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Die am häufigst gestellte Frage ist die, wie wir auf dieses Projekt gekommen sind. Sie zu beantworten muss ich weit ausholen. Als ich in der fünften Klasse auf Exkursion im Bodemuseum war, wo eine Menge stumme, steinerne Zeugen der ägyptischen Kultur stehen, zeigte uns unser Führer auch kurz den Stein von Rosette. Natürlich nur eine Kopie und doch war ich fasziniert. Wie gut die Kopie war, daran erinnere ich mich längst nicht mehr. Doch die Faszination hatte sich in mir festgebissen. So vergingen die Jahre. Mein Vater schenkte mir einmal zu Weihnachten ein Abonnement des National Geographic Deutschland. Hier erscheinen regelmäßig Berichte über die Welt der Pharaonen. Noch regelmäßiger liegen Werbebeilagen in dem Heft und in einer dieser Beilagen Anfang 2003 wurde eine kleine Kunststoff-Kopie des Steines angeboten. Sofort ergriff mich wieder die Faszination und mir kam erstmalig der Gedanke, diesen Stein nachzubilden. Noch erschien es mir selber verrückt, so viel Arbeit auf mich zu nehmen. Erst als unsere Klassenlehrerin Anfang März verkündete, man solle sich für Projekte für die letzten Tage des Schuljahres überlegen, fasste ich spontan den Beschluss, anstatt wieder Räume zu streichen die Gelegenheit zu nutzen und endlich den Traum zu erfüllen. Losgelassen hatte mich der Gedanke nämlich nicht mehr seit der Eingebung durch die Werbebeilage. Ich schlug meinem Freund Jonathan das Projekt vor, der von meiner Begeisterung sofort angesteckt wurde. Noch innerhalb der nämlichen Unterrichtsstunde waren die Eckpunkte festgelegt. Doch muss hierzu bemerkt werden, dass ich noch sehr blauäugig war und meinte, man könnte alles in kürzester Zeit schaffen. Doch um so mehr ich recherchierte, desto klarer wurde, ich müsste größer planen. Vor allem brauchte ich mehr Zeit, auch war es notwendig , mindestens eine Arbeitskraft mehr zu beteiligen und alles zu finanzieren. Die erste Einnahmequelle war das Osterkonzert, wo unser Projekt erstmals öffentlich wurde. Vor allem mit Ostereiern kam ein satter Gewinnanteil von 40 Euro für das Projekt zustande. Es sollte noch viel mehr werden, doch die erste Einnahme bleibt in Erinnerung. Es mussten nun einige wichtige Entscheidungen getroffen werden. Darunter aus welchem Material die Nachbildung hergestellt werden sollte. Stein und Zement mussten am Ende dem Kunststoff weichen. Zudem wurde deutlich, dass eine Broschüre zu schreiben notwendig würde, um unsere Erkenntnisse dem Interessierten zu vermitteln. Unser kleines Buch haben wir privat vertrieben und hatten dank des dadurch möglichen sehr günstigen Preises eine Nachfrage, auf die wir stolz sein können. Da wir einen Antrag auf zusätzliche Arbeitszeit stellen mussten, wurde die Schulleitung auf unser Projekt aufmerksam. Und obwohl wir um die Zeit stark feilschen mussten, erfuhren wir hier sehr viel Unterstützung. Nun waren unsere vornehmlichen Probleme die Beschaffung einer ausreichend großen Acrylglasplatte und einer qualitativen Vorlage. Wir ließen uns von einem Bekannten (um sieben Ecken) ein Plakat aus dem Britischen Museum mitbringen. Viele Bilder, die man in Büchern findet, sind von schlechter Qualität, sehr klein und zudem ähneln sie in den meisten Fällen kaum dem Stein von Rosette. Am 25. Mai ging ich daran, die Glasplatte zurechtzuschneiden. Zuvor