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2.2
Königin von Frankreich
Eleonores
Ehemann Louis war, wie bereits erwähnt, nicht dazu ausersehen, den Thron zu
besteigen.und wurde in Hinblick auf eine kirchliche Laufbahn erzogen. Fast seine
ganze Kindheit verlebte er im Kloster und so galt seine Hingabe auch zeitlebens
mehr der Theologie als der Herrschaft. Später sollte Eleonore über ihn sagen,
sie habe „einen Mönch als Gatten aber keinen Mann“.
Louis und Eleonore waren also gänzlich unterschiedliche Menschen. Dennoch mußte
Eleonore in Paris nicht vollständig auf die ihr vertraute Welt verzichten.
Paris war das beherrschende Zentrum der Philosophie jener Zeit und die Schwester
ihres Mannes, Petronilla und dessen Mutter Adelaide, ebenfalls zwei starke
Frauen, beeinflußten Eleonores Selbstverständnis ihrer Position sicher weiter.
Dennoch können wir über Eleonores Aktivitäten in diesen Jahren nur
spekulieren.
Nach sieben Jahren Ehe wird Eleonore 1144 mit der Geburt
Maries dann das erste Mal Mutter. Ob Eleonore davor bereits Geburten hatte
wissen wir nicht. Auf alle Fälle erscheinen sieben Jahre eine lange Zeit, vor
allem wenn man bedenkt, in welchen Abständen Eleonore später Henry Kinder
schenkte (s. 2.3 Königin von England).
Zwei Jahre darauf nahm Louis dann
das Kreuz und Eleonore begleitete ihn auf dem
Zug. Einige Chronisten meinen, Louis nahm sie mit, weil er sich von ihr nicht
trennen konnte, andere waren der Meinung, daß er ihr nicht traute. Owen führt
in seinem Buch aus, wie wenig ungewöhnlich es war, daß die Frauen hoher
Adeliger sich mit auf Pilgerreise begaben. Wenn man auch noch Eleonores
Tatendrang und den großen Hofstaat, den Eleonore um sich scharte, in Betracht
zieht, kann man davon ausgehen, daß Eleonore aus eigenem Antrieb mitfuhr.
Da sich eine große Anzahl poitevinischer Vasallen am Kreuzzug beteiligte, ist
es auch durchaus vorstellbar, daß sich Eleonore aktiv in die Vorbereitungen
einbrachte.
1148 erreichte der Kreuzzug den
Kreuzfahrerstaat Antiochia, in dem Eleonores Onkel Raymond herrschte. Dort stand
Eleonore in engem Kontakt zu ihrem Onkel, mit dem sie oft lange Gespräche führte.
Wilhelm von Tyrus und John of Salisbury legen in diesem Zusammenhang ein Verhältnis
der beiden nahe. Unterstützt wurden diese Gerüchte dadurch, daß Louis, der
mit Raymond über die Strategie des Kreuzzuges in Streit geraten war, Eleonore bei Nacht und
Nebel aus Antiochia entführen ließ und weiterzog.
Wir sind letztlich auf Spekulationen angewiesen, warum Louis letztendlich so plötzlich
aufbrach, und warum Eleonore nicht mit ihm gehen wollte. Eine Affäre Eleonores
mit Raymond ist nicht auszuschließen, es könnten aber genausogut auch unüberbrückbare
Meinungs-verschiedenheiten in bezug auf die Vorgangsweise gewesen sein.
Diese „orientalische Episode“ sollte später zu genauso hartnäckigen
wie absurden Spekulationen führen. Menestrel de Reims behauptete gar, Eleonore
habe nach Saladin gesandt, um sich von ihm entführen zu lassen und mit ihm zu
gehen.
Von dieser Zeit an konnte sich die
Ehe jedenfalls nicht mehr erholen, auch wenn Louis Eleonore weiterhin emotional
stark verbunden war. Als die gescheiterte Flotte dann am Rückweg Italien
erreichte, versuchte Papst Eugen zwischen den beiden zu vermitteln, vielleicht
hatte Eleonore zu diesem Zeitpunkt bereits eine Scheidung erwogen. Dann wurde
sie aber erneut schwanger (mit Alice), und Louis hoffte wohl auf einen männlichen
Erben und hatte allein deshalb schon kein Interesse an einer Scheidung.
