Berlin und Alkmaar:

Letztes Update 10.10.2003

 

Es ist ein wunderschöner Morgen als ich am 12. September 2003 aus dem Haus latsche und mein Seesack auf meine BMW wuchte. Es ist etwas vor neun Uhr morgens und die Sonne lacht von einem stahlblauen Himmel. Was habe ich mal wieder für ein Dusel. Warten doch ein paar Hundert Kilometer auf mein Motorrad und mich. Also Schlüssel umgedreht, Chocke rein und Starter gedrückt und.... nix geht. Starter läuft, aber keine Zündung. Nächster Versuch... wieder nix... und noch einmal, wieder nix... nochmal... nix... sie wird doch nicht... bin ja nicht mal losgefahren... BMW...!!!!!!

Irgendwann läuft sie dann doch und ein wenig besorgt lasse ich sie erst mal warm laufen. Gemütlich mache ich mich etwas später auf dem Weg in Richtung Schaffhausen bzw. deutsche Grenze. Gemütlich brummelt und scheppert mein Kuh vor sich hin. In Deutschland biege ich auf die Autobahneinfahrt ein und lass es erst mal langsam angehen. Hundertzwanzig stehen für einige Zeit auf dem Tacho. Es ist kurz vor Stuttgart als sich eine wunderschöne Wolkenwand vor mir aufbaut. Sie zieht sich über den gesamten Horziont schön von Ost nach West – Regen!!! Insgesamt 6mal werde ich auf dem Weg nach Berlin geduscht. Aber was solls, es ist ja auch schon September. Was mir deutlich mehr Mühe bereitet ist die tiefe Sitzposition und die Sitzbank meiner Kuh. Immer mehr Baustellen durchfahre ich stehend, um den Schmerz in meinem Hintern zu lindern und mal wieder etwas Blut durch die Beine fliessen zu lassen. Ganz so bequem wie meine Cagiva Elefant ist sie also nicht. Auch der Windschutz ist geringer, aber kaum Turbulenzen und Winderäusche. Ausserdem läuft sie jetzt gar nicht schlecht, ich bin ja mit 190 cm nicht der Kleinste aber meine Kuh beschleunigt trotz meiner aufrechter Sitzhaltung ganz ordentlich und dreht bei 180 km/h in den roten Bereich des Drehzahlmessers. Ein Hoch auf die 1‘000ccm.

Endlich Berlin. Am Rande der berühmten Stadtautobahn Avus stehen noch immer die alten Zuschauertribünen. In früheren Zeiten fanden hier spektakuläre Rennen statt. Jetzt gilt es die Wohnung meines Bruders zu finden. Ist ja klar das ich falsch abbiege und es zu spät merke. Überall staut sich der Verkehr. Aber halb so wild, sowas passiert mir eigentlich immer und nach einem kleinen Umweg stehe ich schon bald vor dem richtigen Haus. Bin ganz schön geschlaucht und froh, dass es gegenüber eine feine Fressbeiz mit selbstgebrautem Bier gibt. Mmmmh ein feines deftiges Nachtessen und ein kühles Blondes – so richtig vollgefressen geht’s doch langsam wieder aufwärts mit mir...

Hier noch ein Foto aus Ost-Berlin in der Nähe der Karl-Marx-Strasse. Auf dem Foto kommts mal wieder nicht so gut zur Geltung, aber die alten Gebäude sehen sehr imposant aus, auch wenn die Fassade ein wenig gelitten hat. Im Erdgeschoss sind teilweise noch immer Geschäfte aus der alten Zeit. Witzig die Namen. Wie aus dem deutschen Film Goodbye Lenin...

Am Samstag stand dann endlich mein erstes Live-Bundesliga-Spiel auf dem Programm. Die Hertaner standen ziemlich unter Druck. Bisher noch kein Spiel gewonnen und heute gings gegen Hannover 96. Nur ein Sieg kam in Frage. Fredy Bobic hatte letzte Saison noch für die Hannoveraner gekickt und heute gings im Dress der Berliner gegen seine Ex-Kollegen. Aber Bobic liess sich nicht lumpen und brachte Herta in der 1. Halbzeit 2:0 in Front. Sehr zum Leidweisen von Carlo, ein Kollege meines Bruders, aber in der zweiten Halbzeit war es mein Bruder dem das Lachen gründlich verging. Verloren die Hertaner doch 2:3.... Nach dem Spiel haben wir uns die U-Bahn gezwängt, ein neues Modell, aber leider war die Fahrt an der nächsten Haltestelle vorbei. U-Bahn defekt. Aber halb so wild, wir raus und nach ner schnellen 360 Grad Drehung auf dem Absatz das Ziel angepeilt. Ne richtige Fussballkneipe. In jeder Ecke hängt ne Glotze, Grossleinwand und hinter den Tresen drei Blondinen. Also nichts wie rein, drei Stühle organisiert, an einen Tisch voller Opas gezwängt und ein feines Pils bestellt. Ist aber nicht bei einem geblieben ;-).

