-5-

>>SAMAANTHAAA!!<<, schrie Janie durch das ganze Haus. Sie suchte wie eine Wilde. Zuerst im Wohnzimmer, doch die Couch war leer. Das Bettzeug lag aber noch da. Also hatte sie sich nirgends woanders hingelegt, aber wo zum Teufel war sie hin? Joggte sie morgens oder was? In der K�che war auch niemand gewesen in den letzten zw�lf Stunden... im Bad war das Waschbecken auch trocken. Ha! Gut kombiniert, Janie Rox, werdende Underwood. Verzweifelt latschte sie wieder die Treppe hinauf und setzte sich auf ihr Bett. Da blieben eigentlich als Letztes nur noch die Zimmer der Jungs, aber sie war doch nicht etwa... na na na.. die Eigenart hatte sie tats�chlich fr�her schon gehabt! In Windeseile machte sich Janie, dass sie auf den Flur kam...

Jemand polterte ins Zimmer. Ich war schon seit einer halben Stunde wach, aber zu faul zum Aufstehen gewesen. Also hatte ich mir Trevor's Zimmer eingehendst betrachtet und war zu dem Schluss gekommen, dass das Einzige, was hier h�bsch war, die Fotos an der Wand, die gl�nzenden Pokale und seine Klamotten waren. Die Farbe war scheu�lich, das Bettzeug war scheu�lich und na ja, wie sollte ich sagen? Das Bett war zwar weich und gem�tlich, allerdings ein wenig klein. Jedenfalls war mir das so vorgekommen, als ich mich von einer Seite auf die andere gew�hlt hatte heut' Nacht. Wiedermal Albtr�ume. Die plagten mich ziemlich oft. Ich war halt so'n Angsthase. Horrorfilme waren schonmal gar nicht mein Ding und ich hatte mich ja gestern Nacht sogar vor Trevor erschrocken. Also wirklich? Wie konnte man sich nur vor IHM erschrecken??

>>HIER bist du, du Schlafm�tze! War dir unsere Couch nicht bequem genug?<<, fragte Janie sarkastisch und mit einem Grinsen im Gesicht. Ich setzte mich im Bett auf und schaute ihr ausgeschlafen entgegen. >>Ja, ich war schon wach. Sorry, dass ich keinen Zettel hinterlassen hab!<<, entschuldigte ich mich.

>>Schon okay. Ich hab dich ja gefunden. War Trev's Bett bequem?<<

>>Bequemer als die Couch allemal. Auf der kann man keine Nacht verbringen, ohne einen Wirbels�ulenschaden davonzutragen! Echt nicht!<<

Sie lachte auf, setzte sich auf das Bett und dr�ckte in die weiche Matratze.

>>Ja, ich kann mir vorstellen, dass du HIER gut geschlafen hast!<<

Nickend schlug ich die Decke zur�ck, streckte mich und schaute aus dem Fenster. Mein Blick fiel auf den Basketballcourt und den.... Rasen? Das sollte Rasen sein? Sah aus wie die Sahara im Hintergarten!

>>Wer k�mmert sich denn hier um den Rasen? Den w�rd' ich ja verklagen!<<

Janie lachte schon wieder, gesellte sich zu mir an's Fenster und lie� einen Seufzer erklingen: >>Hach, na ja... da gibt's niemanden zu verklagen, au�er die Jungs selbst. Die m�ssten eigentlich mal was tun, aber neeeee... is' ja auch egal.<< Janie war nicht so der Gartenfreak.

>>Sag' mal, wie hat Jacob eigentlich den Antrag gemacht?<< Sie nahm mich in den Arm und schnaufte vergn�gt: >>Total romantisch! Er hat Kerzen um mein gesamtes Haus gestellt und drei Stunden gewartet, bis ich nach Hause kam...<<

Sie blieb stumm. Ich sollte wohl selbst erg�nzen.

