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Sieg
über die Römer
X,1.
Sobald der Inhalt dieser Antwort bekannt geworden war, sandte Lucius Hiberius im
Auftrag des Senats an die Könige des Orients die Aufforderung, ein Heer
bereitzustellen und mit ihm zur Eroberung Britanniens auszuziehen. Schnell
versammelten sich König Epistroph von Griechenland, König Mustenar von Afrika157,
König Ali Fatima158 von Spanien, der Partherkönig Hirtacius, der
Mederkönig Boccus, der König Sertorius von Libyen, der Itureerkönig159
Serses, der Ägypterkönig Pandras, der König Micipsa160 von
Babylon, Herzog Politetes von Bithynien, Herzog Teucer161 von
Phrygien, Evander von Syrien, Echion von Boethien, Ypolit von Kreta zusammen mit
ihren ergebenen Führern und Fürsten. Aus dem Senatorenstand waren Lucius
Catellus162, Marius Lepidus, Gaius Metellus Cocta163,
Quintus Milvius Catullus164, Quintus Carucius, auch so viele andere,
daß insgesamt vierhunderttausendeinhundertundsechzig165 Mann gezählt
wurden. X,2.
Sie erledigten alles Nötige und liefen Anfang August gegen Britannien aus. Als
Arthur ihre Ankunft erfuhr, überlies er Britannien seinem Neffen Mordred und
der Königin Guinevere zur Verteidigung, machte sich selbst aber mit seinem Heer
auf den Weg nach Southhampton, wo er sich bei günstig wehendem Wind
einschiffte. Während er zusammen mit unzähligen Schiffen in glücklicher Fahrt
und in freudiger Stimmung auf hoher See segelte, überfiel ihn etwa um
Mitternacht ganz tiefer Schlummer. Da sah er, in Schlaf eingelullt, einen Bären
in der Luft fliegen, bei dessen Brummen alle Gestade erzitterten, sah auch einen
schrecklichen Drachen von Westen her anfliegen, der mit dem Strahl aus seinen
Augen das Land hell machte, und den einen mit dem anderen einen schrecklichen
Kampf beginnen; sah, wie jener Drache den Bären, der sehr oft angriff, mit
seinem feurigen Atem verbrannte und den Verbrannten zu Boden schleuderte. Da
wachte Arthur auf und tat, was er geträumt hatte, denen kund die sich bei ihm
befanden. Sie deuteten es und behaupteten, das der Drache ihn bezeichne, der Bär
dagegen einen Riesen, mit dem er zusammenstoßen werde,
daß der Kampf der Tiere das Ringen anzeige, das zwischen ihm und dem Riesen
stattfinden werde, und der Sieg des Drachen denjenigen, den er erringen werde.
Arthur vermutete etwas anderes und glaubte, ein solcher Traum habe sich um
seinet- und des Kaisers willen eingestellt. Als schließlich nach Ablauf der
Nacht die Morgenröte aufglühte, landeten sie im Hafen von Barfleur. Dann
schlugen sie ihre Zelte dort auf und warteten, daß die Könige von den Inseln
und die Führer der Nachbarprovinzen166 kämen. X,
3. Inzwischen wurde Arthur gemeldet, das ein Riese von ungeheurer Größe aus
spanischen Gefilden eingetroffen sei, Helena, die Nichte des Herzogs Hoel, den Händen
ihrer Bewacher entrissen habe und mit ihr auf den Gipfel des jetzt Mount Saint
Michel genannten Berges167 geflohen sei; die Ritter des Landes hätten
den Riesen verfolgt, jedoch nichts gegen ihn ausgerichtet. Ob sie ihn nämlich
auf dem Meer oder zu Lande angriffen, er versenke stets ihre Schiffe mit
riesigen Felsblöcken oder tötete sie mit verschiedenartigen Waffen, nehme aber
auch viele gefangen und esse sie noch halblebendig. Bedevere
war so sehr erregt, wie es für ein menschliches Wesen überhaupt möglich ist,
beruhigte die Alte mit gütigen Worten und versprach den Trost schneller Hilfe;
er kehrte zu Arthur zurück und teilte ihm alles mit, was er vorgefunden hatte.
