Ablehnung von Rom
Zurück Home Nach oben Weiter

 

Ablehnung von Roms Forderungen

IX,15. Der heilige129 Dubricius, der sich danach gesehnt hatte, als Eremit zu leben, verzichtete auf den Erzbischofssitz. An dessen Stelle wurde des Königs Oheim David geweiht, dessen Leben ein Beispiel vollkommener Tugend für diejenigen war, die er in der Christenlehre unterwiesen hatte130. Anstelle des heiligen Samson, des Erzbischofs von Dol131, wurde Tebaus, der gefeierte Priester von Llandaff132, eingesetzt, mit Billigung Hoels, des Königs der armorikanischen Briten, dem sich jener durch sein Leben und seine tugendhaften Eigenschaften empfohlen hatte. Das Bistum Silchester wurde Maugannius gegeben, das von Winchester133 dem Diwanius und das von Alclud dem Eledenius.

Während Arthur diese Austeilung unter sie vornahm, traten zwölf Männer in gereifteren Jahren und von achtbarem Aussehen in gemessenen Schritten ein, die in der Rechten Ölzweige als Zeichen dafür trugen, daß sie Gesandte waren, grüßten den König und händigten ihm ein Schreiben von Lucius Hiberius mit folgendem Wortlaut ein:

„Lucius, der Prokurator des römischen Staates135, wünscht dem König Arthur von Britannien, was er verdient hat. Erstaunt bin ich und wundere mich heftig über die Unverschämtheit deiner Tyrannei. Ich wundere mich, sage ich; und wenn ich das Unrecht, das du Rom angetan hast, zusammen bedenke, bin ich entrüstet darüber, daß du außer dich geraten bist und dich scheust von Rom Kenntnis zu nehmen, und dich nicht beeilst, zu beachten, was es bedeutet, durch verbrecherische Handlungen den Senat zu beleidigen, dem die ganze Welt Ergebenheit schuldet, wie du wohl weißt. Du hast dir herausgenommen, ein Imperium von so mächtigem Range nicht zu achten und den Tribut Britanniens zurückzuhalten, den der Senat dir zu zahlen befohlen hat, weil Gaius Julius und andere römische Würdenträger ihn viele Jahre erhalten hatten. Entrissen hast du dem Imperium Gallien, entrissen die Provinz der Allobroger136, entrissen alle Inseln des Ozeans, deren Könige meinen Vorfahren Tribut gezahlt haben, solange Roms Macht in diesen Gegenden die Oberhand besessen hat. Weil der Senat beschlossen hat, über deine haufenweise erfolgten Rechtsverletzungen das Recht sprechen zu lassen,137 befehle ich dir, in Rom zu erscheinen, auf das du Deinen Herren Genugtuung leistest und dich dem Spruche fügst, den ihre Gerechtigkeit festsetzt, und bestimme als Termin Mitte August nächsten Jahres. Andernfalls jedoch werde ich selbst in deine Gebiete einfallen und versuchen, was dein Wahnsinn dem römischen Staat entrissen hat, ihm mit Hilfe der Schwerter wiederherzustellen.“

Nachdem dies in Gegenwart der Könige und Fürsten verlesen war, zog sich Arthur mit ihnen in einen riesenhaften Turm nahe dem Eingang zurück, um zu beraten, was betreffs solcher Forderungen unternommen werden müßte. Als sie die Stufen hinaufstiegen, brach Herzog Cador von Cornwall – er besaß ja ein heiteres Gemüt – vor dem König unter Lachen in folgende Worte aus:

„Bis jetzt hatte ich gefürchtet, daß die Briten, von dem langen Frieden verweichlicht, durch die Muße, die sie hegten, zu Feiglingen geworden wären und ihren guten Ruf als Krieger, wodurch sie berühmter als die übrigen Völker galten, vollständig verloren hätten. Wahrlich, wo offensichtlich kein Gebrauch der Waffen mehr stattfindet, statt dessen aber Würfelspiele, reizvoller Frauendienst138 und sonstiger Zeitvertreib vorhanden sind, da wird ohne Zweifel, was zu Tapferkeit, Ehre, Mut und berühmten Namen gehört, mit Feigheit besudelt. Es sind ja fast fünf Jahre vergangen, seit wir uns den genannten Vergnügungen hingeben und de Übung im Kampf entbehren. Um uns von dieser Trägheit zu befreien, hat Gott die Römer zu solchem Verlangen gereizt, daß sie unseren Mut wieder in seinen früheren Zustand bringen.“

Während ihnen Cador das und weiter Ähnliches sagte, kamen sie schließlich bei ihren Sitzen an. Jeder nahm dort Platz, und Arthur hielt dann folgende Ansprache:

