Kampf mit Mordred
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Kampf mit Mordred und Entrückung

XI, 1. Darüber will, edler Fürst, Geoffrey of Monmouth222 schweigen; aber wie er in der erwähnten keltischen Erzählung223 fand und von Walter von Oxford224, einem in vielen Geschichten sehr bewanderten Mann, vernahm, will er in seinem, wenn auch ärmlichen, Stil kurz die Schlachten offen darlegen225, die der berühmte König mit seinem Neffen ausfocht, als er nach jenem Sieg nach Britannien zurückgekehrt war.

Sobald die schändliche Kunde dieses besagten Verbrechen die Ohren Arthurs erreichte, verschob er unverzüglich den Angriff, den er gegen den römischen Kaiser Leo zu führen sich vorgenommen hatte, und entsandte Hoel, den Führer der Armorikaner, mit einem Gallierheer, um in diesen Gegenden für Ruhe zu sorgen; dann kehrte er selber sofort nur mit den Inselkönigen und ihren Truppen nach Britannien zurück. Der verruchte Verräter Mordred hatte Cheldric, den Führer der Sachsen, nach Germanien entsandt, um dort so viele wie möglich für sich zu gewinnen und mit allen Gewonnenen möglichst schnell226 zurückzufahren. Mordred hatte sich durch Vertrag verpflichtet, ihm denjenigen Teil der Insel zu überlassen, der sich vom Humber-Fluß bis nach Schottland erstreckte, und alles, was in Kent Horsa und Hengist zur Zeit Vortigerns228 in Besitz gehabt hatten. Nachdem Cheldric seinen Auftrag ausgeführt hatte, landete er mit achthundert Schiffen voll bewaffneter Heiden und gehorchte nach Abschluß des Vertrages diesem Verräter wie seinem König. Mordred hatte auch Schotten, Pikten und Iren für sich gewonnen sowie alle, von denen er genau wußte, das sie Haß gegen seinen Oheim hegten. Insgesamt waren es ungefähr achtzigtausend an der Zahl, Heiden wie Christen.

Auf deren Hilfe fest vertrauend und von solcher Menge begleitet, marschierte Mordred gegen Arthur, der in Richborough229 landete, eröffnete den Kampf, und richtete ein großes Blutbad unter den Landenden an. Der König Augusel von Schottland und Gawain, der Neffe des Königs, starben an diesem Tag zusammen mit unzähligen anderen. Dem Augusel folgte in der Königsherrschaft Ywain230. Der Sohn von Augusels Bruder Urian, der sich später in diesen Kämpfen durch viele Heldentaten auszeichnete. Nachdem sie, wenn auch unter großer Mühe, das Ufer erreicht hatten, führten sie vergeltende Schläge und jagten Mordred und sein Heer in die Flucht. Durch ständiges Kriegführen geschult, stellten sie ihre Truppen geschickt auf; nach Fußvolk und Reiterei231 geordnet, führten sie den Kampf so, daß dann, wenn die Fußtruppen zum Angriff oder zur Abwehr antraten, die Reiterei sogleich von der Seite aus losbrach und mit aller Anstrengung versuchte, die feindlichen Linien zu durchbrechen, von wo aus sie sie dann zur Flucht zwangen.

So rief der Meineidige denn die Seinen zurück und marschierte in der folgenden Nacht nach Winchester. Als das der Königin Guinevere gemeldet wurde, verzweifelte sie sogleich, floh von York nach Legionenstadt, nahm in der Kirche des Märtyrers Julius unter den Nonnen deren Lebensweise an und beschloß, ein keusches Leben zu führen.

XI, 2. Arthur brannte von noch heftigerem Zorn, als er so viele hundert Kriegsgefährten verloren hatte, begrub seine Toten, marschierte dann am dritten Tag zur Stadt (Winchester) und belagerte den Schuft232 Mordred, der dort Zuflucht genommen hatte. Mordred wollte nicht von seinem Beginnen lassen sondern feuerte233 seine Anhänger auf vielfache Weise an, machte mit seinen Truppen einen Ausfall und beschloß, mit seinem Oheim zu kämpfen. Die Schlacht begann, und ein ungeheures Blutbad wurde auf beiden Seiten angerichtet; als davon weit mehr Mordred Partei betroffen war, zwang ihn das vom Schlachtfeld schändlich zu fliehen. Er kümmert sich nicht viel darum, was für ein Begräbnis seine Toten erführen, sondern flüchtete auf einem schnellen Schiff und nahm Kurs Richtung Cornwall.