Arthur grämte sich um das Schicksal des Mädchens und wies die zwei anderen an,
ihn den Riesen allein angreifen zu lassen; falls sich jedoch die Notwendigkeit
ergebe, sollten sie ihm zu Hilfe kommen und jenen mannhaft angreifen. Von dort
lenkten sie ihre Schritte auf den größeren Berg, überließen ihre Pferde den
Knappen und steigen mit Arthur hinauf, der vorausging. so
der Riese über das Schwert auf den König; er packte Arthur um die Mitte des Körpers
und zwang ihn auf die Knie zu Boden. Arthur riß seine Kräfte zusammen, entschlüpfte
geschwind und traf den Verruchten schnell bald hier, bald dort mit seinem
Schwert und ruhte nicht eher, als bis er ihn tödlich verwundet und ihm die
ganze Klinge in den Kopf getrieben hatte, bis dort, wo das Gehirn durch die
Hirnschale geschützt war. Dabei schrie der Verhaßte auf und fiel mit größtem
Getöse hin wie eine Eiche, die durch die Heftigkeit der Winde entwurzelt ist.
Der König lachte erleichtert und befahl Bedevere, jenem das Haupt abzuhauen und
einem Knappen zu geben, um es zum Lager zu schaffen, damit es für die
Betrachtenden ein Schauspiel würde. Arthur
meinte, er sei noch nie auf eine solche Manneskraft gestoßen, seitdem er den
Riesen Retho am Arvaiusberg171 tötete, der ihn zum Kampf
herausgefordert hatte. Retho hatte sich Felle aus den Bärten der Könige
gemacht, die er erschlagen hatte, und Arthur aufgefordert, seinen Bart gründlich
auszureißen und ihm dann zuzuschicken; und wie er (Arthur), über den anderen Königen
stehe, so würde er ihm zu Ehren seinen Bart den übrigen Bärten vorziehen.
Andernfalls aber forderte er, Retho, ihn zum Kampf heraus; wer daraus als der Stärkere
hervorgehe, sollte die Felle und den Bart des Besiegten davontragen. Der Kampf
begann, und Arthur siegte, nahm des Riesen Bart und die Trophäe; später
begegnete er, wie er oben erklärt hatte, keinem stärkeren als Retho. Nach
dem errungenen Sieg, von dem ich vorher erzählte, kehrten sie in der Morgendämmerung
der zweiten Nachthälfte172 zu ihren Zelten mit dem Kopf zurück. Um
ihn zu bewundern, strömten die Leuten scharenweise zusammen und bedachten ihn,
der das Land von solchem Freßrachen befreit hatte, mit Lobsprüchen. Hoel aber
grämte sich über das Schicksal seiner Nichte und ließ eine Kapelle über
ihrem Grab auf der Bergspitze bauen, wo sie bestattet lag; der Gipfel erhielt
von dem Grabmal der Jungfrau seinen Namen und heißt bis zu diesem Tag Helenas
Grab. X,
4. Sobald alle diejenigen, auf die Arthur wartete, endlich versammelt waren,
begab er sich von dort nach Autun173, wo sich der Kaiser aufhielt,
wie er meinte. Als er den Aube-Fluß173 erreichte, erhielt er die
Nachricht, der Kaiser habe sein Lager nicht weit davon aufgeschlagen und sei mit
so großem Heer erschienen, das er nicht im Stande wäre, sich dessen zu
erwehren, wie sie behaupteten. Arthur wurde aber nicht in Schrecken versetzt und
wollte nicht von seinen Plänen ablassen, sondern schlug sein Lager am Flußufer
auf, von wo aus er sein Heer ungehindert marschieren lassen oder wohin er sich,
falls es die Notwendigkeit erfordere, zurückziehen konnte. Gleichzeitig
suchte Marcellus Mutius mit aller Anstrengung, Quintillian zu rächen, bedrängte
Gawain bereits von hinten und war schon dabei ihn festzuhalten, als der schnell
herumschwenkte und mit dem Schwert, das er hielt, ihm den Helm mitsamt dem Kopf
bis zur Brust wegriß. Er forderte ihn auf, Quintillian, den er im Lager
