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Reisebericht einer Paddeltour über Ostern 2001

Als wir in Blankensee, ein Dorf in Mecklenburg Vorpommern etwa 12 km Nordöstlich von Neustrelitz gelegen, ankamen tobte draußen ein Schneesturm. Bei diesem Wetter wollten wir (Frederick und Lukas) eine Paddeltour machen? Nagut, also raus aus dem Zug mit all unseren Seesäcken, dem Zelt und dem Faltboot und ins Nasse. Nach dem wir eingekauft und etwas gegessen hatten, besserte sich sogar das Wetter. Doch wo war das Wasser? Ein Erkundungsgang von Frederick verschaffte uns Klarheit. Auf mit dem ganzen Gepäck und über die Bahngleise, einen Feldweg entlang und dann quer über eine Wiese zu einem Seitenarm des Wanzkaer Sees. Das Wetter spielte mit und so konnten wir ungestört das Boot aufbauen. Unser Tourplan war folgender: Von dem Wanzkaer See fließt der Nonnenbach in den Tollensesee. Aus diesem fließt die Tollense, welche in die Peene mündet. Und die Peene mündet schließlich bei Usedom in die Ostsee. Die erste Nacht verbrachten wir auf einer Insel auf dem Wanzkaer See.

Solange man im Schlafsack liegt stört ein die Kälte nicht - doch irgendwann muss man ja aufstehen. Draußen graupelte es vor sich hin. Nach dem Frühstück und einem warmen Kaffee ging es weiter über den Wanzkaer See zum Nonnenbach, laut Wasserkarte ein befahrbares Gewässer. Einen halben Kilometer ging es noch gut - dann war schluss - aussteigen. Durch eine Stromschnelle und das anschließend flache Wasser zogen wir das Boot, Frederick mit Füßen im Wasser, bis zu einer, uns angekündigten, verfallenen Mühle. Doch hinter dem Wasserfall der Mühle konnten wir nicht wieder einsetzten, der Bach war vergleichbar mit der Prißnitz. Nagut, dachten wir, dann tragen wir eben 100 Meter, dann geht es sicher wieder. Pustekuchen. Wir schleppten das Boot am Bach entlang über eine Weide. Dann zurück das Gepäck holen. Dann wieder das Boot. Vor jeder Kurve hoffend, dass der Bach dahinter tiefer und befahrbar wird. So ging es durch Sumpf, Feld und Wald bis wir das Boot wieder ins Wasser setzen konnten. Der Bach war tiefer geworden und hatte keine Stromschnellen mehr, allerdings waren ständig Äste im Wasser, die wir aber wegräumen konnten. Frederick saß im Boot und quälte sich den Bach entlang, ich trug etwas Gepäck, räumte Äste aus dem Weg und schaute was hinter der nächsten Kurve für eine neue Überraschung wartete. (Es war ja schließlich zwei Tage vor Ostern.)

Doch so ging es nicht lange: Ein ins Wasser gestürzter Baum versperrte die weitere "Fahrt". Also Boot raus und 50 Meter tragen bis es wieder eine Einsatzstelle gab. Doch nach drei Kurven war endgültig schluss. Der Bach floss in eine Schlucht, es war flach, steinig und Äste waren im Wasser. Wir hofften der Tollensesee müsste fast vor uns liegen und gingen am Ufer entlang auf Erkundung. Auf den Tollensesee trafen wir nicht. Dafür aber auf ein paar Häuser mit einer Straße. "Försterei Zachow" entzifferten wir auf dem Ortsschild. Den knappen Kilometer zum Boot zurückgekehrt, studierten wir die Karte. Unsere Hoffnung, den Tollensesee zu erreichen schwamm den (bescheuerten) Bach herunter: Bis jetzt waren wir etwa zweieinhalb Kilometer den Nonnenbach entlang gekommen - bis zum See waren es noch etwa fünf km. Also schauten wir wo die Straße hinführt, die wir gesehen hatten. Und da hatten wir Glück: Nach etwa zwei Kilometern führte sie dicht an dem See "Die Lieps" vorbei. Der eigentlich gesperrte See ist durch einen Kanal mit dem Tollensesee verbunden. Von neuer Hoffnung und Kraft beflügelt, schleppten wir Boot und Gepäck bis zur Straße. Dort schnallten wir das Boot auf unser kleines zweirädriges Wägelchen und zogen die zwei Kilometer bis zum See. Das war ein gutes Gefühl wieder Wasser unter dem Bug zu haben. Wir erreichten den Tollensesee und übernachteten am Ufer bei Alt Rense.

