W�hrend des gesamten R�ckfluges kreisten meine Gedanken nur um eine Sache: Wie konnten meine Eltern so fies zu mir sein? Das Heftige war auch noch, dass sie mich am Flughafen abholen und ziemlich fr�hlich waren. Ich w�rdigte sie keines Blickes und ging an ihnen vorbei. Verwirrt riefen sie mir hinterher und winkten wie verr�ckt, doch ich ignorierte sie einfach und es fiel mir, wenn ich daran dachte, was sie mir angetan hatten, ziemlich leicht. Am Ausgang holten sie mich ein, da ich vergeblich nach einem Taxi gesucht hatte, normalerweise parken die hier immer in zwei Reihen nebeneinander.
�Was ist denn, Tina?�, fragten sie keuchend vom Rennen.
Wie bitte? Ich musste mich ja wohl verh�rt haben oder besa�en die beiden wirklich die Frechheit zu fragen, was geschehen war. In dem Moment entdeckte ich ein Taxi, spurtete darauf zu, bevor es mir ein anderer wegschnappte und fuhr an meinen staunenden Eltern vorbei. Zuhause fackelte ich nicht lange, warf rasch ein paar Klamotten in meine Reisetasche und war wieder verschwunden, ehe sie sich durch den Verkehr in der Innenstadt in unserer Siedlung gek�mpft hatten. F�r�s erste konnte ich bei Nat unterkommen, die zwar selbst genug Probleme hatte, aber mich immer mit offenen Armen empfing. Gewiss w�rden sie mich bei ihr als erstes suchen, doch auf Nat konnte ich mich auf alle F�lle verlassen, sie hielt dicht. Nur ewig konnte ich auch nicht bleiben, vielleicht w�re es das beste eine eigene Wohnung zu suchen, blo� hatte ich nicht genug Geld und in die USA konnte ich nicht, sonst w�rden sie ihre Drohung wahr machen und dann h�tte ich ein wirklich, wirklich gro�es Problem, dagegen war das, was ich gerade erlebte, Peanuts, wie man so sch�n sagt. Nat war erleichtert, als ich bei ihr im T�rrahmen auftauchte, denn nat�rlich hatten meine Eltern sie von meinem Verschwinden informiert. Als ich ihr dann den Grund meines pl�tzlichen Besuchs nannte, was sie nicht mehr so erfreut mich zu sehen und ich merkte bald, dass ich nicht unbedingt erw�nscht war im Hause Mahler. Kein Wunder, Nat�s Mutter war mal wieder im Krankenhaus und Nat musste sich mit dem ganzen Haushaltskram und ihrer kleinen Schwester herumschlagen, da war eine Freundin, die noch mehr Probleme mit sich brachte, wirklich nicht das Richtige. Ich versprach ihr lediglich das Wochenende �ber zu bleiben und machte mir schon mal Gedanken, wo ich dann wohnen konnte, denn eines lag klar auf der Hand, nach Hause w�rde ich nicht mehr gehen. Abends im Bett kamen Sehnsucht, Liebeskummer und all die Gef�hle, die ich im letzten Trubel unterdr�ckt hatte, wieder hoch. Was Erik jetzt macht? Sie m�ssten es ihm mittlerweile gesagt haben. Bestimmt war er ziemlich verletzt und seine Genesung verlangsamte sich. Ach Liebling, warum sind nur alle gegen unsere Liebe?
Nach zwei Wochen, in denen ich drei Mal f�r zehn Minuten zuhause war, um neue Kleidung zu holen, hatte ich kein einziges Wort mit meinen Eltern geredet und auch wenn sie meine Freundinnen regelrecht mit Anrufen bombardierten, wies ich sie jedes Mal ab. Ich wusste eines Tages musste ich zu ihnen zur�ckkehren, ich hatte bereits bei allen meinen guten Freundinnen und Freunden �bernachtet und war es auch m�de, die eine Nacht im Schlafsack, die n�chste auf einer Luftmatratze zu verbringen. Das war kein Leben mehr und ich war nicht gl�cklich. Au�erdem vermisste ich mein Bett und meinen Sessel, eigentlich mein ganzes Zimmer und ich vermisste meinen kleinen Bruder. Einmal war ich ihm kurz in der Stadt begegnet, da hatte er angefangen zu weinen und bat mich nach Hause zu kommen. Er erz�hlte, dass sich Mama und Papa die ganze Zeit stritten und sich furchtbare Sorgen um mich machten.
Eines Dienstag abends schloss ich leise die Haust�r auf und betrat den mir so bekannten Flur. Meine Jacke h�ngte ich an den Garderobenst�nder und meine Tasche landete neben der teuren, japanischen Blumenvase meiner Gro�mutter. Im Wohnzimmer lief der Fernseher und in der K�che gluckerte die Sp�lmaschine. Alles war wie immer und doch hatte sich so vieles ge�ndert. Langsam ging ich ins Wohnzimmer, klopfte nur der Form halber gegen die offene T�r.
�Tina, ich fass es nicht!�, rief meine Mutter, sprang aus ihrem Sessel auf und wollte mich umarmen, ich schob sie zur Seite und blickte sie ernst an. Mittlerweile war mein Vater neben sie getreten.
�Denkt nicht, dass ich alles vergessen habe.�, er�ffnete ich das Gespr�ch.
�Es tut uns leid! Wir haben uns in letzter Zeit solche Vorw�rfe gemacht. Trotz allem wollten wir immer nur dein Bestes.�, begann mein Vater zu erkl�ren.
�Bitte verschont mich mit eurem Mitleidsgequatsche.�, erwiderte ich kalt und drehte mich um.
�Geh nicht wieder weg! Wir sind in den letzten Wochen vor Sorge fast umgekommen!�, flehte meine Mutter mich an.
�Ich bleibe!�, sagte ich kurz angebunden und wandte mich der Treppe zu.
�Ich mach dir rasch eine Suppe oder willst du lieber Nudeln?�, fragte sie mich eifrig.
�Mama! Ich hab gesagt ich bleibe, nicht dass ich wieder hier leben werde wie vorher und jetzt lasst mich in Ruhe.�, ich wusste, wie hart meine Worte klangen und sie hatten es verdient. Es war richtig nett von mir, �berhaupt wieder hier zu wohnen, dass sie von mir erwarteten wieder die liebe, kleine Tochter zu spielen, war einfach zu viel. Im ersten Stock schaute ich kurz bei meinem Bruder rein, der mit kleinen Plastikfiguren Krieg spielte. Er freute sich wahnsinnig, dass ich wieder da war. Ein Grund mehr zu bleiben. In meinem Zimmer sah alles noch so aus wie ich es beim letzten Mal verlassen hatte. Ein wenig chaotisch wie ich selbst. Erleichtert lie� ich mich auf mein Bett fallen, ruhte mich ein paar Minuten aus, schaltete dann meinen PC an und ging ins Internet meine Mails checken. Ein anderer Grund, weshalb ich wieder hier war. Einige ungelesene Mails von Erik, die ich in chronologischer Reihenfolge las. Die erste hatte er offensichtlich im Krankenhaus geschrieben, kurz nachdem er erfahren hatte, dass ich zur�ckgeflogen war.
�Hi Tina, Mike hat mir eben erz�hlt, dass du nach Deutschland zur�ck bist. Ich verstehe nicht wieso so pl�tzlich. Du sagtest doch, du wolltest kurz ins Hotel und dann warst du weg. Mike wollte nicht recht sagen, weshalb, nur irgendetwas mit deinen Eltern. Sag, ist ihnen etwas zugesto�en? Nat�rlich verstehe ich, dass du deshalb sofort zur�ck musstest. Ach, ich bin so verwirrt, mein Kopf brummt, das liegt wohl auch an den Nebenwirkungen des Schlafmittels, das ich bekomme. Bitte antworte mir schnell. In Liebe dein Erik.�
Ich klickte die n�chste Mail an.
�Hallo, ich wei� jetzt, warum du zur�ckgegangen bist und ich m�sste dir eigentlich dankbar sein, aber mein Herz weint, weil du nicht bei mir bist. Es ist wahrscheinlich falsch, dir das zu schreiben und ich darf nicht von dir verlangen, diese Zeilen zu lesen, weil ich selbst einmal zu dir gesagt habe, dass ich mich von einer Freundin, die sich andauernd bei mir ausheult wegen der wenigen Zeit, die ich f�r sie habe, trennen w�rde und ich im Moment genau das tue. Bitte nimm dies nicht als Anlass f�r eine Trennung! Ich w�nschte, ich k�nnte dich irgendwie unterst�tzen, weil ich sp�re, wie schwer es f�r dich ist. Ich selbst habe etwas �hnliches erlebt. Zu erkennen, dass die eigenen Eltern Dinge tun, die einem schaden, ist schwer. Hasse sie nicht, auch wenn du allen Grund dazu h�ttest und �berlege dir immer, wie du an ihrer Stelle gehandelt h�ttest. Vergeben ist schwieriger als vorher die Fehler zu machen. Mir geht es von Tag zu Tag besser, wahrscheinlich werde ich �bermorgen entlassen, wird auch allerh�chste Zeit, ich halte es im Bett nicht mehr lange aus. Ich liebe dich und vermisse dein Erik.�
In den anderen Mails schrieb er viel �ber Vertrauen und bat mich immer wieder, meinen Eltern nicht b�se zu sein. Au�erdem machte er sich Sorgen, weil nicht antwortete und erz�hlte ein wenig vom Touralltag. Die letzte Mail hatte er heute morgen geschrieben.
�Hallo Tina, ist dein Computer kaputt oder wieso schreibst du nie zur�ck? Wenn ich bei dir zuhause anrufe, geht niemand dran und dein Handy ist auch immer aus. Eigentlich hab ich gar keine Zeit, wollte nur fragen, ob es immer noch klar geht, dass du in einer Woche kommst? Ich kann es kaum erwarten dich endlich wieder zusehen. Wie schaffe ich es nur Tag f�r Tag ohne dich zu leben? Achja, genau, indem ich jede Sekunde an dich denke! I love you Erik.�
Oh mein Gott, ich hatte einiges nachzuholen, zog die Tastatur n�her und begann eine Email zu schreiben, in ihr offenbarte ich ihm meine Gef�hle, meine Gedanken, meine �ngste, beschrieb, was ich erlebt hatte und sagte ihm fest zu, zu kommen. Kurz nach Mitternacht schickte ich sie ab und mit ihr all das, was mich in den letzten Wochen bedr�ckt hatte.
Das Verh�ltnis zu meinen Eltern entspannte sich kein bisschen. Auch wenn sie alles versuchten, um sich wieder bei mir einzuschleimen, ich lie� sie eiskalt abblitzen. Als sie von meiner Idee ein paar Tage in die USA zu fahren, erfuhren, reagierten sie nicht sehr erbaut. Sie versuchten es mir auszureden (irgendwie kam mir das bekannt vor) und versprachen mir sogar ein eigenes Auto zu kaufen. Ich bef�rchtete schon, sie wollten mich erpressen, denn ihnen war wirklich jedes Mittel recht, um mich und Erik zu trennen. Klar, dass ihnen ein Jura-Student aus guten Verh�ltnissen als Schwiegersohn besser gefiel, so ging es allen Eltern, trotzdem mussten sie sich nicht in mein Leben einmischen. Irgendwann ging mir ihr Gelaber so sehr auf den Geist, dass ich zu einem kleinen Trick griff, denn was sie konnten, konnte ich schon lange, schlie�lich war ich ihre Tochter. Als sie zwei Tage vor meiner Abreise wieder mit Thema anfingen, lie� ich die Bombe platzen.
�Wenn ihr mich nicht verreisen lasst, werde ich mein Abitur nicht machen.� Zufrieden las ich Entsetzen in ihren Augen und ich wusste, dass ich ihre empfindliche Stelle getroffen hatte. Nichts war ihnen so wichtig, wie eine gute Schulausbildung und diese Tatsache hatte ich mir eben zu nutze gemacht. Schweren Herzens gaben sie ihr Einverst�ndnis, in der Hoffnung ich w�rde ihnen verzeihen. Diesen Gefallen tat ich ihnen nicht und ein deutlich k�hlerer Abschied als beim letzten Mal machte es deutlicher. Kaum in Amerika f�hlte ich mich wie ausgewechselt, hier konnte ich mein Leben in vollen Z�gen genie�en und war immer in der N�he meines Schatzes. Es tat so gut wieder mit O-Town auf Tour zu sein, ich f�hlte mich in die Anf�nger unserer Beziehung zur�ck versetzt. All dies schien schon Jahre her zu sein, obwohl ich vor ein paar Monaten bei dem Namen O-Town nur mit den Schultern gezuckt hatte. Leider verging die Zeit viel zu schnell und der Gedanke an Deutschland war noch f�rchterlicher als sonst, denn es gab eigentlich nichts, was ich vermisst hatte, es gab nichts, f�r das es sich lohnte heim zu fliegen. Warum blieb ich nicht hier? Zur Schule gehen konnte ich auch hier. Ich �rgerte mich, dass mir diese wunderbare Idee nicht schon fr�her gekommen war, doch als ich Erik von meinem Vorhaben erz�hlte, reagierte er ganz anders als erwartet, geradezu abweisend. Zutiefst beleidigt, da es ihm offenbar nicht wichtig war, dass ich bei ihm lebte, schloss ich mich auf der Toilette ein. (Klar, die Aktion war d�mlich und kindisch, aber ich wusste in dem Moment nicht, was ich tat.) Erst nachdem er sich tausend Mal bei mir entschuldigt und mir genauer erkl�rt hatte, was er meinte, kam ich wieder heraus. F�r ihn w�re ein Traum in Erf�llung gegangen, aber er wusste, dass ich, so sehr ich es mir w�nschte, nicht