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In einer großen Stadt, an ihrem Rande, in einer trostlosen Umgebung wohnte ein kleiner Junge mit seinen Eltern. Es gab dort wo er wohnte und zur Schule ging nichts als stinkende Autos, grauen Beton und Schmutz. Sein zu Hause war eine kleine, düstere Wohnung, und auf dem Balkon stand ein großer Blumentopf, in dem wohl früher einmal wunderschöne Blumen gestanden haben mochten, aber dort war jetzt außer einigen braunen und vertrockneten Gräsern nichts mehr zu sehen, was das Herz erfreuen und es zum lächeln bringen konnte.
Wenn er des Morgens zur Schule ging, führte ihn sein Weg an einer, wohl früher einmal Wiese genannten Schutthalde vorbei, gekrönt von einer ausgedienten alten und heute leeren Fabrik, und viel Schutt und Unrat, den die Menschen dort achtlos deponiert hatten, der Anblick machte selbst im wärmsten Sonnenschein traurig und kalt in der Seele. So schaute der kleine Junge nie links und rechts, denn was gab es da schon erfreuliches und wärmendes zu sehen?
Eines Tages, auf dem Weg nach Hause, lärmend mit seinen Schulkameraden, sah er dort am Wegesrand in dieser trostlosen Wüste eine kleine, wunderschöne gelbe Blume.
Er war fasziniert von der Stärke dieser gelben Farbe und der Wärme in dieser gelben Blume. Er vergas all das trostlose dort drum herum und bückte sich nieder, um sich diese wunderschöne Blume näher anzuschauen, und er wollte sie sachte und sanft berühren, damit ihr ja kein Schaden oder Leid zugefügt würde.
Seine Schulkameraden waren erstaunt und lachten ihn aus, und er begann sich zu schämen, denn was sollten wohl die anderen Kinder von ihm denken?
Sie schimpften ihn und riefen, du Spinner, was willst du mit diesem Unkraut?
Er wurde zornig, trat mit seinen Füßen auf dieser kleinen gelben Blume herum und vernichtete sie.
Als er Zuhause war, und den alten großen Blumentopf sah mit den trockenen Gräsern, fing er an zu weinen und war sehr traurig. Der Sommer kam, der Herbst und der Winter, und er dachte oft an die wunderschöne kleine gelbe Blume, so oft er an dieser Schuttwüste vorbeikam, aber was er da getan hatte, konnte er wohl nicht wieder gutmachen.
Der Winter ging in das Land, und im nächsten Frühling fand er genau an derselben Stelle wieder eine wunderschöne, kleine, gelbe Blume. Angst überkam ihn, als die Kinder um ihn herum wieder häßliches über ihn und diese gelbe Blume sagten, und so getraute er sich nur aus seinen Augenwinkeln heraus diese Blume zu betrachten.
Und am Abend, als es dunkel war, fasste er sich ein Herz, ging mit klopfendem Herzen dort hin wo diese gelbe Blume stand und grub mit seinem Messer diese kleine Blume aus und hielt sie sanft und zart in der Hand, er hatte Angst ihr wieder ein Leid anzutun.
Er nahm sie mit nach Hause und setzte sie in den Blumentopf, der auf dem Balkon stand. Jeden Tag wollte er sie in Ruhe anschauen können, und er fühlte sich sehr glücklich, denn niemand störte ihn dabei oder belächelte ihn darüber.
Einige Zeit ging das sehr gut, die Blume blühte und war wunderschön. Doch nach einiger Zeit fing sie an ihre Farbe zu verlieren, es bildeten sich dort wo die wunderschöne warme Blüte gewesen war kleine weiße Sternchen. Der Junge wurde schon wieder traurig, und er war verzweifelt, aber er hatte die kleine, leise Hoffnung, es würde ja wieder Frühling werden, und vielleicht...................wäre dann wieder eine kleine gelbe Blume dort an diesem Wegesrand. Aber irgendwie mochte er daran nicht so recht glauben, denn das Jahr war ja noch so lang.
Und als er eines Tages aus der Schule kam, es war ein sehr windiger Tag, da erschreckte er sich so sehr, denn auch von diesen vielen kleinen, weißen Sternchen an seiner wunderschönen Blume war nichts mehr da, sie waren verschwunden und nur noch ein blasser Stengel mit einem braunen Köpfchen stand dort in den grünen Blättern, in diesem großen Blumentopf.
Der kleine Junge war sehr traurig, und er begann zu weinen, still und heimlich, denn er schämte sich wenn ihn einer gesehen hätte.
Der Winter kam und der Frühling und welch ein Wunder, an einem Tag als er zur Schuke ging, da war nicht nur eine Blume, ein paar Schritte weiter war wieder eine und überall blühten wunderschöne, kleine, gelbe Blumen. Nun war der Junge glücklicher als je zuvor. Und er freute sich jeden Tag, und er war auch nicht mehr traurig als diese gelben Blumen im Laufe des Jahres wieder ihre Farbe wechselten und dort kleine weiße Sternchen sich bildeten, nein, er war nicht mehr traurig den er begann zu verstehen.
Der nächste Sommer kam, der Herbst und der Winter, und im nächsten Frühling war da ein riesiges Blütenmeer.
Und aus dem kleinen Jungen wurde ein Mann, und die ausgediente Fabrik und der Schutt waren unter den vielen wunderschönen gelben Blumen nicht mehr zu sehen. Sie waren einfach nicht mehr vorhanden, es war nur noch alles gelb im Frühling, und der ehemals kleine Junge weinte immer wenn er diese Blumen sah, und er schämt sich heute seiner Tränen nicht mehr. Denn er hat von diesem, von vielen als Unkraut geschmähten Pflänzlein vieles für sein Leben gelernt, und er weiß heute wie stark eine solche Blume sein kann, denn sie durchbricht auch den härtesten Beton.
Denn diese Blume hat er als kleiner Junge mit seinem Herzen gesehen, und heute weiß er, dass es ein Löwenzahn war, und erst wer mit dem Herzen sehen kann der weiß zu verstehen und zu lieben.
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