Alles oder Nichts

 

                                      Alles oder Nichts

 

Mit einem kurzen Ruck hielt der Bus und leise quietschend �ffneten sich die T�ren. Dan sprang als erster aus dem Bus und blickte sich neugierig um.

�Wow�, sagte er, �Nicht �bel f�r� wie hei�t es noch? Frunkfurt?�

�Nein, Frankfurt!�, verbesserte ich ihn lachend und schaute mich nun auch um. Wir standen am Hintereingang einer riesigen Kuppel, nur ungef�hr 20 Meter entfernt, umgab ein Zaun die Halle und dahinter standen zwei Dutzend Fans, die seit der Bus die Auffahrt heraufgekommen war, schrieen. Da trat auf einmal Mike Morin neben mich und ehe ich mich versah, zog er mich und Erin in die Halle, dort warteten schon Shellie, Janie, Michelle mit Mike Cronin an ihrer Seite. Durch ein schmales Fenster an der Seite der Halle beobachteten wir, wie unsere f�nf Boys Autogramme schrieben, in Kameras l�chelten und zahlreiche Fragen beantworteten. Schon nach zehn Minuten aber ging Mike Morin wieder nach drau�en, um sie zu holen. Ihn lie� das Gekreische der Fans v�llig kalt, als er erst Dan, Trevor und dann Erik etwas unsanft in Richtung Eingang schubste und es schlie�lich auch schaffte Ashley und Jacob von den Fans loszueisen, die mit allen mitteln versuchten ihre Lieblinge zum Bleiben zu bringen. Einige hielten Jacob sogar am �rmel seiner Lederjacke fest. Nur mit stahlharter Muskelkraft schafften es, er und Mike. Inder Zwischenzeit schrieb Ashley noch ein paar Autogramme, da packten ihn die beiden anderen am ragen und zerrten ihn zur �rettenden T�r�. 

�I love you!�, rief Ash noch bevor sich das schwere Eisentor hinter ihm schloss. Nur schwer konnte ich mir das Grinsen bei dieser Szene verkneifen. Zu komisch war der Anblick Ash�s, der aussah wie ein Kind, das etwas angestellt hatte, so wie er, immer noch von Mike am Kragen gepackt, herumzappelte und der Gedanke, dass Jacob von einen Fans gekidnappt werden k�nnte. F�r die anderen war dies schon Alltag, aber ich musste mich erst an das ungewohnte Leben als Freundin eines Stars gew�hnen�

Nachdem wir, wie in K�ln, durch unendlich viele G�nge gelaufen waren, kamen wir an der Garderober der Jungs an, doch noch bevor wir sie betraten, sch�rften uns die Manger ein, sich sp�testens eine halbe Stunde vor der Show nicht mehr hier aufzuhalten, da sie ihre Ruhe br�uchten und auch nicht gleich danach wie Hy�nen �ber sie herzufallen.  Doch echt, das haben sie zu uns M�dchen gesagt, so erweitert man seinen englischen Wortschatz im Bereich Wildtiere. Als ob wir irgendwelche entfernte �hnlichkeit mit Hy�nen h�tten, dann schon eher die geifernde Menge, die die Jungs am Backstageeingang abgefangen hatte oder die Masse von kreischenden Fans, die vor dem Haupteingang in regelm��igen Abst�nden �O-Town� schrieen oder Songs wie �We fit together� oder �All or Nothing� v�llig falsch anstimmten, da konnte sogar ich noch besser singen. In dem Moment wurde unsere Lieblingsboyband zum Soundcheck gerufen. Nach kurzem Nachdenken tappte ich hinter ihnen her. Nur Janie und Erin folgten mir, die beiden anderen wollten sich lieber noch ein wenig ausruhen, als ob sie dazu im Bus nicht genug Zeit gehabt hatten, aber sie kannten alles auch schon in- und auswendig. Ich war zum ersten Mal bei so etwas dabei, wenn man von dem Soundcheck unserer Schulband mal absah, die sich mit dem was ich in der n�chsten Stunde erleben sollte, auf keinen Fall vergleichen lie�, denn au�er einem viel zu leise eingestelltem Standmikro, zwei viel zu laut eingestellten Boxen und f�nf mittelm��igen Musikern (Mit dem Gitarristen war ich damals zusammen, deshalb durfte ich bei diesem �Soundcheck� auch zu schauen. Doch schon eine Woche nach diesem Auftritt, der sich �brigens genauso gr�sslich anh�rte wie der Soundcheck, da die Jungs vers�umten meinen technischen Tips, die Boxen leiser zu stellen und daf�r das Mikro etwas lauter, zu folgen, trennte ich mich von ihm und nur einen Monat sp�ter auch die Band.) hatten sie nicht viel zu bieten.

Als wir den riesigen Raum betraten, in dem das Konzert stattfand, staunte ich nur noch Baukl�tze. Auf einer breiten B�hne am anderen Ende wurden gerade Lichteffekte ausprobiert. Kaum aber standen die Boys auf der B�hne dr�hnte aus mindestens zwanzig Boxen das Intro von Liquid dreams und die Musik kam nicht vom Band, sondern wurde im Hintergrund von einer Band live gespielt. Als Ash�s Stimme pl�tzlich direkt neben meinem linken Ohr ert�nte, weil ich Dummerchen mich neben eine Box gestellt hatte, erschreckte ich mich zu Tode und machte einen gro�en Satz nach vorne. Jacob hatte mich bei meiner peinlichen Aktion gesehen und grinste sich nun einen ab, leider verpasste er dadurch seinen Einsatz und sie mussten nochmal von vorn beginnen. Oh, oh! Ich war eine gef�hrliche Ablenkung. Nachdem sie noch ein paar Schritte getestet hatten, gingen sie zum n�chsten Song �ber, Sensitive!  Hier wurde nur kurz der Refrain angesungen und intensiver die komplizierte Choreographie ge�bt. Danach folgten noch Sexiest woman alive, Girl, All or Nothing, All for Love, Every six seconds und Take me under. Dann gab es eine kurze Pause, in der mich Janie daran erinnerte den Mund zu zu machen, der anscheinend schon eine Weile offen stand. Meine G�te, die Boys waren einfach der Wahnsinn! Da griff Jacob zur Akustikgitarre und klimperte ein paar Akkorde. Was sollte das jetzt? Wollte er etwa spielen? Und schon begann Erik zu singen. Seine glockenhelle Stimme schallte durch die Halle, nur begleitet von den sanften Gitarrenkl�ngen Jacob�s. Als Dan dran war, unterbrach er kurz und sagte (auf Deutsch):

�Hey Jacob, spiel du weiter Gitarre, wir anderen wollen tanzen!� und schon setzten die vier synchron ein. Beim Refrain tanzte sogar Jacob mit Gitarre etwas mit und auch ich begann ein wenig herum zu t�nzeln, weil der Beat dieses Songs so klasse war und mir der Titel �We fit together� echt gut gefiel, keine gro�e �berraschung, was? Beim n�chsten Lied �Love should be a crime� griff auch Ash zur Gitarre und beide, er und Jake begleiteten die Backgroundband und den Gesang wirklich gut. Noch w�hrend die letzten Takte gespielt wurden, schoben die Techniker ein Keyboard auf die B�hne und Ash dr�ckte schnell Dan seine Gitarre in die Hand, setzte sich auf den Hocker und begann zu spielen.

