Ausdehnung
Zurück Home Nach oben Weiter

 

Ausdehnung der Herrschaft, Heirat und Krönung

IX,8. Als der König das Schottenvolk begnadigt hatte, begab er sich nach York, um das bevorstehende Weihnachtsfest zu Feiern. Nach seiner Ankunft sah er den wüsten Zustand der heiligen Kirchen und war davon schmerzlich berührt. Der heilige66 Erzbischof Samson war vertrieben worden, sowie alle Leute des heiligen Glaubens, die halbverbrannten Kirchen hatten keinen Gottesdienst mehr; die Wut der Heiden war ja derart übermächtig gewesen. Arthur rief deshalb Geistlichkeit und Volk zusammen und bestimmte seinen Kaplan Piramus für den Metropolitansitz. Er baute die Kirchen wieder auf, die bis auf den Grund zerstört waren, und schmückte sie mit den religiösen Zusammenkünften der Männer und Frauen, setzte auch die Adligen, die durch die Sachsenbedrückung vertrieben worden waren, wieder in ihre überkommenen Ehren ein.

IX,9. In York gab es drei Brüder aus königlichem Geschlecht, Loth, Urian und Augusel, die in diesen Gegenden, bevor die Sachsen die Oberhand gewonnen hatten, die Herrschaft über jene Teile besessen hatten. Arthur gab, da er die anderen mit ihren angestammten Rechten zu beschenken vorhatte, an Augusel die königliche Herrschaft über die Schotten zurück und zeichnete dessen Bruder Urian mit dem Zepter über die Leute von Moray aus; er führte Loth, der in den Tagen des Aurelius Ambrosius des Königs67 Schwester geheiratet und von ihr Gawain68 und Mordred geboren bekommen hatte, in das Herzogtum Lodonesia und die anderen Ländereien zurück, die dazu gehörten.

Als er schließlich den Zustand des ganzen Landes in seine frühere Würde zurückgeführt hatte, heiratete er eine Frau namens Guinevere69, aus einem vornehmen römischen Geschlecht; sie war am Hofe des Herzogs Cador70 aufgezogen worden und übertraf die Frauen der ganzen Insel an Schönheit.

IX,10. Zu Beginn des nächsten Sommers rüstete Arthur eine Flotte und segelte zur Insel Irland, die er sich zu unterwerfen wünschte. Als er landete, zog ihm der bereits genannte König Gilmaurius mit einer zahllosen Volksmenge entgegen, um mit ihm zu kämpfen. Er eröffnete den Kampf; seine Leute, die ohne Schutz und Waffen waren, wurden Elend in Stücke gehauen und flohen dorthin, wo sich ihnen Zuflucht bot. Gilmaurius wurde sofort gefangen und zur Unterwerfung gezwungen. Die übrigen Fürsten des Landes, durch das Beispiel des Königs erschreckt ergaben sich.

So unterwarf Arthur das ganze Irland in seinen Teilen, lenkte dann seine Flotte nach Island, bezwang das Volk dort und brachte die Insel in seine Gewalt. Das Gerücht verbreitete sich von da aus über die anderen Inseln, das ihm kein Land standhalten könne; daher erschien König Doldavius von Gotland und König Gunvasius71 von den Orkneys72 aus eigenem Willen, versprachen Tribut und unterwarfen sich. Als dann der Winter verstrichen war, fuhr Arthur wieder nach Britannien, führte sein ganzes Königreich zu festem Frieden und hielt sich zwölf Jahre dort auf.

IX,11. Arthur lud dann all die Tüchtigen aus fernen Königreichen zu sich, vergrößerte seinen Hofstaat und führte solche feinen Sitten an seinem Hof ein, das er weit entfernte Völker zur Nacheiferung antrieb. So wurden die Edelsten alle angespornt und schätzten es, sich im Kleiden und Waffentragen nach Art der Arthurritter zu verhalten. Letztlich verbreitete sich der Ruf von Arthurs Freigebigkeit und Tapferkeit bis zu den äußersten Enden der Erde; die Könige der Länder jenseits des Meeres73 befiel große Furcht davor, daß sie durch einen Einfall Arthurs erdrückt würden und so die ihnen untergebenen Völker verlören. Von zehrenden Sorgen geängstigt, stellten sie ihre Städte wieder her und deren Türme, errichteten Burgen an geeigneten Orten, daß sie in der Not eine Zuflucht besäßen, wenn das Ungestüm den Arthur gegen sie führte.

