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Eine Serie von Anregungen,
von Robert Stubenrauch
Bisher erschienen:
Nun, lieber Jazzfreund, was werden wir denn in Zukunft hören, wenn denn etwas dran ist an dem Gerücht vom "Ende des Jazz". Natürlich werden wir uns weiterhin unsere Monk-Coltrane-Mingus-Ornette-Miles Boxen und vielleicht sogar die Brötzmann-Taylor-Braxton-Art-Ensemble Editionen reinziehen und es wird immer noch schön sein. Aber sonst? War das dann schon das erfüllende (Er)Leben eines Musikfreundes?
Wenn der Jazz wirklich tot sein sollte (wer stellt eigentlich den Totenschein aus?) dann müssen wir uns doch rechtzeitig nach Ersatz umsehen. Aber auch, wenn er noch ein Weilchen weiter lebt, kann ein bisschen Ergänzung nicht schaden. Denn es gibt sie: Gute, hörenswerte Musik, die Intellekt und Emotion gleichermaßen anspricht, Musik, die provokant, entspannend, instrumental, komplex, improvisiert sein kann. Kurz, Musik, die dem hohen Qualitätsanspruch eines Jazzfreundes genügt, und die trotzdem kein Jazz ist!
Qualität im Jazz wird von den "Kennern" oft gleichgesetzt mit einer Art von trotziger Schwierigkeit. Jazz muss komplex sein, damit er als hochwertig wahrgenommen werden kann (und damit der elitäre Anspruch gewahrt werden kann, durch den sich der Jazzhörer oft auch definiert). Musik sei nur dann wertvoll, wenn sie "innovativ" ist, und sie sei nur innovativ, wenn beständig Unerwartetes in Sekundenbruchteilen auf den Hörer einprasselt. Aber Qualitätsansprüche können immer nur relativ zur Funktion einer Sache gesehen werden, und die funktionslose "Musik an sich" muss erst gespielt werden. Einfach gesagt: gute Musik-zum-in-der-Badewanne-Entspannen braucht andere Eigenschaften als gute Musik-zum-Autofahren, gute Musik-zum-Essen, gute-Musik-für-die-Ekstase oder - ja, auch dass soll es geben - gute Musik-zum-konzentrierten-Zuhören. Moderne Technik macht es uns heute möglich in Lebenslagen Musik zu hören, wo es früher undenkbar war. Dadurch hat sich das Funktionsspektrum von Musik enorm erweitert. Darum muss sich auch der Jazzfreund heute nicht mehr nur mit guter Musik-zum-Bierdrinken-und-Rauchen und guter Musik zum Sich-von-den-anderen-zu-unterscheiden begnügen.
Wenn man sich durch den zeitgenössischen Genre-Dschungel von World, Dance, Electronica, Dub, Drum'n'Bass, Ambient, Techno, Trip-Hop und Dutzende andere Erfindungen der Marketing-Experten durchschlägt, kommt manch erstaunlicher Schatz zu Tage. Wie im Jazz, so ist es aber auch in diesen Bereichen dort am spannendsten, wo Genres aufeinander treffen oder auch dort, wo schlichtweg keine Kategorien mehr greifen. Entsprechend mühsam kann es sein, derartige Musik in den Läden aufzustöbern. Besonders unwahrscheinlich ist das, wenn man gewohnheitsmäßig auf die Jazz-Abteilung zusteuert (wo man das findet, wovon die Marketing-Strategen glauben, dass sie am meisten absetzen) und dort ängstlich-gelangweilt verharrt ohne je neues Territorium zu erforschen.
Für diese Serie von Anregungen werde ich mein persönliches CD-Regal durchstöbern und dem Leser Hörerlebnisse nahe legen, die über Jazz hinausgehen. Ausgefallene ebenso wie bekannte, historische oder auch brandaktuelle Musik, die fast nie eigentlich Jazz ist, aber die - so hoffe ich - kompatibel ist mit dem anspruchsvollen Geschmack eines Jazzhörers. Diejenigen, die nach ätzender Kritik Ausschau halten, oder nach lehrbuchmäßig strukturierten "gültigen Einführungen" in Genres suchen, werden enttäuscht sein. Alle, die sich auf Hörtrips in unbekannte Richtung einlassen wollen, seien herzlich willkommen! Und nicht vergessen: Über Geschmack lässt sich nicht streiten!
Musik für Jazzfreunde erscheint in unregelmäßigen Abständen, damit die Dosis nicht zu hoch werden kann. Die folgenden weiteren Anregungen sind im Moment denkbar: