-8-
>>Jenni!
Jenni!<<, keuchte ich im Schlaf. Schon wieder diese Albtr�ume. Wie ein
Blitz schoss es mir durch den Kopf. Aufwachen! Ich musste aufwachen! Ich zwang
mich selbst dazu. Keuchend schlug ich die Augen auf. Irgendjemand hatte mir
geholfen und mich aufgeweckt. >>Sam, meine G�te! Was hast DU denn getr�umt?<<,
fragte eine Stimme, die ich erst beim zweiten Anlauf erkannte.
>>Trevor!
Danke.<< Das Wohnzimmer war stockdunkel. Die dunkelgr�nen Vorh�nge waren
vorgezogen. Ich sah nur seine Umrisse. Meine H�nde suchten nach der Bettdecke.
Sie war nirgends zu finden.
>>Danke?
Wof�r?<<, fragte er verwundert.
>>Dass
du mich aufgeweckt hast. Ich schaff' das immer nicht. Ich denke mir: >Sam, du
musst aufwachen!<, aber ich schaff's nicht alleine. War ich so laut?
Entschuldigung, wenn ich dich aufgeweckt hab.<<
Bestimmt
sch�ttelte er gerade den Kopf. Auf jeden Fall stritt er das ab: >>Nee,
nee hast du nicht. Ich wollte auf's Klo und hab dich rufen geh�rt. Erst hab ich
gedacht, du rufst nach mir, aber...<<
>>Wieso?
Was hab ich denn gerufen?<<
>>Das
hab ich ja eben nicht verstanden... 's klang wie: >Geh weg!< oder
>Fleck weg!<... irgend sowas.<< Ich h�rte ihn lachen, setzte mich
auf und kam seinem Gesicht n�her, um zu sehen, wie er guckt. Irritiert zog er
seinen Kopf zur�ck. Jetzt tat ich beleidigt: >>Hey du! Ich bei�e nicht!
Ich wollte nur sehen, wie du reagierst.<< Er atmete auf und kam wieder n�her.
Grinsend. Aha, wusst ich's doch! Er fand das wohl lustig. Wenn er gerne mal tr�umen
wollte, dass seine Freundin von einem Monster aufgefressen wurde, konnte ich
gerne mit ihm tauschen!
>>Nee...
sorry... ich... ich dachte nur...<<, stotterte er unsicher. Ich boxte ihm
in den Bauch. Er war schon wieder oben ohne. Seine Haut war warm und zart..
>wie
Babyhaut<, schoss es mir ein. Da musste ich wieder an Jenni und ihren
Kinderwunsch denken. Oder ihren >vorget�uschten< Kinderwunsch. Was
wirklich Sache war, w�rde ich ja erst erfahren, wenn ich mal ordentlich mit ihr
reden konnte und, dass ich sobald die Gelegenheit dazu haben w�rde, war nicht
in den n�chsten drei Tagen zu erblicken. NAT�RLICH hatte sie viel zu tun und
das verstand ich doch auch... ach Mann... ich vermisste sie aber nunmal so. Und
was ich auch vermisste, war... na ja, wie soll ich >denken<... das
Miteinander mit ihr. Ihre Ber�hrungen, die mich immer so wahnsinnig machten,
weil sie das einfach so meisterhaft konnte... und ich hatte das Gef�hl sie
verstand mich viel besser als ein Mann, weil sie auch eine Frau war. Sie hatte
die selben Probleme mit ihrem K�rper und mit ihr konnte ich dann auch dar�ber
reden. Bei einem Mann konnte man sich nicht ausheulen, weil man mal wieder auf
der roten Welle surfte... war nunmal so. Aber woran dachte ich hier schon
wieder?
>>Was
dachtest du nur?<<, fragte ich l�chelnd. Er zuckte die Schultern, aber
ich wusste schon, was los war.
>>Trev,
bei mir is' das ja nu' wirklich nicht das Gleiche. Ich k�ss' doch keinen
MANN!!<< Er lachte leise auf. >>Oooohhh jaaaa, wie eklig... ich
verga�!<< Kopfsch�ttelnd erwiderte ich: >>Das sag' ich ja gar
nicht! Aber eine Frau zu k�ssen ist besser und heute w�rde ich auch freiwillig
keinen Mann mehr k�ssen!<< Trevor setzte sich in den Schneidersitz, was
mir signalisierte, dass er einem l�ngeren Gespr�ch entgegensah. Na ja,
meinetwegen. Er war wenigstens nicht so'n Tuffi, wie einige Jungs, die ich
kannte. Trevor war cool und na ja... im Moment zwar nicht so locker, aber...
>>Dann wei� ich ja jetzt, dass ich vor dir nichts zu bef�rchten
hab.<<, witzelte er gelassen.
>>Nee,
hast du nicht. Es sei denn, du hast 'ne h�bsche Freundin!<<
>>Wag's
dir! Aber nee, ich hab keine.<<
>>Warum
nicht? Vor Angeboten kannst du dich sicher kaum retten. Ich mein, laut den
Messages da drau�en an der Mauer hast du schon so 'n Dutzend Kinderchens.<<
>>Das
ist aber Quatsch. Ich steh' nicht so auf One Night Stands und hatte auch erst
eine richtige Freundin.<<
>>Du
siehst nicht so aus, als w�rst du... wie soll ich sagen?<<
>>Der
Sch�chterne?<<
>>Doch,
DAS seh' ich dir an.<<
>>Na
danke...<<, schmollte er. Ich boxte ihm wieder in den Bauch. Wieder
Seidenhaut.
>>Wie
so'n Aufrei�erspacki siehst aber auch nicht aus. Da kann ich dich beruhigen,
Trev.<<
>>Das
bringt mir jetzt aber viel. Kennst du nicht zuf�llig 'n paar...<<
>>�h,
ich glaub alle die ICH kenne, stehen nicht so auf die m�nnliche Sorte, wenn du
wei�t, was ich meine...<< Ich zwinkerte ihm zu, aber das sah man in
dieser Dunkelheit gar nicht. Er machte aber ein gespielt entt�uschtes Gesicht.
>>TOLL!
Und was n�tzt mir jetzt deine Freundschaft, he?<< Ich zog die Augenbrauen
hoch und fragte: >>Das ging aber schnell... vielleicht will ich gar nicht
mit dir befreundet sein? Du bist 'n MANN!<< Das Wort >Mann< hatte
ich nochmal extra abf�llig betont. Es hatte seine Wirkung nicht verfehlt.
*hehe*
>>Entschuldigung...
ich dachte ja nur...<<
Mein
Finger zog seine Unterlippe herunter. So sah es aus, als machte er einen auf
dicke Lippe. Mir fiel nur noch auf, dass er naaaa? Ja. Weiche Lippen hatte, die
mich an Jenni erinnerten. Es zog kurz in meinem K�rper. Er vermisste sie, wie
ich sie vermisste. Ich konnte nicht mehr lange ohne sie... ohne ihre Ber�hrungen,
ihre K�sse... meine Gedanken gingen tiefer, ohne, dass ich es wollte. Ein tr�umerisches
L�cheln bildete sich in meinem Gesicht.
>>Denkst
wieder an Jenni?<< Ich nickte und musste einmal auf den Boden sehen, weil
ich an Jenni UND mich zusammen dachte... und ER dachte bestimmt ich stellte mir
ihr L�cheln oder so'n Kinderkram vor... *hehe*
>>Wie
lange seit ihr jetzt schon zusammen? Ach nee... das hab ich schonmal gefragt,
oder?<< Ja, das hatte er, aber ich beantwortete die Frage gerne auch
nochmal: >>Sechs Jahre.<<
>>Das
w�nsch' ich mir auch.<<, sagte er wie zu sich selbst und schaute 'gen
Zimmerdecke. Ich l�chelte und sagte: >>Eine sechsj�hrige
Beziehung?<<
Er
nickte, immernoch mit dem gleichen Gesichtsausdruck. Ich beobachtete seinen
Mund, wenn er sprach. Da achtete ich irgendwie drauf.
>>Ja.
Ich find' das toll. Auch das mit Janie und Jacob, jetzt.<<
>>Genau.
Die Zwei sind ein Paradebeispiel daf�r, dass es die eeewige Liebe
gibt.<<,
gab ich wie ein Poet zum Besten.
>>Daf�r
braucht es sicher viel Geduld. Ich hab das Gef�hl ich h�tte kein Problem damit
Freundin und Job unter einen Hut zu bekommen, aber Kelly, meine Ex-Freundin
hatte ein Problem damit... das hat mich schon verletzt.<<
>>Hat
sie mit dir Schluss gemacht?<<
>>Ja.
Ich wei� es noch wie gestern. Sie hat gesagt: >Trev, ich kann mit dir so
keine Beziehung f�hren.< Und das war hart, echt hart.<< Mein Kopf
schwang auf und ab, wie eine Taube. Ich konnte diese Kelly gut verstehen.