Nachdem das Arthur gemeldet worden war, fühlte er sich, weil er allen Furcht einflößte, ermutigt und darauf hingelenkt, sich ganz Europa zu unterwerfen. Er rüstete Schiffe aus und segelte zuerst nach Norwegen, damit er seinen Schwager Loth mit der Krone dieses Landes auszeichne. Loth war der Neffe des Königs Sichelm von Norwegen, der in dieser Zeit gestorben war und ihm sein Reich bestimmt hatte. Die Norweger dagegen hatten es entrüstet abgelehnt, Loth anzunehmen, und hatten einen gewissen Riculf in das Amt des Königs erhoben; sie meinten auch, sie könnten Arthur widerstehen, da ihre Städte befestigt seien. Der Sohn dieses Loth, Gawain genannt, war damals ein Knabe von zwölf Jahren und war von seinem Oheim in den Dienst des Papstes Sulpicius überstellt worden, der ihn zum Ritter geschlagen hatte. Sowie Arthur an der Küste Norwegens gelandet war, wie ich zu erzählen begann, marschierte ihm König Riculf mit der ganzen Kriegsmenge des Landes entgegen und eröffnete den Kampf; viel Blut wurde auf beiden Seiten vergossen, aber am Ende gewannen die Briten die Oberhand und töteten im Ansturm Riculf mit vielen anderen. Als sie den Sieg errungen hatten, überfielen sie die Städte75 Norwegens und legten überall Feuer an, trieben die Landbevölkerung auseinander und ließen nicht ab, Grausamkeit zu üben, bis sie ganz Norwegen und auch Dänemark76 der Herrschaft Arthurs unterworfen hatten.

Sobald Arthur nach ihrer Unterjochung Loth zum König Norwegens erhoben hatte, segelte er nach Gallien, stellte sein Heer in Abteilungen auf und verwüstete das Land überall. Die Provinz Gallien war zu der Zeit dem Tribun Frollo anvertraut, de sie im Namen des Kaisers Leo regierte. Als Frollo vom kommen Arthurs vernahm, zog er die ganze Waffenmacht, die seinem Kommando unterstand, zu sich heran, stellte sich Arthur zum Kampf, konnte ihm aber nur sehr wenig Widerstand bieten, denn die jungen Männer von allen Inseln, die Arthur unterworfen hatte, standen dort auf dessen Seite; man sagte daher, er habe ein so starkes Heer, das er schwerlich von irgendeinem besiegt werden könne. Auch befand sich der bessere Teil des Gallierheeres, das er sich durch seine Freigebigkeit verpflichtet hatte, in seinem Dienst. Sobald nun Frollo merkte, das er zum unterliegenden Teil in der Schlacht gehören würde, verließ er eilends das Schlachtfeld und floh mit wenigen nach Paris.

Dort sammelte er sein auseinandergestobenes Heer wieder, befestigte die Stadt und beschloß, mit Arthur ein zweitesmal zu  kämpfen. Gerade als Frollo daran dachte, sein Heer mit Hilfe der Angrenzer zu verstärken, kam Arthur unerwartet und schloß ihn in der Stadt ein. Da es Frollo nach einem Monat schmerzte, daß sein Volk Hungers starb, ließ er Arthur ausrichten, sie beide sollten sich allein im Kampf messen, und wem der Sieg zufalle, der soll die Herrschaft des anderen in Besitz nehmen. Frollo besaß große Gestalt, Kühnheit und Tapferkeit; darauf stützte er sich über die Maßen und ließ die Botschaft bestellen, um auf diese Weise eine Lösung zu seinem Heil zu finden. Als man Arthur davon verständigte, gefiel ihm das Anliegen Frollos gar sehr, und er antwortete ihm, er sei willens, auf das vorgeschlagene Zusammentreffen einzugehen. Nach beiderseitigem Abschluß des Übereinkommens fanden sich also die Zwei auf einer Insel außerhalb der Stadt zusammen, während das Volk darauf gespannt war, was sich mit ihnen ereignen würde.