Wundersch�n, dann begann er zu erz�hlen (auch er hatte extra f�r die deutschen Fans deutsch gelernt): �Schaut ihr alle regelm��ig Making the band? Dann bin ich sicher, dass ihr den n�chsten Song erkennen werdet.� Und schon erklangen die erstne T�ne von �Baby I would�, einer supersch�nen Ballade. Langsam n�herte sich der Soundcheck dem Ende, als Trev an ein Standmikro trat und sagte: �Tina, kannst du bitte mal auf die B�hne kmmen? Wir brauchen dich als Paintergirl, du machst das n�mlich perfekt!� Mit drei Schritten war ich vorne an der B�hne und zog mich mit der Hilfe von Trevor am Rand hoch. Ein bisschen aufgeregt war ich schon, als ich auf dem Hocker, auf dem ich vor drei Tagen schon einmal gesessen hatte, Platz nahm, aber die Aufregung verflog so schnell wie sie gekommen war, denn als mich Ashley grisend nach meinem Namen fragte, und auf der anderen Seite Dan leise kicherte, konnte ich einfach nur noch strahlend l�cheln. Als ich die Anfangsmelodie von �Painter� h�rte, schloss ich die Augen und f�hlte mich in der Zeit zur�ckversetzt, glaubte es w�re Samstag abend, in einer Halle in K�ln, vor mehr als tausend kreischenden Fans, ahnungslos, dass ich gleich meine gro�e Liebe wieder treffen w�rde. Eine Hand ergriff meine, strich �ber meine Wange, dann umarmte mich eine andere Person, als sie mich sanft k�sste, �ffnete ich die Augen und blickte in eine leere Halle.

�Stop!�, rief da Mike Cronin, �Erik, seit wann k�sst du das Paintergirl?�

�Seit sie meine Freundin ist!�, antwortete er und zog mich noch enger an sich.

�Okay, denk aber sp�ter dran, dass da nicht deine Freundin, sondern ein anderes M�dchen sitzt.�

�Geht klar, Chef!�

Mike nickte ihm noch mal kurz zu und machte den Tontechnikern ein Zeichen, dass es weitergehen konnte. Wie im Flug verging der Rest von �Painter� und es gab den gleichen fliegenden Wechsel zu �Shy girl�, wie beim letzten Mal, nur machte mir das Tanzen und Herumwirbeln jetzt noch mehr Spa�. Atemlos verlie� ich kurz darauf die B�hne und ging wieder zu Janie und Erin.

�Na, wie war�s?�, fragte mich Janie l�chelnd.

�Super! Ihr m�sst, dass auch mal machen!�, antwortete ich immer noch keuchend.

�Geht leider nicht, weil wir schon als Freundinnen bekannt sind, w�re dass nicht sehr toll f�r die Fans, die w�ren super eifers�chtig und es ist eigentlich auch nicht fair.�, leise Trauer schwang in Janie�s Stimme mit. In dem Moment wurde die Stille von lauter, rockiger Gitarrenmusik durchbrochen. Dan und Jacob standen mit zwei Gitarren vor Standmikros, pl�tzlich klang Dan�s Stimme, die eben bei Painter noch sanft und z�rtlich gewesen war, rau und laut aus allen Boxen.

�Was ist das denn?�, fasziniert lauschte ich, das war eindeutig keine Boygroupmusik!

�American game, der Song von Jacob und Dan!�, erkl�rte mir Erin rasch.

�Wow!�, hauchte ich und klopfte mit meinen F��en den Takt mit, das ging echt ab!

Noch bevor der Song fertig war, hatte ich ihn schon zu einem meiner absoluten Lieblingssongs erkl�rt. Doch danach war der Soundcheck leider zu Ende und wir gingen schnell zum Catering (mein Magen knurrte ziemlich laut). Auf dem Weg, erz�hlte ich Erik, wie sehr mir der heutige Soundcheck gefallen hatte und wie sehr ich sie bewunderte.

�Ihr seid echt spitzenm��ig!�

�Ich wei�, das liegt uns im Blut!�, war seine nicht sehr bescheidene Antwort, doch als er mir ein kleines K�sschen auf die Stirn dr�ckte, hatte ich den coolen Spruch wieder vergessen.

Tjaja, wie einfach es doch ist, eine Frau zu bes�nftigen. Nachdem wir endlich satt waren, stand noch ein kurzes Interview auf dem Plan und danach hatten die Boys eine Stunde Zeit, um sich auf ihren Auftritt vorzubereiten. Shellie und ich gingen einmal vor, um kurz durch den Vorhang zu spitzeln. Die Halle war ziemlich voll, doch es str�mten immer mehr M�dchen durch die Eing�nge hinein.

�Sollen wir wetten, wie viele heute abend in Ohnmacht fallen?�, fragte mich Shellie und lachte leise.

�Was sch�tzt du?�, fragte ich neugierig.

�Mindestens 70!�

�Okay, ich sage 10. Wer n�her dran ist, gewinnt.�

�Und was ist der Wetteinsatz?�

�Der Verlierer muss morgen w�hrend des Soundchecks im Bikini �ber die B�hne laufen.�

�In Ordnung!�

Gut gelaunt gingen wir zur�ck zu den anderen, gerade noch rechtzeitig, denn wir hatten die Garderobe noch gar nicht richtig betreten, als uns Mike �n Mike schon wieder hinaus warfen. Schnell w�nschten wir allen noch Viel Gl�ck und standen dann ein wenig entt�uscht auf dem Gang herum. Doch Tr�bsal blasen hatte ja keinen Sinn und so liefen wir ein wenig herum, trafen kurz darauf Janie und Erin und schlie�lich noch Michelle, die im Catering-Raum mit einem Kellner flirtete. Armer Trevor!

�In ein paar Minuten beginnt die Vorband zu spielen.�, sagte Erin mit einem kurzen Blick auf die Uhr. Wir beschlossen, besser, �berlie�en mir die Wahl, ob wir uns die Vorband anschauen wollten oder nicht, da sie sie schon von anderen Konzerten kannten, im Gegensatz zu mir.

