
Die Herrschaften, die an vorderster Front den Wirtschaftsstandort Deutschland samt seiner Industrie zerstört haben, werden für Ihr Versagen fürstlich belohnt. Beispiele sind Ex-VW-Chef Herbert Diess, Ex-Kanzlerin Angela Merkel und Energiewende-Papst Patrick Graichen. Vollversorgung gepaart mit Selbstgefälligkeit sind das Markenzeichen der Generation Abrissbirne. Und die Nachfolger sind nicht besser.Der wohlhabende Rentner lächelt im bäuerlich grünen Hemd breit in die Kamera, von einem handgeflochtenen Strohhut vor der spanischen Sonne geschützt. Ein Dreitagebart lässt erkennen, dass er sich nicht mehr den biederen Konventionen in der Volkswagen-Chefetage unterwerfen muss. Nun ist er so frei wie der Weißstorch, der im blauen Himmel über das Anwesen hinweg zieht. Der Storch befindet sich im Anflug auf den Naturpark Marismas de Santoña, Victoria y Joyel, der Rentner im Anflug auf „Das neue Leben des Herbert Diess“, wie das Magazin „Capital“ ein Portrait des ehemaligen VW-Chefs geradezu lyrisch überschreibt. Ein Reporter hat Diess in seinem zum Designer-Hotel („mit Traumblick auf den Río Asón“) umgebauten historischen Anwesen „Pico Velasco“ besucht, wo der „glückliche Manager“, als Luxus-Landwirt residiert. Der „Camino del Norte“ des Jakobsweges führt nicht weit entfernt vorbei und bietet Gelegenheit zur spirituellen Sinnsuche. „Der schmale Mann stapft die Weide hinauf, immer um die Kuhfladen herum“, beobachtet der wohlmeinende Reporter, „dann bleibt Herbert Diess stehen. Er weist auf das Hotel, die Festgesellschaft oben auf der Terrasse, ein runder Geburtstag vielleicht. Von dort zieht sich in einer weiten Ebene das Marschland bis zur Küste hier in der nordspanischen Provinz Kantabrien. Gleich unterhalb sind die Ländereien des Herbert Diess. Störche kreisen im hoffnungsblauen Himmel, die Rinder kauern sich im Schatten einer Eiche. Unten in der Ferne das Meer. Vom Hotel wehen Musikfetzen herab“. Diess beobachtet die Szenerie nach der Schilderung mit einer gewissen pekuniären Genugtuung: „Sehen Sie, das gefällt mir jetzt“. Von den Gästen gebe jeder schätzungsweise 100 Euro aus. Acht bis zehn blieben bei ihm hängen – endlich laufe die Sache. Die Menüführung war so zielführend wie ein Irrgarten im Botanischen GartenEs läuft überhaupt gut für Herbert Diess, er müsste auch ohne die zehn Euro Reibach durch die gut gelaunte Ess- und Trinkgesellschaft auf der Terrasse nicht darben. Obwohl seit Mitte des Jahres 2022 als Volkswagen-Chef stillgelegt, erhielt er aufgrund einer vorausschauenden Vertragsgestaltung für das Jahr 2025 noch einmal 7,93 Millionen Euro „gewährte und geschuldete“ Vergütung plus 1,08 Millionen Euro „Versorgungsaufwendungen“, insgesamt 9,011 Millionen Euro. In Summe flossen ihm zwischen 2022 und 2025 "rund 36,9 Millionen Euro zu, inklusive Aufwendungen für seine Altersversorgung" rechnet das Handelsblatt zusammen. Die Tagesschau meldet derweil „Gewinn bei VW um fast die Hälfte eingebrochen“, Bild assistiert: „VW streicht 50.000 Stellen“ und Focus bilanziert: „Gewinne brechen ein, Porsche stürzt ab, 120.000 Mitarbeiter verzichten auf Geld“. Und die Schönschreiber verfassen einfühlsame Portraits über den Mann, der zu diesem Desaster maßgeblich beigetragen hat. Nieten haben in Deutschland nichts zu befürchten, so lange sie die richtige Gesinnung spazieren fahren. Und das tat Diess ausgiebig. Beispielsweise indem er VW-Stammkunden mit der Forderung nach höheren Kraftstoffpreisen vor den Kühler stieß und seiner Belegschaft mit eine Applaus für das geplante Verbrennerverbot ab 2035 ins Gemächt trat. Auch ließ er mal eben so en passant fallen, dass sich in Wolfsburg 30.000 Mitarbeiter einen schönen, aber nutzlosen Lenz machen