HIRAM  BINGHAM

(19.11.1875 - 06.06.1956)

[Hiram Bingham]

Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros

1875
19. November: Hiram Bingham III wird als Sohn des Missionars Hiram Bingham II und seiner Ehefrau Clara, geb. Brewster, in Honolulu (Hawaii - damals noch ein unabhängiges Häuptlingtum "Königreich") geboren.


1882-92
Bingham besucht das O'ahu College in Honolulu.

1892-94
Bingham besucht die Phillips Academy in Andover (Massachusetts).

1894-98
Bingham studiert an der Yale University bis zum Bachelor of Arts [B.A.].

1898-1900
Bingham studiert an der U.C. Berkeley Lateinamerikanische Geschichte und schließt mit einem Master of Arts [M.A.] ab.

1900
Juli: Bingham wird Lektor für Geschichte an der Harvard University.
November: Bingham heiratet Alfreda Mitchell, die Enkelin - und Erbin - des Milliardärs Charles L. Tiffany. (Aus der Ehe gehen sieben Kinder hervor - lauter Söhne :-)


1905
Bingham habilitiert sich in Harvard für das Fach Lateinamerikanische Geschichte.
(Der US-amerikanische "Ph.D." entspricht nicht dem deutschen "Dr. phil.", sondern dem früheren "Dr. habil." in der BRD bzw. dem "Dr. II" in der DDR.)
Bingham geht an die Princeton University als Oberassistent bei Professor Woodrow Wilson, dem späteren Präsidenten der USA.

1907
Bingham wird Dozent für Lateinamerikanische Geschichte in Yale.

1908
Nach staubigen eingehenden Forschungen in Biblotheken und Archiven veröffentlicht Bingham "Die Möglichkeiten für Feldforschungen in Südamerikanischer Geschichte".
Dies trägt ihm eine Einladung zum 1. Panamerikanischen Wissenschaftskongreß in Santiago de Chile ein.
Auf dem Rückweg bereist er mehrere südamerikanische Länder - u.a. Perú - und veröffentlicht seinen Reisebericht unter dem Titel "Durch Südamerika von Buenes Aires über Potosi nach Lima."

Die nächsten Jahre verbringt Bingham damit, für eine Expedition nach Perú zu trommeln, welche die "verlorene" letzte Hauptstadt der Inca (nach dem Fall von Cuzco) aufspüren soll.*


1911
Die Yale University ist schließlich bereit, ihm die Expedition zu finanzieren.
Juli: Bingham entdeckt auf einem Berg in einigen Meilen Entfernung von Cuzco die Ruinen von Machu Picchu. In ihnen sieht er die gesuchte Hauptstadt und zugleich ein wichtiges religiöses Zentrum.**

[Machu Picchu]

1912-1915
Auf vier weiteren Reisen nach Machu Picchu - zusammen mit seinem Kollegen Harry Ward Foote, einem Professor für Chemie (!) in Yale - läßt Bingham die Ruinen nach und nach frei legen.
Dabei findet er ca. 4.000 Stücke und Stückchen Knochen, Keramik u.a. Überreste, die er der Yale University überläßt (wohl eine Bedingung für die Finanzierung).***

1917
April: Die USA treten in den Ersten Weltkrieg ein.
Bingham - bis dahin Captain [Hauptmann] d.R. in der Heimatwehr ["National Guard"] von Connecticut - wird zunächst als Trommler Werbe-Offizier an Universitäten für die Fliegerabteilung der U.S. Army eingesetzt. [Eine U.S. Air Force als eigene Waffengattung gibt es noch nicht.]


1918
Bingham wird nach Frankreich versetzt als Kommandeur einer Militärfliegerschule im Range eines Oberstleutnants.


1920
Bingham veröffentlicht "Ein Entdecker im Luftwehrdienst".

1922
November: Bingham wird als Kandidat der Republicans zum Vize-Gouverneur von Connecticut gewählt.

1924
November: Bingham wird zum Gouverneur von Connecticut gewählt.
Dezember: Bingham wird zum Senator für Connecticut gewählt.
Da in den USA eine solche Ämterhäufung unzulässig ist, tritt er nach nur 1-tägiger (!) Amtszeit als Gouverneur zurück und geht als Senator nach Washington D.C.****
Präsident Calvin Coolidge - der Binghams WK-I-Buch gelesen hat - macht ihn zu seinem Berater in Fragen der Luftfahrt.