niedergeschlagen hatte, in der Hölle176 zu melden, auf solche Weise
hätten die Briten Prahlen und Drohen im Überfluß.Er holte seine Gefährten
wieder zusammen und trieb sie an, jeder solle mit gleichem Ungestüm kehrtmachen
und sich alle Mühe geben, seinen Feind aus dem Sattel zu heben. Sie stimmten
dem zu, wandten sich um, und jeder warf seinen Gegner zu Boden. Die Römer
setzten ihnen weiter zu und trafen sie mit Schwertern und Lanzen, aber177
vermochten nicht, sie gefangenzunehmen oder vom Pferd zu stoßen. Gerade als sie
bei einem Wald angriffen, wie berichtet ist, da brachen aus ihm sogleich gegen
sechstausend Briten hervor, die von der Flucht ihrer Führer gehört und sich
dort verborgen hatten, um jenen Hilfe zu bringen. Sie stürzten hervor, gaben
ihren Pferden die Sporen und erfüllten die Luft mit ihrem Geschrei; sie rissen
ihre Schilde vor die Brust, griffen die Römer unversehens an und trieben sie
sofort in die Flucht. Die Briten jagten wie ein Mann hinterher, warfen mit den
Lanzen die einen von ihren Pferden, nahmen die anderen gefangen und töteten
viele. Nachdem
dies dem Senator Petreius gemeldet worden war, stürmte er mit Zehntausend
seinen Kameraden zu Hilfe, zwang die Briten, in den Wald zurückzueilen, aus dem
sie hervorgebrochen waren, und das nicht ohne Verlust an eigenen Leuten. Denn
die Briten machten auf der Flucht in dem engen Gelände kehrt und richteten ein
beträchtliches Gemetzel unter ihren Verfolgern an. Als sie sich auf diese Weise
zurückzogen, eilte Hyder, der Sohn des Nun178, mit Fünftausend
herbei, um ihnen zu helfen. Die Briten hielten nun stand, boten jetzt denjenigen
die Brust, denen sie kurz zuvor den Rücken gezeigt hatten, und strengten sich
an, starke Schläge mannhaft auszuteilen. „Weil
wir diese Schlacht ohne Arthurs Wissen begannen, müssen wir uns davor hüten,
das unser Beginnen zum Schlechten ausfällt. Wenn es uns nämlich dahin ausgeht,
dann werden wir uns einen sehr großen Verlust unserer Krieger einhandeln und außerdem
unseren König dazu reizen, das er uns verwünscht. Ihr müßt wieder kühnen
Mut fassen und mir durch die Truppen der Römer hindurch folgen, daß wir, wenn
uns das Glück hold ist, Petreus töten oder gefangennehmen.“ Sie
gaben ihren Pferden die Sporen, drangen in geschlossenem Stoß fiel durch die
keilförmigen Reihen der Feinde und gelangten zu der Stelle, an der Petreius
seine Leute antrieb. Boso stürzte sich schnell auf ihn, packte ihn um den
Nacken und fiel mit ihm auf die Erde, wie er beabsichtigt hatte. Die Römer
liefen hinzu, um Petreius den Feinden zu entreißen; die Briten strömten
zusammen, um Boso zu unterstützen. So gab es ein fürchterliches Blutbad unter
ihnen; Geschrei und Verwirrung entstanden, als die Römer ihren Führer zu
befreien, die Briten aber ihn zu fangen suchten. So verwundeten sie sich
gegenseitig und wurden verwundet, 180 sie schlugen und wurden zu
Boden geschlagen. Hier konnte man beobachten, wer mit der Lanze, wer mit dem
Schwert und wer mit der Schießwaffe sich auszeichnete. Schließlich rückten
die Briten in geschlossenen Haufen vor, wehrten die Angriffe der Römer ab und
verließen sich mit Petreius in der Mitte auf ihre Stärke im Kampf. Ohne
Aufschub unternahmen sie einen Gegenangriff gegen die Römer, die, ihrer Führung
beraubt, jetzt größtenteils erschlafften, jetzt sogar auseinanderstoben und
jenen den Rücken zuwandten. Die Briten drangen auf sie ein und trafen sie von
