Sieg über Rom
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Sieg über die Römer

X,1. Sobald der Inhalt dieser Antwort bekannt geworden war, sandte Lucius Hiberius im Auftrag des Senats an die Könige des Orients die Aufforderung, ein Heer bereitzustellen und mit ihm zur Eroberung Britanniens auszuziehen. Schnell versammelten sich König Epistroph von Griechenland, König Mustenar von Afrika157, König Ali Fatima158 von Spanien, der Partherkönig Hirtacius, der Mederkönig Boccus, der König Sertorius von Libyen, der Itureerkönig159 Serses, der Ägypterkönig Pandras, der König Micipsa160 von Babylon, Herzog Politetes von Bithynien, Herzog Teucer161 von Phrygien, Evander von Syrien, Echion von Boethien, Ypolit von Kreta zusammen mit ihren ergebenen Führern und Fürsten. Aus dem Senatorenstand waren Lucius Catellus162, Marius Lepidus, Gaius Metellus Cocta163, Quintus Milvius Catullus164, Quintus Carucius, auch so viele andere, daß insgesamt vierhunderttausendeinhundertundsechzig165 Mann gezählt wurden.

X,2. Sie erledigten alles Nötige und liefen Anfang August gegen Britannien aus. Als Arthur ihre Ankunft erfuhr, überlies er Britannien seinem Neffen Mordred und der Königin Guinevere zur Verteidigung, machte sich selbst aber mit seinem Heer auf den Weg nach Southhampton, wo er sich bei günstig wehendem Wind einschiffte. Während er zusammen mit unzähligen Schiffen in glücklicher Fahrt und in freudiger Stimmung auf hoher See segelte, überfiel ihn etwa um Mitternacht ganz tiefer Schlummer. Da sah er, in Schlaf eingelullt, einen Bären in der Luft fliegen, bei dessen Brummen alle Gestade erzitterten, sah auch einen schrecklichen Drachen von Westen her anfliegen, der mit dem Strahl aus seinen Augen das Land hell machte, und den einen mit dem anderen einen schrecklichen Kampf beginnen; sah, wie jener Drache den Bären, der sehr oft angriff, mit seinem feurigen Atem verbrannte und den Verbrannten zu Boden schleuderte. Da wachte Arthur auf und tat, was er geträumt hatte, denen kund die sich bei ihm befanden. Sie deuteten es und behaupteten, das der Drache ihn bezeichne, der Bär dagegen einen Riesen, mit dem er zusammenstoßen werde, daß der Kampf der Tiere das Ringen anzeige, das zwischen ihm und dem Riesen stattfinden werde, und der Sieg des Drachen denjenigen, den er erringen werde. Arthur vermutete etwas anderes und glaubte, ein solcher Traum habe sich um seinet- und des Kaisers willen eingestellt. Als schließlich nach Ablauf der Nacht die Morgenröte aufglühte, landeten sie im Hafen von Barfleur. Dann schlugen sie ihre Zelte dort auf und warteten, daß die Könige von den Inseln und die Führer der Nachbarprovinzen166 kämen.

X, 3. Inzwischen wurde Arthur gemeldet, das ein Riese von ungeheurer Größe aus spanischen Gefilden eingetroffen sei, Helena, die Nichte des Herzogs Hoel, den Händen ihrer Bewacher entrissen habe und mit ihr auf den Gipfel des jetzt Mount Saint Michel genannten Berges167 geflohen sei; die Ritter des Landes hätten den Riesen verfolgt, jedoch nichts gegen ihn ausgerichtet. Ob sie ihn nämlich auf dem Meer oder zu Lande angriffen, er versenke stets ihre Schiffe mit riesigen Felsblöcken oder tötete sie mit verschiedenartigen Waffen, nehme aber auch viele gefangen und esse sie noch halblebendig.

In der nächsten Nacht um zwei Uhr verließ Arthur mit dem Seneschall Kay und dem Mundschenk Bedevere, jedoch heimlich vor den übrigen, die Zelte und machte sich zu dem Berg auf. Er, der sich durch solche Tapferkeit auszeichnete, verschmähte es nämlich, ein ganzes Heer gegen derartige Ungeheuer zu führen, zumal er auch auf diese Weise seine Leute anfeuern wollte168 und sich allein für ausreichend hielt, das Ungeheuer zu beseitigen. Wie sie sich dem Berge näherten, sahen sie ein Feuer auf ihm brennen und ein zweites Feuer auf einen kleinen Berg169. Zu dem zweiten fuhr Mundschenk Bedevere auf Befehl des Königs zu Schiff170 – er konnte ihn nicht anders erreichen, weil er mitten im Meer lag. Während Bedevere auf seinen Gipfel kletterte, hörte er von oben her den Schrei einer Frau und entsetzte sich zuerst, weil er fürchtete das Ungeheuer befinde sich dort. Als sein Mut schnell wieder zurückgekehrt war, zog er sein Schwert, erklomm den Gipfel und fand nichts anderes als das Feuer, das er schon von fern erblickt hatte. Dann machte er dort einen frisch errichteten Grabhügel aus und neben ihm eine alte Frau, die weinte und jammerte. Sowie sie ihn erblickte hörte sie sofort mit Weinen auf und sprach folgendermaßen zu ihm: „Unseliger Mann, was für ein Unheil hat dich zu diesem Ort gebracht? Ach, du wirst unbeschreibliche Todesmartern erleiden. Ich bedaure dich, weil ein so abscheuliches Ungeheuer die Blüte deiner Jugend noch in dieser Nacht vernichten wird. Denn der verfluchte Riese mit dem verhaßten Namen hat des Herzogs Nichte, die ich jetzt hier begraben habe, und mich, ihre Amme, auf diesen Berg entführt. Ohne Zaudern wird er dich in einer noch nie dagewesenen Tötungsart zugrunde richten. Ach, traurig war dein Schicksal, mein strahlender Pfegling! Angst hatte sich des zarten Busens bemächtigt; als der ruchlose sie umarmte, beendete er ein Leben, das eine längere Zeit im Licht verdient hätte. Da er unfähig war, sie, die mir eine zweite Seele war, ein zweites Leben, eine zweite Anmut und Wonne, mit seiner gräßlichen Begattung zu beflecken, tat er mir, von verabscheuungswürdiger Liebesgier entzündet, gegen meinen Willen – ich rufe Gott und mein hohes Alter zu Zeugen – Gewalt und wildes Ungestüm an. Flieh, mein Lieber, fliehe, damit er, wenn er in seiner Art mit mir geschlechtlich zu verkehren kommt, dich so nicht findet und dich in elendem Morden zerfleischt.!“

