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2.2 Königin von Frankreich  

Eleonores Ehemann Louis war, wie bereits erwähnt, nicht dazu ausersehen, den Thron zu besteigen.und wurde in Hinblick auf eine kirchliche Laufbahn erzogen. Fast seine ganze Kindheit verlebte er im Kloster und so galt seine Hingabe auch zeitlebens mehr der Theologie als der Herrschaft. Später sollte Eleonore über ihn sagen, sie habe „einen Mönch als Gatten aber keinen Mann“[1]. Louis und Eleonore waren also gänzlich unterschiedliche Menschen. Dennoch mußte Eleonore in Paris nicht vollständig auf die ihr vertraute Welt verzichten. Paris war das beherrschende Zentrum der Philosophie jener Zeit und die Schwester ihres Mannes, Petronilla und dessen Mutter Adelaide, ebenfalls zwei starke Frauen, beeinflußten Eleonores Selbstverständnis ihrer Position sicher weiter. Dennoch können wir über Eleonores Aktivitäten in diesen Jahren nur spekulieren.
    Nach sieben Jahren Ehe wird Eleonore 1144 mit der Geburt Maries dann das erste Mal Mutter. Ob Eleonore davor bereits Geburten hatte wissen wir nicht. Auf alle Fälle erscheinen sieben Jahre eine lange Zeit, vor allem wenn man bedenkt, in welchen Abständen Eleonore später Henry Kinder schenkte (s. 2.3 Königin von England).
   
Zwei Jahre darauf nahm Louis dann das Kreuz und Eleonore begleitete ihn auf  dem Zug. Einige Chronisten meinen, Louis nahm sie mit, weil er sich von ihr nicht trennen konnte, andere waren der Meinung, daß er ihr nicht traute. Owen führt in seinem Buch aus, wie wenig ungewöhnlich es war, daß die Frauen hoher Adeliger sich mit auf Pilgerreise begaben. Wenn man auch noch Eleonores Tatendrang und den großen Hofstaat, den Eleonore um sich scharte, in Betracht zieht, kann man davon ausgehen, daß Eleonore aus eigenem Antrieb mitfuhr[2]. Da sich eine große Anzahl poitevinischer Vasallen am Kreuzzug beteiligte, ist es auch durchaus vorstellbar, daß sich Eleonore aktiv in die Vorbereitungen einbrachte[3].
   
1148 erreichte der Kreuzzug den Kreuzfahrerstaat Antiochia, in dem Eleonores Onkel Raymond herrschte. Dort stand Eleonore in engem Kontakt zu ihrem Onkel, mit dem sie oft lange Gespräche führte. Wilhelm von Tyrus und John of Salisbury legen in diesem Zusammenhang ein Verhältnis der beiden nahe. Unterstützt wurden diese Gerüchte dadurch, daß Louis, der mit Raymond über die Strategie des Kreuzzuges in Streit geraten war[4], Eleonore bei Nacht und Nebel aus Antiochia entführen ließ und weiterzog[5]. Wir sind letztlich auf Spekulationen angewiesen, warum Louis letztendlich so plötzlich aufbrach, und warum Eleonore nicht mit ihm gehen wollte. Eine Affäre Eleonores mit Raymond ist nicht auszuschließen, es könnten aber genausogut auch unüberbrückbare Meinungs-verschiedenheiten in bezug auf die Vorgangsweise gewesen sein.
     Diese „orientalische Episode“ sollte später zu genauso hartnäckigen wie absurden Spekulationen führen. Menestrel de Reims behauptete gar, Eleonore habe nach Saladin gesandt, um sich von ihm entführen zu lassen und mit ihm zu gehen[6].
   
Von dieser Zeit an konnte sich die Ehe jedenfalls nicht mehr erholen, auch wenn Louis Eleonore weiterhin emotional stark verbunden war. Als die gescheiterte Flotte dann am Rückweg Italien erreichte, versuchte Papst Eugen zwischen den beiden zu vermitteln, vielleicht hatte Eleonore zu diesem Zeitpunkt bereits eine Scheidung erwogen. Dann wurde sie aber erneut schwanger (mit Alice), und Louis hoffte wohl auf einen männlichen Erben und hatte allein deshalb schon kein Interesse an einer Scheidung.
   
