�Tut mir leid, das ist ein Missverst�ndnis! Wir sind kein Paar.�, kl�rten wir alles auf.

�Das sah eben auf der Tanzfl�che ganz anders aus. Vielleicht �ndert es sich in Vegas.�, grinste er uns an.

Zum Schluss durften wir noch einmal tanzen, sozusagen einen Ehrentanz, nur f�r uns! Langsam drehten wir uns im Kreis, um mich herum verschwand alles, das einzige, was f�r mich z�hlte, waren Bryan�s Augen, die hellblau glitzerten und seine muskul�sen Arme, die er um mich gelegt hatte. Seine Finger bewegten sich z�rtlich �ber meinen R�cken und ich merkte, wie sein Gesicht n�her kam, eigentlich h�tte ich ihn jetzt bitten m�ssen aufzuh�ren, denn ich hatte einen Freund, der aber weit weg war, irgendwo zwischen Brasilien und Chile. Es knisterte heftig zwischen uns, doch in diesem Moment h�rte die Ballade auf und der Zauber war verflogen. Janie kam zu uns und sagte, sie sei m�de und wolle gehen, wir k�nnten gern noch bleiben, doch ich verneinte, schlie�lich ging mein Flug morgen ziemlich fr�h und so brachte uns Bryan (ein wahrer Gentleman) nach Hause. Bevor wir ausstiegen bat er mich noch um ein kurzes Gespr�ch. Janie nickte mir verst�ndnisvoll zu, w�nschte Bryan eine gute Nacht, erinnerte ihn daran morgen zur Premiere ihres neusten St�ckes zu kommen und ging ins Haus. Wir warteten auf der Terrasse bis ihre Schritte verklungen waren.

�Der Abend heute war wundersch�n, Tina! Ich hatte schon lange nicht mehr soviel Spa� wie mit dir.�, sagte er ernst und blickte mir, wie vorhin beim Tanzen, tief in die Augen.

�Mir hat es auch gefallen!�  

�Ich muss dir etwas gestehen.�, sagte er urpl�tzlich, holte schnell Luft und sprach weiter, �Ich habe mich unsterblich in dich verliebt.�

Verbl�fft starrte ich ihn an, wir hatten zwar geflirtet, aber hatte ich ihm in irgendeiner Weise Hoffnungen gemacht? Ich setzte zum Sprechen an, da unterbrach er mich: �Sag jetzt nichts, sondern lass dein Herz sprechen!�

Unsere Gesichter n�herten sich einander und f�r eine Sekunde ber�hrten sich unsere Lippen. Es war nicht mehr wie der Fl�gelschlag eines Schmetterlings, nicht mehr wie ein Lufthauch, der ein Blatt bewegt, nicht mehr wie eine Sekunde in der Unendlichkeit. Ein zweites Mal k�ssten wir uns, diesmal l�nger und inniger, auf einmal fuhr ich wie elektrisiert zur�ck, sch�ttelte den Kopf und murmelte: �Ich kann nicht! Es tut mir leid!�

Er nickte nur, fast so, als ob er diese Reaktion erwartet hatte.

�Ich muss dir auch etwas sagen, ich habe einen Freund und den liebe ich und ich werde es nicht zulassen, diese Beziehung durch einen Flirt zu gef�hrden.�, nun war es raus, doch er war kein bisschen erstaunt.

�Ich wei�, es h�tte mich gewundert, wenn du Erik betrogen h�ttest.�

�Woher wei�t�?�, fragte ich �berrascht.

�Hey, ich bin Jake�s Bruder und kenne Erik auch ganz gut. Er ist ein dufter Kumpel und verdient eine Freundin wie dich.�, erwiderte er gelassen.

Wie konnte er so ruhig bleiben, ich hatte ihm gerade einen Korb gegeben? Er nahm kurz meine Hand, dr�ckte seine Lippen sanft auf meinen Handr�cken, blickte mich noch einmal an, dabei huschte ein L�cheln �ber sein Gesicht.

�Denk an das Wochenende in Vegas! Adieu, Tina!�, mit diesen Worten drehte er sich um und verschwand in der Dunkelheit. Kurz darauf startete der Motor eines Autos und das Ger�usch verschwand in der Ferne. Ich stand noch einige Minuten da und dachte nach bis ich fr�stelte, erst dann ging ich nach drinnen. Leise schlich ich die Treppe durchs dunkle Haus hinauf in mein Zimmer, zog mich um und legte mich ins Bett um zu schlafen. Kaum hatte ich das Licht ausgeschaltet, klopfte es an meiner T�r und eine Stimme wisperte: �Tina?�

�Ich bin noch wach. Du kannst reinkommen, Janie!�, antwortete ich ebenfalls im Fl�sterton.

�Ich will dich gar nicht lange st�ren, wollte dir nur sagen, dass du die richtige Entscheidung getroffen hast.�, und schon war sie wieder weg.

Am n�chsten Morgen kam ich kaum aus den Federn, zulange Feiern war noch nie mein Ding gewesen, musste mich leider schon beim Fr�hst�ck von Janie verabschieden, denn sie hatte noch sehr viele Vorbereitungen f�r den Auftritt heute abend zu treffen.

�Schade, dass du es dir nicht anschauen kannst.�, sagte sie traurig.

�Beim n�chste Mal bin ich hundert pro mit von der Partie.�, versprach ich ihr, dr�ckte sie noch mal ganz lange an mich und ging dann mit Janie�s Daddy, der mein Gep�ck schleppte, und ihrer kleinen Schwester zur T�r. Ein letztes Winken und wir sa�en im Auto zum Flughafen und das in aller Herrgottsfr�he! Dort bekam ich von Liza noch ein P�ckchen mit selbstgebackenen Keksen und einen Schmatzer auf die Wange von ihrem Dad.