hinten, schlugen die Getroffenen nieder, beraubten die Niedergeschlagenen und
ritten an den Beraubten vorbei, um die übrigen zu verfolgen. Sie nahmen viele
gefangen, die sie dem König zu zeigen begehrten. Nachdem
die Briten genug Verderben bereitet hatten, kehrten sie mit den Beutestücken
und Gefangenen in Lager zurück, meldeten, was sich bei ihnen zugetragen hatte,
und übergaben Arthur voller Freude über den Sieg Petreius Cocta und die übrigen
Gefangenen. Er gratulierte ihnen und versprach ihnen Ehrungen über Ehrungen dafür,
daß sie solche Tapferkeit bewiesen hatten, obwohl er nicht dabei war. Er
befahl, die Gefangenen ins Gefängnis zu werfen, und suchte diejenigen Männer
heraus, die sie am folgenden Tage nach Paris führen und den Stadtwächtern zur
Bewachung übergeben sollten, bis er anordnen würde, daß mit ihnen etwas
anderes geschehen sollte. Er hieß Herzog Cador und Mundschenk Bedevere sowie
die zwei Heerführer Borellus und Richerius mit ihren Mannen jene zu geleiten,
bis sie dorthin gelangten, von wo aus sie mit Sicherheit nicht mehr befürchten
müßten, von den Römern zerschlagen zu werden. X,
5. Die Römer erfuhren zufällig von diesem Unternehmen und wählten auf den
Befehl ihres Kaisers hin aus ihren Kriegern fünfzehntausend aus, die in der
Nacht dem Marsch der Briten zuvorkommen, mit ihnen handgemein werden und mit
festen Entschluß ihre Landsleute befreien sollten. Die Römer stellten ihre
Truppen unter den Befehl der Senatoren Vulteius Catellus und Quintus Carucius
sowie unter den des Königs Evander von Syrien und des Königs Sertorius von
Libyen; die machten sich in der Nacht mit den genannten Kriegern auf den
befohlenen Marsch, erreichten einen zum Hinterhalt geeigneten Platz und
versteckten sich an einer Stelle, an der nach ihrer Meinung die Briten vorüberziehen
mußten. Nach
dem errungenen Sieg schickten sie die Gefangenen, die schon vorher unter
Bewachung standen, nach Paris, kehrten zu ihrem König mit denen zurück, die
sie soeben gefangen hatten, und stellten ihm hoffnungsvoll den vollen Sieg in
Aussicht, weil nur wenige über so viele Feinde, die überraschend angriffen,
triumphiert hatten. X, 6. Lucius Hiberus verdrossen diese unglücklichen Ereignisse; er wälzte seine Gedanken, die von den verschiedensten Qualen gepeinigt waren, bald hierhin, bald dorthin und schwankte, ob er sich in eine Schlacht mit Arthur einlassen oder sich nach Autun zurückziehen und dort auf die Unterstützung Kaiser Leos warten sollte. Schließlich gab er seiner starken Besorgnis nach und begab sich in der nächsten Nacht mit seinen Truppen nach Langres185, um dann in die genannte Stadt zu gelangen. Nachdem das Arthur gemeldet war, trachtete er danach, dem Marsch des Lucius zuvorzukommen, ließ in der gleichen Nacht jene Stadt links liegen und betrat ein Tal mit dem NamenSaussy186, das Lucius durchschreiten mußte, und hieß eine Formation, an deren Spitze er Graf187 Movid gestellt hatte, bereitstehen, damit er, falls sich die Notwendigkeit ergäbe, wüßte, wohin er sich zurückziehen, wo er seine Truppen wieder sammeln und von woher er Angriffe auf den Feind vortragen könnte. Die übrigen ordnete er in sieben Hafen188 und stellt in jeden fünftausendfünfhundertfünfundfünfzig vollausgerüstete Männer. Der eine Teil der aufgestellten Haufen bestand aus Reiterei; ein anderer aus Fußvolk; folgende Anweisungen wurden ihnen erteilt: Wenn sich das Fußvolk zum Angriff schicke, solle die Reiterei sofort von der Seite189 in geschlossener Formation dazukommen und sich bemühen, die Feinde zu zerschlagen. Die Fußvolktrupps wurden der britischen Gewohnheit entsprechend im Viereck mit einem rechten und einem linken Flügel geordnet; an die Spitze des einen wurde König Augusel von Schottland und Herzog Cador von Cornwall gestellt – der eine auf dem rechten Flügel, der andere auf dem linken – und an die Spitze des anderen zwei ausgezeichnete