Wir warne noch ziemlich weit von der B�hne entfernt, als wir schon den Bass h�rten und leises Gekreische. Je n�her wir kamen, desto lauter wurde es, als wir schlie�lich am der Seite der B�hne standen (von dort konnten wir alles beobachten, ohne von jemandem gesehen zu werden und das hatte ich schnell gemerkt, war das Wichtigste als Girlfriend im Showbiz.).

Die Vorband hie� Freistil und war eine deutsche Soft-Rockband. Mir pers�nlich gefielen die Songs ja nicht, aber die Fans gingen ganz sch�n mit und das war schlie�lich die Hauptsache. Michelle tippte mich kurz an und fl�sterte mir ins Ohr:

�Guck mal hinter den schwarzen Vorhang.�

Hinter einem schwarzen Vorhang auf dem in gelber Schrift Freistil stand, ging die B�hne weiter, dort war die eigentliche B�hne von O-Town aufgebaut, aber es war stockdunkel dort und ich fragte mich, warum Michelle mich darauf aufmerksam gemacht hatte, als ein kleiner Lichtstrahl von einer Taschenlampe wie ein Gl�hw�rmchen herumflog. Er fiel kurz auf die Mitglieder der Background-Band, die ihre Pl�tze schon eingenommen hatten und dann (meine Augen gew�hnten sich langsam an die Dunkelheit) entdeckte ich Jacob, der am Rand der B�hne stand und hinter ihm drei oder vier Tontechniker, die ihn verkabelten. Dan und Ashley waren schon fertig und standen bei den Musikern. Da k�ndigte der Frontman von Freistil den letzten Song f�r heute abend an. Er hie� K�ssenschlacht. Von Erik und Trevor fehlte nach wie vor jede Spur. Ich beobachtete wie Mike Morin langsam unruhig wurde und wie ein aufgescheuchtes Huhn herumsprang. Ich h�tte nie gedacht, dass dieser ruhige, ausgeglichene Typ, der immer alles unter Kontrolle hatte, so nerv�s werden konnte. Zwei Arme legten sich z�rtlich um meine H�ften und die Lippen von Erik liebkosten meine Halsbeuge. Als ich mich vom ersten Schreck erholte hatte, geno� ich seine aufregenden K�sse, doch nur  wenige Sekunden sp�ter stand Mike vor uns und flippte v�llig aus. Er schrie nat�rlich nicht, doch sein w�tendes Fl�stern und seine wilden Gesten sprachen B�nde.

�Du sagst immer, dass du ein Profi bist, Erik, zeige uns allen doch einmal, dass du auch wirklich einer bist! Und wenn ich so etwas noch einmal sehe, gibt es m�chtig �rger! Dann fliegt deine Freundin nicht nur aus der Show, sondern wird dich auch in Zukunft nicht mehr begleiten. Nur weil du ewig kein Girl mehr hattest, bekommst du keine Extrarechte in Sachen Frauen und blo� weil deine Hormone verr�ckt spielen, gef�hrdest du die Karriere deiner Band!�

Schuldbewusst blickte Erik zu Boden, lie� aber seine Arme immer noch um meine H�ften geschlungen.

�Au�erdem seid ihr, du und Trevor, schon �ber zehn Minuten zu sp�t! Also kommt jetzt mit, oder wollt ihr den ganzen Auftritt versauen? Wir reden sp�ter weiter!�

Mit h�ngenden Schultern folgte er Mike zu den Tontechnikern, die im Augenblick Trevor mit seinem Head-Set ausstatteten. Ver�ngstigt blieb ich zur�ck. Konnte dieses Ereignis Konsequenzen f�r unsere Beziehung haben? Musste ich vielleicht schon nach der Show zur�ck nach K�ln? Ich sah wohl aus wie ein verschrecktes Kaninchen, denn Janie nahm mich fest in den Arm und sagte:

�Du brauchst dir keine Sorgen zu machen! Mike wird nachdem Auftritt l�ngst alles vergessen haben und rauswerfen wird er dich auf keinen Fall, denn dann w�ren wir vier anderen schon hundert Mal oder so rausgeflogen, au�erdem hat Erik da auch noch ein W�rtchen mitzureden, also h�r auf zu gr�beln und genie� die Show heute abend.�

Ich nickte und l�chelte sie dankbar an, wie schnell man hier neue Freunde fand, auf die man z�hlen konnte, erstaunte mich immer wieder auf�s Neue. Da musste ich an Natalie denken, die ich schon seitdem Kindergarten kannte und mir rollte eine Tr�ne �ber die Wange, als ich daran dachte, dass ich sie jetzt zwei Wochen lang nicht sehen w�rde. Sie war f�r mich wie eine Schwester und ich konnte ihr wirklich jedes Geheimnis anvertrauen und ich wusste auch, wie wichtig unsere Freundschaft f�r Nat war, denn sie hatte zuhause ziemliche Probleme. Ihr Vater hatte sich gleich nach ihrer Geburt aus dem Staub gemacht. Zwei Jahre sp�ter hatte ihre Mutter neu geheiratet, doch der Mann schlug die beiden und zum Schluss auch ihre kleine Halbschwester Alicia. In dieser Zeit �bernachtete Nat oft bei mir, eigentlich jeden Tag und wenn es ganz schlimm wurde, brachte sie auch die kleine Alicia mit, die damals noch ein Baby war. Schlie�lich lie� sich die Mutter scheiden und es schien, als ob nun alles wieder gut werden w�rde, aber nur zwei Monate sp�ter, erfuhr Frau Mahler, dass sie einen Gehirntumor hatte. Mit allen Mitteln versuchte sie gegen den Krebs anzuk�mpfen, unterzog sich schwierigen Behandlungen und war deshalb oft monatelang im Krankenhaus. Nat lernte deshalb schon fr�h Verantwortung f�r ihre Schwester und sich zu �bernehmen und f�hrte den Haushalt fast ganz alleine. All ihre �ngste und Sorgen versteckte sie hinter einer witzigen, durchgeknallten Fassade, hinter die nur sehr wenige blicken durften. Hoffentlich ging es ihr und ihrer Familie gut, vielleicht sollte ich sie sp�ter mal anrufen, �berlegte ich.

�Hey, so schlimm war es echt nicht!  Mike war nur nerv�s, weil nicht alles so klappte, wie er es geplant hatte und da musste er es an irgendjemandem auslassen. Nimm�s nicht pers�nlich. Mike �n Mike m�gen dich wirklich sehr, sonst h�tten sie dich ganz bestimmt nicht mitkommen lassen, sie sind bei Frauen n�mlich ziemlich streng.�, versuchte mich Shellie aufzumuntern, die offensichtlich dachte, dass ich wegen dieser Sache weinte.