>>Und dann hat er gefragt? So zwischen T�r und Angel?<<

Sie r�usperte sich und lachte dann kurz auf. >>�h, nein. Danach.<<

>>Wona... aaaah, achso klar. *grins* okay. Wie cool, ich meine, s��!<<

Sie l�chelte mir entgegen. Ihre blauen Augen gl�nzten voller Vorfreude. >>Ja, nee? Ich kann's immer noch nicht wirklich glauben, dass ich wirklich >Ja!< gesagt hab.<<

>>Na DAS h�rt sich ja an! Als ob's dir leid tut oder so.<<

>>Niemals! Das reklamier' ich doch nicht. Jetzt gibt es wohl kein Zur�ck

mehr.<<

>>Nein, die Suppe hast DU dir eingebrockt und die musst DU auch wieder ausl�ffeln!<< *grins*

 Janie wurde wieder nachdenklicher: >>Sag' mal, willst DU sp�ter eigentlich mal heiraten oder Kinder kriegen, oder so?<< Ich rieb meine Nase. Das tat ich immer, wenn ich verlegen war, oder einfach nur was zu tun haben wollte.

>>�hm, keine Ahnung, wenn du mich fragst. Da hab ich noch nie dr�ber nachgedacht.<< Janie machte gro�e Augen. >>Ehrlich? Ich meine, ihr seid doch nun schon eine ganze Weile zusammen... seit ihr 17 wart! Hast du da nie daran gedacht?<< Ich l�chelte schwach. >>Wie soll ich oder Jenni denn Kinder kriegen? Sollen wir uns welche kaufen?<<

>>Nein! Nicht gleich so radikal! Adoptieren! Jake und ich wollen uns doch auch ein �ffchen adoptieren.<< Meine Ohren stellten sich auf. >>Ach, echt? Das is' ja cool! Ein M�dchen oder einen Jungen?<< Sie zuckte die Schultern und zusammen gingen wir die Treppe runter ins Wohnzimmer.

>>Nochmal zu den Kindern, Janie... das ist au�erdem auch ein viel zu gro�er Schritt. Ich mein, ich bin doch erst 23 und...<<

>>...und Jenni ist 29! M�chte sie denn keine Kiddies?<< Ich wusste nichtmal, warum sie jetzt unbedingt mit mir dar�ber reden wollte!?!

>>Wei� ich nicht. Wir haben noch nie dar�ber geredet und ich habe auch ehrlichgesagt noch nie wirklich einen ernsthaften Gedanken daran verschwendet. Ich bin erst 23...<<

>>Ja ja... du wiederholst dich. Ich bin trotzdem der �berzeugung, dass du dir das mal durch den Kopf gehen lassen solltest...<<

Langsam wurde ich aber misstrauisch. Sie achtete doch sonst so darauf, wann einem das Thema �ber war?!

>>Warum willst du das denn so unbedingt! Und WOHER willst du wissen, dass Jenni das unbedingt will?<<

Sie machte ein betretenes Gesicht. Aha! Ich hatte mir sowas �hnliches schon gedacht. Wetten, Jenni hatte... >>Jenni hat mich vor f�nf Tagen angerufen und nachdem wir nochmal wegen der Hochzeit geredet hatten, kam sie von ganz alleine auf das Thema und meinte, sie wolle so gerne Kinder mit dir haben, weil sie dich so liebt und meinte, das w�rde euch f�r immer zusammenhalten und so weiter...<<

Ich wurde noch misstrauischer. So kannte ich sie irgendwie nicht. Ich fand das so komisch... was war los mit Jenni? Vielleicht machte ich mir zuviele Gedanken und machte aus einer M�cke einen Elefanten, doch warum war sie so scharf darauf unsere Beziehung zu verst�rken? Mit Janie und meinem Besuch hier konnte es nichts zu tun haben. Sie wusste ja vor f�nf Tagen noch nicht, dass ich hierher fahren w�rde... hatte sie Geheimnisse vor mir? Warum hatte sie mir nichts von ihrem Traum erz�hlt? Ich w�re doch die Letzte gewesen, die gesagt h�tte: >>Schlag' dir das aus dem Kopf!<<

>>Darf ich ehrlich zu dir sein, Janie?<<, fragte ich und sah sie mit einem mutlosen Gesichtsausdruck an. Sie nickte: >>Nat�rlich. Ich bitte 'drum!<<

>>Ich habe ernsthaft das Gef�hl, Jenni denkt um unsere Beziehung w�rde es schlecht stehen und hat etwas gesucht, dass alles wieder gut macht.<< Janie sagte gar nichts und nickte dann bed�chtig.