gl�cklich werden w�rde. Zu viele Dinge gab es noch zu bew�ltigen, die mich belasteten und weglaufen hatte keinen Sinn, irgendwann w�rde mich die Vergangenheit einholen. Nat�rlich war ich verletzt, dass er mich abwies, doch ich kannte nun seine Beweggr�nde und konnte nicht anders, musste ihn f�r seine Lebensweisheit und sein Sachverst�ndnis bewundern und lieben. Ohne ihn h�tte ich so viele Fehler begangen, aber so sehr ich ihm in diesen Themen vertraute, ich schaffte es einfach nicht, seinem Rat zu folgen und mich mit meinen Eltern auszus�hnen. Trotz aller Probleme erholte ich mich an diesem Wochenende gut und sch�pfte neuer Kraft f�r die harten Wochen, die darauf folgen w�rden. Bald begann die Weihnachtszeit, voller Liebe und ich wusste, dass sich unsere Familie in dieser Zeit nie gestritten hatte und ich w�rde diese Tradition wegen eines Vorfalls, der mittlerweile lange her war, brechen. Immer �fter dachte ich daran, ihnen zu verzeihen, schlie�lich hatte jeder eine zweite Chance verdient, oder? Aber was ist, wenn diese Personen diese Chance verspielen, ohne dass ich ihnen �berhaupt die Gelegenheit gegeben habe, sie zu nutzen? Nach einem, wie so oft schon, tr�nenreichen Abschied, verlief der R�ckflug relativ ruhig. Die gr��te �berraschung waren meine Eltern, sie lie�en mich ausnahmsweise mal in Ruhe, au�erdem hatten sie ziemlich viel zu tun. (Sie waren beide berufst�tig, aber abends noch mal dringend wegzum�ssen oder �hnliches gab es eigentlich nie.) Schon bald sollte ich den Grund hierf�r erfahren, denn die Geheimniskr�merei hing mit Erik und mir zusammen. Ich dachte nicht im Traum daran, dass meine Eltern wieder einen Plan ausheckten und wunderte mich nur, wieso Erik nicht auf meine Mails antwortete oder anrief. Eine Strafe, dass ich mich einige Wochen zuvor nicht gemeldet hatte? Nein, ganz sicher nicht! Erik war keine nachtragende Person, das war nicht sein Typ. Irgendetwas musste ihn davon abhalten oder irgendjemand, nur was? Stress im Musikbuisness? Probleme mit den anderen? Sorgen um seine Familie? Was ich damals noch nicht wusste, meine Eltern hatten mehrere Male mit ihm telefoniert und ihn darum gebeten unsere Beziehung zu beenden, da ich mit der dauernden Trennung nicht klar kam. Erik�s erster Gedanke war, meine Eltern h�tten wieder etwas vor und dementsprechend schroff fiel seine Antwort aus, doch sie lie�en nicht locker, riefen ihn mehrmals an, erkl�rten ihm die Situation, berichteten von Alptr�umen, vom Abkapseln von meinen Freunden, von den schlechten Noten in der Schule und langsam aber sicher, begann sich seine Meinung zu ver�ndern. Zu gute kam meinen Eltern, dass Erik, wie er mir damals erz�hlt hatte, mit seinen Freundinnen Schluss machte, wenn er merkte, dass sie wegen ihm ungl�cklich waren. Noch ahnte ich nicht im Geringsten, was f�r ein fieses Spiel sie trieben. Ich schaffte es sogar, freundlich zu ihnen zu sein, zum Teil richtig nett. Eines Nachmittags buk ich Vanillekipferl (die Lieblingspl�tzchen meiner Eltern. Sie hatten sich n�mlich vor Jahren auf dem Weihnachtsmarkt kennen gelernt, weil sie sich um das letzte T�tchen Vanillekipferl stritten,
schlie�lich a�en sie es zu zweit und seitdem waren sie ein Paar.) Die �berraschung gelang mir und zum ersten mal seit langem f�hlten wir uns wieder wie eine richtige Familie, futterten Pl�tzchen, tranken Gl�hwein, bis auf Tobias, der trank Pfefferminztee.
�Mama, Papa, ich hab da eine kleine Frage.�, begann ich ein Gespr�ch und stellte den Fernseher leiser.
�Was denn?�, fragten sie und schauten mich selig an, als wollten sie mir jeden Wunsch erf�llen.
�Kann ich die Weihnachtsferien
bei Erik verbringen?�, jetzt war es raus!
Beide wechselten einen kurzen Blick miteinander, dann sch�ttelte meine Mutter
traurig den Kopf.
�Es geht nicht! Nicht, weil wir nicht wollten oder wegen der Schule. Es sind ja Ferien und das Wichtigste, es ist Weihnachten, dieses Fest sollte man mit seiner Familie verbringen und ich bin sicher, Erik wird auch bei seinen Eltern sein.�
�Das ist er auch und wir hatten ausgemacht, dass ich seine Eltern endlich mal kennen lerne.�, erwiderte ich mit bebender Stimme, doch f�r sie hatte sich das Thema mit ihrem Verbot erledigt. Mein Gott und mit denen h�tte ich mich fast vers�hnt. Die tolle Stimmung, die aufgekommen war, war dahin und dass eine Woche vor Weihnachten. Wie wenig mich die Familie interessierte, zeigte ich indem ich am vierten Advent, an dem wir alle Verwandten zum Kaffee einluden, mit Freunden Schlittschuh laufen ging und ich fuhr am Flughafen vorbei um ein Ticket f�r den 21. Dezember zu reservieren. Nat�rlich hatte ich mir wieder die Kreditkarte meines Vaters ausgeliehen, was ich nicht wusste, seitdem letzten Mal, hatte er veranlasst, �ber jeden Kauf benachrichtigt zu werden, so auch �ber die Flugreservierung, leider erhielt er die Meldung erst morgens am einundzwanzigsten, als er Geld am Automaten zog um Weihnachtsgeschenke zu kaufen. Sofort rief er meine Mutter an und fuhr auf dem schnellsten Weg zum Flughafen. Ich sa� in meinem Lieblingscaf�, in dem ich immer auf meinen Flieger wartete und traute meinen Augen nicht, als mein Vater pl�tzlich in der Halle auftauchte. Rasch griff ich nach meiner Tasche, ging zur Theke um zu bezahlen und wollte auf die Damentoilette verschwinden, doch er hatte mich schon entdeckt und rannte auf mich zu. Eigentlich wollte ich mich hinter einer japanischen Reisegruppe verstecken, aber er war zu schnell und hatte mich schon am Arm gepackt, bevor ich �berhaupt drei Meter gelaufen war.
