Eines Morgens, als die Blumenfee aus ihrem Feenhaus zwischen hohen Bäumen
trat, fand sie ein Päckchen auf der Türschwelle. Voller Freude sah sie
sich um, von wem es wohl wäre? Es war niemand zu sehen. Nur ein kühler
Wind wehte über den schmelzenden Schnee zu ihr und lies sie trotz
Sonnenschein und blauen Himmel in ihrem dünnen Feenkleid ein wenig frösteln.

Sie nahm das Päckchen und suchte sich eine stille Ecke in ihrem
Feenhaus. Voll freudiger Erwartung löste sie das Papier und öffnete
es. Als sie den Inhalt erblickte und den herausströmenden Duft
schmeckte, wurde ihr Herz von solcher Freude erfasst, daß sie zum
Fenster lief und es öffnete. Die Sonne schien warm auf ihr strahlendes
Lächeln und der Frühlingswind war jetzt gar nicht mehr kühl. Da hörte
sie auf einmal ein leises Brausen, schon hatte sie ihre Flügel
ausgebreitet und ließ sich vom Wind hoch in die Lüfte treiben. Sie
schwebte hin über die Wolken, ihre Flügel wurden gar nicht müde. Nur
manchmal kamen Gedanken wie:
" Paß auf! Du könntest abstürzen! Du hast Dir schon einmal die
Flügel gebrochen. Es war sehr schmerzhaft und es hat lange gedauert ,
bis du wieder fliegen konntest!"
Doch das war vor langer Zeit, sie verjagte die trüben Gedanken und
schwebte lächelnd weiter über Berge, Flüße und Seen, fast brauchte
sie die Flügel nicht zu bewegen. Sie fühlte sich so leicht und ihr
Herz schlug immer lauter, den der Duft einer besonderen Frühlingswiese
weht zu ihr herauf.
Die Fee bedankte sich bei dem
Frühlingswind, der sie sanft auf die Wiese gleiten ließ. Zwischen weißen
und blauen Blumen stand eine große gelbe Blüte, die schon voller
Freude auf sie wartete (hoffentlich!!!) Und sie ließ sich mit bebenden
Flügeln auf die von der Sonne bis ins innerste gewärmten gelben Blütenblätter
fallen. Der Löwenzahn umarmte mit seinen Blütenblättern die Fee, so
dass sie in der gelben Pracht fast nicht mehr zu sehen war. Lachend
krabbelte sie wieder hervor und ließ sich von den Blättern sanft
streicheln. Sie spürte die Wärme die durch das dünne Kleid strömte
und sie liebten sich, bis sie seufzend einschliefen. Die Fee verbrachte
eine wunderschöne Nacht in der geschlossenen Löwenzahnblüte und fühlte
sich darin sehr geborgen. Am liebsten wäre sie gar nicht mehr ins
Feenhaus zurückgeflogen. Am Morgen weckte die Sonne die beiden
Verliebten. Die Fee trank ein wenig Blütennektar von der Löwenzahnblüte
als Stärkung für den weiten Flug nach Hause. Mit leisen Wehklagen
wartete sie auf einen warmen Windhauch und erhob sich in die Lüfte. Als
sie nach der langen Reise zurück zum Feenhaus kam, blühte der erste Löwenzahn
im Garten. Sie ließ sich darauf nieder und legte ihr heisses Antlitz in
die offene Blüte. Ihre Gedanken schweiften wieder zurück zu den
wunderschönen vergangenen Stunden Und sie schmeckte den bittersüßen
Duft der Sehnsucht...............................................