-8-

>>Jenni! Jenni!<<, keuchte ich im Schlaf. Schon wieder diese Albtr�ume. Wie ein Blitz schoss es mir durch den Kopf. Aufwachen! Ich musste aufwachen! Ich zwang mich selbst dazu. Keuchend schlug ich die Augen auf. Irgendjemand hatte mir geholfen und mich aufgeweckt. >>Sam, meine G�te! Was hast DU denn getr�umt?<<, fragte eine Stimme, die ich erst beim zweiten Anlauf erkannte.

>>Trevor! Danke.<< Das Wohnzimmer war stockdunkel. Die dunkelgr�nen Vorh�nge waren vorgezogen. Ich sah nur seine Umrisse. Meine H�nde suchten nach der Bettdecke. Sie war nirgends zu finden.

>>Danke? Wof�r?<<, fragte er verwundert.

>>Dass du mich aufgeweckt hast. Ich schaff' das immer nicht. Ich denke mir: >Sam, du musst aufwachen!<, aber ich schaff's nicht alleine. War ich so laut? Entschuldigung, wenn ich dich aufgeweckt hab.<<

Bestimmt sch�ttelte er gerade den Kopf. Auf jeden Fall stritt er das ab: >>Nee, nee hast du nicht. Ich wollte auf's Klo und hab dich rufen geh�rt. Erst hab ich gedacht, du rufst nach mir, aber...<<

>>Wieso? Was hab ich denn gerufen?<<

>>Das hab ich ja eben nicht verstanden... 's klang wie: >Geh weg!< oder >Fleck weg!<... irgend sowas.<< Ich h�rte ihn lachen, setzte mich auf und kam seinem Gesicht n�her, um zu sehen, wie er guckt. Irritiert zog er seinen Kopf zur�ck. Jetzt tat ich beleidigt: >>Hey du! Ich bei�e nicht! Ich wollte nur sehen, wie du reagierst.<< Er atmete auf und kam wieder n�her. Grinsend. Aha, wusst ich's doch! Er fand das wohl lustig. Wenn er gerne mal tr�umen wollte, dass seine Freundin von einem Monster aufgefressen wurde, konnte ich gerne mit ihm tauschen!

>>Nee... sorry... ich... ich dachte nur...<<, stotterte er unsicher. Ich boxte ihm in den Bauch. Er war schon wieder oben ohne. Seine Haut war warm und zart..

>wie Babyhaut<, schoss es mir ein. Da musste ich wieder an Jenni und ihren Kinderwunsch denken. Oder ihren >vorget�uschten< Kinderwunsch. Was wirklich Sache war, w�rde ich ja erst erfahren, wenn ich mal ordentlich mit ihr reden konnte und, dass ich sobald die Gelegenheit dazu haben w�rde, war nicht in den n�chsten drei Tagen zu erblicken. NAT�RLICH hatte sie viel zu tun und das verstand ich doch auch... ach Mann... ich vermisste sie aber nunmal so. Und was ich auch vermisste, war... na ja, wie soll ich >denken<... das Miteinander mit ihr. Ihre Ber�hrungen, die mich immer so wahnsinnig machten, weil sie das einfach so meisterhaft konnte... und ich hatte das Gef�hl sie verstand mich viel besser als ein Mann, weil sie auch eine Frau war. Sie hatte die selben Probleme mit ihrem K�rper und mit ihr konnte ich dann auch dar�ber reden. Bei einem Mann konnte man sich nicht ausheulen, weil man mal wieder auf der roten Welle surfte... war nunmal so. Aber woran dachte ich hier schon wieder?

>>Was dachtest du nur?<<, fragte ich l�chelnd. Er zuckte die Schultern, aber ich wusste schon, was los war.

>>Trev, bei mir is' das ja nu' wirklich nicht das Gleiche. Ich k�ss' doch keinen MANN!!<< Er lachte leise auf. >>Oooohhh jaaaa, wie eklig... ich verga�!<< Kopfsch�ttelnd erwiderte ich: >>Das sag' ich ja gar nicht! Aber eine Frau zu k�ssen ist besser und heute w�rde ich auch freiwillig keinen Mann mehr k�ssen!<< Trevor setzte sich in den Schneidersitz, was mir signalisierte, dass er einem l�ngeren Gespr�ch entgegensah. Na ja, meinetwegen. Er war wenigstens nicht so'n Tuffi, wie einige Jungs, die ich kannte. Trevor war cool und na ja... im Moment zwar nicht so locker, aber... >>Dann wei� ich ja jetzt, dass ich vor dir nichts zu bef�rchten hab.<<, witzelte er gelassen.

>>Nee, hast du nicht. Es sei denn, du hast 'ne h�bsche Freundin!<<

>>Wag's dir! Aber nee, ich hab keine.<<

>>Warum nicht? Vor Angeboten kannst du dich sicher kaum retten. Ich mein, laut den Messages da drau�en an der Mauer hast du schon so 'n Dutzend Kinderchens.<<

>>Das ist aber Quatsch. Ich steh' nicht so auf One Night Stands und hatte auch erst eine richtige Freundin.<<

>>Du siehst nicht so aus, als w�rst du... wie soll ich sagen?<<

>>Der Sch�chterne?<<

>>Doch, DAS seh' ich dir an.<<

>>Na danke...<<, schmollte er. Ich boxte ihm wieder in den Bauch. Wieder Seidenhaut.

>>Wie so'n Aufrei�erspacki siehst aber auch nicht aus. Da kann ich dich beruhigen, Trev.<<

>>Das bringt mir jetzt aber viel. Kennst du nicht zuf�llig 'n paar...<<

>>�h, ich glaub alle die ICH kenne, stehen nicht so auf die m�nnliche Sorte, wenn du wei�t, was ich meine...<< Ich zwinkerte ihm zu, aber das sah man in dieser Dunkelheit gar nicht. Er machte aber ein gespielt entt�uschtes Gesicht.

>>TOLL! Und was n�tzt mir jetzt deine Freundschaft, he?<< Ich zog die Augenbrauen hoch und fragte: >>Das ging aber schnell... vielleicht will ich gar nicht mit dir befreundet sein? Du bist 'n MANN!<< Das Wort >Mann< hatte ich nochmal extra abf�llig betont. Es hatte seine Wirkung nicht verfehlt. *hehe*

>>Entschuldigung... ich dachte ja nur...<<

Mein Finger zog seine Unterlippe herunter. So sah es aus, als machte er einen auf dicke Lippe. Mir fiel nur noch auf, dass er naaaa? Ja. Weiche Lippen hatte, die mich an Jenni erinnerten. Es zog kurz in meinem K�rper. Er vermisste sie, wie ich sie vermisste. Ich konnte nicht mehr lange ohne sie... ohne ihre Ber�hrungen, ihre K�sse... meine Gedanken gingen tiefer, ohne, dass ich es wollte. Ein tr�umerisches L�cheln bildete sich in meinem Gesicht.

>>Denkst wieder an Jenni?<< Ich nickte und musste einmal auf den Boden sehen, weil ich an Jenni UND mich zusammen dachte... und ER dachte bestimmt ich stellte mir ihr L�cheln oder so'n Kinderkram vor... *hehe*

>>Wie lange seit ihr jetzt schon zusammen? Ach nee... das hab ich schonmal gefragt, oder?<< Ja, das hatte er, aber ich beantwortete die Frage gerne auch nochmal: >>Sechs Jahre.<<

>>Das w�nsch' ich mir auch.<<, sagte er wie zu sich selbst und schaute 'gen Zimmerdecke. Ich l�chelte und sagte: >>Eine sechsj�hrige Beziehung?<<

Er nickte, immernoch mit dem gleichen Gesichtsausdruck. Ich beobachtete seinen Mund, wenn er sprach. Da achtete ich irgendwie drauf.

>>Ja. Ich find' das toll. Auch das mit Janie und Jacob, jetzt.<<

>>Genau. Die Zwei sind ein Paradebeispiel daf�r, dass es die eeewige Liebe

gibt.<<, gab ich wie ein Poet zum Besten.

>>Daf�r braucht es sicher viel Geduld. Ich hab das Gef�hl ich h�tte kein Problem damit Freundin und Job unter einen Hut zu bekommen, aber Kelly, meine Ex-Freundin hatte ein Problem damit... das hat mich schon verletzt.<<

>>Hat sie mit dir Schluss gemacht?<<

>>Ja. Ich wei� es noch wie gestern. Sie hat gesagt: >Trev, ich kann mit dir so keine Beziehung f�hren.< Und das war hart, echt hart.<< Mein Kopf schwang auf und ab, wie eine Taube. Ich konnte diese Kelly gut verstehen.