>>Ich
glaube, ich h�tte das Selbe getan, an ihrer Stelle.<<
>>Du
h�ttest auch mit mir Schluss gemacht?<<
>>Na
ja, das kann ich jetzt nicht beurteilen. Ich wei� nicht, wie das alles
war...<<
Er biss sich auf die Unterlippe. Meine Augen fuhren einmal �ber seine ganze
Gestalt und beschr�nkten sich dann wieder auf sein Gesicht. Das mit seiner
Kelly schien ihn so sehr getroffen zu haben, dass es ihm heute noch schwer fiel,
dar�ber zu reden. W�rde es Jenni und mir genauso gehen, falls ich
>diesen< Schritt tats�chlich wagen w�rde. Keiner sagte, dass es leicht
werden w�rde... eine Beziehung war manchmal etwas wirklich Kompliziertes!
>>Bist
du nicht manchmal froh, keine Freundin zu haben?<<, fragte ich verwundert.
>>Schlie�lich st�rt es sicher auch mal.<<, f�gte ich hinzu.
Trevor
sah mich an, als h�tte ich ihm gerade sein Lieblingslolli gemopst.
>>WAS?<<,
fragte ich, die H�nde mit den Handfl�chen nach oben zeigend, haltend.
>>Es
ist jawohl das Beste �berhaupt eine Freundin zu haben! �berleg' mal... sie ist
da, wenn du sie brauchst, sie gibt dir das Gef�hl, du w�rst etwas Besonderes,
sie gibt dir einfach alles was du brauchst... du kannst sowas von froh sein,
dass du eine Freundin hast! Echt, Sam! Glaub' mir, meine Situation is' momentan
echt dumm... ich hasse es, keine Freundin zu haben!<<
Wohow..
schon gut, Trevor! Ich verstand ihn ja... aber er wusste auch nicht um meine
derzeitige Situation, also konnte er das auch nicht beurteilen.
>>Dann
hoffe ich wirklich sehr f�r dich, dass du bald das Girl f�r's Leben
findest.<<
>>Ich
such' ja schon immer...<<
Schnell
unterbrach ich ihn: >>Das eben sollst du ja NICHT tun! H�r' auf zu suchen
und dann l�uft sie dir einfach so von allein �ber den Weg. Glaub' mir, das
funktioniert.<< Er nickte nachdenklich. Ich hoffte, er hatte meinen Tipp
wirklich ernst genommen.
Trevor
ging nach oben und ich legte mich auch wieder schlafen. Diesmal ohne Albtraum,
aber auch ohne viel Liegekomfort, wegen dieser beschissenen Couch. N�chste
Nacht w�rde ich aber auf einen anderen Schlafplatz bestehen. Hier konnte ja
niemand schlafen. Vielleicht durfte ich mich ja zu Trevor gesellen. Der hatte
doch sicher nichts dagegen... schlie�lich schien er mich zu m�gen. Ich freute
mich �ber einen Freund. Wer tat das nicht?
-9-
Janie
machte Fr�hst�ck, doch ich a� nichts. Der Drang Jenni anzurufen wurde st�rker
und ich konnte an nichts anderes mehr denken. Auch, als Janie vorschlug mit mir
in die Stadt zu gehen, um mir einiges zu zeigen, lehnte ich zwar nicht ab, war
aber immernoch nicht ganz da.
>>Was
besch�ftigt dich?<<, fragte sie �berfl�ssigerweise, als wir zum Mittag
in einem Restaurant sa�en. Einige junge M�dchen kamen zu uns an den Tisch und
fragte Janie nach einem gemeinsamen Foto, das sie gerne mit ihnen machte. Ich
wurde nur einmal kurz von oben bis unten angeschaut. Es interessierte mich nicht
wirklich, was abging. Bis sie mich fragten, ob sie mich kennen w�rden. Warum
fragten sie mich das blo�? Wie kamen sie �berhaupt darauf, mich anzusprechen?
>>Nein,
bestimmt nicht.<<, antwortete ich l�chelnd. Bestimmt sah man mir wieder
nicht an, dass mir danach nicht zumute war. Jenni meinte, ich w�re eine gute
Schauspielerin. Das fand ich cool, zumal ich die Schauspielerei sehr bewunderte.
Aber das war ja jetzt und hier sowieso egal. Das Einzige was z�hlte war, dass
sie endlich gingen. Ich hatte generell nichts gegen Fans, ich war das zwar nicht
gew�hnt, doch trotzdem... ich war halt nicht ganz bei der Sache. Mit den
Gedanken immerzu bei Jenni. Meiner S��en... sie hatte nichtmal eine Gute Nacht
SMS geschickt und ich ihr folglich auch nicht.
>>Immernoch
Jenni? Hast du sie noch nicht angerufen?<<, fragte Janie und a� weiter an
ihren Nudeln. Mein Hunger hielt sich in Grenzen. Ich verstand Jenni in diesem
Moment auch nicht. Sie hatte doch immer solche Angst, ich w�rde einfach mit ihr
Schluss machen und dann tat sie nichts daf�r, dass das NICHT passierte... schon
seit zwei Monaten nicht mehr... lief da woanders was? Oh Gott... mir kam jetzt
erst die Erkenntnis, dass es auch diese Variante sein konnte, die sie dazu
trieb... wie Schuppen pellte es mir von den Augen. Ich sa� da, wie gel�hmt und
traute mich nicht zu zwinkern.
>>Sam?
Alles okay?<< Wie vom Donner ger�hrt sa� ich auf meinem Stuhl und lie�
meine Gabel sinken.
>>Was
ist los mit dir? Sag' schon.<<
>>Jenni
hat jemand anderes...<<, fl�sterte ich tonlos. Janie verengte die Augen
zu Schlitzen und machte dann eine abwertende Kopfbewegung.
>>Ach
was!!<<, entschied sie lautstark. Doch ihr Gesichtsausdruck verriet mir
nur allzu genau, was sie wirklich dachte. Ihr war gerade, genauso wie mir ein
Licht aufgegangen und jetzt musste ich Jenni noch dringender anrufen, als
vorher.
>>Das
glaubst du doch nicht wirklich, oder Sam?<<, fragte sie geschockt. Ich
sagte gar nichts, stand auf und ging in Richtung Damentoiletten. Dort atmete ich
einmal tief durch, z�ckte mein Handy und w�hlte ihre Nummer. Meine Finger
zitterten vor Aufregung.
>>Jennifer
Turner, hallo?<<, erklang ihre liebliche Stimme. Ich war drauf und dran
wieder aufzulegen. Wenn sie sich so s�� anh�rte, konnte ich doch nicht...
ohne wirklich ersichtlichen Grund... argh. Warum machte sie es mir so schwer??
Ich bekam dieses Gef�hl... das so piekend und qu�lend in meinem Unterk�rper
pochte...
>>Hallo?
Ist da jemand?<< Oh, ich sollte vielleicht langsam etwas sagen.
>>Jeff?
Bist du's Schatz?<<, lachte sie und ich verschluckte mich fast an meiner
eigenen Spucke. WIE bitte?? WER WAR JEFF? SCHATZ? JEFF???
>>Jenni...<<,
fl�sterte ich heiser. Tr�nen schossen in meine Augen. Das Atmen fiel mir
schwer. Sie sog scharf die Luft ein und... und legte auf. Sie hatte AUFGELEGT!
Jenni hatte... Ich starrte wie eine Irre auf mein Handy. Eine Tr�ne tropfte auf
das Display. Meine Nase war sofort verstopft. Ich sah gar nichts mehr. Doch sp�ren
tat ich so gut wie noch nie. So verletzt, wie ich mich gerade f�hlte, hatte ich
mich noch nie gef�hlt. Es war ungef�hr so, als ob jemand den wichtigsten Teil
meines Lebens von mir gerissen hatte... er einfach nicht mehr existierte. Ich
wollte laut schluchzen, mich bewegen, in den Spiegel schauen, aber nichts
dergleichen passierte. Das Einzige was da war, war der Schmerz. Er versuchte von
tief in mir an die Oberfl�che zu gelangen, doch ich hinderte ihn daran, weil
ich nicht wusste, was ich dann tun w�rde. Mit mir tun w�rde... das konnte doch
nicht wahr sein. Das war doch nicht Jenni gewesen... machte ich mich vielleicht
umsonst fertig? Sollte es doch ein Irrtum gewesen sein? Ich musste Gewissheit
haben. Ich durfte nicht weinen, ohne, dass klar war, ob nicht alles ein
Missverst�ndnis gewesen war. Wieder w�hlte ich ihre Nummer.
>>Ihr
Gespr�chspartner ist zurzeit nicht erreichbar. Hinterlassen sie...<< Ich
legte auf. Die Tr�nen waren versiegt. Verwirrung trat an ihre Stelle. Was zum
Geier war denn blo� los? Ich... ich verstand die Welt nicht mehr.