würden, die im aufziehenden elektrischen Paradies nicht mehr benötigt würden. Und so stellte er sämtliche Volkswagen-Weichen in Richtung einer politisch gewünschten voll-elektrischen Zukunft, wobei es ihm nicht unbedingt um den Verkauf von Autos ging, sondern in erster Linie um den Verkauf seiner selbst. Gemäß der Einsicht, dass man einem Bekloppten nicht erklären kann, dass er bekloppt ist (Dieter Bohlen), beschloss er, den Bekloppten in Berlin das Händchen zu halten und zu erzählen, was sie hören wollten. Und schwupps wurde er zum Visionär befördert, und alle waren lieb zu ihm und seinem Bankkonto. Bedauerlicherweise erweist sich die E-Auto-Wende als Sonntagsausflug ins Niemandsland (wie hier seit Jahren vorhergesagt), nicht nur im Volkswagen-Konzern, sondern auch anderswo (ganz aktuell übrigens bei Honda). Oder etwas deutlicher formuliert: Diess verkaufte Visionen, für die normale Patienten auf die Couch geschickt werden. Nun kann man, so sah es zunmindest Abraham Lincoln, alle Leute eine Zeit lang verarschen, und man kann einen Teil der Leute die ganze Zeit verarschen, aber man kann nicht alle die ganze Zeit verarschen. (Anm. Dikigoros: Lincoln sagte nicht "verarschen", sondern er gebrauchte das Wort "to fool [zum Narren halten]".) Und so folgte der Transformation von Volkswagen zur Elektromobilität die Transformation von Herbert Diess zum Rinderbaron. Nebenbei lässt er sich nicht nehmen, sogenannte Start-Ups beim Verbrennen von Geld anderer Leute zu beraten, etwa als „Executive Chairman des Verwaltungsrates“ von „The Mobility house“. Die wollen E-Autos zum Stromspeicher für das Netz machen. Diess bleibt sich insofern echt treu: Bei Volkswagen wollte er das Auto zum „wertvollsten massentauglichen Internet-Gerät“ befördern. Dabei schaffte er es nicht einmal, für Volkswagen eine funktionierende Software-Plattform zu entwickeln oder Qualitätsprobleme in den Griff zu bekommen. Infotainment-Systeme stürzten ab wie ein Dirigent, der an seinem Pult einen Herzinfarkt erleidet. Bildschirme froren ein wie das Packeis vor Grönland. Die Menüführung im Bordcomputer war so zielführend wie ein Irrgarten im Botanischen Garten. „Den Konzern reicher gerechnet als erwartet“Und was haben seine Nachfolger daraus gelernt? Genau das, was man erwarten darf. Sie machen weiter so. Der NDR schrieb Anfang des Jahres über VW: „Auf wundersame Weise tauchen sechs Milliarden auf, die die Bilanz des Konzerns verbessern“. BILD meint: „Trotz schwerer Krise. Plötzlich ist bei VW Geld für Prämien da“. VW-Finanz-Chef Arno Antlitz sei ein „spektakulärer Endspurt“ gelungen, er habe „den Konzern reicher gerechnet als erwartet. Und damit den Vorständen offenbar den vollen Bonus für das Jahr 2025 gesichert, was auch kaum einer erwartet hätte“. An die Stelle von kreativen Ingenieursleistungen tritt bei VW die kreative Buchführung. Der Finanzchef als märchenhafte Goldmarie: Auf den Diess-Nachfolger Oliver Blume sollen rund 2 Millionen Euro, auf weitere Vorstands-Kollegen 1,72 Millionen zusätzlich aus dem Himmel über Wolfsburg rieseln, obwohl die Gewinne schmelzen wie die Reichweite eines-E-Volkswagens in einer kalten Winternacht. Macht aber nix, denn die Neuen haben noch was gelernt: Ein Manager darf bei Volkswagen fast alles, vorausgesetzt er hält sich an das verbindliche Glaubensbekenntnis, dessen wichtigster Satz lautet: „Die Zukunft ist elektrisch“. Wer ein Herz für Realsatire hat, kann auch das durchgegenderte Kapitel "Integrität und Compliance" in der Selbstdarstellung des Konzerns studieren oder den 60-seitigen "Code of Conduct". Prinzipiell lässt sich die Handlungsmaxime der Generation „Haltung-zeigen“ aber auch in einem Satz fassen: Nach mir die Sintflut.