Bedevere war so sehr erregt, wie es für ein menschliches Wesen überhaupt möglich ist, beruhigte die Alte mit gütigen Worten und versprach den Trost schneller Hilfe; er kehrte zu Arthur zurück und teilte ihm alles mit, was er vorgefunden hatte. Arthur grämte sich um das Schicksal des Mädchens und wies die zwei anderen an, ihn den Riesen allein angreifen zu lassen; falls sich jedoch die Notwendigkeit ergebe, sollten sie ihm zu Hilfe kommen und jenen mannhaft angreifen. Von dort lenkten sie ihre Schritte auf den größeren Berg, überließen ihre Pferde den Knappen und steigen mit Arthur hinauf, der vorausging.

Das unmenschliche Wesen war beim Feuer; sein Angesicht war mit dem Blut halbverzehrter Schweine beschmiert, die er zum Teil schon verschlungen hatte, zum Teil aber auf Spießen befestigt über daruntergelegten glühenden Kohlen briet. Sowie er, der an nichts derartiges dachte, sie erspähte, beeilte er sich, seine Keule zu ergreifen, die selbst zwei Jünglinge schwerlich vom Boden aufheben könnten. Der König zog sein Schwert, streckte den Schild nach vorn und beeilte sich, wie es die Schnelligkeit nur irgend zuließ, ihm beim Ergreifen der Keule zuvorzukommen. Der Riese, der für sich nachteiliges ahnte, hatte sie bereits gepackt und traf den König auf den dazwischengeschobenen Schild mit solcher Wucht, das er mit dem Widerhall des Schlages das ganze Gestade füllte und Arthurs Ohren übermächtig betäubte. Arthur aber, in heftigster Wut glühend, hob sein Schwert gegen dessen Stirn und brachte ihm eine Wunde bei, die zwar nicht tödlich war, aus der jedoch das Blut ihm ins Gesicht und in die Augen floß und deren Sehkraft raubte; der Riese hatte nämlich die Keule dem Schlag entgegengeworfen und so seine Stirn vor einen tödlichen Verwundung bewahrt. Jedoch durch das herausströmende Blut geblendet, stürmte er noch heftiger vor; und wie ein Eber über den Jagdspieß hinweg auf den Jäger stürzt,

so der Riese über das Schwert auf den König; er packte Arthur um die Mitte des Körpers und zwang ihn auf die Knie zu Boden. Arthur riß seine Kräfte zusammen, entschlüpfte geschwind und traf den Verruchten schnell bald hier, bald dort mit seinem Schwert und ruhte nicht eher, als bis er ihn tödlich verwundet und ihm die ganze Klinge in den Kopf getrieben hatte, bis dort, wo das Gehirn durch die Hirnschale geschützt war. Dabei schrie der Verhaßte auf und fiel mit größtem Getöse hin wie eine Eiche, die durch die Heftigkeit der Winde entwurzelt ist. Der König lachte erleichtert und befahl Bedevere, jenem das Haupt abzuhauen und einem Knappen zu geben, um es zum Lager zu schaffen, damit es für die Betrachtenden ein Schauspiel würde.

Arthur meinte, er sei noch nie auf eine solche Manneskraft gestoßen, seitdem er den Riesen Retho am Arvaiusberg171 tötete, der ihn zum Kampf herausgefordert hatte. Retho hatte sich Felle aus den Bärten der Könige gemacht, die er erschlagen hatte, und Arthur aufgefordert, seinen Bart gründlich auszureißen und ihm dann zuzuschicken; und wie er (Arthur), über den anderen Königen stehe, so würde er ihm zu Ehren seinen Bart den übrigen Bärten vorziehen. Andernfalls aber forderte er, Retho, ihn zum Kampf heraus; wer daraus als der Stärkere hervorgehe, sollte die Felle und den Bart des Besiegten davontragen. Der Kampf begann, und Arthur siegte, nahm des Riesen Bart und die Trophäe; später begegnete er, wie er oben erklärt hatte, keinem stärkeren als Retho.

Nach dem errungenen Sieg, von dem ich vorher erzählte, kehrten sie in der Morgendämmerung der zweiten Nachthälfte172 zu ihren Zelten mit dem Kopf zurück. Um ihn zu bewundern, strömten die Leuten scharenweise zusammen und bedachten ihn, der das Land von solchem Freßrachen befreit hatte, mit Lobsprüchen. Hoel aber grämte sich über das Schicksal seiner Nichte und ließ eine Kapelle über ihrem Grab auf der Bergspitze bauen, wo sie bestattet lag; der Gipfel erhielt von dem Grabmal der Jungfrau seinen Namen und heißt bis zu diesem Tag Helenas Grab.

X, 4. Sobald alle diejenigen, auf die Arthur wartete, endlich versammelt waren, begab er sich von dort nach Autun173, wo sich der Kaiser aufhielt, wie er meinte. Als er den Aube-Fluß173 erreichte, erhielt er die Nachricht, der Kaiser habe sein Lager nicht weit davon aufgeschlagen und sei mit so großem Heer erschienen, das er nicht im Stande wäre, sich dessen zu erwehren, wie sie behaupteten. Arthur wurde aber nicht in Schrecken versetzt und wollte nicht von seinen Plänen ablassen, sondern schlug sein Lager am Flußufer auf, von wo aus er sein Heer ungehindert marschieren lassen oder wohin er sich, falls es die Notwendigkeit erfordere, zurückziehen konnte.

