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In meinem Labor (Elektrische Grundkenntnisse von Vorteil)
-liegen seit Wochen eine Schachtel mit Elektronik,
ein Münzprüfer und ein paar Papiere. Ich hatte Mühe, die drei
7-Segmentanzeigen auf einem Standard - Veroboard elektrisch zu verschalten.
Schliesslich entschied ich mich vorige Woche für eine Bricolage. Mit der
Laubsäge schnitt ich ein Stückchen Leiterplatte zurecht und bohrte ein paar
Löcher auf 1,5 mm aus. Ein paar Kupferbahnen mussten unterbrochen und einige
dünne Jumper eingelötet werden. Danach folgten vorsichtig die drei Digits. Zum
Testen mauerte ich einen Vorwiderstand darauf und klemmte das Speisegerät an.
Aber es leuchteten die Segmente d statt a! Hatte ich die Digits falsch herum
eingelötet? Nein! Ich grabschte nochmal das Datenblatt von HP. Shit!...
-jetzt dachte ich unwillkürlich an die erste Swatch, welche rückwärts lief.
Elektronik entwickelt man von der Vorderseite her und ich hätte es wissen
müssen. Also, das Ganze nochmal von vorne, -war eine gute Übung. Nein, das
abgewetzte Sägeblatt brach immer noch nicht, weil ich noch ein paar Neue
vorrätig habe, -Murphy drückte nochmal ein Auge zu. Das neue Plättchen mit
Alkohol gereinigt und die Digits umgelötet, Test und 1. Erfolgserlebnis. Damit
war die scheinbar grösste Hürde geschafft. Doch die Zweite folgt sogleich.
Irgendwie träumte ich gerade von einem schwarzen Koala, als mich Hanni aus dem
Schlaf riss. "Du hast vergessen mich zu wecken, es ist zehn nach
Sechs". "Sex?" Es regnet in Strömen, mein Digitalwecker zeigt
kurz nach Fünf, aber da stimmte seit Monaten auch etwas nicht. Venezuela hat
nicht mehr 60 Hertz, sondern etwa 10% weniger...
Moment, ich denke an den Münzprüfer. Noch während in der Küche mein Kaffee
gebrüht wird, öffne ich hastig unseren Tresor. Wir haben etwa eine Mio
Lokalwährung im Haus, aber kein einziges Schweizerfränkli, womit ich den
Münzprüfer testen könnte. Zwei 20er und zwei 5er sind die einzigen
auffindbaren Schweizermünzen in Hannis Geldbeutel. Damit geht es notfalls auch.
Die Wolkendecke bleibt stationär. So begebe ich mich an eine weitere
Laborsitzung. Ein halbleeres "Breadboard" liegt schon da und zwei
Modellschraubstöcke assistieren mir. Ich stopfe den 20-poligen Käfer ins Board
und beginne Kabeljumper zu stecken. Schwarze, Rote und Gelbe. Dazwischen jeweils
ein Blick auf mein Schema. Segment a nach Pin 7, b nach 6, c nach 5, K1 nach
Bank 1...
Es folgen noch ein paar Leitungen für den Münzprüfer, eine 12V und eine 5V
Speisung, dann vorsichtig Strom. Soweit so gut, doch das mittlere Digit bleibt
dunkel. Da, der Jumper nach K2 ist rausgerutscht. Dann schiebe ich den 20er in
den Schlitz. Nichts!? Aha, es fehlt noch eine Löschleitung mit Logisch 0. Jetzt
zieht der Magnet, das Zwänzgi fällt durch, aber die Münze wird nicht
gezählt. Hmm?
Doch nach 5en wird der Einwurf gesperrt, also funktioniert bloss meine Anzeige
nicht. Ich überprüfe nochmal alle Gelben Kabel. Da, Segment e und f sind
verwechselt. Kritisch stecke ich die Kabel von Pin 1 und 2 um, denn das kanns
nicht sein. Wieder hirne ich eine Zeitlang, konsultiere meine Unterlagen: ENABLE,
aber CLK und DATA und alle -_-!...?
Ich stapfe mit der leeren Tasse in die Küche und mit der vollen an den PC.
MC14489, Enter: "No Datasheet available". Dann probiere ich www.motorola.com,
klicke Semiconductors; Display Drivers, MC14489 wird geladen!... Tatsächlich, Clock und Data
brauchen ein logisch 1.
Jetzt knipse ich im Lab. den "Oszi" an, klemme die "Kroks"
an den Molex vom Münzprüfer und drehe an den Knöpfen. -Und hier kommen Nullen
raus, wenn ich eine Münze einwerfe! Das kann ja nicht gehen! Also muss ich die
beiden Signale invertieren. Ich grabsche ein 4093: Quad 2 Input Nand Smith
Trigger,
drücke den Käfer ins Board und stecke nochmal eine Handvol Kabel. Langsam
drehe ich die 5V Speisung hoch, das Display leuchtet mit 0.00 auf. Der 20er
fällt wieder und die Zahlen wechseln auf 0.20, dann auf 0.40... Erfolgserlebnis
2 geglückt, KO ausgeklickt...