Isle of Man 2002
Letztes Update 20.03.2003

Darauf habe ich mich nun wirklich 2 Jahre lang gefreut und nun ist endlich soweit. Der Seesack ist auf meiner Cagiva Elefant 750 ordentlich verzurrt, der Rucksack bepackt, die Kleidung ist an, der Helm... ne der noch nicht. Erst mal den Choke unterhalb des Tanks gezogen und den Ducati Motor gestartet. Die Finger schön am einstufigen Choke lassen, den sonst jubelt der luftgekühlte Zweizylinder gleich mal auf ungesunde 3'500 U/min hoch. Kurz darauf kann ich den Motor normal im Standgas laufen lassen. Dumpf beschallt der Duc-Sound die Umgebung. Also Helm auf, Handschuhe an und los geht’s....
Es ist Freitag Morgen so gegen halb sechs Ende Mai 2002. Obwohl es ein sonniger Tag werden soll, ist mir kurz vor Basel ziemlich kalt ums Herz. So gegen Zwei muss ich in Südholland in so einer Bungalowsiedlung angekommen sein. Dort feiern wir am Wochenende noch Familienschlauch – meine Omi ist 80ig geworden. Meine Elefant läuft wie ne Eins. Für die Reise habe ich mir extra noch ne hohe Scheibe geleistet, da die kleine einen ziemlichen Lärm macht und kaum Windschutz bietet. Die Grosse ist in Sachen Windschutz 1a und entlastet meinen Oberkörper völlig, nur leider lärmt sie noch mehr als die Kleine. Jänu, kannste nichts machen, also Ohropax rein und weiter geht’s.
Leider sind mit 63 PS auf der deutschen Autobahn keine grossen Sprünge zu machen. Ich leiste mir 140-150 Km/h muss aber beim Überholen von Lastwagen schon teuflisch aufpassen nicht von einem dieser bayrischen Nobelhobel nicht vom Bike gefahren zu werden. Ist ziemlich öde diese Fahrt und ich beginne die ZX-9R und R1 Fahrer zu beneiden, die mit 240 fahren könnten. Viele Bikes sind nicht zu sehen, eine Gruppe Harleys steht am Pannenstreifen, ein Goldwingfahrer geniest sein dickes Sitzkissen und ein paar einzelne BMW sind zu sehen. Inzwischen steht die Sonne schon hoch am Himmel und für mich wird‘s höchste Zeit meinen Pullover in den Rucksack zu verbannen.
Ohne Stress aber mit fast leerem Tank (die rechte Tankhälfte lässt sich nicht mehr leeren) biege ich knapp nach der Deutsch / Holländischen Grenze in die Autobahnausfahrt ein. An der Ampel links oder rechts? Habe null Ahnung und biege natürlich falsch ab - aber nutze daher gleich die Gelegenheit meine Beine zu strecken und zu tanken. Neuer versuch und nun finde ich die Siedlung auf Anhieb. Wurde ein richtig cooles Wochenende, zuviel Essen, zuviel Bier, zuviel Feiern zuviel zuviel zuviel....
Anfangs Woche heisst es Abschied nehmen und es geht weiter nach Norden. Mein Ziel heisst Alkmaar und liegt in Nordholland. Nach dem ersten Stau überlasse ich die Autobahn den Autos und fahre aufs Geratwohl Richtung Norden. Die Landstrassen sind fahrerisch auch eher langweilig weil meistens gerade, aber der harte Wind macht die Sache ein wenig interessanter. Bin noch nie mit soviel Schräglage auf einer Geraden gefahren...