Führer190, Gerin von Chartres und Boso von Rydychen, das in der
Sprache der Sachsen Oxford genannt wird. Den dritten Haufen befehligten der Dänenkönig
Aschill und der Norwegerkönig Loth, den vierten der Amorikanerkönig Hoel und
Gawain, der Neffe des Königs. Hinter ihnen im Rücken wurden noch vier Haufen
aufgestellt, deren einen der Seneschall Kay und der Mundschenk Bedevere
kommandierten und deren anderen Holdin, der Führer der Rutenen, und Guitard,
der Herzog von Schottland. Jugein von Leicester, Jonathal von Dorchester und
Cursalem von Caistor bekamen das Kommando über den dritten und Urbgennius von
Bath über den vierten Haufen. Hinter
ihnen wählte der König eine Stelle für sich selber und diejenige Formation,
der er den Befehl erteilte, ihm zur Verfügung zu stehen, eine Stelle, an der er
den goldenen Drachen aufpflanzte, den er als Standarte führte – dort könnten
die Verwundeten und Erschöpften im Fall der Not, wie in einer Burg Zuflucht
finden. In der Formation, die er bei sich hatte, waren
sechtausendsechshundertsechsundsechzig Mann zur Hand. X,
7. Als Arthur alle aufgestellt hatte, sprach er seine Mitkämpfer mit folgenden
Worten an: Noch
als Arthur sprach, stimmten alle in einem einzigen Schrei zu, bereit, lieber zu
sterben als auseinanderstiebend das Schlachtfeld zu verlassen, solange er noch
am Leben sei. X,
8. Lucius Hiberus entdeckte aber die Falle, die man ihm gelegt hatte, wollte
jedoch nicht davonlaufen, worauf er zuerst bedacht gewesen war, sondern faßte
wieder Mut und befahl, in jenes Tal zu marschieren; rief seine Heerführer
zusammen und richtete folgende Ansprache an sie: Das
wünsche ich in euch zu wecken und mahne euch, die ehrenhafte Gesinnung eurer
Vorfahren zu erneuern und darin beharrend eure Feinde in diesem Tal anzugreifen,
in dem sie euch auflauern, und euch eifrig zu bemühen, von ihnen das zu
fordern, was euch gehört. Bildet euch nicht ein, daß ich in dieser Stadt
deswegen Zuflucht gesucht habe, weil ich die Feinde oder den Zusammenstoß mit
ihnen fürchtete! Im Gegenteil, ich wähnte, sie würden töricht uns auf dem Fuße
folgen und wir könnten den Folgenden plötzlich entgegentreten, uns auf sie
abgesondert stürzen und ihnen mit großen Gemetzel zusetzen. Jetzt aber, wo sie
sich anders verhielten, als wir angenommen hatten, müssen wir auch anders
handeln, das heißt, gegen sie losziehen und sie kühn angreifen. Und wenn sie
im Vorteil sind, dann müssen wir ihnen geschlossenen Widerstand leisten und dem
ersten Angriff Trotz bieten; und so werden wir zweifellos den Sieg erringen. In
den meisten Schlachten geht nämlich derjenige, der beim ersten Ansturm fest zu
stehen vermag, sehr oft als Sieger hervor.“ Sobald
Lucius mit diesen und noch mit vielen anderen Worten seine Rede beendet hatte,
spendeten alle einstimmig Beifall, hoben Gesicht und Hände zum Schwur empor und
eilten, um sich zu waffnen. Sobald sie gerüstet waren, verließen sie Langres
und zogen in das besagte Tal, wo Arthur seine Streitkräfte aufgestellt hatte.