�Stimmt! Ich durfte erst nachdem ich mit Trev drei Monate zusammen war, mit auf PR-Termine und Konzerte!�, mischte sich Michelle ein.

�Bei mir und Dan war es �hnlich!�, sagte  nun Erin etwas.

Da wurden wir von Mike Cronin, der neben uns stand, zur Ruhe ermahnt.

�Es geht gleich los!� Ich sah, dass die Jungs ihre Positionen eingenommen hatten und nun darauf warteten, dass der Vorhang endlich fiel.

�Mike war echt nur sauer, weil die beiden unp�nktlich waren.�, erkl�rte mir jetzt auch noch Mike C., dass ich mir kein Sorgen machen brauchte. Doch ein f�nfstimmiges �Schhhhh!� brachte ihn zum Schweigen, denn in diesem Moment setzte die Musik von All for Love ein und O-Town standen von Scheinwerfern angestrahlt vor �ber tausend kreischenden Fans, die gerade ausrasteten. Schon waren die Gedanken an den Streit und an Nat in weite Ferne ger�ckt und ich musste aufpassen, um nicht selbst hysterisch zu schreien, weil mich die Performance einfach �berw�ltigte.

Die n�chsten neunzig Minuten starrte ich wie gebannt auf die B�hne, auf der sich f�nf normale, amerikanische Boys in Performer verwandelt hatten, die perfekt sangen und tanzten und nebenbei noch ganz locker Instrumente spielten. Ich war hin und weg, der Soundcheck hatte mich ja schon in Ekstase gebracht, aber das war einfach der Wahnsinn! Ich w�nschte mir, dass die Boys ewig weiter machen sollten, aber nachdem die letzten Noten von All or Nothing verklungen waren, sie sich vor dem Publikum verbeugt und noch einmal betont hatten, wie sehr sie die deutschen Fans liebten, verschwanden sie schlie�lich von der B�hne und mit ihnen der ganze Glanz und Zauber des Konzerts.

Die Fans br�llten nach einer Zugabe, doch die gab es nicht, denn die Boys wurden von ihrem Kabelsalat befreit und liefen dann so schnell sie konnten zu ihrer Garderobe, um sich umzuziehen. Eigentlich wollte ich ihnen folgen, doch die anderen gingen in Richtung Ausgang.

�Wollt ihr nicht zu euren Freunden?�, fragte ich erstaunt, denn ich konnte es kaum abwarten. Den Jungs zu erz�hlen, wie begeistert ich von ihrem Auftritt war, doch sie zuckten nur mit den Schultern und erkl�rten  mir, dass es besser war, im Bus zu warten, da die Boys normalerweise nach den Konzerten ausflippten und eigentlich dann lieber alleine waren. Wahrscheinlich weil es ihnen peinlich war vor ihren Freundinnen,  au�erdem brachten sie ihre Zeit um sich zu beruhigen. Ich akzeptierte es, wenn ich es auch nicht recht verstand und ging mit den anderen langsam zum Bus. Wir hatten es uns gerade gem�tlich gemacht, als Mike Cronin kurz hereinsprang, um uns zu sagen, dass O-Town noch ein Meet �n Greet hatten und fr�hestens um Mitternacht fertig seien. Wir k�nnten aber schon mal mit einem Taxi zum Hotel fahren. Wir stiegen wieder aus und folgten ihm zu einem Taxi, das einige Meter entfernt mit laufendem Motor wartete. Rasch sagte er dem Taxifahrer noch den Namen des Hotels, dr�ckte ihm einen 100 � Schein (Amerikaner konnten einfach nicht mit Geld umgehen) in die Hand, rief uns ein kurzes �Bis sp�ter!� zu und verschwand wieder in der Halle. Erin, Janie und ich quetschten uns zu viert hinten hinein und Michelle machte es sich auf dem Beifahrersitz bequem. Der Taxifahrer war nicht sehr gespr�chig, das lag aber wohl daran, dass er dachte, wir k�nnten kein Deutsch sprechen. Als ich ihn nach einer Weile fragte, wie weit es noch sei, fuhr er fast in den Stra�engraben. �Nicht mehr weit!�, kr�chzte er und versuchte sich von seinem Schrecken zu erholen. Nach weiteren zehn Minuten stummer Fahrt kamen wir schlie�lich vor einem hell erleuchteten Eingangsportal an. Hilton Hotel Frankfurt stand in goldenen Lettern dar�ber. Ohne Probleme checkten wir ein und nachdem wir uns unsere Suiten angeguckt hatten (Hier war es nicht wie im Hyatt, dass wir alle zusammen einen gro�en Wohnraum mit extra Schlafzimmer hatten, sondern jedes Paar hatte seine eigene Suite.), gingen wir hinunter zur hauseigenen Hotelbar. Wir verstanden uns wirklich super und quatschten bis weit nach Mitternacht. Viel zu lachen hatten wir auch, aber das lag an den vielen Cocktails, die wir getrunken hatten. Ich glaube, es war so halb zwei, als ich bemerkte, wie schwer es war die Augen offen zu halten, au�erdem fiel mein Kopf die ganze Zeit nach vorne auf die Tischkante. Mit M�he schleppten Janie, Erin und ich uns die Treppe in den zweiten Stock hinauf.  Ich erinnerte mich noch daran, dass wir Erin zum Bett bringen wollten, weil sie ziemlich schwankte, danach wei� ich nichts mehr. Ich hatte ein Black-out! Am n�chsten Morgen weckte mich ein lautes Brummen, direkt neben meinem Ohr, erst sp�ter, realisierte ich, dass es mein Kopf war, der brummte. Ich versuchte die Augen zu �ffnen, doch meine Lider f�hlten sich an, wie tonnenschwere Bleibarren. Vorsichtig setzte ich mich im Bett auf, dabei st�tzte ich mich mit dem Arm auf etwas Weichem (ich nahm an ein Kissen) ab, da jaulte jemand vor Schmerz auf und riss meinen Arm zur Seite. St�hnend sank ich zur�ck und dachte nur eins: Nie wieder Cocktails!

Keine halbe Stunde sp�ter wurde ich von Erik geweckt. Ich wehrte mich mit H�nden und F��en, na ja, besser gesagt, murmelte die ganze Zeit: �Lass mich! Will noch schlafen!�, als er  mir dann mit einem  Eisw�rfel �ber�s Gesicht rieb und mit seinen Lippen z�rtlich meinen Mund weckte, war jeder Widerstand zwecklos. V�llig verkatert, aber wenigstens wach, schlurfte ich ins Badezimmer. Sp�ter brachte mir noch jemand ein Aspirin und nachdem ich frisch geduscht, in den Fr�hst�ckssaal kam, konnte ich auch wieder klar denken. Janie und Erin sahen nicht viel besser aus und Shellie und Michelle waren nicht da, wahrscheinlich schliefen sie noch.