Bei der Überfahrt über einen Deich beschliesse ich erst mal eine Pause zu machen, als ich kurz vor einem Parkplatz mit 100 km/h plötzlich in eine grüne Wolke gerate. Nicht sehr dicht, aber es klatscht vehement gegen mein Visier – na toll ein Insektenschwarm! Genauer gesagt Grashüpfer, scheisse, mein ganzes Motorrad ist mit vermatschten Insekten überzogen und meine Kleidung sieht nicht besser aus. Na egal, ich habe ein ganz anderes Problem, hüpfe gleich nach dem Stop über die Leitplanke und zeige meinem Kleinen erst mal die grosse Weite der Zuiderzee und pinkle in hohem Bogen hinein...
Einige Tage verbringe ich mit meinem Vater und seiner etwas flippigen Schwester die gerade bei ihm zu Besuch ist. Na was soll’s, sie wohnt ja schliesslich in Kalifornien USA und ist schon in den 50igern mit einem VW Käfer von Südafrika nach Europa gefahren – da sind ein paar Macken Pflicht. Ist ne coole Frau und ihr Outfit und Lebenseinstellung sind ein richtiger Farbklecks im doch manchmal etwas grauem Europa. Die Zeit ging im Flug vorbei und leider auch das sonnige Wetter. Shit, ich musste doch wieder runter nach Zeebrugge in Belgien um meine Kolleginnen und Kollegen an der Fähre zu treffen. Samstag Morgen – schönes Wetter, also lieber schon heute los und die Sonne geniessen. Hielt leider nicht lange an. Kurz vor Middelburg bei heftigen Regen und böigen Winden musste ich die Fahrt abbrechen. Ein Bö hat mich vor einen entgegenkommenden Lastwagen geblasen und ich konnte nur im allerletzten Moment ausweichen. Ich hab mein Herz erst einige Zeit später tief unten in meiner Hose gefunden...
Am nächsten Tag hat habe ich dann die Anderen in Zeebrugge getroffen: Martin und seine Freundin gemeinsam auf einer Ducati 900 S4, Sandro ebenfalls auf S4, seine Freundin Heidi auf einer Ducati 600, Martins Bruder auf einer Cagiva Navigator 900 (seine Freundin käme per Flugzeug auf die Insel???) und nicht zu vergessen Heidis Bruder auf einer Gilera Northwest 500. Die Fähre die uns nach Hull in Mittelengland bringen soll ist schon ein beieindruckender riesengrosser Pott. Das Reinfahren ist beim ersten Mal schon eine spannende Angelegenheit. Schnell sind die Bikes aber sicher verzurrt (vergesst nie ein paar Spanngurte mitzunehmen). Und so geniessen wir bald den Luxus den die Fähre bietet und nisten uns gleich mit einem grossen Glass Guiness in eine der diversen Bars ein. Verschiedene Restaurants und viele Läden gibt’s auch an Bord. Das Essen ist wirklich fein und die Bedienung sehr zuvorkommend, die Kabinen mit 4 Betten ausgerüstet komfortabel. Sogar Douche und WC sind vorhanden. Abgelegt haben wir um 19.00 und um 07.00 waren wir pünktlich in Hull. Aber was mich an der ganzen Überfahrt am meisten Verblüfft hat ist doch, dass es mir nicht übel wurde. Beim ersten Geschaukle nach dem Auslaufen, gab mein Magen doch die Meldung durch, dass es ihm nicht so gut gehe, aber nachdem ich meine Innereien mit Alkohol betäubt hatte, war das Thema für alle 4 Schiffsfahrten in diesen Ferien erledigt.