Arthur entsandte zwei Führer, Boso von Oxford175 und Gerin von Chartres, auch seinen Neffen Gawain zu Lucius Hiberus, um ihm anzuraten, sich entweder aus den gallischen Gebieten zurückzuziehen oder sonst am nächsten Tag herauszukommen, um zu erproben, wer von ihnen mehr Recht auf Gallien hätte. Die jungen Männer von Arthurs Hof stachelten, von Freude hoch erregt, Gawain an, im Lager des Kaisers etwas anzurichten, wodurch sie Gelegenheit hätten, sich mit den Römern im Kampf zu messen. Sie machten sich also auf den Weg zu Lucius und forderten ihn auf, sich aus Gallien zurückzuziehen oder sich am nächsten Tag zum Kampf zu stellen. Als Lucius erwiderte, daß er es nicht nötig habe, sich zurückzuziehen, vielmehr dazu nach Gallien komme, um es zu regieren, da war sein Neffe Gaius Quintillianus dabei und sagte, die Briten besäßen mehr Prahlen und Drohen im Überfluß, als das kühner Mut und Tapferkeit ihre Stärke seien. Sofort geriet Gawain dadurch in Wut, zog sein Schwert, das er umgegürtet hatte, stürzte sich auf Gaius und schlug ihm das Haupt ab, eilte dann aber mit seinen Gefährten zu den Pferden fort. Die Römer verfolgten sie zu Fuß wie zu Pferd, um ihren Landsmann an den Boten zu rächen, die mit aller Eile flohen. Gerin von Chartres drehte sich plötzlich um, als ihn ein Römer zu erreichen drohte, legte seine Lanze ein, durchbohrte den Gegner durch seine Rüstung und mitten durch den Leib und warf ihn mit aller Kraft auf die Erde. Boso von Oxford sah neidisch, daß der Mann aus Chartres solche Tapferkeit bewies, warf sein Roß herum und richtete seine Lanze auf die Kehle des Mannes, dem er am nächsten war, verwundete ihn tödlich und stieß ihn vom Pferd, auf dem er ihn verfolgt hatte.

Gleichzeitig suchte Marcellus Mutius mit aller Anstrengung, Quintillian zu rächen, bedrängte Gawain bereits von hinten und war schon dabei ihn festzuhalten, als der schnell herumschwenkte und mit dem Schwert, das er hielt, ihm den Helm mitsamt dem Kopf bis zur Brust wegriß. Er forderte ihn auf, Quintillian, den er im Lager niedergeschlagen hatte, in der Hölle176 zu melden, auf solche Weise hätten die Briten Prahlen und Drohen im Überfluß.Er holte seine Gefährten wieder zusammen und trieb sie an, jeder solle mit gleichem Ungestüm kehrtmachen und sich alle Mühe geben, seinen Feind aus dem Sattel zu heben. Sie stimmten dem zu, wandten sich um, und jeder warf seinen Gegner zu Boden. Die Römer setzten ihnen weiter zu und trafen sie mit Schwertern und Lanzen, aber177 vermochten nicht, sie gefangenzunehmen oder vom Pferd zu stoßen. Gerade als sie bei einem Wald angriffen, wie berichtet ist, da brachen aus ihm sogleich gegen sechstausend Briten hervor, die von der Flucht ihrer Führer gehört und sich dort verborgen hatten, um jenen Hilfe zu bringen. Sie stürzten hervor, gaben ihren Pferden die Sporen und erfüllten die Luft mit ihrem Geschrei; sie rissen ihre Schilde vor die Brust, griffen die Römer unversehens an und trieben sie sofort in die Flucht. Die Briten jagten wie ein Mann hinterher, warfen mit den Lanzen die einen von ihren Pferden, nahmen die anderen gefangen und töteten viele.

Nachdem dies dem Senator Petreius gemeldet worden war, stürmte er mit Zehntausend seinen Kameraden zu Hilfe, zwang die Briten, in den Wald zurückzueilen, aus dem sie hervorgebrochen waren, und das nicht ohne Verlust an eigenen Leuten. Denn die Briten machten auf der Flucht in dem engen Gelände kehrt und richteten ein beträchtliches Gemetzel unter ihren Verfolgern an. Als sie sich auf diese Weise zurückzogen, eilte Hyder, der Sohn des Nun178, mit Fünftausend herbei, um ihnen zu helfen. Die Briten hielten nun stand, boten jetzt denjenigen die Brust, denen sie kurz zuvor den Rücken gezeigt hatten, und strengten sich an, starke Schläge mannhaft auszuteilen.

Die Römer setzten sich ebenfalls zur Wehr und schlugen sie hier zu Boden, wurden aber dort von jenen niedergehauen. Die Briten begehrten mit ganzem Herzen den Kampf; wenn sie ihn aber begannen, kümmerten sie sich nicht viel darum, zu welchem Ausgang sie gelangten. Verständiger handelten dagegen die Römer, denen Petreius Cocta179 in der Art eines guten Feldherrn bald zum Angriff, bald zum Rückzug kluge Instruktionen erteilte und so den Feinden größten Schaden zufügte. Sobald Boso das wahrnahm, sonderte er einige seiner Leute, die er als die verwegeneren kannte, von den übrigen aus und richtete folgende Ansprache an sie:

„Weil wir diese Schlacht ohne Arthurs Wissen begannen, müssen wir uns davor hüten, das unser Beginnen zum Schlechten ausfällt. Wenn es uns nämlich dahin ausgeht, dann werden wir uns einen sehr großen Verlust unserer Krieger einhandeln und außerdem unseren König dazu reizen, das er uns verwünscht. Ihr müßt wieder kühnen Mut fassen und mir durch die Truppen der Römer hindurch folgen, daß wir, wenn uns das Glück hold ist, Petreus töten oder gefangennehmen.“

Sie gaben ihren Pferden die Sporen, drangen in geschlossenem Stoß fiel durch die keilförmigen Reihen der Feinde und gelangten zu der Stelle, an der Petreius seine Leute antrieb. Boso stürzte sich schnell auf ihn, packte ihn um den Nacken und fiel mit ihm auf die Erde, wie er beabsichtigt hatte. Die Römer liefen hinzu, um Petreius den Feinden zu entreißen; die Briten strömten zusammen, um Boso zu unterstützen. So gab es ein fürchterliches Blutbad unter ihnen; Geschrei und Verwirrung entstanden, als die Römer ihren Führer zu befreien, die Briten aber ihn zu fangen suchten. So verwundeten sie sich gegenseitig und wurden verwundet, 180 sie schlugen und wurden zu Boden geschlagen. Hier konnte man beobachten, wer mit der Lanze, wer mit dem Schwert und wer mit der Schießwaffe sich auszeichnete. Schließlich rückten die Briten in geschlossenen Haufen vor, wehrten die Angriffe der Römer ab und verließen sich mit Petreius in der Mitte auf ihre Stärke im Kampf. Ohne Aufschub unternahmen sie einen Gegenangriff gegen die Römer, die, ihrer Führung beraubt, jetzt größtenteils erschlafften, jetzt sogar auseinanderstoben und jenen den Rücken zuwandten. Die Briten drangen auf sie ein und trafen sie von hinten, schlugen die Getroffenen nieder, beraubten die Niedergeschlagenen und ritten an den Beraubten vorbei, um die übrigen zu verfolgen. Sie nahmen viele gefangen, die sie dem König zu zeigen begehrten.