�Na, auch endlich ausgeschlafen?�, fragte mich Mike gut gelaunt.

Ich nickte nur und hielt mit gleich darauf wieder den Kopf, der bei jeder kleinen Bewegung h�llisch schmerzte.

�Wenigstens habt ihr drei es noch ins Bett geschafft, oder sollte ich besser sagen, in EIN Bett!�, stichelte er weiter.

�Wieso?�, fragte ich und griff in den gef�llten Br�tchenkorb.

�Erinnerst du dich nicht mehr? Als wir heute nacht gegen drei Uhr zur�ck kamen, lagt ihr drei, Erin, Janie und du zusammen in Erin�s Bett. Sah richtig s�� aus!  Wir wollten euch nicht wecken, deshalb hat Dan bei Erk im Bett gepennt.�, erkl�rte er mir lachend.

�Wir erinnern uns auch nur noch teilweise!�, tr�steten mich die beiden anderen.

�Ihr bekommt keinen Alkohol mehr w�hrend der Tour!�, sagte Dan mit gespielter Strenge.

�Und was ist mit unseren Weink�niginnen Shellie und Michelle?�, fragte Jake grinsend.

Sofort brachen alle am Tisch in lautes Lachen aus, sogar Janie und Erin lachten mit schmerzverzerrten Gesichtern.

�Warum? Was ist mit denen?�, wollte ich wissen.

�Also, wir sind, nachdem wir angekommen sind, sofort hoch, weil wir alle ziemlich m�de waren und als Dan euch alle zusammen in seinem bett gefunden hat, hat er uns sofort gerufen, aber es hab noch eine andere �berraschung. Ashley und Trevor vermissten ihre Freundinnen. Nach langer Suche fanden wir sie schlie�lich in der Bar. Sie waren am Tresen eingeschlafen, die hatten anscheinend noch mehr Promille als ihr. Wir haben sie dann hoch getragen in ihre Betten und da schlummern sie jetzt immer noch.�, erz�hlte Mike Cronin kichernd.

�Frauen und Alkohol passen einfach nicht zusammen!�, f�r diese Bemerkung erntete er drei bitterb�se Blicke.

Kaum waren wir mit Fr�hst�cken fertig, mussten wir schon wieder in die n�chste Stadt. Stuttgart! Zum Gl�ck mussten wir nichts einpacken, da wir gestern vor lauter Cocktails gar nicht dazu gekommen waren, etwas auszupacken. Trev und Ash schafften es auch endlich ihre Freundinnen zu wecken, die aber im Bus gleich weiter schliefen. Janie musste sich mehrmals w�hrend der Fahrt �bergeben und alle machten Witze �be reine m�gliche Schwangerschaft und nannten Jacob nur noch �Daddy�. Erin litt unter heftigen Migr�neanf�llen und sa� die ganze Zeit mit einer schwarzen Sonnenbrille herum. Mike `n Mike arbeiteten wieder ununterbrochen und die Jungs schliefen oder ruhten sich etwas aus, denn auch sie waren gestern sehr lange aufgeblieben. Erik hatte mir kurz erz�hlt, dass sie noch in einer Disco gewesen waren. Ich nutzte die freie Zeit um einen Brief an meine Eltern und eine SMS an Nat zu schreiben. Danach st�berte ich in der CD-Sammlung, die um die HIFI-Anlage herum verstreut lag, nach dem O-Town Album und h�rte es mir endlich einmal genau an. Nat�rlich waren die Songs nicht so gut, wie wenn ich sie live h�rte, aber trotzdem waren sie wirklich cool. W�hrend ich die CD rauf und runter h�rte, schlief ich irgendwann ersch�pft ein. Die letzte Nacht zeigte doch noch ihre Nachwirkungen.

Das Konzert in Stuttgart war genauso spitze wie das in Frankfurt, und auch die Konzerte in Bielefeld, Leipzig und Berlin machten mich zu einem noch gr��eren O-Town Fan (wenn man bedenkt, dass ich vor einer Woche nicht mal die Namen der Mitglieder gekannt hatte, war das schon erstaunlich). Zwischendurch viele Photoshootings, Interviews und Meet �n Greets, zu denen die Freundinnen meistens nicht mit durften. Nat�rlich war ich entt�uscht, dass ich Erik nicht so oft sehen konnte, wie ich es wollte und manchmal war ich auch w�tend auf sein Leben als Star. In solchen Momenten �berlegte ich mir, ob es nicht besser war, die Beziehung zu beenden, da er mir nie so viel Aufmerksamkeit schenken konnte wie ein �normaler� Freund, doch dann dachte ich daran, dass ich ihn nach diesem kurzen treffen im �Blue Kiss� in Orlando nie vergessen hatte. Wie sollte ich es jetzt schaffen? Ich war so gl�cklich wie noch nie in meinem Leben und au�erdem hatten ich genug neue Freunde gefunden, die mir in solchen Krisen halfen, da sie in der gleichen Situation waren wie ich und mich wirklich gut verstanden.