Auch sie bildeten wiederum zwölf Formationen, und zwar das ganze Fußvolk; in römischer
Art keilförmig geordnet, enthielten alle je
sechstausendsechshundertsechsundsechzig Mann. Sie gaben auch jeder einzelnen
ihren Führer, daß sie gemäß den Befehlen angriffen und feststünden, wenn
die Feinde anstürmten. Die
Römer setzten Lucius Catellus und Ali Fatima193. Den König von
Spanien, als Befehlshaber der ersten Formation ein, den Partherkönig Hirtacius
und den Senator Marius Lepidus als Befehlshaber der zweiten und den Mederkönig
Boccus sowie den Senator Gaius Metellus als den der dritten, König Sertorius
von Libyen und den Senator Quintus Milvius als den der vierten. Diese vier
Formationen wurden in die erste Linie gestellt. Hinter ihnen, in deren Rücken,
weitere vier; das Kommando über deren eine übergaben sie Serses, dem König
der Iturer, über deren zweite dem König Pandrasus von Ägypten, über deren
dritte dem Herzog Politetes von Bithynien und über deren vierte dem Herzog
Teucer von Phrygien. Hinter ihnen standen weitere vier Formationen; einer von
ihnen teilten sie den Senator Quintus Carucius zu, der zweiten Leilus Hostiensis,
der dritten Sulpicius Subuculus und der vierten Mauricius Silvanus. Lucius
selber bewegte sich zwischen ihnen hin und her, wobei er riet und lehrte, wie
sie sich verhalten sollten. Er befahl, daß ein goldener Adler, den er als
Standarte führte, fest in der Mitte aufgestellt würde, und bestimmte, daß
alle, die der Verlauf der Schlacht abgesondert hätte, versuchen sollten, dahin
zurückzukehren. X,
9. Als sich hier die Briten, dort die Römer mit aufgerichteten Wurfspießen
gegenüberstanden und den Klang der Trompeten vernahmen, stürmte sofort
diejenige Formation, welche der König von Spanien und Lucius Catellus
kommandierten, kühn gegen diejenige, welche der König von Schottland und der
Herzog von Cornwall führten, vermochte aber jene eng geschlossene nicht zu
zersprengen. Gegen die römische, die sehr grimmig angriff, lief die von Boso
und Gerin geführte Formation an: während jene römische, wie gesagt,
widerstand, griff die britische jene mit einem unvermuteten Reitervorstoß an,
brach durch und stieß auf diejenige, welche der Partherkönig gegen die Truppe
des Dänenkönigs Aschill führte. Unverzüglich trafen die Haufen von hier und
dort auf der ganzen Linie aufeinander, durchdrangen sich gegenseitig und riefen
einen sehr heftigen Kampf hervor. Da entwickelte sich unter ihnen ein
jammervolles Gemetzel mit gewaltigem Geschrei; auf beiden Seiten schlugen sie
mit Kopf und Fersen auf die Erde und spien ihr Leben mit ihrem Blut aus. Bedevere
durch so viele Wunden zerfetzt erblickten, und wie groß die Trauer bei den
Leuten aus Anjou, als sie die Wunden ihres Führers Kay auf vielfache Weise
behandelten! Klagen freilich war jetzt nicht am Platze, weil sich die
Schlachtreihen überall von Blut triefend, gegenseitig angriffen und für
solches Weinen keine Zeit ließen, sonder sich gegenseitig zwangen, sich zu
wehren. X,
10. Nach Beginn dieses Angriffs wurden die Briten geschwächt; es fielen nämlich
Herzog Chinmarchocus197 von Tréguier198 und mit ihm
zweitausend Mann, auch drei berühmte Fürsten fielen, Riddomarcus199,
Bloctonius200 und Iaginvus201 von Bodloan202. Wären
diese Männer Herrscher über Königreiche gewesen, dann würde die folgende