Die See ist rau, aufgepeitscht vom heftigem Wind, der Regen kommt nicht nur von oben sondern scheint uns von allen Seiten nass machen zu wollen – willkommen in England. Zum Glück habe ich meine Überzüge für meine Endurostiefel mitgenommen. Meine Textiljacke und die Hose ist für einige Stunden wasserdicht, also mal sehen wie es läuft. Die ersten paar Meilen auf dem Weg nach Liverpool sind der reine Horror. Sicht ist gleich null und ein Gummiboot wäre eigentlich die bessere Wahl als Fortbewegungsmittel gewesen. Doch irgendwie sind wir dann doch in Liverpool angekommen und haben uns gleich in einem Pup eingenistet. Die Fähre zur Isle of Man sollte erst in einigen Stunden ablegen. Ist schon erstaunlich wie schnell die Lebensgeister bei einen guten Essen, ja auch das gibt’s in England, und einigen Gläsern Bier zurückkehren.

Es ist schon dunkel als wir nach einer zwei stündiger Überfahrt auf der Insel ankommen. Nun gilt es auf der anderen Seite der Insel unser Cottage zu finden. Heidi ist schon auf der Insel gewesen und übernimmt die Rolle als Leitwolf. Zum Glück nimmt sie es gemütlich und so kann ich die ersten schönen Kurfen, die kleinen Häusern und die Wälder schon ein wenig geniessen. Ist schön, nach der Bootsfahrt wieder meine Cagiva unter dem Hintern zu haben. Das Cottage haben wir dann ach recht schnell gefunden. Wir waren nur einmal eine Einfahrt zu früh und ich habe auf meiner Erkundungstour versehentlich den wunderschön gepflegten Rasen eines Schlosses umgepflügt – Sorry war echt keine Absicht!!!! Erst am nächsten Tag kam die prächtige Lage unseres Cottage so richtig zur Geltung. Mitten im Grünen, 500 Meter von der Hauptstrasse bzw. der Rennstrecke entfernt. Gemütliche geräumige Zimmer mit jeweils eigenem Badezimmer, offene Küche und ein grosszügiges Wohnzimmer mit Kamin. Nicht zu vergessen ist natürlich der wunderschöne Garten. Leider habe ich kein Foto von der Vorderseite.

Es ist die Woche vor den Rennen, die Woche der Trainings. Wir haben uns immer neue Orte ausgesucht, um die Rennfahrer bei den Läufen zuzusehen. Es ist schon überwältigend, mit wie viel Speed die Fahrer um die Ecken geslidet kommen, mit wilden Weelis wieder beschleunigen, ihre Bikes über die Bodenwellen zur nächsten Corner jagen. Um es Dir ein bischen zu verdeutlichen: jetzt stell Dir mal vor Du wohnst in einem kleinen Dorf und der Garten deines Hauses grenzt direkt an die kleine Dorfstrasse. Höchstgeschwindigkeit 50 Km/h. Da bist Du nun an einem schönen Frühlingstag und pflegst dein langweiliges Gestrüpp. Machst ne Pause und setzt Dich auf deine Gartenmauer und da.... kommt ein Motorrad mit 290 Sachen angerauscht, pfeift zwei Meter neben Dir vorbei und bevor dein Herz weiss ob es einen Infarkt haben soll oder nicht, ist alles schon wieder vorbei...

Eigentlich habe ich mir fest vorgenommen, mit zu benehmen, anständig zu fahren, die Gesetzte mehr oder weniger einzuhalten und wieder lebendig nach Hause zu kommen. Sind keine Trainings oder Rennen ist die Rennstrecke bzw. die ganz normalen Strassen für den Verkehr wieder freigegeben. Ist wie in Monte-Carlo, einfach auf dem Land und ohne Leitplanken. Aber irgendwie bin ich verblödet. Irgendwie hatte ich mich immer weniger im Griff. Immer öfter blieb das Gas voll aufgedreht, immer später die Bremspunkte, immer mehr liess ich mich vor allem von den Streetfightern provozieren die im cm Abstand vorbeidonnerten. Erstaunlicherweise waren es vor allem englische Motorräder die zwar schnell waren sobald es geradeaus ging, aber nie flüssig durch die Kurven fuhren. Für die Meisten gab’s eh keine Gesetzte, Sicherheitslinien, Geschwindigkeitslimiten und so’n Zeug. Je mehr Biker auf die Insel kamen umso schlimmer wurde es. Auch mit den Unfällen, immer wieder Fracks an den Strassenrändern, immer wieder Krankenwagen und schliesslich gab es die ersten Toten....