>>Ich glaube, ich h�tte das Selbe getan, an ihrer Stelle.<<

>>Du h�ttest auch mit mir Schluss gemacht?<<

>>Na ja, das kann ich jetzt nicht beurteilen. Ich wei� nicht, wie das alles

war...<< Er biss sich auf die Unterlippe. Meine Augen fuhren einmal �ber seine ganze Gestalt und beschr�nkten sich dann wieder auf sein Gesicht. Das mit seiner Kelly schien ihn so sehr getroffen zu haben, dass es ihm heute noch schwer fiel, dar�ber zu reden. W�rde es Jenni und mir genauso gehen, falls ich >diesen< Schritt tats�chlich wagen w�rde. Keiner sagte, dass es leicht werden w�rde... eine Beziehung war manchmal etwas wirklich Kompliziertes!

>>Bist du nicht manchmal froh, keine Freundin zu haben?<<, fragte ich verwundert. >>Schlie�lich st�rt es sicher auch mal.<<, f�gte ich hinzu.

Trevor sah mich an, als h�tte ich ihm gerade sein Lieblingslolli gemopst.

>>WAS?<<, fragte ich, die H�nde mit den Handfl�chen nach oben zeigend, haltend.

>>Es ist jawohl das Beste �berhaupt eine Freundin zu haben! �berleg' mal... sie ist da, wenn du sie brauchst, sie gibt dir das Gef�hl, du w�rst etwas Besonderes, sie gibt dir einfach alles was du brauchst... du kannst sowas von froh sein, dass du eine Freundin hast! Echt, Sam! Glaub' mir, meine Situation is' momentan echt dumm... ich hasse es, keine Freundin zu haben!<<

Wohow.. schon gut, Trevor! Ich verstand ihn ja... aber er wusste auch nicht um meine derzeitige Situation, also konnte er das auch nicht beurteilen.

>>Dann hoffe ich wirklich sehr f�r dich, dass du bald das Girl f�r's Leben findest.<<

>>Ich such' ja schon immer...<<

Schnell unterbrach ich ihn: >>Das eben sollst du ja NICHT tun! H�r' auf zu suchen und dann l�uft sie dir einfach so von allein �ber den Weg. Glaub' mir, das funktioniert.<< Er nickte nachdenklich. Ich hoffte, er hatte meinen Tipp wirklich ernst genommen.

Trevor ging nach oben und ich legte mich auch wieder schlafen. Diesmal ohne Albtraum, aber auch ohne viel Liegekomfort, wegen dieser beschissenen Couch. N�chste Nacht w�rde ich aber auf einen anderen Schlafplatz bestehen. Hier konnte ja niemand schlafen. Vielleicht durfte ich mich ja zu Trevor gesellen. Der hatte doch sicher nichts dagegen... schlie�lich schien er mich zu m�gen. Ich freute mich �ber einen Freund. Wer tat das nicht?

 

-9-

Janie machte Fr�hst�ck, doch ich a� nichts. Der Drang Jenni anzurufen wurde st�rker und ich konnte an nichts anderes mehr denken. Auch, als Janie vorschlug mit mir in die Stadt zu gehen, um mir einiges zu zeigen, lehnte ich zwar nicht ab, war aber immernoch nicht ganz da.

>>Was besch�ftigt dich?<<, fragte sie �berfl�ssigerweise, als wir zum Mittag in einem Restaurant sa�en. Einige junge M�dchen kamen zu uns an den Tisch und fragte Janie nach einem gemeinsamen Foto, das sie gerne mit ihnen machte. Ich wurde nur einmal kurz von oben bis unten angeschaut. Es interessierte mich nicht wirklich, was abging. Bis sie mich fragten, ob sie mich kennen w�rden. Warum fragten sie mich das blo�? Wie kamen sie �berhaupt darauf, mich anzusprechen?

>>Nein, bestimmt nicht.<<, antwortete ich l�chelnd. Bestimmt sah man mir wieder nicht an, dass mir danach nicht zumute war. Jenni meinte, ich w�re eine gute Schauspielerin. Das fand ich cool, zumal ich die Schauspielerei sehr bewunderte. Aber das war ja jetzt und hier sowieso egal. Das Einzige was z�hlte war, dass sie endlich gingen. Ich hatte generell nichts gegen Fans, ich war das zwar nicht gew�hnt, doch trotzdem... ich war halt nicht ganz bei der Sache. Mit den Gedanken immerzu bei Jenni. Meiner S��en... sie hatte nichtmal eine Gute Nacht SMS geschickt und ich ihr folglich auch nicht.

>>Immernoch Jenni? Hast du sie noch nicht angerufen?<<, fragte Janie und a� weiter an ihren Nudeln. Mein Hunger hielt sich in Grenzen. Ich verstand Jenni in diesem Moment auch nicht. Sie hatte doch immer solche Angst, ich w�rde einfach mit ihr Schluss machen und dann tat sie nichts daf�r, dass das NICHT passierte... schon seit zwei Monaten nicht mehr... lief da woanders was? Oh Gott... mir kam jetzt erst die Erkenntnis, dass es auch diese Variante sein konnte, die sie dazu trieb... wie Schuppen pellte es mir von den Augen. Ich sa� da, wie gel�hmt und traute mich nicht zu zwinkern.

>>Sam? Alles okay?<< Wie vom Donner ger�hrt sa� ich auf meinem Stuhl und lie� meine Gabel sinken.

>>Was ist los mit dir? Sag' schon.<<

>>Jenni hat jemand anderes...<<, fl�sterte ich tonlos. Janie verengte die Augen zu Schlitzen und machte dann eine abwertende Kopfbewegung.

>>Ach was!!<<, entschied sie lautstark. Doch ihr Gesichtsausdruck verriet mir nur allzu genau, was sie wirklich dachte. Ihr war gerade, genauso wie mir ein Licht aufgegangen und jetzt musste ich Jenni noch dringender anrufen, als vorher.

>>Das glaubst du doch nicht wirklich, oder Sam?<<, fragte sie geschockt. Ich sagte gar nichts, stand auf und ging in Richtung Damentoiletten. Dort atmete ich einmal tief durch, z�ckte mein Handy und w�hlte ihre Nummer. Meine Finger zitterten vor Aufregung.

>>Jennifer Turner, hallo?<<, erklang ihre liebliche Stimme. Ich war drauf und dran wieder aufzulegen. Wenn sie sich so s�� anh�rte, konnte ich doch nicht... ohne wirklich ersichtlichen Grund... argh. Warum machte sie es mir so schwer?? Ich bekam dieses Gef�hl... das so piekend und qu�lend in meinem Unterk�rper pochte...

>>Hallo? Ist da jemand?<< Oh, ich sollte vielleicht langsam etwas sagen.

>>Jeff? Bist du's Schatz?<<, lachte sie und ich verschluckte mich fast an meiner eigenen Spucke. WIE bitte?? WER WAR JEFF? SCHATZ? JEFF???

>>Jenni...<<, fl�sterte ich heiser. Tr�nen schossen in meine Augen. Das Atmen fiel mir schwer. Sie sog scharf die Luft ein und... und legte auf. Sie hatte AUFGELEGT! Jenni hatte... Ich starrte wie eine Irre auf mein Handy. Eine Tr�ne tropfte auf das Display. Meine Nase war sofort verstopft. Ich sah gar nichts mehr. Doch sp�ren tat ich so gut wie noch nie. So verletzt, wie ich mich gerade f�hlte, hatte ich mich noch nie gef�hlt. Es war ungef�hr so, als ob jemand den wichtigsten Teil meines Lebens von mir gerissen hatte... er einfach nicht mehr existierte. Ich wollte laut schluchzen, mich bewegen, in den Spiegel schauen, aber nichts dergleichen passierte. Das Einzige was da war, war der Schmerz. Er versuchte von tief in mir an die Oberfl�che zu gelangen, doch ich hinderte ihn daran, weil ich nicht wusste, was ich dann tun w�rde. Mit mir tun w�rde... das konnte doch nicht wahr sein. Das war doch nicht Jenni gewesen... machte ich mich vielleicht umsonst fertig? Sollte es doch ein Irrtum gewesen sein? Ich musste Gewissheit haben. Ich durfte nicht weinen, ohne, dass klar war, ob nicht alles ein Missverst�ndnis gewesen war. Wieder w�hlte ich ihre Nummer.

>>Ihr Gespr�chspartner ist zurzeit nicht erreichbar. Hinterlassen sie...<< Ich legte auf. Die Tr�nen waren versiegt. Verwirrung trat an ihre Stelle. Was zum Geier war denn blo� los? Ich... ich verstand die Welt nicht mehr.