Nachdem die Briten genug Verderben bereitet hatten, kehrten sie mit den Beutestücken und Gefangenen in Lager zurück, meldeten, was sich bei ihnen zugetragen hatte, und übergaben Arthur voller Freude über den Sieg Petreius Cocta und die übrigen Gefangenen. Er gratulierte ihnen und versprach ihnen Ehrungen über Ehrungen dafür, daß sie solche Tapferkeit bewiesen hatten, obwohl er nicht dabei war. Er befahl, die Gefangenen ins Gefängnis zu werfen, und suchte diejenigen Männer heraus, die sie am folgenden Tage nach Paris führen und den Stadtwächtern zur Bewachung übergeben sollten, bis er anordnen würde, daß mit ihnen etwas anderes geschehen sollte. Er hieß Herzog Cador und Mundschenk Bedevere sowie die zwei Heerführer Borellus und Richerius mit ihren Mannen jene zu geleiten, bis sie dorthin gelangten, von wo aus sie mit Sicherheit nicht mehr befürchten müßten, von den Römern zerschlagen zu werden.

X, 5. Die Römer erfuhren zufällig von diesem Unternehmen und wählten auf den Befehl ihres Kaisers hin aus ihren Kriegern fünfzehntausend aus, die in der Nacht dem Marsch der Briten zuvorkommen, mit ihnen handgemein werden und mit festen Entschluß ihre Landsleute befreien sollten. Die Römer stellten ihre Truppen unter den Befehl der Senatoren Vulteius Catellus und Quintus Carucius sowie unter den des Königs Evander von Syrien und des Königs Sertorius von Libyen; die machten sich in der Nacht mit den genannten Kriegern auf den befohlenen Marsch, erreichten einen zum Hinterhalt geeigneten Platz und versteckten sich an einer Stelle, an der nach ihrer Meinung die Briten vorüberziehen mußten.

Als es Morgen wurde, machten sich die Briten mit ihren Gefangenen auf den Weg und näherten sich bereits jener Stelle, ohne zu ahnen, was für ein hinterlistiges Vorhaben die verschlagenen Feinde vorbereitet hatten. Als die Briten vorbeimarschierten, brachen die Römer unversehens hervor, überrumpelten die Briten, die auf Derartiges nicht gefaßt waren, und drangen tief in sie ein. Obwohl die Briten unerwartet gepackt und auseinandergesprengt wurden, fanden sie sich schließlich doch wieder zusammen und hielten mannhaft stand, stellten die einen um die Gefangenen herum, ordneten die anderen in Trupps, die mit den Feinden kämpfen sollten. Sie übergaben Richerius und Bedevere das Kommando über jenen Haufen, den sie zur Bewachung abgestellt hatten und setzten Herzog Cador von Cornwall und Borellus an die Spitze der übrigen. Alle Römer waren ungeordnet vorgestoßen und sorgten nicht dafür, ihre Männer in Formationen aufzustellen; vielmehr stießen sie mit allem Schwung vor und richteten ein Blutbad unter den Briten an, während diese sich noch abmühten, Trupps zu bilden und sich zu verteidigen. Die Briten, über die Maßen geschwächt, hätten schimpflich die Bewachten eingebüßt, wenn ihnen nicht ein glückliches Geschick schnell die gewünschte Hilfe herbeigeschickt hätte; Herzog Guitard von Aquitanien181 hörte von dem vorher beschriebenen Hinterhalt und rückte mit dreitausend Mann an. Auf diese Hilfe gestützt, gewannen sie schließlich die Oberhand und rächten sich an den unverschämten Wegelagerern für jenes Gemetzel. Doch zu Beginn der Schlacht verloren sie viele ihrer Leute, so Borellus, den ruhmreichen Führer der Cenomannen, der beim Kampf mit König Evander von Syrien durch dessen Lanze an der Kehle durchbohrt wurde und sein Leben mit seinen Blut ausspie. Zugleich verloren sie noch vier edle Fürsten, Hyrelgas von Peiron182, Maurice Cador von Cahors183, Aliduc von Tintagol und Her184, den Sohn des Hider – man konnte nicht leicht mutigere Leute als diese finden. Trotzdem  ließen die Briten nicht von ihrem kühnen Mut und verzweifelten nicht, sondern drängten mit aller Anstrengung vor und mühten sich, sowohl die Gefangenen in Gewahrsam zu halten als auch ihre Feinde zugrunde zu richten. Die Römer waren schließlich nicht mehr imstande, ihren Angriffen standzuhalten, zogen sich geschwind vom Schlachtfeld zurück und strebten ihrem Lager zu. Die Briten verfolgten sie fortwährend, nahmen viele Gefangen und ruhten nicht eher, als bis sie Vulteius Catellus und König Evander von Syrien töteten und die anderen völlig zerstreuten.

Nach dem errungenen Sieg schickten sie die Gefangenen, die schon vorher unter Bewachung standen, nach Paris, kehrten zu ihrem König mit denen zurück, die sie soeben gefangen hatten, und stellten ihm hoffnungsvoll den vollen Sieg in Aussicht, weil nur wenige über so viele Feinde, die überraschend angriffen, triumphiert hatten.