1151 besuchten Geoffrey Plantagenêt
und sein Sohn Henry aufgrund von Friedensverhandlungen die französische
Residenz. Giraldus Cambrensis unterstellt Eleonore bei dieser Gelegenheit ein
Verhältnis mit Geoffrey, allerdings findet sich diese Unterstellung nur bei ihm.
Da Giraldus gegenüber Eleonore nicht sehr positiv eingestellt war, erscheint
die Darstellung jedoch eher unwahrscheinlich.
Bei dieser Gelegenheitlernten sich jedenfalls Eleonore und der um 11 Jahre jüngere
energische Henry kennen und vielleicht schmiedeten sie bereits Pläne für eine
mögliche Ehe.
Da in der Zwischenzeit noch immer
kein männlicher Erbe für Louis in Aussicht stand, ließ Louis sich wohl von
Eleonore und seinen Beratern zu einer Scheidung überreden, auch wenn dadurch
Aquitanien für die Krone verloren ging. Louis hatte vielleicht auch damit
spekuliert, daß Eleonore ohne männliche Nachkommen bleiben würde, was ihre
gemeinsame Tochter Marie zur Erbin gemacht hätte. Ausschließen können wir
jedenfalls, was der Zisterziensermönch Aubry de Troisfontaines über den
Scheidungsgrund berichtet: „Ludwig hatte sie fallenlassen, fortgeschickt wegen
der mangelnden Enthaltsamkeit dieser Frau, die sich nicht wie eine Königin
benahm, sondern eher wie eine Hure.“ Da
Louis und Eleonore im 4. und 5. Grad verwandt waren, war die Scheidung kein
juristisches Problem. Louis fuhr mit Eleonore nach Aquitanien um seine
Garnisonen aufzulösen und die beiden proklamierten in Beaugency den bereits erwähnten
Grund für die Scheidung. Am 21.März 1152 wurde dieser vom Papst bestätigt.
Eleonore war wohl nicht unglücklich über ihre Freiheit,
ihre beiden Töchter indes blieben jedoch bei Louis.
Eleonore war nun als Frau und
Herrscherin in einem großen Herzogtum in einer sehr unsicheren Lage. Auf dem
Weg nach Poitiers, wo später ihre Hochzeit mit Henry stattfinden sollte,
lauerten ihr zahlreiche Freier auf, die sie gegen ihren Willen festhalten
wollten. Nur knapp entkam sie Thibault, dem Grafen der Champagne, und Geoffrey,
Henrys eigenem Bruder. Letztendlich erreichte sie doch noch Poitiers und am
18.Mai 1152, nur 8 Wochen nach ihrer Scheidung fand ihre Hochzeit mit Henry dann
statt. Und dieses Ereignis mußte auf Louis wie ein Schlag ins Gesicht gewesen
sein, denn Eleonore war mit Henry über denselben Ahnen
verwandt wie mit ihm, und gerade diese Verwandtschaft war ja der offizielle
Scheidungsgrund gewesen. Außerdem war einige Zeit Eleonores Tochter Marie als mögliche
Frau für Henry im Gespräch gewesen.
Aber auch in diesem Fall verhinderte Blutsverwandtschaft dann die Heirat. So
heiratete Henry statt der um 11 Jahre jüngeren Königstochter die 11 Jahre ältere
(Ex-)Königin. Und, nicht zu vergessen, mit Aquitanien fiel das wichtigste französische
Herzogtum an einen der schärfsten Rivalen von Louis. War die Scheidung per se
keine unweise Entscheidung, so hätte Louis doch Vorkehrungen in Bezug auf
Eleonores zukünftigen Ehemann treffen müssen.

W.L. Warren, Henry II,
London 1991³, S.43
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