Aber die Insel lädt auch zum Bummeln ein. Wunderschöne Steilküsten, kreischende Möwen umkreisen die Leuchttürme, dunkle Wälder, Hochmoore, alte Ruinen erzählen die Geschichten und Legenden der Kelten, windschiefe Häuser mit ihren Pubs und Restaurants laden ein zur gemütlich Rast. Sich nur schon mit einen Glass Guiness vor das Pub zu setzen und einfach den Tag zu geniessen. Den Blick über die grünen Felder und die Schafe gleiten zu lassen. Auch eine Wanderung über die steinigen Küstenstreifen ist Erholung pur. Auf dem Foto unten halte ich gerade einen jungen, aber leider toten, Katzenhai in der Hand. Bisher habe ich diese Fische nur in den Aquarien gesehen...

Es gibt auch sonst viel zu sehen, eine traditionelle Weberei, Schmuckgeschäfte, den Platz an dem öffentlich die Wahlen sind, die Naturschutzgebiete. Doch keine Angst, auch für den Abend gibts genügend Unterhaltung. Auch wenn die Damenwelt bei ein paar tausend Bikern doch in der Minderheit ist.... In der Hauptstadt Douglas ist immer am meisten los, aber wir sind auch nicht mehr die Jüngsten und haben es doch meist vorgezogen am Abend was feines essen zu gehen und uns danach die Kehlen mit Guiness durchzuspühlen.

Doch nach zwei perfekten Wochen mit viel Regen, Sonnenschein und super Leuten ist auch diese Reise schon viel zu schnell wieder zu Ende. Bis zum nächsten Mal auf der Isle of Man!


Für die Heimfahrt mussten wir früh aufstehen, denn die Fähre sollte schon um 7 Uhr ablegen und zuerst galt es noch die Insel zu durchqueren. Lag unser Cottage etwas nördlicher aber vor allem ganz auf der anderen Seite der Insel. Leider hatte ich mal wieder ne Hirnlähmung und habe den Wecker 1 Stunde zu früh gestellt. Ich wäre ja wieder eingepennt, aber Heidis Bruder musste um’s verrecken trotzdem aufstehen. So nach dem Motto: Dein Fehler, ich wach, also bleibst Du auch wach!
Eingeschifft haben wir uns rechtzeitig und schon ging‘s ab in Richtung England. Die See diesesmal deutlich rauer und so früh am Morgen gar nicht mein Ding. Deutliche Übelkeit machte sich in mir Breit. Naja der Bierkonsum vom letzten Abend rächte sich nun auch. Nach ner halben Stunde fiel ein Motor der Fähre aus, der Speed ging runter und mit meinem Befinden ging‘s wieder rauf. Also schnell ein Sandwich verdrück damit der Magen abgelenkt ist und bald verschwand die letzte Blässe aus meinem Face.
Liverpool empfing uns mit tadellosem Wetter, also ab in Richtung Hull. Meine Cagiva läuft tadellos, nur die Kette macht mir langsam sorgen. Obwohl mein Händler den Auftrag hatte alles für die Ferien instand zu setzen, hat er ausgerechnet die Antriebskette vergessen. Bereits mehrfach nachgespannt wurde der Zustand langsam Problematisch. Die Überfahrt von Hull nach Zeebrugge in Belgien lief Problemlos und so kamen wir frisch, munter und ausgeschlafen an.
In Frankreich, wenige Hundert Kilometer vor der Schweizer Grenze dann fast der Eklat. Hatten wir ziemlich lange das Tempo bei 130-140 gehalten, legten wir spasseshalber ein paar schnellere Teilstücke ein, was der Gilera Northwest nicht gut bekommen ist. Durch die Überhitzung des Triebwerks wurde das Motorenöl aus dem Überlauf gedrückt und verteilte sich auf dem Hinterrad. Ein Glück das er rechtzeitig anhalten konnte. Naja haben wir mal ne längere Pause gemacht und siehe da, die Gilera hat schliesslich bei reduziertem Tempo bis ins schweizerische Aargau gehalten. Meine Kette hat die Fahrt auch durchgestanden, aber eine Woche später war dann endlich die Neu drauf.
Tja so war’s in diesen Ferien. Hat Spass gemacht, aber leider viel zu schnell vorbei. Aber ich komme wieder keine Frage!
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