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Bericht über den Unfall

Es war am früh am Pfingstmontag 2003, es war gerade erst ein wenig hell und noch schlief ich. Ich hatte am Abend zuvor die Balkontür offen gelassen, denn es war enorm heiß gewesen. Der fertig geformte und lackierte Stein aus Acryl wartete an den Tisch gelehnt, dass er für den Transport in das Atelier eingepackt werde. Das hatte ich mir für den Pfingstsonntag vorgenommen, war aber nicht dazu gekommen und bildete mir ein, es gleich früh am Montag zu erledigen und ließ den Stein daher unangebunden im Raum stehen. Nun pfiff eine kräftige Windböe unglücklicherweise an dieser Balkontür vorbei. Eine Art von Panflöteneffekt bewirkte einen heftigen Windstoß genau in Richtung meines Steines...
5:02 am Pfingstmontag, ein lauter Knall, ich schreckte hoch, sah den Stein noch kippen und mit einer Ecke auf meine Ortlieb-Officeback fallen. Entsetzen packte mich beim Anblick des Ergebnisses des Sturzes: mein in Wochen entstandenes Werk war gespalten: diagonal, genau durch die Mitte! Ich stand auf, hob die zwei Hälften aufeinander und stand minutenlang nur da, ich sagte nichts, ich dachte nicht einmal mehr und als ich es dann wieder tat, so nur, das eben erlebte möge doch bitte ein Traum gewesen sein.
Meine Trauerlethargie musste überwunden werden und ich war entschlossen, alles zu geben, um den Stein wieder nach dem aussehen zu lassen, was er imitieren soll. Ich holte die Arbeitsplatte, den Gasbrenner, weiteres Werkzeug sowie Plexiglas, welches ich zunächst in ca. 8 mal 20 Zentimeter große Stücke zerschnitt. Sie dienten als Pflaster. Es dauerte bis fast vier Stunden, bis ich die ganze Rissstrecke vollständig mit „Plexi-Pflastern" verschweißt hatte, danach verstärkte ich die andere Diagonale mit einer Alustange, so ist die Platte statisch besser den je, die Notoperation war erfolgreich!
Nach eingehender Beratung folgte nun die Beseitigung der Narbe, einer langen Verwerfung, die durch das unregelmäßige Erwärmen am Riss entstanden war. Was überstand wurde abgeschliffen, später überlackiert, übrig blieben einige Wölbungen, die Überlackierung glänzt leider sehr verräterisch, aber daran konnte ich nun nichts mehr ändern.

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Autor: Jan Romberg
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