








![[R. Baner]](banerji.jpg)

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*Über die richtige Schreibweise und Aussprache dieser Orte hat Dikigoros zwar schon in der Einleitung etwas geschrieben; aber er wiederholt sich gerne, da es so oft falsch gemacht wird. Also:
Marshall und seinen Zeitgenossen wird von ihren heutigen Epigonen immer wieder der Vorwurf gemacht, sie hätten archäologische Fundstücke "unsachgemäß" restauriert, statt sie in ihrem ursprünglichen Zustand zu belassen. Das mag in Einzelfällen zutreffen, aber nicht grundsätzlich. (Manchmal hat Dikigoros den Eindruck, daß seine Zeitgenossen bloß neidisch sind, weil sie dadurch selber weniger Entdeckungen am Objekt machen und so weniger persönlichen Ruhm ernten können :-) Solche Inschriften wurden schließlich angebracht, damit die Nachwelt sie lese; und ohne Marshalls Aktion wüßten wir bis heute nicht, woher und von wem die Säule stammte und was uns ihr Stifter sagen wollte. Jetzt ist die Säule frei zu besichtigen, und an ihrem Fuße stehen Tafeln mit Übersetzungen der Inschrift in Hindi, Urdu und Englisch. ***Manche Verlage nehmen es mit der Transkription noch genauer als Dikigoros. Es gibt im Indischen zwei "sch[a]" und zwei "n[a]", die sich für unsere Ohren nicht unterscheiden. Die ersteren schreibt er "sh" und "sch", die letzeren unterscheidet er nicht. Auf dem Buchcover wird das Schlingen-n in "Sānchī" - im Gegensatz zum Nasen-n - mit Oberstrich geschrieben. (Man kann freilich streiten, ob das korrekt ist; denn ursprünglich schrieb es sich mit keinem von beiden "n", sondern nur mit einem Anuswar [Nasalierungspunkt] über dem langes "a" ;-)
****Ein Strengbeweis ließe sich allerdings erst führen, wenn es gelänge, die Schrift auf den gefundenen Täfelchen zu entziffern. Dikigoros hat zu mehreren Forschern Kontakt aufgenommen, die glauben, eine Lösung gefunden zu haben; aber so recht überzeugt war er von keiner einzigen. Es ist nicht mal sicher, ob es sich bei den Zeichen um Piktogramme handelt (dafür sind es eigentlich zu wenige unterschiedliche - aber das könnte auch daran liegen, daß man nicht genügend Täfelchen gefunden hat) oder um Lautzeichen (dafür sind es eigentlich zu viele unterschiedliche - obwohl die indischen Schriften ja weitaus mehr Laute haben als andere Sprachen, besonders wenn man von einer Silbenschrift ausgeht) oder gar um eine Mischform (wie sie heute nur noch das Japanische aufweist). Bei den letzteren beiden Alternativen käme als Hauptproblem hinzu, daß man nicht einmal weiß, um welche Sprache es sich handelt - d.h. nach welchen Lauten man überhaupt suchen soll. In Kreisen "patriotischer" Inder wird die These vertreten, daß es Sanskrit sein könnte; aber das wäre selbst dann ganz unwahrscheinlich, wenn die gesuchte Zivilisation ihren Ursprung nicht am Golf von Khambhāt gehabt hätte, sondern im Industal, denn dorthin kamen die "Aryer", die es sprachen, ja - jedenfalls nach derzeitigem Forschungsstand - erst Mitte des 2. Jahrtausends v.Chr.
Verglichen damit war die Entzifferung der elamitischen Linearschrift, die anno 2020 in der Fachwelt groß gefeiert wurde, ein Kinderspiel, denn man kannte die Sprache und wußte - oder ahnte zumindest -, um welche Inhalte es ungefähr ging. Das eigentlich Sensationelle daran war "nur", daß sie sich als reine Lautschrift entpuppte - die älteste bisher bekannte dieser Art.
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