>>SAM! Was machst du denn so lange hier drin? Hast du Jenni angerufen? Was hat sie... hast du geweint?<<, rief Janie, als sie zur T�r hereinschneite. Ich lie� mich von ihr umfassen, meine Arme schlossen sich aber nicht um sie.

 

>>Sag' schon, was los ist!<<, dr�ngte sie mich, als wir im Auto auf dem R�ckweg sa�en. Ich hatte noch kein Wort gesagt und hatte's auch nicht mehr vor heute. Ich musste Jenni anrufen. Ich musste es so lange versuchen, bis sie abnahm!

 

-10-

>>Jennifer Turner, hallo?<<, war der Satz, den ich heute noch h�ren wollte. Doch immer kam nur: >>Ihr Gespr�chspartner...<< Ich wusste nicht, ob ich w�tend, traurig oder beides sein sollte. In meinem Kopf drehte sich alles. Vor einer Stunde waren die Jungs nach Hause gekommen. Fr�her als gestern. Jetzt sa�en sie alle vor'm Fernseher und schauten eine Show, auf die sie sich anscheinend schon den ganzen Tag gefreut hatten. Ein Auftritt von ihnen, mit ihrem neuen Song, oder so. Keine Ahnung. Ich sa� auf der Treppe. Blass, wie eine Leiche. Immer wieder, wenn ich auf Wahlwiederholung dr�ckte, lauschte wie das Handy w�hlte und dann abwartete, verlor mein Gesicht wieder an Farbe. Das passierte auch gerade jetzt wieder. Trevor schaute zu mir her�ber. Ich starrte ihm einfach nur in die Augen. Er hob die Augenbrauen. Er hatte ja keine Ahnung. Janie hatte nur Jake was erz�hlt. Wie sie's immer tat. Die Beiden hatten einfach keine Geheimnisse voreinander. Wieder ertappte ich mich bei dem Gedanken... nein... das konnte und MUSSTE alles ein Irrtum sein! Die Hoffnung starb bei mir jetzt wirklich zuletzt...

 

Schei�e, schei�e, SCHEISSE!

>>Dieser verfickte Akku!! Ich hasse dieses Handy!!!<<, schrie Jenni die ganze Crew ihres Sets an. Die konnten allerdings auch nicht mehr f�r sie tun. Sie hatte noch nie in ihrem Leben solche Angst wie jetzt. Sam musste denken, sie hatte einen anderen... sie MUSSTE das einfach denken.... es war ja so einfach. Es war ja so einleuchtend. Erst hatte sie keine Zeit f�r Sam und dann kam sie mit einem Jeff-Schatz daher, der mal ganz nebenbei ein schwuler Bekannter war, der sie schon seit ein paar Tagen immer anrief, um sie zu fragen, wann er sie mal besuchen kommen k�nnte und DANN ging auch noch ihr Handy aufgrund ihres schwachen Akkus aus, genau in dem Moment, als sie h�tte anfangen m�ssen zu erkl�ren... oh Gott... sie war sowas von erledigt. Jenni verfluchte die ganze Welt. Sie MUSSTE ihre Kleine anrufen, wenn sie sich nicht verlieren wollte und DAS war das Letzte, das sie wollte!

 

Mir fiel fast das Handy aus den Pfoten, als es pl�tzlich anfing zu klingeln. Beinah �ngstlich �ugte ich auf das Display. >Schatz< stand darauf. Sechs K�pfe auf der Couch drehten sich zu mir. Ich linste nur einmal zu ihnen, stand auf und ging nach drau�en zum Pool, um dort erst abzunehmen.

>>Ja?<<, fragte ich heiser. 'S h�rte sich fremd an.

>>Sam?<<, fragte Jenni mit br�chiger Stimme.

>>Ja, ich bin dran.<< Eiskalt. Das war das Einzige, was mir zu meiner Tonlage einfiel.

Erst h�rte ich sie schluchzen und dann ert�nte eine tr�nenerstickte Stimme, die mich regelrecht mitten ins Herz traf: >>Sam... es... es... es tut mir leid. Das war alles ein Irrtum... das musst du mir glauben... ich habe keinen anderen... Jeff ist niemand.... ein bekannter... er ist schwul, Sam! Er.... er will gar nichts von mir, ehrlich. Und... und ich auch nicht von ihm! Ich liebe dich, Sam! Ich w�rde das doch niemals auf's Spiel setzen! Das wei�t du doch! Und du liebst mich doch auch.<<

>>Ja.<< Sie schluchzte laut auf. Ich merkte, dass sich ein Klo� in meinem Hals bildete, der mich anscheinend an dem hindern wollte, was ich tun musste. Jetzt wusste ich es auch. Ich MUSSTE das tun. Nicht um Jenni eins auszuwischen, oder sie gar extra zu verletzen... ich musste das f�r mich tun.

>>Und... und ich werde mir ab heute viel mehr Zeit f�r dich nehmen und dich jeden Tag drei Mal anrufen und...<< Sie klang so verzweifelt. So, als w�re schon alles verloren, dabei wusste nur ICH, dass es wirklich so war. 

>>Kannst du nicht schon einen Tag fr�her nach Hause? Um mir zu zeigen, dass du wirklich was �ndern willst... das w�re mir wirklich wichtig. Wir m�ssen die Brautjungfernkleider anprobieren und...<<

>>Du das geht echt nicht. Ich muss hier noch...<<

>>Jenni! Das ist WIRKLICH wichtig, verstehst du nicht? F�r UNS!<<

Jetzt biss sie sich bestimmt gerade wieder auf die Unterlippe. Und ich fand das immer so verdammt s��... oh, wie sehr ich mir w�nschte alles w�re in Ordnung und ich k�nnte ihr jetzt sagen, dass ich mich einfach auf Samstag freute... irgendwie hatte ich SCHON die Veranlagung alles kompliziert zu machen. Ja ja...

>>Es geht wirklich nicht... so gern ich es auch wollte.. das Magazin, f�r das ich fotografiere hat mich bis Freitag gebucht. Ich bin hier in der W�ste, in Lovelock und...<< Lovelock? Besser konnte man unsere Situation wohl gerade nicht beschreiben... wie bescheuert war DAS denn?

Sie erkl�rte weiter, dass es nicht ginge und warum. Ihr fielen immer mehr Begr�ndungen ein. Darin war sie wirklich Weltmeister, aber ich wollte diese ganzen Ausreden einfach nicht mehr ertragen. Hatte sie nicht eben noch geweint und mir geschworen, sie w�rde alles f�r mich tun?!

>>Jenni, h�r auf.<<, fl�sterte ich.

>>... und dann meinte er, ich soll...<<

>>Jenni, halt den Mund!<<, sagte ich etwas lauter.

>>Ja, aber erst dachte ich, ich solle...<<

>>JENNI, VERDAMMT! SEI DOCH MAL RUHIG UND H�R' MIR ZU!<<, br�llte ich ins Telefon. Augenblicklich herrschte Stille. Sie hielt wahrscheinlich sogar die Luft an.

>>Entschuldigung, aber anders h�rst du mir anscheinend nicht zu.<< Ich lie� sie erst gar nicht zu Wort kommen, sondern sprach sogleich weiter. Auch, um nicht den Faden zu verlieren und die Worte nicht zu vergessen, die ich mir schon sorgsam bereitgelegt hatte. Sie schienen mir in diesem Moment allerdings sehr unpassend, deswegen redete ich einfach drauflos. Jedoch nicht, ohne zu �berlegen. Ich musste mich so ausdr�cken, dass sie sich nicht... doch sie sollte sich die Schuld geben, denn MEINE war es defintiv nicht. Dazu war zuviel passiert.

>>Es ist aus.<< Tolle Worte, Sam. TOLLE Worte. Und daf�r hatte ich mich verr�ckt gemacht. Sie sagte eine ganze Weile gar nichts. Ich erwartete, dass sie jetzt in >Aber warum?<'s und >Wie meinst du das?<'se verfiel, doch nichts passierte.

>>Okay.<<, war ihre knappe Antwort. Ich h�rte aus ihrer Stimme heraus, dass sie wieder weinte. Doch diesmal waren es stille Tr�nen. Kein Schluchzen. Sie verstand mich. Das war ein Zeichen, dass sie einmal meine Entscheidung akzeptierte, ohne noch zu fragen warum und wieso. Allein daf�r wollte ich sie schon wieder k�ssen. Meine Brust zog sich schmerzhaft zusammen.

>>H�r' zu, das ist nicht leicht f�r mich, Jenni. Das sollst du wissen. Okay?<<

Keine Antwort.