Als ich am Samstag morgen in einem M�nchener Nobelhotel erwachte, war die Dopplbetth�lfte neben mir leer. Nur ein Zettel mit den Worten: �Sind zu einem Interview! Kommen gegen zw�lf Uhr wieder! Ich liebe dich dein Erik-Michael� lag auf dem zerknautschten Kissen, halb von der achtlos hingeworfenen Decke verdeckt. Singen konnte er ja, aber Betten machen? Auch Aufr�umen geh�rte nicht zu seinen St�rken, aber das war f�r mich kein Problem, denn mein Zimmer sah oftmals aus, wie nach einem Bombenattentat. Da klopfte es an der T�r. Shellie und Erin wollten mich zum Fr�hst�ck abholen. Rasch zog ich mich an und ging mit den beiden nach unten. Dort trafen wir Michelle und Janie. Zwischen frisch gepresstem Orangensaft und zuckers��en Croissants, �berlegten wir was wir heute unternehmen konnten. Nat�rlich stand eine Sightseeing-Tour durch M�nchen und eine gro�e Shopping-Tour auf unserem Programm, auch wenn ich in den letzten Tagen genug alte Kirchen und Denkm�ler f�r den Rest meines Lebens gesehen hatte und meine Koffer und Reisetaschen aus allen N�hten platzten. Zuerst mussten wir an einem Gesch�ft f�r Lederwaren vorbei, denn auch die anderen vier bekamen langsam Probleme. Sie mussten den gr��ten Teil ihres Gep�cks sogar per Post schicken, da sie das H�chstgep�ckgewicht pro Person im Flugzeug l�ngst �berschritten hatten. Achja, morgen fr�h um kurz vor sechs ging es zur�ck in die Staaten. Einerseits freute ich mich auf die USA (ich liebte dieses Land und seit meiner letzten Reise war viel Zeit vergangen), andererseits vermisste ich schon jetzt meine Familie und Freunde in K�ln. Wie w�rde es erst sein, wenn ich mehr als zehntausend Kilometer entfernt war? Schnell verflog mein Heimweh als wir eine Sightseeing-Tour der Superlative machten. Michelle hatte eine Anzeige entdeckt: �Lernen Sie M�nchen aus der Luft kennen. Mieten Sie sich einen von unseren hauseigenen, komfortablen Hubschraubern und erleben Sie M�nchen aus der Vogelperspektive.� Nur eine halbe Stunde sp�ter sa�en wir im hinteren Teil der �M�nchen 073� und betrachteten die streichholzschachtelgro�en H�user und die Menschen, die wie kleine Ameisen herumwuselten. Gleich im Anschluss kauften wir Versace, Armani, Chanel und Lagerfeld leer. Oh Gott, die Kreditkarte unserer Boys musste einiges aushalten� Erst nachdem alle Gesch�fte geschlossen hatten und wir noch einen Eiskaffee in einem gem�tlichen, kleine Caf� getrunken hatten, fuhren wir zum Hotel zur�ck. Leider waren O-Town schon zur Halle gefahren, um dort den Soundcheck f�r das Konzert abends zu machen. Rasch fuhren wir hin und bekamen noch die letzten drei Songs mit. Danach konnte ich meinem Erik zum ersten Mal heute einen Kuss geben, doch wir hatten uns kaum begr��t, mussten sie noch ein dringendes Photoshooting hinter sich bringen und dann ein Radiointerview. Kurzum, ein stressiger Tag. Es war auch kein Wunder, jede Zeitschrift, jeder Fernsehsender wollte sich die Chance nicht entgehen lassen, schnell noch die wichtigsten News zu h�ren, bevor sie zur�ck nach Amerika gingen. W�hrenddessen warteten wir in ihrer Garderobe und chillten ein wenig auf einem Sofa und ein paar sesseln.

�Hey Tina, wei�t du, was mir eben aufgefallen ist?�, sagte Janie auf einmal, �Du gast heute kein einziges Mal gen�rgelt, dass Erik keine Zeit f�r dich hat.�

�Stimmt! Obwohl heute ein ganz sch�n stressiger tag war!�

�Vor �ner Woche w�rst du noch v�llig ausgeflippt.�

�Du hast dich echt ver�ndert�

�Gehst jetzt richtig cool damit um, wei�t du das?�

Erst als es den anderen aufgefallen war, erkannte ich, dass sie Recht hatten und ich fragte mich, wie Erik sich nur in so ein nerviges M�dchen hatte verlieben k�nnen. Was war, wenn ich f�r ihn nur irgendeine unter vielen war? Eine weitere Troph�e f�r seinen Schrank, mit der angeben konnte. Ich versuchte mich abzulenken, aber dieser eine Gedanke kehrte immer wieder zur�ck. Bin ich f�r ihn die gro�e Liebe oder nur eine kleine Aff�re?

�Sagt mal, hatte Erik eigentlich viele Freundinnen vor mir?�, fragte ich vorsichtig.

�Was ist das f�r eine Frage?!? Hast du Angst, seine Ex k�nnte es auf dich abgesehen haben?�, Shellie lachte laut �ber ihren eigenen Scherz.

�Also hatte er vor kurzem eine?�, fragte ich nerv�s weiter.

�Nicht, dass wir w�ssten. Klar gab es immer mal wieder ein M�dchen, aber das hielt nie l�nger als einen Monat!�, erkl�rte mir nun Erin, �Aber solange kenne ich ihn auch noch nicht.�, fuhr sie fort.

�Moment!�, unterbrach Janie sie, �Es gab mal ein M�dchen. Es ist, glaube ich, schon �ber ein Jahr her, da war er mal ziemlich verknallt, leider war sie nur f�r eine Woche Urlaub in Orlando und Erik hatte ihre Handynummer verlegt und machte sich monatelang Vorw�rfe.�

�Ich erinnere mich jetzt auch wieder. Erik hat mal gesagt: �Ich habe dieses M�dchen nur einen Abend lang gesehen, aber mein Herz f�r immer an sie verloren.� Ich fand das echt zum Heulen, wie in einem Hollywoodstreifen.�, erz�hlte Shellie.

�Wisst ihr, wo sich die beiden kennen gelernt haben?�, mein Herz klopfte wie wild, als ich diese Frage stellte.

�Mmmh� das war, glaube ich, im �Blue Kiss�, eine Szenedisco in Orlando!�, meinte Janie.

Ich musste schlucken und sp�rte, wie mir eine Tr�ne die Wange herunterlief.Mir spukte nur ein Satz im Kopf herum: �Ich habe dieses M�dchen nur einen Abend lang gesehen, aber mein Herz f�r immer an sie verloren.� Ihm war es genauso ergangen wie mir. Von weit weg h�rte ich �ngstliche Stimmen, die die ganze Zeit meinen Namen riefen, aber in meinem Kopf gab es daf�r keinen Platz. Auf einmal standen Erik und die vier anderen im Zimmer. Durch einen Tr�nenschleier sah ich, wie er mich besorgt umarmte und mir ins Ohr fl�sterte: �Es ist alles okay, Tina! Ich bin bei dir! Was ist denn passiert, Liebes?�

Ich presste mich an ihn, umklammerte mit meinen eiskalten H�nden seinen warmen Nacken.

�Ach Erik, ich liebe dich!�, schluchzte ich, bevor ich ohnm�chtig in seinen Armen zusammen sank.

�Sie kommt zu sich!�, leises Stimmengemurmel! Zaghaft �ffnete ich die Augen und sah mich in einem kleinen, wei� gestrichenen Zimmer um. An den W�nden hingen zwei Landschaftsbilder und ein Kalender mit Hundebabys. Die T�r stand einen Spalt offen und neben dem Bett, in dem ich lag, standen zwei Hocker, auf denen Michelle und Janie sa�en und mich besorgt anschauten.

�Wie geht es dir, Tina?�, fragte Michelle.

�Ganz gut, glaube ich!�, meine Stimme klang heiser und ich musste mich mehrmals r�uspern.