1151 besuchten Geoffrey Plantagenêt und sein Sohn Henry aufgrund von Friedensverhandlungen die französische Residenz. Giraldus Cambrensis unterstellt Eleonore bei dieser Gelegenheit ein Verhältnis mit Geoffrey, allerdings findet sich diese Unterstellung nur bei ihm[7]. Da Giraldus gegenüber Eleonore nicht sehr positiv eingestellt war, erscheint die Darstellung jedoch eher unwahrscheinlich[8]. Bei dieser Gelegenheitlernten sich jedenfalls Eleonore und der um 11 Jahre jüngere energische Henry kennen und vielleicht schmiedeten sie bereits Pläne für eine mögliche Ehe.
   
Da in der Zwischenzeit noch immer kein männlicher Erbe für Louis in Aussicht stand, ließ Louis sich wohl von Eleonore und seinen Beratern zu einer Scheidung überreden, auch wenn dadurch Aquitanien für die Krone verloren ging. Louis hatte vielleicht auch damit spekuliert, daß Eleonore ohne männliche Nachkommen bleiben würde, was ihre gemeinsame Tochter Marie zur Erbin gemacht hätte. Ausschließen können wir jedenfalls, was der Zisterziensermönch Aubry de Troisfontaines über den Scheidungsgrund berichtet: „Ludwig hatte sie fallenlassen, fortgeschickt wegen der mangelnden Enthaltsamkeit dieser Frau, die sich nicht wie eine Königin benahm, sondern eher wie eine Hure.“[9]
    Da Louis und Eleonore im 4. und 5. Grad verwandt waren, war die Scheidung kein juristisches Problem. Louis fuhr mit Eleonore nach Aquitanien um seine Garnisonen aufzulösen und die beiden proklamierten in Beaugency den bereits erwähnten Grund für die Scheidung. Am 21.März 1152 wurde dieser vom Papst bestätigt. Eleonore war wohl nicht unglücklich über ihre Freiheit,  ihre beiden Töchter indes blieben jedoch bei Louis.
   
Eleonore war nun als Frau und Herrscherin in einem großen Herzogtum in einer sehr unsicheren Lage. Auf dem Weg nach Poitiers, wo später ihre Hochzeit mit Henry stattfinden sollte, lauerten ihr zahlreiche Freier auf, die sie gegen ihren Willen festhalten wollten. Nur knapp entkam sie Thibault, dem Grafen der Champagne, und Geoffrey, Henrys eigenem Bruder. Letztendlich erreichte sie doch noch Poitiers und am 18.Mai 1152, nur 8 Wochen nach ihrer Scheidung fand ihre Hochzeit mit Henry dann statt. Und dieses Ereignis mußte auf Louis wie ein Schlag ins Gesicht gewesen sein, denn Eleonore war mit Henry über denselben Ahnen[10] verwandt wie mit ihm, und gerade diese Verwandtschaft war ja der offizielle Scheidungsgrund gewesen. Außerdem war einige Zeit Eleonores Tochter Marie als mögliche Frau für Henry im Gespräch gewesen[11]. Aber auch in diesem Fall verhinderte Blutsverwandtschaft dann die Heirat. So heiratete Henry statt der um 11 Jahre jüngeren Königstochter die 11 Jahre ältere (Ex-)Königin. Und, nicht zu vergessen, mit Aquitanien fiel das wichtigste französische Herzogtum an einen der schärfsten Rivalen von Louis. War die Scheidung per se keine unweise Entscheidung, so hätte Louis doch Vorkehrungen in Bezug auf Eleonores zukünftigen Ehemann treffen müssen[12].

                



[1] Appleby S.36 zitiert William of Newsburgh

[2] Owen S.23

[3] Letters of the Queens of England 1100-1547, ed. A. Crawford, Gloucestershire 1997, S.30

[4] Raymond bevorzugte eine praktischere Kriegsführung, während Louis sich vom heiligen Ziel Jerusalem nicht lösen konnte.

[5] Owen S.24f.

[6] Ausführlicher: E. Ennen, Frauen im Mittelalter, München 1984, S.19

[7]Ennen, S.28 führt in diesem Zusammenhang auch Walter Map an

[8] vgl. Owen S.30

[9] Zitiert nach Ennen S.20

[10] Robert II v. Normandie

[11] Owen S.34

[12] W.L. Warren, Henry II, London 1991³, S.43

 
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