>>OKAY?<<, fragte ich eindringlicher und trotzdem den Tr�nen nahe. Noch durfte ich keine Schw�che zeigen. Ich musste Jenni zeigen, dass ich mich nicht erweichen lie�. Heute nicht und auch die n�chsten Tage nicht. �u�erlich jedenfalls. Innerlich zerriss mich der Gedanke an diese Trennung. Nie wieder ihre K�sse? Nie wieder ihre sanften H�nde? Ihr L�cheln? Ihr sch�ner K�rper? Ihr Duft? Ihre N�he? Oh Gott... was wenn mein Plan nicht aufging?

>>Ja, *schluck* okay Sam.<<

>>Bye.<< Mir blieb fast die Stimme weg. Jenni wusste, dass es mir schwerfiel, nicht zu weinen. Ich KONNTE einfach nichts vor ihr verstecken. Dazu kannte sie mich viel zu gut und zu lange.

>>Ich liebe dich, auf wiedersehen.<<, wisperte sie und legte auf.

>>Ich liebe dich auch, schatz.<<, dachte ich laut und lie� das Handy sinken. Kraftlos fiel ich hinten�ber in den Liegestuhl, auf dem ich gesessen hatte, legte meinen Arm �ber meine Augen und schluckte was das Zeug hielt, um den saueren Geschmack in meinem Mund loszuwerden. Es klappte aber nicht. Genauso, wie heute gar nichts geklappt hatte. Das Pech verfolgte mich anscheinend �berall hin und wenn man dachte, man ist es los, kam es pl�tzlich aus einem Hinterhalt wieder und warf sich �ber einen. Ob Jenni jetzt dachte, dass ich wegen diesem Jeff mit ihr Schluss gemacht hatte, wusste ich nicht. DASS da nichts gelaufen war, wusste ICH jedenfalls schon. Es war mir f�r heute egal, was Jenni dachte. Echt. Es war mir einfach nur egal.

 

-11-

>>Sam? Bist du hier?<<, fragte jemand in die Dunkelheit. Nat�rlich. Er. Trevor. Ein leises St�hnen drang aus meiner Kehle, als ich mich etwas bewegte. Mein K�rper f�hlte sich an, als h�tte man mich drei Stunden lang verpr�gelt, dabei war das ja >nur< mit meiner Seele passiert. Tapsende Schritte kamen n�her. Er war barfu�. Ich wollte allein sein.

>>Trevor?<<, fragte ich in die Dunkelheit. Ich wusste's ja eh, aber das musste er ja nicht wissen.

>>Ja, ich bin's. Was ist denn los? Du bist schon vor 'ner Stunde hier raus verschwunden. Wir ham' uns schon Sorgen gemacht.<<

Nicht SCHON wieder soviele W�rter aufeinmal Trevor!

Ich merkte, wie es einmal kurz auf die Liege buffte. Er hatte sich wohl hingesetzt.

>>Alles in Ordnung?<<, fragte er erneut. Sorge lag in seiner Stimme.

>>Kleines?<< Kleines hatte mich bisher immer nur Jenni genannt...

>>Ja.<<, heiserte ich vor mich hin.

>>Was ist los? Willst du dr�ber reden? Hat es was mit dem Anruf von vor einer Stunde zu tun?<<

>>Nein und ja.<<, kam es knauig von mir. Er legte seine Hand auf mein Bein und strich leicht dar�ber. Sollte mich das beruhigen? Auf'm Bein??

>>Janie, �h, Janie hat uns aufgekl�rt.<< Is' doch toll, dann wisst ihr jetzt wenigstens, wie Babies entstehen...

>>Aha.<<

>>Hast du... hast du gerade Schluss gemacht?<<, kam es unsicher aus meiner Beinrichtung.

>>...<<

>>Wie bitte?<<

>>Hmhm.<< Gestresst.

>>Das tut mir leid.<<

>>Wieso tut dir das leid?<<, fragte ich verwundert, nahm meinen Arm von meinen Augen und setzte mich auf, damit ich ihn ansehen konnte, wenn ich mit ihm redete.

>>Na ja, findest du das nicht schlimm?<<

>>Was soll ich schlimm daran finden? ICH hab Schluss gemacht...<<

Er sch�ttelte den Kopf. Seine Dreadies bewegten sich von links nach rechts.

>>F�r mich w�re das schlimm, aber ich habe ja auch noch nie mit jemandem Schluss gemacht...<<

Meine rechte Augenbraue hob und senkte sich. >>Ist doch sch�n f�r dich, dass du das noch nie tun musstest. Ist n�mlich 'n ganz sch�ner Schei�job!<<

Er l�chelte, weil ich l�chelte. Wenn ich seine Haare sah, konnte ich sowieso nicht anders. Wer KONNTE das schon?

>>Aber Janie sagte, du liebst sie immernoch, also kann DAS nicht der Grund sein und dann MUSS es zwangsl�ufig schwer sein. Ash musste auch mal mit seiner Freundin Schluss machen, obwohl er sie noch liebte. Er meinte, das war das Schlimmste, was er je tun musste.<<

Ashley hatte das also auch schonmal durch... na ja. Das konnte man, glaubte ich, trotzdem nicht miteinander vergleichen.

>>Er hat Recht. Es ist die H�lle. Es ist, als m�sstest du einen Teil von dir aufgeben, obwohl du ganz genau wei�t, dass du ihn noch zum Leben brauchst.<< Meine Stimme senkte sich und meine gerade erst wieder trockenen Augen glitzerten schon wieder voll Tr�nen.

>>Nicht weinen, Kleines.<<, bat er leise und suchte in seiner Hosentasche nach einem Taschentuch, fand aber keins. Letztendlich zog er sein T-Shirt aus und gab es mir hin. Ich nahm es dankbar und dr�ckte es auf meine schmerzenden Augen. Wieder ein wenig l�chelnd sagte ich: >>Riecht gut.<< Er grinste und rieb sich einmal schnell seine nackten Oberarme. Sicher war ihm schon etwas k�lter, nur in einem Rippshirt. Es war windig hier drinnen. Die Klimaanlage war etwas zu kalt gestellt.

>>Danke.<< Ich gab ihm sein Shirt wieder und er zog es gleich wieder �ber.

>>Keine Ursache. Immer wieder gern, Honey.<< Seine Stimme h�rte sich so gef�hlvoll an, wie Jenni's. Nur Seine war verst�ndlicherweise tiefer. Es passte sehr zu seinem �u�eren. Generell betrachtete ich ihn mir immer wieder gern. Man konnte ihn, au�er vom Stimmlichen her, gar nicht mit Jenni vergleichen. Er war absolut und total m�nnlich veranlagt. Von Kopf bis Fu�. Wenn ich an das Wort >Mann< dachte, stellte ich mir einen Typ wie ihn vor. Gro�, markante, aber auch weiche Gesichtsz�ge, weiche Augen, sanfte H�nde, muskul�s, aber nicht ZU muskelbepackt... ich begann ihn mit anderen Augen zu sehen. Es gab keinen wirklich Grund daf�r, ich tat es einfach.

>>Bestimmt war es besser so.<<, bemerkte er wie nebenbei.

>>Ja, es war richtig.<<, bekr�ftigte ich meine Entscheidung. In wie weit Janie von meinem Plan erz�hlt hatte, wusste ich nicht, jedoch hoffte ich, dass sie wenn schon, dann nichts ausgelassen hatte, was wichtig war. Nicht, dass Trevor ein falsches Bild von mir hatte. Das mochte ich n�mlich gar nicht.

 

Trevor sah sie vor sich sitzen, wie ein kleines H�ufchen Elend. Mit der Zeit schien sie wieder ein bisschen aufzubl�hen und sich wohler zu f�hlen. Er mochte es, wenn Frauen sich in seiner Gegenwart wohl f�hlten. War das bei ihr was anderes? War es etwas Besonderes? War SIE etwas Besonderes? F�r ihn gab es nur eine passende Antwort: Ein eindeutiges ja!