>>SAM!
Was machst du denn so lange hier drin? Hast du Jenni angerufen? Was hat sie...
hast du geweint?<<, rief Janie, als sie zur T�r hereinschneite. Ich lie�
mich von ihr umfassen, meine Arme schlossen sich aber nicht um sie.
>>Sag'
schon, was los ist!<<, dr�ngte sie mich, als wir im Auto auf dem R�ckweg
sa�en. Ich hatte noch kein Wort gesagt und hatte's auch nicht mehr vor heute.
Ich musste Jenni anrufen. Ich musste es so lange versuchen, bis sie abnahm!
-10-
>>Jennifer
Turner, hallo?<<, war der Satz, den ich heute noch h�ren wollte. Doch
immer kam nur: >>Ihr Gespr�chspartner...<< Ich wusste nicht, ob ich
w�tend, traurig oder beides sein sollte. In meinem Kopf drehte sich alles. Vor
einer Stunde waren die Jungs nach Hause gekommen. Fr�her als gestern. Jetzt sa�en
sie alle vor'm Fernseher und schauten eine Show, auf die sie sich anscheinend
schon den ganzen Tag gefreut hatten. Ein Auftritt von ihnen, mit ihrem neuen
Song, oder so. Keine Ahnung. Ich sa� auf der Treppe. Blass, wie eine Leiche.
Immer wieder, wenn ich auf Wahlwiederholung dr�ckte, lauschte wie das Handy w�hlte
und dann abwartete, verlor mein Gesicht wieder an Farbe. Das passierte auch
gerade jetzt wieder. Trevor schaute zu mir her�ber. Ich starrte ihm einfach nur
in die Augen. Er hob die Augenbrauen. Er hatte ja keine Ahnung. Janie hatte nur
Jake was erz�hlt. Wie sie's immer tat. Die Beiden hatten einfach keine
Geheimnisse voreinander. Wieder ertappte ich mich bei dem Gedanken... nein...
das konnte und MUSSTE alles ein Irrtum sein! Die Hoffnung starb bei mir jetzt
wirklich zuletzt...
Schei�e,
schei�e, SCHEISSE!
>>Dieser
verfickte Akku!! Ich hasse dieses Handy!!!<<, schrie Jenni die ganze Crew
ihres Sets an. Die konnten allerdings auch nicht mehr f�r sie tun. Sie hatte
noch nie in ihrem Leben solche Angst wie jetzt. Sam musste denken, sie hatte
einen anderen... sie MUSSTE das einfach denken.... es war ja so einfach. Es war
ja so einleuchtend. Erst hatte sie keine Zeit f�r Sam und dann kam sie mit
einem Jeff-Schatz daher, der mal ganz nebenbei ein schwuler Bekannter war, der
sie schon seit ein paar Tagen immer anrief, um sie zu fragen, wann er sie mal
besuchen kommen k�nnte und DANN ging auch noch ihr Handy aufgrund ihres
schwachen Akkus aus, genau in dem Moment, als sie h�tte anfangen m�ssen zu
erkl�ren... oh Gott... sie war sowas von erledigt. Jenni verfluchte die ganze
Welt. Sie MUSSTE ihre Kleine anrufen, wenn sie sich nicht verlieren wollte und
DAS war das Letzte, das sie wollte!
Mir
fiel fast das Handy aus den Pfoten, als es pl�tzlich anfing zu klingeln. Beinah
�ngstlich �ugte ich auf das Display. >Schatz< stand darauf. Sechs K�pfe
auf der Couch drehten sich zu mir. Ich linste nur einmal zu ihnen, stand auf und
ging nach drau�en zum Pool, um dort erst abzunehmen.
>>Ja?<<,
fragte ich heiser. 'S h�rte sich fremd an.
>>Sam?<<,
fragte Jenni mit br�chiger Stimme.
>>Ja,
ich bin dran.<< Eiskalt. Das war das Einzige, was mir zu meiner Tonlage
einfiel.
Erst
h�rte ich sie schluchzen und dann ert�nte eine tr�nenerstickte Stimme, die
mich regelrecht mitten ins Herz traf: >>Sam... es... es... es tut mir
leid. Das war alles ein Irrtum... das musst du mir glauben... ich habe keinen
anderen... Jeff ist niemand.... ein bekannter... er ist schwul, Sam! Er.... er
will gar nichts von mir, ehrlich. Und... und ich auch nicht von ihm! Ich liebe
dich, Sam! Ich w�rde das doch niemals auf's Spiel setzen! Das wei�t du doch!
Und du liebst mich doch auch.<<
>>Ja.<<
Sie schluchzte laut auf. Ich merkte, dass sich ein Klo� in meinem Hals bildete,
der mich anscheinend an dem hindern wollte, was ich tun musste. Jetzt wusste ich
es auch. Ich MUSSTE das tun. Nicht um Jenni eins auszuwischen, oder sie gar
extra zu verletzen... ich musste das f�r mich tun.
>>Und...
und ich werde mir ab heute viel mehr Zeit f�r dich nehmen und dich jeden Tag
drei Mal anrufen und...<< Sie klang so verzweifelt. So, als w�re schon
alles verloren, dabei wusste nur ICH, dass es wirklich so war.
>>Kannst
du nicht schon einen Tag fr�her nach Hause? Um mir zu zeigen, dass du wirklich
was �ndern willst... das w�re mir wirklich wichtig. Wir m�ssen die
Brautjungfernkleider anprobieren und...<<
>>Du
das geht echt nicht. Ich muss hier noch...<<
>>Jenni!
Das ist WIRKLICH wichtig, verstehst du nicht? F�r UNS!<<
Jetzt
biss sie sich bestimmt gerade wieder auf die Unterlippe. Und ich fand das immer
so verdammt s��... oh, wie sehr ich mir w�nschte alles w�re in Ordnung und
ich k�nnte ihr jetzt sagen, dass ich mich einfach auf Samstag freute...
irgendwie hatte ich SCHON die Veranlagung alles kompliziert zu machen. Ja ja...
>>Es
geht wirklich nicht... so gern ich es auch wollte.. das Magazin, f�r das ich
fotografiere hat mich bis Freitag gebucht. Ich bin hier in der W�ste, in
Lovelock und...<< Lovelock? Besser konnte man unsere Situation wohl gerade
nicht beschreiben... wie bescheuert war DAS denn?
Sie
erkl�rte weiter, dass es nicht ginge und warum. Ihr fielen immer mehr Begr�ndungen
ein. Darin war sie wirklich Weltmeister, aber ich wollte diese ganzen Ausreden
einfach nicht mehr ertragen. Hatte sie nicht eben noch geweint und mir
geschworen, sie w�rde alles f�r mich tun?!
>>Jenni,
h�r auf.<<, fl�sterte ich.
>>...
und dann meinte er, ich soll...<<
>>Jenni,
halt den Mund!<<, sagte ich etwas lauter.
>>Ja,
aber erst dachte ich, ich solle...<<
>>JENNI,
VERDAMMT! SEI DOCH MAL RUHIG UND H�R' MIR ZU!<<, br�llte ich ins
Telefon. Augenblicklich herrschte Stille. Sie hielt wahrscheinlich sogar die
Luft an.
>>Entschuldigung,
aber anders h�rst du mir anscheinend nicht zu.<< Ich lie� sie erst gar
nicht zu Wort kommen, sondern sprach sogleich weiter. Auch, um nicht den Faden
zu verlieren und die Worte nicht zu vergessen, die ich mir schon sorgsam
bereitgelegt hatte. Sie schienen mir in diesem Moment allerdings sehr unpassend,
deswegen redete ich einfach drauflos. Jedoch nicht, ohne zu �berlegen. Ich
musste mich so ausdr�cken, dass sie sich nicht... doch sie sollte sich die
Schuld geben, denn MEINE war es defintiv nicht. Dazu war zuviel passiert.
>>Es
ist aus.<< Tolle Worte, Sam. TOLLE Worte. Und daf�r hatte ich mich verr�ckt
gemacht. Sie sagte eine ganze Weile gar nichts. Ich erwartete, dass sie jetzt in
>Aber warum?<'s und >Wie meinst du das?<'se verfiel, doch nichts
passierte.
>>Okay.<<,
war ihre knappe Antwort. Ich h�rte aus ihrer Stimme heraus, dass sie wieder
weinte. Doch diesmal waren es stille Tr�nen. Kein Schluchzen. Sie verstand
mich. Das war ein Zeichen, dass sie einmal meine Entscheidung akzeptierte, ohne
noch zu fragen warum und wieso. Allein daf�r wollte ich sie schon wieder k�ssen.
Meine Brust zog sich schmerzhaft zusammen.
