Die Erlanger BergkirchweihAlles über das schönste Volksfest der Welt |
Die Erlanger Bergkirchweih heißt offiziell und ganz bescheiden "eines der schönsten Volksfeste Süddeutschlands". Aber wer einmal dort war, wird gerne zustimmen, daß es zumindest eines der schönsten der Welt ist! Und in Erlangen ist die Bergkirchweih-Zeit das, was anderswo der Karneval ist - die fünfte Jahreszeit. Am Dienstag nach Pfingsten finden an der Universität keine Vorlesungen statt, Geschäfte schließen, ganze Belegschaften pilgern gemeinsam auf den Berg ...
Ihre besondere Atmosphäre bezieht die Bergkirchweih daraus, daß
sich das Geschehen "auf den Kellern" am Erlanger Burgberg abspielt (womit
nebenbei auch schon der Name erklärt wäre). In früheren Zeiten brachten die zahlreichen
Erlanger Brauereien in diesen Gewölben ihr Bier kühl über den Sommer. Tief
in den Sandstein des Burgbergs gehauen, herrschte dort nicht nur das ganze Jahr
eine gleichbleibend niedrige Temperatur, sondern das Bier wurde auch aktiv mit
Eis gekühlt, das man im Winter in großen Blöcken aus den Weihern gehauen hatte.
Heute werden diese Felsenkeller natürlich nur noch während Bergkirchweihzeit als
Bierlager genutzt - und eventuell zur Champignonzucht.
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Live dabei, wenn der Berg
ruft! (ein Bild der Erlanger Berg-Cam) |
Seit 1755 findet am Burgberg alljährlich zu Pfingsten ein Volksfest statt, das aus dem Markt der Erlanger Altstadt und aus einem Schützenfest hervorging (das "Altstädter Schießhaus" steht, wenn auch nicht mehr im Originalzustand, noch heute rechts am Hauptaufgang zu den Kellern). Für den Bierausschank wurden die Eingänge der Keller im Laufe der Zeit mit den typischen kleinen Kellerhäuschen versehen, die die Kulisse der Bergkirchweih prägen. Um die Keller herum (d.h. vor und über ihnen) liegt unter alten Bäumen ein riesiger Biergarten. Oder vielmehr unzählige kleine und größere Biergärten auf verschachtelten Terrassen, die sich den Burgberg hinaufziehen und durch steile Wege und Treppen miteinander verbunden sind.
Viele der Keller sind benannt nach der Brauerei, deren Bier dort ausgeschenkt wird: Erich, Henninger, Tucher ... Leider sind von den einstmals mehr als 50 Erlanger Brauereien nur Kitzmann und Steinbach-Bräu übrig geblieben, die anderen Biere sind nur noch Marken größerer Braukonzerne. Was aber unbedingt nicht heißen soll, daß diese Biere schlechter schmecken. Alle Keller und Bierzelte der Bergkirchweih sind in dieser Übersicht verzeichnet, einschließlich Kontaktmöglichkeiten z.B. für Tischreservierungen.
Getrunken wird natürlich aus Maßkrügen, also literweise (Nuch a Mooß, bestellt der Franke), gekauft entweder direkt am Keller oder von einem der Kellner, die sich unermüdlich durch die Bankreihen zwängen. Das Bier ist nicht ganz billig: 1998 wurde die Marke von 10 DM pro Maß überschritten, und inzwischen stehen wir bei über 6 Euro. Aber es ist immer noch billiger als auf dem Oktoberfest ...
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"Auf den Kellern" zur
Bergkirchweihzeit
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Außer den Bierkellern gibt es natürlich auch ganz normales Kirchweihtreiben. Die Buden und Fahrgeschäfte sind auf einer schmalen Hangterrasse aufgebaut, die sich ein ganzes Stück den Burgberg entlangzieht. Weil einfach nicht mehr Platz ist, gibt es nur diese eine Budenstraße. Dort findet man dann alles, von der Losbude und dem "Hau den Lukas" über eine Geisterbahn, ein Kettenkarussel und das Riesenrad bis hin zu den beliebten Trainingsgeräten für zukünftige Astronauten. Natürlich wird es dort manchmal etwas eng - zu den besten Zeiten muß man sich jedenfalls nicht bewegen, um vorwärts zu kommen. Aber das tut der guten Laune keinen Abbruch.