�Du fliegst heute nirgends mehr hin!�, schrie er so laut, dass sich sogar die Leute nach uns umdrehten. Mich, wie ein kleines Kind, hinter sich herschleifend, gingen wir zum Ausgang. Woher hatte er gewusst, dass ich heute fliegen wollte? Ihnen gegen�ber hatte ich den Flug gar nicht mehr erw�hnt. Auf der R�ckfahrt erkl�rte er mir alles und ich �rgerte mich schwarz, dass ich nicht einfach Geld von meinem Konto abgehoben hatte. Nat�rlich waren meine Eltern sauer �ber meinen missgl�ckten Ausrei�versuch und erteilten mir bis zum Ende der Ferien Ausgehverbot. Da hatte ich mir echt was eingebrockt, das war das schrecklichste Weihnachten meines ganzen Lebens. In meinem Zimmer rief ich als erstes Erik an. Nat�rlich w�rde er sehr entt�uscht sein, denn auch er hatte sich unheimlich gefreut, doch er nahm die Nachricht �u�erst gefasst auf, w�nschte mir noch �Frohe Weihnachten� und legte auf. Verwirrt starrte ich auf das schnurlose Telefon, das leise tutete. Was war mit ihm los? Er hatte sich total abweisend verhalten, nicht mal gesagt, dass er mich liebt. Vielleicht war� aber das konnte unm�glich sein� ich hatte nur einen Gedanken, er musste eine neue Freundin haben. Vorhin habe ich gedacht, es wird das schrecklichste Weihnachten meines Lebens, ich muss mich verbessern, es wird das schrecklichste Weihnachten aller Zeiten. Voller Angst br�tete ich die n�chsten Tage, was ich tun konnte, um ihn zu mir zur�ckzuholen, die Probleme meiner Eltern waren nun nebens�chlich und ich war ganz froh, nicht mit meinen Freunden feiern zu k�nnen, denn dazu hatte ich jetzt absolut keinen Nerv. Am Morgen des Christabends erwachte ich mit furchtbaren Kopfschmerzen und mein Spiegelbild war alles andere als h�bsch. Kein Wunder, dass er sich eine Neue gesucht hat, ich war ja eine Zumutung f�r ihn. Eigentlich hatte ich meiner Mutter versprochen bei den Vorbereitungen zu helfen, aber ich war zu faul aufzustehen. Am besten blieb ich den ganzen Tag im Bett und verga� einfach, dass heute Weihnachten war. Zu feiern gab es f�r mich n�mlich nichts. Je l�nger ich im Bett lag, desto schlimmer wurden die Schmerzen und irgendwann glaubte ich, mein Kopf w�rde jede Sekunde platzen und mir wurde klar, ich brauchte jemanden zum Quatschen. Nur wen? Nat oder eine andere Freundin? Nein, sie hatten schlie�lich von nichts eine Ahnung. Ein Mitglied von O-Town oder ein Manager? Nein, wom�glich deckten sie Erik und seine neue Flamme. Viel blieb da nicht �brig, nachdenklich klickte ich mich durch das Telefonbuch meines Handys. Da fiel mir Janie�s Nummer ins Auge und ich erinnerte mich an die Herbstferien und wie gut ich mich mit ihr verstanden hatte. Ohne l�nger zu �berlegen, w�hlte ich die Nummer (nat�rlich verga� ich mal wieder die Zeitverschiebung) und wollte gerade wieder auflegen, als sich Janie g�hnend meldete.
�Hi Janie, ich bin�s Tina!�, sagte ich z�gernd.
�Oh hi, wie geht�s dir?�, fragte sie ziemlich verschlafen.
�Nicht unbedingt pr�chtig, aber das ist �ne l�ngere Geschichte und ich wollte dich eigentlich auch nicht wecken.�, erwiderte ich.
�Du hast Kummer, das h�re ich an deiner Stimme! Also, schie� los, was ist passiert?�, wollte sie wissen.
�Ich st�re wirklich nicht?�, vergewisserte ich mich ein zweites Mal.
�Du hat die ganze Nacht Zeit zu
quatschen, aber wenn die Geschichte wirklich so lang ist, solltest du dich
beeilen.�, beruhigte sie mich und ich erz�hlte ihr alles. Ich wei� nicht wie
lange wir telefonierten, aber es d�mmerte bereits als ich mich von ihr
verabschiedete und tats�chlich f�hlte ich mich etwas besser. Sie konnte total
gut zu h�ren, hatte mich kein einziges Mal unterbrochen und mich danach super
getr�stet und eins hatte sie mir versichert, Erik liebte nur mich, keine
andere! Der Weihnachtsabend verlief frostig und trotz des geschm�ckten
Tannenbaums, der Weihnachtsmusik und dem glitzernden Schnee vor unseren Fenstern
(dieses Jahr hatten wir Gl�ck, gestern morgen hatte es zu schneien begonnen und
seitdem nicht mehr aufgeh�rt), sahen wir alle nicht sehr gl�cklich aus. Meinen
Eltern das Fest zu verderben machte mir nicht das Geringste aus, aber Tobias sa�
wie ein kleines H�ufchen Elend auf der Couch und nicht einmal die tollen
Geschenke, die er bekommen hatten konnten ihn aufheitern. Schon kurz nach zehn w�nschte
ich allen eine gute Nacht und ging nach oben in mein Zimmer. Ich war m�de, w�lzte
mich aber die halbe Nacht schlaflos im Bett herum. Um vier Uhr morgens erwachte
ich, weil ich durstig war und tapste runter in die K�che um ein Glas Wasser zu
trinken. Danach hatte ich keine Lust mehr, wieder nach oben zu gehen und
knabberte ein paar Kekse, die noch auf dem Geb�ckteller lagen. Es war, als ob
ich mein eigenes pers�nliches Weihnachtsfest nachholte. Drau�en schneite es
noch immer, kleine, wei�e Fl�ckchen, die durch die eiskalte, klare Luft
tanzten. Warum war ich nicht ein winziger Eiskristall, der sich auf die D�cher
legt oder von einem lachenden Kind mit vielen anderen zu einem Schneeball
geformt wurde? Es begann zu d�mmern und am Horizont zeigten sich erste rosa
Streifen, es schien ein wunderbarer Tag zu werden und auf einmal bekam ich Lust
raus zugehen. Rasch lief ich in mein Zimmer, um mich anzuziehen, ging zur�ck in
den Flur, schl�pfte ich in meine Stiefel, zog meinen dicken Wintermantel an,
setzte eine warme Wollm�tze auf und stopfte meine Handschuhe in die
Jackentasche. Schwungvoll �ffnete ich die T�r und w�re fast mit Erik zusammen
gesto�en, der gerade klingeln wollte. Erstaunt blickte ich ihn an, wie er da,
in einer d�nnen Jacke mit einer zarten Eisschicht auf dem dunklen Haar und
glitzernde Eiskristallen an seinen Wimpern, stand im ersten Licht der
Wintersonne, wie ein M�rchenprinz!
�Was machst du denn hier?�, fragte ich ihn immer noch �berw�ltigt.
�Dich besuchen, was sonst?�, klapperte er mit den Z�hnen. Kein Wunder, wir hatten mindestens zehn Grad unter Null und er war nicht gerade warm angezogen (er kam ja auch aus Orlando, da war es jetzt immer noch warm)
�Komm erstmal rein, du bist ja v�llig verfroren.�, und �ffnete die T�r weiter.
W�hrend er sich im Wohnzimmer aufw�rmte, stellte ich in der K�che Teewasser auf und machte fix ein paar belegte Brote. Mit voll beladenem Tablett betrat ich das Wohnzimmer.
�Wir haben uns noch gar nicht richtig begr��t!�, meinte er und zog mich, ohne auf das Tablett zu achten, an sich. Die Teegl�ser kippten klirrend um und der Teller mit den Broten machte sich selbst�ndig. Erst als mein Vater entsetzt fragte, was hier los sei, h�rten wir auf uns zu k�ssen und als wir uns bei ihm entschuldigen wollten, mussten wir beide losprusten. Mein Vater stand in blau-wei� gestreiftem Pyjama, Zipfelm�tze auf dem Kopf und einer erhobenen Bratpfanne in der Hand da, anscheinend hatte er uns f�r Einbrecher gehalten.
�Seid froh. Dass ich nicht gleich auf euch losgegangen bin!�, sagte er beleidigt.
�Schaut euch an, was f�r ein Chaos ihr veranstaltet habt.�, deutete er auf die Sauerei auf dem Teppich.
�Das geht wieder weg, Papa!�, entgegnete ich genervt.
�Und was machst du �berhaupt hier, Erik?�, wollte er nun wissen.