>>H�r'
zu, das ist nicht leicht f�r mich, Jenni. Das sollst du wissen. Okay?<<
Keine
Antwort.
>>OKAY?<<,
fragte ich eindringlicher und trotzdem den Tr�nen nahe. Noch durfte ich keine
Schw�che zeigen. Ich musste Jenni zeigen, dass ich mich nicht erweichen lie�.
Heute nicht und auch die n�chsten Tage nicht. �u�erlich jedenfalls. Innerlich
zerriss mich der Gedanke an diese Trennung. Nie wieder ihre K�sse? Nie wieder
ihre sanften H�nde? Ihr L�cheln? Ihr sch�ner K�rper? Ihr Duft? Ihre N�he?
Oh Gott... was wenn mein Plan nicht aufging?
>>Ja,
*schluck* okay Sam.<<
>>Bye.<<
Mir blieb fast die Stimme weg. Jenni wusste, dass es mir schwerfiel, nicht zu
weinen. Ich KONNTE einfach nichts vor ihr verstecken. Dazu kannte sie mich viel
zu gut und zu lange.
>>Ich
liebe dich, auf wiedersehen.<<, wisperte sie und legte auf.
>>Ich
liebe dich auch, schatz.<<, dachte ich laut und lie� das Handy sinken.
Kraftlos fiel ich hinten�ber in den Liegestuhl, auf dem ich gesessen hatte,
legte meinen Arm �ber meine Augen und schluckte was das Zeug hielt, um den
saueren Geschmack in meinem Mund loszuwerden. Es klappte aber nicht. Genauso,
wie heute gar nichts geklappt hatte. Das Pech verfolgte mich anscheinend �berall
hin und wenn man dachte, man ist es los, kam es pl�tzlich aus einem Hinterhalt
wieder und warf sich �ber einen. Ob Jenni jetzt dachte, dass ich wegen diesem
Jeff mit ihr Schluss gemacht hatte, wusste ich nicht. DASS da nichts gelaufen
war, wusste ICH jedenfalls schon. Es war mir f�r heute egal, was Jenni dachte.
Echt. Es war mir einfach nur egal.
-11-
>>Sam?
Bist du hier?<<, fragte jemand in die Dunkelheit. Nat�rlich. Er. Trevor.
Ein leises St�hnen drang aus meiner Kehle, als ich mich etwas bewegte. Mein K�rper
f�hlte sich an, als h�tte man mich drei Stunden lang verpr�gelt, dabei war
das ja >nur< mit meiner Seele passiert. Tapsende Schritte kamen n�her. Er
war barfu�. Ich wollte allein sein.
>>Trevor?<<,
fragte ich in die Dunkelheit. Ich wusste's ja eh, aber das musste er ja nicht
wissen.
>>Ja,
ich bin's. Was ist denn los? Du bist schon vor 'ner Stunde hier raus
verschwunden. Wir ham' uns schon Sorgen gemacht.<<
Nicht
SCHON wieder soviele W�rter aufeinmal Trevor!
Ich
merkte, wie es einmal kurz auf die Liege buffte. Er hatte sich wohl hingesetzt.
>>Alles
in Ordnung?<<, fragte er erneut. Sorge lag in seiner Stimme.
>>Kleines?<<
Kleines hatte mich bisher immer nur Jenni genannt...
>>Ja.<<,
heiserte ich vor mich hin.
>>Was
ist los? Willst du dr�ber reden? Hat es was mit dem Anruf von vor einer Stunde
zu tun?<<
>>Nein
und ja.<<, kam es knauig von mir. Er legte seine Hand auf mein Bein und
strich leicht dar�ber. Sollte mich das beruhigen? Auf'm Bein??
>>Janie,
�h, Janie hat uns aufgekl�rt.<< Is' doch toll, dann wisst ihr jetzt
wenigstens, wie Babies entstehen...
>>Aha.<<
>>Hast
du... hast du gerade Schluss gemacht?<<, kam es unsicher aus meiner
Beinrichtung.
>>...<<
>>Wie
bitte?<<
>>Hmhm.<<
Gestresst.
>>Das
tut mir leid.<<
>>Wieso
tut dir das leid?<<, fragte ich verwundert, nahm meinen Arm von meinen
Augen und setzte mich auf, damit ich ihn ansehen konnte, wenn ich mit ihm
redete.
>>Na
ja, findest du das nicht schlimm?<<
>>Was
soll ich schlimm daran finden? ICH hab Schluss gemacht...<<
Er
sch�ttelte den Kopf. Seine Dreadies bewegten sich von links nach rechts.
>>F�r
mich w�re das schlimm, aber ich habe ja auch noch nie mit jemandem Schluss
gemacht...<<
Meine
rechte Augenbraue hob und senkte sich. >>Ist doch sch�n f�r dich, dass
du das noch nie tun musstest. Ist n�mlich 'n ganz sch�ner Schei�job!<<
Er
l�chelte, weil ich l�chelte. Wenn ich seine Haare sah, konnte ich sowieso
nicht anders. Wer KONNTE das schon?
>>Aber
Janie sagte, du liebst sie immernoch, also kann DAS nicht der Grund sein und
dann MUSS es zwangsl�ufig schwer sein. Ash musste auch mal mit seiner Freundin
Schluss machen, obwohl er sie noch liebte. Er meinte, das war das Schlimmste,
was er je tun musste.<<
Ashley
hatte das also auch schonmal durch... na ja. Das konnte man, glaubte ich,
trotzdem nicht miteinander vergleichen.
>>Er
hat Recht. Es ist die H�lle. Es ist, als m�sstest du einen Teil von dir
aufgeben, obwohl du ganz genau wei�t, dass du ihn noch zum Leben
brauchst.<< Meine Stimme senkte sich und meine gerade erst wieder
trockenen Augen glitzerten schon wieder voll Tr�nen.
>>Nicht
weinen, Kleines.<<, bat er leise und suchte in seiner Hosentasche nach
einem Taschentuch, fand aber keins. Letztendlich zog er sein T-Shirt aus und gab
es mir hin. Ich nahm es dankbar und dr�ckte es auf meine schmerzenden Augen.
Wieder ein wenig l�chelnd sagte ich: >>Riecht gut.<< Er grinste und
rieb sich einmal schnell seine nackten Oberarme. Sicher war ihm schon etwas k�lter,
nur in einem Rippshirt. Es war windig hier drinnen. Die Klimaanlage war etwas zu
kalt gestellt.
>>Danke.<<
Ich gab ihm sein Shirt wieder und er zog es gleich wieder �ber.
>>Keine
Ursache. Immer wieder gern, Honey.<< Seine Stimme h�rte sich so gef�hlvoll
an, wie Jenni's. Nur Seine war verst�ndlicherweise tiefer. Es passte sehr zu
seinem �u�eren. Generell betrachtete ich ihn mir immer wieder gern. Man konnte
ihn, au�er vom Stimmlichen her, gar nicht mit Jenni vergleichen. Er war absolut
und total m�nnlich veranlagt. Von Kopf bis Fu�. Wenn ich an das Wort
>Mann< dachte, stellte ich mir einen Typ wie ihn vor. Gro�, markante,
aber auch weiche Gesichtsz�ge, weiche Augen, sanfte H�nde, muskul�s, aber
nicht ZU muskelbepackt... ich begann ihn mit anderen Augen zu sehen. Es gab
keinen wirklich Grund daf�r, ich tat es einfach.
>>Bestimmt
war es besser so.<<, bemerkte er wie nebenbei.
>>Ja,
es war richtig.<<, bekr�ftigte ich meine Entscheidung. In wie weit Janie
von meinem Plan erz�hlt hatte, wusste ich nicht, jedoch hoffte ich, dass sie
wenn schon, dann nichts ausgelassen hatte, was wichtig war. Nicht, dass Trevor
ein falsches Bild von mir hatte. Das mochte ich n�mlich gar nicht.
Trevor
sah sie vor sich sitzen, wie ein kleines H�ufchen Elend. Mit der Zeit schien
sie wieder ein bisschen aufzubl�hen und sich wohler zu f�hlen. Er mochte es,
wenn Frauen sich in seiner Gegenwart wohl f�hlten. War das bei ihr was anderes?
War es etwas Besonderes? War SIE etwas Besonderes? F�r ihn gab es nur eine
passende Antwort: Ein eindeutiges ja!
-12-
Die
Tage wollten und wollten nicht vor�ber gehen. Jede Stunde der 24 zog sich
endlos in die L�nge. Mir war so langweilig, wie noch nie in meinem Leben, was
aber nicht daran lag, dass Janie mich nicht besch�ftigen wollte... ich hatte
schlichtweg auf NICHTS Bock und trieb damit meine Cousine fast in den Wahnsinn.
Wenn ich redete, dann lie� ich h�chstens ein paar Knurrlaute von mir h�ren
und WENN, ging es auch nur um's Essen. Was anderes tat ich n�mlich gar nicht.