X, 6. Lucius Hiberus verdrossen diese unglücklichen Ereignisse; er wälzte seine Gedanken, die von den verschiedensten Qualen gepeinigt waren, bald hierhin, bald dorthin und schwankte, ob er sich in eine Schlacht mit Arthur einlassen oder sich nach Autun zurückziehen und dort auf die Unterstützung Kaiser Leos warten sollte. Schließlich gab er seiner starken Besorgnis nach und begab sich in der nächsten Nacht mit seinen Truppen nach Langres185, um dann in die genannte Stadt zu gelangen. Nachdem das Arthur gemeldet war, trachtete er danach, dem Marsch des Lucius zuvorzukommen, ließ in der gleichen Nacht jene Stadt links liegen und betrat ein Tal mit dem NamenSaussy186, das Lucius durchschreiten mußte, und hieß eine Formation, an deren Spitze er Graf187 Movid gestellt hatte, bereitstehen, damit er, falls sich die Notwendigkeit ergäbe, wüßte, wohin er sich zurückziehen, wo er seine Truppen wieder sammeln und von woher er Angriffe auf den Feind vortragen könnte. Die übrigen ordnete er in sieben Hafen188 und stellt in jeden fünftausendfünfhundertfünfundfünfzig vollausgerüstete Männer. Der eine Teil der aufgestellten Haufen bestand aus Reiterei; ein anderer aus Fußvolk; folgende Anweisungen wurden ihnen erteilt: Wenn sich das Fußvolk zum Angriff schicke, solle die Reiterei sofort von der Seite189  in geschlossener Formation dazukommen und sich bemühen, die Feinde zu zerschlagen. Die Fußvolktrupps wurden der britischen Gewohnheit entsprechend im Viereck mit einem rechten und einem linken Flügel geordnet; an die Spitze des einen wurde König Augusel von Schottland und Herzog Cador von Cornwall gestellt – der eine auf dem rechten Flügel, der andere auf dem linken – und an die Spitze des anderen zwei

ausgezeichnete Führer190, Gerin von Chartres und Boso von Rydychen, das in der Sprache der Sachsen Oxford genannt wird. Den dritten Haufen befehligten der Dänenkönig Aschill und der Norwegerkönig Loth, den vierten der Amorikanerkönig Hoel und Gawain, der Neffe des Königs. Hinter ihnen im Rücken wurden noch vier Haufen aufgestellt, deren einen der Seneschall Kay und der Mundschenk Bedevere kommandierten und deren anderen Holdin, der Führer der Rutenen, und Guitard, der Herzog von Schottland. Jugein von Leicester, Jonathal von Dorchester und Cursalem von Caistor bekamen das Kommando über den dritten und Urbgennius von Bath über den vierten Haufen.

Hinter ihnen wählte der König eine Stelle für sich selber und diejenige Formation, der er den Befehl erteilte, ihm zur Verfügung zu stehen, eine Stelle, an der er den goldenen Drachen aufpflanzte, den er als Standarte führte – dort könnten die Verwundeten und Erschöpften im Fall der Not, wie in einer Burg Zuflucht finden. In der Formation, die er bei sich hatte, waren sechtausendsechshundertsechsundsechzig Mann zur Hand.

X, 7. Als Arthur alle aufgestellt hatte, sprach er seine Mitkämpfer mit folgenden Worten an: „Meine Landsleute, die ihr Britannien zur Herrin über dreizehn Königreiche gemacht habt, ich gratuliere euch zu eurer Tapferkeit, die, wie ich sehe, keineswegs abnimmt, sondern mehr und mehr wächst. Obwohl ihr, fünf Jahre lang durch keinen Krieg geschult, mehr den Ergötzlichkeiten der Muße ergeben wart als der Praxis des Kriegsdienstes, habt ihr euch doch keineswegs von eurem angeborenen guten Charakter getrennt, sonder habt, darin beharrend, die Römer in die Flucht gejagt, die, von ihrem Hochmut gereizt, euch die Freiheit zu rauben trachteten; sie fielen in mächtiger Zahl ein und begannen den Kampf, waren jedoch nicht imstande, sich eurem Vordringen zu widersetzen, und mußten sich voller Schande in diese Stadt zurückziehen. Wenn sie jetzt daraus einen Ausfall machen und durch dieses Tal nach Autun streben, werdet ihr imstande sein, ihnen entgegenzutreten und über sie, die nicht derartiges ahnen, wie über Schafe herzufallen. Sie wähnten wohl gar, in euch wohne die Trägheit östlicher Völker, als sie vorhatten, euer Vaterland tributpflichtig zu machen und euch selbst zu unterjochen. Sie wissen doch wohl nicht, welche Kriege ihr gegen die Dänen und Norweger und gegen die Führer der Gallier führtet, die ihr meiner Herrschaft unterworfen und aus ihrer schändlichen Gewalt befreit habt. Weil wir in noch schwererem Kampf die Oberhand gewannen, werden wir ohne Zweifel in diesem leichteren Erfolg haben, sofern wir uns anstrengen, mit gemeinsamer Leidenschaft diese weibischen Geschöpfe zu überwältigen. Was für ehrenvolle Belohnungen wird jeder von euch gewinnen, wenn ihr nur, wie getreue Mitstreiter, meinem Willen und meinen Befehlen gehorcht! Nachdem wir die Römer niedergeworfen haben, werden wir sofort nach Rom streben, die erstrebte Stadt erobern und die eroberte in Besitz nehmen. So werden Gold, Silber, Paläste, Türme, Burgen, Städte und andere Reichtümer der Besiegten euch gehören.“

Noch als Arthur sprach, stimmten alle in einem einzigen Schrei zu, bereit, lieber zu sterben als auseinanderstiebend das Schlachtfeld zu verlassen, solange er noch am Leben sei.

X, 8. Lucius Hiberus entdeckte aber die Falle, die man ihm gelegt hatte, wollte jedoch nicht davonlaufen, worauf er zuerst bedacht gewesen war, sondern faßte wieder Mut und befahl, in jenes Tal zu marschieren; rief seine Heerführer zusammen und richtete folgende Ansprache an sie: „Verehrte Führer, deren Gewalt sich die Königreiche des Ostens wie des Westens unterwerfen müssen, erinnert euch eurer Vorfahren! Sie schreckten nicht davor zurück, ihr Blut zu vergießen, um die Feinde der Res publica zu besiegen, sondern hinterließen ihren Nachfahren ein Vorbild an Tapferkeit und kriegerischen Mut; denn sie kämpften so, als ob Gott dafür gesorgt hätte, daß sie nicht in der Schlacht stürben. So haben sie denn sehr oft gesiegt und im Siegen den Tod gemieden, weil keinem ein anderer Tod zuteil wurde als der, welcher aus der Vorsehung Gottes entsprang. So wuchs die Res publica, wuchs die Tüchtigkeit der Vorfahren. Was an Rechtschaffenheit, Ehre und Güte in edlen Männern zu wohnen pflegt, das war in ihnen sehr lange mächtig und erhob sie und ihre Nachkommen zur Herrschaft über die ganze Welt.

