Erlanger Brauereien

Mitte des 19. Jahrhunderts war Erlangen tatsächlich die Stadt mit der größten Brauereien-Dichte in Deutschland (und damit vermutlich der Welt) - weit vor München, Kulmbach und anderen! Hunderttausend Hektoliter Erlanger Bier wurden in alle Welt exportiert, bis in die USA. Viele der Erlanger Brauereien waren natürlich kleine Familienbetriebe, und spätestens nach dem 2. Weltkrieg wurden auch die größeren nach und nach von Braukonzernen aufgekauft. Lange Zeit produzierte nur noch Kitzmann-Bräu "echt Erlanger Bier" - und fuhr damit sehr gut. 1995 reaktivierte dann die Brauerei Steinbach ihre Kessel und schenkt direkt vor dem Brauhaus das Storchen-Bier aus. Und seit 1997 ist Steinbach auch wieder mit einem eigenen Keller auf der Bergkirchweih vertreten.

Und noch ein interessantes Detail: In dem Roman Im Land der Skipetaren von Karl May, der in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts spielt, stößt die Hauptfigur Kara ben Nemsi (der Ich-Erzähler des folgenden Textes) im heutigen Bulgarien auf die Spur eines Deutschen, der Gastwirten für Kost und Logis das Bierbrauen beigebracht hat. Und woher stammte dieser Braumeister? Natürlich aus der damaligen Welthauptstadt des Bieres, aus Erlangen! Aber das muß man selbst lesen (oder gleich zu der entscheidenden Stelle springen):

"Wir sind auch nicht gekommen, um hier bei Dir zu bleiben", erklärte ich ihm. "Wir wollen uns nur ausruhen und etwas trinken."
"Das will ich gelten lassen. Auch einen Imbiß könnt Ihr haben."
"Was hast Du zu trinken?"
"Einen Raki und ein sehr gutes Arpa suju [Bier], welches ich Euch empfehlen kann."
Also Bier hatte er! Hm! Das war ja überraschend.
"Wer hat es gebraut?" fragte ich.
"Ich selbst."
"Wie bewahrst Du es auf?"
"In großen Krügen. Es wird täglich neues gekocht, da ich es meinen Leuten zu trinken gebe."
Das war nun freilich keine Empfehlung. Er mochte dies meinem Gesicht ansehen, denn er sagte: "Du kannst es getrost versuchen. Es ist ganz neu, erst heute früh fertig geworden."
Er war also wohl der Ansicht, daß das Bier um so besser munde, je jünger es sei. Ich hegte eine ganz andere Meinung, bestellte aber doch von dem Trank, denn ich war neugierig, welch' ein Gebräu man hier mit dem Namen Bier bezeichne.
Er brachte einen großen, gefüllten Krug und setzte denselben auf den Tisch.
"Trink!", munterte er mich auf. "Es gibt Kraft und verscheucht die Sorgen."
Ich nahm allen meinen Mut zusammen, ergriff den Krug mit beiden Händen und führte ihn zum Mund. Das Zeug roch nicht übel, ich tat einen kühnen Zug, noch einen und - trank weiter. Dünn war es, außerordentlich dünn, Münchener Gebräu, mit dem fünffachen Volumen Wasser vermischt, aber es schmeckte doch nicht übel. Es war ein Mittel gegen den Durst, weiter aber nichts.
Auch die Andern tranken und gaben dann ein befriedigendes Gutachten ab, vielleicht nur, weil ich kein abfälliges Urteil ausgesprochen hatte. Das freute den Wirt sichtlich. Sein finsteres Gesicht heiterte sich für einige Augenblicke auf, und er meinte in selbstbewußtem Ton:
"Ja, ich bin selbst Piwachanedschy [Bierbrauer]. Das tut mir hier niemand nach."
"Wo hast Du das gelernt?"
"Von einem Fremden, welcher aus dem Piwamemleketi [Bierland] gebürtig war. Er hatte längere Zeit in Stambul gearbeitet und war eigentlich ein Kunduradschy [Schuster]. Aber in jenem Lande brauen alle Leute Bier, und darum verstand auch er es gut. Er war sehr arm und wanderte in seine Heimat zurück. Ich hatte Mitleid mit ihm und gab ihm für einige Zeit Herberge nebst Speise und Trank. Dafür hat er mir aus Dankbarkeit das Tertib [Rezept] des Bieres gegeben."
"Wie heißt das Land, aus welchem er stammte?"
"Ich habe mir den Namen ganz genau gemerkt. Es heißt Elanka."
"Du hast, wie es scheint, Dir den Namen doch nicht ganz genau gemerkt."
"O doch! Er lautete wirklich Elanka."
"Oder wohl Erlangen?"
"Erla - - - Herr, Du hast Recht. So wie Du sagst, so heißt das Land. Ich besinne mich. Das Wort ist nicht leicht auszusprechen. Kennst Du es denn?"
"Ja, aber Erlangen ist nicht ein Land, sondern eine Stadt in Bawaria."
"Ja, ja, Du weißt es ganz genau. Er war ein Bawarialy. Jetzt fällt es mir ein. Bawaria ist ein Teil von Alemanja, wo alle Leute Bier trinken. Sogar die Säuglinge schreien schon danach."
"Hat Dir das dieser Schuster gesagt?"
"Ja, er tat es."
"Nun, ich kenne ihn nicht und weiß also auch nicht, ob er bereits in so früher Jugend Bier getrunken hat. Jedenfalls aber hat er Dir bewiesen, daß dieser Trank den Menschen nicht undankbar macht. Können wir auch etwas zu essen bekommen?"


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