W�hrend des Flugs kreisten meine Gedanken oft um Bryan. Er hatte wirklich verst�ndnisvoll reagiert und gar nicht weiter versucht mich zu �berreden. Wieso, fragte ich mich die ganze Zeit. Wollte er auch nur flirten, warum dann diese Liebeserkl�rung? War dies nur ein Trick um mich rumzukriegen und war er eingeschnappt, als es nicht funktionierte und deshalb rasch weggefahren. Nein, ich konnte es mir nicht vorstellen. Bryan hatte es nur einmal versucht und dann meine Liebe zu Erik akzeptiert. Ein wundervoller Mensch! Aber es gab noch eine wundervollere Person, die ungeduldig auf mich in Orlando wartete und je n�her wir der Stadt kamen, desto gr��er wurde meine Sehnsucht nach meinem Erik und schlie�lich als er mich in der Empfangshalle fest umarmte und mich minutenlang k�sste, hatte ich Bryan l�ngst vergessen, denn er war weit, weit weg. Doch �bermorgen sa� ich erneut im Flieger, zum Gl�ck hatte ich keine Flugangst, sonst h�tte ich echte Probleme bekommen. Erik hatte zwar nicht unbedingt mehr Zeit, aber er hatte Mike �n Mike �berreden k�nnen, mich zu ein paar Interviews und Photoshootings mitzunehmen. Samstags abends bat mich Mike Morin wie beim letzen Mal in sein B�ro.

�Erinnerst du dich noch an das Gespr�ch, dass wir vor ein paar Wochen genau hier gef�hrt haben?�, fragte er mich und ich nickte.

�Hast du deine Meinung ge�ndert?�, wollte er wissen.

Ich sah an seinem Blick, das L�gen nichts bringen w�rde, deshalb erz�hlte ich von meinen wahren Gef�hlen.

�Ich bin verzweifelt, verletzt und w�tend auf dich, Mike Cronin, Erik, aber am meisten auf mich. Vielleicht bin ich auch einfach nur entt�uscht, weil mein Leben nicht l�uft, wie ich es mir vorgestellt hatte und ich mit meinem Liebeskummer nicht klarkomme, so war es in Deutschland und so ist es jetzt auch in den USA. Ich habe meinen Freund kaum gesehen, in den zwei Wochen, die ich hier war und ich habe Angst, unsere Beziehung ist noch so jung und zerbrechlich, durch die gro�e Entfernung bekomme ich das Gef�hl keine Kontrolle zu haben. Wie schnell kann ich ihn verlieren und bin machtlos dagegen. Es muss noch nicht einmal eine andere Frau sein oder seine Empfindungen, die sich mir gegen�ber ver�ndern. So viele Faktoren entscheiden �ber unser Gl�ck oder Ungl�ck, die wir nicht beeinflussen k�nnen. Ich denke, ich muss mich andauernd beweisen. Zeigen, dass ich stark genug bin, diese Belastung zu ertragen und nach au�en hin klappt das auch, aber in mir drin w�tet ein kalter Krieg!�

�Ich finde es gut, dass du ehrlich bist, denn L�gen machen alles noch schlimmer!�, erkl�rte er mir.

�Ich war naiv zu glauben, dass das Leben als Freundin eines Stars wunderbar w�re.�, fuhr ich bitter fort.

�Wahre Liebe ist das Heiligste in unserer Welt und wahre Liebe, die schwere Zeiten durchsteht, schwei�t die beiden Menschen nur mehr zusammen. Lieben hei�t Vertrauen und das m�sst ihr beide lernen. Ich sage dies nicht als Manager, sondern als guter Freund.�, l�chelte er mir zu. Diese ernste, philosophische Unterredung hatte mir neue Kraft gegeben an unsere Liebe zu glauben und selbst wenn ich nun wieder mehrere Monate von ihm getrennt war, w�rde ich mich nicht von meinem Schmerz unterkriegen lassen. Ich wollte  Erik beweisen, dass ich alles schaffte, was er sich von mir w�nschte, so dass er mir vertrauen konnte und ich ihn nicht wieder anzul�gen brauchte. Mit diesen Gedanken im Kopf fuhr ich am n�chsten Tag an den Flughafen, blo� Erik begleitete mich, von den anderen hatte ich mich schon im Haus verabschiedet. Trotz gr��ter Willenskraft hatte ich es dort nicht geschafft, nicht zu weinen und auch jetzt konnte ich das Schluchzen nicht unterdr�cken. Liebevoll nahm er mich in den Arm, k�sste mich wieder und wieder. Irgendwann konnte ich nicht mehr bleiben, musste gehen. Ich beeilte mich, nicht, weil ich bef�rchtete den Flug zu verpassen, sondern weil ich uns nicht noch ungl�cklicher machen wollte. Anscheinend war an dem Sprichwort �Je k�rzer der Abschied, desto k�rzer der Schmerz� doch etwas dran. Wie auch immer, ich w�rde in den n�chsten Wochen lernen m�ssen mit meiner Trauer klar zu kommen. Es musste f�r mich ein Leben ohne Erik geben, denn das gab es ohnehin schon, ich musste es nur akzeptieren und daf�r die Zeit, die ich mit ihm verbrachte, intensiv genie�en. Nie wieder w�rde ich so stark f�r jemanden empfinden k�nnen, diese Liebe war etwas ganz besonderes, denn sie geh�rte jemandem ganz besonderem.

Um mein Vorhaben in die Tat umzusetzen, traf ich mich oft mit Nat und der Clique, zog h�ufig um die H�user und das obwohl die Abitur-Pr�fungen bald anstanden. Wenn ich nachts nach Hause kam, sp�rte ich eine grausame Einsamkeit und ich w�nschte mir nichts sehnlicher als Erik bei mir zu haben. Seine K�sse zu sp�ren, seine samtweiche Haut auf meiner, seine sinnlichen Blicke, die in mir die wildesten Fantasien weckten. Eines Abends, ich b�ffelte gerade f�r die morgige Physikklausur (und verfluchte im Stillen, dass ich statt Latein besser Physik abgew�hlt h�tte), klingelte pl�tzlich mein Handy und ich h�rte, durch ein lautes Rauschen unterbrochen, Erik�s Stimme.