Das wünsche ich in euch zu wecken und mahne euch, die ehrenhafte Gesinnung eurer Vorfahren zu erneuern und darin beharrend eure Feinde in diesem Tal anzugreifen, in dem sie euch auflauern, und euch eifrig zu bemühen, von ihnen das zu fordern, was euch gehört. Bildet euch nicht ein, daß ich in dieser Stadt deswegen Zuflucht gesucht habe, weil ich die Feinde oder den Zusammenstoß mit ihnen fürchtete! Im Gegenteil, ich wähnte, sie würden töricht uns auf dem Fuße folgen und wir könnten den Folgenden plötzlich entgegentreten, uns auf sie abgesondert stürzen und ihnen mit großen Gemetzel zusetzen. Jetzt aber, wo sie sich anders verhielten, als wir angenommen hatten, müssen wir auch anders handeln, das heißt, gegen sie losziehen und sie kühn angreifen. Und wenn sie im Vorteil sind, dann müssen wir ihnen geschlossenen Widerstand leisten und dem ersten Angriff Trotz bieten; und so werden wir zweifellos den Sieg erringen. In den meisten Schlachten geht nämlich derjenige, der beim ersten Ansturm fest zu stehen vermag, sehr oft als Sieger hervor.“

Sobald Lucius mit diesen und noch mit vielen anderen Worten seine Rede beendet hatte, spendeten alle einstimmig Beifall, hoben Gesicht und Hände zum Schwur empor und eilten, um sich zu waffnen. Sobald sie gerüstet waren, verließen sie Langres und zogen in das besagte Tal, wo Arthur seine Streitkräfte aufgestellt hatte. Auch sie bildeten wiederum zwölf Formationen, und zwar das ganze Fußvolk; in römischer Art keilförmig geordnet, enthielten alle je sechstausendsechshundertsechsundsechzig Mann. Sie gaben auch jeder einzelnen ihren Führer, daß sie gemäß den Befehlen angriffen und feststünden, wenn die Feinde anstürmten.

Die Römer setzten Lucius Catellus und Ali Fatima193. Den König von Spanien, als Befehlshaber der ersten Formation ein, den Partherkönig Hirtacius und den Senator Marius Lepidus als Befehlshaber der zweiten und den Mederkönig Boccus sowie den Senator Gaius Metellus als den der dritten, König Sertorius von Libyen und den Senator Quintus Milvius als den der vierten. Diese vier Formationen wurden in die erste Linie gestellt. Hinter ihnen, in deren Rücken, weitere vier; das Kommando über deren eine übergaben sie Serses, dem König der Iturer, über deren zweite dem König Pandrasus von Ägypten, über deren dritte dem Herzog Politetes von Bithynien und über deren vierte dem Herzog Teucer von Phrygien. Hinter ihnen standen weitere vier Formationen; einer von ihnen teilten sie den Senator Quintus Carucius zu, der zweiten Leilus Hostiensis, der dritten Sulpicius Subuculus und der vierten Mauricius Silvanus.

Lucius selber bewegte sich zwischen ihnen hin und her, wobei er riet und lehrte, wie sie sich verhalten sollten. Er befahl, daß ein goldener Adler, den er als Standarte führte, fest in der Mitte aufgestellt würde, und bestimmte, daß alle, die der Verlauf der Schlacht abgesondert hätte, versuchen sollten, dahin zurückzukehren.

X, 9. Als sich hier die Briten, dort die Römer mit aufgerichteten Wurfspießen gegenüberstanden und den Klang der Trompeten vernahmen, stürmte sofort diejenige Formation, welche der König von Spanien und Lucius Catellus kommandierten, kühn gegen diejenige, welche der König von Schottland und der Herzog von Cornwall führten, vermochte aber jene eng geschlossene nicht zu zersprengen. Gegen die römische, die sehr grimmig angriff, lief die von Boso und Gerin geführte Formation an: während jene römische, wie gesagt, widerstand, griff die britische jene mit einem unvermuteten Reitervorstoß an, brach durch und stieß auf diejenige, welche der Partherkönig gegen die Truppe des Dänenkönigs Aschill führte. Unverzüglich trafen die Haufen von hier und dort auf der ganzen Linie aufeinander, durchdrangen sich gegenseitig und riefen einen sehr heftigen Kampf hervor. Da entwickelte sich unter ihnen ein jammervolles Gemetzel mit gewaltigem Geschrei; auf beiden Seiten schlugen sie mit Kopf und Fersen auf die Erde und spien ihr Leben mit ihrem Blut aus.

Anfangs aber wurden den Briten Verluste zugefügt: Der Mundschenk Bedevere wurde getötet und der Seneschall Kay tödlich verwundet. Als nämlich Bedevere auf den Mederkönig Boccus stieß, wurde er von dessen Lanze durchbohrt und fiel tot zwischen den feindlichen Linien; als dann der Seneschall Kay ihn zu rächen versuchte, wurde er innerhalb der Medertruppen eingeschlossen und empfing die Todeswunde. Trotzdem bahnte er sich als vortrefflicher Kämpfer einen Weg mit der Truppe, die er anführte, tötete und zerstreute die Meder und hätte sich zu den Seinen in der frischen Truppe zurückgezogen, wenn er nicht auf die Abteilung des Königs von Libyen gestoßen wäre, deren Ansturm die Krieger unter Kays Kommandomganz192 zerstreute. Mit wenigen wich er zurück und floh zum goldenen Drachen mit Bedeveres Leichnam. Wie groß war das Klagen der Normannen193, als sie die Leiche ihres Führers

Bedevere durch so viele Wunden zerfetzt erblickten, und wie groß die Trauer bei den Leuten aus Anjou, als sie die Wunden ihres Führers Kay auf vielfache Weise behandelten! Klagen freilich war jetzt nicht am Platze, weil sich die Schlachtreihen überall von Blut triefend, gegenseitig angriffen und für solches Weinen keine Zeit ließen, sonder sich gegenseitig zwangen, sich zu wehren.