Am nächsten Morgen schien die Sonne. Jedenfalls solange, bis sie gegen Mittag wieder von Wolken verdeckt wurde. Nach den neun Kilometern über den See erreichten wir Neubrandenburg und die Tollense. Dort erwartete uns das erste Wehr. Das Umtragen war kein Problem doch danach war die Tollense verdammt flach und die Strömung sehr schnell. Der Untergrund war Steinig und von allerlei Sperrmüll, der wohl von den angrenzenden Kleingärten stammen mochte, bestückt. Das Steuer, das etwas tiefer als das Boot liegt, schlug oft auf Grund. Wir konnten nichts machen, nur schneller als die Strömung fahren, damit wir noch steuern konnten, und hoffen, dass kein spitzer Gegenstand unser Boot aufritzt. Nach einer großen Stromschnelle wurde es besser: der Fluss breiter, tiefer und weniger Strömung. So fuhren wir etwa 20 Kilometer bis Altentreptow, wo ein Wehr uns zum halten zwang. Das Wehr war so geschickt angelegt und abgezäunt, dass wir Mühe hatten umzutragen. Unsere Stimmung wurde nicht besser, als wir in der Tankstelle nicht einmal Leitungswasser bekamen. Doch wir erinnerten uns, dass wir in Deutschland sind und dass hier noch gilt was der Chef (in diesem Fall die Chefin) sagt. Etwa zwei Kilometer hinter Altentreptow schlugen wir unser Zelt auf. Als wir das Boot aus dem Wasser nahmen, bildeten sich sofort Eiskristalle auf der Unterseite...

Heute war Ostern und wir hatten sogar Eier, die wir zum Frühstück kochten. Die Fahrt ging gut und schnell, da die Tollense eine gute Strömung hat. Wir fuhren etwa 28 Kilometer, überwunden zwei Wehre und bis auf das kalte "Niesel-Briemel-Wetter" war alles bestens. Die letzte Nacht an der Tollense verbrachten wir in einem (Ur)Wald. Am nächsten Tag kamen wir zu einem Wehr, das nur etwa 20-30 cm hoch war. Nach einigem Prüfen fuhren wir herunter - keine Lust schon wieder alles Gepäck rauszuräumen, das Boot umzutragen, Gepäck wieder rein, Leute wieder rein...

Gegen Mittag erreichten wir die Peene und die Hansestadt Demin. Mit der guten Strömung war es nun dahin. Die Peene hat sehr viele Seenartige Seitenarme und an einem dieser übernachteten wir. Am Abend fingen wir sogar noch ein Fisch und sahen dabei direkt vor uns am Ufer Wildschweine mit ihren Jungen. Es gab sogar genug trockenes Holz für ein Feuer. Was hatte ich nur gegessen? Ich brach die ganze Nacht und fühlte mich hundeelend. Da auch etwas auf den Schlafsack gegangen war wusch ich es am morgen ab. Ein ziemlich schönes Gefühl, wenn man sich nicht auf seinen warmen Schlafsack freuen kann...

Zum Frühstück zog ich es vor zu fasten. Wir kauften etwas Zwieback und so hatte ich wenigstens etwas zu beißen. Auch ein "Magen und Darmtee" brachte mir Besserung. Wir fuhren etwa 20 Kilometer, es regnete kaum und wir fanden einen wunderbaren Zeltplatz. Am nächsten Morgen fühlte ich mich viel besser. Wir fuhren durch einsame Flusslandschaft, kleine Dörfer über 30 Kilometer bis kurz vor Anklam. Dieser erreichten wir am nächsten Tag und neun Kilometer später die Mündung der Peene. Zum erstenmal ließ sich sogar mal richtig die Sonne blicken. Wir fuhren nach Usedom und flüchteten vor einem Regenschauer in ein Café. Etwa 200 Kilometer lagen hinter uns und eine Menge Erlebnisse. Die Nacht verbrachten wir an der Mündung der Peene. Der Nachfrost schadete nichts mehr - mein Schlafsack war wieder trocken. In Anklam fuhr am nächsten Nachmittag unser Zug - zurück in die Zivilisation.
© Lukas Weidauer

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