�Wie geht�s dir, mein Schatz?�, fragte er.

�Jetzt, da ich mit dir spreche, gut.�, lachte ich.

�Wir haben unseren Terminplan f�r die n�chsten zwei Monate bekommen und deshalb rufe ich dich auch an. Ich vermisse dich unheimlich und hab gehofft, wir k�nnten etwas arrangieren, dass du demn�chst mal r�bergeflogen kommst. Es muss ja nicht lange sein, ein Wochenende oder so.�, erz�hlte er mir.

�Hmmm� bei mir ist es grad nicht so toll, weil wir viel f�r die Schule lernen m�ssen.�, erkl�rte ich ihm vorsichtig, dass ich wahrscheinlich keine Zeit hatte, w�hrend ich meinen Timer durchbl�tterte, in den ich alle wichtigen oder weniger wichtigen Termine eingetragen hatte.

�Moment, Ende November haben wir Donnerstag und Freitag wegen eines Lehrerausflugs frei, da k�nnte ich f�r ein verl�ngertes Wochenende kommen. Vom 25. bis 28. ginge das?�, Hoffnung stieg in mir auf.

�Das passt super, da haben wir nur drei Konzerte in Chicago, L.A. und Denver, viel Promotion ist auch nicht. Ich sag Mike �n Mike Bescheid, dass sie dir einen Flug buchen sollen, okay?�

�Spitze! Ich freu mich total!�, war ich einverstanden.

�Ich muss jetzt Schluss machen! Bye, ach noch was, ich liebe dich!�, verabschiedete er sich.

�Ich dich auch!�, doch schon tutete es in der Leitung. An diesem Abend konnte ich das Physik lernen vergessen, ich war viel zu aufgeregt und machte bereits Pl�ne, was ich mitnahm und was wir unbedingt unternehmen mussten. Aus dem siebten Himmel wurde ich aber schnell wieder auf den Boden der Tatsachen geholt, als wir unsere Physikklausuren zur�ckbekamen und ich nur magere f�nf Punkte hatte. Meinen Eltern gefiel es gar nicht, dass ich durch mein Faulenzen meinen Schulabschluss gef�hrdete. Sie verstanden nichts, wie sehr mich alles belastete, wie viel Kraft es mich kostete, �berhaupt morgens aufzustehen. Mir fiel erst jetzt auf, dass ich meine Geheimnisse eigentlich vor jedem verheimlichte, ich hatte Angst, mir selbst meine Probleme einzugestehen. Das letzte Mal hatte mir Mike Morin zugeh�rt, Verst�ndnis gezeigt und mir Tipps gegeben, wie ich mit der Situation umgehen konnte, hier gab es niemanden, den ich um Rat bitten konnte.

Die n�chsten Wochen waren fast so stressig wie die von O-Town, doch es machte l�ngst nicht so viel Spa� und meine nicht sehr guten Leistungen f�rderten mein Selbstwertgef�hl nicht unbedingt. Was soll�s, mir pers�nlich machte eine schlechte Note nichts aus, meine Eltern dagegen reagierten ziemlich ungehalten und drohten mir sogar an, den Ausflug in die USA zu verbieten. Es kam, wie es kommen musste, wir stritten, irgendwann schrieen wir uns gegenseitig an. Die Situation eskalierte und ich lief ohne Nachzudenken aus dem Haus, erst wollte ich auf gut Gl�ck zum Flughafen, nachdem ich wieder einigerma�en klar denken konnte, entschied ich lieber bei Nat zu �bernachten. Ich bat sie, falls meine Eltern anriefen, zu sagen, dass ich nicht bei ihr w�re, sondern bei einer anderen Freundin. Prompt l�utete das Telefon und Nat meldete sich. Brav verleugnete sie mich, auch wenn es schwieriger als sonst war, meine Mutter abzuwimmeln und auch als sie sp�ter noch ein zweites und drittes Mal anrief, schaffte es Nat. (Sie hatte schon richtig �bung darin bekommen.)

 Als ich am n�chsten Mittag aus der Schule kam, wartete meine Mutter besorgt mit einem frisch gekochten Mittagessen (ein kleines Weltwunder) auf mich. Ich zw�ngte mich gerade aus meiner Jacke, da st�rzte sie wie ein aufgescheuchtes Huhn in den Flur.

�Gut, dass du endlich da bist. Wir haben uns solche Gedanken gemacht.�, rief sie unruhig.

�Hey Mama! Ich bin doch okay und hab nur bei einer Freundin �bernachtet. Der Streit tut mir �brigens leid.�, sagte ich etwas genervt, f�r alles musste ich mich rechtfertigen. Ich wurde wirklich wie ein kleines Kind behandelt, sogar mein Bruder besa� mehr Freiheiten.

�Das meinte ich nicht! Wir haben dich gestern die ganze Zeit versucht zu erreichen, aber dein Handy war aus und bei Nat warst du auch nicht und bei allen anderen, die wir angerufen haben, ebenfalls nicht.�, berichtete sie mit den Nerven am Ende.

�Was um Himmelswillen ist denn geschehen?�, fragte ich augenrollend.

�Du musst jetzt sehr stark sein, Schatz. Erik ist gestern abend nachdem Konzert zusammen gebrochen!�

�Was?�, entgeistert starrte ich sie an.

�Du warst kaum weg, als einer der Manager angerufen hat.�, sprach sie weiter.

�Wie geht es ihm?�, fragte ich voller Angst.