�Ich besuche Ihre Tochter. Tut mir leid, dass ich Ihnen solche Unannehmlichkeiten bereitet habe.�, zeigte sich mein Schatz mal wieder von seiner Schokoladenseite. Mir reichte es und deshalb zerrte ich Erik hinter mir die Treppe hoch.
�Bis sp�ter!�, rief ich noch, bevor wir in meinem Zimmer verschwanden. Dort knabberte ich eine Weile an seiner Schokoladenseite herum und er zog mir die dicken Klamotten aus.
�Du willst mich doch nicht etwa vorm Fr�hst�ck verf�hren?�, st�hnte ich als er sich am Knopf meiner Hose zu schaffen machte.
�Wieso nicht? Sex vorm Essen soll gut f�r die Figur sein.�, antwortete er frech und schob seine kalten H�nde unter den Jeansstoff.
�Erik ich habe nicht abgeschlossen. Es k�nnte jederzeit jemand hereinkommen.�, entgegnete ich, tat aber nichts um ihn davon abzuhalten meine Br�ste zu liebkosen.
�Mach dir keine Sorgen!�, und noch bevor ich noch etwas sagen konnte, hatte er mir den Mund mit seinen Lippen verschlossen. In der Zwischenzeit schrubbte mein Vater im Wohnzimmer den Teppich und erz�hlte meiner Mutter, die in der K�che das Fr�hst�ck vorbereitete, was geschehen war.
�Und ich wette, dass sie es jetzt da oben treiben!�, rief er ungehalten.
�Ach was, unsere Tina ist ein anst�ndiges M�dchen!�, erwiderte sie und kam mit Tellern und Besteck, um den Tisch zu decken.
�Wer wei�, zu was sie sich in den Armen dieses Boygroup-Heinis hinrei�en l�sst.�, meinte er und stand auf. Dort, wo vorher dunkle Teeflecken gewesen waren, hatte sich eine Wasserlache ausgebreitet.
�Kann es sein, dass du eifers�chtig bist?�, fragte sie lachend.
�Ist doch wahr! Sie ist bestimmt nur eine Aff�re f�r ihn.�, rief er aufbrausend.
�Hey, mach dir keine Sorgen. Sie ist alt genug, um selbst zu wissen, was sie tut.�, verteidigte sie uns. Dann ging sie nach oben, klopfte an meine T�r und sagte, dass das Fr�hst�ck fertig sei. W�hrend wir a�en, schaute mein Vater uns ziemlich verdrossen an, mir konnte es egal sein, denn ich hatte meinen Erik wieder. Den restlichen Tag verbrachten wir in meinem Zimmer, was wir da machten, ist ja wohl klar. Wir redeten! Ehrlich, ich geb zu, dass ich eigentlich auch mehr erwartet h�tte. Es gab nicht oft solche Gelegenheiten, fast ungest�rt zu sein. Irgendetwas beunruhigte ihn, er war mit seinen Gedanken ganz woanders, fing die ganze Zeit unsinnige Gespr�che an und brach sie auf einmal wieder ab. Wahrscheinlich der Jetlag, dachte ich und konnte ihm sehr gut nachempfinden, dass er so verwirrt war. Abends guckten wir gem�tlich einen Film, ich hatte meinen Bruder extra in die Videothek geschickt um einen Film in englischer Sprache auszuleihen, doch Erik schlief mittendrin ein und wachte auch erstmal nicht mehr auf. Ver�beln konnte ich es ihm nicht. Morgen wird alles anders, �berlegte ich und kuschelte mich gl�cklich an ihn. Er schlief sehr lange, um kurz nach elf wollte ich ihn wecken, aber er sah so s�� und ersch�pft aus, dass ich ihm das nicht antun konnte. Ich konnte mich gl�cklich sch�tzen, dass er �berhaupt den Stress auf sich genommen hatte, um einpaar Tage mit mir zu verbringen. Meine Mutter konnte bestimmt Hilfe gebrauchen, vermutete ich und so r�umte ich bis mittags auf, schippte sogar Schnee, da sich Papa gestern einen Hexenschuss geholt hatte. Zum Mittagessen tauchte dann ein sehr verschlafener Erik auf, ich hoffte, wir k�nnten da weiter machen, wo wir gestern abend vorm Fr�hst�ck aufgeh�ren mussten. Da fragte mich Erik, ob ich ihm die Stadt zeigen konnte. Mein Vater mischte sich ein und erkl�rte, was f�r eine wunderbare Idee das sei und bot auch an, uns herumzukutschieren. Mein Freund war Feuer und Flamme und ziemlich genervt, weil ich mir Sch�neres vorstellen konnte, als mit meinem Vater, der einen auf besten Kumpel machte und meinem Freund, der sich f�r K�lner Architektur interessierte, eine Stadtrundfahrt zu machen. Abends gingen wir noch in ein teures Restaurant essen und ich merkte, wie ich langsam eifers�chtig auf meinen Vater wurde, weil er mir meinen Freund wegnahm und das Schlimmste war, Erik schien es nicht zu st�ren. Aus einer Traumwoche wurde ein Alptraum, mein Vater, der gerade Urlaub hatte, verstand sich blendend mit meinem Schatz und sie machten Ausfl�ge zu den langweiligsten Museen, dabei f�hlte ich mich bald wie das f�nfte Rad am Wagen. Um Erik mal f�r mich alleine zu haben, besorgte ich zwei (sehr!) teure Karten f�r ein Eishockey-Spiel und er freute sich riesig. Tja, die �berraschung war mir gelungen, doch ich hatte mich zu fr�h gefreut. Beim Abendessen erz�hlte er davon und mein Vater war total begeistert, nahm mich in den Arm und sagte: �Das h�tte ich nicht erwartet, Tina! Danke!� Verbl�fft befreite ich mich von seiner Umarmung und fragte: �Danke wof�r?�
�Na, dass du Erik und mir die Karten geschenkt hast. Du wei�t wirklich mit was man M�nnern eine Freude machen kann.�, strahlte er.
�Das ist ein Irrtum! Die beiden Karten sind f�r mich und Erik.�, kl�rte ich es auf.
�Oh, achso!�, entt�uscht drehte er sich um und ging in sein Arbeitszimmer. Erleichtert atmete ich auf, das h�tten wir geschafft. Am Abend, wir zogen gerade unsere M�ntel an um zum Spiel zu gehen, st�rzte mein Vater, der den ganzen Nachmittag weg gewesen war, weil er dringend etwas erledigen musste, herein und wedelte gl�cklich mit einer hellblauen Karte vor meiner Nase herum.
�Ich hab noch eine bekommen!�, rief er, zog aus seiner Jackentasche drei H�tchen, auf denen �K�lner Icewolfs� drauf stand und setzte sie uns auf. Wir ihr euch denken k�nnt, war der Abend die reinste Katastrophe und ich hatte mich so gefreut. Es musste irgendwas passieren, ansonsten platzte mir bald der Kragen. Schlie�lich sch�ttete ich meiner Mutter mein Herz aus. Sie lachte, als sie von meinen Problemen h�rte, nahm mich in den Arm und erkl�rte mir dann, dass mein Vater am ersten Tag ziemlich eifers�chtig auf Erik gewesen war. Jetzt hatte sich das Blatt gewendet und ich war eifers�chtig auf meinen Vater.