 

-12-

Die Tage wollten und wollten nicht vor�ber gehen. Jede Stunde der 24 zog sich endlos in die L�nge. Mir war so langweilig, wie noch nie in meinem Leben, was aber nicht daran lag, dass Janie mich nicht besch�ftigen wollte... ich hatte schlichtweg auf NICHTS Bock und trieb damit meine Cousine fast in den Wahnsinn. Wenn ich redete, dann lie� ich h�chstens ein paar Knurrlaute von mir h�ren und WENN, ging es auch nur um's Essen. Was anderes tat ich n�mlich gar nicht. Essen, schlafen, essen schlafen. Was anderes au�er das Bett und T�tensuppen wollte ich n�mlich gar nicht sehen. Netterweise hatte Trevor mir sein Zimmer �berlassen, sodass ich schlief wie ein Baby, eingeh�llt in seinen Duft, den ich nicht so eklig aufdringlich fand, wie den meiner Ex-Freunde vor acht Jahren. Wenn er morgens aufgestanden war, schlich er nur zu mir ins Zimmer, um sich Klamotten aus dem Schrank zu holen, oder er kam Abends schon, um sie sich f�r den n�chsten Tag rauszusuchen. Das klappte ganz gut. Das Beste und Komischste -weil ich es genoss- war jedoch, wenn er nach dem Duschen nackt durch das stockdunkle Zimmer tapste, um sich eine Hose und ein Shirt rauszusuchen. Nicht, dass ich spannerm��ig veranlagt war, aber ich konnte meistens nicht anders, als mich schon, w�hrend er duschte, in Position zu legen, damit ich ihn, Schlaf vort�uschend, beobachten konnte. Zuerst war es nur ein Spiel gewesen. Die ersten drei Male, doch mit der Zeit, die halt nicht vergehen wollte, wurde es schon wie so eine Art Nervenkitzel. Die Trennung von Jenni war anders f�r mich verlaufen, als ich es erwartet hatte. Ich erwartete Tr�nen, Tage voller Trauer um meine Ex-Freundin und n�chtliche Albtr�ume, doch seit dem Schlussstrich und anschlie�enden Gespr�ch zwischen Trevor und mir, waren Tr�nen, Trauer und Albtr�ume ausgeblieben. Und DAS war es, was ich so genial fand. Ob es sich nun schlampenhaft anh�rte oder nicht, ich f�hlte mich befreit. Ich WAR frei. Und ich konnte jedem hinterher gucken, wem ich wollte. Ob es nun M�nner, wie Trevor, oder Frauen waren. Nun gut, das mit den Frauen war komischerweise nicht mehr so h�ufig. Das lag aber daran, dass ich nicht vor die Haust�r ging und mich in Trevor's Zimmer verschanzte. Das Schlaf-T-Shirt und sonst nichts war mein st�ndiger Style, seit nun bereits vier Tagen und genau wie meine Frei- und Ungezwungenheit fand ich das genauso toll! Janie hatte ich nichts davon erz�hlt, was ich in Trevors Zimmer anstellte, wenn er da war, denn sie h�tte es Jacob erz�hlt und ob der dichthielt, wusste ich nicht genau. Fr�her h�tte er es getan, doch wer wusste, ob O-Town ihn nicht zu einer unverbesserlichen Labertasche gemacht hatte?

 

Im Moment sa� ich auf dem Bett. Es war mitten in der Nacht und ich hatte Hunger, weil ich auf mein Abendbrot verzichtet hatte, da mir die ganze Zeit schrecklich schlecht gewesen war. �bergeben musste ich mich zum Gl�ck doch nicht. Morgen war die Hochzeit. Ich freute mich darauf. Auch, weil ich wusste, dass Jenni kommen w�rde und ich mit ihr reden konnte. Richtig reden. Lange, lange und ordentlich. Sie musste mir dabei die ganze Zeit ins Gesicht sehen und konnte sich nicht wieder in Ausreden fl�chten. Trotz meiner Freiheit vermisste ich sie immernoch. Mehr k�rperlich. Das war noch milde ausgedr�ckt. Mein K�rper schrie nach Liebe. K�rperlicher Liebe. Haupts�chlich. Was das andere anbetraf... na ja. Morgen.

Trevor musste unten auf der Couch schlafen. Janie und Jake schliefen auch. Ash und Erik waren unterwegs, glaubte ich zu wissen. Oder waren sie schon wieder da? Keine Ahnung.

Behende schwang ich meine >wundersch�nen< Beine aus dem Bett, r�ckte mein T-Shirt �ber meinem Hintern zurecht und schwankte auf die T�r zu. Die drei Schlucke Wodka h�tte ich heute Abend wohl lieber weglassen sollen. Ich war nicht betrunken, keineswegs, aber mein Kreislauf war dann immer ein bisschen komisch.

Mann, WAR das dunkel hier. Vorsichtig und immer darauf bedacht leise zu sein, schlich ich die Treppe hinunter und wunderte mich erstmal, dass Licht in der K�che brannte. Automatisch sah ich zur Couch hin�ber. Die Decke war zur�ckgeschlagen. Kein Trevor. Mir die Hand vor die Augen haltend betrat ich die K�che. Das Licht des K�hlschranks verursachte dieses eklige Licht, was mich so blendete. Zuerst sah ich gar nichts, au�er einer offenen K�hlschrankt�r und braunen Beinen, die darunter hervor guckten.

>>Trev?<<, fragte ich kr�chzend. Bah, h�tte ich nicht vielleicht schlucken sollen, bevor ich meinen Schnabel aufrei�e?

 

Sein Kopf luscherte hinter der T�r hervor. Erst dachte er, es w�re Janie, aber nein, es war ja nur Sam. Na dann machte es ja auch nichts...

 

>>Oh!<<, war das Einzige, was ich herausbekam, als er pl�tzlich ganz vor der T�r hervortrat. Es war eine Sache ihn in v�lliger Dunkelheit nackt zu sehen... aber eine ganz ANDERE, das ALLES bei Licht zu betrachten... Urpl�tzlich durchfuhr mich eine Art Hitzewelle, die mir nur ZU bekannt vorkam.

 

Trevor wunderte sich, was sie f�r ein Gesicht machte, aber er empfand es nicht als unangenehm. Sie allerdings stand wie vom Donner ger�hrt da... und er wusste nicht so ganz, was er davon halten sollte.

 

>>Hey Sam. Hast auch Hunger?<<, fragte er und hielt mir ein Glas Schokolade hin. Ich bewegte mich nicht. Meine H�nde ballten sich zu F�usten. G�nsehaut schoss �ber meine Oberarme. DA war es es wieder! DIESES Gef�hl. DIESES Verlangen... nach einem... ich traute mich kaum, es zu denken... einem Mann!

 

Warum war sie denn hier, wenn sie gar nichts wollte?

 

>>Ich... nein... ich.. doch ich hab Hunger, ja.<< Und nach WAS ich jetzt Hunger hatte... regelrecht ausgelaugt war ich...

 

In ihren Augen spiegelte sich das Licht des K�hlschranks. Sie tat nichts. Stand einfach nur da und lie� ihre Blicke von oben nach unten �ber seinen K�rper gleiten und Trevor gefiel das.

 

Boah, hallo? Was war blo� mit mir los? Hier waren keine Worte, sondern Taten gefragt!

Langsam bewegte ich mich auf ihn zu und tat so, als wolle ich nach dem Glas in seiner Hand greifen, ber�hrte dann allerdings sein Handgelenk. Er schaute irritiert auf das, was ich da tat. Meine Augen verengten sich zu kleinen Schlitzen und ich tat f�r mich selbst so, als m�sste ich seinen Unterarm auf irgendwas untersuchen. Dabei versuchte ich nur nicht die ganze Zeit auf seinen braunen Oberk�rper zu starren. F�r mich waren diese Gef�hle bekannt, aber sie kamen mir neu vor. Wie ver�ndert. Doch ich war mir ganz sicher, dass ich das Gef�hl, das sich gerade durch meinen K�rper vorarbeitete, schonmal bei Jenni gef�hlt hatte. Mein Blick glitt �ber seinen Arm, nach oben, �ber seine Schulter und in seine Augen. Sie kamen mir weder �ngstlich, noch abgeneigt vor. Das reichte mir. Man musste mich auch verstehen. Ich... also... ich war nicht SO eine... aber SO eine war ich nun wieder auch nicht!

Vorsichtig trat ich noch einen Schritt n�her an ihn heran und schlang meine Arme um seine Taille, als wolle ich mich vor irgendetwas von ihm besch�tzen lassen. Mein Kopf ruhte auf seiner Schulter. Sein Herz klopfte einen schnellen Rhythmus. Ich war ein wenig ruhiger, was mir komisch vorkam. Von Jenni kannte ich dieses Verf�hrungsspielchen allerdings schon so gut, dass es eine Leichtigkeit f�r mich sein sollte, das Gleiche mit Trevor zu tun. Doch Trevor war ein Mann... und WAS f�r einer... und da war es etwas anderes!

 

Ein paar Sekunden musste Trevor �berlegen, was er tun sollte. Wegdr�cken, oder in den Arm nehmen? Beides konnte verh�ngnisvoll enden...