1926
November: Bingham wird erneut zum Senator gewählt.
Er wird Vorsitzender des Ausschusses für Kolonien "Territorien und Inseln".
Zu diesen Inseln zählen vor allem diejenigen, welche die USA - die ja offiziell keine Kolonien haben und ganz entschieden gegen jede Art von "Kolonialismus" zu Felde ziehen - Spanien im Krieg von 1898 abgenommen hatten (u.a. die Philippinen) und Hawaii, welches sie 1899 annektiert hatten.

1929
Politische Gegner versuchen, Bingham einen Skandal anzuhängen: Er habe einen Lobbyisten angestellt, der den Finanzausschuß in Sachen Zolltarife ausspioniert habe, ein ganz abstruser Vorwurf, der im Sande verläuft. Als Bingham jedoch danach äußert, er sei einer "Hexenjagd" ausgesetzt gewesen, erhält er dafür einem formellen Tadel - ein frühes Beispiel politisch motivierter Schmutzkampagnen im US-Senat.

1932
November: Bei den Präsidentschafts- und Gouverneurswahlen gelingt den DemocrapsDemocrats unter Franklin Delano Roosevelt ein Erdrutschsieg. Zu den Republicans, die nicht wieder gewählt werden, gehört auch Bingham.
Danach verläßt ihn seine Frau und reicht die Scheidung ein.

1937
Bingham heiratet in 2. Ehe Suzanne, geb. Hill.

1939
03. September: Großbritannien erklärt dem Deutschen Reich den Krieg, der sich bald zum (Zweiten) Weltkrieg ausweitet.

1941
September 11: Die USA treten durch die Shoot-on-sight-order von Präsident Roosevelt an der Seite Großbritanniens in den Zweiten Weltkrieg ein.
(Wovon sie die Welt mit ihren "Liberator"-Bombern befreien wollen, ist und bleibt strittig.)


Bingham ist jedoch mit 66 Jahren schon zu alt, um noch einmal reaktiviert zu werden. Er beschränkt sich auf Gastvorträge an einigen Marinefliegerschulen.

1948
Bingham veröffentlicht "Verlorene Stadt der Incas". Das Buch wird zum Bestseller mit mehreren Neuauflagen - ebenso die dadurch inspirierte Disney-Zeichentrickgeschichte "Verloren in den Anden" [Alternativtitel für Lateinamerika (und Italien): "Das Geheimnis der Incas"] aus dem selben Jahr, die sogar verkurzfilmt wird.


Das führt zu einem ungeahnten Aufschwung des Fremdenverkehrs in Perú - vor allem durch zahlungskräftige US-Touristen, die Machu Picchu sehen wollen.

[Touristen in Machu Picchu]

(Der Hotel- und Gaststättenverband von Cuzco - wo die nächsten den Ansprüchen jener Touristen genügenden Etablissements liegen - weiß, wem er das zu verdanken hat und bewahrt Bingham ein ehrendes Andenken :-)


Der Tourismus wird zu einem der wichtigsten Wirtschaftszweige Perús, an dem sich das marode Land auf Jahre hinaus gesund stoßen sanieren kann.*****


1956
06. Juni: Hiram Bingham stirbt in Washington D.C.
Er erhält ein Begräbnis auf dem Nationalfriedhof von Arlington.

[Arlington, Friedhof] [Arlington, Sonnenaufgang]

(Ursprünglich als "Heldenfriedhof" konzipiert, kann dort heute jeder Soldat oder Politiker begraben werden, der im Todeszeitpunkt das richtige Parteibuch hatte sich nichts hat zuschulden kommen lassen.
In den USA gibt es inzwischen eine dreistellige Anzahl solcher Friedhöfe - Tendenz steigend.)

* * * * *

1981
Machu Picchu und Umgebung werden zum "Naturschutzgebiet" erklärt - ein Vorwand, um von Besuchern künftig Eintrittsgelder erheben zu können.
Ein Zug der Zeit. Dikigoros hat in den 1970er Jahren fast alle damals bekannten archäologischen Fundstätten Lateinamerikas von einiger Bedeutung besucht (Aguada Fénix sollte erst anno 2020 entdeckt werden, als er schon zu alt war für solche Reisestrapazen) und nirgendwo Eintritt zahlen müssen; sie waren z.T. auch noch kaum erschlossen; und wenn doch, dann kostete allenfalls der Besuch eines etwa vorhandenen Museums einen kleinen Obolus.