IX,16. „Ihr, meine Gefährten in Glück und Unglück“, sagte er, „deren Tüchtigkeit ich bisher im Ratgeben139 wie im Kämpfen erprobt habe, spannt nun alle zusammen eure Sinne an und erwägt weise, was wir nach eurer Erkenntnis betreffs solcher Forderungen zu tun haben! Alles, was von einem Weisen mit großer Sorgfalt bedacht wird, trägt man leicht140, wenn es zum Handeln kommt. So werden wir die Bedrückung durch Lucius leicht ertragen können, wenn wir in gemeinsamen Mühen vorausbedacht haben, auf welche Weise wir sie zu entkräften vermögen141. Ich glaube, wir werden seinen Druck nicht viel zu befürchten haben, weil er mit unvernünftiger Begründung den Tribut verlangt, den er von Britannien zu besitzen begehrt. Er behauptet ja, der müsse ihm gezahlt werden, weil er Julius Cäsar und seinen Nachfolgern gezahlt worden sei. Durch die Zwistigkeiten unter unseren Vorfahren angelockt, landeten sie damals mit bewaffneter Macht und unterwarfen unser durch innere Unruhen wankendes Vaterland mit Gewalt und Ungestüm ihrer Herrschaft; weil sie sich auf diese Weise dessen bemächtigt hatten, nahmen sie von ihm zu Unrecht Tribut – denn nichts, was einer durch Gewalt und Ungestüm erworben hat, kann er rechtskräftig behalten. Er, der142 uns Gewalt angetan hat, gibt einen unvernünftigen Grund vor, nach dem wir, wie er meint, ihm zu Recht tributpflichtig seien. Weil er es wagt, etwas Ungesetzliches von uns einzutreiben, laßt uns durch ein ähnliches Argument den Tribut Roms von ihm fordern! Laßt denjenigen, der als der Stärkere siegt, wegtragen, was er zu haben begehrt! Wenn er nämlich bestimmt, daß ihm von den Briten deswegen Tribut gezahlt werden müsse, weil Julius Cäsar und die anderen Römerkönige Britannien ehemals unterjochten, dann meine ich gleicherweise, daß Rom mir143 Tribut zu zahlen verpflichtet ist, weil es meine Vorfahren vor alters in Besitz nahmen, denn Belin144, der strahlendste Britenkönig, hängte mit Hilfe seines Bruders Brennius, des Herzogs der Allobroger, zwanzig der vornehmsten Römer mitten auf dem Forum auf, nahm die Stadt in Besitz und hielt sie danach lange Zeit. Auch Konstantin145, der Sohn der Helena, und dazu Maximian, beide mir durch Verwandtschaft nahe, gewannen, mit der Krone Britanniens geschmückt, einer nach dem anderen die Krone des römischen Reiches. Meint ihr also nicht, daß von den Römern Tribut gefordert werden muß? Für Gallien aber und die benachbarten Inseln des Ozeans ist keine Antwort nötig, weil er sich scheute, sie zu verteidigen, als wir sie der römischen Herrschaft entrissen.“

Sobald Arthur dies und ähnliches gesprochen hatte, gab Hoel, der König der amorikanischen Briten, der aufgefordert wurde, den übrigen voranzugehen folgende Antwort:

IX,17. „Wenn ein jeder von uns, sich ganz besinnend, alles bedenken und alles erwägen würde, dann kann nach meiner Meinung niemand einen besseren Rat finden als den, dessen Duft jetzt schon die Weisheit deiner schöpferischen Vorsorge verbreitet hat. Denn vorausblickend hat deine Überlegung, mit ciceronischer Klarheit geölt, für uns vorgesorgt. Wir sollten daher unaufhörlich die Willenskraft des unerschrockenen Mannes, die Ausführungen des weisen Geistes und die Dienlichkeit des ausgezeichneten Rates loben. Wenn du nämlich dem vorgetragen Plan gemäß nach Rom ziehen willst, dann zweifle ich nicht, daß wir uns des Sieges bemächtigen, sofern wir unsere Freiheit verteidigen und mit Recht von unseren Feinden verlangen, was sie zuerst von uns zu Unrecht145a forderten – denn, wer auch immer versucht, einem anderen das Seine zu stehlen, der verliert mit Recht, was ihm gehört, durch denjenigen, den er angreift. Weil die Römer vorhaben, uns unser Eigen zu nehmen, werden wir ohne Bedenken ihnen das Ihre nahmen, wenn man uns die Erlaubnis gewährt, uns mit ihnen im Kampf zu messen. Siehe, solche kriegerische Begegnung muß von allen Briten ersehnt werden. Sieh die Prophezeiungen der Sybille, die in Versen146 bezeugen, das zum drittenmal aus britischem Geschlecht derjenige geboren wird, der das römische Imperium in Besitz nehmen wird! Was die beiden Vorgänger betrifft, so sind die Prophezeiungen bereits in Erfüllung gegangen – es ist ja wohlbekannt, wie du gesagt hast, das die berühmten Fürsten Belin147 und Konstantin die Insignien des römischen Imperiums getragen haben. Jetzt haben wir dich als den dritten, dem der Gipfel solcher Ehre in Aussicht gestellt wird. Beeile dich deshalb, in die Hand zu nehmen, was Gott schenken will! Eil dich zu unterwerfen, was überdies unterworfen werden will! Eil dich, uns alle hoch zu erheben, die wir nicht davor zurückschaudern werden, Wunden zu empfangen oder das Leben zu verlieren, damit du erhöht wirst! Auf das du das durchführst, werde ich deine Gegenwart mit zehntausend Bewaffneten begleiten.“