 

Seine Arme schlossen sich um meinen K�rper. Ich f�hlte mich geborgen, wie in einem warmen Nest. Mein Mund dr�ckte sich gegen seine warme Haut auf seiner straffen Schulter und meine H�nde strichen an seinem R�cken rauf und runter. Sein Finger dirigierte mein Kinn nach oben, sodass ich ihn ansehen musste. Das Braun in seine Augen war einem Tiefschwarz gewichen. Langsam kamen sich unsere Gesichter n�her. Es durchfuhr mich wie ein Blitz, als er seine weichen Lippen, auf Meine presste. In dem Kuss steckte noch mehr Zur�ckhaltung, als im n�chsten. Meine Zungenspitze tippte sch�chtern gegen seine Lippen. Er musste l�cheln. Fast h�tten wir losgelacht, anstatt uns weiterk�ssen, aber so weit kam es nicht. Sein Atem bebte. Ich schaute zwischendurch auf seine Augen, aber sie waren fest geschlossen. Seine H�nde �ffneten Knopf f�r Knopf, sehr langsam und bed�chtig, den Ausschnitt meines Schlaf-T-Shirts. Kurz l�sten sich unsere Lippen, damit ich es ausziehen konnte. Schnell schmiegte ich meinen K�rper wieder an Seinen und zapfte gleich noch ein bisschen W�rme. Z�rtlich spielten seine H�nde mit meinen Haarspitzen auf meinem R�cken. Ich hingegen war mit meinen H�nden ganz woanders. Da ich seinen Hintern ja immer nur in der Dunkelheit betrachten konnte, wollte ich f�hlen und da ich leider beim K�ssen nicht pfeifen konnte, blieb ihm verborgen, wie sexy ich ihn fand. Aber er sah ja im Allgemeinen ziemlich, ziemlich gut aus.

 

Trevor sp�rte, was sein K�rper versuchte ihm zu sagen und er h�rte auf ihn. Er umfasste ihre H�fte und setzte sie auf den K�chenthresen, der fast auf seiner H�fth�he lag. Ihre dunkelgr�nen Augen schimmerten smaragdfarben im Licht der K�hlschranks. Sie wusste gar nicht, wie oft er sich gew�nscht hatte, das mit ihr zu tun, was er gerade im Inbegriff war, zu tun...

 

Ich vertraute ihm. Es war komisch, aber sch�n. Es war wirklich etwas v�llig anderes.

Meine H�nde hielten mich an ihn gedr�ckt. Er k�sste so gut, so hingebungsvoll. Ich merkte ganz genau, als er in mich eindrang, aber es war kein Schmerz, sondern es f�hlte sich eher an, wie eine Erl�sung. Die Erf�llung eines langgehegten Wunsches. Ein leises St�hnen entrang sich meiner Kehle.

 

Trevor wunderte sich, obwohl er sich nicht wundern brauchte. Er h�tte damit rechnen k�nnen, dass sie noch Jungfrau war, doch na ja... er hatte es nicht getan und jetzt schmeichelte es ihm irgendwie noch mehr...

 

Ein jungenhaftes Grinsen umspielte seine Lippen. Er sah mir tief in die Augen und ich erwiderte seinen Blick ohne zu zwinkern. Seine H�nde hielten meine H�fte und dr�ckten mich vorsichtig gegen sein Becken. Ich schloss wie in Zeitlupe meine Augen. Meine Beine schlangen sich um Seine. Zaghaft begann er sich zu bewegen. Ich pustete zufrieden die Luft durch meine Nase. Es f�hlte sich verboten gut an. ER war es, der sich so verboten gut anf�hlte. Ich war wie von Sinnen. Als w�rde ich in einem Rausch existieren...

 

Er war sich bei ihr doch immer so sicher gewesen, dass sie niemals etwas von ihm wollen w�rde... er h�tte eher mit Janie gerechnet, als mit Sam und DAS hatte schon etwas zu bedeuten, doch er konnte sich nicht helfen: Er war dem Ganzen ganz und gar nicht abgeneigt und er fand es wahnsinnig aufregend. Und vor allen Dingen, das war nunmal so, machte es tierisch ihn an, dass sie lesbisch war und trotzdem mit ihm schlief... 

 

Er hatte, das merkte ich, schon einige �bung in diesen Dingen, selbst wenn er erst eine richtige Freundin gehabt hatte, die musste ihm Dinge beigebracht haben, die meinen Verstand zum Aussetzen brachten! Ich dachte gar nicht daran, dass vielleicht Erik und Ash nach Hause kommen konnten, oder irgendwer runterkommen konnte, um zu sehen, warum hier Licht brannte... das alles interessierte nicht. War nicht mehr wichtig.

Sein Atem ging einen Tick schneller, genau wie meiner. Mir war so hei�, mein Gesicht gl�hte. Ich sah sicher aus, wie eine Tomate. Seine H�nde ber�hrten mich so hingebungsvoll... als wollten sie mir zeigen, dass auch M�nner beim Sex gef�hlvoll sein konnten... das wusste ich. Seit jetzt.

Zuerst war ich ein wenig verwirrt, als er mit seiner Hand meine Nacken hielt und meine Kopf an seine Schulter dr�ckte, aber dann merkte ich, was ihm bevorstand und ich f�hlte ganz genau, was in ihm vorging. Es machte mich unbeschreiblich gl�cklich. Ich l�chelte von einem Ohr zum Anderen, als er mich ansah. Den Gesichtsausdruck, den er in diesem Moment hatte, w�rde ich niemals wieder vergessen. Es war der wunderbarste Anblick, den ich bisher gekannt hatte.

Das Einzige, das wir in dieser Nacht noch sprachen war: >>Wir haben vergessen, den K�hlschrank zuzumachen.<<, bevor ich seine Hand ergriff, ihn hoch in sein Zimmer zog und nochmal dort von vorne begannen, als ich ihn umarmt hatte.

 

-13-

In meinem Kopf drehte sich so einiges. Erst, als ich meine Augen aufschlug wurde es wieder langsam besser. Knurrend wand ich meinen Kopf nach rechts und blinzelte einem l�chelnden Gesicht entgegen.

>>Morgen, gut geschlafen?<<, fl�sterte er und knautschte sein Kissen wieder zurecht. Ich nickte und schloss die Augen wieder. Es war nicht wie ein Blackout. Ich wusste ganz genau, was passiert war und ich wusste auch, wie gut es gewesen war... aber das war's auch. Irgendwie f�hlte es sich an, als h�tten wir gestern Nacht gar nichts Besonderes getan... als h�tten wir Mau Mau gespielt... keine Ahnung. Dabei hatte ich das erste Mal in meinem Leben mit einem Mann geschlafen und ich hatte es sehr, sehr genossen, was mich noch mehr wunderte.. ich fand's nicht schlimm.. nur seltsam.

>>M�sst ihr nicht los?<<, fragte ich leise und schaute auf meine dunklen Armh�rchen.

>>Nein, heute ist doch die Hochzeit und du musst aufstehen.<<

>>Wieso?<<

>>Weil du noch das Kleid anprobieren musst. Hat Janie gesagt.<<

>>War sie schon hier??<<, fragte ich und setzte mich auf, um schneller wach zu werden. Doch Trevor konnte mich beruhigen: >>Nein. Das hat sie nur gestern gesagt. Also raus hier! Das is' mein Bett und ich hab hier die Hosen an!<<

L�chelnd hob ich die Bettdecke und sch�ttelte den Kopf: >>Nein, hast du gar nicht.<< Er zuckte die Schultern und riss die Decke wieder runter.

>>Ich hab alles schon gesehen.<<, murmelte ich, stand aber auf und ging unter die Dusche. Ich merkte erst dort, dass ich genauso wenig anhatte, aber mich st�rte das nicht. Zu Hause rannte ich auch meist nackt umher. Auf jeden Fall f�hlte es sich an, als w�rde zwischen uns weniger Spannung herrschen, als gestern Nacht. Anscheinend hatte sich �ber die paar Tage eine Art Gef�hlsstau bei mir angenistet, den mir Trevor gestern restlos genommen hatte, denn ich f�hlte mich besser denn je!

Das hei�e Wasser prasselte auf meine Haut. Gen�sslich legte ich den Kopf in den Nacken und pustete die Tropfen von meiner Nase.

>>I am singing in the rain... and I'm happy again...<<, sang ich laut und schief.

>>Nicht so laut, oder willst du das ganze Haus mit deinem Gejaule aufwecken?<<, fragte Trevor leise. Er stand hinter dem Vorhang, das h�rte ich genau.