>>Sie klang wirklich sehr... wie soll ich sagen... sehr traurig. Sie meinte, sie h�tte so wenig Zeit f�r dich und fragte mich, wie ich das immer mit Jacob aushielt und so... ich w�rde sie an deiner Stelle echt anrufen und ihr sagen, dass...<<

>>Ja, ich wei� schon. Ich zieh' mich vorher nur schnell an und putz' mir die Z�hne. Oder... nee!<< Das Gespr�ch war mir jetzt wichtiger. Wenn meine S��e echt solche Angst um unsere Beziehung hatte, dass sie freiwillig jemanden anrief, den sie vorher gar nicht kannte, sollte das schon was hei�en. Ich wollte sie beruhigen, sie wieder aufbauen, ihr sagen, dass zwischen uns alles in Ordnung war und dass wir kein Kind dazu br�uchten, um uns enger aneinander zu binden. Es war alles gut, so wie es war. Alles gut.

>>Jennifer Turner, hallo?<<

>>Hey Schatz!<<

>>SAM! Maus!<<

>>Jaaa, ich. Wie geht's dir? Was machst so? Hast Stress? Soll ich sp�ter nochmal anrufen?<< Das sagte ich, weil ich im Hintergrund Stimmengewirr h�rte, das abwechselnd ihren Namen rief.

>>Ja, du, das is' grad wirklich schlecht... �h... so heute Abend? Ich ruf' dich dann an, ja? Bye bye!<<

Sie wollte gerade auflegen, da rief ich sie nochmal zur�ck: >>Hey Jenni!<<

>>Ja?<<

>>Ich liebe dich, S��e!<<

Sie kicherte. >>Ich dich auch!<< Dann k�sste sie noch einen Schmatz auf den H�rer und legte auf. Ich blieb zur�ck mit einem L�cheln auf dem Gesicht, das schnell wieder verschwand. Ich hatte eigentlich vorgehabt, ihr meine Gef�hle f�r sie mal wieder so richtig zu offenbaren und sie hatte keine Zeit. Das machte mich traurig und irgendwie f�hlte ich mich schon zur�ckgesetzt, doch das durfte ich sie niemals sp�ren lassen! Ohne mich hatte sie n�mlich niemanden mehr. Ihr n�chster Verwandter wohnte in San Francisco bei ihren Eltern und ob der nach dem Flashback-Telefongespr�ch noch gut auf sie zu sprechen war, war fraglich. Wirklich fraglich.

 

-6-

Im Bad betrachtete ich mich im riesigen Kristallspiegel, der von meiner H�fte, bis zur Decke ging und eine ganze Wand �ber dem Waschbecken ausf�llte. Das Licht der Deckenlampen brannten so eklig hell, dass ich beinah schnell wieder da rausgelaufen w�re. Eingehend starrte ich mein gespiegeltes Ich an. Hellbraune, lange Haare. Dunkelgr�ne Augen, die jetzt allerdings mehr schwarz aussahen, ein ovales Gesicht. Kein Doppelkinn. Keine dichten Wimpern. Ein mittelm��iger Mund. Ramsnase. Keine Segelohren. Keine Falten. Ich sah aus wie immer. Ja, ehrlichgesagt hatte sich au�er meiner Haarl�nge seit drei Jahren nichts an mir ver�ndert. Eigentlich war heut' kein Tag f�r depressive Gedanken, doch ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren: Ich war schlecht drauf und wollte am liebsten heute den ganzen Tag im dunklen Bad verbringen. Jenni hatte keine Zeit, die Jungs waren nicht da und Janie war so aufgeregt, dass sie sich die ganze Zeit nur versprach.

Trotzdem bewegte ich mich nach meiner Morgentoilette nach drau�en, zog mir Schlabberklamotten an, r�umte mein Bettzeug von der Couch und ging nach drau�en, zu Janie, die auf 'ner Decke im Rasen lag und las.

>>Na? Versuchst, dich abzulenken?<< Sie schaute auf. Die Sonnenbrille stand ihr gut. Sie brachte ihr schmales Kinn gut zur Geltung. Gott, Sam, jetzt ist nicht die Zeit f�r stylische Analysen...

>>Ja. Ich �h, versuch's verderblich... �h, vergeblich, mein ich. Sorry, ich hab eigentlich gar keinen Nerv zum Lesen. Ich w�rde viel lieber an der Hochzeit weiterplanen. Es gibt doch noch soviel zu tun. Ich muss auch eigentlich nochmal mit Mom und Dad telefonieren und fragen, ob sie das mit der Hochzeitstorte gekl�rt haben... die wird gr�n.<<

Mir entfleuchte ein: >>Iiiihhhh...<<, was ich schnell in: >>Iiiiist das sch�n!<<, umformte.