Da klopfte es an der T�r und ein �lterer Herr mit Nickelbrille und dunkler Ledertasche betrat den Raum.

�Wie ich sehe geht es meiner Patientin wieder besser.�, l�chelte er mich warmherzig an.

�Wenn ich mich kurz vorstellen darf. Mein Name ist Doktor Martin.� Ich ergriff seine Hand und sch�ttelte sie.

�Darf ich wieder aufstehen? Mir geht es n�mlich wirklich gut.�, bittend blickte ich ihn an.

�Immer langsam mit den jungen Pferden, Frau Rohloff! Erst einmal werde ich sie noch rasch untersuchen und dann sehen wir weiter.�

Nach der zehnmin�tigen Untersuchung erlaubte er mir aufzustehen und mir das Konzert anzusehen, trotz allem sollte ich mich schonen, denn ich konnte jederzeit wieder zusammen brechen, da die letzte Woche viel zu stressig f�r mich gewesen war und ich mich erst daran gew�hnen musste. Wir verabschiedeten uns gerade von Doktor Martin als Ashley hereinkan und rief: �Tina! Wir haben eine �berraschung f�r dich. Du bist heute abend wieder unser Paintergirl!�

Erstaunt schaute ich ihn an und wandte mich dann an Herrn Martin.

�Darf ich?�

Er schmunzelte: �Hmm� Ich kennen keinen Grund, er aus �rztlicher Sicht dagegen spr�che. Sie m�ssen mir nur versprechen, sich nicht zu �beranstrengen.�

�Danke!�, spontan dr�ckte ich ihm ein kleines Bussi auf die Wange und lief dann hinter Ash zur B�hne. Dort warteten schon die anderen vier und Mike �n Mike. Erik nahm mich erleichtert in den Arm und ich merkte, wie ihm ein Felsbrocken vom herzen fiel. Sogar Mike sagte nichts, als wir uns noch einmal k�ssten, obwohl die Show in weniger als f�nf Minuten begann. Auch er dr�ckte mich kurz an sich. Ich winkte allen noch mal zu und verschwand dann am B�hnenrand, wo ich auf meinen �gro�en Auftritt� wartete. Fasziniert, wie immer, beobachtete ich �meine Boys� und die Zeit verging so schnell, schon kam Trevor nach hinten und holte mich auf die B�hne. Ich nahm auf dem altbekannten Hocker Platz und dachte, ich w�re eine Woche in die Vergangenheit gereist, w�hrend mich die Fans zum Teil neidisch anstarrten und Ashley mich nach meinem Namen fragte. Wie im Traum erlebte ich alles und ich hatte Angst, dass es wirklich nur ein Traum war und ich gleich zuhause in meinem bett schwei�gebadet erwachen w�rde, doch nichts dergleichen geschah. Nachdem Shy girl zu Ende war, wurde ich zu Erin, Janie, Michelle und Shellie gebracht, die mich lachend in die Arme nahmen und mich lobten, wie toll ich meine Rolle als Paintergirl doch gespielt hatte. Nachdem Konzert fuhren wir alle zusammen zum Hotel um zu feiern, denn eine weitere

O-Town Tour war erfolgreich beendet worden. Bis sp�t in die Nacht wurde geredet, gelacht und getanzt. Ich hielt mich an den Rat des Arztes und blieb etwas im Hintergrund, trank nur ein kleines Gl�schen Sekt, tanzte kaum, hatte aber genauso viel Spa� wie alle anderen. Bald g�hnten die ersten m�de, manche konnten kaum noch ihre Augen offen halten und wir wussten, dass wir am n�chsten Morgen fr�h aufstehen mussten, um nicht das Flugzeug zu verpassen. Ich kuschelte mich nachts fest in Erik�s Arme und tr�umte von einem riesigen Fest mit allen meinen Freunden, alte wie neue, meiner Familie und nat�rlich meinem Freund, den ich �ber alles in der Welt liebte.

Wie sollte es auch anders sein, erwischten wir unseren Flug gerade noch in allerletzter Sekunde und als ich endlich in meinem gem�tlichen Sitz zwischen Erik und Ashley sa� (nat�rlich reisten wir erste Klasse), war ich schon wieder v�llig ersch�pft, obwohl ich erst vor anderthalb Stunden aufgestanden war. Alle freuten sich auf zuhause, doch manche mussten sich auch ein paar Tr�nen aus den Augenwinkeln reiben, trotz aller Strapazen hatten sie Deutschland lieb gewonnen und w�rden es in den USA vermissen, besonders nat�rlich die Fans. Auch die bevorstehende Trennung von ihren Boyfriends, die sofort wieder im Stress waren und die sie wochenlang, vielleicht sogar mehrere Monate nicht sehen konnten, stimmte die M�dchen traurig. Der Flug dauerte �ber neun Stunden, w�hrenddessen hatte ich viel Zeit zum Nachdenken. Erst jetzt wurde mir bewusst, was Gl�ck bedeutete und wie sehr ich es verdiente hier zu sitzen. �berall in dieser Welt gibt es Menschen, die denken, dass sie immer nur Pech haben. Diese Menschen sind so verbissen darin, dass Gl�ck zu finden, dass sie einfach nicht mehr bemerken, dass es schon da ist. Es steckt in jedem von uns drin, wir m�ssen blo� mit dem herzen f�hlen und denken, um es zu sehen.

Ich wei�, wie viele Fans alles geben w�rden, um mit einem Boy von O-Town zusammen zu sein, aber ich denke mit ihnen ist es �hnlich wie mit den meisten Menschen. Sie versuchen alles, um ihrem Traumboy nahe zu sein. Lauern im Hotel, vor Konzerthallen, verfolgen sie �berallhin und �bersehen ihr Gl�ck dabei einfach. Ich h�tte es auch fast �bersehen, erst als meine Tr�nen versiegt waren und mein Herz nicht mehr blutete, konnte ich es finden und heute sitzt es neben mir und schl�ft, seinen Kopf auf meine Schulter gest�tzt. Mein Blick verschwamm, salzige Tr�nen benetzten meine Wangen, tropften auf mein T-Shirt, erst als mich die Stewardess besorgt fragte, ob alles in Ordnung sei, merkte ich, dass ich weinte, doch es waren Tr�nen der Freude, nicht der Trauer.