>>'Tschuldigung... ich bin gleich fertig.<<

>>Nee, lass dir Zeit. Ich geh' unten duschen, das ist wahrscheinlicher.<<

Wahrscheinlicher? Ach ja, er hatte ja >unten geschlafen<, dachte ich bei mir und l�chelte erneut in Erinnerung an letzte Nacht. Wir wussten beide, dass das eine einmalige Sache gewesen war. Und das war auch gut so.

>>Ist gut.<<, schrie ich gegen das Wasser an und duschte weiter. Anschlie�end zog ich mir ein frisches T-Shirt an, eine kurze Hotpants und huschte nacktf��ig die Treppe runter. Trevor duschte noch. Mein Magen knurrte, aber ich hatte keine Lust, mir was zu machen. Viel lieber wollte ich mal ein bisschen nach drau�en... mal sehen, was der Tag noch so bringen w�rde...

 

>>Das Kleid passt! ES PASST!<<, jauchzte ich erfreut. Janie und ihre Mom Nicci betrachteten zufrieden ihr Werk. >>Dreh' dich mal!<<, bat Nicci und schlug die H�nde wie zum Gebet zusammen. Ihr L�cheln schien keine Grenzen zu kennen. Amy, Janie's kleine Schwester war ebenfalls eine Brautjungfer. Pl�tzlich wurde meine h�bsche Cousine jedoch nachdenklich. Pr�fend schaute sie mich an.

>>Sam, sag' mal... kommt Jenni noch?<< Ich knabberte mir auf der Unterlippe herum. Die Frage musste ja kommen.  Janie hatte sie anscheinend schon die ganze Woche vor sich her geschoben.

>>Um ehrlich zu sein, nein, genau wei� ich's nicht, aber...<<

>>Vielleicht kommt sie ja... das dritte Kleid lass' ich jedenfalls hier.<<, sagte sie wieder vergn�gt und zupfte nochmal in meinen Haaren herum, die fest hochhezurrt waren. Bl�ten oder sowas hingen darin. Ich sah aus wie eine Blumenfee... na ja, mein Job sah ja �hnlich aus. Einen Schritt machen, stehen bleiben, Blumen werfen, einen Schritt machen, stehen bleiben... und immer so weiter, bis zum Altar, was in diesem Fall ein Podest war.

 

Es wurde irgendwie alles immer hektischer. Amy, Ashley, Trevor, Erik, Dan und ich fuhren gemeinsam in einem Van zum Anwesen von Janie's Onkel. W�hrend sich die Jungs noch im Haus ihres Onkels fertig anzogen besichtigte ich den Traualtar und alles drumherum. Hier war es echt wahnsinnig sch�n. Alles mit Blumen geschm�ckt. Es gab keine St�hle, sondern nur Decken auf die man sich setzte. Ich fand's einfach nur herrlich und unheimlich herzlich. Die ganze Atmosph�re strahlte so eine Vorfreude aus, dass ich das Gef�hl bekam, ich w�rde hier heiraten und nicht Cousine Janie. Aber wen sollte ich auch heiraten? Jenni? Hm.. don't know. Not yet.

Die Idylle war nur etwas von den Lautsprechern gest�rt, die den Altarplatz wie ein Viereck umgaben. An jeder der vier Ecken stand Einer und das sah schon ein wenig komisch aus, aber selbst die schwerh�rigste Omi sollte ja die drei kleinen W�rtchen: >>Ja, ich will.<<, verstehen. Darauf w�rde ich bei meiner Hochzeit auch achten! Grannie Beth war halb taub... argh! Ich war ja schon wieder beim Thema Hochzeit. Das sollte ich mal lieber lassen, sonst kam ich noch in eine unbegr�ndete Feierlaune. Doch eigentlich... warum sollte ich nicht feiern... eine Hochzeit erlebte ich doch jetzt das erste Mal und gestern Nacht... da war es auch mein erstes >richtiges< Mal gewesen. Das musste man doch feiern!! Mit Trevor feiern... er war schlie�lich so nett gewesen... aber Momentchen mal! Nett? Er war so nett gewesen?? Sam, zur H�lle, was denkst du dir denn? Dass Trevor dir einen Gefallen tun wollte... haupts�chlich wollte er sicherlich sich selbst und seiner M�nnlichkeit einen Gefallen tun, was ich nicht abwertend betrachten konnte. Er war ja auch nur ein Mann und mir hatte es ja gefallen.. sehr sogar. Ich erinnerte mich daran, dass ich diesen mir-hat's-wirklich-gefallen-Gedanken schon das 40. Mal heute hatte...

 

>>Samantha!<<, rief es aus dem riesigen Haus. Die ersten G�ste schienen einzutrudeln. Okay, was hei�t trudeln? Sie flossen wie eine Sintflut in den riesigen Garten und wunderten sich erstmal �ber die >komischen< Sitzgelegenheiten. Och, wen st�rt's.. au�er Omi's und Opi's... f�r die war das im Schneidersitz sitzen sicherlich so �hnlich wie Yoga f�r mich! Ob Janie und Jacob nicht doch Erbarmen mit ihnen hatten und ihnen St�hle besorgten... we will see!

Ich drehte mich um und schaute in das erfreute Gesicht meines Onkels.

>>Onkel Steve! Ist das sch�n, dich wiederzusehen!<<, schrie ich von einem Ende des Platzes zu ihm her�ber. Mit diesem Kleid konnte man echt nicht schneller gehen als Schneckentempo mit angezogener Handbremse, deshalb war Onkel Steve, Janie's Papa, auch schneller bei mir und gab mir einen Kuss auf die Wange, w�hrend er mich umarmte.

>>Wie geht's dir? Lass dich anschauen! Wie erwachsen du geworden bist!<< Seine Lachfalten und seine gebr�unte Haut sahen ihn aussehen, wie ein Model und nicht wie ein 42-J�hriger Mann auf dem besten Wege der Midlife Crisis. Und er passte wirklich au�erordentlich gut zu Nicci, Janie's Mom.

>>Ja, wir ham' uns lang' nicht mehr gesehen!<<, grinste ich. Er schaute einmal an mir herunter.

>>Schick, schick... muss man dir ja lassen... die M�nnerherzen fliegen dir sicher aus aller Welt entgegen...<<, poetisierte er lautstark. Ich grinste und sch�ttelte den Kopf.

>>Onkel Steve, lass das! Du wei�t, dass, wenn es so w�re, es mir egal w�r'!<< Er nickte und gab mir noch ein K�sschen auf die Wange. Mit einem gespielt entt�uschten Ton sagte er, zum Gehen gewandt: >>Ach, dann brauch' ich dir den Sohn eines Bekannten von uns wohl nicht mehr vorzustellen, was?<< Ich lachte auf und winkte ab: >>Nein. Das ist nicht n�tig, es sei' denn, er hat eine

Schwester!<< Es sei denn, er hat eine Schwester... h�h�h�h���... Sam! Du bist SO bescheuert! Was faselst du da?

Wie hypnotisiert blickte ich dem Eingang entgegen. Immer mehr Leute, die ich noch nie gesehen hatte, stapften wie eine Herde verschiedener Tiere hier herein, wie auf die Arche Noah. Immer zu zweit, immer P�rchen.. klasse! Die Einzige, die hier ohne Partner erscheinen werden, sind Trevor, Amy und ich. Der Rest scheint hier entweder verheiratet, vergeben, verklemmt, verliebt oder ver...sonstwas zu sein... aber nein, gute Laune, gute Laune! Sam, mach dir sch�ne Gedanken! Zum Beispiel von letzter Nacht! Ein Schauer jagt meinen R�cken herunter und steckt in meinen Stilettos. Shit ey, ich wollte doch aufh�ren daran zu denken, an Trevor's K�rper zu denken... ja, wenn ich ehrlich war, besch�ftigte mich sein K�rper, der K�rper ohne Trevor... nur so.... *r�usper* der K�rper! Sam! Dir fehlt nur noch eine aus dem Hals h�ngende Zunge und du k�nntest als irrer Fan durchgehen! Wei� ich, ob Fans schonmal so vor Trevor gestanden haben, aber wenn er nackt gewesen war, dann JA!

>>Sam, kommst du mal bitte?!<<, rief Nicci aus der Villa. Ich nickte stumm und setzte mich in Bewegung. Meine Gedanken liefen im Kreis. Immer um einen Punkt, oder na ja, wie gesagt: einen K�rper!

>>Ja, was ist denn?<<, fragte ich au�er Atem. Die Treppen mit diesen Schuhen?! UFF!

