klimaschützer entschuldigt sich für die "Klima-Angst", die die Umweltbewegung und er in den vergangenen 30 Jahren erzeugt haben.

Michael Shellenberger ist ein weltweit renommierter Umweltaktivist. Er ist Mitbegründer des Breakthrough Institute und Gründer von Environmental Progress. 2008 wurde er vom Time Magazine zum "Hero of the Environment" ernannt. Doch 2020 veröffentlichte er ein Buch mit dem Titel „Apocalypse Never: Warum Umweltalarmismus uns alle schmerzt“. Darin rechnet er mit der internationalen Klimabewegung ab, der er gezielte Panikmache vorwirft.

Shellenberger führt in einer Stellungnahme aus:

"Im Namen von Umweltschützern überall auf der Welt möchte ich mich förmlich für die Klimaangst entschuldigen, die wir in den vergangenen 30 Jahren erzeugt haben. Der Klimawandel findet statt. Nur, er ist nicht das Ende der Welt. Er ist nicht einmal unser größtes Umweltproblem. Es mag seltsam erscheinen, daß ausgerechnet ich dies sage. Schließlich bin ich seit 20 Jahren Klima-Aktivist und seit 30 Jahren Umweltschützer. Aber als Energie-Experte, der vom US-Kongress als Sachverständiger herangezogen und vom Weltklimarat IPCC als Gutachter des nächsten Klimaberichts eingeladen wurde, fühle ich mich verpflichtet, mich dafür zu entschuldigen, wie sehr wir Umweltschützer die Öffentlichkeit in die Irre geführt haben.

Hier sind einige Fakten, die nur wenige Menschen kennen:

  • Der Mensch verursacht kein „sechstes Massenaussterben“.
  • Der Amazonas ist nicht „die Lunge der Welt“.
  • Der Klimawandel verschlimmert Naturkatastrophen nicht.
  • Brände sind seit 2003 weltweit um 25% zurückgegangen.
  • Die Landfläche, die wir für Fleisch verwenden – der größte Flächenverbrauch der Menschheitsgeschichte –, ist um eine Fläche zurückgegangen, die fast so groß ist wie Alaska.
  • Nicht der Klimawandel, sondern die Zunahme von Holz als Brennstoff und mehr Häuser in Waldnähe erklären, warum es in Australien und Kalifornien mehr und gefährlichere Brände gibt.
  • Kohlenstoff-Emissionen gehen in den meisten reichen Ländern zurück und sind in Großbritannien, Deutschland und Frankreich seit Mitte der 1970er Jahre rückläufig.
  • Die Niederlande wurden reich und nicht arm, während sie sich an ein Leben unterhalb des Meeresspiegels anpassten.
  • Wir produzieren 25% mehr Nahrungsmittel als wir brauchen, und die Nahrungsmittel-Überschüsse werden weiter steigen, wenn die Welt wärmer wird.
  • Der Verlust von Lebensraum und das direkte Töten von Wildtieren sind eine größere Bedrohung für die Artenvielfalt als der Klimawandel.
  • Holz als Brennstoff ist für Menschen und Wildtiere weitaus schlechter als fossile Brennstoffe.
  • Die Vermeidung künftiger Pandemien erfordert mehr, nicht weniger „industrielle“ Landwirtschaft.

Ich weiß, daß die o.g. Fakten für viele Menschen wie „Klima-Leugnung“ klingen. Aber das zeigt nur die Macht des Klima-Alarmismus. Tatsächlich stammen diese Fakten aus den besten verfügbaren wissenschaftlichen Studien, die u.a. vom Weltklimarat IPCC, der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, der Internationalen Union für die Erhaltung der Natur und anderen führenden wissenschaftlichen Gremien durchgeführt oder akzeptiert wurden.

Einige Leser könnten meinen, daß ich ein rechtsgerichteter Anti-Umweltschützer sei. Das bin ich nicht [...] Mit 16 Jahren wurde ich zum Umweltschützer, als ich eine Spendensammlung für das Rainforest Action Network veranstaltete. Mit 27 half ich, die letzten ungeschützten Mammutbäume in Kalifornien zu retten. In meinen 30er-Jahren setzte ich mich für erneuerbare Energien ein und trug erfolgreich dazu bei, die Regierung davon zu überzeugen, 90 Milliarden US-$ in sie zu investieren. Um einen starken Anstieg von Emissionen zu verhindern, arbeitete ich in den vergangenen Jahren dafür, Kernkraftwerke zu erhalten, damit sie nicht durch fossile Brennstoffe ersetzt werden.

Aber bis letztes Jahr habe ich es größtenteils vermieden, mich gegen die Klima-Panik auszusprechen. Das liegt z.T. daran, daß es mir peinlich war. Immerhin bin ich des Alarmismus genauso schuldig wie andere Umweltschützer. Jahrelang habe ich den Klimawandel als eine „existenzielle“ Bedrohung der menschlichen Zivilisation bezeichnet und ihn eine „Krise“ genannt.

Vor allem hatte ich Angst. Ich schwieg über die Klima-Desinformationskampagne, weil ich Angst hatte, Freunde und Geld zu verlieren. Die wenigen Male, die ich den Mut aufbrachte, die Klimawissenschaft vor denen zu verteidigen, die sie falsch darstellen, hatte ich heftige Konsequenzen zu tragen. Und so stand ich meist daneben und tat nichts, wenn meine Mitstreiter im Umweltschutz die Öffentlichkeit in Angst und Schrecken versetzten.

Ich schwieg sogar, als Leute im Weißen Haus und in den Medien versuchten, den Ruf und die Karriere eines herausragenden Wissenschaftlers, Ehrenmannes und Freundes von mir, Roger Pielke jr., eines lebenslang fortschrittlichen Umweltschützers [...] zu zerstören. Warum haben sie das getan? Weil seine Forschung beweist, daß Naturkatastrophen nicht schlimmer werden. Letztes Jahr [...] sagte Alexandria Ocasio-Cortez: "Die Welt wird in 12 Jahren untergehen, wenn wir den Klimawandel nicht bekämpfen." Großbritanniens profilierteste Umweltgruppe behauptete: "Der Klimawandel tötet Kinder."

Der Öko-Journalist Bill McKibben bezeichnete den Klimawandel als die „größte Herausforderung, der sich die Menschen je gestellt haben“ und sagte, er werde „Zivilisationen auslöschen“. Mainstream-Journalisten berichteten wiederholt, daß das Amazonasgebiet „die Lunge der Welt“ sei und daß die Abholzung der Wälder wie eine explodierende Atombombe sei.

Daraufhin gab die Hälfte der im vergangenen Jahr weltweit befragten Menschen an, daß sie glauben, der Klimawandel werde die Menschheit aussterben lassen. Und im Januar erzählte eines von fünf britischen Kindern den Meinungsforschern, daß es Albträume über den Klimawandel habe.

Ob Sie nun Kinder haben oder nicht, Sie müssen erkennen, wie falsch das ist. Ich gebe zu, daß ich vielleicht besonders empfindlich bin, weil ich eine Tochter im Teenageralter habe. Nachdem wir über die Wissenschaft gesprochen hatten, war sie beruhigt. Aber ihre Freunde sind zutiefst fehlinformiert und verständlicherweise verängstigt.

Ich beschloß daher, daß ich meine Meinung offen aussprechen muß.“


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