�Sie haben ihn ins Krankenhaus gebracht und es geht ihm wohl nicht so gut, er ist bis jetzt nicht wieder zu Bewusstsein gekommen.�, erz�hlte sie stockend.

�Oh mein Gott! Ich muss sofort zu ihm!� Wie von Sinnen wollte ich in mein Zimmer rennen, um meine Tasche zu packen, aber meine Mutter hielt mich zur�ck.

�Was willst du denn dort? Du kannst ihm jetzt auch nicht helfen!�

�Er braucht mich!�, schrie ich verzweifelt.

�Beruhig dich erstmal und ess eine Kleinigkeit, danach sehen wir weiter.�, sie hatte sich wieder gefasst. Widerstrebend folgte ich ihr in die K�che und setzte mich an den gedeckten Tisch. Mit M�he a� ich zwei, drei Bissen, dann konnte ich nicht mehr.

�Bitte Mama! Wie soll ich hier in Ruhe essen, in der Gewissheit, dass mein Freund zusammengebrochen und bewusstlos im Krankenhaus liegt.�, versuchte ich sie noch mal zu �berreden.

�Es ist besser so, glaub mir! Au�erdem schreibst du morgen eine wichtige Mathe-Klausur und die darfst du auf keinen Fall verpassen.�, sagte sie ernst.

Ich wollte etwas erwidern, da klingelte das Telefon. Wie der Blitz st�rzte ich ins Wohnzimmer und meldete mich atemlos mit �Tina Rohloff�.

�Hi, ich bin�s Mike Morin!�

�Wie geht es ihm?�, fragte ich gleich.

�Er ist immer noch nicht zu sich gekommen!�, seine Stimme klang besorgt.

�Ich komme so schnell ich kann!�, versprach ich.

��hm, das ist keine so gute Idee! Erik braucht Ruhe und die wirst du ihm bei deinem momentanen Zustand nicht geben k�nnen. Es ist f�r alle Beteiligten besser, wenn du in Deutschland bleibst. Ich melde mich, wenn�s was Neues gibt.�, ohne eine Antwort abzuwarten, legte er auf. Alles hatte sich gegen mich verschworen. Bestimmt hatten sich meine Mutter und Mike abgesprochen, aber nicht mit mir! Ich lasse es nicht zu, dass man mich in dieser schweren Zeit von meinem Freund trennt, dachte ich voller Wut, doch ich lie� mir nichts anmerken. T�uschte M�digkeit vor und ging hoch in mein Zimmer, dort schmiedete ich einen Plan, wie ich so schnell wie m�glich, zu Erik gelangen konnte. Irgendwann kann meine Mutter kurz hoch, um mir eine Tasse Tee und ein paar Kekse zu bringen.

�Sch�n, dass du vern�nftig geworden bist.�, sagte sie, als ich �ber mein Mathebuch und einem Block gebeugt auf meinem Bett sa�. Wenn du w�sstest, dachte ich h�misch und notierte mir die Nummer einer Taxizentrale. Mein Vater war auch sehr besorgt und l�cherte mich beim Abendessen mit Fragen. Ich beantwortete sie tapfer und g�hnte ein paar Mal herzzerrei�end, deshalb fand es auch keiner verwunderlich, dass ich schon um acht, schlafen ging. Schlie�lich hatte ich es im Moment nicht einfach. Rasch packte ich meinen Rucksack, nur das N�tigste wollte ich mitnehmen. Klamotten zum Wechseln und Waschzeug, mehr w�rde ich gar nicht brauchen. Danach legte ich mich hin, vor lauter Aufregung bekam ich keim Auge zu, endlich h�rte ich wie sich die Schlafzimmert�r am Ende des Ganges ger�uschvoll schloss. Noch eine halbe Stunde und dann kann�s losgehen, �berlegte ich. Niemand erwachte, als ich mich auf Zehenspitzen die Treppe hinunter, durch den Flur, nach drau�en stahl. An der n�chsten Telefonzelle besorgte ich mir ein Taxi, das mich zum Flughafen bringen sollte. Dort ging ich zielstrebig zur Information (mittlerweile kannte ich mich hier aus wie in meiner Westentasche) und fragte nach dem n�chsten Flug nach Philadelphia. (Erik hatte mir vor einigen Wochen ihren Tourplan per Email geschickt und ich hatte mich vorhin dran erinnert. Sie hatten dort gestern das Konzert gehabt und ich hoffte, sie waren noch dort.) Ich hatte Gl�ck, in knapp zwei Stunden gab es einen Flug, der direkt flog und ich bekam sogar noch einen Platz. Um wach zu bleiben trank ich einen ganzen Liter Kaffee und rannte danach zig mal auf die Toilette, wenigstens verk�rzte mir das die Wartezeit. W�hrend der acht Stunden Flugzeit verstand ich mich blendend mit meinem Sitznachbar, einem Physikprofessor, dank dem ich in der n�chsten Pr�fung ganz bestimmt 12 Punkte schaffen w�rde. Dabei fiel mir meine Matheklausur wieder ein, die vor einer halben Stunde begonnen hatte. Wetten, dass ich m�chtig �rger bekam, wenn ich zur�ck war? Aber ich hatte jetzt andere Probleme, ich wusste nicht in welchem Krankenhaus Erik lag. Mir blieb wohl nichts anderes �brig, als einen von O-Town anzurufen. Bei Mike �n Mike wollte ich es nicht probieren, die Gefahr war zu gro�, dass sie Lunte rochen, was ich vorhatte. In Philadelphia angekommen, versuchte ich es erst bei Ashley, der mir am ehesten etwas sagte, ohne gleich zu checken, was ich damit bezweckte. Fehlanzeige und auch bei Trevor meldete sich nur die Mailbox.

�Dan! Dan!�, entschied ich kurzerhand und w�hlte seine Nummer.