hatte ich mit einem Großkopierer das Plakat auf die Originalgröße des Steines vergrößern lassen. Ich bog den Rand um (siehe 1.2.1) und erfuhr, dass brennendes Acryl tropfen kann und in der Lage ist, Teppiche zu entzünden. Nachdem ich in tagelanger Arbeit den Stein eingefärbt hatte, passierte der Unfall und das kurz vor der heißen Phase, dem Zeichnen und Gravieren der Schriftzeichen. Am Abend des 11.6.03 habe noch ein letztes Mal den Riss überfärbt. Ich war dann schon sehr aufgeregt, ob denn auch alles gut gehen würde. Tags darauf brachte ich früh die Platte zur Schule, was wegen des Windes nicht einfach war. In den zwei Stunden bis zur Ablösung habe ich erst mal unser Atelier in der Schule so eingerichtet, damit wir hinfort so effektiv wie möglich arbeiten konnten. Um 14 Uhr, nach Jonathans vierstündiger Arbeit, habe ich dann in rund 100 Minuten die ersten acht griechischen Zeilen graviert. Das entsprach noch nicht ganz meinem Ziel von durchschnittlich einer Zeile in zehn Minuten, aber auch ein geübter Graveur muss sich schließlich erst mal einarbeiten! So war auch zunächst herauszufinden, welche Gravurköpfe für diese Arbeit am günstigsten sind. Für die vertikalen Striche nahm ich einen konusförmigen Siliziumkarbidkopf, für horizontale und schräge Linien sowie Kreise einen Standardmetallkugelkopf mit einem Millimeter Durchmesser. Am 13.6.03 habe ich innerhalb von vier Stunden zwanzig Zeilen des griechischen Textes geschafft. Geschafft war hinterher auch ich. Glücklicherweise folgte das Wochenende. Erst am 17.Juni ging es weiter: In der Frühschicht habe ich in rund drei Stunden fünfzehn griechische Zeilen geschafft. Nach einer kurzen Unterrichtssequenz habe ich bis in den Nachmittag die fünf kurzen Hieroglyphenzeilen sowie die fünf Demotik-Zeilen graviert, die schon vorgeschrieben waren. Die Hieroglyphen waren relativ einfach, doch das Demotische dauerte noch zu lange. Am Folgetag konnte ich in meiner recht kurzen Schicht von 10:00 bis 12:45 das Griechische beenden und bei den Hieroglyphen weiterarbeiten. Hier arbeite ich nicht zeilenweise, sondern in Flächen. Am nachfolgenden Donnerstag, durfte ich erfreut feststellen, dass meine Mitstreiter inzwischen mit ihrer Arbeit fertig geworden sind. Die Freude wurde getrübt durch die Feststellung, dass fehlerhafte Hieroglyphen nicht ausgebessert worden sind und zudem keine einzige Einladung ausgeteilt wurde. Auch ich bin im Laufe des Tages mit den Schriftzeichen fertig geworden. So bleiben für den Freitag nur noch Ausbesserungen, das Aufräumen und die Suche nach einer Unterbringung. Alles war bereit zur Vorstellung unserer Arbeit, doch zunächst erholten wir uns am Ijsselmeer. Die Präsentation fand am ersten Juli statt. Wir haben sie an dem Tag noch mehrmals wiederholt, das Büffet war hinterher alle, wir haben viele Bücher und Postkarten verkauft, Spenden eingenommen und waren rundum zufrieden. Für den Abend hatten wir geplant, den Stein in eine von der Schule zur Verfügung gestellte Vitrine zu stellen, doch erwies sich diese als zu kein und so verbrachte ich einen Teil der Sommerferien mit dem Bau einer neuen. Es zog sich noch über Wochen, diese an einem geeigneten Ort aufzustellen. Doch waren am Ende alle fasziniert. Und somit kann ich sehr stolz sein. Ich konnte die Begeisterung für diesen Stein weitervermitteln. |