>>Ja, ne? Sowas hat nicht jeder und gr�n ist die Farbe der Hoffnung.<<

>>Hoffnung?<<, fragte ich tonlos und lie� mich auf die Decke fallen, um sofort meine Augen zu schlie�en und zu d�sen.

>>Ja, Hoffnung. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Das ist ein Sprichwort, was ich f�r sehr wahr halte. Es gilt doch �berall, oder?<<

Hoffnung? Im Moment war mir mehr nach heulen zu Mute. Ich vermisste Jenni so sehr. Wie sollte ich die eine Woche ohne sie nur aushalten? Wir waren noch nie l�nger als einen Tag getrennt gewesen, weil sie es trotz ihres stressigen Jobs immer zum Mittag am n�chsten Tag nach Hause schaffte. Dann kochte ich immer f�r sie. Spinat mit Pellkartoffeln. Ihr Lieblingsessen. Ich mag Spinat gar nicht, aber was tut man nicht alles f�r seine gro�e Liebe? Liebe? Ich brauche doch Liebe! Jeden Tag! Und ich merke jetzt erstmal, wo ich wei�, ich werde sie erst Samstag wiedersehen, wie sehr ich sie vermisse, wenn sie nicht da ist. Ich bin echt total schei�e drauf. Es kann ziemlich ausarten bei mir, wenn ich dann auch noch Langeweile hab. Das geht sogar bis zum Klamotten zerschnippeln.

>>Hast du was? Lief das Gespr�ch mit Jenni nicht so toll?<<, fragte Janie, das Buch beiseite legend.

>>Gespr�ch? DAS was wir hatten, konnte man nicht wirklich als Gespr�ch bezeichnen. Sie meinte, sie will heut' Abend anrufen. Ich vermiss' sie so!<<

Janie nickte vertr�umt. Sie war SCHON wieder mit den Gedanken bei der bevorstehenden Hochzeit.

>>Das tut mir leid f�r dich. Ich war mir sicher, ihr w�rdet das wieder

kitten.<<

>>Kitten? Was denn kitten? Wir ham' uns doch nicht gestritten!<<

>>Daf�r sprichst du aber ganz sch�n aggressiv, Sam!<<

>>Nee, das kommt dir nur so vor und wenn doch, dann sorry, aber ich hatte so gehofft, dass ich wenigstens so mit ihr reden kann... sie fragen kann, was sie so gemacht hat und so... ein ganz normales Telefonat eben, aber sie hatte WIEDER keine Zeit.<<

>>Das ist halt in ihrem Job so. Sie wird in den Staaten �berall gleichzeitig verlangt.<<

>>Aber es ist ja nicht so, dass das das erste Mal war!! Es ist Dauerzustand, dass sie mich abwimmelt, wenn ich sie anrufe. Nicht, dass ich sie nicht verstehe, aber die anderen Leute k�nnen doch auch mal warten. Ich bin doch auch wichtig! Ich bin schlie�lich ihre Freundin und ich verlange nicht viel, aber wenn ich sie schon einmal am Tag anrufe und nur kurz st�re, m�chte ich auch, dass sie sich mal die f�nf Minuten nimmt und mit mir spricht. Sie h�tte heute au�erdem fast aufgelegt, ohne mir zu sagen, dass sie mich liebt! Das hat sie noch nie gemacht, Janie! Verstehst du? Allm�hlich wird mir auch klarer, warum wir ein Kind haben sollten! Ich bin arbeitslos. Ich hab ja nix zu tun und dann krieg' ich 'ne nette Besch�ftigung. Die Mama und Hausfrau. Und DAS mit 23! Und Jenni wird weiterhin durch die Weltgeschichte kurven und mich l�nger und l�nger alleine lassen...<<

Ich redete mich immer mehr in Ekstase, aber es regte mich wirklich auf. Beim Erz�hlen wurde mir klar, um wieviel sich unser Grad an Vertrauen schon gemindert hatte und wie zum Zerrei�en gespannt mein Geduldsfaden langsam aber sicher war.

Janie schaute besorgt und nahm mich in den Arm. Ich seufzte und schnaufte.