Beide waren entsprechend bewaffnet und saßen auf Pferden von wunderbarer Schnelligkeit; und es war nicht leicht auszumachen, wem der Sieg zufallen würde. Nachdem sie sich mit hochgerichteten Lanzen einander gegenüber aufgestellt hatten, gaben sie sofort den Pferden die Sporen und stachen mit mächtigen Stößen aufeinander. Arthur lenkte seine Lanze mit größerer Umsicht und traf Frollo oben auf die Brust, wich selber dessen Waffe aus und schleuderte ihn mit aller Kraft, die ihm zu Gebote stand, zu Boden. Er zog dann das Schwert aus der Scheide und eilte sich, Frollo einen Schlag zu versetzen, da richtete er sich hurtig auf, stürmte mit vorgestreckter Lanze entgegen, brachte Arthurs Roß eine tödliche Wunde an der Brust bei und zwang beide zu Boden. Als die Briten ihren König abgeworfen sahen, fürchteten sie, er sei umgekommen, und konnten sich kaum davon zurückhalten, die Übereinkunft zu brechen und sich wie ein Mann auf die Gallier zu stürzen. Wie sie schon daran dachten, die Grenzen des Friedens zu überschreiten, sprang Arthur geschwind auf, warf seinen Schild nach vorn und stürzte sich in schnellem Sprung auf Frollo, der ihn hart bedrängte. Sie wurden handgemein, verdoppelten die gegenseitigen Schläge, und jeder trachtete nach des anderen Tod. Schließlich entdeckte Frollo eine ungeschützte Stelle, traf Arthur an der Stirn und hätte wohl eine tödliche Wunde angebracht, wenn er nicht sein Schwert durch den Aufschlag auf Arthurs Helm abgestumpft hätte. Blut floß, und wie Arthur Harnisch und Schild rot werden sah, entbrannte er in noch grimmigerer Wut, schwang Caliburn mit allen Kräften hoch und trieb ihn durch Frollos Helm in dessen Haupt, daß er es in zwei Hälften teilte. Auf diese Verwundung hin fiel Frollos zu Boden, trommelte mit den Fersen auf die Erde und ließ seinen Geist in die Lüfte entweichen. Als das im Heer bekannt wurde, liefen die Stadtbewohner zusammen, öffneten die Tore und übergaben die Stadt an Arthur.

Sobald Arthur gesiegt hatte, teilte er sein Heer in zwei Teile, stellte den einen unter das Kommando des Königs Hoel und befahl ihm, Guitard, den Anführer der Aquitaner77, zu bezwingen. Mit dem anderen Teil machte er sich selber daran, die übrigen Provinzen zu unterwerfen, die ihm noch feind waren. Hoel marschierte bald in Aquitanien ein, bemächtigte sich der Städte dieses Landes, und nachdem er Guitard in mehreren Schlachten unter Druck gesetzt hatte, zwang er ihn zur Übergabe. Er verwüstete auch die Gascogne mit Feuer und Schwert und zwang ihre Führer, sich zu unterwerfen.

Als dann neun Jahre vergangen waren und Arthur die Gebiete von ganz Gallien seiner Herrschaft unterworfen hatte, kehrte er noch einmal nach Paris zurück und hielt dort Hof, rief Klerus und Volk zusammen und stärkte das Königreich in seinem Bestand, was Frieden und Recht betraf. Dann gab er Estrusia, jetzt Normandie78 genannt, seinem Mundschenk Bedevere79 und die Provinz Anjou80 seinem Seneschall Kay, andere Provinzen an Edelleute die ihm gedient hatten. Nachdem er alle Städte und Völker befriedet hatte, fuhr er bei Frühlingsbeginn nach Britannien zurück.

IX,12. Als das Pfingstfest zu nahen begann, war Arthur nach solchem Triumph von großer Freude bewegt und darauf bedacht, dort Hof zu halten, die Königskrone auf sein Haupt zu setzen und zu diesem Fest die ihm verpflichteten Könige und Fürsten zusammenzurufen, um es ehrenvoll zu feiern und den festesten Frieden unter seinen Adligen zu erneuern. Er unterrichtete seine Vertrauten über das, was er vorhatte, und erhielt den Rat, seinen Plan in Legionenstadt auszuführen.