1983
Die UNESCO nimmt Machu Picchu in ihre berühmt-berüchtigte Liste des "Weltkulturerbes" auf.
Ein Programm, das den Tourismus ankurbeln soll. (Ein "Listenplatz" wird in der Regel nicht nach Bedeutung, sondern nur nach beträchtlichen Schmiergeldzahlungen an die zuständigen UN-Mitarbeiter vergeben.******) Einen anderen Sinn macht es nicht, denn es ist sicher weder den Ruinen noch der Umwelt zuträglich, wenn alljährlich mehrere hunderttausend Touristen dort herum trampeln.

1986
Interessierte Kreise setzen das Gerücht in die Welt, Bingham habe als Vorbild für den Titelhelden in der australischen Filmkomödie "Crocodile Dundee" von und mit Paul Hogan gedient. (Dikigoros hält das für ziemlich abwegig.)

2007
07. Juli: Die "New Open World Corporation" erklärt Machu Picchu zu einem der "7 neuen Weltwunder".******* Der Präsident von Perú erklärt den 7. Juli daraufhin zum nationalen Feiertag.
Die Universität Yale gibt nach Jahre langem Streit Tauziehen politischem Druck nach und erklärt sich bereit, die 4.000 von Bingham in Machu Picchu gesammelten Fundstücke entschädigungslos an die peruanische Regierung "zurück" zu geben. (Als ob sie der jemals gehört hätten!)

2008
Wenn man jemandem den kleinen Finger gibt... Die peruanische Regierung reagiert darauf mit der Behauptung, Bingham habe nicht 4.000, sondern 40.000 Fundstücke "gestohlen", deren Rückgabe sie nunmehr verlange. (Niemand wagt, dieser Chuzpe offen zu widersprechen; aber die 36.000 fehlenden Preziosen haben sich bis heute nicht "wieder" gefunden :-)
Sodann wendet sich die peruanische Regierung an die der BRDDR, die bekanntermaßen alles bereitwillig und entschädigungslos herausgibt (oder, wenn es nicht [mehr] vorhanden ist - etwa infolge des alliierten Bombenterrors im bzw. der alliierten Plünderungen nach dem Zweiten Weltkrieg - durch exorbitante Summen "vergütet"), was von Ausländern als ihr ursprüngliches Eigentum bezeichnet wird. Sie behauptet, ein peruanischer Historiker habe anhand von Dokumenten aus alten Archiven "nachgewiesen", daß Machu Picchu bereits anno 1867 von einem Goldgräber mit dem typisch deutschen Namen Augusto Berns entdeckt worden sei. Dieser habe dort zahlreiche Gegenstände aus Gold gefunden, "gestohlen" und sie später an europäische Museen und Universitäten verkauft. (Auch diese "Fundstücke" werden freilich nie "wieder" gefunden :-)

2011
Juli: Das peruanische Tourismus-Büro läßt das 100-jährige Jubiläum der Entdeckung von Machu Picchu durch Bingham groß feiern.********


Nota bene: Die jungen Leute befinden sich in respektvollem Abstand vom Ruinenfeld.
Männlein (20) und Weiblein (11) - durchweg Ausländer[innen] - sind brav getrennt.
Aber Dikigoros hat ja auch nicht behauptet, daß sich die peruanische Regierung in
Unkosten gestürzt hätte - ihr ist das nur eine schäbige Blechmünze zu 1 Sol wert.