�Ja?�, meldete er sich ziemlich verschlafen. Ups, ich hatte die Zeitverschiebung vergessen!

�Hier ist Tina!�, stotterte ich.

�Oh, es gibt leider nichts Neues!�, er war ziemlich k.o.

�Deswegen rufe ich nicht an. Ich wollte eigentlich wissen in welchem Krankenhaus er liegt.�, lie� ich die Katze aus dem Sack.

�Im St. Andrews Hospital in Philadelphia, wieso?�, seine Stimme klang argw�hnisch.

�Ich wollte ihm Blumen oder so schicken.� (Lahme Ausrede, ich wei�! Sogar ein Vollidiot w�rde das merken, leider war es schon zu sp�t um etwas anderes zu sagen.)

�Erz�hl keinen Unsinn! Du willst herfliegen und ich besuchen, hab ich recht?�, durchschaute er mich.

�Nicht ganz! Hergeflogen bin ich schon.�, antwortete ich z�gernd.

�Was? Wo bist du genau?�, fragte er �berrascht.

�Am Flughafen in Philadelphia!�, sagte ich kleinlaut.

�H�r gut zu! R�hr dich nicht vom Fleck, ich bin in 10 Minuten bei dir. Bye!�

Ungeduldig wartete ich, ich wollte endlich zu meinem Erik und nat�rlich �rgerte ich mich, dass mein Plan aufgeflogen war. Nach einer Weile bekam ich Gewissensbewisse und ich bezweifelte, ob meine Idee wirklich so genial gewesen war, oder ob ich nicht alles noch schlimmer machte. In dem Moment kam Dan auf mich zugerannt, begr��te mich schnell und zerrte mich dann zu einem wartenden Taxi.

�Zum St. Andrews, bitte!�, nannte er dem Fahrer das Ziel und setzte sich zu mir nach hinten.

�Jetzt erz�hl mal, wie bist du verdammt noch mal so schnell hier hergekommen? Ich bezweifel, dass Liebe Fl�gel wachsen l�sst.�, meinte er und lachte �ber seinen Witz.

�Nee, aber sie macht kreativ und so bin ich auf die Idee gekommen, mir kurz die Kreditkarte meines Vaters auszuleihen und damit den Flug zu buchen.�, erkl�rte ich in ein paar Worten.

�Wow, das ist echt ein Ding! Erik kann froh sein, eine so super Freundin zu haben, die sich immer um ihn k�mmert und f�r ihn da ist.�, lobte er mich �ber den gr�nen Klee.

�Ich bin mir sicher, Erin w�rde das auch f�r dich machen.�, entgegnete ich.

�A propos Erin, die wird sich freuen dich zu sehen, genau wie wir anderen alle.�, meinte er.

�Erin ist da?�, fragte ich verbl�fft.

�Ja und Shellie auch! Janie wollte in ein paar Tagen kommen und Michelle musste vor einer Woche wieder nach hause.�, erz�hlte er.

In dem Moment hielt das Auto vor einem hell erleuchteten, wei�en Geb�ude. Innen drin roch es wie in allen Krankenh�usern nach Medizin. Wir fuhren mit dem Fahrstuhl in den vierten Stock und gingen ewiglange G�nge entlang, die alle gleich aussahen (irgendwie erinnerte ich mich das an die Backstage-Bereiche vieler Hallen und an das VIVA-Studio). Mit Erleichterung stellte ich fest, dass wir uns nicht auf der Intensivstation befanden. In Lebensgefahr befand sich mein Schatz also nicht. Vor einer hellgrauen T�r blieben wir stehen und klopften leise an. Drinnen standen Jacob und Mike �n Mike um ein schmales Bett herum, in dem Erik mit blassem Gesicht, tiefen Ringen unter den Augen und eingefallenen Wangen lag. Ich st�rzte neben ihn, nahm seine eiskalte Hand und presste sie gegen meine zitternden Lippen. Sein furchtbar schwacher Zustand ersch�tterte mich zutiefst und als mich Mike M. fragte, wie ich hergekommen war, h�rte ich seine Frage gar nicht.

�Wo sind denn die anderen?�, suchend blickte Dan sich um.

�Ashley bringt Shellie und Erin ins Hotel. Die beiden sind so fertig, sie w�ren fast im Stehen eingeschlafen und Trevor besorgt Kaffe und was zu Essen.�, antwortete Jacob, zog einen Stuhl heran und dr�ckte mich sanft in die Polster. Unverwandt starrte ich Erik an, fast erwartete ich, dass er gleich seine Augen �ffnen und aus dem Bett springen w�rde. Nat�rlich geschah nichts dergleichen!

�Dan, hast du etwas damit zu tun, dass Tina hier ist? Ich hatte ausdr�cklich verboten, dass sie kommt.�, zischte Mike.

�Nein, sie hat mich angerufen und nach dem Namen des Krankenhauses gefragt, ich hab irgendwie gemerkt, dass was nicht stimmt und dann hat sie mir gesagt, dass sie hergeflogen ist. Ich hab sie nur abgeholt, damit ihr nichts geschieht.�, beeilte sich Dan alles aufzukl�ren.

Mike ging kurz auf den Gang um zu telefonieren.

�Tina?�, Besorgnis lag in Jacob�s Stimme.

�Er liegt so still da, als w�re er� als w�re er tot.�, sagte ich tonlos.

�Er lebt hundert pro und jetzt, da du bei ihm bist, wird er bestimmt bald wieder gesund sein. Sprich mit ihm, ich bin sicher, er h�rt dich.�, sprach er mir Mut zu.