�Rede einfach mal mit ihm. Ich sch�tze, er merkt gar nicht, was er anrichtet.�, gab sie mir einen Tipp. Da ich nicht wusste, was ich sonst h�tte tun k�nnen, tat ich dies auch. Erst reagierte er beleidigt, aber dann verstand er, wie ich mich f�hlte und versprach mir, uns ab heute in Ruhe zu lassen. Ein Gutes hatte dieser ganze Zirkus gehabt, ich hatte mich mit meinen Eltern vers�hnt. Nach diesem erleichternden Gespr�ch wollte ich Erik so schnell wie m�glich von den tollen Neuigkeiten berichten. Ich fand ihn in meinem Zimmer, wo er seine Klamotten aufr�umte.
�Hey S��er! Wei�t du was, mein Vater hat endlich eingesehen, dass wir ein bisschen Zeit f�r uns brauchen. Keine b�sen Museumsattacken mehr und f�r Sylvester hab ich mir auch schon was einfallen lassen. Wir mieten eine romantische H�tte f�r zwei im Schiefergebirge.�, jubelte ich.
��hm, Tina, das geht leider nicht! Ich muss heute abend zur�ck in die USA!�, unterbrach er meinen Freudentaumel. Geschockt schaute ich ihn an, das durfte nicht wahr sein! Endlich hatten wir meinen Vater abgesch�ttelt, da sollte er zur�ckgehen?
�Aber wieso?�, dr�ngte ich.
�Wir haben am 31. ein Konzert am Times Square.�, erkl�rte er und packte ein Paar Jeans ein.
�Und das sagst du mir jetzt?�, fragte ich beleidigt.
�Es hat sich keine andere Gelegenheit geboten.�, meinte er.
�Das ist echt genug! Ich will nicht mehr die ganze Zeit hin und her geschoben werden. Ich dachte, du liebst mich!�, tickte ich aus.
�Das tue ich auch, aber wenn du mir nicht vertraust und immer daran zweifelst, wei� ich nicht, wie lange ich es mit dir aushalte.�, entgegnete er genervt.
�Ach, es ist also eine Qual mit mir etwas zu unternehmen?�, wollte ich zornig wissen.
�Quatsch, nur wenn du rumzickst.�, erwiderte er.
�Ach, ich zicke dauernd rum??? Du bist so gemein!�, schrie ich unkontrolliert.
�Du drehst mir die Worte im Mund herum!�, w�tend warf er seine restlichen Klamotten in die Reisetasche.
�Sag doch, wenn dir was nicht passt!�
�Was mache ich denn gerade?�
�Verzapfst kindisches Gelaber!�
�Die einzige, die hier kindisch ist, bist ja wohl du!�
�Dann geh doch, wenn dir meine Nase nicht passt.�
�Wei�t du was, das mach ich jetzt auch!�, au�er sich vor Wut rannte er aus dem Zimmer und knallte laut die T�r hinter sich zu.
�Ich hasse dich!�, kreischte ich hinter ihm her und trommelte j�hzornig gegen die T�r. Nach einer Weile breitete sich eine bittere Welle von Kummer in mir aus und ich lie� mich schluchzend auf den Boden sinken. Was hatte ich nur getan? Wir hatten uns noch nie gestritten! Nun hatte ich alles zerst�rt! Ich wei� nicht, wie lange ich da lag, irgendwann stand ich auf und wankte zu meinem Bett. Wenn ich eine Nacht dr�ber geschlafen hatte, sah die Welt schon wieder ganz anders aus. Anders ja, aber nicht besser! Jedenfalls nicht das Spiegelbild, welches mich am n�chsten Tag im Bad anblickte. Vom Weinen geschwollene und ger�tete Augen, aufgesprungene Lippen, eine laufende Base! Beim Fr�hst�ck merkten alle, dass mit mir etwas nicht stimmte, auch wenn ich es so gut wie m�glich zu verbergen versuchte. Allein die Tatsache, dass Erik gestern mit h�llischem Krach abgereist war und ich mit verheultem Gesicht herumsa�, sagte schon alles. Nat�rlich wollte meine Familie mir helfen und da ich v�llig fertig war, erz�hlte ich ihnen von dem katastrophalen Streit. Sie tr�steten mich und erkl�rten mir immer wieder, dass dieser Streit nicht gleichzusetzen war mit einer Trennung. Wir brauchten einfach eine kleine Pause. Ich h�tte mir nie tr�umen lassen, einmal mit ihnen zusammen sitze und mich von ihnen �berzeugen lasse, dass es noch eine Chance f�r unsere Liebe gab. Schlie�lich war es keine zwei Monate her, da w�re ihnen das Ende unserer Beziehung sehr willkommen gewesen. Vielleicht war er gar nicht zur�ckgeflogen, sondern hatte in einem Hotel geschlafen, �ber alles nachgedacht und traute sich jetzt nur nicht, mich um Verzeihung zu bitten. (Das klingt wohl sehr eingebildet, aber schlie�lich war einzig er der Grund f�r diesen Streit und ich w�rde nicht um Entschuldigung winselnd bei ihm angekrochen kommen, dass konnte er gleich vergessen.) Nerv�s wartete ich auf ein Zeichen von ihm und je l�nger das Warten dauerte, desto ungeduldiger und �ngstlicher wurde ich. Er braucht bestimmt nur Zeit zum Nachdenken, sprach ich mir selbst Mut zu. Schlie�lich erl�ste mich das Telefonklingeln vom meiner Ungewissheit.
�Ja?�, fragte ich aufgeregt in den H�rer.
�Tina? Ich bin�s Erik!�, h�rte ich seine Stimme und konnte mir im Moment nichts Sch�neres vorstellen.
�Ich hatte schon Angst, du w�rdest gar nicht mehr anrufen. Es gibt soviel��, begann ich zu reden.
�H�r zu, ich hab nicht mehr viel Zeit, aber ich muss dir noch etwas unheimlich Wichtiges mitteilen.�, unterbrach er mich br�sk. Sicher will er mir sagen, wie sehr er mich liebt, dachte ich befreit.
�Dieser Streit hat mir gezeigt, dass unsere Beziehung nicht stark genug f�r andauernde Trennungen ist und deshalb habe ich mich entschieden, dir ein Ultimatum zu stellen: Du hast sieben Tage Zeit, dich zu entscheiden, ob du zu mir in die USA ziehst oder in Deutschland bleibst, was das Ende unserer Beziehung bedeutet.�, sagte er mit leicht zitternder Stimme.