Gelegen in Glamorgan81 am Usk Fluß82, nicht weit von der Severnsee, in einer anmutigen Lage und reicher an Schätzen als die anderen Städte, eignete sich diese Stadt für solche Festlichkeit. An der einen Seite floß der genannte berühmte Fluß an ihr vorbei, auf dem Könige und Fürsten, die übers Meer gekommen waren, zu Schiff heranfahren konnten. Auf der anderen Seite, die von Wiesen und Wäldern schützend umgeben war, zeichnete sich die Stadt mit königlichen Palästen aus, so das sie durch die goldenen Dachgiebel mit Rom wetteiferte. Sie ragte auch durch zwei Kirchen hervor83, deren eine, zu Ehren des Märtyrers Julius errichtet, ein Chor gottgeweihter Jungfrauen sehr schön schmückte. Die zweite, im Namen seines Gefährten, des seligen Aaron, begründet, wurde von einem Domherrenkonvent gestützt und hatte den dritten84 Metropolitansitz Britanniens. Sie enthielt ferner eine hohe Schule mit zweihundert Gelehrten85, die in der Astronomie und den anderen Arten ausgebildet die Laufbahnen der Sterne sorgfältig beobachteten und auch mit begründeten Beweismitteln für König Arthur Wunder voraussagten, die zu dieser Zeit eintreten sollten.

So wurde eine Stadt, die durch so viele Herrlichkeiten glänzte, für das Fest86 vorbereitet. Boten wurden in die verschiedenen Königreiche gesandt und diejenigen eingeladen, die aus Gallien und von den angrenzenden Inseln des Ozeans zum Hof zu kommen verpflichtet waren. Es erschien also König Augusel von Albanien, das jetzt Schottland87 heißt, Urian, König über die Leute von Moray, Cadwallon Laurh, König der Venedoter88, die jetzt Nordwaliser heißen, Stater, König der Demeter, jetzt Südwaliser90, und König Cador von Cornwall. Ferner die Erzbischöfe der drei Metropolitansitze, nämlich von London, York und aus Legionenstadt Dubricius, welche Primas von Britannien und Gesandter des heiligen Stuhls war und sich durch solche Frömmigkeit auszeichnete, daß er durch seine Gebete jeden Siechen zu heilen vermochte. Es stellten sich die Führer der wichtigsten Städte ein, Graf Morvid91 von Gloucester92, Mauron von Worcester93, Anarauth93a von Salisbury, Artgualchar94 von Guerensis95, das jetzt Warwick genannt wird, Jugein96 von Leicester97, Cursalem von Caistor98, Herzog Kyniarc99 von Dorobernia100, Urbgennius101 von Bath, Jonathal von Dorcester102 und Boso von Rydychen, das ist Oxford103.

Außer den genannten Fürsten kamen Herren von nicht geringer Würde: Donaut map Papo, Cheneus map Coil, Peredur map Eridur, Grifud map Nogord, Regin map Claut, Eddeliui map Oledauc, , Kyncar104 map Bangan, Kynmaroc105, Gorbonian map Goit106, Worloit107, Run map Neton, Kymbelin, Edelnauth map Trunat, Cathelus map Kathel, Kynlit map Tieton, dazu viele andere deren Namen zu nennen zu langwierig wäre. Außerdem erschienen von den benachbarten Inseln König Doldavius von Gotland108, König Gunvasius von den Orkneys, König Loth von Norwegen, König Aschill von Dänemark. Und von den Ländern jenseits des Meeres Holdin, Führer der Rutenen109, Leodegar, Graf von Boulogne110, der Mundschenk Bedevere, Herzog der Normandie, Borell von Cenomanien111, der Truchseß Kay, Herzog von Anjou, Guitard von Aquitanien112. Auch die zwölf Großwürdenträger Galliens113, die Gerin von Chartres114 anführte, Hoel, Herzog der armorikanischen Briten, mit den ihm ergebenen Adligen, die mit einem solchen Troß von Ausrüstungsgegenständen, Maultieren und Pferden erschienen, wie zu beschreiben schwierig ist. Außer diesen gab es keinen Fürsten von irgendeinem Rang diesseits von Spanien, der nicht auf diese Einladung hin gekommen wäre. Das war nicht erstaunlich, denn Arthurs Großmut war durch die ganze Welt hin bekannt und hatte alle dazu gewonnen, ihn zu lieben.