Hyrelgas, Bedeveres Neffe, durch den Tod seines Onkels über die Maßen erregt, scharte dreihundert seiner Leute um sich und strebte im plötzlichen Reiterangriff, wie ein Eber durch die Hundemeute, so durch die feindlichen Linien dorthin, wo er die Standarte des Mederkönigs gesehen hatte, und dachte dabei wenig daran, was ihm zustoßen könnte, wenn er seinen Onkel rächte. Als er den Platz erreichte, auf den er es abgesehen hatte, tötete er den König und schaffte den Getöteten zu seinen Kampfgefährten fort, legte den Fortgeschafften neben den Leichnam des Mundschenks und hackte ihn ganz in Stücke. Dann mahnte er mit kräftigen Rufen die Abteilungen seiner Landsleute, sich auf die Feinde zu stürzen und sie mit häufigem Anstürmen zu beunruhigen, bis ihnen der kriegerische Mut neu aufglühen, jenen Furchtsamen aber das Herz zittern würde, bis die im Handgemenge Kämpfenden vernünftiger als ihre Feinde sich in Trupps geordnet hätten und dann immer aufs neue die Kraft besäßen, schonungslos Verluste zuzufügen. Durch seine Mahnrede aufgestachelt, griffen sie den Feind überall an, wodurch größte Verluste in beiden Heeren entstanden. Auf Seiten den Römer fielen außer unzähligen anderen der König Ali Fatima von Spanien194, der Babylonier Micipsa und die Senatoren Quintus Milvius und Marius Lepidus. Auf Seiten der Briten fielen der Rutenenherzog Holdin, Leodegar von Boulogne sowie die drei britischen Heerführer Cursalem von Caistor, Guaullauc195 von Salisbury und Urbgenius von Bath. So zogen sich die Truppen, die diesen Männer Kommandiert hatten, infolge der übermäßigen Schwächung zurück, bis sie die Schlachtreihe der armorikanischen Briten erreichten, die Hoel und Gawain befehligten. Diese Truppe, wie ein Flamme aufglühend, griff die Feinde an, holte diejenigen zurück196, die zurückgewichen waren, zwang jene, die kurz zuvor noch verfolgt hatten, auseinanderzustieben. Sie warf auch diejenigen, die vorher verfolgten und jetzt zerstoben, nieder, tötete hier, ließ dort nicht ab, ein Blutbad anzurichten, bis sie die Garde des Kaisers erreichte. Als der Kaiser das Unheil seiner Leute sah, eilte er ihnen Hilfe zu bringen.

X, 10. Nach Beginn dieses Angriffs wurden die Briten geschwächt; es fielen nämlich Herzog Chinmarchocus197 von Tréguier198 und mit ihm zweitausend Mann, auch drei berühmte Fürsten fielen, Riddomarcus199, Bloctonius200 und Iaginvus201 von Bodloan202. Wären diese Männer Herrscher über Königreiche gewesen, dann würde die folgende Zeit wegen solcher Tapferkeit, die sie besaßen, ihren Ruhm feiern; denn während sie mit Hoel und Gawain den beschriebenen Angriff ausführten, kam kein Feind, dem sie nachsetzten, davon frei, das sie ihm das Leben  mit dem Schwert oder der Lanze nahmen. Als sie jedoch in die Schlachtreihe des Lucius gestoßen waren, wurden sie von den Römern ganz umzingelt und fielen mit dem Führer (Chinmarchocus) und jenen Kriegern.

Als Hoel und Gawain, die besten Männer, welche die vergangenen Zeiten hervorgebracht hatten, vom Tod ihrer Leute erfuhren, stürmten sie noch grimmiger los, eilten bald hierhin, bald dorthin, der eine in der einen Richtung, der andere in der anderen und setzten der keilförmigen Truppe des Kaisers heftig zu. Gawain, in seiner Tapferkeit immerzu glühend, drängte mit Lucius ins Handgemenge zu kommen. Stürzte drängend als der kühnste Ritter los, schlug losstürzend die Feinde nieder und tötete niederschlagend. Auch Hoel, ihm nicht nachstehend, wütete wie ein Blitz an einer anderen Stelle, mahnte auch seine Mannen und schlug auf die Feinde ein; er hielt deren Schläge furchtlos aus; und es gab keine Stunde, in der er nicht sehr oft getroffen wurde und selber traf. Schwierig wäre es zu bestimmen, wer von den beiden den anderen übertraf.

X, 11. Gawain fand dann, als er die feindlichen Truppen zusammenschlug, wie berichtet, schließlich die Lücke, nach der er verlangte, eilte auf den Kaiser los und begann den Kampf mit ihm. Lucius befand sich in der Blüte seiner ersten Jugend und besaß viel Kühnheit, viel Stärke, viel Beherztheit und wünschte nichts mehr, als sich mit einem solchen Ritter zu messen, der ihn zwänge seinen Wert im Kämpfen204 zu beweisen. Als er sich Gawain gegenübersah, freute er sich, mit ihm sich zu schlagen, und sah es als ruhmvoll an, weil er so treffliches über ihn vernommen hatte. Der Kampf zwischen ihnen dauerte lange, sie teilten einander kräftige Schläge aus, hielten ihre Schilde den Schlägen entgegen, und jeder strengte sich an, den Tod des anderen herbeizuführen.

