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1 Vorwort 

„Eleonore von Aquitanien war eine der größten Persönlichkeiten des Mittelalters. Eine Kombination von hoher Abkunft, Charakter und Langlebigkeit erlaubte ihr eine höhere Kontrolle über die Richtung ihres Lebens als es für die meisten adeligen Frauen möglich war.“[1]
   
Königin von Frankreich und England, Königin Mutter, Kreuzfahrerin, Gefangene, Ehebrecherin, Mäzenin der höfischen Kunst und Aufrührerin sind nur einige der wichtigsten Identitäten, die Eleonore in ihrem 82 Jahre währenden Leben annahm.
   
Legende und Tatsachen im Leben der Eleonore sind eng verwoben und nur schwer zu trennen. Bereits zu Lebzeiten war Eleonore eine kontroversielle Figur gewesen. Unzählige Ehebrüche hat man ihr zugeschrieben[2], andererseits wurde sie in unzähligen literarischen Werken verewigt, ihr Hof zum Zentrum der damaligen Zivilisation und Kunst hochstilisiert, Eleonore zum Inbegriff der Frau in der höfischen Kunst. Besonders im 13. Jahrhundert, also nach ihrem Tod, wurden viele Gerüchte über Eleonore literarisch verarbeitet. Wir müssen in diesem Zusammenhang jedoch sehen, daß es die Spannung zwischen der weltlich-lebensfroh-höfischen Kultur und der zu dieser im Widerspruch stehenden klerikal-dogmatischen Welt war, die zu diesen zwei konträren Bildern führte.
   
Bleiben wir am Boden der tatsächlich greifbaren Fakten, den Urkunden, Briefen und den belegbaren „Tatsachen“ aus den Chroniken, so bleibt recht wenig von dieser Figur, die so lebhaft durch die Literaturgeschichte spukt. Diese Verknappung kann der Person Eleonores nicht gerecht werden. Einige Teile Eleonores Lebens vergehen ohne Vermerke in den Akten, und wahrscheinlich sind es doch zu einem Gutteil diese Jahre, in denen Eleonore sich die Basis für die ungemeine Präsenz ihrer Person in der Literatur erwarb. Jeder Autor bewegt sich daher auf dem schmalen Grat, Eleonores Persönlichkeit nicht aus der Darstellung völlig auszublenden und gleichzeitig nicht selbst eine fiktive Figur zu erschaffen.

       



[1] Aus: Letters of the Queens of England 1100-1547, ed. A. Crawford, Gloucestershire 1997, S.30

[2] Eine Zusammenstellung gibt E.R. Labande, Les Filles d’Alienor d’Aquitaine: etude comparative, CCM, XXIX, 1986, S.101-104

 
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