Vielleicht reichen Oliver Blumes überraschend entdeckte Milliönchen ja für eine kleine Hacienda in Kantabrien, dann kann er mit Diess in der spanischen Pampa so eine Art Volkwagen-Wandlitz aufmachen und gemeinsam Rinder zählen. Möglicherweise ist am Stammtisch im Restaurant von „Pico Velasco“ ja auch noch ein Plätzchen für Angela Merkel frei. Mit 15.000 Euro Rente gehört sie ja eher zur Kreisklasse, aber sie sollten ab und zu für ein Gläschen Dominio del Águila reichen, während zuhause neun Mitarbeiter mit einem Etat von knapp einer Million Euro Staatsknete die Wacht am Rhein respektive der Spree halten. Schließlich haben Merkel und Diess das ihnen anvertraute Unternehmen erfolgreich ruiniert, Merkel die Deutschland-AG und Diess die Volkswagen AG – und das auf viele Jahre hinaus. Vielleicht auch „irreversibel“. So heißt das neue Berliner Wort für die Ergebnisse des Merkelschen „alternativlos“. Nun können sich die Rentner im gnädigen Abendlicht gegenseitig auf die Schenkelchen schlagen und Witze über das dumme Volk reißen. Zur Zeit geht laut Bild in Deutschland alle 20 Minuten eine Firma pleite. Schuld daran sind wahlweise die Amis, die Russen, die Chinesen, in jedem Falle aber die AfD. Merkel wurde hingegen der höchstrangige europäischen Verdienstorden zugesprochen, genau gesagt „für Deutschlands Abkehr von der Kernenergie hin zu erneuerbaren Energien“, oder anders ausgedrückt: für ihr vorbildliches Engagement zum Export von deutschen Arbeitsplätzen nach China. Übrigens gab es im EU-Parlament Buhrufe, vermutlich von Ignoranten, die die Mitteilungen des Statistischen Bundesamtes statt Merkels Memoiren gelesen haben (vorsichtshalber stellt das Amt die zeitnahe Veröffentlichung der entsprechenden Statistiken ein). Was die Verleihung von Orden angeht, herrscht im Moment überhaupt eine gewisse Torschlusspanik, die Nieten und die Nullen hängen sich gegenseitig das Blech um, als seien sie Wildkarnickel in der Paarungszeit. (Anm. Dikigoros: Dieser despektierliche Vergleich ist eine Beleidigung für jedes Wildkarnickel!) „Erneuerung des Denkens“ und, klar doch, „Verantwortung für die Gesellschaft“Im Kloster Maria Laach hielt Angela Merkel gerade eine „Fastenpredigt“. Merkel bezog sich dabei auf einen Bibeltext aus dem Römerbrief (Kapitel 12). Paulus nennt darin besondere Gaben (japanisch "hi[de]ki" - Dikigoros erlaubt sich, das anzumerken, da er diesen Aufsatz von D.M. auf einer Webseite verlinkt hat, wo das eine Rolle spielt - dort Fußnote 1), die der Einzelne zum Einsatz bringen solle, etwa „prophetisches Reden“, wovon sie ja genau wie Diess etwas versteht, wobei der gebürtige Österreicher die Grammatik besser beherrscht. Als weitere Gabe wird das „Geben“ aufgelistet, von dem Diess wiederum nichts versteht, aber dafür ist er ziemlich gut im „Nehmen“. Die Pastorentochter sprach über die „Erneuerung des Denkens“ und – klar doch – „Verantwortung für die Gesellschaft“. Und es kam laut Medienberichten sogar zu Selbstkritik, die sich bei genauem Hinhören allerdings als genau das Gegenteil entpuppte: „Wahr ist: In meiner Amtszeit wurde viel auf den Weg gebracht. … Aber es war nicht genug.“ Das klingt genau wie Onkel Diess, denn der hat in seiner Amtszeit ebenfalls viel Stuss auf den Weg gebracht, aber es war nicht genug. Damit der Ehemaligen-Stammtisch schön bunt und divers wird, könnte man vielleicht noch Patrick Graichen einladen, den im Zuge der „Trauzeugen-Affäre“ abhanden gekommenen Habeck-Staatssekretär im Filz- früher Wirtschaftsministerium. Der gesellte sich nach monatelang mit etwa 11.000 Euro Übergangsbezügen zu den sozial Schwachen (insgesamt 230.000 Euro), fand aber inzwischen unter anderem als Aufsichtsrat (geschätzt monatlich 10.000 Euro) des staatlichen ukrainischen Stromnetzbetreibers Ukrenergo Wiederverwendung. Das Unternehmen will eine große Rolle beim Wiederaufbau der durch den Krieg zerstörten ukrainischen Energieversorgung spielen. Graichen versteht etwas vom Zerstören einer gesicherten Energieversorgung, schließlich hat er sie jahrelang zuhause ohne Krieg praktiziert. Gerade schlug er allen Ernstes vor, deutsches Gas in den großen unterirdischen Kavernen der Ukraine zu lagern, um der dümmsten Energiepolitik der Welt noch eine Chance zu geben. Offenbar hält er seine deutschen Mitbürger für geisteskrank Herbert Diess, alias Doktor Death, Angela Merkel, die Abrissbirne aus der Uckermark, und Ajatollah Abu Graichen: Sie alle sind aus ähnlichem Holz geschnitzt, sitzen in ihren wohlgepolsterten Sesseln und vertrauen für ihren weiteren Lebensweg auf eine deutsche General-Amnesie, wahlweise General-Amnestie. Frei nach einem Zitat von Napoleón Bonaparte: „Ein Kopf ohne Gedächtnis ist eine Festung ohne Besatzung“. LESERBRIEFE
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