Wir kamen gegen zehn Uhr morgens (amerikanischer Zeitrechnung) in New York City an. Hier mussten O-Town, Mike �n Mike und ich in einen Flieger nach Orlando steigen, die anderen vier kehrten in ihr Leben ohne Glamour, ohne Shoppingtouren in teuren Modeh�usern, ohne Wohnen in Nobelhotels, in denen eine �bernachtung so viel kostete, wie sie im Monat verdienten, aber am schwierigsten zu ertragen war die Sehnsucht nach ihren Freunden. Seen aus Tr�nen flossen hier und nachdem das Make-up verschmiert, die Taschent�cher vollgeheult und alle tausend mal umarmt und gek�sst worden waren, gingen wir acht langsam zum Check-in.

 

Die n�chste Woche war etwas ruhiger als die in Deutschland, das lag daran, dass die Boys nur tags�ber Promotiontermine und Photoshootings hatten und es abends keine Konzerte gab. Au�erdem fand alles nur in der n�heren Umgebung Orlandos statt, weil sie sich auch ein wenig zuhause erholen wollten. Das Haus war wirklich Wahnsinn, zwar ein wenig chaotisch, aber trotzdem super ausgestattet. Da ich nicht immer mitgehen konnte, verbrachte ich die meiste Zeit im hauseigenen Swimming Pool oder erkundete Orlando und abends gingen wir oft weg. Eines abends, ich chillte gerade auf einer Luftmatratze in der Mitte des nierenf�rmigen Pools in meinem neuen, superschrillen Bikini und schl�rfte eisgek�hlte Pepsi, klingelte es an der T�r. Ein wenig genervt paddelte ich an den Rand und ging ins Haus. Neben der Haust�r befand sich eine Gegensprechanlage plus versteckter Kamera mit der ich die Leute vor dem schmiedeeisernen Tor beobachten konnte. Mit einem kurzen Knopfdruck schaltete ich den Bildschirm ein und sah zwei M�nner, der eine sah aus wie ein Kameramann, der andere wie ein Reporter. Was sollte ich nun tun? Ich konnte sie schlecht hinein lassen und ihnen erkl�ren, dass ich Erik�s Freundin war, aber wenn sie ein Treffen mit O-Town hier im Haus hatten und sie es vergessen hatten oder sich versp�teten? Am besten frag ich erstmal, was sie wollen, entschied ich einfach aus dem Bauch heraus und dr�ckte auf den Sprechknopf.

�Hallo! Wer ist da?�

�Ich bin Simon Andrews vom Sunshine Magazine!�, stellte sich der eine vor.

�Was wollen Sie hier?�

�Wir m�chten ein Interview mit O-Town machen. K�nnen Sie uns hereinlassen?�

�Haben Sie einen Termin?�, ich wollte mir erst v�llig sicher sein, bevor ich die beiden hereinlie�.

�Nicht direkt! Aber es dauert nicht sehr lange�

�Tut mir leid! Ich kann Sie nicht hereinlassen! Au�erdem sind O-Town sowieso nicht da. Auf Wiedersehen!�, sagte ich hastig, langsam wurde ich nerv�s.

�Oh, aber vielleicht k�nnen Sie uns ein paar Fragen beantworten, Miss? Sie kennen die Jungs offensichtlich ziemlich gut, au�erdem wohnen Sie bei O-Town im Haus. Das sind tolle News,  die unsere Leser bestimmt brennend interessieren werden.�

�Wenn Sie einen Artikel ver�ffentlichen, werden O-Town Sie verklagen.�

�Das werden wir ja sehen. Na, mit welchem der Jungs sind Sie zusammen? Mit M�dchenschwarm Ashley oder dem coolen Trevor?�

�Ich werde keine von Ihren unversch�mten Fragen beantworten!�, rief ich emp�rt.

�Aha! Also sind Sie das Hausflittchen, dass es mit jedem macht.�, grinste er frech.

�Wie k�nnen Sie so etwas nur behaupten?�, langsam wurde ich wirklich sauer.

�Oder ist an dem Ger�cht, dass alle Boygroups schwul sind, wirklich etwas dran?�

�Ich denke nicht!�, h�rte ich auf einmal Dan�s Stimme.

�Dan?�, fragte ich verwundert.

�Ja, ich bin�s Tina! Mach dir keine Sorgen, ich k�mmere mich um die Typen.�

Ich blickte erleichtert auf den Bildschirm, auf dem sich Dan drohend vor den beiden aufbaute und sie mit ruhiger, aber bestimmter Stimme aufforderte, zu gehen. Erst wollte der Reporter ausfallend werden, doch als er das w�tende Blitzen in Dan�s dunkelblauen Augen sah, zuckte er zusammen und ging fluchend die Auffahrt hinunter, hinter ihm sein Scho�h�ndchen der Kameramann.

Beruhigt �ffnete ich die Haust�r, kam dass Dan angeklopft hatte. Noch im T�rrahmenfiel ich ihm in die Arme.

�Tausend dank, Dan! Ich wei� nicht, was ich ohne dich getan h�tte.�

�Hey, es ist doch �berhaupt nichts passiert. Ein paar Paparazzis sind doch keine gro�e Sache, Kleine.�, er strich mir �ber die Haare und l�chelte mich mit seinem Superstrahlen, dass mich immer happy machte, an.

�Du bist echt ein guter Freund, wei�t du das?�, lobte ich ihn, w�hrend wir in die K�che gingen.

�Klar, das krieg ich t�glich gesagt.�, grinste er und nahm einen Schluck O-Saft aus der Flasche.

�Aber willst du dir nicht was �berziehen, wenn dich der Schmalzlockenreporter so gesehen h�tte, w�rst du morgen auf jeder Titelseite gewesen.�

Da bemerkte ich, dass ich noch immer nur den Bikini trug und dankte Gott und allen anderen, die mir noch einfielen, dass ich nicht ge�ffnet hatte.

�Ups!�, war das einzige Kommentar, bevor ich nach oben in Erik�s Zimer eilte und mir seinen schwarzen Bademantel �berzog. Da klopfte es und Dan fragte mich durch die T�r ged�mpft:

�Kann ich reinkommen?�

�Nur zu!�, rief ich und band mir die Haare im Nacken zusammen. Er trat ein und blickte mich �berrascht an.

�Oh, ich hab gedacht, du w�rdest dir richtige Klamotten anziehen.�

�Wieso? Gef�llt es dir nicht?�, flirtete ich ihn frech an.

�Doch, er steht dir super. Trotzdem� wir haben n�mlich eine �berraschung f�r dich, daf�r m�ssen wir aber au�er Haus.�, sagte er verlegen.

�Geht in Ordnung! Einmal umdrehen, bitte!�, lachte ich ihn an und griff nach einem wei�en Minikleid, dass ich rasch �ber meinen orangenen Bikini zog, der leicht durchschimmerte. Ein kurzer Blick in den Spiegel, noch mal die Lippen nachgezogen und schon konnte es losgehen.




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