>>Ach Sam! Kleine Maus! Jenni liebt dich! Das wei�t du doch auch, ohne, dass sie es dir jeden Tag sagt! Mach' dir keine Sorgen! Es wird schon wieder besser werden! Da gew�hnt man sich ganz schnell dran! Ging mir bei Jacob

genauso!<< Doch ich hatte irgendwie NICHT das Gef�hl, dass ich mich an diesen dummen Zustand gew�hnen WOLLTE!

 

-7-

Gegen Abend ging Janie zeitig ins Bett. Ich durfte mich wieder auf der Couch plazieren und schaute eine DVD. >>Matrix<<. Sehr spannend. Auch wenn ich einiges nicht verstand, weil ich den Anfang verpasst hatte. Jenni hatte wie versprochen angerufen. Meine Laune hatte sich allerdings �ber den Tag verteilt nicht gebessert und das hatte ich sie, was ich jetzt bereute, auch sp�ren lassen:

>>Sam Schatz! Ich bin's, Jenni!<<

>>Na du? Hast du Zeit gefunden?<<

>>Ja... �h... ist es gerade schlecht? Hast du was? H�r' zu, wenn es was mit heute morgen zu tun hat, tut es mir wirklich wahnsinnig leid! Nur du hast mitten in einer Session angerufen und der Typ, den ich fotografieren musste, hat sich beschwert, dass er noch andere Termine hat und wurde immer saurer. Irgend so'n spanischer Schnulzens�nger... hatte einen an der Klatsche. Erinnerte mich ein bisschen an Prince.<< Sie hatte gute Laune. Da war sie aber auch die Einzige.

>>Mir geht's gut. Ich..<<

>>OH! Mein Chef! Ich muss...<<

>>JENNI! Sag' jetzt nicht, du musst wieder Schluss machen!<<

>>Es tut mir so leid, Schatz! Ich kann nicht... ich liebe dich! Bye!<< Schon war sie wieder weg.

Ich knallte mein Handy auf den Sessel an der anderen Seite der Couch, boxte in meine Decke und knurrte einmal laut auf. Warum tat sie das? Machte sie das mit Absicht? Machte es ihr vielleicht Spa� mich so zappeln zu lassen?

Man konnte nicht sagen, ich hatte lateinamerikanisches Feuer in mir, doch meine Gro�mutter war Spanierin und meine Tante Brasilianerin und genau diese ber�hmte Latin-Feuer-Wut bekam ich jetzt in den Bauch! Das ging jetzt lange genug so! Ich lie� mich nicht gerne zweitrangig behandeln. Nicht so offensichtlich. Wenn sie schon nicht mit mir reden wollte, sollte sie wenigstens so tun, als wolle sie was von meinem Tag h�ren. Moment! Was dachte ich denn da? Das war doch gar nicht Jenni's Art! Jenni machte sich immer Sorgen um meine Gef�hle f�r sie und sie hatte jeden Tag Angst davor, dass ich anrufen k�nnte und sagen, dass Schluss ist. Das hatte sie mir eine Nacht mal erz�hlt. Doch wenn ich mir die ganze Sache so betrachtete, tat es ihr vielleicht mal ganz gut ohne mich zu sein. Auch mit der Gewissheit. Vielleicht w�rde sie dann ganz von allein zu mir zur�ck kommen und dann w�rde ICH ihr sagen k�nnen, dass ich sie die ganze Zeit geliebt habe, nur wollte, dass sie mich wieder ernster nimmt. Doch FALLS ich jetzt eine Beziehungspause verlangte, konnte ich sie auch nicht mehr anrufen und ihre bezaubernde Stimme h�ren... ihr Lachen.. es war so schwer zu entscheiden. Ich WOLLTE mich auch gar nicht wirklich entscheiden. Erstmal ging die Haust�r auf und f�nf m�de, kaputte, stumme Jungs schlurften zur T�r herein. Das Licht ging an. Ich hielt mir �chzend die Hand vor die Augen. Eben gerade erhellte ja nur das Licht des Fernsehers den Raum. Jetzt blendete es eklig. >>Jungs! Licht aus!<<

>>Soll ich hier hinfallen, oder wie stellst du dir das vor?<<, fragte Jacob ein wenig schlaftrunken. Wahrscheinlich hatte er im Auto geschlafen.