�Hi Erik! Das ist �ne �berraschung, dass ich bei dir bin, was? War auch eine ziemlich heftige Aktion, noch mal mach ich das nicht f�r dich, ist das klar? Und ich bleibe auch nur solange, bis es dir besser geht. Hab n�mlich im Augenblick tierisch viel in der Schule zu tun und meine Eltern werden mir tausend Jahre Hausarrest aufbrummen, wenn ich zur�ck bin. Aber das ist ja momentan so unwichtig, es z�hlt einzig und allein deine Gesundheit.�, plauderte ich leise vor mich hin. Die T�r �ffnete sich und Mike kam mit einem zufriedenen Gesicht herein.

�Das w�re gekl�rt! Tina fliegt heute Mittag zur�ck nach Deutschland.�, berichtete er.

�Was??? Das kannst du nicht machen!�, rief Jacob fassungslos.

�Ich muss, du siehst doch, wie geschockt sie von seinem Zustand ist. Das wollte ich ihr ersparen, aber Madame Dickkopf musste nat�rlich auf eigene Faust herkommen.�, rechtfertige er seine Ma�nahmen.

�Ich finde das echt nicht fair von dir, Mike! Du ahnst nicht im Geringsten, was du ihr damit antust.�, meldete sich nun auch Dan zu Wort.

�Ich hab mit hysterischen Fans genug Erfahrung.�, erwiderte er eiskalt.

�Hysterischer Fan? Tina? Du tickst doch nicht mehr ganz richtig!�, schrie Jacob, der seine Beherrschung verlor.

�K�nntet ihr das nicht drau�en kl�ren? Erik braucht seine Ruhe!�, mischte sich Mike C. ein.

�Es ist schon alles gekl�rt. Tina fliegt heute Mittag und damit basta!�, sagte Mike M. entschieden.

�Wird sie nicht!�, entgegnete Jacob mit ged�mpfter Stimme.

�Hey, seid mal f�r einen Moment still, ich glaube, er kommt zu sich.�, fl�sterte ich heiser.

Sofort herrschte Totenstille im Raum und alle starrten wie gebannt auf Erik. Seine Lider zuckten und langsam �ffneten sich seine Augen. Sein erster Blick fiel auf Tina und man konnte ein freudiges Aufblitzen in seinen getr�bten Augen erkennen.

�Tina, was machst du denn hier?�, er klang immer noch sehr schwach.

�Denkst du, ich w�rde dich in einer solchen Lage alleine lassen?�, fragte ich ihn liebevoll.

Er sch�ttelte leicht den Kopf, l�chelte vorsichtig und murmelte: �Ich liebe dich du bin so froh, dass du jetzt hier bist.� Ich beugte mich nach vorne und dr�ckte ihm einen Kuss auf die Stirn.

�Ich liebe dich auch, trotzdem musst du dich schonen, mein Schatz! Am besten schl�fst du ein bisschen.�, sagte ich und streichelte z�rtlich seine Wange. Nur wenig sp�ter war er eingeschlafen, ich blieb noch ein paar Minuten neben ihm sitzen, bis ein Art kam, der ihn untersuchen wollte und uns aus dem Zimmer schickte.

�Ein Wunder!�, meinte Mike Morin verbl�fft.

�Du irrst dich, das ist wahre Liebe!�, erkl�rte Jacob und lachte erleichtert auf.

Endlich hatten wir das Schlimmste �berstanden. Dan, der selbst hundem�de war, begleitete mich zum Hotel, wo Shellie und Erin wohnten und fuhr mit Ashley sofort ins Krankenhaus zur�ck. Echte Freunde lassen einander eben nie im Stich! Ich hatte den Schl�ssel f�r Erik�s Zimmer bekommen und Erinnerungen stiegen in mir hoch, als ich auf dem Boden verstreute Klamotten und ein ungemachtes Bett vorfand. Erst jetzt fiel mir auf, dass auch ich v�llig fertig war. Die beiden letzten Tage waren einfach zu viel f�r mich gewesen, wie ein Stein lie� ich mich ins Bett plumpsen und war im n�chsten Moment eingeschlafen.

Laute Stimmen auf dem Gang weckten mich Stunden sp�ter. Eigentlich wollte ich weiterschlafen, aber als ich Mike�s Stimme erkannte und er meinen Namen mehrmals nannte, qu�lte ich mich verschlafen aus dem Bett um nachzuschauen, was da los war.

�Sie kann nicht bleiben! Ihre Eltern sind auch dagegen, ich hab gerade mit ihnen telefoniert.�, sagte Mike da.

�Tina ist vollj�hrig und kann sehr gut selbst entscheiden, was sie tut.�, entgegnete Dan.

�Ganz meine Meinung!�, mischte ich mich in diesem Augenblick ein.

Erschrocken blickten mich die beiden an, sie hatten gar nicht bemerkt, dass ich aufgetaucht war.

�Du musst doch einsehen, dass es kl�ger ist, zur�ckzufliegen. Deine Eltern waren au�er sich vor Sorge als du heute morgen nicht in deinem Bett lagst und nun sind sie dementsprechend w�tend, weil du ohne ein Wort zu sagen abgehauen bist.�, versuchte Mike mich zur Vernunft zu bringen.

�Ich hatte keine andere Wahl. Du und meine Eltern hattet euch vorher abgesprochen, wir ihr mich am besten von Erik abschotten k�nnt.�, der ganze Frust entlud sich.

�Es w�re euch sowieso am liebsten, wenn wir uns trennen w�rden, nicht? Das ist doch euer Plan!�, meine Stimme zitterte vor Wut und ich begann mit F�usten auf Mike einzuhauen. Dan packte meine Arme und zog mich von ihm weg, doch ich schrie weiter und schlug weiter wie wild um mich, obwohl ich nur Luft erwischte.

�Ich hasse dich! Du hast so getan, als ob du mein Freund bist, dabei war alles nur gespielt und ich habe dir vertraut. Meine Eltern w�rden es lieber sehen, wenn ich mich auf die Schule konzentrieren w�rde, aber ihr k�nnt nichts tun, denn Erik und ich lieben uns und keine Intrige dieser Welt wird uns auseinander bringen, das schw�re ich.�

�Was redet du? Ich hatte nie vor��, verteidigte er sich.