*Man macht sich heute kaum eine Vorstellung von den Schwierigkeiten - vor allem finanzieller Art - die eine solche Forschungsreise damals bereitete. Wer kein eigenes Geld zur Verfügung hatte, wie z.B. Heinrich Schliemann, war darauf angewiesen, daß Universitäten und/oder Museen etwas von ihrem schmalen Etat abzweigten. Der Sachse Friedrich Max Uhle (1856-1944), der einst als "Vater der südamerikanischen Archäologie" galt, verbrachte über 40 Jahre hauptsächlich mit der Suche nach Mitteln für Forschungsreisen - mit bescheidenem Erfolg. Er buddelte zwar überall und nirgends - vor allem in Perú und Bolivien - etwas herum, aber der große Wurf - wie etwa die spektakuläre Entdeckung von Machu Picchu, über die er sechs Jahre später schrieb - war nicht dabei; deshalb ist er auch weitgehend in Vergessenheit geraten - selbst Dikigoros widmet ihm ja keine eigenes Webseite, sondern nur diese Fußnote. Warum? Nun, Uhle war bestimmt ein kompetenter Akademiker und Museumsleiter, aber er war mehr Schreibtischtäter als Entdecker. (Gewiß, erstere müssen auch sein. Wer hätte etwas davon, wenn jemand etwas entdeckt, dessen Wert er nicht erkennt und es daher achtlos beiseite legt? Aber es genügt schon, wenn er es irgendwie richtig einordnet - etwaige Fehler in der Interpretation können spätere Generationen von sesselpupsenden Besserwessis ja in aller Ruhe korrigieren :-) Pachacamac hat er nicht entdeckt - das kannte jeder, denn es lag frei zugänglich unweit von Lima. Nazca und Moche wirken nur "richtig" aus der Luft; und von Tiahuanaco war er schon damals ebenso enttäuscht wie Dikigoros ein Menschenalter später. (Es wurde ja überhaupt erst richtig bekannt durch den Schweizer Erich von Däniken und dessen zwar höchstwahrscheinlich unzutreffende, aber immerhin interessante These, daß es von "Göttern", d.h. außerirdischen Astronauten, die einst die Erde besuchten, erbaut wurde. Und während Uhles zahlreiche wissenschaftliche Bücher zu diesen Themen in geringer Auflage in irgendwelchen Bibliotheken verstaubten, wurden die "populärwissenschaftlichen" Dänikens zu Millionensellern.)

[Pachacamac, Perú, um 1900] [Tiahuanaco, Bolivien] [Tiahuanaco, Sonnentor mit Dänikens 'Astronauten']

**Dikigoros und seine Mitreisenden - die M.P. in den 1970er Jahren besucht haben -, teilen diese Auffassung, entgegen der unter sesselpupsenden Schreibtisch-Archäologen heute herrschenden Meinung, wonach Vilcabamba die letzte Hauptstadt war und M.C. lediglich eine Art Wochenend-Residenz irgendwelcher Inca-Häuptlinge. Diese Annahme ist völlig abwegig, denn dafür war die Anlage viel zu schwer zugänglich, viel zu groß und viel zu stark befestigt. Es dürfte schon eine Art Alpenfestung Andenfestung gewesen sein, gedacht als letzter Zufluchtsort vor Angreifern. (Irgendwelche Stammeskriege tobten ja immer, sonst hätten die paar Spanier das riesige Incareich doch nie und nimmer erobern können!) Für eine Theokratie selbstverständlich, gab es dort auch Tempel o.ä. Sakralbauten.

***Dafür wurde und wird Bingham scharf kritisiert - wie so viele seiner Zeitgenossen: Das sei "Kunstraub" oder zumindest "kulturelle Appropriation" gewesen. Doch darüber kann man trefflich streiten. Tatsache ist, daß viele Überreste, die aus der "Dritten Welt" nach Europa oder in die USA gebracht wurden, dadurch vor der Vernichtung bewahrt wurden.

****Hätte sich Bingham das nicht vorher überlegen können? Nein - der Posten in Washington D.C. war völlig überraschend vakant geworden, nachdem Senator Frank Bosworth Brandegee Selbstmord begangen hatte. Bingham entschied sich für den Senat, obwohl diese Wahl nur noch für Brandegees Restmandat galt, während er als Gouverneur eine volle Amtszeit hätte genießen können.

Dikigoros hat diesen handschriftlichen Namenszug entgegen seinem sonstigen Usus nicht unter das Titelbild gesetzt, weil er doch etwas zu spezifisch mit Binghams Tätigkeit als Politiker verknüpft ist, diese Seite ihn aber in erster Linie als Archäologen portraitieren soll.

*****Nein, das sind bloß Blechmünzen, auch wenn sie - jedenfalls solange sie prägefrisch sind - hübsch anzusehen sind und "Sol de Oro [Gold-Sol]" drauf steht. Dikigoros hat sie überhaupt nur abgebildet, weil in dem oben verlinkten Disney-Filmchen die Eingeborenen ganz beeindruckt sind, daß Donald Duck so viel Geld ("mucho dinero") für ein Dutzend viereckiger Eier zahlen will, nämlich... einen halben Sol! Aber vielleicht hatte der Autor - Carl Barks - noch die großen, schweren Silber-Pesos und Halb-Pesos der 1930er Jahre im Hinterkopf, als er das schrieb.