Zeit wegen solcher Tapferkeit, die sie besaßen, ihren Ruhm feiern; denn während
sie mit Hoel und Gawain den beschriebenen Angriff ausführten, kam kein Feind,
dem sie nachsetzten, davon frei, das sie ihm das Leben
mit dem Schwert oder der Lanze nahmen. Als sie jedoch in die
Schlachtreihe des Lucius gestoßen waren, wurden sie von den Römern ganz
umzingelt und fielen mit dem Führer (Chinmarchocus) und jenen Kriegern. Als
Hoel und Gawain, die besten Männer, welche die vergangenen Zeiten
hervorgebracht hatten, vom Tod ihrer Leute erfuhren, stürmten sie noch
grimmiger los, eilten bald hierhin, bald dorthin, der eine in der einen
Richtung, der andere in der anderen und setzten der keilförmigen Truppe des
Kaisers heftig zu. Gawain, in seiner Tapferkeit immerzu glühend, drängte mit
Lucius ins Handgemenge zu kommen. Stürzte drängend als der kühnste Ritter
los, schlug losstürzend die Feinde nieder und tötete niederschlagend. Auch
Hoel, ihm nicht nachstehend, wütete wie ein Blitz an einer anderen Stelle,
mahnte auch seine Mannen und schlug auf die Feinde ein; er hielt deren Schläge
furchtlos aus; und es gab keine Stunde, in der er nicht sehr oft getroffen wurde
und selber traf. Schwierig wäre es zu bestimmen, wer von den beiden den anderen
übertraf. X,
11. Gawain fand dann, als er die feindlichen Truppen zusammenschlug, wie
berichtet, schließlich die Lücke, nach der er verlangte, eilte auf den Kaiser
los und begann den Kampf mit ihm. Lucius befand sich in der Blüte seiner ersten
Jugend und besaß viel Kühnheit, viel Stärke, viel Beherztheit und wünschte
nichts mehr, als sich mit einem solchen Ritter zu messen, der ihn zwänge seinen
Wert im Kämpfen204 zu beweisen. Als er sich Gawain gegenübersah,
freute er sich, mit ihm sich zu schlagen, und sah es als ruhmvoll an, weil er so
treffliches über ihn vernommen hatte. Der Kampf zwischen ihnen dauerte lange,
sie teilten einander kräftige Schläge aus, hielten ihre Schilde den Schlägen
entgegen, und jeder strengte sich an, den Tod des anderen herbeizuführen. Als
Arthur dies und noch mehr derartiges laut ausgerufen hatte, da rannte er auf die
Feinde los, schleuderte sie zu Boden, warf sie nieder und tötete jeden, auf den
er stieß, oder dessen Pferd mit einem einzigen Streich. Sie liefen daher vor
ihm fort, wie Tiere vor dem grimmigen Löwen, den wütender Hunger reizt, alles
zu verschlingen, was der Zufall heranschafft. Ihre Rüstungen bewahrten sie
nicht davor, das Caliburn, in der Rechten eines so mutvollen Königs
geschwungen, sie zwang, die Seele mit dem Blut auszuspeien. Das Unglück brachte
zwei Könige, Sertorius von Libyen und Politetes von Bithynien205,
dem Arthur in den Weg; die schickte er in die Hölle206, nachdem er
ihnen die Köpfe abgeschlagen hatte. Da
die Briten ihren König den Kampf so führen sahen, faßten sie kühneren Mut,
gingen einmütig auf die Römer los und griffen sie in geschlossener Formation
an. Während sie so in dem einen Abschnitt dem Fußvolk zusetzten, versuchten
sie in einem anderen, die Reiter niederzuwerfen und zu durchstoßen. Die Römer
setzten sich erbittert zur Wehr; durch Lucius ermahnt, bemühten sie sich, den
Briten die Schlappe zurückzuzahlen, die sie durch den erlauchten König
erlitten hatten. Der Kampf wurde auf beiden Seiten mit so viel Wucht
fortgesetzt, als ob sie gerade jetzt erst frisch aufeinandergestoßen wären.
