2. Partialsummen und Zahlenfolgen

2.3. Arithmetische Zahlenfolgen p-ter Ordnung

2.3.1. Partialsumme arithmetischer Zahlenfolgen p-ter Ordnung

Für eine allgemeine Summenformel arithmetischer Zahlenfolgen p-ter Ordnung kann der Satz 2.2 verwendet werden.
Satz 2.2.

Ist (an) eine arithmetische Zahlenfolge von p-ter Ordnung, so ist die Summenfolge (sn), sn = a1 + a2 + ... + an, eine arithmetische Zahlenfolge von (p + 1)-ter Ordnung und es gilt (6).
sn = ( n
1
) a1 + ( n
2
) b11 + ( n
3
) b12 + ... + ( n
p+1
) b1p
(6)
Um den Satz 2.2 zu beweisen, sind weitere Definitionen notwendig.
Aus der Bildungsvorschrift der k-ten Differenzfolge von (an) durch bnk = bn+1k-1 - bnk-1 folgt bn+1k-1 = bnk + bnk-1.
Außerdem gilt bn0 := an.
DEFINITION 2.7.
Die Fakultät n! (gelesen: "n Fakultät") ist das Produkt der ersten n natürlichen Zahlen. Ferner wird 0! = 1 definiert.


DEFINITION 2.8.
Ein Binomialkoeffizient (gelesen: "n über k ") ist durch die Gleichung (7) definiert.
( n
k
) = n(n - 1)(n - 2)...(n - (k - 1))
k!
, kÎN       (7)
Zusätzlich wird definiert: ( n
0
) = 1, nÎN0
Falls nÎN und k > n ist, so steht im Zähler der Faktor 0, d.h. der gesamte Ausdruck wird 0.
Um den Satz 2.2 zu beweisen, muss zu erst die Gleichung (8) bewiesen werden. Dies kann mit Hilfe der vollständigen Induktion getan werden.
bnk = (8)
Beweis von Gleichung (8).
Behauptung: Die Gleichung (8) gilt für alle k, nÎN.
Induktionsanfang:
a) Gleichung (8) gilt für k > p, denn bnp+f = 0 (f > 0) und = 0.
b) Gleichung (8) gilt für n = 1, denn b1k = b1k und = b1k.
Induktionsvoraussetzung: bn+1k-1 = bnk + bnk-1 für beliebige k, nÎN. Die Gleichung (8) gilt für a) k > t und n = u beliebig oder b) k < t + 1 und n = u.
Induktionsbehauptung:
a) Die Gleichung (8) gilt für k = t und n = u.
b) Die Gleichung (8) gilt für k = t - 1 und n = u + 1.
Induktionsbeweis:
a) sei dem Leser als Übung überlassen.
b) bu+1t-1 = but + but-1
bu+1t-1 =
bu+1t-1 =
bu+1t-1 = b1t + + b1t+u
bu+1t-1 =
bu+1t-1 =
bu+1t-1 =
Wegen der Gültigkeit von Induktionsanfang und Induktionsschritt gilt die Gleichung (8) für alle natürlichen Zahlen n, k.
QED
Eine weitere Begründung der Gleichung (8) wäre es, die Summe als Anzahl der Wege zu interpretieren. So setzt sich an zusammen aus b1p mal Anzahl aller Wege von b1p nach bn0 + b1p-1 mal Anzahl aller Wege von b1p-1 nach bn0 + ... + b00 mal Anzahl aller Wege von b00 nach bn0. Dabei gibt es von b1p-r nach bn0 genau (p - r) Wege in Richtung der 0. Reihe und genau (n - (p - r)) Wege in Richtung der n. Spalte, also insgesamt (n - (p - r) + (p - r)) über (p - r) = n über (p - r) verschiedene Wege. Daraus folgt Gleichung (8).
Zur Veranschaulichung dient die schematische Übersicht für p = 3.
1 8 27 64 125 216 ... (0. Reihe)
7 19 37 61 91 ... (1. Reihe)
12 18 24 30 36 ... (2. Reihe)
6 6 6 6 ... (3. Reihe)
Da an = bn0 ist, gilt an =
aq =
aq =�       (9)
Die Gleichung (10) lässt sich mit Hilfe der vollständigen Induktion beweisen.
      (10)
Beweis von Gleichung (10).
Behauptung: Die Gleichung (10) gilt für alle nÎN.
Induktionsanfang: Die Gleichung (10) gilt für n = 1, denn = 1 und = 1 für q = 0 bzw. = 0 und = 0 für q > 0.
Induktionsvoraussetzung: Die Gleichung (10) gilt für n = k.
Induktionsbehauptung: Die Gleichung (10) gilt für n = k + 1.
Induktionsbeweis:




=
=
=
Wegen der Gültigkeit von Induktionsanfang und Induktionsschritt gilt die Gleichung (10) für alle natürlichen Zahlen n.
QED
Setzt man Gleichung (10) in Gleichung (9) ein, so erhält man Gleichung (11).
(11)
Die Gleichung (11) ist äquivalent zu Gleichung (6), da bn0 = an ist. Damit ist der Satz 2.2 bewiesen.

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