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Ganz nah bei den Opfern: Trauer am Ground Zero (dpa)
11. September 2002

New York marschiert wieder vorwärts

Die Metropole und die Zeit der Gefühle

Plötzlich brandete Beifall auf. Vielleicht hatte jemand im Radio verfolgt, dass Gouverneur George Pataki gerade das Verlesen der "Gettysburg Address" beendet hatte und nun der ehemalige Bürgermeister Rudolph Giuliani die Namen der Toten vortragen würde. Jedenfalls war es gut zu klatschen. Das gab den Menschen, die am Rande des "Ground Zero" standen, ein Gemeinschaftsgefühl. Und es löste die Anspannung.

Bereits über eine Stunde vor Beginn der Gedenkfeierlichkeiten zum ersten Jahrestag der Terror-Anschläge auf New York und Washington waren die Menschen nach Downtown Manhattan geströmt zu dem Platz, auf dem einst die Zwillingstürme des World Trade Center standen. Die Polizei hatte das Areal weiträumig abgesperrt. Vor den Eingängen, die den Angehörigen der 2.801 Opfer Zutritt zu der Gedenkfeier gewährten, bildeten sich lange Schlagen. Tausende, die keinen speziellen Ausweis besaßen, versuchten wenigstens einen kleinen Blick auf den Ort der Katastrophe vom 11. September 2001 zu erhaschen.

Stars and Stripes und neuer Mut (ddp)

 

Stars and Stripes an den Hauswänden

 

Viele der umliegenden Büro-Hochhäuser waren mit riesigen Sternenbannern geschmückt. An den Brüstungen auf den Balkonen standen Hunderte von Fernsehteams, die live in alle Welt berichteten. Die Menschen in den Straßen rückten zusammen und unterhielten sich halblaut. Viele waren mit Freunden gekommen, Arbeitskollegen hatten sich verabredet, Familien trafen sich. Überall sah man Feuerwehrleute in ihren schwarzen Uniformen und weißen Handschuhen, die sich einen Weg durch die Menge bahnten, um sich Zutritt zum "Ground Zero" zu verschaffen. 343 ihrer Kollegen kamen ums Leben, als die beiden Türme vor einen Jahr zusammenfielen. Angehörige trugen die Bilder ihrer Toten um den Hals oder hatten sie sich auf die Brust geheftet.

 

Flagge zeigen

 

"Ich bin hier, weil ich zeigen will, dass es weiter geht", sagte ein Mann einem Reporter, "die Welt schaut auf uns, wir müssen Flagge zeigen." Dann wurden die Gespräche seltener, die Schweigeminute nahte. Noch wehte der heftige Wind ein paar Töne der Dudelsack-Musik vom "Ground Zero" herüber. Um 8.46 Uhr dann, exakt zu dem Zeitpunkt, als der erste von den Terroristen gesteuerte Jumbo-Jet in den Nordturm raste, gedachte die Stadt der Toten in einer Schweigeminute. Es war, als ob das Herz der Acht-Millionen-Metropole für ein paar Schläge aussetzte. Der Verkehr stockte für kurze Zeit. Nur der Wind trieb riesige Staubwolken von der Baustelle herüber.

Den ganzen Tag lang begingen die New Yorker den ersten Jahrestag des 11. September. Viele verstanden diesen Mittwoch auch als ihren ganz privaten Tag der Trauer und des Nachdenkens und blieben zu Hause. Bürgermeister Michael Bloomberg hatte in den mit riesigen Sonderbeilagen erschienen Zeitungen bereits den Zeitplan der Gefühle vorgegeben: "Am Morgen werden wir zurückblicken und uns erinnern, wer sie waren und warum sie starben. Und am Abend werden wir das hinter uns lassen und sagen: Okay, wir marschieren vorwärts."

(ddp)



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Quelle: N24

Foto: dpa
Stille Trauer in New York

In einer bewegenden Trauerzeremonie haben die Menschen in New York der Opfer des 11. Septembers 2001 gedacht. Nach einer Schweigeminute um 8.46 Uhr (14.46 MESZ), dem Zeitpunkt, an dem vor einem Jahr die erste Maschine in den Nordturm des World Trade Centers einschlug, wurden die Namen aller Todesopfer des Attentats verlesen. Unter den Sprechern waren unter anderem New Yorks Ex-Bürgermeister Guiliani, Außenminister Powell und Senatorin Clinton. Für die zehn Deutschen, die in den Trümmern des WTC umkamen, sprach die Hamburgerin Sybille Dircks.

Während der Trauerfeier zogen die Angehörigen der Opfer in einer langen Prozession über eine Rampe in die sieben Stockwerke tiefe Grube, in der die Fundamente des 411 Meter hohen WTC verankert waren. Viele hielten Fotos ihrer toten Angehörigen in der Hand. Offizielle Reden gab es während der ganze Zeremonie nicht. New Yorks Gouverneur Pataki zitierte aber aus der berühmten Gettysburg-Rede, mit der Präsident Lincoln 1863 die Toten des Bürgerkrieges geehrt hatte.

Feuerwehrleute gedachten der Opfer

Im Gedenken an ihre Kameraden und alle anderen Opfer marschierten in der Nacht New Yorker Feuerwehrleute und Polizisten mit Dudelsäcken und Trommeln durch die Straßen der Acht-Millionen-Stadt auf Ground Zero zu.


VIDEOS
 
11. September: Weltweites Gedenken - RTL aktuell
Peter Kloeppel über den Jahrestag der Anschläge - RTL aktuell
RTL-Korrespondent Christof Lang über die Gedenkfeiern - RTL aktuell


Foto: dpa
Gedenken im Pentagon

Auch im Pentagon wurde der Toten der Anschläge von vor einem Jahr gedacht. Hier im US-Verteidigungsministerium in der Nähe von Washington waren 189 Menschen ums Leben gekommen, als die dritte entführte Maschine in den fünfeckigen Bau stürzte. Präsident Bush nahm sowohl an den Feierlichkeiten am Pentagon, als auch in Shanksville/Pennsylvania teil. Dort war die vierte entführte Maschine mit 44 Menschen an Bord abgestürzt, bevor sie ihr Ziel in Washington erreichen konnte. Das mutige Eingreifen der Passagiere hatte verhindert, dass die Terroristen ihre tödliche Mission beenden konnten.

 

Quelle: RTL

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