Während sie auf diese Weise erbittert fochten, erholten sich die Römer plötzlich, unternahmen einen Angriff auf die Amorikaner, brachten so ihrem Kaiser Hilfe und trieben Hoel und Gawain mit ihren Truppen dreinschlagend zurück, bis sie mit einem Mal Arthur und seinem Haufen gegenüberstanden. Er hatte von diesem Gemetzel gehört, das kurz zuvor seinen Leuten widerfahren war, rückte mit seinem Haufen vor, zog sein bestes Schwert Caliburn und ermutigte seine Mitstreiter mit erhobener Stimme und folgenden Worten: „Was tut ihr, Männer? Laßt ihr etwas diese weibischen Leute unverwundet davonziehen? Nicht einer darf lebend entkommen. Denkt an eure rechten Hände, die in so vielen Schlachten tüchtig geprüft dreizehn Königreiche meiner Herrschaft unterworfen haben! Denkt an eure Vorfahren, welche die Römer, obwohl diese stärker waren, tributpflichtig machten! Denkt an eure Freiheit, die diese unmännlichen und schwächlichen Geschöpfe euch zu entreißen beabsichtigen! Nicht einer darf lebend entkommen, auf keinen Fall entkommen. Was tut ihr nun?“

Als Arthur dies und noch mehr derartiges laut ausgerufen hatte, da rannte er auf die Feinde los, schleuderte sie zu Boden, warf sie nieder und tötete jeden, auf den er stieß, oder dessen Pferd mit einem einzigen Streich. Sie liefen daher vor ihm fort, wie Tiere vor dem grimmigen Löwen, den wütender Hunger reizt, alles zu verschlingen, was der Zufall heranschafft. Ihre Rüstungen bewahrten sie nicht davor, das Caliburn, in der Rechten eines so mutvollen Königs geschwungen, sie zwang, die Seele mit dem Blut auszuspeien. Das Unglück brachte zwei Könige, Sertorius von Libyen und Politetes von Bithynien205, dem Arthur in den Weg; die schickte er in die Hölle206, nachdem er ihnen die Köpfe abgeschlagen hatte.

Da die Briten ihren König den Kampf so führen sahen, faßten sie kühneren Mut, gingen einmütig auf die Römer los und griffen sie in geschlossener Formation an. Während sie so in dem einen Abschnitt dem Fußvolk zusetzten, versuchten sie in einem anderen, die Reiter niederzuwerfen und zu durchstoßen. Die Römer setzten sich erbittert zur Wehr; durch Lucius ermahnt, bemühten sie sich, den Briten die Schlappe zurückzuzahlen, die sie durch den erlauchten König erlitten hatten. Der Kampf wurde auf beiden Seiten mit so viel Wucht fortgesetzt, als ob sie gerade jetzt erst frisch aufeinandergestoßen wären. Auf dieser Seite hieb Arthur immer häufiger auf seine Feinde ein, wie schon gesagt, und feuerte die Briten zum dreinschlagen an207. Auf der anderen Seite ermahnte Lucius Hiberus seine Leute und führte sie oftmals zu hervorragenden Heldentaten. Er focht unablässig, lenkte dabei seine Scharen in alle Abschnitte und tötete jeden Gegner, den der Zufall ihm zubrachte, mit der Lanze oder dem Schwert. Ein abscheuliches Gemetzel entstand auf beiden Seiten, weil manchmal die Briten, manchmal umgekehrt die Römer die Oberhand hatten.

Während solches Ringen zwischen ihnen entstand, brach schließlich Graf Morvid von Gloucester mit seiner Abteilung, die, wie ich oben erwähnte, unterhalb des Hügels208 aufgestellt war, in unerwartetem Vorstoß los, griff die Feinde im Rücken an, die nichts Derartiges erwarteten, stieß angreifend durch, sprengte durchstoßend sie auseinander und entfachte ein entsetzliches Gemetzel. Da töteten sie viele tausend Römer. Am Ende wurde Kaiser Lucius selber in der Mitte seiner Truppen überrumpelt und verlor, von der Lanze irgendeines durchbohrt, sein Leben. Die Briten setzten hart zu und gewannen den Sieg, freilich nur nach äußerster Anstrengung.

X, 12. Die Römer wurden zerstreut und suchten, von Furcht befallen, einesteils abgelegene Plätze und Waldstücke209 auf, andernteils Städte, Burgen und all die ihnen am sichersten erscheinenden Orte210. Die Briten verfolgten sie mit aller Kraft und metzelten sie jämmerlich nieder, nahmen sie gefangen und raubten sie aus, so daß de größte Teil von ihnen die Hände freiwillig erhob, um sie weibisch fesseln zu lassen211, damit sie einen, wenn auch noch so kleinen Zeitraum zum Leben gewönnen. Das lag in der Bestimmung der göttlichen Macht212; in alten Zeiten hatten nämlich die Vorfahren der Römer die Ahnen der Briten  mit ihren verhaßten213 Bedrückungen gequält214, und jetzt trachteten die Römer danach, den Briten ihre Freiheit zu nahmen, und drängten diese, sie zu schützen, indem sie den ihnen unrechtmäßig abverlangten Tribut verweigerten.

X, 13. Nach dem errungenen Sieg befahl Arthur, die Leichen seiner Fürsten von denen der Feinde zu sondern, die gesonderten aber in königlicher Art herzurichten und die hergerichteten in die benachbarten Abteien zu schaffen, damit die dort ehrenvoll beigesetzt würden. Der Mundschenk Bedevere wurde von den Normannen unter lautem Klagen nach Bayeux215 überführt, in seine Stadt, die sein Großvater Bedevere I. gegründet hatte. Dort wurde er ehrenvoll neben einer Mauer auf dem Friedhof in Südviertel der Stadt begraben. Kay216, der tödlich verwundet war, wurde nach Chinon217 gebracht, der Stadt, die er selbst erbaut hatte, und starb nicht lange danach an seiner Wunde; er wurde im Wald bei dem Eremitenkloster, nicht weit von der Stadt entfernt, begraben, wie es sich für einen Herzog derer von Anjou geziemte. Und der Rutenenherzog Holdin wurde nach Flandern218 geschafft  und in seiner Stadt Thérouanne219 beigesetzt. Auf Arthurs Geheiß brachte man die übrigen Führer und Fürsten in die benachbarten Abteien. Er erbarmte sich seiner Feinde und forderte die Einheimischen auf, sie zu begraben; den Leichnam des Lucius ließ er dem Senat bringen, mit der Weisung, daß kein anderer Tribut aus Britannien zurückgegeben werden bräuchte.

Arthur verbrachte den folgenden Winter in dieser Gegend und nahm sich die Zeit, die Städte der Allobroger zu unterjochen. Als der Sommer kam, er gegen Rom zu ziehen begehrte und die Berge zu übersteigen begann, wurde ihm gemeldet, daß sein Neffe Mordred, dessen Obhut er Britannien anvertraut hatte, nach Gewaltstreich und Verrat mit seiner Königskrone gekrönt und die Königin Guinevere mit ihm unter Bruch des früheren Ehegelübdes in unerlaubtem Liebesbund verkuppelt220 sei.  

 

 

 
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