Essen, schlafen, essen schlafen. Was anderes au�er das Bett und T�tensuppen
wollte ich n�mlich gar nicht sehen. Netterweise hatte Trevor mir sein Zimmer �berlassen,
sodass ich schlief wie ein Baby, eingeh�llt in seinen Duft, den ich nicht so
eklig aufdringlich fand, wie den meiner Ex-Freunde vor acht Jahren. Wenn er
morgens aufgestanden war, schlich er nur zu mir ins Zimmer, um sich Klamotten
aus dem Schrank zu holen, oder er kam Abends schon, um sie sich f�r den n�chsten
Tag rauszusuchen. Das klappte ganz gut. Das Beste und Komischste -weil ich es
genoss- war jedoch, wenn er nach dem Duschen nackt durch das stockdunkle Zimmer
tapste, um sich eine Hose und ein Shirt rauszusuchen. Nicht, dass ich spannerm��ig
veranlagt war, aber ich konnte meistens nicht anders, als mich schon, w�hrend
er duschte, in Position zu legen, damit ich ihn, Schlaf vort�uschend,
beobachten konnte. Zuerst war es nur ein Spiel gewesen. Die ersten drei Male,
doch mit der Zeit, die halt nicht vergehen wollte, wurde es schon wie so eine
Art Nervenkitzel. Die Trennung von Jenni war anders f�r mich verlaufen, als ich
es erwartet hatte. Ich erwartete Tr�nen, Tage voller Trauer um meine
Ex-Freundin und n�chtliche Albtr�ume, doch seit dem Schlussstrich und anschlie�enden
Gespr�ch zwischen Trevor und mir, waren Tr�nen, Trauer und Albtr�ume
ausgeblieben. Und DAS war es, was ich so genial fand. Ob es sich nun
schlampenhaft anh�rte oder nicht, ich f�hlte mich befreit. Ich WAR frei. Und
ich konnte jedem hinterher gucken, wem ich wollte. Ob es nun M�nner, wie
Trevor, oder Frauen waren. Nun gut, das mit den Frauen war komischerweise nicht
mehr so h�ufig. Das lag aber daran, dass ich nicht vor die Haust�r ging und
mich in Trevor's Zimmer verschanzte. Das Schlaf-T-Shirt und sonst nichts war
mein st�ndiger Style, seit nun bereits vier Tagen und genau wie meine Frei- und
Ungezwungenheit fand ich das genauso toll! Janie hatte ich nichts davon erz�hlt,
was ich in Trevors Zimmer anstellte, wenn er da war, denn sie h�tte es Jacob
erz�hlt und ob der dichthielt, wusste ich nicht genau. Fr�her h�tte er es
getan, doch wer wusste, ob O-Town ihn nicht zu einer unverbesserlichen
Labertasche gemacht hatte?
Im
Moment sa� ich auf dem Bett. Es war mitten in der Nacht und ich hatte Hunger,
weil ich auf mein Abendbrot verzichtet hatte, da mir die ganze Zeit schrecklich
schlecht gewesen war. �bergeben musste ich mich zum Gl�ck doch nicht. Morgen
war die Hochzeit. Ich freute mich darauf. Auch, weil ich wusste, dass Jenni
kommen w�rde und ich mit ihr reden konnte. Richtig reden. Lange, lange und
ordentlich. Sie musste mir dabei die ganze Zeit ins Gesicht sehen und konnte
sich nicht wieder in Ausreden fl�chten. Trotz meiner Freiheit vermisste ich sie
immernoch. Mehr k�rperlich. Das war noch milde ausgedr�ckt. Mein K�rper
schrie nach Liebe. K�rperlicher Liebe. Haupts�chlich. Was das andere
anbetraf... na ja. Morgen.
Trevor
musste unten auf der Couch schlafen. Janie und Jake schliefen auch. Ash und Erik
waren unterwegs, glaubte ich zu wissen. Oder waren sie schon wieder da? Keine
Ahnung.
Behende
schwang ich meine >wundersch�nen< Beine aus dem Bett, r�ckte mein
T-Shirt �ber meinem Hintern zurecht und schwankte auf die T�r zu. Die drei
Schlucke Wodka h�tte ich heute Abend wohl lieber weglassen sollen. Ich war
nicht betrunken, keineswegs, aber mein Kreislauf war dann immer ein bisschen
komisch.
Mann,
WAR das dunkel hier. Vorsichtig und immer darauf bedacht leise zu sein, schlich
ich die Treppe hinunter und wunderte mich erstmal, dass Licht in der K�che
brannte. Automatisch sah ich zur Couch hin�ber. Die Decke war zur�ckgeschlagen.
Kein Trevor. Mir die Hand vor die Augen haltend betrat ich die K�che. Das Licht
des K�hlschranks verursachte dieses eklige Licht, was mich so blendete. Zuerst
sah ich gar nichts, au�er einer offenen K�hlschrankt�r und braunen Beinen,
die darunter hervor guckten.
>>Trev?<<,
fragte ich kr�chzend. Bah, h�tte ich nicht vielleicht schlucken sollen, bevor
ich meinen Schnabel aufrei�e?
Sein
Kopf luscherte hinter der T�r hervor. Erst dachte er, es w�re Janie, aber
nein, es war ja nur Sam. Na dann machte es ja auch nichts...
>>Oh!<<,
war das Einzige, was ich herausbekam, als er pl�tzlich ganz vor der T�r
hervortrat. Es war eine Sache ihn in v�lliger Dunkelheit nackt zu sehen... aber
eine ganz ANDERE, das ALLES bei Licht zu betrachten... Urpl�tzlich durchfuhr
mich eine Art Hitzewelle, die mir nur ZU bekannt vorkam.
Trevor
wunderte sich, was sie f�r ein Gesicht machte, aber er empfand es nicht als
unangenehm. Sie allerdings stand wie vom Donner ger�hrt da... und er wusste
nicht so ganz, was er davon halten sollte.
>>Hey
Sam. Hast auch Hunger?<<, fragte er und hielt mir ein Glas Schokolade hin.
Ich bewegte mich nicht. Meine H�nde ballten sich zu F�usten. G�nsehaut schoss
�ber meine Oberarme. DA war es es wieder! DIESES Gef�hl. DIESES Verlangen...
nach einem... ich traute mich kaum, es zu denken... einem Mann!
Warum
war sie denn hier, wenn sie gar nichts wollte?
>>Ich...
nein... ich.. doch ich hab Hunger, ja.<< Und nach WAS ich jetzt Hunger
hatte... regelrecht ausgelaugt war ich...
In
ihren Augen spiegelte sich das Licht des K�hlschranks. Sie tat nichts. Stand
einfach nur da und lie� ihre Blicke von oben nach unten �ber seinen K�rper
gleiten und Trevor gefiel das.
Boah,
hallo? Was war blo� mit mir los? Hier waren keine Worte, sondern Taten gefragt!
Langsam
bewegte ich mich auf ihn zu und tat so, als wolle ich nach dem Glas in seiner
Hand greifen, ber�hrte dann allerdings sein Handgelenk. Er schaute irritiert
auf das, was ich da tat. Meine Augen verengten sich zu kleinen Schlitzen und ich
tat f�r mich selbst so, als m�sste ich seinen Unterarm auf irgendwas
untersuchen. Dabei versuchte ich nur nicht die ganze Zeit auf seinen braunen
Oberk�rper zu starren. F�r mich waren diese Gef�hle bekannt, aber sie kamen
mir neu vor. Wie ver�ndert. Doch ich war mir ganz sicher, dass ich das Gef�hl,
das sich gerade durch meinen K�rper vorarbeitete, schonmal bei Jenni gef�hlt
hatte. Mein Blick glitt �ber seinen Arm, nach oben, �ber seine Schulter und in
seine Augen. Sie kamen mir weder �ngstlich, noch abgeneigt vor. Das reichte
mir. Man musste mich auch verstehen. Ich... also... ich war nicht SO eine...
aber SO eine war ich nun wieder auch nicht!
Vorsichtig
trat ich noch einen Schritt n�her an ihn heran und schlang meine Arme um seine
Taille, als wolle ich mich vor irgendetwas von ihm besch�tzen lassen. Mein Kopf
ruhte auf seiner Schulter. Sein Herz klopfte einen schnellen Rhythmus. Ich war
ein wenig ruhiger, was mir komisch vorkam. Von Jenni kannte ich dieses Verf�hrungsspielchen
allerdings schon so gut, dass es eine Leichtigkeit f�r mich sein sollte, das
Gleiche mit Trevor zu tun. Doch Trevor war ein Mann... und WAS f�r einer... und
da war es etwas anderes!
Ein
paar Sekunden musste Trevor �berlegen, was er tun sollte. Wegdr�cken, oder in
den Arm nehmen? Beides konnte verh�ngnisvoll enden...