Unfähige Politiker hatten Perú herunter gewirtschaftet. Erst durch den Touristenboom der 1950er und 1960er Jahre konnte es sich wirtschaftlich etwas erholen; und dann gab es für kurze Zeit auch wieder echte Goldmünzen, bevor es unter noch unfähigeren Politikern erneut abmerz, pardon abwärts ging.

******Das schreibt Dikigoros nicht einfach so daher. Wer das sage und schreibe 24 Jahre andauernde schamlose Geschachere um die Aufnahme von Pagān - sicher bedeutender als 99,9% der von der UNESCO zum WKE erklärten Objekte - verfolgt hat, weiß Bescheid.
Glaubt doch bitte nicht das alberne Märchen die offizielle Begründung, der WKE-Status sei verweigert worden, weil das böse Militär-Regime es gewagt habe, nach dem verheerenden Erdbeben von 1975 einen Teil der Pagoden eigenmächtig - d.h. ohne Beteiligung ausländischer, von der UNO zertifizierter und hoch zu bezahlender Denkmalschutz-"Berater" - wieder aufzubauen und zu allem Überfluß auch noch den Autoverkehr dortselbst zu verbieten. (Das war nur ein Nebenkriegsschauplatz.) Erst als - auf massiven Druck der UNO und des Obama-Regimes - Aung San Suu Kyi zur Staatsratsvorsitzenden gemacht "gewählt" worden und endlich allen Forderungen (nicht nur bezüglich Schmiergeld) brav nachgekommen war, wurde es anno 2019 gnädiglich aufgenommen. Jetzt gibt es dort nicht nur Autos und Busse, sondern sogar einen Flugplatz und einen Anlegehafen für Schnellfähren. Alles für die westlichen Touristen; und wenn sich die blöden Pilger daran stören - Pagān war mal das wichtigste buddhistische Pilgerziel Südasiens, für das sogar während der selbstgewählten Isolation des Landes 7-Tage-Visa erteilt wurden an Leute, die dem netten Konsularbeamten in der Bonner Reuterstraße, direkt über dem Reisebüro im selben Gebäude, glaubhaft machten, Buddhisten zu sein, und zwar nur für den Weg vom Flughafen Rangoon dorthin und zurück, alles andere war tabu -, dann sollen sie doch fortbleiben!
Aber Achtung: Nur zwei Jahre Jahre später wurde A.S.S.K. gestürzt - wieder vom bösen Militär -, und nun droht der Entzug des WKE-Status! Ja, auch das ist möglich - irgendein Vorwand findet sich immer, um neuerliche Schutzgeld-Schmiergeld-Zahlungen für den "Denkmal-Schutz" zu erpressen; davon können z.B. die Dresdner ein Liedchen singen.
Dikigoros wäre da ganz braun. (Wie war das gleich mit den japanischen Adelstiteln, die 1945 von den alliierten Besatzern verboten wurden? Es wird ihnen jetzt ein "Ex-" voran gestellt, und auch in dieser Form sind sie erblich :-) Er würde auf den offiziellen Status pfeifen und, wenn er Touristen damit ködern wollte, würde er wie folgt werben: "Ehemaliges Weltkulturerbe." Und wenn er ganz boshaft wäre, würde er darunter ins Kleingedruckte setzen: "Verliehen am... Entzogen am... wegen verweigerter Schmiergeldzahlungen an folgende UNESCO-Mitarbeiter..." (Für etwaige Klagen dagegen wären die Dresdner Gerichte zuständig, und die stehen in dem Ruf, sehr "heimvorteilig" zu urteilen, notfalls indem sie den Streitwert so weit herab setzen, daß keine Rechtsmittel nach außerhalb mehr möglich sind. Aber wie hoch würdet Ihr denn den womöglich verletzten Ruf der Unbestechlichkeit von UNESCO-Mitarbeitern beziffern, liebe Leser? Knapp über Null? Oder gar im Minusbereich? Dann wäre das ja nichtmal justitiabel, und etwaige Klagen müßten schon deshalb als unzulässig abgewiesen werden! :-)