Jedes Jahr über Pfingsten. Traditionelle Eröffnung ist am Donnerstag vor Pfingsten mit dem Anstich des ersten Faßes (der Bierprob'). Die Bergkirchweih dauert zwölf Tage, bis einschließlich dem Wochenende nach Pfingsten. Am darauf folgenden Montag wird dann in einer feierlich-traurigen Zeremonie das letzte Faß Bier begraben und die Zählerei geht wieder los: noch 353 Tage bis zur Bergkirchweih, noch 352 Tage, noch ...
Die Festivitäten beginnen täglich um 10 Uhr morgens und enden pünktlich um 11 Uhr abends (zumindest offiziell). Danach verlagert sich das Geschehen in die zahlreichen Erlanger Kneipen oder ins Erlanger Kultur- und Kommunikationszentrum "E-Werk", das während der Bergkirchweihzeit regelmäßig zum "Berg-Werk" wird.
Erlangen, das dürften die meisten wissen, liegt knapp 20 km
nördlich von Nürnberg, mitten im schönen Mittelfranken. Allgemeine Informationen
über Erlangen und Touristentipps findet man z.B. auf der Homepage der Stadt Erlangen. Für die Planung
der Anreise per Bahn empfiehlt sich deren Fahrplanauskunft.
Ist man in Erlangen angekommen, wird man auch keine Probleme haben,
den Berg zu finden. Ganz grob: der Burgberg liegt am nördlichen Stadtrand,
jenseits der
Schwabach. Vom Stadtzentrum oder vom Bahnhof aus muß man also nur Richtung
Norden und dann immer geradeaus gehen, und man wird die Bergkirchweih kaum
verfehlen. Ein interaktiver
Stadtplan von Erlangen hilft im Zweifelsfalle weiter. Bis 10 Uhr abends
werden außerdem praktisch alle anderen Menschen um einen herum das gleiche Ziel
haben. Oder man folgt gleich dem Bratwurstgeruch und der Musik.
Aus verschiedenen Gründen (Parkplatz, Alkohol) ist dieAnreise zu
Fuß (Erlangen ist nicht sooo groß), mit dem Fahrrad (Erlangen ist die
Fahrradstadt) oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln sehr zu empfehlen. Der
regionale Verkehrsverbund bietet für wenig Geld ein spezielles "Bergticket" für
zwei Erwachsene und Kinder an, das die ganzen 12 Tage gültig ist!
Und wer nicht persönlich dort sein kann, dem bietet die Berg-Cam-Page zumindest die Möglichkeit
einer virtuellen Teilnahme: minütlich ein frisches Bild!
Eine absolut subjektive Auswahl von Sehenswürdigkeiten und
Kuriositäten der Erlanger Bergkirchweih.
Bier. Natürlich, was sonst. Für
original Erlanger Bier gibt es zwei Tips: den Entlas-Keller, wo Kitzmann-Festbier
ausgeschenkt wird, und den Steinbach-Keller, wo seit 1997 Steinbach-Bräu
(wieder) sein Storchen-Bier verkauft. Der Entlas-Keller liegt ganz am westlichen
Ende des Bergkirchweih-Geländes, der Steinbach-Keller 50 m rechts, wenn man den
Hauptaufgang zum Berg nimmt.
Fränkische Bratwürste. Im Gegensatz
zu den bekannten Nürnberger Bratwürsten sind sie von vernünftiger Größe und
gehören untrennbar zur Bergkirchweih. Verkauft werden sie als Paar in einem
Brötchen (mit Senf ad lib), also zwaa in an Weckla, wie der Franke sagt.
Es gibt sie wirklich an jeder Ecke, und sie sind eigentlich überall gut.
Der
Frühschoppen am Pfingstsonntag (und -montag).
