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Jahreswechsel
2000/2001:
Drohungen und
rechte Gewalt
in der
Oberpfalz

"Ein Mahnmal bringt meine Familie nicht zur�ck"

"Schmerz l��t nicht nach": Tochter des beim Brandanschlag get�teten t�rkischen Ehepaars im MZ-lnterview

Von unserer Redakteurin Isolde Gietl

SCHWANDORF. Die Nachricht, da� in Schwandorf m�glicherweise kein Mahnmal an die Opfer des Brandanschlags erinnern wird, hat Leyla K. nicht �berrascht. Irgendwie habe sie so etwas schon erwartet. Leyla K., geborene Can, hat vor zehn Jahren ihre Eltern und ihren damals l2j�hrigen Bruder verloren. Einen Gedenkstein - die heute 29j�hrige h�tte ihn. gerne am Schlesierplatz gesehen. Entt�uscht �ber die Entscheidung sei sie jedoch nicht. "Ein Mahnmal bringt mir meine Familie nicht zur�ck."

"Zehn Jahre wie zehn Tage"

Die Erinnerung an den Brandanschlag schmerzt die dreifache Mutter noch heute. "Mir kommt es so vor, als sei es erst vor zehn Tagen und nicht vor zehn Jahren passiert", erz�hlt sie im MZ-Interview.

Leyla K. war im sechsten Monat schwanger, als der damals l9j�h-rige Josef Saller den Brand im "Habermeier Haus" legte. "Ich h�rte die Sirenen und mu�te pl�tzlich an meine Familie denken." Ein "komisches Gef�hl" habe sie ahnen lassen, da� etwas Schreckliches passiert sei.

Der jungen Schwandorferin kommen noch immer die Tr�nen wenn sie �ber den gewaltsamen Tod ihrer Angeh�rigen spricht. Niemand werde je verstehen k�nnen, wie weh ihr die Erinnerungen tun." Meine einj�hrige Tochter kann jetzt Opa sagen - wie h�tte sich mein Vater gefreut, wenn er es noch h�ren k�nnte." Ihren Kindern - die beiden S�hne sind zehn und elf Jahre - hat sie erz�hlt, da� die Gro�eltern und der Onkel Opfer eines Brandanschlags geworden sind. Den Namen und das Motiv des T�ters hat sie jedoch f�r sich behalten. "Ich will nicht, da� meine Kinder irgendwann Ha� auf diesen Menschen empfinden."

"Zwiesp�ltige Gef�hle"

Leyla K.s Gef�hle f�r den Brandstifter sind zwiesp�ltig. "Einerseits hasse ich ihn, andererseits empfinde ich gro�e Angst, wenn er in zwei Jahren aus der Haft entlassen wird." Verstehen werde sie die Tat nie.

Die zw�lfj�hrige Haftstrafe f�r Josef Saller h�lt Leyla K. f�r viel zu milde. "Wenn jemand einen Raub begeht, wird er auch in diesem Ma�e bestraft", erkl�rt sie. Dennoch schr�nkt sie ein: "Auch 30 oder 40 Jahre Haft f�r Saller bringen meine Eltern nicht zur�ck. Vielleicht h�tte das meine Schmerzen etwas gelindert."

Vom Kinderzimmerfenster aus kann Leyla K. auf ihr fr�heres Elternhaus blicken. "Im ersten Jahr nach dem Anschlag bin ich Umwege gelaufen, um nicht an der Ungl�cksstelle vorbeizukommen." Trotzdem hat sich an ihrer Liebe zur Stadt Schwandorf nie etwas ge�ndert. "Ich lebe seit 20 Jahren gerne hier, es ist meine zweite Heimat." Auch zur Mutter des in den Flammen umgekommenen Deutschen habe sie nach wie vor Kontakt. �ber das Mahnmal seien sie unterschiedlicher Auffassung, sagt Leyla K.

Die 29j�hrige tr�gt sich mittlerweile mit dem Gedanken, die Oberpfalz zu verlassen und in die T�rkei zur�ckzukehren. Das habe nichts mit dem Anschlag oder der Debatte um das Mahnmal zu tun. "Ich kenne so viele nette Schwandorfer - immer wieder wird mir gesagt, wie sehr man sich f�r die Tat von Saller sch�me." Wieso sollte sie also den Deutschen die Schuld am Anschlag geben, sagt Leyla K.

"Anschlag nie vergessen"

Dennoch w�nscht sich die 29j�hrige, da� Schwandorf den rassistischen Brandanschlag niemals vergi�t. Das Mahnmal h�tte ihrer Ansicht nach dazu beitragen k�nnen. Kritisch sieht Leyla K. die Kostendebatte, die die Stadt bereits im Vorfeld f�hrte. "Meine Eltern haben jahrelang Steuern gezahlt, aber 1700 Mark f�r einen Gedenkstein will die �ffentliche Hand jetzt nicht �bernehmen."

Mittelbayerische Zeitung Schwandorf v. 10.12.1998

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