Seine
Arme schlossen sich um meinen K�rper. Ich f�hlte mich geborgen, wie in einem
warmen Nest. Mein Mund dr�ckte sich gegen seine warme Haut auf seiner straffen
Schulter und meine H�nde strichen an seinem R�cken rauf und runter. Sein
Finger dirigierte mein Kinn nach oben, sodass ich ihn ansehen musste. Das Braun
in seine Augen war einem Tiefschwarz gewichen. Langsam kamen sich unsere
Gesichter n�her. Es durchfuhr mich wie ein Blitz, als er seine weichen Lippen,
auf Meine presste. In dem Kuss steckte noch mehr Zur�ckhaltung, als im n�chsten.
Meine Zungenspitze tippte sch�chtern gegen seine Lippen. Er musste l�cheln.
Fast h�tten wir losgelacht, anstatt uns weiterk�ssen, aber so weit kam es
nicht. Sein Atem bebte. Ich schaute zwischendurch auf seine Augen, aber sie
waren fest geschlossen. Seine H�nde �ffneten Knopf f�r Knopf, sehr langsam
und bed�chtig, den Ausschnitt meines Schlaf-T-Shirts. Kurz l�sten sich unsere
Lippen, damit ich es ausziehen konnte. Schnell schmiegte ich meinen K�rper
wieder an Seinen und zapfte gleich noch ein bisschen W�rme. Z�rtlich spielten
seine H�nde mit meinen Haarspitzen auf meinem R�cken. Ich hingegen war mit
meinen H�nden ganz woanders. Da ich seinen Hintern ja immer nur in der
Dunkelheit betrachten konnte, wollte ich f�hlen und da ich leider beim K�ssen
nicht pfeifen konnte, blieb ihm verborgen, wie sexy ich ihn fand. Aber er sah ja
im Allgemeinen ziemlich, ziemlich gut aus.
Trevor
sp�rte, was sein K�rper versuchte ihm zu sagen und er h�rte auf ihn. Er
umfasste ihre H�fte und setzte sie auf den K�chenthresen, der fast auf seiner
H�fth�he lag. Ihre dunkelgr�nen Augen schimmerten smaragdfarben im Licht der
K�hlschranks. Sie wusste gar nicht, wie oft er sich gew�nscht hatte, das mit
ihr zu tun, was er gerade im Inbegriff war, zu tun...
Ich
vertraute ihm. Es war komisch, aber sch�n. Es war wirklich etwas v�llig
anderes.
Meine
H�nde hielten mich an ihn gedr�ckt. Er k�sste so gut, so hingebungsvoll. Ich
merkte ganz genau, als er in mich eindrang, aber es war kein Schmerz, sondern es
f�hlte sich eher an, wie eine Erl�sung. Die Erf�llung eines langgehegten
Wunsches. Ein leises St�hnen entrang sich meiner Kehle.
Trevor
wunderte sich, obwohl er sich nicht wundern brauchte. Er h�tte damit rechnen k�nnen,
dass sie noch Jungfrau war, doch na ja... er hatte es nicht getan und jetzt
schmeichelte es ihm irgendwie noch mehr...
Ein
jungenhaftes Grinsen umspielte seine Lippen. Er sah mir tief in die Augen und
ich erwiderte seinen Blick ohne zu zwinkern. Seine H�nde hielten meine H�fte
und dr�ckten mich vorsichtig gegen sein Becken. Ich schloss wie in Zeitlupe
meine Augen. Meine Beine schlangen sich um Seine. Zaghaft begann er sich zu
bewegen. Ich pustete zufrieden die Luft durch meine Nase. Es f�hlte sich
verboten gut an. ER war es, der sich so verboten gut anf�hlte. Ich war wie von
Sinnen. Als w�rde ich in einem Rausch existieren...
Er
war sich bei ihr doch immer so sicher gewesen, dass sie niemals etwas von ihm
wollen w�rde... er h�tte eher mit Janie gerechnet, als mit Sam und DAS hatte
schon etwas zu bedeuten, doch er konnte sich nicht helfen: Er war dem Ganzen
ganz und gar nicht abgeneigt und er fand es wahnsinnig aufregend. Und vor allen
Dingen, das war nunmal so, machte es tierisch ihn an, dass sie lesbisch war und
trotzdem mit ihm schlief...
Er
hatte, das merkte ich, schon einige �bung in diesen Dingen, selbst wenn er erst
eine richtige Freundin gehabt hatte, die musste ihm Dinge beigebracht haben, die
meinen Verstand zum Aussetzen brachten! Ich dachte gar nicht daran, dass
vielleicht Erik und Ash nach Hause kommen konnten, oder irgendwer runterkommen
konnte, um zu sehen, warum hier Licht brannte... das alles interessierte nicht.
War nicht mehr wichtig.
Sein
Atem ging einen Tick schneller, genau wie meiner. Mir war so hei�, mein Gesicht
gl�hte. Ich sah sicher aus, wie eine Tomate. Seine H�nde ber�hrten mich so
hingebungsvoll... als wollten sie mir zeigen, dass auch M�nner beim Sex gef�hlvoll
sein konnten... das wusste ich. Seit jetzt.
Zuerst
war ich ein wenig verwirrt, als er mit seiner Hand meine Nacken hielt und meine
Kopf an seine Schulter dr�ckte, aber dann merkte ich, was ihm bevorstand und
ich f�hlte ganz genau, was in ihm vorging. Es machte mich unbeschreiblich gl�cklich.
Ich l�chelte von einem Ohr zum Anderen, als er mich ansah. Den
Gesichtsausdruck, den er in diesem Moment hatte, w�rde ich niemals wieder
vergessen. Es war der wunderbarste Anblick, den ich bisher gekannt hatte.
Das
Einzige, das wir in dieser Nacht noch sprachen war: >>Wir haben vergessen,
den K�hlschrank zuzumachen.<<, bevor ich seine Hand ergriff, ihn hoch in
sein Zimmer zog und nochmal dort von vorne begannen, als ich ihn umarmt hatte.
-13-
In
meinem Kopf drehte sich so einiges. Erst, als ich meine Augen aufschlug wurde es
wieder langsam besser. Knurrend wand ich meinen Kopf nach rechts und blinzelte
einem l�chelnden Gesicht entgegen.
>>Morgen,
gut geschlafen?<<, fl�sterte er und knautschte sein Kissen wieder
zurecht. Ich nickte und schloss die Augen wieder. Es war nicht wie ein Blackout.
Ich wusste ganz genau, was passiert war und ich wusste auch, wie gut es gewesen
war... aber das war's auch. Irgendwie f�hlte es sich an, als h�tten wir
gestern Nacht gar nichts Besonderes getan... als h�tten wir Mau Mau gespielt...
keine Ahnung. Dabei hatte ich das erste Mal in meinem Leben mit einem Mann
geschlafen und ich hatte es sehr, sehr genossen, was mich noch mehr wunderte..
ich fand's nicht schlimm.. nur seltsam.
>>M�sst
ihr nicht los?<<, fragte ich leise und schaute auf meine dunklen Armh�rchen.
>>Nein,
heute ist doch die Hochzeit und du musst aufstehen.<<
>>Wieso?<<
>>Weil
du noch das Kleid anprobieren musst. Hat Janie gesagt.<<
>>War
sie schon hier??<<, fragte ich und setzte mich auf, um schneller wach zu
werden. Doch Trevor konnte mich beruhigen: >>Nein. Das hat sie nur gestern
gesagt. Also raus hier! Das is' mein Bett und ich hab hier die Hosen an!<<
L�chelnd
hob ich die Bettdecke und sch�ttelte den Kopf: >>Nein, hast du gar
nicht.<< Er zuckte die Schultern und riss die Decke wieder runter.
>>Ich
hab alles schon gesehen.<<, murmelte ich, stand aber auf und ging unter
die Dusche. Ich merkte erst dort, dass ich genauso wenig anhatte, aber mich st�rte
das nicht. Zu Hause rannte ich auch meist nackt umher. Auf jeden Fall f�hlte es
sich an, als w�rde zwischen uns weniger Spannung herrschen, als gestern Nacht.
Anscheinend hatte sich �ber die paar Tage eine Art Gef�hlsstau bei mir
angenistet, den mir Trevor gestern restlos genommen hatte, denn ich f�hlte mich
besser denn je!
Das
hei�e Wasser prasselte auf meine Haut. Gen�sslich legte ich den Kopf in den
Nacken und pustete die Tropfen von meiner Nase.
>>I am singing in the rain... and
I'm happy again...<<, sang ich laut und schief.
>>Nicht
so laut, oder willst du das ganze Haus mit deinem Gejaule aufwecken?<<,
fragte Trevor leise. Er stand hinter dem Vorhang, das h�rte ich genau.