�Hast du alles verstanden?�, vergewisserte er sich und verabschiedete sich, nach einem gestammelten Ja, rasch von mir. Sprachlos hielt ich den Telefonh�rer in der Hand und starrte ich aus dem Fenster in unseren tief verschneiten Garten. Mein Kopf schwirrte! Ultimatum! Sieben Tage! Ende unserer Beziehung! Ich war so verwirrt, wusste nicht, was ich tun sollte. Noch mehr als dieses f�rchterliche Ultimatum erschreckte mich die Tats�chlichkeit, wie ruhig und k�hl er bei diesem Gespr�ch geblieben war, es ging um unsere Beziehung und wir waren uns doch immer so sicher gewesen, dass es die Liebe f�r�s Leben war. Eins war mir klar, allein konnte und wollte ich diese Entscheidung auf keinen Fall treffen, ich ben�tigte die Hilfe meiner Familie und meiner Freunde. Alle reagierten entsetzt, als ich ihnen erz�hlte, was Erik von mir verlangte und sie versuchten mich zu �berzeugen in Deutschland zu bleiben. Sie meinten, wenn er so leichtfertig mit unserer Liebe und meinen Gef�hlen umsprang, hatte er es nicht verdient, dass ich f�r ihn mein ganzes Leben aufgab und wer wei�, vielleicht fand ich er bald eine neue Freundin, bei diesen Stars wechselt so was st�ndig, dann hatte ich alles umsonst gemacht. Besonders meine Eltern (das war verst�ndlich, sie hatten Angst ihre Tochter zu verlieren) probierten mich zu �berreden, doch je mehr jeder auf mich einredete, desto weniger wusste ich, wie ich mich entscheiden sollte. Meine Heimat f�r immer aufzugeben w�rde schwierig sein, aber w�rde ich es schaffen Erik zu vergessen? Er �bte eine unbeschreibliche Anziehungskraft auf mich aus, schon als ich ihn nur einen Abend gekannt hatte, hatte ich �ber ein Jahr gebraucht um �ber ihn hinwegzukommen und sp�ter musste ich feststellen, dass mir mein Herz in dem Fall nur einen Streich gespielt hatte und ich ihn immer noch liebte. Wie sollte ich es diesmal bew�ltigen? Ich kannte nun seine K�sse, seine z�rtlichen Finger, seinen Charakter, seine Liebe mir gegen�ber, damals wusste ich nur seinen Namen. Die Tage verstrichen, doch in meinem Kopf war alles nach wie vor konfus. Auf das, was mir die anderen rieten, konnte ich nicht h�ren, denn sie waren voreingenommen und ihre fadenscheinigen Argumente �berzeugten mich keineswegs. Ich konnte blo� meinem Herzen folgen und hoffen, dass ich die richtige Wahl traf, wobei es hier kein richtig geben konnte, denn egal, was ich tat, irgendjemand w�rde ich sowieso verletzen. Um endlich mal auf andere Gedanken zu kommen, nahm mich Nat am Abend vor der Entscheidung mit auf die Party ihres Cousins mit und ich versuchte wirklich Spa� zu haben, gleichg�ltig mit wem ich tanzte oder sprach, nach einer Weile sah ich im Geiste Erik vor mir, der mit monotoner Stimme, �Du musst dich entscheiden!�, wisperte. Jetzt litt ich schon an Verfolgungswahn. Ich machte wohl ein ziemlich ungl�ckliches Gesicht, denn pl�tzlich kam ein junger Typ mit zwei Cocktails zu mir.
�Hier extra f�r dich gemixt, der Sunshine-Drink, damit du mal wieder l�chelst.�, flirtete er fr�hlich. Auf diesen folgten mehrere andere Drinks und bald griff ich zur Schnapsflasche. An den Rest kann ich mich nicht mehr erinnern, alles dunkel. Aus Erz�hlungen wei� ich, dass ich sturzbetrunken war, mich kaum auf den Beinen halten konnte und irgendwann eingepennt bin und dies sollte mein gr��ter Fehler werden. Am n�chsten Morgen, oder sollte ich lieber sagen, sp�ten Nachmittag erwachte ich auf einer schwarzen Ledercouch. Verwundert schaute ich mich um. Wo zum Teufel war ich denn? Schlie�lich kehrte die Erinnerung an den gestrigen Abend (besser gesagt, alles, was vor der Trinkorgie geschehen war) zur�ck. Vorsichtig stand ich auf und schwankte leicht, ganz n�chtern war ich also noch nicht. Au�er mir lagen einige andere, zum Teil in Sesseln, zum Teil auf dem Boden und die in anderen Zimmern und im park�hnlichen Garten hatte ich nicht mitgez�hlt. Ich musste tierisch aufpassen, um nicht auf jemanden drauf zu treten und rutschte dabei beinahe in einer undefinierbaren Pf�tze aus. Hoffentlich war das nur Cola, dachte ich und schl�pfte nach drau�en. Das Aufr�umen konnten die anderen �bernehmen oder sie sollten eine Putzfrau engagieren, wenn sie daf�r keine Zeit hatten. Bei diesem Wort musste ich an etwas Wichtiges denken, nur was? Da fiel es mir wieder ein! Heute war der Tag der Entscheidung! Panisch rannte ich zur n�chsten Bushaltestelle. Mist, wie hatten schon kurz nach siebzehn Uhr. W�hrend der Busfahrt �berlegte ich, warum ich mich eigentlich so beeilte, entscheiden konnte ich mich eh nicht und nachdenken (inwiefern es etwas brachte, ich drehte mich sowieso andauernd im Kreis) konnte ich �berall. Trotzdem beschlich mich ein komisches Gef�hl, dass es besser w�re, mich zu beeilen. Mit schnellen Schritten lief ich die letzten Meter bis zu unserem Haus und kaum hatte ich die T�r aufgeschlossen, versammelte sich meine gesamte Familie im Flur.
�Da bist du ja endlich! Wir haben uns Sorgen gemacht!�, wurde ich nicht unbedingt herzlich empfangen.
�Keep cool! Ich war auf einer Party.�, erkl�rte ich und ging in die K�che um mir eine Sch�ssel Cornflakes zu machen.
�Hat jemand f�r mich angerufen?�, fragte ich beil�ufig und sch�ttete einen halben Liter Milch in die Sch�ssel, nat�rlich wussten alle, wer mit jemand gemeint war.
����h�. nicht, dass ich w�sste. Du hast auch nichts geh�rt, oder Martin?�, verneinte meine Mutter.
�Nein, das Telefon hat heute kein einziges Mal geklingelt.�, pflichtete mein Vater ihr bei.
Warum verhielten die beiden sich so seltsam? Wahrscheinlich waren sie ebenso wie ich ein wenig neben der Spur oder ich war heute ein wenig �berempfindlich. Nachdem ich gegessen hatte, ging ich in mein Zimmer, um in aller Ruhe eine Entscheidung treffen zu k�nnen, die mein bisheriges Leben entscheidend ver�ndern sollte. Auch ich hatte mir eine Frist gesetzt, sp�testens um 22 Uhr w�rde ich ihn anrufen und ihm meine Entscheidung mitteilen. Als ich kurz hinunterging, um mir ein Glas Wasser zu holen, belauschte ich zuf�llig ein Gespr�ch zwischen meinen Eltern.
�Was machen wir jetzt mit dem Brief? Wir k�nnen ihn nicht einfach verschwinden lassen!�, sagte meine Mutter leise.
�Nat�rlich k�nnen wir und Tina wird nie etwas davon erfahren.�, erwiderte mein Vater in derselben Lautst�rke.
�Und was ist, wenn sie sich doch f�r ihn entscheidet? Er wird ihr sicherlich davon erz�hlen und dann wird sie uns hassen. Ich will meine Tochter nicht wieder verlieren!�, meinte meine Mutter angsterf�llt. Da trat ich ins Wohnzimmer und fragte mit bebender Stimme:
�Welcher Brief?� Sie zuckten beide zu Tode erschreckt zusammen und schauten mich entsetzt an. Noch einmal wiederholte ich die Frage. Schlie�lich zog meine Mutter ein wei�es Kuvert aus ihrer Sch�rzentasche und hielt es mir hin.