IX, 18. Als Hoel aufgehört hatte zu sprechen, fuhr König Augusel von Schottland148 fort, was er darüber dachte, folgendermaßen darzulegen: „Seitdem ich begriff, das mein Herr wirklich das anstrebte, was er gesagt hatte, drang solche Freude in mein Herz, wie ich augenblicklich nicht beschreiben kann. Nicht scheinen wir nämlich in den vergangenen siegreichen Feldzügen, die wir gegen so viele und so mächtige Könige führten, vollbracht zu haben, sofern die Römer und Germanen ungeschoren bleiben und wir nicht an ihnen für jene Schäden mannhaft Rache nehmen, die sie einst bei den unseren anrichteten. Jetzt aber, wo uns die Gelegenheit zu kriegerischen Auseinandersetzungen versprochen wird, bin ich vor Freude überwältigen und  glühe vor Verlangen nach dem Tag, an dem wir aufeinanderstoßen; ich dürste nach ihrem Blut wie nach einer Quelle, wenn ich drei Tage lang am Trinken gehindert wurde. Ach, wenn ich doch jenes Tageslicht sehe, wie angenehm werden dann die Wunden sein, die ich empfangen oder austeilen werden, sobald wir handgemein werden! Sogar der Tod selbst wird angenehm sein, wenn ich ihn erleide, um unsere Vorfahren zu rächen, unsere Freiheit zu schützen und unseren König zu erhöhen. Laßt uns diese weibischen Männer angreifen und fest im Angriff bleiben, daß wir dann, wenn wir sie völlig besiegt haben, mit frohem Sinn uns ihrer ehrenvollen Positionen bemächtigen. Ich aber werde unser Heer mit zweitausend Ritter, ohne das Fußvolk, vermehren."

IX, 19. Nachdem die übrigen dazu gesagt hatten, was noch gesagt werden mußte, versprachen sie all Arthur so viele, wie sie ihm gemäß ihrem Lehnsdienst schuldeten149, so daß außer jenen, die der amorikanische Führer150 versprochen hatte, sechzigtausend Bewaffnete allein von der Briteninsel gezählt wurden. Die Könige der anderen Inseln versprachen, weil sie es noch nicht zu der Gewohnheit gebracht hatten, Fußvolk zu halten, so viele, wie jeder verpflichtet war, so das von den sechs Inseln, nämlich Irland, Island, Gotland, den Orkneys, Norwegen und Dänemark einhundertzwanzigtausend gezählt wurden. Aus den Herzogtümern Galliens, denen der Rutenen, Portivenser151, Normannen152, Cenomannen, Andeviner, Poiteviner, kamen achtzigtausend, von den zwölf Fürstentümern derjenigen aber, die Gerin von Chartres153 begleiteten, zwölfhundert. Die Gesamtsumme des ganzen Heeres, das Fußvolk ausgenommen, das nicht leicht unter eine Zahl zu bringen war, belief sich deshalb auf hundertdreiundachtzigtausenddreihundert154.

IX, 20. Als König Arthur merkte155, daß sie alle einmütig bereit waren, ihm zu dienen, befahl er ihnen, unverzüglich heimzukehren, das versprochene Heer aufzustellen und am ersten August zum Hafen von Barfleur156 zu eilen, um von dort aus mit ihm zum Gebiet der Allobroger zu ziehen und den Römer entgegen zu treten. Durch ihre Boten teilte er den Kaisern mit, er wolle ihnen auf keinen Fall Tribut zahlen und nicht deswegen nach Rom kommen, um ihrem Urteilsspruch zuzustimmen, sondern um von ihnen zu fordern, was sie nach ihrem Urteil von ihm zu fordern beschlossen hätten. Die Boten gingen also fort, desgleichen die Könige und Fürsten, und diese schoben es nicht auf auszuführen, was ihnen befohlen war.

 

 

 
Hosted by www.Geocities.ws

1