>>'Tschuldigung...
ich bin gleich fertig.<<
>>Nee,
lass dir Zeit. Ich geh' unten duschen, das ist wahrscheinlicher.<<
Wahrscheinlicher?
Ach ja, er hatte ja >unten geschlafen<, dachte ich bei mir und l�chelte
erneut in Erinnerung an letzte Nacht. Wir wussten beide, dass das eine einmalige
Sache gewesen war. Und das war auch gut so.
>>Ist
gut.<<, schrie ich gegen das Wasser an und duschte weiter. Anschlie�end
zog ich mir ein frisches T-Shirt an, eine kurze Hotpants und huschte nacktf��ig
die Treppe runter. Trevor duschte noch. Mein Magen knurrte, aber ich hatte keine
Lust, mir was zu machen. Viel lieber wollte ich mal ein bisschen nach drau�en...
mal sehen, was der Tag noch so bringen w�rde...
>>Das
Kleid passt! ES PASST!<<, jauchzte ich erfreut. Janie und ihre Mom Nicci
betrachteten zufrieden ihr Werk. >>Dreh' dich mal!<<, bat Nicci und
schlug die H�nde wie zum Gebet zusammen. Ihr L�cheln schien keine Grenzen zu
kennen. Amy, Janie's kleine Schwester war ebenfalls eine Brautjungfer. Pl�tzlich
wurde meine h�bsche Cousine jedoch nachdenklich. Pr�fend schaute sie mich an.
>>Sam,
sag' mal... kommt Jenni noch?<< Ich knabberte mir auf der Unterlippe
herum. Die Frage musste ja kommen. Janie
hatte sie anscheinend schon die ganze Woche vor sich her geschoben.
>>Um
ehrlich zu sein, nein, genau wei� ich's nicht, aber...<<
>>Vielleicht
kommt sie ja... das dritte Kleid lass' ich jedenfalls hier.<<, sagte sie
wieder vergn�gt und zupfte nochmal in meinen Haaren herum, die fest hochhezurrt
waren. Bl�ten oder sowas hingen darin. Ich sah aus wie eine Blumenfee... na ja,
mein Job sah ja �hnlich aus. Einen Schritt machen, stehen bleiben, Blumen
werfen, einen Schritt machen, stehen bleiben... und immer so weiter, bis zum
Altar, was in diesem Fall ein Podest war.
Es
wurde irgendwie alles immer hektischer. Amy, Ashley, Trevor, Erik, Dan und ich
fuhren gemeinsam in einem Van zum Anwesen von Janie's Onkel. W�hrend sich die
Jungs noch im Haus ihres Onkels fertig anzogen besichtigte ich den Traualtar und
alles drumherum. Hier war es echt wahnsinnig sch�n. Alles mit Blumen geschm�ckt.
Es gab keine St�hle, sondern nur Decken auf die man sich setzte. Ich fand's
einfach nur herrlich und unheimlich herzlich. Die ganze Atmosph�re strahlte so
eine Vorfreude aus, dass ich das Gef�hl bekam, ich w�rde hier heiraten
und nicht Cousine Janie. Aber wen sollte ich auch heiraten? Jenni?
Hm.. don't know. Not
yet.
Die
Idylle war nur etwas von den Lautsprechern gest�rt, die den Altarplatz wie ein
Viereck umgaben. An jeder der vier Ecken stand Einer und das sah schon ein wenig
komisch aus, aber selbst die schwerh�rigste Omi sollte ja die drei kleinen W�rtchen:
>>Ja, ich will.<<, verstehen. Darauf w�rde ich bei meiner Hochzeit
auch achten! Grannie Beth war halb taub... argh! Ich war ja schon wieder beim
Thema Hochzeit. Das sollte ich mal lieber lassen, sonst kam ich noch in eine
unbegr�ndete Feierlaune. Doch eigentlich... warum sollte ich nicht feiern...
eine Hochzeit erlebte ich doch jetzt das erste Mal und gestern Nacht... da war
es auch mein erstes >richtiges< Mal gewesen. Das musste man doch feiern!!
Mit Trevor feiern... er war schlie�lich so nett gewesen... aber Momentchen mal!
Nett? Er war so nett gewesen?? Sam, zur H�lle, was denkst du dir denn? Dass
Trevor dir einen Gefallen tun wollte... haupts�chlich wollte er sicherlich sich
selbst und seiner M�nnlichkeit einen Gefallen tun, was ich nicht abwertend
betrachten konnte. Er war ja auch nur ein Mann und mir hatte es ja gefallen..
sehr sogar. Ich erinnerte mich daran, dass ich diesen
mir-hat's-wirklich-gefallen-Gedanken schon das 40. Mal heute hatte...
>>Samantha!<<,
rief es aus dem riesigen Haus. Die ersten G�ste schienen einzutrudeln. Okay,
was hei�t trudeln? Sie flossen wie eine Sintflut in den riesigen Garten und
wunderten sich erstmal �ber die >komischen< Sitzgelegenheiten. Och, wen
st�rt's.. au�er Omi's und Opi's... f�r die war das im Schneidersitz sitzen
sicherlich so �hnlich wie Yoga f�r mich! Ob Janie und Jacob nicht doch
Erbarmen mit ihnen hatten und ihnen St�hle besorgten... we will see!
Ich
drehte mich um und schaute in das erfreute Gesicht meines Onkels.
>>Onkel
Steve! Ist das sch�n, dich wiederzusehen!<<, schrie ich von einem Ende
des Platzes zu ihm her�ber. Mit diesem Kleid konnte man echt nicht schneller
gehen als Schneckentempo mit angezogener Handbremse, deshalb war Onkel Steve,
Janie's Papa, auch schneller bei mir und gab mir einen Kuss auf die Wange, w�hrend
er mich umarmte.
>>Wie
geht's dir? Lass dich anschauen! Wie erwachsen du geworden bist!<< Seine
Lachfalten und seine gebr�unte Haut sahen ihn aussehen, wie ein Model und nicht
wie ein 42-J�hriger Mann auf dem besten Wege der Midlife Crisis. Und er passte
wirklich au�erordentlich gut zu Nicci, Janie's Mom.
>>Ja,
wir ham' uns lang' nicht mehr gesehen!<<, grinste ich. Er schaute einmal
an mir herunter.
>>Schick,
schick... muss man dir ja lassen... die M�nnerherzen fliegen dir sicher aus
aller Welt entgegen...<<, poetisierte er lautstark. Ich grinste und sch�ttelte
den Kopf.
>>Onkel
Steve, lass das! Du wei�t, dass, wenn es so w�re, es mir egal w�r'!<<
Er nickte und gab mir noch ein K�sschen auf die Wange. Mit einem gespielt entt�uschten
Ton sagte er, zum Gehen gewandt: >>Ach, dann brauch' ich dir den Sohn
eines Bekannten von uns wohl nicht mehr vorzustellen, was?<< Ich lachte
auf und winkte ab: >>Nein. Das ist nicht n�tig, es sei' denn, er hat eine
Schwester!<<
Es sei denn, er hat eine Schwester... h�h�h�h���... Sam! Du bist SO
bescheuert! Was faselst du da?
Wie
hypnotisiert blickte ich dem Eingang entgegen. Immer mehr Leute, die ich noch
nie gesehen hatte, stapften wie eine Herde verschiedener Tiere hier herein, wie
auf die Arche Noah. Immer zu zweit, immer P�rchen.. klasse! Die Einzige, die
hier ohne Partner erscheinen werden, sind Trevor, Amy und ich. Der Rest scheint
hier entweder verheiratet, vergeben, verklemmt, verliebt oder ver...sonstwas zu
sein... aber nein, gute Laune, gute Laune! Sam, mach dir sch�ne Gedanken! Zum
Beispiel von letzter Nacht! Ein Schauer jagt meinen R�cken herunter und steckt
in meinen Stilettos. Shit ey, ich wollte doch aufh�ren daran zu denken, an
Trevor's K�rper zu denken... ja, wenn ich ehrlich war, besch�ftigte mich sein
K�rper, der K�rper ohne Trevor... nur so.... *r�usper* der K�rper! Sam! Dir
fehlt nur noch eine aus dem Hals h�ngende Zunge und du k�nntest als irrer Fan
durchgehen! Wei� ich, ob Fans schonmal so vor Trevor gestanden haben, aber wenn
er nackt gewesen war, dann JA!
>>Sam,
kommst du mal bitte?!<<, rief Nicci aus der Villa. Ich nickte stumm und
setzte mich in Bewegung. Meine Gedanken liefen im Kreis. Immer um einen Punkt,
oder na ja, wie gesagt: einen K�rper!
>>Ja,
was ist denn?<<, fragte ich au�er Atem. Die Treppen mit diesen Schuhen?!
UFF!
>>Da
ist jemand an der T�r f�r dich!<< Ich legte meinen Kopf schief. An der T�r?