Arthur, von inneren Schmerzen gequält, weil Mordred so oft entkommen war, nahm sofort dessen Verfolgung in jene Gegend bis zum Camblanfluß234 auf, wo jener dessen Ankunft erwartete. Wie Mordred der kühnste von allen war und immer der schnellste zum Angriff, so stellte er unverzügliche seine Krieger in Trupps auf, mehr darauf bedacht zu gewinnen oder zu sterben als in der berichteten Art und Weise länger davonzulaufen. Von der genannten Gesamttruppenstärke blieben da noch sechzigtausend Mann übrig, aus denen er sechs Haufen bildete und zu deren jedem er sechstausendsechshundertsechsundsechzig Bewaffnete ordnete. Außerdem stelle er von den Übriggebliebenen einen Haufen auf, und nachdem er über jeden der anderen Haufen Führer eingesetzt hatte, stellte er den letzten unter sein eigenes Kommando. Nach dieser Einteilung weckte er ihnen allen frischen Mut und versprach ihnen die Besitztümer der Feinde, wenn sie bis zum Sieg durchhielten.

Auf der anderen Seite ordnete Arthur ebenfalls sein Heer und teilte es in neun Haufen Fußvolk, mit einem rechten und einem linken Flügel im Viereck aufgestellt; sobald er für alle Befehlshaber eingesetzt hatte, mahnte er, diese Meineidigen und Räuber zu töten, die auf Geheiß eines Verräters von fremden Gebieten zur Insel gefahren seien um ihnen ihre Lande zu entreißen begehrten. Er sagte auch, diese verschiedenen Barbaren aus verschiedenen Königreichen seien unkriegerisch und in der Kampfpraxis unerfahren sowie keineswegs imstande, tapferen Männern, die viele Kriege durchgemacht hätten, standzuhalten, wenn sie kühn anzugreifen und mannhaft auf Leben und Tod zu kämpfen sich bemühen.

Während die zwei ihre Krieger hier und dort auf diese Weise anfeuerten, gerieten die beiden Schlachtreihen in plötzlichem Ansturm aneinander und strengten sich nach Beginn der Schlacht an, häufige Schläge auszuteilen. Auf beiden Seiten wurde sofort ein solches Blutbad angerichtet, das Stöhnen der Sterbenden und die Wut der Angreifer war so groß, daß deren Beschreibung Schmerzen bereitet. Überall verwundeten sie oder wurden verwundet, töteten oder wurden getötet. Nachdem sie einen großen Teil des Tages auf diese Weise verbracht hatten, stürmte Arthur schließlich mit dem einen Haufen, in dem er sechstausendsechshundertsechsundsechzig Mann aufgestellt hatte, auf die Schar los, in der er Mordred wußte, bahnte sich mit dem Schwert einen Weg, drang in den Haufen ein und verursachte ein entsetzliches Gemetzel. So sanken jener verruchte Verräter und viele Tausende mit ihm tot nieder.

Die anderen freilich flohen wegen seines Todes nicht, sondern strömten vom ganzen Schlachtfeld zusammen und versuchten mit aller Kühnheit, die sie besaßen, Widerstand zu leisten. So entwickelte sich die unheilvollste235 Schlacht zwischen ihnen, in der236 fast alle Führer, die auf beiden Seiten anwesend waren, mit ihren Truppen fielen. Auf Mordreds Seite starben die Sachsen Cheldric, Elaf, Egbrict und Bruning237, die Ihren Gillapatric238, Gillamor239, Gillasel240 und Gillarv241. Auf Arthurs Seite fielen König Odbrict242 von Norwegen, König Aschill von Dänemark, Cador Limenich243 und Cassilbellaun244 mit vielen Tausenden der Ihren sowohl von den Briten als auch von den übrigen Völkern, die sich mit ihm verbracht hatten. Aber auch Arthur selbst wurde tödlich verwundet und zur Insel Avalon fortgeschafft, um seine Wunden Heilen zu lassen; er übergab die britische Krone Konstantin, seinem Neffen, dem Sohn des Herzogs Cador von Cornwall, im Jahre 542 n. Chr.

 

 
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