>>Nee... ach, lass es!<<, raunte ich und wand mich einfach wieder dem Fernseher zu. Doch leider lief schon l�ngst der Abspann, welcher nicht mehr sonderlich interessant war. Ashley huschte zu mir an die Seite. >>Hast du Matrix geguckt? Und wie fandst ihn? Cool, was?<< Ich nickte schlechtgelaunt. >>Na ja... << Er zuckte mit den Schultern, stie� mich einmal an, sagte: >>L�cheln!<<, und rannte dann in einem Affenzahn die Treppe hoch, um sofort in seinem Supermanzimmer zu verschwinden. Den Typen sollte einer verstehen. Die anderen Vier standen wie Wasserleichen immernoch am selben Fleck. Erik st�hnte: >>Ich kann mich nicht mehr bewegen! Jungs! Tragt mich nach oben ins Bett!<< Trevor erg�nzte: >>Vorher tragt ihr mich aber!<< Dan bewegte sich als Erster vorw�rts, schlug den Zwei kameradschaftlich auf die Schultern und ging mit den Worten: >>Los! Ihr schafft das schon!<<, die Treppe herauf. Hallo? War ich gar nicht mehr anwesend? Ein >>Gute Nacht<< w�re auch mal ganz nett gewesen, aber egal... na ja, guuut. Ich sagte ja auch nichts. Der Einzige, der jetzt noch neben der T�r im Flur stand, war Jacob.

>>Na Sam! Was guckst'n so b�se?<< Ach? Fiel das so auf? Na gut, bei DER Festbeleuchtung. *zwangsgrins*

>>Ach. Hab Probleme mit Jenni. Mach' dir keine Sorgen.<<

Er watschelte in seinem Jacob-Schritt auf mich zu und machte schonmal den Fernseher aus.

>>Danke Daddy!<<, witzelte ich kindisch, obwohl mir gar nicht danach war.

>>Erz�hl' schon! Was ist mir Jenni und dir? Ist es wegen dem...<<

Er schaute schon so erwartungsvoll und da ich wusste, dass Janie und er keine Geheimnisse voreinander hatten, konnte ich doch annehmen, dass er jetzt diese bl�de Idee mit dem Kinder adoptieren meinte.

>>Nein. Nicht haupts�chlich. Jenni hat keine Zeit f�r mich. Das macht mir so zu schaffen.<< Er schaute mitf�hlend und nahm mich in den Arm. Das war ich gar nicht von ihm gew�hnt, fand es aber okay.

>>Wei...<<

>>Komm' mir jetzt nicht auch mit: >Daran gew�hnt man sich mit der Zeit!<! Das geht schon ziemlich lange so! ZU lange! Und ich habe wirklich keine Lust immer Gewehr bei Fu� zu stehen, wenn Jenni nach mir verlangt und wenn ICH dann mal nicht kann, regt sie sich gleich auf, von wegen, ich w�rde sie nicht mehr lieben und so weiter, aber wenn ICH dann anrufe und SIE hat keine Zeit und ICH w�rde mich auch noch beschweren, dass sie mich nicht mehr liebt... was meinst du, was DANN los sein w�rde, he? Meinst du, das interessiert sie? Ich habe n�mlich langsam das Gef�hl das tut sie nicht! Und das ist gar nicht mit dir und Janie zu vergleichen, weil Jenni und ich nunmal nicht Janie und DU sind, verstehst du?<< Eindringlich starrte ich ihn an. Er schien aber zu verstehen und das fand ich noch besser, als die liebe Umarmung.

>>Sie ist halt so sensibel, Sam. Ich sage jetzt nicht, du musst sie verstehen, aber ihren Standpunkt den musst du entweder akzeptieren, oder...<<

>>Oder was, Jake?<<

Er �berlegte. Ich biss mir auf die Unterlippe. Ich wusste, was er sagen wollte und musste, wenn er ehrlich zu mir sein wollte und damit rechnete ich fest.