IX,13. Als sich schließlich alle in der Stadt versammelt hatten, Wurden zu Beginn des Festes die Erzbischöfe in den Palast geführt, um den König mit der Königskrone zu schmücken. Da der Hof in der Diözese des Dubricius abgehalten wurde, hatte der sich gerüstet, die Zeremonie feierlich zu vollziehen, und verrichtete diesen Dienst. Sobald der König mit seinen Insignien versehen war, wurde er den Ordnungen115 in die Kirche des Metropolitansitzes geleitet. Zu seiner Rechten und zu seiner Linken standen ihm zwei Erzbischöfe bei. Die vier Könige von Schottland und Cornwall, Demetien und Venedotien gingen vor ihm, wie es ihr Recht war, und trugen vier goldene Schwerter. Eine Schar Geistlicher vielfachen Ranges trugen Gesänge in wunderbaren Melodien vor. Aus einer anderen Richtung führten Erzbischöfe und Bischöfe die Königin, die mit ihren Insignien geschmückt war, zu der Kirche der geweihten Jungfrauen. Vor ihr hielten die Königinnen der genannten Könige der Sitte gemäß vier weiße Tauben. Alle anwesenden Ehefrauen folgten ihr mit großer Freude. Nachher, als der feierliche Einzug vollendet war, erklangen in den zwei Kirchen so viel Orgelmusik und so viel Gesang, daß wegen der großen Lieblichkeit die anwesenden Ritter nicht wußten, welche Kirche sie zuerst aufsuchen sollten. So zogen sie denn haufenweise zuerst in die eine, dann in die andere; ihnen hätte das keinen Überdruß bereitet, wenn sie den ganzen Tag mit Feiern verbracht hätten.

Nachdem schließlich die Zeremonien in den beiden Kirchen vollendet waren, setzten der König und die Königin ihre Kronen ab und legten die leichteren Insignien an; der König schritt mit seinen Männer in seinen Palast und die Königin mit ihren Ehefrauen in den ihren zum Essen; die Briten hielten nämlich noch an der alten Sitte Trojas fest, nach der die Männer festliche Tage mit Männern, die Frauen mit Frauen getrennt zu feiern pflegten. Als sie dann alle ihre Plätze eingenommen hatten, wie es der Rang eines jeden bestimmte, (erschien)116 der Seneschall Kay, in Hermelin gekleidet und von tausend Edelleuten begleitet, die ebenfalls alle in Hermelin, die Gerichte auftrugen. Auf der anderen Seite folgten dem Mundschenk Bedevere ebenso viele in Pelzwerk117 gekleidet, die mit ihm vielerlei Getränke in Bechern verschiedener Art reichten. Und im Palast der Königin verrichteten unzählige Diener in verschiedener Tracht ihren Dienst, indem sie diesen Brauch ausübten.

Wenn ich den in allem beschriebe, würde ich diese Geschichte zu weit ausdehnen.118 Britannien hatte ja damals eine solche Höhe der Gesittung119 erreicht, daß es die übrigen Königreiche an Fülle des Reichtums120, Pracht des Schmuckes und Gesittetheit seiner Bewohner121 übertraf. Jeder Ritter, der in dem Land wegen seiner Tapferkeit berühmt war, trug Tracht und Waffen in einer einzigen Farbe. Höfische Damen122 hatten völlig ähnliche Kleider und hielten es für ehrenvoll, ihre Liebe keinem Mann zu schenken, der sich nicht dreimal im Ritterdienst geprobt hatte. So wurden die Frauen züchtig und immer tugendhafter und die Ritter infolge ihrer Liebe immer tüchtiger.

IX,14. Erquickt durch das Mahl, gingen sie schließlich auf die Wiesen außerhalb der Stadt, daß sich der eine an diesem, der andere an jenem Spiel beteilige. Die Ritter dachten an eine Scheinschlacht und begannen ein Spiel zu Pferd; die Damen aber schauten auf der Höhe123 der Mauern zu und schürten die Flammen der heftigsten Erregungen124 nach Art dieses Vergnügens125. Einige maßen sich mit Stäben126, andere mit Lanzen, wieder andere mit dem Wurf schwerer Steine, jene mit Schach, mit Würfeln und den verschiedenen Arten der übrigen Spiele und vertrieben so den Rest des Tages, wobei sie Streit vermieden. Wer auch immer den Sieg in einem Spiel errang, den belohnte Arthur mit reichlichen Gaben. Als die ersten drei Tage auf diese Weise vergangen waren, wurden am Beginn des vierten all diejenigen gerufen, die Arthur Kraft des Amtes127 gedient hatten, und jeder wurde mit einem anderen Besitztum128 beschenkt, nämlich mit Städten und Burgen, mit Erzbistümern, Bistümern, Abteien und anderen Ehrungen.

 

 
Hosted by www.Geocities.ws

1