�Mike, lass sie in Ruhe! Du siehst doch, wie k.o. sie ist. Ich k�mmere mich um sie.�, unterbrach ihn Dan. Dann brachte er mich wieder in Erik�s Zimmer, ich kroch ins Bett, das noch angenehm warm war. In der Zwischenzeit besorgte er mir ein leichtes Beruhigungsmittel und blieb, w�hrend ich schlief, bei mir. Erst mitten in der Nacht erwachte ich, Dan d�ste im Sessel neben meinem Bett, als ich leise aufstand, um auf die Toilette zu gehen, weckte ich ihn jedoch auf.

�Sorry!�, fl�sterte ich entschuldigend.

�Nicht so schlimm!�, sagte er und streckte sich erstmal.

Eine hei�e Dusche w�re jetzt genau das Richtige, dachte ich und drehte, nachdem ich auf der Toilette war, das Wasser auf. In einen kuschelwarmen Frotteebademantel geh�llt trat ich aus dem Bad. Dan hatte Br�tchen und Marmelade besorgt.

�Du bist ein Engel!�, lobte ich ihn.

�Danke, ich geb das Kompliment gerne an den Zimmerservice weiter.�, grinste er und biss in ein Br�tchen. Ich verschlang vier Br�tchen, die daumendick mit Marmelade bestrichen waren, danach f�hlte ich mich rundum wohl bis mir wieder der eigentliche Grund einfiel, wieso ich �berhaupt in den USA war.

�Wie geht es Erik?�, fragte ich aufgeregt.

�Ihm geht es gut. Die �rzte sagen, er ist auf dem Weg der Besserung.�, beruhigte er mich.

�K�nnen wir ihn besuchen?�, bittend blickte ich ihn an.

�Jetzt? Um die Uhrzeit?�, erkundigte er sich �berrascht. Er war halb zwei nachts!

Ich sch�ttelte den Kopf. �Morgen fr�h ist es, denke ich, kl�ger!�

Schlafen konnte ich aber nicht und auch Dan war nicht nach Schlummern zumute, deshalb sa�en wir auf dem Bett (es war immer noch nicht gemacht) und quatschten �ber Gott und die Welt. Sogar von meinen Problemen und �ngsten erz�hlte ich ihm und er war nicht nur ein klasse Zuh�rer, sondern gab mir einige wertvolle Tipps, wie ich besser damit fertig wurde. Genau wie damals Mike, dachte ich bitter. Doch diese Freundschaft war wohl f�r immer zerst�rt. Irgendwann �bermannte uns schlie�lich die M�digkeit und wir legten uns in Erik�s weiches Bett, in das problemlos eine ganze Armee gepasst h�tte, so breit wie es war.

Warme Sonnenstrahlen kitzelten mich am n�chsten morgen wach, ich wollte noch nicht aufstehen und kuschelte mich enger in Erik�s Arme. Stop! Erik lag im Krankenhaus und ich in seinem Hotelzimmer, das konnte nur ein wundersch�ner Traum sein. In wessen Armen lag ich dann? Wie von der Tarantel gestochen fuhr ich hoch und sah, dass Dan neben mir, s�� wie ein kleines Baby schlummerte. Sein rechter Arm ruhte weiterhin auf meiner H�fte. Ohne ihn zu wecken, schob ich seine Hand weg, stand auf und tapste zum Fenster. Ein St�ckchen zog ich die blauseidene Gardine zur Seite, drau�en in einem gro�en Park mit riesigen, alten Platanen und einem kleinen See in der Mitte, spielten Kinder Fu�ball, M�tter sa�en auf B�nken, strickten oder unterhielten sich. Alte Herren lasen Pfeife rauchend in Zeitungen und eine alte Frau f�tterte Enten mit Brotkrumen. Alles wirkte friedlich und gl�cklich, dass mir ganz war ums Herz wurde. Ein ruhiges, erf�lltes Leben an der Seite des Mannes, den ich liebte und mit zwei oder drei Kindern, so stellte ich mir meine Zukunft vor. Aber Tr�ume sind Sch�ume, das war mir durchaus bewusst und mit Erik, war mir klar, dass ich so ein Leben nie f�hren w�rde, jedenfalls nicht in den n�chsten Jahren. V�llig in Gedanken versunken, beobachtete ich noch eine Weile diese Menschen, dann ging ich ins Badezimmer um mich zu waschen und frische Klamotten anzuziehen, doch ich fand meinen Rucksack nirgends. Ich musste ihn im Krankenhaus liegen gelassen haben, deshalb suchte ich in Erik�s Tasche nach einer Hose und einem T-Shirt. Es sah etwas merkw�rdig aus, ich in megaweiten Skaterhosen und einem Nike T-Shirt und auch die verwunderten Blicke des Angestellten, der uns das Fr�hst�ck brachte, dass ich per Telefon bestellt hatte, lie�en mich �berlegen, ob ich nicht zu Shellie oder Erin gehen sollte und sie um weibliche Kleidung zu bitten.

Was soll�s einen Tag in Jungen-Klamotten werde ich �berleben, dachte ich und trank einen Schluck vom eisgek�hlten Orangensaft. Vor dem gedeckten Tisch, an dem es herrlich duftete, musste ich eine Ewigkeit warten, ohne etwas anzur�hren, bis Dan endlich erwachte. (Ich hatte schlie�lich Manieren und meine Mutter hatte mir fr�h beigebracht, erst mit dem Essen zu beginnen, wenn alle am Tisch sa�en.) Kaum waren wir fertig, wollte ich in s Krankenhaus, doch ein Meeting mit Mike �n Mike und den drei anderen im Foyer kam dazwischen. Es ging um das Fortsetzen der Tour, wie man Erik, der f�r die n�chsten f�nf Tage ausfiel, ersetzte oder ob man vielleicht sogar Konzerte absagen musste. Eigentlich sollten die Boys heute in Boston auftreten, wahrscheinlich w�rde dieser Auftritt ins Wasser fallen. Sie sahen nicht besonders gl�cklich aus, denn sie hassten es ihre Fans zu entt�uschen, die sich alle sehr auf das Konzert freuten.