�Tina, wir k�nnen dir alles erkl�ren!�, begann sie zu sprechen, doch ich befahl ihr zu schweigen. Mit Erik�s schwungvoller Handschrift stand �F�r Tina� vorne drauf. Langsam �ffnete ich den nicht zugeklebten Brief (es war auch keine Briefmarke drauf, aber das fiel mir erst sp�ter auf) und holte ein eng beschriebenes wei�es Blatt Papier heraus. Die Welt um mich herum verschwand, als ich begann den Brief zu lesen.
�Liebste Tina,
ich wei�, das es nicht fair ist, dir dieses Ultimatum zu stellen und ich gebe zu, dass ich zu feige bin diese Entscheidung selbst zu f�llen, weil ich Angst habe, das Falsche zu tun und uns beide, besonders nat�rlich dich, zu verletzen. Deshalb �berlasse ich dir alles, so kann ich sp�ter sagen, dass mich keine Schuld an der Entscheidung trifft und ich kann mein schlechtes Gewissen beruhigen. Aber das ist nicht der wirkliche Grund, ich k�nnte es nicht ertragen, wenn dich irgendeine Person auf der Welt verletzen w�rde und das w�rde ich zwangsl�ufig tun m�ssen und ich m�sste mich daf�r auf ewig hassen. Also, bitte verzeih mir, dass ich dir das angetan habe. Es ist nicht so, dass ich dich nicht mehr liebe. Wie k�nnte ich die sch�nste, begehrenswerteste, kl�gste, bezauberndste, wunderbarste Frau der Welt nicht mehr lieben? Selbst wenn ich es wollte, gegen meine Gef�hle kann und werde ich nichts tun! Der einzige Grund, wieso ich das hier jetzt mache, den habe ich dir schon einmal genannt. Erinnerst du dich an das Barbecue? Ich w�rde dich nur verlassen, wenn ich merken w�rde, dass ich dich ungl�cklich mache und das bringt mich eindeutig in eine Zwickm�hle, denn egal, was ich tue, ich mache dich ungl�cklich, aber vielleicht vergisst du mich eines Tages und kannst wieder gl�cklich sein mit einem anderen Mann, der dir all das geben kann, was ich nicht kann, aber so gerne f�r dich getan h�tte. H�tte mir vor ein paar Jahren jemand erz�hlt, dass ich mich mal so verlieben w�rde, h�tte ich ausgelacht, doch du hast in mir etwas geweckt. Ein Gef�hl von W�rme und Vertrauen, so was gibt es nicht noch einmal. Zum ersten Mal dachte ich, mit diesem M�dchen kannst du alt werden und wenn ich mich heute, hier und jetzt, zwischen dir und der Band entscheiden m�sste, w�rde ich dich nehmen. Ich bin ein erwachsener, junger Mann, der sich seiner Verantwortung stellt und deswegen werde ich O-Town nicht verlassen. Du wei�t, was ich nicht nur mir, sondern auch den anderen vier damit antun w�rde, denn du hast es erlebt, was wir f�r die Musik und das Leben als K�nstler aufgeben m�ssen und ich habe mich f�r dieses Leben entschieden, da war ich noch ein kleines Kind. Es ist wahrscheinlich die erste schwierige Entscheidung f�r dich und du hast das Gef�hl, den Boden unter den F��en zu verlieren, aber ich wei�, dass du das Richtige tun wirst, nicht f�r mich richtig, aber f�r dich! Wie auch immer es ausgeht, die Zeit mit dir war die sch�nste und aufregendste meines Lebens und sie wird f�r immer in mein Herz gebrannt sein. So wie ich dich damals im Blue Kiss nicht vergessen konnte, so werde ich dich nicht in tausend Jahren vergessen. Vielleicht verliebe ich mich wieder, aber nie wird es wieder so intensiv und sch�n werden, denn ich werde jede mit dir vergleichen und keine Frau wird auch nur den Hauch einer Chance gegen dich haben. Ich hoffe, der Brief macht dir kein schlechtes Gewissen und �ndert nichts an deiner Entscheidung, denn ich m�chte dich auf keinen Fall in irgendeiner Form beeinflussen, deshalb habe ich am Telefon so seltsam geklungen, denn ich h�tte nur etwas von meinen wahren Gef�hlen gezeigt, h�tte dir das Ultimatum nicht stellen k�nnen, eher w�re ich gestorben. Dies ist m�glicherweise das letzte Mal, dass ich dir sagen kann, wie sehr ich dich liebe und wie viel du mir bedeutest. Ob ich f�r immer aus deinem Leben verschwinde, liegt ganz allein in deiner Hand! Du sollst wissen, dass mir nichts wichtiger ist, als dich gl�cklich zu sehen, mit oder ohne mich an deiner Seite!
In ewiger Liebe dein Erik-Michael�
Mir standen Tr�nen in den Augen und ich wollte den Brief gerade wieder zusammen falten, da entdeckte ich auf der R�ckseite einen kleinen Absatz, der mit Bleistift offensichtlich in Eile draufgekritzelt war.
�So, jetzt sitze ich �ber vier Stunden auf eurem Sofa und betrinke mich mit Kamillentee. Langsam gebe ich die Hoffnung auf, dass du �berhaupt noch kommst, anscheinend willst du dich dr�cken, so wie ich es vorher getan habe. Du bist echt der Wahnsinn und daf�r liebe ich dich! F�r dich w�rde ich ewig warten, aber ich kann nicht, mein Zug f�hrt bald und den darf ich auf keinen Fall verpassen. Es tut mir leid, dass ich dir keine Gelegenheit geben kann, mich pers�nlich von dir zu verabschieden, aber vielleicht ist es so auch besser. Bitte schreib mir weder Emails noch rufe mich an. Wenn ich wieder durch eure Haust�r gehe, ist unsere Beziehung Vergangenheit und ich werde einen Schlussstrich ziehen, doch vergessen werde ich dich nie!!! Erk�
Oh mein Gott! Wieso bin ich nur auf diese d�mliche Party gegangen? Ich habe dadurch mein Leben zerst�rt, dachte ich verzweifelt. Da hatte ich pl�tzlich einen Geistesblitz.
�Wann ist er gegangen?�, fragte ich aufgeregt.
�Kurz bevor du gekommen bist.�, sagte meine Mutter und schon st�rzte ich zur T�r, schnappte mir im Vorbeirennen Papa�s Autoschl�ssel und lief zur Garage. Wie eine Verr�ckte brauste ich durch die Stadt, rote Ampeln und Stopschilder �bersah ich und hatte echt Gl�ck, dass ich keinen Unfall baute. Er hatte ein bisschen mehr als eine halbe Stunde Vorsprung und leider wusste ich nicht, wann genau sein Zug fuhr, aber wenigstens kannte ich sein Ziel: Frankfurt. Ich brauchte unglaubliche sieben Minuten bis zum Hauptbahnhof, das war neue Rekordzeit, ich sollte mir ernsthaft �berlegen Taxifahrerin zu werden. Rasch suchte ich auf dem Fahrplan nach dem ICE nach Frankfurt, hier, um 17:44 auf Gleis drei! Und es war genau 17:44 Uhr!