>>Da ist jemand an der T�r f�r dich!<< Ich legte meinen Kopf schief. An der T�r? Hier? F�r mich? Wieso kam dieser Jemand nicht einfach durch das Tor auf den Trauplatz herein, wie alle anderen G�ste auch? Wieso... Oh! Oh! Oh! Ohhh... nein... oh nein, oh nein... oh shit... oh verdammt... oh... Gott! Ich hatte eine gaaanz vage Vorahnng und sie sollte sich bewahrheiten.

>>Hey Sam...<<, hauchte eine weibliche Stimme vor mir. Mein Herz machte einen Riesensatz in ihre Richtung.

>>Jenni...<<, fl�sterte ich, obwohl so eine Lautst�rke bei dem Gemurmel der ganzen anderen G�ste gar nicht angebracht war. Egal... Fakt war: Meine Handfl�chen fingen gerade m�chtig an zu schwitzen! Sie sah so gut aus! So s��! So... so nach Jenni einfach. Nach meiner Jenni, meinem Schatz, meiner Freundin... Ex-Freundin.. innerlich seufzte ich einmal laut auf.

>>Darf ich reinkommen?<<, fragte sie fast sch�chtern. Gott, diesen Tonfall war ich von ihr gar nicht gew�hnt!

>>K...klar, komm rein, es ist in Ordnung, Janie hat sicher nichts dagegen, willst du...<< Ich brach mitten im Satz ab, weil ich schon wieder viel zu viel sagte und mich verhaspelte bis zum get no.

Sie schaute einmal kurz auf den Boden und betrat dann das Haus. Ihre braune Haut schien heute in noch sch�neren Schattierungen zu gl�nzen und ihre schwarzen, lockigen Haare kringelten sich an ihrem Kinn herunter... ihr Mund... ihr Gesicht..  ihre Augen... ihr...

>>Sam, ich...�h, ich... es tut mir leid.<< Das sagte sie mir so einfach hier in der Eingangshalle? Okay...

>>Wirklich, glaub' mir! Wenn ich...<<

>>Komm mit!<<, unterbrach ich sie, drehte mich um und ging raus auf den Trauplatz. Die >Sitzpl�tze< waren schon ziemlich besetzt. Leise Musik spielte. Ich schaute mich einmal nach Janie, Nicci, Steve oder Amy um, aber niemand war zu sehen. Meinen Schritt beschleunigend huschte ich am Altarspodest vorbei und stellte mich dahinter. Jenni blieb Z�hneknirschend vor mir stehen und sah mir eindringlich in die Augen. Bittend. Flehend. Nicht der Hundeblick Jenni! Nicht heute! Der gilt nicht!

>>Lass das!<<, zischte ich und sch�ttelte den Kopf. In mir wallte nicht sowas wie Wut auf, nur ein wenig Zorn dar�ber, dass meine K�rperreaktion auf sie so heftig gewesen war und das noch immer.

>>Entschuldige, Sam.<<, stammelte sie wieder etwas kleinlauter.

>>Ich glaube es ist besser, wenn wir reden.<<, stellte ich fest. Sie nickte: >>Ja.<< Einmal die Unsicherheit herunterschlucken und schon redete sie weiter: >>Sam, ich bin nicht hergekommen, um Brautjungfer zu sein, also um Janie's Willen, sondern wegen dir.<< Das wusste ich doch... alles andere w�re auch ganz sch�n dreist gewesen, oder? Na ja, okay... dann nicht, aber nun war sie ja wegen mir hier! Klappe, du d�mliches Gewissen!

>>Ja, okay.<<, murmelte ich nur in meinen nicht existierenden Bart.

>>Und... und du sollst wissen, dass ich dich immer noch liebe und so kitschig es sich anh�rt: Ich will dich... also, ich will dich zur�ck haben! Es ist schei�e ohne dich...<< WAS f�r ein Kompliment... da hab ich sie eine Woche nicht gesehen und anstatt einem >Ich f�hl' mich einsam ohne dich!<, kommt ein: >Es ist schei�e ohne dich...< Herrlich, Jenni, ich liebe deinen Humor und wenn ich ehrlich zu mir selbst bin... und das bin ich immer und absolut und �berhaupt, dann... dann liebe ich sie eigentlich immernoch. Nur, mit Trevor war das was anderes. Das war keine Liebe, das war nur einfach animalisch. Ein Reflex, der erst gestern Nacht eingesetzt hatte. Ein guter, sehr guter Reflex, aber eben nur eine Erfahrung, die mich nur noch mehr davon �berzeugt hatte, dass ich einen Mann nicht lieben konnte, weil ein Mann nunmal einfach nicht so war, wie ich. Sie hatten andere Probleme, sie hatten andere Bed�rfnisse, auch was das Sexuelle anbelangte UND sie waren einfach nicht Jenni. Kein Mann konnte Jenni ersetzen und das merkte ich nicht erst jetzt, sondern das wusste ich schon, seit ich am Telefon mit ihr Schluss gemacht hatte. Und jetzt stand sie vor mir, geknickt und traurig und bat mich um Entschuldigung... ich wollte ja, ich wollte, doch durfte ich wieder nachgeben? Aus Liebe? Also, eine Entscheidung aus Liebe? Zur H�lle...

>>Ja.<<, sagte ich in einem Ton, nicht mehr als ein Hauchen.

>>Was, ja? Hei�t das...<< Tja, jaaaa, was sollte das denn hei�en? >Ja, es ist ganz sch�n schei�e ohne mich, Jenni!< oder: >Ja, in Ordnung, wir sind wieder zusammen!<?

>>Ja, ich liebe dich auch.<< Du h�ttest ihr Gesicht sehen sollen, als ich das ausgesprochen hatte, was sie sich anscheinend schon mehr als 80 Stunden w�nschte... ein breites L�cheln �berflutete ihr ganzes, wunderbares Gesicht, ihre wei�en Z�hne blitzten auf und eine feste Umarmung folgte auf die davor.

>>Oh Gott Sam... ich.. ich liebe dich auch.. ich liebe dich auch... ich liebe dich... ganz doll... so sehr... so... lass mich nie wieder allein!<< Ich sollte sie nicht mehr allein lassen? Okay, ignorieren wir den Kommentar einfach, ja? Bestimmt hatte sie damit gemeint: >Verlass' mich nie wieder!<< Das hatte ich auch gar nicht vor. Allein schon, als ihr Mund ein K�sschen auf mein Wange dr�ckte hatte ich das dringende Bed�rfnis sie irgendwo in den Busch zu ziehen... oops...

>>Hey Sam... k...<<, Trevor blieben die Worte im Hals stecken. Dort stand Sam, eng umschlungen mit Jenni... wenn das Jenni war.. der Beschreibung nach schon... DAS war also Jenni... DIE Jenni... Sam's Jenni? Hmmm... und DIE war lesbisch.. das war ja.... �h, ganz sch�n schade! Trotzdem... es war ein komisches Gef�hl Sam Jenni k�ssend zu sehen, gestern Nacht hatte sie ihn noch gek�sst, aber es machte ihm nicht soo viel aus, sie musste auch gl�cklich werden in ihrem Liebesleben und da konnte sie nicht auf einen Trevor Lee Scott Penick R�cksicht nehmen, dem die letzte Nacht zuf�llig schon etwas bedeutet hatte...

 

-14-

>>Oh Trev... hey! DU HIER?<<, riss ich mich von Jenni los und biss mir ein bisschen, aber nur ein bisschen, ertappt auf die Unterlippe.

>>Ja, �h, ich wollte euch holen, die Zeremonie f�ngt in zehn Minuten an und ihr m�sst noch... Jenni?<< Erst jetzt kam er mal auf die Idee zu fragen, ob das wirklich Jenni sei. Komisch, er hatte sie trotzdem die ganze Zeit lang angestarrt. Jenni sah aus wie ein Karamellbonbon.. so stellte er sich seine Traumfrau vor, nur j�nger, vom �u�erlichen her... warum passierte ihm eigentlich immer sowas Dummes?

Jenni trat einen Schritt hervor und gab ihm ermutigend die Hand.

>>Ja, Jennifer Turner und du bist?<<

>>Trevor, Trevor Lee Scott Penick, freut' mich.<<

Ich stand daneben und sah seelenruhig (�u�erlich!!) mit an, wie meine lesbische und meine nicht lesbische Seite sich die Hand gaben und begr��ten. Verwirrung war in Trevor's Augen zu lesen, sie w�rde ihn sich schnappen, wenn sie mal eine Minute Zeit hatte und ihm alles erkl�ren, aber jetzt fiel ihr bei all der ganzen Aufregung auch noch ein, dass Jenni ihr Brautjungfernkleid noch nicht an hatte...

 

2 b continued soon... I promise!

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