Schon am frühen Morgen strömen die Erlanger in Massen zum Berg, um sich die
besten Plätze zu sichern. Oft wird ein Familienmitglied vorgeschickt, das dann
für alle einen Platz besetzen muß. Traditionell wird das Essen (zum größten
Teil, jedenfalls) mitgebracht, und nur das Bier vor Ort gekauft. Bei schönem
Wetter macht so ein Frühschoppen wirklich Spaß, und auch die Musik ist meistens
erträglich (ja, es ist oft Blasmusik, aber die paßt nun mal gut zur ganzen
Szenerie).
Der
Glückshafen. Dieser Losstand der Erlanger
Gemeinschaftshilfe ist an sich nichts Besonderes, außer daß der Loskauf hier
einem guten Zweck dient (und man nicht fürchten muß, einen zwei Meter großen,
grünen Teddybären zu gewinnen). Er ist aber (oder war zumindest, in den Vor-Handy-Zeiten) der traditionelle Treffpunkt der
Bergbesucher und man wird dort immer Leute herumstehen sehen, die nach Freunden
oder Verwandten Ausschau halten: Und wo treff mer uns? - Um halber zwelfa am
Glückshaafn!
Die
Ochsenbraterei am Entlas-Keller. Nicht (nur) zum
Essen, sondern auch zum Anschauen, denn dort dreht sich ständig ein Ochse am
Spieß und wird Stück für Stück zerlegt und verkauft. Daneben hängt eine Tafel,
die verkündet, der wievielte Ochse dieser Bergkirchweih gerade gebraten wird
(einer pro Tag ist Minimum) - und wie er heißt ...
Toscani-Eis. Die Eisdiele "Venezia"
liegt an der Brücke über die
Schwabach, direkt am Fuß des Burgbergs. Eigentlich hat sie mit der
Bergkirchweih überhaupt nichts zu tun, aber man kommt sowieso dort vorbei, und
es ist nun mal das beste Eis in Erlangen.
Sie sind natürlich rundweg begeistert! Es gibt quasi "offizielle" Bergkirchweihseiten der Stadt
Erlangen oder bei Erlangen Online Stadtinfo. Interessant sind aber auch private Seiten wie z.B. Bergkirchweih.de (wenig Informationen, aber viele Bilder), die Bier-Seiten von Manfred Wirth (noch mehr Bilder) oder ganz einfach Berch.de.
Die Bergkirchweih ist nur das größte der insgesamt sehr zahlreichen fränkischen Kirchweihfeste oder Kärwas. Auf der Homepage von Stefan Möller gibt es zum Beispiel eine lange Liste von Kirchweihfesten (und Brauereien) in Franken und Bayern. Einige der schönsten "Bierfeste" in Franken porträtiert Manfred Wirth auf seinen Bier-Seiten - neben der Erlanger Bergkirchweih, auch das Forchheimer Annafest und die Bamberger Sandkerwa (und, der Vollständigkeit halber, das Münchner Oktoberfest).
Ganz zum Schluß kann man es ja zugeben: Es gibt in Franken eine
andere Kärwa, die fast so schön ist wie die Bergkirchweih: das
Forchheimer Annafest. Tatsächlich sind manche Forchheimer sogar der Meinung,
ihr Fest sei das schönere - darüber könnte man lange diskutieren. Aber vielleicht sollte man doch lieber ein Bier bestellen und anstoßen:
Was darf ich auf der
Bergkirchweih keinesfalls verpassen?

Zum Frühschoppen am Berg
(mit Dank an das Computer
Chemistry Center der Uni Erlangen, wo ich dieses Bild gefunden
habe)
Das
Riesenrad. Auch aus größerer Entfernung ist
dieses Wahrzeichen der Bergkirchweih nicht zu übersehen (seit einigen Jahren ist
handelt es sich um das (angeblich) größte transportable Riesenrad Europas). Im
Vergleich zu manch' anderem Fahrgerät wenig spektakulär, aber ein absoluter
Klassiker. Und außerdem hat man von ganz oben einen wunderschönen Blick über
Erlangen und das Umland.
Was sagen andere Leute
zur Bergkirchweih?
Wo wird sonst noch
gefeiert in Franken und Bayern?
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