�Was ist wenn wir nicht mit dem Tourbus fahren sondern fliegen? Dann k�nnten wir es noch rechtzeitig schaffen, oder?�, �berlegte Ash.

�Und wer �bernimmt Erik�s Parts?�, fragte Mike C. zweifelnd.

�Die teilen wir unter uns vieren auf, dass d�rfte kein gro�es Problem darstellen.�, meinte nun auch Trevor.

�Wenn ihr glaubt, dass ihr es hinbekommt, buche ich gleich mal den Flug.�, sagte Mike M. entschlossen und f�gte noch ein: �Ich wusste, dass man sich auf euch verlassen kann, Jungs!�, hinzu. Sie hatten Gl�ck, in einer halben Stunde ging ein Flieger. Wie der Blitz liefen alle in ihre Zimmer um zu packen. Selbstverst�ndlich kamen Shellie und Erin auch mit. Mike Morin und ich blieben als einzige zur�ck.

�Ich wollte mich noch mal  wegen gestern entschuldigen.�, sagte er ernst.

�Ich h�tte nicht so ausrasten m�ssen!�, beschwichtigte ich und umarmte ihn. Vielleicht hatte unsere Freundschaft doch noch eine Chance.

�Soll ich dich zu Erik ins Krankenhaus fahren? Er hat n�mlich nach dir gefragt.�, erz�hlte er mir l�chelnd.

�Gerne, aber musst du nicht packen?�, fragte ich �berrascht.

�Mike macht das f�r mich!�, und schon gingen wir zur Tiefgarage, wo sein Mietwagen stand.

�Hey Erik, deine Medizin ist da.�, rief Mike grinsend, als wir sein Krankenzimmer betraten.

�Hi S��e! Ich habe dich unheimlich vermisst.�, strahlte er mich an.

�Und ich dich erst!�, eine innige Umarmung und ein leidenschaftlicher Kuss folgten. Die n�chsten Minuten waren wir ziemlich besch�ftigt und merkten gar nicht, dass Mike wegen eines Telefongespr�chs nach drau�en ging. Erik hatte gerade seine Hand unter mein T-Shirt geschoben (fast sofort war ihm aufgefallen, dass ich seine Klamotten trug und er fand, dass sie mir ausgezeichnet standen und ich das ruhig �fter machen k�nnte), als Mike wieder hereinkam.

�Ich dachte, du solltest dich schonen.�, sagte Mike spitz und wirkte �berhaupt nicht mehr fr�hlich. Irgendwas hatte ihm die Laune verdorben, was, w�rde ich gleich erfahren.
�Tina, kann ich dich kurz unter vier Augen sprechen?�, bat er mich.

Erstaunt blickte ich ihn an und folgte ihm dann auf den Flur.

�Ich hab schlechte Neuigkeiten f�r dich. Du fliegst heute Nachmittag nach Deutschland zur�ck.�

�Das ist ein schlechter Scherz, oder?�, erkundigte ich mich, obwohl ich die Antwort kannte.

�Es liegt nicht an mir! Es sind deine Eltern.�, und es fiel ihm offensichtlich schwer zu reden, �Sie haben mich eben angerufen und mir angedroht, wenn ich dich nicht heute nach hause schicke, der Presse mitzuteilen, dass du mit Erik zusammen bist und das w�re eine Katastrophe. Ich kann nichts machen, mir sind die H�nde gebunden, denn egal, was passiert, ich bin als Manager f�r das Wohl der Band verantwortlich und das kann ich nur durch entsprechende Ma�nahmen sch�tzen. Ich hoffe, du verstehst meine Beweggr�nde.�

Ich starrte ihn wie einen Au�erirdischen an, schlie�lich begriff ich, was seine Worte letztendlich bedeuteten.
�Dich verstehe ich, Mike! Aber meine Eltern� wie k�nnen sie mir nur so etwas antun? Ich dachte, sie lieben mich, stattdessen zerst�ren sie mein Leben.�, meine Stimme zitterte.

�Gerade weil sie dich lieben und sie Angst haben dich zu verlieren, tun sie das. Nicht um dir weh zu tun, sie sind wohl selbst am Ende ihrer Kr�fte und versuchen dich mit nicht unbedingt fairen Aktionen zu ihnen zu holen.�, erkl�rte er mir.

�Ich bin erwachsen. Ich kann machen was ich will und werde ganz bestimmt nicht nach ihrer Pfeife tanzen.�, Hass stieg in mir auf, Hass gegen meine Eltern.

�Es f�llt mir schwer, dich darum zu bitten, aber es geht um die Zukunft von O-Town!�, flehte er.

�In Ordnung, ich tue es!�, gab ich nach und in mir str�ubte sich alles dagegen. Ich sp�rte, dass mit den Erpressungen meiner Eltern, die ich jetzt mit ganz anderen Augen sah, ein Teil von mir starb. Die Liebe zu ihnen! Ich ging noch einmal kurz zu Erik ins Zimmer, doch ich schaffte es nicht ihm zu sagen, dass ich zur�ckflog und so erz�hlte ich, dass ich noch dringend etwa erledigen musste und bald wieder kommen w�rde. Ein letzter, z�rtlicher Kuss, dann musste ich gehen.

�Ich kann es kaum erwarten, bis du wieder bei mir bist!�, rief er mir noch gut gelaunt hinterher, da perlten zwei kleine, glasklare Perlen meine Wangen hinunter.

 

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