Am Abend haben die beiden mir das Nachtleben von Berlin gezeigt. Natürlich nur ein kleiner Ausschnitt. Abgefuckte Lokale, Jazz-Bars, Strichmädchen, In-Bars und die beste Pommes-Bude von Berlin... ha war das ne Nacht. Berlin bietet wirklich für jeden Geschmack etwas. Einfach der Hammer. Todmüde am frühen Morgen ins Bett gefallen und mein Räuschlein ausgeschlafen.

Tja die Zeit verging wie im Fluge und nach einer Sight-Seeing-Tour, viel Essen und noch mehr Trinken machte ich mich am Montag auf dem Weg nach Holland. Mit gerade mal 3 Stunden Schlaf nicht gerade optimal aber für die paar hundert Kilometer wird’s schon gehen. Aber klar das ich mich auf dem Weg aus der Stadt verfahren habe...

Meine GS läuft immer besser und schon bald ist die holländische Grenze erreicht und weiter geht’s in Richtung Groningen.... und schon wieder verfahren, verdammt, ich habe zwar einen holländischen Pass, aber diese Ortschaften auf den Verkehrstafeln sagen mir rein gar nichts... also doch Karte kaufen und schnell kucken. Alles halb so wild und schon geht’s weiter.

Die Fahrt über den Nordholländischen Afsluitdijk / Deich ist einfach sensationell. Bei strahlendem Sonnenschein hängt über der Nordzee ein leichter Dunstschleier, so dass man nicht erkennen kann wo das Meer endet und der Himmel beginnt. Ein Schoner gleitet durch das ruhige Wasser – sensationell...

Einige Tage später besuche ich meine Grossmutter und verabschiede mich von Ihr. Hoffentlich ist sie nach meiner Reise noch immer so fit wie heute. Ich freue mich schon darauf sie nach meinen Trip wieder zu sehen und ihr davon zu erzählen!!!

Obwohl Holland fahrtechnisch nicht anspruchsvoll ist nütze ich meine Ferien für ein paar spontane Trips quer durch das Land. Irgendwann überholt mich Innerorts ein Volvo-Kombi-Fahrer in minimalem Abstand und schneidet mich. Als ich ihn an der nächsten Ampel zur Rede stelle meint der krawattierte Schnodderi nur, dass ich zu langsam gefahren sei. Was aber kein Grund sei kriminell zu überholen antworte ich und setzte mich wieder schräg vor ihm, eingeengt durch ne Verkehrsinsel neben uns. Die Ampel steht noch auf Rot als der Volvomann anfährt und mir von hinten absichtlich ins Bein und ins Motorrad fährt. Zum Glück habe ich meine Stiefel an so ist nix passiert. Ich musst meinem Landsmann aber mit der Hand aufs Auto scheppern damit er zurücksetzt. Ein riesen Arschloch!!!!!

Irgendwie ist Holland ganz im Gegensatz zur Schweiz ein Land der Vierzylinder-Sportbikes. ZXR, R1 und 6er, Fireblades und alle mit offenen Auspuffanlagen. Devil, Akrapovic, Sebring und was es sonst noch alles gibt. Nur 2 BMW’s gesehen und ne Guzzi, eine Monster und ne 748er. Das war’s auch schon an Zweizylinder.

Die Woche ist aber schnell vorbei, was auch gut ist, denn die vielen Pommes und Bierchen sind für eine gute Figur nicht gerade förderlich. Also wird mal wieder früh aufgestanden und morgens um fünfe ist Abfahrt. Schnell ist meine Heimat durchquert und schon bald bin ich wieder in Deutschland. Pffff aber diese Staus, von Düsseldorf bis nach Köln scheint es eine einzige Kolonne zu sein. Na mogeln wir uns mal wieder durch... Problemlos aber mit einem ultimativ schmerzenden Hintern erreiche ich die Schweiz. Endlich zu Hause. Kurz nach Basel verlasse ich aber die Autobahn und geniesse eine Fahrt über die Landstrassen immer dem Rhein entlang in Richtung Zürich.

Und das war’s auch schon wieder. Testfahrt gelungen. Beinahe auf den Kilometer genau 3'000 Km abgespult und kein einziges Problem gehabt. Es wird also höchste Zeit, dass ich nach Amerika komme und die grosse Reise beginnt.

 

 

 

 

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