EIN LERNBEREITER HANS BERGEL ?
Is Hans Bergel Perpared to Draw Consequences ?
                Ja, so sieht es aus, wenn man vor dem Scherbenhaufen seiner eigenen und auch der Politik einer selbsternannten "Elite" steht, die sich hoechst selten um Begriffe wie VERANTWORTUNG und WAHRHEIT scherte, und wenn sie es tat, dann diese nie an der eigenen Person oder Gruppe, sondern immer an erdichteten Mythen festmachte. Tonangebened war eine ausschliesslich auf Objekte und aus diesen willkuerlich und beliebig abgeleitete Verbindlichkeit bzw. Verpflichtung, begleitet von einem unverkennbaren Realitaetsverlust. Das alles kennzeichnet einen Ersatzglauben, der zur absoluten "Wahrheit" hochstilisiert, auch das Verstaendnis von Verantwortung, Verantwortlichkeit und Verpflichtung verfaelschte und in das Gegenteil pervertierte. Dieser "Glaube" und die daraus abgeleitete Politik liessen in ihrem Verstaendnis keine andere "Wahrheit" zu als sich selbst, und keine andere Form der Verantwortung und/oder Verpflichtung als die gegenueber den damit verbundenen anbetungswuerdigen Wunschobjekten. Der Mensch, die Menschen, spielten hier keine oder hoechstens die untergeordnete Rolle der Anbeter, der Verpflichteten und Bekenner. In diesem starr vordeterminierten Geflecht gilt nur der als anerkennenungswuerdig, der dem vorgegbenen "Glauben" bedingungslos verpflichtet ist und huldigt.
                Nun scheint es Hans Bergel gedaemmert zu haben, dass die objektfixierte Verantwortung, Verantwortlichkeit und Verpflichtung nicht so makellos sind, wie er das noch unlaengst felsenfest glaubte. In seiner Legionaersapologie laesst sich der noch in objektfixierter Unbeirrbarkeit befangene Bergel ueber die "Verantwortung", ja die Verpflichtung der Historiker aus, die Episode der legionaeren "Freiheitskaempfer" nicht zu einem "weissen Fleck in der Zeitgeschichte" verkommen zu lassen, weil sie sich sonst aus der Verantwortung vor und fuer die Zukunft der jungen Generation und der Demokratie verabschieden wuerden. Bergel nimmt die Historiker in die Pflicht, statt sich, seine "elitaere" Gruppe und ihren verkorksten "Glauben" nach selbstverschuldeter Verantwortungslosigkeit zu hinterfragen.
                Nun scheint Bergel mit Zur NS-Vergangenheitsaufarbeitung der Deutschen Suedosteuropas (Suedostdeutsche Vierteljahresblaetter, 51. Jg., Heft 3, 2002, S. 248-256) diesen Schritt zu wagen, allerdings recht zaghaft und auf die Deutschen Suedosteuropas verallgemeinernd. Bergel deutet an, selbst eine falsche Politik gefahren zu haben. Es ist die Frage erlaubt, warum Bergel diese Zaghaftigkeit und Vorsicht walten laesst, wo er sonst fuer seinen recht resoluten und kernigen Ton bekannt ist?
                Bergel moechte zwar ueberzeugen, dass er seine noch unlaengst mit aeusserster Haerte vertretene Position verabschiedet hat, doch scheint er dabei uebersehen zu haben, dass er damit seine ohnehin angeschlagene bzw. kraenkelnde GLAUBWUERDIGKEIT vollends aufs Spiel setzt. Denn es setzt ein hohes Risiko voraus, diese seine Abkehr der Oeffentlichkeit glaubwuerdig zu verkaufen. Es bestehen naemlich ernsthafte Zweifel, dass Bergel bereit ist, seine heiligen Kuehe zu schlachten. Sollte Bergel sich nun von seiner zeitlebens praktizierten stoerrischen, trotzigen Uneinsichtigkeit und Rueckwaertsgewandtheit, vom hohen Ross des Geschichtsrevisionismus verabschiedet haben? Wenn dem so sein sollte, dann muessen sichtbare, greifbare Taten folgen. Andernfalls bleibt es bei der alten Art, Worthuelsen an den Mann zu bringen.
                Bergels Essay laesst nur hindurchklingen, dass die junge Generation ihn missversteht bzw. nicht versteht. Damit ist auch gesagt, dass die bisher befolgte Politik der Verweigerung, des Totschweigens und der Beschoenigung, selbst Verherrlichung der rumaeniendeutschen NS-Vergangenheit den Bruch zur jungen Generation zu verantworten hat - Ursachenforschung sollte eben erst im eigenen Hof einsetzen, bevor man den Schuldigen auswaerts, z.B. in den Reihen der Historikerzunft ausmacht -; und damit ist auch gesagt, dass die junge Generation anscheinend nicht mehr bereit ist, das Stigma ultrakonservativer bis rechtsextremistischer Verstocktheit mit sich herumzutragen und auf sich sitzen zu lassen. Allerdings verraet Bergel mit keinem Wort, dass es seine persoenliche Nachfolge Zillichs im letzten Vierteljahrhundert ist, die fuer diese Entwicklung massgeblich mitverantwortlich ist.
                Wenn Bergel sich ferner die Behandlungsweise vorbehaelt, die er jetzt Zillich zuteil werden laesst (S. 252), naemlich Zillich jeder Kritik auszusparen und wenn er zudem dem Grundsatz gehorcht, Kritik bei anderen, nicht bei sich selbst anzusetzen, in der Weise, wie das Zillich 1969 mit Bischof Friedrich Mueller tat, dann sind betraechtliche Zweifel an Bergels 180gradiger Abkehr angesagt.

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Kritische Blaetter zur Geschichtsforschung und Ideologie


Datei: Lernfaehigkeit                                    Erstellt: 28.10.2002                                                        Autor und © Klaus Popa

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