*******Die 2001 allein zu diesem Zweck gegründete NOWC tritt offiziell als "private Gesellschaft" auf, die ohne staatliche Zuschüsse arbeite. Tatsächlich wurde sie vom peruanischen Außenministerium finanziert, dem ein Schweizer namens Bernard Weber als Strohmann diente. Nach sechs Jahren Mauschelns "Wählens" (per Telefon - gebührenpflichtig -, wobei jeder so oft "abstimmen" durfte wie er wollte, insgesamt soll es über 100 Millionen Anrufe gegeben haben :-) kommt eine Liste heraus, über die man trefflich streiten kann, vor allem, wenn man sie, wie im deutschen Sprachraum, mit "7 Weltwunder der Neuzeit" betitelt. Denn egal, wann man diese beginnen läßt - im islamischen Orient meist 1453 mit der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen, im katholischen Westen meist 1492 mit der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus, im protestantischen Westen meist 1517 mit den angeblichen Thesenanschlägen Luthers - erfüllen doch höchstens zwei davon die zeitlichen Voraussetzungen, nämlich der Tāj Mähäl in Āgrā und der Cristo Rey in Rio de Janeiro - und letzterer ist nun wahrlich kein "Weltwunder". Es mag eine an Wunder grenzende Leistung sein, mit den handwerklichen Mitteln des 15. Jahrhunderts eine Anlage wie Machu Picchu im felsigen Hochgebirge zu erbauen; aber Mitte des 20. Jahrhunderts auf einem Hügel in der Großstadt ein steinernes Denkmal hinzuklotzen ist kein Kunststück, geschweige denn ein Wunder.
Nur der guten Ordnung halber: Die übrigen vier "neuen Weltwunder" waren "die chinesische Mauer" (die es als solche gar nicht gibt, wie man hier nachlesen kann :-), Petra (über das Dikigoros hier mehr schreibt), das Colosseum in Rom (das für damalige Verhältnisse in etwa so "wunder"sam war wie der Cristo Rey anno 1931) und die Pyramide von Chichén Itzá in Yucatán (na ja - Dikigoros fand die Pyramiden von Teotihuacán beeindruckender - und Palenque sowieso).

In die "Endrunde" der "Top 20" schafften es auch so "neu[zeitlich]e Wunder" wie die Akropolis adieu von Athen, die Hağia Safari Sofia in Stambul, die Ruinen von Angkor Vat (über die Dikigoros hier mehr schreibt), die Eierköpfe Steinschädel auf den Osterinseln, die Ruinen von Timbuktu (warum nicht gleich die von Zimbabwe?), der Kreml in Moskau und der Kiyomizu-Tempel in Kyōtō.
Um Fragen, was Dikigoros denn für echte "Wunder"-Bauten der Neuzeit hält, vorzubeugen: Das wird er an dieser Stelle nicht breit treten, denn das sollen ja Geheimtips bleiben, damit sie nicht von Millionen Pauschaltouristen aus aller Welt überlaufen und am Ende womöglich von fanatischen Muslimen zerstört werden, wie die Statuen von Bāmyān, über die er hier mehr schreibt. (Aber wer seine Reiseberichte gelesen hat ahnt wohl schon, daß sie allesamt in Asien liegen :-)

********Und damit läßt Dikigoros seine Seite über Bingham enden. Lediglich der guten Ordnung halber will er noch - allerdings nur in dieser Fußnote - nachtragen, daß anno 2017 nationalistische Kreise in Perú versuchten, das Andenken des "Räubers" Bingham in den Dreck zu ziehen, indem sie folgende Räuberpistole in die Welt setzten: Er sei gar nicht der Wiederentdecker von Machu Picchu gewesen; vielmehr sei bereits 1902 ein braver Campesino aus Cuzco dort gewesen und habe sogar seinen Namen - "Agustín Lizárraga" - in einen der Steine geritzt; der böse Bingham habe diese "Inschrift" jedoch "ausradiert", um selber als Entdecker auftreten zu können. L. sei zwar 1902 gestorben, habe das aber noch rechtzeitig vor seinem Tode gewissen Bekannten anvertraut, die es wiederum anderen Bekannten... usw. Selbst wenn das stimmte - woran Dikigoros stark zweifelt -, dann war das, wie auch der Besuch von "Augusto Berns" anno 1876, keine "Entdeckung", die der Erinnerung wert wäre: M.P. war noch 1911 eine Schutthalde. (Auf welchen Stein hätte der gute L. seinen Namen denn ritzen sollen?) Erst Bingham hat den Schutt abgedeckt und so die Ruinen von M.P. freigelegt, d.h. im wahrsten Sinne des Wortes entdeckt. Alles andere zählt nicht!


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