Hier? F�r mich? Wieso kam dieser Jemand nicht einfach durch das Tor auf den
Trauplatz herein, wie alle anderen G�ste auch? Wieso... Oh! Oh! Oh! Ohhh...
nein... oh nein, oh nein... oh shit... oh verdammt... oh... Gott! Ich hatte eine
gaaanz vage Vorahnng und sie sollte sich bewahrheiten.
>>Hey
Sam...<<, hauchte eine weibliche Stimme vor mir. Mein Herz machte einen
Riesensatz in ihre Richtung.
>>Jenni...<<,
fl�sterte ich, obwohl so eine Lautst�rke bei dem Gemurmel der ganzen anderen G�ste
gar nicht angebracht war. Egal... Fakt war: Meine Handfl�chen fingen gerade m�chtig
an zu schwitzen! Sie sah so gut aus! So s��! So... so nach Jenni einfach. Nach
meiner Jenni, meinem Schatz, meiner Freundin... Ex-Freundin.. innerlich seufzte
ich einmal laut auf.
>>Darf
ich reinkommen?<<, fragte sie fast sch�chtern. Gott, diesen Tonfall war
ich von ihr gar nicht gew�hnt!
>>K...klar,
komm rein, es ist in Ordnung, Janie hat sicher nichts dagegen, willst
du...<< Ich brach mitten im Satz ab, weil ich schon wieder viel zu viel
sagte und mich verhaspelte bis zum get no.
Sie
schaute einmal kurz auf den Boden und betrat dann das Haus. Ihre braune Haut
schien heute in noch sch�neren Schattierungen zu gl�nzen und ihre schwarzen,
lockigen Haare kringelten sich an ihrem Kinn herunter... ihr Mund... ihr
Gesicht.. ihre Augen... ihr...
>>Sam,
ich...�h, ich... es tut mir leid.<< Das sagte sie mir so einfach hier in
der Eingangshalle? Okay...
>>Wirklich,
glaub' mir! Wenn ich...<<
>>Komm
mit!<<, unterbrach ich sie, drehte mich um und ging raus auf den
Trauplatz. Die >Sitzpl�tze< waren schon ziemlich besetzt. Leise Musik
spielte. Ich schaute mich einmal nach Janie, Nicci, Steve oder Amy um, aber
niemand war zu sehen. Meinen Schritt beschleunigend huschte ich am Altarspodest
vorbei und stellte mich dahinter. Jenni blieb Z�hneknirschend vor mir stehen
und sah mir eindringlich in die Augen. Bittend. Flehend. Nicht der Hundeblick
Jenni! Nicht heute! Der gilt nicht!
>>Lass
das!<<, zischte ich und sch�ttelte den Kopf. In mir wallte nicht sowas
wie Wut auf, nur ein wenig Zorn dar�ber, dass meine K�rperreaktion auf sie so
heftig gewesen war und das noch immer.
>>Entschuldige,
Sam.<<, stammelte sie wieder etwas kleinlauter.
>>Ich
glaube es ist besser, wenn wir reden.<<, stellte ich fest. Sie nickte:
>>Ja.<< Einmal die Unsicherheit herunterschlucken und schon redete
sie weiter: >>Sam, ich bin nicht hergekommen, um Brautjungfer zu sein,
also um Janie's Willen, sondern wegen dir.<< Das wusste ich doch... alles
andere w�re auch ganz sch�n dreist gewesen, oder? Na ja, okay... dann nicht,
aber nun war sie ja wegen mir hier! Klappe, du d�mliches Gewissen!
>>Ja,
okay.<<, murmelte ich nur in meinen nicht existierenden Bart.
>>Und...
und du sollst wissen, dass ich dich immer noch liebe und so kitschig es sich anh�rt:
Ich will dich... also, ich will dich zur�ck haben! Es ist schei�e ohne
dich...<< WAS f�r ein Kompliment... da hab ich sie eine Woche nicht
gesehen und anstatt einem >Ich f�hl' mich einsam ohne dich!<, kommt ein:
>Es ist schei�e ohne dich...< Herrlich, Jenni, ich liebe deinen Humor und
wenn ich ehrlich zu mir selbst bin... und das bin ich immer und absolut und �berhaupt,
dann... dann liebe ich sie eigentlich immernoch. Nur, mit Trevor war das was
anderes. Das war keine Liebe, das war nur einfach animalisch. Ein Reflex, der
erst gestern Nacht eingesetzt hatte. Ein guter, sehr guter Reflex, aber eben nur
eine Erfahrung, die mich nur noch mehr davon �berzeugt hatte, dass ich einen
Mann nicht lieben konnte, weil ein Mann nunmal einfach nicht so war, wie ich.
Sie hatten andere Probleme, sie hatten andere Bed�rfnisse, auch was das
Sexuelle anbelangte UND sie waren einfach nicht Jenni. Kein Mann konnte Jenni
ersetzen und das merkte ich nicht erst jetzt, sondern das wusste ich schon, seit
ich am Telefon mit ihr Schluss gemacht hatte. Und jetzt stand sie vor mir,
geknickt und traurig und bat mich um Entschuldigung... ich wollte ja, ich
wollte, doch durfte ich wieder nachgeben? Aus Liebe? Also, eine Entscheidung aus
Liebe? Zur H�lle...
>>Ja.<<,
sagte ich in einem Ton, nicht mehr als ein Hauchen.
>>Was,
ja? Hei�t das...<< Tja, jaaaa, was sollte das denn hei�en? >Ja, es
ist ganz sch�n schei�e ohne mich, Jenni!< oder: >Ja, in Ordnung, wir
sind wieder zusammen!<?
>>Ja,
ich liebe dich auch.<< Du h�ttest ihr Gesicht sehen sollen, als ich das
ausgesprochen hatte, was sie sich anscheinend schon mehr als 80 Stunden w�nschte...
ein breites L�cheln �berflutete ihr ganzes, wunderbares Gesicht, ihre wei�en
Z�hne blitzten auf und eine feste Umarmung folgte auf die davor.
>>Oh
Gott Sam... ich.. ich liebe dich auch.. ich liebe dich auch... ich liebe dich...
ganz doll... so sehr... so... lass mich nie wieder allein!<< Ich sollte sie
nicht mehr allein lassen? Okay, ignorieren wir den Kommentar einfach, ja?
Bestimmt hatte sie damit gemeint: >Verlass' mich nie wieder!<< Das
hatte ich auch gar nicht vor. Allein schon, als ihr Mund ein K�sschen auf mein
Wange dr�ckte hatte ich das dringende Bed�rfnis sie irgendwo in den Busch zu
ziehen... oops...
>>Hey
Sam... k...<<, Trevor blieben die Worte im Hals stecken. Dort stand Sam,
eng umschlungen mit Jenni... wenn das Jenni war.. der Beschreibung nach schon...
DAS war also Jenni... DIE Jenni... Sam's Jenni? Hmmm... und DIE war lesbisch..
das war ja.... �h, ganz sch�n schade! Trotzdem... es war ein komisches Gef�hl
Sam Jenni k�ssend zu sehen, gestern Nacht hatte sie ihn noch gek�sst,
aber es machte ihm nicht soo viel aus, sie musste auch gl�cklich werden in
ihrem Liebesleben und da konnte sie nicht auf einen Trevor Lee Scott Penick R�cksicht
nehmen, dem die letzte Nacht zuf�llig schon etwas bedeutet hatte...
-14-
>>Oh
Trev... hey! DU HIER?<<, riss ich mich von Jenni los und
biss mir ein bisschen, aber nur ein bisschen, ertappt auf die Unterlippe.
>>Ja,
�h, ich wollte euch holen, die Zeremonie f�ngt in zehn Minuten an und ihr m�sst
noch... Jenni?<< Erst jetzt kam er mal auf die Idee zu fragen, ob das
wirklich Jenni sei. Komisch, er hatte sie trotzdem die ganze Zeit lang
angestarrt. Jenni sah aus wie ein Karamellbonbon.. so stellte er sich seine
Traumfrau vor, nur j�nger, vom �u�erlichen her... warum passierte ihm
eigentlich immer sowas Dummes?
Jenni
trat einen Schritt hervor und gab ihm ermutigend die Hand.
>>Ja,
Jennifer Turner und du bist?<<
>>Trevor,
Trevor Lee Scott Penick, freut' mich.<<
Ich
stand daneben und sah seelenruhig (�u�erlich!!) mit an, wie meine lesbische
und meine nicht lesbische Seite sich die Hand gaben und begr��ten. Verwirrung
war in Trevor's Augen zu lesen, sie w�rde ihn sich schnappen, wenn sie mal eine
Minute Zeit hatte und ihm alles erkl�ren, aber jetzt fiel ihr bei all der
ganzen Aufregung auch noch ein, dass Jenni ihr Brautjungfernkleid noch nicht an
hatte...
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b continued soon... I promise!
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