Er holte Luft und knetete seine H�nde. Schlie�lich sagte er: >>Oder du musst sie anders dazu bringen, zu dir zu kommen, damit ihr das Problem in Ruhe bereden k�nnt.<< Ich holte tief Luft und setzte zu einem erneuten Seelenstriptease an: >>Das ist es ja! Wenn wir dar�ber reden, und glaub mir, das haben wir schon oft getan, dann h�rt es sich alles so einfach an. Die L�sung des Problems ist doch sowieso klar. Und du wei�t, was ich meine.<< Eindringlich schaute ich in seine dunkelblauen Augen. Sie strahlten M�digkeit aus. Vielleicht sollte ich ihn einfach schlafen gehen lassen, ohne ihn mit meinen Problemen vollzuquatschen, aber irgendwem wollte ich mich anvertrauen, der mir wirklich sagte, was Sache war. Janie war toll, aber sie war so ein Optimist, das sie nicht sah, das hier ihre Hoffnung nicht mehr viel brachte, sondern Taten anstanden. Das h�rte sich radikal an, doch ich hatte es auch noch nie getan, was mir jetzt in den Gedanken herumschwirrte. Trennung. Das Wort schmerzte allein bei dem Gedanken daran. Doch irgendwie klang es mir nicht fremd, weil ich schon seit einiger Zeit immer kurz dar�ber nachgedacht hatte. Vielleicht sah unsere Beziehung nach au�en hin aus, als w�re alles in Butter, doch ich wollte und konnte mich nicht damit abfinden, dass ich immer mehr in die Rolle der Hausfrau gedr�ngt wurde. F�r so einen Job war ich auf jeden Fall die Falsche und auch noch zu jung. Sorry, falls ich mich wiederholte.

>>Nat�rlich versteh' ich, was du meinst. Wenn du denkst, dass das richtig ist, dann tu's auch! Ich kenne Jenni zwar eigentlich nicht, aber ich kenne dich und sehe, wenn du ungl�cklich bist. Das ist doch nicht der Sinn und Zweck einer Beziehung! Du sagst, Jenni hat jeden Tag Angst, du k�nntest Schluss machen. Wahrscheinlich hat sie ein schlechtes Gewissen, eben WEIL sie dich immer alleine l�sst in letzter Zeit. Vielleicht braucht sie diesen Ansto�, um zur Vernunft zu kommen. Bei eurer jungen Liebe kann es nunmal gef�hrlich werden, wenn einer der beiden Partner den anderen vernachl�ssigt. Sag' ihr, was Sache ist und sie wird dich entweder verstehen, oder nicht.<<

Seine >Analyse< half mir tats�chlich. Diesen kleinen Anschwung hatte ich gebraucht.

>>Ja, danke Jacob.<<, sagte ich leise und er nickte bed�chtig. >>Du wirst schon das Richtige tun.<<, fl�sterte er und ging anschlie�end nach oben zu Janie. Sie lag schon im Bett, schlief aber nicht, sondern spielte leise eine Melodie, auf Einer von Jaocob's Gitarren. >>Hey Schatz.<<, begr��te sie ihn und gab ihm einen Kuss. Er setzte sich zu ihr, nahm sich auch eine Gitarre und sie spielten leise zusammen einen Song, den sie sich zusammen ausgedacht hatten. Er klang melancholisch aber sch�n. >>Sam geht's nicht gut.<<, begann Janie nachdenklich. Jacob nickte und sagte: >>Jenni.<< Janie h�rte auf zu spielen und sah ihn �berlegend an: >>Meinst du, sie trennen sich?<< Jacob dachte kurz nach, sch�ttelte dann aber den Kopf. >>Glaub ich nicht. Sie lieben sich doch so sehr und so gro� die Wut auch ist, die sie gerade auf Jenni hat, genauso sehr liebt sie sie allerdings auch. Aber ich kann mich auch irren. Ich kenne Jenni ja auch nicht.<<

>>Jenni ist halt ein Workaholic. Sie kann Tage durcharbeiten ohne zu schlafen, wenn's sein muss. Hat mir Sam jedenfalls erz�hlt. Ich hoffe, die Beiden kriegen das auf die Reihe.<<

>>Jenni muss sich mehr um Sam k�mmern. Sie ist so eine Liebe, aber sie braucht anscheinend Zuwendung, die sie nicht bekommt. Ist klar, dass das weh tut.<<

Janie nickte wieder. Sie beide kannten Sam genau und wussten, wann f�r sie die Grenze �berschritten war. Es stand kurz davor. Sie sagte: >>Aber sie haben das ja nicht ohne Grund schon jahrelang geschafft.<<

 

zur�ck   vor

Hosted by www.Geocities.ws

1