Auf dieser Seite hieb Arthur immer häufiger auf seine Feinde ein, wie schon
gesagt, und feuerte die Briten zum dreinschlagen an207. Auf der
anderen Seite ermahnte Lucius Hiberus seine Leute und führte sie oftmals zu
hervorragenden Heldentaten. Er focht unablässig, lenkte dabei seine Scharen in
alle Abschnitte und tötete jeden Gegner, den der Zufall ihm zubrachte, mit der
Lanze oder dem Schwert. Ein abscheuliches Gemetzel entstand auf beiden Seiten,
weil manchmal die Briten, manchmal umgekehrt die Römer die Oberhand hatten. Während
solches Ringen zwischen ihnen entstand, brach schließlich Graf Morvid von
Gloucester mit seiner Abteilung, die, wie ich oben erwähnte, unterhalb des Hügels208
aufgestellt war, in unerwartetem Vorstoß los, griff die Feinde im Rücken an,
die nichts Derartiges erwarteten, stieß angreifend durch, sprengte durchstoßend
sie auseinander und entfachte ein entsetzliches Gemetzel. Da töteten sie viele
tausend Römer. Am Ende wurde Kaiser Lucius selber in der Mitte seiner Truppen
überrumpelt und verlor, von der Lanze irgendeines durchbohrt, sein Leben. Die
Briten setzten hart zu und gewannen den Sieg, freilich nur nach äußerster
Anstrengung. X,
12. Die Römer wurden zerstreut und suchten, von Furcht befallen, einesteils
abgelegene Plätze und Waldstücke209 auf, andernteils Städte,
Burgen und all die ihnen am sichersten erscheinenden Orte210. Die
Briten verfolgten sie mit aller Kraft und metzelten sie jämmerlich nieder,
nahmen sie gefangen und raubten sie aus, so daß de größte Teil von ihnen die
Hände freiwillig erhob, um sie weibisch fesseln zu lassen211, damit
sie einen, wenn auch noch so kleinen Zeitraum zum Leben gewönnen. Das lag in
der Bestimmung der göttlichen Macht212; in alten Zeiten hatten nämlich
die Vorfahren der Römer die Ahnen der Briten
mit ihren verhaßten213 Bedrückungen gequält214,
und jetzt trachteten die Römer danach, den Briten ihre Freiheit zu nahmen, und
drängten diese, sie zu schützen, indem sie den ihnen unrechtmäßig
abverlangten Tribut verweigerten. X,
13. Nach dem errungenen Sieg befahl Arthur, die Leichen seiner Fürsten von
denen der Feinde zu sondern, die gesonderten aber in königlicher Art
herzurichten und die hergerichteten in die benachbarten Abteien zu schaffen,
damit die dort ehrenvoll beigesetzt würden. Der Mundschenk Bedevere wurde von
den Normannen unter lautem Klagen nach Bayeux215 überführt, in
seine Stadt, die sein Großvater Bedevere I. gegründet hatte. Dort wurde er
ehrenvoll neben einer Mauer auf dem Friedhof in Südviertel der Stadt begraben.
Kay216, der tödlich verwundet war, wurde nach Chinon217
gebracht, der Stadt, die er selbst erbaut hatte, und starb nicht lange danach an
seiner Wunde; er wurde im Wald bei dem Eremitenkloster, nicht weit von der Stadt
entfernt, begraben, wie es sich für einen Herzog derer von Anjou geziemte. Und
der Rutenenherzog Holdin wurde nach Flandern218 geschafft
und in seiner Stadt Thérouanne219 beigesetzt. Auf Arthurs
Geheiß brachte man die übrigen Führer und Fürsten in die benachbarten
Abteien. Er erbarmte sich seiner Feinde und forderte die Einheimischen auf, sie
zu begraben; den Leichnam des Lucius ließ er dem Senat bringen, mit der
Weisung, daß kein anderer Tribut aus Britannien zurückgegeben werden bräuchte. Arthur
verbrachte den folgenden Winter in dieser Gegend und nahm sich die Zeit, die Städte
der Allobroger zu unterjochen. Als der Sommer kam, er gegen Rom zu ziehen
begehrte und die Berge zu übersteigen begann, wurde ihm gemeldet, daß sein
Neffe Mordred, dessen Obhut er Britannien anvertraut hatte, nach Gewaltstreich
und Verrat mit seiner Königskrone gekrönt und die Königin Guinevere mit ihm
unter Bruch des früheren Ehegelübdes in unerlaubtem Liebesbund verkuppelt220
sei.
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